Pęciszewko
Pęciszewko (deutsch Petershagen) ist ein Dorf in polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Landgemeinde (gmina wiejska) Darłowo (Rügenwalde) im Powiat Sławieński (Schlawer Kreis).
Geographische Lage
Das Dorf liegt in Hinterpommern, etwa fünf Kilometer südlich von Darłowo (Rügenwalde). Die Ostsee ist etwa fünf Kilometer Luftlinie entfernt und mit dem Dorf durch den Bach Neuer Graben (poln. Nowe Rówe) verbunden, der hier in die Grabow (Grabowa) einmündet. Die Feldmark ist sehr flach, die höchste Erhebung mit 17 Metern liegt östlich des Dorfes. Die Äcker befinden sich meist östlich der Dorfstraße, und die zum Teil moorigen Wiesen alle westlich im Tal der Grabow.
Geschichte
Bis 1945 war Petershagen eine Domäne mit einer Fläche von 300 Hektar, davon 4/5 Acker, der Rest Wiesen und Weiden. Das frühere Dorf soll eine Siedlung des Peter von Neuenburg aus dem Adelsgeschlecht der Swenzonen aus der Zeit um 1310 gewesen sein, die im Dreißigjährigen Krieg an der Pest zugrunde ging.
Auf der Feldmark entstand ein „ritterfreyes“ Vorwerk, das später als Domäne weitergeführt wurde. Zu der Anlage gehörten ein großer Gutshof mit Park und sieben Arbeiterhäuser, zwei Feldscheunen und ein Backhaus. Es wurden Ackerbau und Viehhaltung betrieben. Zu den auf der Domäne dienstpflichtigen Handwerkern gehörten ein Schmied, ein Stellmacher, ein Gärtner, ein Schweizer, ein Inspektor und ein Hofmeister.
Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Petershagen in die Landgemeinde Preetz eingegliedert.<ref name="Terr" >Amtsbezirk Petershagen (Rolf Jehke, 2011)</ref>
Im Jahr 1945 war Petershagen ein Wohnplatz in der Landgemeinde Preetz im Kreis Schlawe im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs drangen am 6. März 1945 auf dem Vormarsch über Preetz nach Rügenwalde, von See Buckow kommend, sowjetische Panzer in Petershagen ein. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Region zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die einheimischen Dorfbewohner wurden in der Folgezeit von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Petershagen vertrieben. Der Ortsname Petershagen wurde zu Pęciszewko polonisiert.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1782 | – | ritterfreies Vorwerk, mit einer zur Synode Rügenwalde gehörigen Mutterkirche<ref name=bruegg >Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 863, Ziffer (12) (Google Books).</ref> |
| 1818 | 75 | Kirchdorf, königliche Besitzung, mit einer Pfarrkirche<ref name="Krug" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, bei Karl August Kümmel, Halle 1823, S. 28, Ziffer 995 (Google Books).</ref><ref name="FvR" >Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 262, Ziffer 39 (Google Books).</ref> |
| 1852 | 67 | Dorf<ref>Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 462 (Google Books).</ref> |
| 1864 | 74 | am 3. Dezember, Gutsbezirk (königliche Domäne), auf einer Gesamtfläche von 1007,45 Morgen<ref>Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin (9. Kreis Schlawe). Preußisches Finanzministerium, Berlin 1866, S. 18–25, Ziffer 128 (Google Books).</ref> |
| 1867 | 76 | am 3. Dezember, Gutsbezirk (Domänen-Vorwerk) <ref name="StatB" /> |
| 1871 | 87 | am 1. Dezember, Gutsbezirk (Domänen-Vorwerk), sämtlich Evangelische<ref name="StatB">Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, 2. Regierungsbezirk Köslin, VIII. Kreis Schlawe, S. 140–141, Ziffer 193 (Google Books).</ref> |
| 1885 | 83 | am 1. Dezember, Gutsbezirk, mit einem Flächeninhalt von 257 Hektar, sämtlich Evangelische<ref name=GemLexP >Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, S. 154–155, Ziffer 189 (Google Books).</ref> |
| 1895 | 67 | am 2. Dezember, Gutsbezirk, mit einem Flächeninhalt von 269,9 Hektar, sämtlich Evangelische<ref>Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 21. Schlawe, S. 158–159, Ziffer 187 (Google Books).</ref> |
| 1910 | 128 | Domäne, mit einer evangelischen Pfarrkirche<ref name="mgaz" >Petershagen, Dorf, östlich der Grabow, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Pommern, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Petershagen (meyersgaz.org).
</ref> |
| 1925 | 133 | Gutsbezirk, mit einer Flächengröße von 269 Hektar und 90 Ar.<ref name="Albrecht">Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 400, 11. Kreis Schlawe, Ziffer 50 (Google Books).</ref> |
Im Jahr 1974 lebten hier 74 polnische Einwohner.
