Kerpen (Oberglogau)
Kerpen (Vorlage:PlS) ist ein Ort in der Gemeinde Oberglogau (Głogówek) im Powiat Prudnicki der Woiwodschaft Opole in Polen. Zu dem Ort gehört der Weiler Chmielnik.
Geographie
Kerpen / Kierpień liegt sechs Kilometer nördlich von Oberglogau, 22 Kilometer östlich von Prudnik (Neustadt O.S.) und 31 Kilometer südlich von Opole (Oppeln) in der Schlesischen Tiefebene. Durch den Ort fließt ein Nebenarm der Osobłoga (Hotzenplotz).
Nachbarorte sind im Westen Zowade (Zawada) und Neuvorwerk (But), im Norden Schreibersdorf (Pisarzowice), im Nordosten Nowy Dwór Prudnicki (Neuhof), im Südosten Repsch (Rzepcze) und im Südwesten Leschnig (Leśnik) und Blaschewitz (Błażejowice Dolne).
Geschichte
„Kerpino“ wurde erstmals 1274 in einer Urkunde des Klosters Leubus<ref>Geschichte von Kerpen - Kiepien.pl (polnisch)</ref> und 1281 als Carpno erwähnt.<ref name="Knie" /> Der Ortsname soll sich vom lateinischen „Carpio“ (Karpfenteich) ableiten. 1335 wurde erstmals die Dorfkirche „ecclesia de Kepowa“ erwähnt<ref name="Kunstdenkmäler">Die Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Oppeln, 1894</ref> und 1388 erfolgte eine Erwähnung als Kerpyn.<ref name="Knie" /><ref name="Gemeinde">Geschichte der Dörfer in der Gemeinde Oberglogau</ref> Es gehörte von Anfang an zum Herzogtum Oppeln, das seit 1327 ein Lehen der Krone Böhmen war und 1532 an diese heimgefallen war.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Kerpen 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.
Nach der Neuorgliederung der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Kerpen ab 1816 zum Landkreis Neustadt O.S., mit dem sie bis 1945 verbunden blieb. 1831 wurde das Vorwerk Adelenhof erbaut. 1845 bestanden im Ort ein Freigut, ein Vorwerk, eine katholische Kirche, eine Wassermühle, zwei Sägewerke, ein Kretscham, ein Schmied und 75 Häuser. Im gleichen lebten in Kerpen 551 Einwohner, allesamt katholisch.<ref name="Knie">Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 282.</ref> 1865 hatte der Ort 17 Bauern-, 25 Gärtner- und 14 Häuslerstellen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kerpen eine katholische Schule mit 107 Schülern.<ref name="Triest"> Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Breslau 1865</ref> 1874 wurde der Amtsbezirk Schloß Ober Glogau II gegründet, dem die Landgemeinden Blaschewitz, Freiherrlich Dirschelwitz, Gräflich Dirschelwitz, Kerpen, Freiherrlich Mochau, Gräflich Mochau, Pauliner Mochau, Pauliner Wiese, Pleitersdorf, Rzeptsch und Schreibersdorf sowie die Gutsbezirke Adelenhof, Blaschewitz, Freiherrlich Dirschelwitz, Freiherrlich Mochau, Gräflich Dirschelwitz, Kerpen, Pauliner Wiese, Rzeptsch und Schreibersdorf eingegliedert wurden.<ref>Amtsbezirk Schloß Ober Glogau I/Mochau.</ref>
Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 266 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und 165 für Polen.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> Kerpen verblieb beim Deutschen Reich. 1933 lebten im Ort 648 Einwohner, 1939 waren es 604 Einwohner.<ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Kerpen 1945 an Polen, wurde in Kierpień umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. Von 1950 bis 1999 gehörte es zur Woiwodschaft Opole; seit 1999 gehört er zum Powiat Prudnicki. Am 22. April 2009 wurde in der Gemeinde Oberglogau, der Kerpen angehört, Deutsch als zweite Amtssprache eingeführt. Am 1. Dezember 2009 erhielt der Ort zusätzlich den amtlichen deutschen Ortsnamen Kerpen.
Sehenswürdigkeiten
Bei der Woiwodschaft steht unter Denkmalschutz:
- Die römisch-katholische Mariä-Geburt-Kirche (Kościół Narodzenia NMP) wurde 1335 erstmals erwähnt; errichtet um 1300, erweitert 1660; der Turm wurde 1793 gebaut. Erneuert wurde der Bau 1810 und 1910. Vom Ursprungsbau erhalten ist der frühgotische Chor mit seinem sechsteiligen Rippengewölbe. Im Inneren sind aus dem 17. Jahrhundert eine Barockstatue von Christus an der Geißelsäule und ein Kruzifix. Der hölzerne Musikchor wird auf den Anfang des 19. Jahrhunderts datiert.<ref>Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 444</ref><ref>Geschichte Mariä-Geburt-Kirche</ref> Seit 1959 steht die Kirche unter Denkmalschutz.<ref name="Denkmal">Vorlage:Webarchiv S. 36.</ref>
Nach Angaben des städtischen Denkmalverzeichnisses in Kerpen sind außerdem geschützt:
- die Mauer der Pfarrkirche mit Toren
- der Pfarrfriedhof an der Kirche
- das Gasthaus Nr. 1
- das Wohnhaus Nr. 24
- das Wohnhaus im Bauernhof Nr. 82, 83, 84 und 86
- die Schule, derzeit Haus-Nr. 88
Verkehr
Zum Ort führen folgende Bezirksstraßen: Nr. 1269 Zawada – Kierpień, Nr. 1278 Leśnik – Kierpień und Nr. 1837 auf der Strecke Dobra – Kierpień – Rzepcze. Kierpień hat Busverbindungen nach Głogówek. Im Dorf gibt es drei Bushaltestellen – Kierpień, Kierpień I, Kierpień II.
Vereine
- Deutscher Freundschaftskreis
- Dorferneuerungsprogramms „Odnowa Wsi Opolskiej“
Sicherheit
Im Bereich des Brand- und Zivilschutzes ist in Kerpen eine Einheit der Freiwilligen Feuerwehr tätig. Die Stadt steht unter der Obhut der Kreisdienststelle Nr. 12 des Bezirkspolizeipräsidiums in Prudnik mit einer Polizeistation in Oberglogau.
Söhne und Töchter des Ortes
- Julius Zupitza (1844–1895), deutscher Anglist und Begründer der Englischen Philologie in Deutschland
Weblinks
Einzelnachweise
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