Herzkämper Erbstollen
| Herzkämper Erbstollen | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Allgemeine Informationen zum Bergwerk | ||||||
| Andere Namen | Hertzkämper Erbstollen Herzkämper Stolln | |||||
| Informationen zum Bergwerksunternehmen | ||||||
| Betriebsbeginn | 1774 | |||||
| Betriebsende | 1860 | |||||
| Geförderte Rohstoffe | ||||||
| Abbau von | Steinkohle | |||||
| Geographische Lage | ||||||
| Koordinaten | 51° 19′ 59,4″ N, 7° 10′ 55,3″ O
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| Gemeinde | Hattingen | |||||
| Kreis (NUTS3) | Ennepe-Ruhr-Kreis | |||||
| Land | Land Nordrhein-Westfalen | |||||
| Staat | Deutschland | |||||
| Revier | Ruhrrevier | |||||
Der Herzkämper Erbstollen ist ein ehemaliger Erbstollen im Ruhrgebiet.<ref name="Quelle 2" /> Der Stollen war auch unter den Namen Hertzkämper Erbstollen oder Herzkämper Stolln bekannt. Er befand sich in Hattingen-Oberelfringhausen / Sprockhövel-Herzkamp.<ref name="Quelle 1" /> Der Herzkämper Erbstollen war mit 3800 Metern einer der längsten Erbstollen im gesamten Ruhrrevier.<ref name="Quelle 3" />
Geschichte
Die Anfänge
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts benötigten die Gewerken der Bergwerke im Gebiet Sprockhövel einen weiteren Erbstollen, um ihre Grubenfelder zu lösen.<ref name="Quelle 4" /> Am 10. März des Jahres 1773 wurde die Erlaubnis zum Anlegen des Erbstollens erteilt. Durch den Stollen konnte ein Teufengewinn von 18 Lachtern gegenüber dem Christsieper Erbstollen erzielt werden.<ref name="Quelle 1" /> Der Stollen war für eine Auffahrungslänge von 1600 Meter geplant.<ref name="ahws" /> Das Stollenmundloch wurde in der Elfringhauser Bauerschaft westlich vom Felderbach und etwas oberhalb des Bitters Mühlenbaches am Auerhof angelegt. Im Anschluss daran begann man mit der Auffahrung des Stollens.<ref name="Quelle 1" /> Der Stollen wurde aus dem Felderbachtal in östlicher Richtung aufgefahren.<ref name="Quelle 4" /> Der Stollen wurde mit einer Breite von 5/4 Lachtern und einer Höhe von 5/8 Lachtern ohne Ausbau erstellt. Die Auffahrung erfolgte manuell mit Schlägel und Eisen und Bohrern. Ein Hauer schaffte so pro Schicht zwischen drei und sechs Zentimeter an Auffahrung.<ref name="ahws" /> Am 7. Oktober des Jahres 1774 wurde das Erbstollenrecht an Mathias Spennemann, genannt Diefhaus et Consorten, verliehen.<ref name="Quelle 1" /> Spennemann war Großgewerke und trat in dieser Sache als Vertreter der Sieper & Mühler Gruben auf.<ref name="ahws" />
Die weitere Auffahrung
Um den Erbstollen bei der Auffahrung zu bewettern, wurden in einem Abstand von etwa 300 m Lichtlöcher geteuft.<ref name="Quelle 2" /> Aufgrund der größeren Teufe waren die Lichtlöcher aufwendiger zu erstellen als zuvor beim Kreßsieper Erbstollen.<ref name="ahws" /> Die Lichtlöcher dienten aber auch zur Förderung des hereingewonnenen<ref group="ANM" name="Anm. Veith." /> Haufwerks.<ref name="Quelle 6" /> Die Förderung im Stollen erfolgte mittels Hunt.<ref name="Quelle 7" /> Die Hunte wurden von den Fördermännern vom Stollenort bis zum nächsten Lichtloch gefördert.<ref name="Quelle 6" /> Vom Stollenort bis zum Lichtloch benötigte der Fördermann im Schnitt 10 Minuten, zurück zum Stollenort benötigte er etwa neun Minuten. So schaffte es ein Fördermann, pro Schicht bis 80 Wagen zu fördern.<ref name="Quelle 4" /> Am Füllort wurde der Hunt entleert.<ref name="Quelle 6" /> Für diesen Stürzvorgang wurden etwa zwei Minuten benötigt.<ref name="ahws" /> Anschließend wurde das Haufwerk in einen Förderkübel verladen und nach über Tage gefördert.<ref name="Quelle 6" /> Als Antriebe für die Fördereinrichtung diente jeweils ein Handhaspel.<ref name="Quelle 7" /> Am 13. Juli des Jahres 1784 wurde der Erbstollen durch den Leiter des märkischen Bergreviers, den Freiherrn vom Stein, befahren. Zu diesem Zeitpunkt war der Stollen 190 Lachter aufgefahren.