Pęciszewko ist heute Teil der Gmina Darłowo im Powiat Sławieński.
Amtsbezirk
Bis 1945 bildete Petershagen mit den Gemeinden Altenhagen (Jeżyce), Neuenhagen, Abtei, Pirbstow und Preest einen eigenen Amtsbezirk im Landkreis Schlawe i. Pom. im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern. Diese Gemeinden waren auch miteinander zum Standesamt Petershagen verbunden, das seinen Sitz allerdings in Neuenhagen, Abtei hatte. Das zuständige Amtsgericht war in Rügenwalde.
Kirche
Dorfkirche
Die Dorfkirche, die schon vor 1945 auf Altenhagener Gemarkung stand, wurde im 19. Jahrhundert erhaut und enthielt nur wenig Inventar aus dem alten Kirchengebäude. Auch die Glocken waren neu, die ältere war 1819 in Neustettin gegossen worden.<ref>Ludwig Böttger: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungs-Bezirks Köslin (Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde, Hrsg.), Band I, Heft III: Kreis Schlawe, Stettin 1892, S. 64–65 (Google Books).</ref>
Nach 1945 wurde die bis dahin evangelische Dorfkirche zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
Kirchspiel
Bis 1945 gehörten die Petershagener überwiegend zur evangelischen Kirche. Das Dorf war Sitz eines Pfarramtes und zugleich Kirchspielzentrum für die Kirchengemeinde Petershagen und das von See Buckow ausgepfarrte Pirbstow, in das die Orte Altenhagen, Neuenhagen, Abtei, Preetz und Neu Krakow eingepfarrt waren. Im Jahre 1939 zählte das Kirchspiel Petershagen insgesamt 1863 Gemeindeglieder, von denen 2/3 zur Kirchengemeinde Petershagen rechneten. Es gehörte zum Kirchenkreis Rügenwalde in der Kirchenprovinz Pommern der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1648 zurück.<ref>Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 250 (Google Books).</ref>
Das katholische Kirchspiel war in Schlawe i. Pom.
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist größtenteils katholischer Konfession. Das ehemalige Petershagener Gotteshaus ist heute Pfarrkirche der Pfarrei Jeżyce (Altenhagen) im Dekanat Darłowo im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen.
Evangelische Polen von Pęciszewko sind heute dem Kirchspiel Koszalin (Köslin) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugeordnet.
Pfarrer von der Reformation bis 1945
- Paulus Scheile, 1601
- Petrus Halvepap, 1627–1639
- Johannes Authenius, 1642–1646
- Joachim Vanselow, 1647–1678
- Peter Strüvaeus, 1679–1688
- Joachim Müller, 1689–1732
- Caspar Jakob Müller (Sohn von 6.), 1732–1761
- Christian Gottreich Procopius Köppen, 1762–1795
- Gottlieb August Ludwig Müller, 1795–1798
- Johann Christoph Friedrich Backe, 1798–1827
- Gottfried Nicolai, 1827–1845
- Carl Anton Theodor Blaurock, 1846–1880
- Paul Bauer, 1881–1902
- Franz Schroeder, 1902–1945
Schule
Die Kinder der Domäne Petershagen besuchten bis 1945 die einklassige Volksschule in Preetz, wo zuletzt 50 Schülerinnen und Schüler unterrichtet wurden. Seit 1820 gab es hier ein Schulgebäude, das um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts durch ein neues ersetzt worden war.
Verkehr
Der Ort liegt an einer Nebenstraße, die über Porzecze (Preetz), Jeżyce (Altenhagen) und Jeżyczki (Neuenhagen Abtei) in den Südkreis führt und sich dort in Richtung Malechowo (Malchow) an der Landesstraße 6 bzw. in Richtung Bielkowo (Beelkow) an der Woiwodschaftsstraße 203 verzweigt. Bahnanschluss für Pęciszewko besteht in Darłowo an der Bahnstrecke Darłowo–Sławno sowie in Wiekowo (Alt Wiek) an der Bahnstrecke Stargard.
Literatur
- Petershagen, Domäne, östlich der Grabow, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Pommern, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Petershagen (meyersgaz.org).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 863, Ziffer (12) (Google Books).
- P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich, Band I: Provinz Pommern, Nicolai, Berlin 1884, S. 78–79 (Google Books).
- Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 148–149 (Google Books).
- Manfred Vollack (Hrsg.): Der Kreis Schlawe: ein pommersches Heimatbuch, 2 Bände, Husum 1986–1989.
- Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart, II. Teil, Stettin 1912.
Weblinks
- Amtsbezirk Petershagen (Rolf Jehke, 2011)
- Die Gemeinde Preetz im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
Einzelnachweise
<references />