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Kazimierz (Oberglogau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kazimierz
Kasimir
Datei:POL Kazimierz (Prudnik) COA.png
Kazimierz Kasimir (Polen)
Kazimierz
Kasimir (Polen)
Kazimierz
Kasimir
Basisdaten
Staat: Polen[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]:  Polen

Woiwodschaft: Opole
Powiat: Prudnik
Gmina: Oberglogau
Geographische Lage: 50° 18′ N, 17° 54′ OKoordinaten: 50° 17′ 50″ N, 17° 53′ 36″ O
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Höhe: 210 m n.p.m.
Einwohner: 362 (31. Dez. 2008<ref>Vgl. www.glogowek.pl; abger. am 22. Januar 2008</ref>)
Postleitzahl: 48-250
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPR
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Katowice

Kazimierz (deutsch Kasimir) ist ein Ort in der Stadt- und Landgemeinde Oberglogau im Powiat Prudnicki (Kreis Neustadt O.S.) der Woiwodschaft Opole in Polen.

Geographie

Das Angerdorf Kazimierz liegt sechs Kilometer südlich von Oberglogau (Głogówek), 26 Kilometer östlich von Prudnik (Neustadt O.S.) und 50 Kilometer südlich von Opole (Oppeln) in der Nizina Śląska (Schlesische Tiefebene). Durch den Ort fließt die Straduna.

Ortsteile von Kazimierz sind der Weiler Anachów (Annahof) und das ehemalige Dorf Damasko, dem die Kolonie Langendorf eingegliedert war.

Nachbarorte von Kazimierz sind im Westen Góreczno (Bergvorwerk) und Szonów (Schönau), im Nordosten Grötsch (Grodzisko) und im Südosten Ciesznów (Teschenau).

Geschichte

Datei:2012-04 Kazimierz 19.jpg
Dorfansicht mit Pfarrkirche
Datei:2012-04 Kazimierz 18 Pałac.jpg
Propsteischloss Kasimir
Datei:2012-04 Kazimierz 09.jpg
Ortsbild

Das Gebiet des heutigen Kazimierz im südwestlichen Zipfel des Herzogtums Oppeln schenkten die Oppelner Herzöge dem Zisterzienserstift Leubus. Der Ort selbst wurde vermutlich vom Oppelner Herzog Kasimir I. gegründet. Dessen Sohn Mieszko II. erteilte 1238 Kasimir die Genehmigung zur Ansiedlung von Deutschen. Bereits für das Jahr 1223 ist die Propsteikirche in Kasimir urkundlich nachgewiesen, die von den Zisterziensern betreut wurde.<ref name="Triest">Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865</ref><ref>Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845</ref>

Der Ort wurde als deutschrechtliche Stadt mit eigenem Schöffenstuhl ausgesetzt. So ist für das Jahr 1393 ein Schöffensiegel nachgewiesen, das den Buchstaben „K“ unter einer Krone und flankiert von zwei gekrönten Häuptern zeigt und damit Bezug nimmt auf den Ortsgründer Herzog Kasimir. Die unbefestigte Stadt wurde 1428 in den Hussitenkriegen zerstört und hatte danach als Dorf ihren Stadtcharakter eingebüßt.<ref>Hugo Saurma, Hrsg.: Wappenbuch der Schlesischen Städte und Städtel. Berlin 1870</ref> Mit der Reformation wurde die örtliche Pfarrkirche kurzzeitig evangelisch, bis die Gegend rekatholisiert wurde.

Kasimir gehörte zum Herzogtum Oppeln, das seit 1327 ein Lehen der Krone Böhmen war. Nach dem Tod des letzten Oppelner Herzogs Johann II. im Jahr 1532 fiel das Herzogtum als ein erledigtes Lehen durch Heimfall an Böhmen, dessen Landesherren seit 1526 die Habsburger in ihrer Eigenschaft als Könige von Böhmen waren. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Kasimir 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Nachfolgend wurde es dem Landkreis Neustadt O.S. eingegliedert.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster Leubus und mit ihm die Zisterzienser-Propstei Kasimir 1810 aufgelöst. Das Propsteischloss ging an die Familie von Prittwitz über, die dem Ortspfarrer, der bis dahin im Gutsschloss residiert hatte, 1819 ein Pfarrhaus baute und das Patronat über die ehemalige Propsteikirche übernahm.<ref name="Triest" /> Nach der Neuorganisation der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Schönau ab 1816 zum Landkreis Leobschütz im Regierungsbezirk Oppeln. Kasimir bestand damals aus den Dorfteilen Gräflich Kasimir und Propstei Kasimir, die jeweils noch über einen Gutsbezirk verfügten. 1845 bestanden in Gräflich Kasimir 93 Häuser. Propstei Kasimir bestand im Jahr 1845 aus einer katholischen Pfarrkirche, einer katholischen Schule, einem Vorwerk und einem Schloss.<ref name="Knie">Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 276.</ref> 1861 waren alle Einwohner römisch-katholischer Konfession und überwiegend in der Landwirtschaft tätig. Bekannt war der Ort für seine Schafzucht.<ref name="Triest" /> 1874 wurde der Amtsbezirk Damasko gegründet, zu dem die Landgemeinden Damasko und Kasimir sowie der Gutsbezirk Casimir gehörten. Erster Amtsvorsteher war der Rittergutsbesitzer Bernhard von Prittwitz in Probstei Casimir.<ref>Territorial Amtsbezirk Damasko/Kasimir</ref>

