Jeżyce (Darłowo)
Jeżyce (deutsch Altenhagen, Kreis Schlawe/Pommern) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern und gehört zur Landgemeinde Darłowo (Rügenwalde) im Kreis Sławno (Schlawer Kreis).
Geographische Lage
Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, östlich der Grabow (poln. Grabowa), etwa zwanzig Kilometer nordwestlich von Sławno (Schlawe) und sieben Kilometer südlich der Ostseestadt Darłowo (Rügenwalde). Das Dorf liegt in einer flachen Niederung etwa 20 Meter über NN. und fällt von Ost nach West zum Tal der Grabow mäßig ab.
Nachbarorte sind: im Osten der Staatliche Forst Nowy Kraków (Neu Krakow), im Süden das Dorf Jeżycki (Neuenhagen, Abtei), im Westen der Wald von Bukowo Morskie (See Buckow) und im Norden Pęciszewko (Petershagen).
Geschichte
Wie viele Hagenhufendörfer in der Region Rügenwalde, dürfte Altenhagen in der Zeit um 1300 als Gründung des Klosters Buckow entstanden sein.<ref>Franz Winter: Die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands – Ein Beitrag zur Kirchen- und Culturgeschichte des deutschen Mittelalters, Teil II: Vom Auftreten des Bettelordens bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, Perthes, Gotha 1871, S. 254 (Google Books).</ref> Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf stark zerstört. Um 1782 hatte das Hägerdorf, in dem ein jeder auf seiner eigenen Hufe wohnte, 13 Bauern mit dem dienstfreien Schulzen, einen Gerichtsvoigt, sechs Kossäten, zehn Büdner und 31 Feuerstellen (Haushaltungen).<ref name="bruegg" >Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 857, Ziffer 2)(2) (Google Books).</ref>
Um 1910 gab es in dem Dorf eine Spar- und Darlehnskasse sowie eine Mühle.<ref name="mgaz" />
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Landgemeinde Altenhagen einen Flächeninhalt von 5,5 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 119 bewohnte Wohnhäuser an fünf Wohnplätzen:<ref name="Stuebs" />
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- Altenhagen
- Büdnergehöft Plath
- Forstsekretärgehöft Neu Krakow, östlich des Dorfkerns gelegen
- Kutscher- und Schlepperführergehöft Neu Krakow
- Oberförstereigehöft Neu Krakow, östlich des Dorfkerns gelegen
Um 1935 gab es in Lanzig unter anderem zwei Gasthöfe, ein Bankgeschäft, zwei Mühlen, zwei Schmieden und zwei Schneidereien.<ref>Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 979 (Google Books).</ref>
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Altenhagen zum Landkreis Schlawe i. Pom. im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Altenhagen bildete zusammen mit Neuenhagen, Abtei, Petershagen, Pirbstow und Preetz den Amtsbezirk Petershagen. Standesamtlich gehörte der Ort ebenfalls nach Petershagen (Sitz des Standesamtes war jedoch Neuenhagen, Abtei), und amtsgerichtlich war er nach Rügenwalde orientiert.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberten am 6. März 1945 Truppen der Roten Armee Altenhagen. Die Umgebung des Dorfs wurde zunächst zu militärischem Sperrgebiet erklärt. Die Einwohner wurden aus den Häusern gewiesen und mussten mehrere Wochen lang das Dorf verlassen, wobei sie Unterkunft in Leikow fanden. Bald nach ihrer Rückkehr wurde Altenhagen zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten. In der Folgezeit wurden die einheimischen Dorfbewohner von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Altenhagen vertrieben. Altenhagen wurde in Jeżyce umbenannt.
Jeżyce ist heute ein Teil der Gmina Darłowo im Powiat Sławieński der Woiwodschaft Westpommern. Hier waren im Jahr 2006 272 Einwohner registriert.
Demographie
- Einwohnerzahlen bis 1945
- 1818: 254, Dorf, mit einer Mutterkirche und der Försterei Neu Krakow, königliche Besitzung<ref name="Krug" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 117, Ziffer 284 (Google Books).</ref><ref name="FvR" >Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 261, Ziffer 2 (Google Books).</ref>
- 1895: 610
- 1910: 612, Dorf<ref name="mgaz" >Altenhagen, Dorf, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Altenhagen (meyersgaz.org).</ref>
- 1925: 608, darunter 601 Evangelische,<ref name="Stuebs" >Die Gemeinde Altenhagen im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).</ref> nach anderen Angaben 593 Einwohner<ref name="Vwg" />
- 1933: 600<ref name="Vwg" >Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de
</ref>
- 1939: 584<ref name="Vwg" />
Kirche
Kirchen-/Pfarrgemeinde
Altenhagen gehörte vor 1945 mit Petershagen, Preetz und Neuenhagen, Abtei sowie der Filialkirche Pribstow zum Kirchspiel Petershagen, obwohl die Petershagener Kirche in der Gemarkung Altenhagen stand. Es lag im Kirchenkreis Rügenwalde in der Kirchenprovinz Pommern der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Franz Schroeder.
Das katholische Kirchspiel war in Schlawe i. Pom.
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner hier anwesende polnische Einwohnerschafr ist mehrheitlich katholischer Konfession. Am 15. Juni 1957 wurde die polnische katholische Pfarrei Jeżyce neu gegründet, und die frühere Petershagener Dorfkirche wurde in „Matka Boska Ostrombramska“ („Muttergottes im Tor der Morgenröte“) umbenannt. Die polnische Pfarrei gehört zum Dekanat Darłowo im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen.
Evangelische Polen sind dem Kirchspiel Koszalin (Köslin) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugeordnet.
Schule
Die alte Schule hieß Petershagener Schule, obwohl sie in der Gemarkung Altenhagen stand. 1929/30 wurde mitten im Dorf ein neues Gebäude errichtet. Es handelte sich um eine einklassige Volksschule mit etwa 60 Kindern. Von 1925 bis 1945 wurde die Schule vom letzten deutschen Lehrer Walter Mielke geleitet.
Verkehr
Durch den Ort führt eine Nebenstraße, die Darłowo (Rügenwalde) über Pęciszewko (Petershagen) und Przystawy (Pribstow) mit Malechowo (Malchow) an der Landesstraße 6 (ehemalige Reichsstraße 2, heute auch Europastraße 28) Stettin - Danzig, verbindet.
Die nächste Bahnstation ist Darłowo.
Siehe auch
Literatur
- Altenhagen, Dorf, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Altenhagen (meyersgaz.org).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 857, Ziffer 2)(2) (Google Books).
- Der Kreis Schlawe. Ein pommersches Heimatbuch, hrsg. von Manfred Vollack, 2 Bände, Husum 1988/1989
Weblinks
- Amtsbezirk Petershagen (Territorial.de)
- Die Gemeinde Altenhagen im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- Altenhagen im Heimatkreis Schlawe
Einzelnachweise
<references />
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Koordinaten: 54° 22′ N, 16° 24′ O
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