Fördertonne
Eine Fördertonne ist ein Gefäß zur Förderung von Erz und anderen Mineralien in saigeren und tonnlägigen Schächten im mittelalterlichen und neuzeitlichen Bergbau.<ref name="Quelle 4" /> Im Tunnelbau wird die Fördertonne in der Regel nicht zur Förderung eingesetzt. Grund war, dass beim Ein- und Ausladen ein Umladen der Berge erforderlich ist, was einen Mehraufwand bei der Schachtförderung ergeben hätte.<ref name="Quelle 5" />
Aufbau
Die Fördertonne hat eine fassartige Form und ist, je nach spezifischem Gewicht des zu fördernden Materials, unterschiedlich groß.<ref name="Quelle 5" /> In einigen Bergbauregionen ähnelt die Form der Fördertonne sehr der Form des Förderkübels, allerdings ist die Fördertonne wesentlich größer.<ref name="Quelle 1" /> Die Größe liegt zwischen 6 und 60 Kubikfuß.<ref name="Quelle 5" /> Welche Fördertonne verwendet wird, hängt außerdem von der Leistung der zur Verfügung stehenden Förderanlage ab.<ref name="Quelle 4" /> Die Tonne besteht aus einzelnen Hartholzdauben, die durch eiserne Reifen zusammengehalten werden. Zur Verstärkung werden Eisenstreben vertikal angebracht, die sich am Tonnenboden kreuzen.<ref name="Quelle 2" /> Die Eisenbeschläge sind so konstruiert, dass sie seitlich nicht hervorragen.<ref name="Quelle 6" /> Am oberen Rand der Tonne ist ein eiserner Bügel angebracht, der zum Einhängen der Schurzketten<ref group="ANM" name="Anm. Veith." /> dient. Die Schurzkette wird mit einem leicht lösbaren Haken am Bügel befestigt. Der Tonnenboden ist so konstruiert, dass er geöffnet werden kann; zu diesem Zweck muss der Sicherungsstift der Bodenklappe entfernt werden.<ref name="Quelle 2" /> Das Leergewicht der Tonne liegt zwischen 150 und 300 Kilogramm. Je nach Größe der Tonne können Nutzlasten von 500 bis 800 Kilogramm gefördert werden.<ref name="Quelle 2" /> Zur Verwendung bei größeren Fördergeschwindigkeiten werden die Fördertonnen mit einem über der Tonne angebrachten Leitrahmen geführt. Der Leitrahmen gleitet zwischen seitlich an den Schachtausbauten angebrachte Spurlatten, sogenannten Leitbäumen, aus Holz.<ref name="Quelle 4" />
Einsatz
Nach Befüllung der Fördertonne wird sie mittels Haspel oder Göpel bis zur Hängebank gefördert<ref name="Quelle 6" /> und dort von den Förderknechten entladen.<ref name="Quelle 2" /> Die Tonne wurde überwiegend im Erzbergbau zur vertikalen Förderung eingesetzt.<ref name="Quelle 4" /> Im Tunnelbau wurde sie nur für Notfälle oder zur Wasserförderung verwendet.<ref name="Quelle 5" /> Für die Seilfahrt wurde sie nicht eingesetzt, da dies auf Grund der nicht reißfesten Seile zu gefährlich war. Die einzige Ausnahme war die Förderung tödlich verunglückter Bergleute. Die jeweilige Fördertonne, mit der ein Bergmann seine „letzte Fahrt“ aus der Grube gemacht hatte, wurde anschließend vernichtet. Diese Regelung lässt sich aus der tiefen Frömmigkeit der Bergleute ableiten, gepaart mit dem Aberglauben, diese Fördertonne bringe Unglück für das Bergwerk.<ref name="Quelle 2" />
Be- und Entladung
Beladung