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten in Kasimir 384 Personen für einen Verbleib bei Deutschland und 3 für Polen. Kasimir verblieb wie der gesamte Stimmkreis Leobschütz beim Deutschen Reich.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Landsmannschaft der Oberschlesier in B-W (Memento vom 24. Januar 2017 im Internet Archive)</ref> 1923 wurde das Dorf elektrifiziert. 1933 zählte der Ort 1089 Einwohner, 1939 waren es 1078. Bis 1945 gehörte der Ort zum Landkreis Leobschütz.<ref name="Verw">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> Am 14. März 1945 erfolgte ein erster Fliegerbombenangriff auf den Ort. Am 17. März erfolgte ein weiterer Fliegerangriff, bei dem zahlreiche Menschen ihr Leben verloren. Am 18. März um zwei Uhr nachts erfolgte der Befehl zur Räumung des Dorfes.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Kasimir 1945 mit dem größten Teil Schlesiens an Polen. Es wurde in Kazimierz umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien eingegliedert. Im Mai und Juni 1945 kehrte ein Teil der vor Kriegsende geflohenen deutschen Bevölkerung zurück nach Kasimir. Am 1. Juni erfolgte die Vertreibung, so dass im Gegensatz zu anderen Orten der Gemeinde Oberglogau in Kasimir nur wenige Angehörige der deutschen Minderheit verblieben sind. Deshalb gelten die zum 1. Dezember 2009 eingeführten zweisprachigen Ortsbezeichnungen in der Gemeinde nicht für Kazimierz.<ref>Vgl. nto.pl; abger. am 22. Januar 2009</ref> Die neu angesiedelten Bewohner waren Vertriebene aus Ostpolen (Głęboczek, heute Hlybochow bei Borschtschiw), das an die Sowjetunion gefallen war.<ref>Vgl. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Miejscowości osiedleń grupowych ludności wiejskiej pochodzącej z obszaru Polski w granicach do 1939; (Memento vom 17. März 2009 im Internet Archive) abger. am 24. Februar 2008</ref> Ein Großteil der vertriebenen Deutschen kam nach Bockenem in Niedersachsen. 1950 wurde Kazimierz der Woiwodschaft Oppeln eingegliedert. Seit 1999 gehört Kazimierz zum Powiat Prudnicki. Am Sonntag, 3. September 2023, fand das 800-jährige Bestehen des einstigen Zisterzienserortes Kasimir statt.<ref>Schlesische Nachrichten, 2023/3, S. 17; Leobschützer Heimatblatt, 4/2023, S. 40: 800 Jahrfeier der Pfarrkirche von Kasimir</ref>

