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Füllort

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Datei:Füllort ESCO Salzbergwerk Grasleben.JPG
Füllort des Salzbergwerks Braunschweig-Lüneburg

Das Füllort (Mz. Füllorte oder Füllörter),<ref name="Quelle 1" /> auch Schachtfüllort<ref name="Quelle 3" /> oder Anschlag<ref name="Quelle 5" /> genannt, ist im Bergbau unter Tage die funktionelle Schnittstelle zwischen der meist seigeren (vertikalen) Schachtförderung und der söhligen (horizontalen) Streckenförderung.<ref name="Quelle 1" /> Es ist das untertägige Gegenstück zur Hängebank.<ref name="Quelle 2" /> Das Füllort war noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der größten Unfallschwerpunkte im Ruhrkohlenbergbau unter Tage.<ref name="Quelle 19" />

Grundlagen

Räumlich betrachtet ist das Füllort der Kreuzungsbereich eines Schachtes und einer Strecke bzw. eines Stollens.<ref name="Quelle 4" /> Die Bezeichnung „Füllort“ stammt aus der Zeit, als in diesem Teil des Grubengebäudes der Inhalt der aus dem Abbau hierher geschafften Förderwagen in die Förderkübel der Schachtförderung (um)gefüllt wurde.<ref name="Quelle 23" /><ref name="Quelle 7" /> Das Füllort ist im gesamten Grubengebäude der größte Umschlagplatz für Fördergüter.<ref name="Quelle 8" /> Es dient in der Förderung als Speicher für das Fördergut und schafft somit einen Mengenausgleich zwischen der Schacht- und der Streckenförderung.<ref name="Quelle 22" /> Die Aufgabe des Füllortes besteht darin, einen reibungslosen Übergang zwischen der Streckenförderung und der Schachtförderung zu ermöglichen.<ref name="Quelle 18" /> Gleichzeitig ist das Füllort bei der Seilfahrt Umsteigestelle für die von bzw. nach über Tage fahrenden Bergleute.<ref name="Quelle 8" /> Das Füllort muss somit so erstellt sein, dass möglichst einfache und leicht zu bedienende Fördervorgänge durchführbar sind.<ref name="Quelle 17" />

Gestaltung

Die Gestaltung des Füllorts ist, je nach Anforderung und geologischen Bedingungen, unterschiedlich und teilweise sehr umfangreich.<ref name="Quelle 3" /> Um das Füllort vor Abbaukonvergenzen zu schützen, muss es räumlich im Schachtsicherheitspfeiler angelegt werden.<ref name="Quelle 18" /> Damit die volle Förderkapazität des jeweiligen Förderschachtes optimal genutzt werden kann, sind die Form des Füllortes und seine Ausstattung sehr wichtig.<ref name="Quelle 8" />

Vorindustrieller Bergbau

Zu dieser Zeit war das Füllort, das man auch Füllbank,<ref name="Quelle 9" /> Füllloch,<ref name="Quelle 7" /> Anschlagkammer<ref name="Quelle 5" /> oder Fassstall nannte, ein erweiterter Grubenbau,<ref name="Quelle 9" /> der neben dem Schacht<ref name="Quelle 14" /> oder um den Schacht herum gebaut wurde.<ref name="Quelle 9" /> Das Füllort war hierbei mindestens so breit wie der Schachtdurchmesser, teilweise auch breiter und reichte in der Regel bis zum Schachttiefsten. Die Höhe dieser Füllörter lag in der Regel bei zwei Klafter.<ref name="Quelle 14" /> Aus den Abbaubetrieben wurden die Mineralien von den Förderleuten mittels Hunt zum Schacht gefördert.<ref name="Quelle 10" /> Dort wurden sie dann in das Füllort gestürzt<ref group="ANM" name="Anm. Veit." /> und hier zwischengelagert, bevor sie dann mit der Schachtförderung abgefördert wurden.<ref name="Quelle 5" /> Damit die gesammelten Mineralien vom Füllort abgefördert werden konnten, mussten sie manuell in die Schachtfördergefäße gefüllt werden.<ref name="Quelle 11" /> Damit die Fördergefäße gefüllt werden konnten, wurde unterhalb der Sohle in der Schachtwandung eine Einbuchtung mit einem kleinen Absatz erstellt, auf den die Fördertonne während des Befüllens gestellt wurde.<ref name="Quelle 16" /> Anschließend wurden die auf dem Liegenden befindliche Mineralien mittels Kratze und Trog in die bereitstehenden Schachtfördergefäße gefüllt.<ref name="Quelle 12" /> Diese Arbeit wurde von Bergleuten, die man Füller nannte, durchgeführt.<ref name="Quelle 5" /> Es gab auch Bergwerke, auf denen die so platzierte Fördertonne direkt aus dem Hunt befüllt wurde.<ref name="Quelle 16" /> Zusätzlich wurden die seitlich neben dem Schacht angelegten Füllörter zum Wenden von gefördertem Grubenholz benötigt.<ref name="Quelle 14" /> Dies war insbesondere dann erforderlich, wenn das Grubenholz größere Abmessungen hatte als der Schachtquerschnitt.<ref name="Quelle 20" />