Die Beladung erfolgt auf der tiefsten Sohle<ref name="Quelle 4" /> durch Bergleute, die Füller genannt werden.<ref name="Quelle 1" /> Hierfür nutzen diese Bergleute Kratze und Trog.<ref name="Quelle 4" /> Um die Tonne im Füllort beladen zu können, sind im Schacht so genannte „Frösche“ an den Leitbäumen (Spurlatten) angebracht, auf die der Leitrahmen aufsetzt.<ref name="Quelle 3" /> Im Füllort befindet sich im Schacht eine Vertiefung, in die die leere Tonne hineingleitet und aufsetzt, bevor der Leitrahmen auf den darüber liegenden Fröschen aufsetzt.<ref name="Quelle 2" /> Dadurch hängt die Tonne nicht im Schacht, sondern das Seil ist locker und somit kann die leere Tonne leicht abgenommen werden. Anschließend wird die befüllte Tonne angeschlagen, in den Schacht gezogen<ref name="Quelle 3" /> und dort mit dem Förderhaspel zur Hängebank gezogen. Während des Hochtreibens der vollen Tonne wird die leere Tonne wieder mit Erz befüllt.<ref name="Quelle 2" />
Entladung
Zum Entladen der Fördertonne auf der Hängebank gibt es zwei Verfahren:
Das Umstürzen der Tonne erfolgt an einer schiefen Bretterwand. Dazu wird die Tonne soweit hochgezogen, bis sie über ihren Schwerpunkt an der Bretterwand anliegt. Durch Nachlassen des Förderseils kippt die Tonne seitlich und wird dadurch über die Einfüllöffnung entleert. Nach Entleerung der Tonne wird diese dann wieder in Richtung tiefste Sohle gefördert.<ref name="Quelle 7" />
Zur Bodenentleerung wird die Schachtöffnung entweder mit einer zweitürigen Falltür oder mit einer Rollbrücke verschlossen. Jede der beiden Türen besteht aus starken Bohlen, die einseitig an Scharnieren befestigt sind. Die Rollbrücke besteht ebenfalls aus Bohlen, an denen seitlich Räder angebracht sind, die sich auf Schienen bewegen. Beide Schachtabdeckungen sind so konstruiert, dass sie die Schachtöffnung komplett abdecken und nur eine kleine Öffnung für das Förderseil verbleibt. Über die Schachtabdeckung wird nach dem Schließen ein Förderwagen geschoben, so dass er unter der Tonne steht. Durch Herausziehen des Splintes an der Bodenklappe öffnet sich die Bodenklappe und die Tonne wird entleert. Nach der Entleerung wird die Bodenklappe wieder geschlossen, der Förderwagen weggeschoben, die Schachtabdeckung geöffnet und der Fördervorgang beginnt von neuem.<ref name="Quelle 5" />
Einzelnachweise
<references> <ref name="Quelle 1"> Georg Agricola: Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen. In Kommission VDI-Verlag GmbH, Berlin. </ref> <ref name="Quelle 2"> {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}} </ref> <ref name="Quelle 3"> Emil Stöhr, Emil Treptow: Grundzüge der Bergbaukunde einschließlich der Aufbereitung. Spielhagen & Schurich Verlagsbuchhandlung, Wien 1892. </ref> <ref name="Quelle 4"> Gustav Köhler: Lehrbuch der Bergbaukunde. Sechste verbesserte Auflage, Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1903, S. 427–429. </ref> <ref name="Quelle 5"> Franz Rziha: Lehrbuch der gesammten Tunnelbaukunst. Erster Band, Verlag von Ernst & Korn, Berlin 1867, S. 308. </ref> <ref name="Quelle 6"> Gustav Köhler: Lehrbuch der Bergbaukunde. Zweite verbesserte Auflage, Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1887, S. 379–380. </ref> <ref name="Quelle 7"> Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar e. V. (Hrsg.): Tagesanlagen des Rammelsbergs. Eigenverlag des Fördervereins, Druck Papierflieger Clausthal-Zellerfeld, Goslar 2008, S. 15. </ref> </references>
Anmerkungen
<references group="ANM"> <ref group="ANM" name="Anm. Veith."> Eine Schurzkette, auch Quenselkette oder Zwieselkette genannt, ist eine Kette, mit der bei der Schachtförderung die Fördergefäße an das Förderseil gehängt werden. (Quelle: Heinrich Veith: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen.) </ref> </references>