Sehenswürdigkeiten

Datei:2012-04 Kazimierz 26.jpg
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (2012)
  • Die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Kościół Wniebowzięcia Najświętszej Marii Panny) wurde 1755 im Barockstil errichtet. Das Hochaltarbild „Mariä Himmelfahrt“ wird der Schule Michael Willmanns zugeschrieben. Auf der Kirchendecke ist die Verkündigung Mariä dargestellt. Auf den Seitenaltären befand sich ursprünglich auf der Epistelseite ein Gemälde der hl. Anna und auf der Evangelistenseite die Kreuzigung Jesu auf einem Gemälde aus Holz. Die 1904 angeschafften Gemälde des Kreuzwegs stammen aus der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München.<ref>Hofrichter, Geschichtliches der einzelnen Ortschaften des Kreises Leobschütz, 1914, Seite 426</ref> Zwischenzeitlich wurden die Seitenaltargemälde ausgetauscht. Auf einem Seitenaltar befindet sich die Schwarze Madonna von Tschenstochau auf dem anderen eine Herz-Jesus-Statue.<ref>Leobschützer Heimatblatt, 55. Jahrgang, Heft 4, Dezember 2022, S. 51.</ref>
  • Die Berschdorfer Orgel in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde von der Neisser Orgelbaufirma Carl Berschdorf geliefert und am 24. November 1931 eingeweiht. Die Kosten von 9500 RM wurden von der Oberschlesischen Landgesellschaft in Oppeln zu 2/3 und zu 1/3 durch Kollekten aus der Kirchengemeinde unter Pfarrer Edmund Scholz und Gemeindeoberhaupt Josef Fröhlich bezahlt. Zur Pfarrgemeinde Kasimir gehörten damals die Ortschaften Kasimir, Berndau und Thomnitz. Im Jahre 2015 wurde die dringend erforderliche Orgelrenovierung durchgeführt.<ref>/ Downloaded from Repository of Opole University Organy Carla Berschdorfa w kościele pw. Wniebowzięcia NMP w Kazimierzu 117 </ref>
  • Das Wappen der Äbte von Leubus über dem Seiteneingang der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Die Initiale „G.A.L.“ bedeuten Gabriel Abt von Leubus (letzter Vorsteher des Klosters Leubus, dem die Probstei Kasimir sechs Jahrhunderte angehörte). Die Jahreszahl 1799 weist auf die Wiedereinweihung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt nach dem großen Brand von 1796 hin.<ref>Leobschützer Heimatblatt, 55. Jahrgang, Heft 4, Dezember 2022, S. 48</ref>
  • Lapidarium deutscher Grabsteine seit 2022 auf dem Friedhof der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.<ref>Leobschützer Heimatblatt, 55. Jahrgang, Heft 3, September 2022, S. 34</ref>
  • Das Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges aus Kasimir, einst entlang der Dorfstraße, befindet sich (soweit erhalten) seit 2022 auf dem Friedhof der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.<ref>Leobschützer Heimatblatt, 55. Jahrgang, Heft 3, September 2022, S. 34</ref>
  • Das Schloss Kasimir (auch Propsteischloss Kasimir, polnisch Pałac Kazimierz), das Schloss der Familie von Prittwitz (ehem. Zisterzienserpropstei), stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, eventuell mit Ursprüngen im 16. Jahrhundert.<ref>Reiseführer Oberschlesien. Abgerufen am 17. März 2018.</ref> Der dreigeschossige Schlossbau auf rechteckigen Grundriss entstand teilweise in neogotischen Formen. Das Gebäude steht heute leer und verfällt.<ref>Geschichte und Beschreibung Schloss Kasimir (poln.)</ref>
  • Ruinöses Mausoleum der Familie von Prittwitz.
  • Ruine der alten Mühle.
  • Steinerne Wegkreuze.

Vereine

  • Freiwillige Feuerwehr OSP Kazimierz
  • Fußballverein LKS Partyzant Kazimierz

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Weitere mit Kasimir verbundene Persönlichkeiten

  • August Froehlich, NS-Widerstandskämpfer, dessen Großfamilie aus Kasimir stammte. Sein Ururgroßväter waren Anton Fröhlich (1765 – 10. März 1822), Langendorf und Anton Wawrzick/Wawersig (1749 – 24. Oktober 1837, Damasko)<ref>Leobschützer Heimatblatt, 55. Jahrgang, Heft 3, September 2022, S. 37</ref>

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen von Kasimir nach dem jeweiligen Gebietsstand (einschließlich des Gutsbezirks):<ref>Quellen der Einwohnerzahlen: zu 1844: [1]; zu 1855 und 1861: Landkreis Leobschütz. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Mai 2023;.</ref>

Jahr Einwohner
1844 523
1855 510
1861 535
1910 753
1933 1.089<ref name="Verw" />
1939 1.078<ref name="Verw" />

Literatur

  • Georg Beier: Die Dörfer des Kreises Leobschütz 1914–1946. Oberschlesischer Heimatverlag Dülmen, 1990. ISBN 3-87595-277-4

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Alt Kuttendorf (Stare Kotkowice) | Blaschewitz (Błażejowice Dolne) | Ciesznów (Teschenau) | Deutsch Müllmen (Wierzch) | Dirschelwitz (Dzierżysławice) | Friedersdorf (Biedrzychowice) | Fröbel (Wróblin) | Góreczno (Bergvorwerk) | Kazimierz (Kasimir) | Kerpen (Kierpień) | Leschnig (Leśnik) | Mochau (Mochów) | Neu Kuttendorf (Nowe Kotkowice) | Oberglogau (Głogówek) | Polnisch Müllmen (Mionów) | Racławice Śląskie (Deutsch Rasselwitz) | Repsch (Rzepcze) | Schwesterwitz (Zwiastowice) | Szonów (Schönau) | Tomice (Thomnitz) | Twardawa | Zowade (Zawada)

Weiler: Anachów (Annahof) | Golschowitz (Golczowice) | Malkowitz (Malkowice) | Mutzkau (Mucków) | Neuvorwerk (But) | Schekai (Chudoba) | Syßlau (Sysłów)

Stadtteile von Oberglogau: Glöglichen (Głogowiec) | Hinterdorf (Oracze) | Weingasse (Winiary) | Wiedrowitz (Wydrowice) | Tiergarten (Zwierzyniec)

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