Später wurde das Füllort unterhalb der Streckensohle platziert. Hierfür wurde vor dem Schacht ein rechteckiger Raum unterhalb der Sohle erstellt.<ref name="Quelle 12" /> Der Raum hatte eine quadratische Grundfläche mit einer Länge von zwei bis drei Lachtern und war ein bis eineinhalb Lachter hoch.<ref name="Quelle 4" /> Im unteren Bereich lief das Füllort zu einer trichterförmigen Verengung aus, die mit einem Schieber versehen war.<ref name="Quelle 13" /> Bei festem Nebengestein wurde das Füllort ohne Ausbau erstellt, bei brächigem Gestein musste das Füllort mit Ausbau versehen werden.<ref name="Quelle 15" /> Die Sohle des Füllortes wurde so ausgebaut, dass die Auslauföffnung frei blieb.<ref name="Quelle 14" /> Unterhalb der Füllbank wurde ein Raum soweit frei gelassen, dass er mit einem Hunt unterfahren werden konnte. Dieser Hunt hatte entweder den halben oder den ganzen Rauminhalt wie das Fördergefäß.<ref name="Quelle 12" /> Der Hunt wurde zum Befüllen unter die Auslauföffnung geschoben und durch Aufziehen des Schiebers schnell gefüllt.<ref name="Quelle 13" /> Der gefüllte Hunt wurde bis zur Schachtwandung geschoben und sein Inhalt wurde dort in die bereitstehende Fördertonne entleert.<ref name="Quelle 12" /> Zur Befüllung musste die Fördertonne möglichst tief unterhalb der Sohle stehen. Hierfür wurde sie auf eine, im Schacht tiefer angebrachte, vorgesehene Bühne gestellt.<ref name="Quelle 21" />

Moderner Bergbau

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-P014935, Kohlebergbau Laurahütte bei Kattowitz.jpg
Füllort

Moderne Füllörter sind in Funktion und räumlicher Ausdehnung durchaus mit U-Bahn-Tunneln vergleichbar.<ref name="Quelle 6" /> Förderwagen aus dem Abbau werden auf Fördergestelle geschoben und von über Tage kommende leere bzw. mit Material beladene Förderwagen werden herausgedrückt (Gestellförderung),<ref name="Quelle 8" /> oder es werden Fördergefäße aus schachtnahen Vorratsbunkern mit Fördergut befüllt (Gefäßförderung).<ref name="Quelle 6" /> Bedingt durch die gestiegene Förderleistung ist im Füllort eine hohe maschinelle Unterstützung erforderlich.<ref name="Quelle 8" /> Dies wiederum erfordert entsprechend größere Abmessungen in der Höhe, der Breite und der Länge.<ref name="Quelle 22" /> Die Höhe des Füllortes liegt je nach Anforderung bei etwa fünf bis sechs Metern,<ref name="Quelle 8" /> teilweise sogar bei sieben bis acht Metern.<ref name="Quelle 18" /> Eine große Höhe ist insbesondere für die Seilfahrt erforderlich, damit soviel Absteigestellen vorhanden sind wie der Korb Tragböden hat.<ref name="Quelle 22" /> Nur dadurch ist es möglich, dass alle auf dem Korb befindlichen Bergleute gleichzeitig auf- und absteigen können.<ref name="Quelle 8" /> Die kleinste Breite muss mindestens so groß sein wie der lichte Schachtdurchmesser.<ref name="Quelle 18" /> Hat der Schacht zwei Schachtförderungen, so werden im Füllort mindestens fünf Gleise benötigt.<ref name="Quelle 18" /> Mit zunehmendem Abstand vom Schacht verkleinern sich die Höhe und die Breite des Füllortes, bis sie die Abmessungen der Förderstrecke erreichen.<ref name="Quelle 3" /> Dabei wird die Firste mit einer allmählichen Neigung gestaltet, um Wirbelbildungen der Wetter und Ansammlungen von Grubengasen zu vermeiden.<ref name="Quelle 18" />