<ref name="Quelle 1" /> Vom Stein äußerte sich löblich über die vorausschauende Planung des Stollens.<ref name="ahws" /> In der Zeit von 1796 bis 1808 unterstand der Erbstollen der Aufsicht des Obersteigers Agat.<ref name="Quelle 4" /> In den Jahren bis 1820 wurde der Stollen weiter aufgefahren.<ref name="Quelle 1" /> Um die weitere Auffahrung zu beschleunigen wurde zwischen den Jahren 1818 und 1820 gleichzeitig an zwei Stellen gearbeitet.<ref name="ahws" /> Im Jahr 1820 wurde das Lichtloch Nr. 12 geteuft.<ref name="Quelle 1" /> An der tiefsten Stelle wurde der Stollen etwa 80 Meter unter der Erdoberfläche aufgefahren.<ref name="Quelle 2" />
Betrieb des Stollens
Der Stollen diente zur Entwässerung mehrerer Zechen in der Herzkämper Mulde. Ab dem Jahr 1822 wurden die Flöze der Sieper & Mühler Gruben und die Zechen Glückauf und Buschbank durch den Stollen gelöst. Im Jahr 1824 wurde der Erbstollen Teil der Sieper & Mühler Gruben.<ref name="Quelle 1" /> Aufgrund der tieferen Lage des Erbstollens kam es bei der weiteren Auffahrung zu Problemen mit der Bewetterung. Im Jahr 1827 wurden vier Bergleute durch matte Wetter im Stollen getötet. Im Jahr 1841 erreichte der Stollen seine Endlänge von 3800 Metern. Der Herzkämper Erbstollen enterbte nach seiner Fertigstellung den Kreßsieper Erbstollen. Im Jahr 1860 wurde der Herzkämper Erbstollen seinerseits vom Dreckbänker Erbstollen enterbt.<ref name="ahws" />
Heutiger Zustand
Von dem Erbstollen ist heute noch ein Teil des Stollenmundloches erhalten.<ref name="Quelle 2" /> Obwohl enterbt, fließt über den Herzkämper Erbstollen noch heute Grubenwasser ab. Das Wasser gelangt über den Felderbach in die Ruhr.<ref name="Quelle 8" /> Ein Lichtloch des Stollens ist heute Teil des Herzkämper-Mulde-Weges.<ref name="ahws" />
Das Lichtloch am Hof Fahrentrappe ist als Bodendenkmal eingetragen.<ref>In der Erde verborgene Denkmäler. WAZ</ref>
Siehe auch
Einzelnachweise
<references> <ref name="Quelle 1"> Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 2005. (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum 144) 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Selbstverlag des Deutschen Bergbau-Museums, Bochum 2006, ISBN 3-937203-24-9. </ref> <ref name="Quelle 2"> Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage. Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster, Königstein i. Taunus 1994, ISBN 3-7845-6992-7. </ref> <ref name="Quelle 3"> Gustav Adolf Wüstenfeld: Schlebuscher Revier Bergbau in Wetter. Gustav Adolf Wüstenfeld-Verlag, Wetter-Wengern 1983, ISBN 3-922014-05-4. </ref> <ref name="Quelle 4"> Kurt Pfläging: Die Wiege des Ruhrkohlenbergbaus. Verlag Glückauf GmbH, 4. Auflage, Essen 1987, ISBN 3-7739-0490-8 </ref> <ref name="ahws"> Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e. V., Arbeitskreis Sprockhövel (Hrsg.): Die Spur der Kohle – Route 4. Der Herzkämper-Mulde-Weg; Wanderweg durch die Geschichte des frühen Bergbaus mit Wegbeschreibung und Wanderkarte. Sprockhövel 2000. </ref> <ref name="Quelle 6"> Carl Johann Bernhard Karsten: Archiv für Bergbau und Hüttenwesen. Siebenter Band, verlegt bei G. Reimer, Berlin 1823 </ref> <ref name="Quelle 7"> Otto Hue: Die Bergarbeiter. Historische Darstellung der Bergarbeiter-Verhältnisse von der ältesten bis in die neueste Zeit, Erster Band, Verlag von J. H. W. Dietz Nachfolger, Stuttgart 1910 </ref> <ref name="Quelle 8"> Der frühe Bergbau an der Ruhr: Mundloch des Herzkämper Erbstollens (abgerufen am 30. Mai 2013) </ref> </references>
Anmerkungen
<references group="ANM">
<ref group="ANM" name="Anm. Veith.">Als Hereingewinnen bezeichnet man im Bergbau das Rauslösen der Bodenschätze oder Gesteine aus dem festen Gebirgsverband unter Benutzung von Hilfsmitteln. Das hereingewonnene Mineral liegt dann, meist als kleine Materialbrocken, zur weiteren Verwendung da. (Quelle: Heinrich Veith: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen.)</ref>
</references>