Füllortformen

Grundsätzlich wird zunächst zwischen einflügeligen und zweiflügeligen<ref group="ANM" name="Anm. Bok." /> Füllörtern unterschieden. Bei zweiflügeligen Füllörtern gibt es eine Voll- und eine Leerseite, und der Wagenwechsel auf dem Förderkorb wird in einem Ablauf durchgeführt, indem die vollen Förderwagen aufgeschoben werden und dabei die leeren Hunte abdrücken. Bei einflügeligen Füllörtern, die sich nur für relativ geringe Fördermengen eignen, werden zunächst die leeren Förderwagen vom Förderkorb abgezogen und danach die vollen von derselben Seite aus aufgeschoben, was die Umschlagzeit mehr als verdoppelt.<ref name="Quelle 3" />

Nach der Gestaltung des Wagenumlaufs wird zwischen Füllörtern ohne und mit Umfahrung und weiterhin zwischen Einschleifen- und Zweischleifenfüllort unterschieden. Füllörter für Gefäßförderung sind grundsätzlich anders aufgebaut, da hier der horizontale Förderstrom seitlich am Schacht vorbeigeführt, vom Fördermittel in die Zwischenbunker und von da in die Mess- und Fülltaschen gefördert wird. Hier dient der Schachtanschlag nur zu Wartungs- und Reparaturzwecken sowie in manchen Fällen der Seilfahrt.<ref name="Quelle 22" details="508ff."/>

Einzelnachweise

<references>

<ref name="Quelle 1">Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1988, ISBN 3-7739-0501-7.</ref> <ref name="Quelle 2">Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus, 1994, ISBN 3-7845-6992-7.</ref> <ref name="Quelle 3">B. W. Boki, Gregor Panschin: Bergbaukunde. Kulturfond der DDR (Hrsg.), Verlag Technik Berlin, Berlin 1952, S. 38–39.</ref> <ref name="Quelle 4">Carl Friedrich Richter: Neuestes Berg- und Hütten-Lexikon. Erster Band, Kleefeldsche Buchhandlung, Leipzig 1805.</ref> <ref name="Quelle 5">Heinrich Veith: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1871.</ref> <ref name="Quelle 6">Heinrich Otto Buja: Ingenieurhandbuch Bergbautechnik, Lagerstätten und Gewinnungstechnik. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH Berlin-Wien-Zürich, Berlin 2013, ISBN 978-3-410-22618-5, S. 263–264.</ref> <ref name="Quelle 7">Erklärendes Wörterbuch der im Bergbau, in der Hüttenkunde und in Salinenwerken vorkommenden technischen Kunstausdrücke und Fremdwörter. Verlag der Falkenberg’schen Buchhandlung, Burgsteinfurt 1869.</ref> <ref name="Quelle 8">Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Erster Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1961, S. 473–483.</ref> <ref name="Quelle 9">Moritz Ferdinand Gätzschmann: Sammlung bergmännischer Ausdrücke. Verlag Craz & Gerlach, Freiberg 1859.</ref> <ref name="Quelle 10">Christian Zimmermann: Das Harzgebirge in besonderer Beziehung auf Natur- und Gewerbskunde geschildert. Ein Handbuch für Reisende und Alle die das Gebirge näher kennen zu lernen wünschen, Erster Theil, Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1834, S. 395.</ref> <ref name="Quelle 11">Wilhelm Leo: Lehrbuch der Bergbaukunde. Für Bergschulen und zum Selbstunterricht, insbesondere für angehende Bergbeamte, Bergbau - Unternehmer, Grubenbesitzer. Mit 241 in den Text eingedruckten Abbildungen, Druck und Verlag von G Basse, Quedlinburg 1861, S. 448–449.</ref> <ref name="Quelle 12">Gustav Köhler: Lehrbuch der Bergbaukunde. Sechste verbesserte Auflage, Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1903, S. 428–429.</ref> <ref name="Quelle 13">Carl von Scheuchenstuel: IDIOTICON der österreichischen Berg- und Hüttensprache. k. k. Hofbuchhändler Wilhelm Braumüller, Wien 1856.</ref> <ref name="Quelle 14">Carl Stegmayer: Handbuch der Bergbaukunst für Jedermann. Verlag von J. L. Kober, Prag 1862, S. 171–172.</ref> <ref name="Quelle 15">Christian Ludwig Stieglitz: Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst, in welcher alle Fächer dieser Kunst nach alphabetischer Ordnung abgehandelt sind. Zweyter Theil E-J, bey Caspar Fritsch, Leipzig 1794, S. 570.</ref> <ref name="Quelle 16">Carl Hartmann: Handbuch der Bergbaukunst. Erster Band, Verlag Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1844, S. 346–348.</ref> <ref name="Quelle 17">K. Kegel: Lehrbuch der Bergwirtschaft. Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH, Berlin Heidelberg 1931, S. 367–368, 395–411.</ref> <ref name="Quelle 18">Alois Riman, Friedrich Lockert: Projektierung und Rationalisierung von Kohlenbergwerken. Springer Verlag Wien GmbH, Wien 1962, S. 108–114.</ref> <ref name="Quelle 19">W. Heidorn: Die Förderunfälle im Ruhrkohlenbergbau und ihre Bekämpfung. In: Glückauf, Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift. Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Hrsg.), Nr. 16, 72. Jahrgang, 18. April 1936, S. 369–373.</ref> <ref name="Quelle 20">Stephan Behlen: Lehrbuch der Gebirgs- und Bodenkunde in Beziehung auf das Forstwesen. Zweite Abtheilung, Geognosie und Geologie, in der Hennings’schen Buchhandlung, Erfurt und Gotha 1826, S. 228.</ref> <ref name="Quelle 21">Albert Serlo: Leitfaden der Bergbaukunde. Zweiter Band, 4. verbesserte Auflage, Verlag von Julius Springer, Berlin 1884, S. 189.</ref> <ref name="Quelle 22">Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde. Zweiter Band, fünfte vermehrte und verbesserte Auflage, Springer Verlag, Berlin / Heidelberg 1932, S. 609–632.</ref> <ref name="Quelle 23">Th. Imme: Sprachliche Erläuterungen zu bekannten Ausdrücken der deutschen Bergmannssprache. In: Glückauf, Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift. Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Hrsg.), Nr. 21, 46. Jahrgang, 28. Mai 1910, S. 765–766.</ref>

</references>

Anmerkungen

<references group="ANM">

<ref group="ANM" name="Anm. Veit.">Als „stürzen“ bezeichnet man im Bergbau das auf einen Haufen schütten von Mineralmassen. (Quelle: Heinrich Veith: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen.)</ref> <ref group="ANM" name="Anm. Bok.">Bei zweiflügeligen Füllörtern werden auf die Förderkörbe von der einen Seite des Füllortes die vollen Wagen aufgeschoben und die leeren Wagen rollen vom Korb runter auf die andere Seite des Füllortes. Bei einflügeligen Füllörtern wird alles von einer Seite durchgeführt. (Quelle: B. W. Boki, Gregor Panschin: Bergbaukunde.)</ref>

</references>