Zur-Mühlen-Gruppe
| Zur Muehlen ApS & Co. KG
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|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Zur Mühlen Gruppe logo.svg | |
| Rechtsform | ApS & Co. KG |
| Gründung | 1998 |
| Sitz | Böklund, Deutschland |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | über 4000<ref>Über uns. In: zurmuehlengruppe.de. Abgerufen am 3. Dezember 2023.</ref> |
| Umsatz | 1,0 Mrd. Euro (2023)<ref>Die Top 100 der Fleischwirtschaft - Eine Branche in Bewegung. In: fleischwirtschaft.de. 27. November 2024, abgerufen am 18. Februar 2025.</ref> |
| Branche | Nahrungsmittel, Fleischverarbeitung, Veggie-Lebensmittel |
| Website | www.zurmuehlengruppe.de |
Die Zur-Mühlen-Gruppe (Eigenschreibweise: zur Mühlen Gruppe) ist ein deutscher Hersteller von Fleisch und Fleischerzeugnissen, Marktführer bei SB-Wurst und Wurstkonserven.<ref name="ueberuns" /> Mutterunternehmen ist die Zur Mühlen ApS & Co. KG mit Sitz in Böklund. Diese befindet sich vollständig im Eigentum der Tönnies Holding und dient als Zwischenholding für den Bereich Wurstwarenproduktion.
Zur Gruppe gehören die Wurstmarken Böklunder, Könecke, Redlefsen (darunter Jensen's und Heine's), Schulte, Zerbster Original, Hareico, Plumrose und Heinrich Nölke (Gutfried). Sie produzierte nach Eigenangaben im Januar 2024 mit „saisonabhängig“ 4000 Mitarbeitern in Deutschland und Polen „jedes Jahr etwa 2 Milliarden Verbrauchereinheiten“ (Packungen), was einen „rechnerischen Marktanteil von 22 %“ ausmache.<ref name="ueberuns" />
Geschichte
Gründung und Aufbau
Der namensgebende Konzerngründer Peter zur Mühlen begann seine Karriere beim westfälischen Wursthersteller Stockmeyer, für den er insgesamt 20 Jahre im Vorstand tätig war. 1991 erwarb er 10 Prozent des Joghurtherstellers Onken und arbeitete dort bis Ende 1998. Bald erwarb er mit Anfang 50 den Wursthersteller Böklunder bei Flensburg und erweiterte diesen nach der Jahrtausendwende in wenigen Jahren zu einem Großkonzern, indem er angeschlagene oder gar insolvente Unternehmen kaufte, sanierte und mithilfe seiner Großkunden im Lebensmittelhandel schnell zu Umsätzen verhalf.<ref name="ww" />
Übernahme durch Tönnies
Die Zur-Mühlen-Gruppe wurde mit der Expansion zu einem der wichtigsten Schlachtfleisch-Abnehmer der Tönnies-Unternehmensgruppe. Als die Zur-Mühlen-Gruppe Mitte der 2000er-Jahre in finanzielle Schwierigkeiten geriet, bedeutete das gleichzeitig ein Geschäftsrisiko für Tönnies. Vor diesem Hintergrund strebte Clemens Tönnies zunächst eine Übernahme durch die Tönnies-Unternehmensgruppe an, was jedoch an der mangelnden Zustimmung von Josef Schnusenberg, Testamentsvollstrecker der Mitgesellschafter, scheiterte.<ref>Expansion im Schweinsgalopp: Der Aufstieg der Zur-Mühlen-Gruppe. In: wiwo.de. 3. Februar 2015, abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref> Daraufhin erwarb Clemens Tönnies noch vor 2005 persönlich eine Mehrheitsbeteiligung an der Zur-Mühlen-Gruppe. Diese wurde zunächst treuhänderisch von Peter zur Mühlen gehalten.<ref>Beschluss im Fusionskontrollverfahren. In: bundeskartellamt.de. 16. November 2011, abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref> 2011 kündigte Clemens Tönnies an, bis 2014 die gesamten Anteile an der Zur-Mühlen-Gruppe zu erwerben und damit Alleininhaber zu werden.<ref name="hb" />
Im April 2017 beschlossen Clemens Tönnies sowie die beiden weiteren Gesellschafter der Tönnies Holding, Robert Tönnies sowie Maximilian Tönnies, die Übernahme der Zur-Mühlen-Gruppe durch die Tönnies-Unternehmensgruppe.<ref name="agrarheute">Tönnies: Übernahme Zur Mühlen Gruppe perfekt. In: agrarheute.com. 3. Juli 2017, abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref> Die Europäische Kommission gab im Juli 2017 ihre kartellrechtliche Freigabe,<ref name="agrarheute" /> die Übernahme erfolgte zum 1. Januar 2018.<ref>Tönnies gibt neue Unternehmensführung und Beiratsmitglieder bekannt. In: topagrar.com. 10. November 2017, abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref>
Wurstkartell und Wurstlücke
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Wegen illegaler Preisabsprachen seit dem Jahr 1982 ermittelte das Bundeskartellamt ab 2009 gegen das sogenannte Wurstkartell. Ab Mitte 2014 verhängte das Bundeskartellamt insgesamt Strafen in Höhe von 338 Millionen Euro gegen 21 Wursthersteller und 33 verantwortliche Personen. Unter den Beteiligten waren auch die Böklunder Plumrose GmbH & Co. KG sowie die Könecke Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, beide Teil der Zur-Mühlen-Gruppe.<ref>Kartellamt setzt auf Ende der „Wurstlücke“. In: tagesschau.de. 19. Oktober 2016, abgerufen am 25. Oktober 2016.</ref> Die Strafen in Höhe von 128 Millionen Euro gegen diese beiden Tochterunternehmen konnte das Bundeskartellamt 2016 nicht eintreiben, weil Tönnies eine rechtliche Lücke nutzte (Wurstlücke). Er hatte vor Zustellung der Bußgeldbescheide die Aktivitäten der Firmen auf andere Gesellschaften der Zur-Mühlen-Gruppe übertragen und anschließend liquidiert. Da die Firmen rechtlich nicht mehr existierten, mussten die Bußgeldverfahren eingestellt werden.<ref>Tönnies schreibt mit der „Wurst-Lücke“ Rechtsgeschichte. In: Welt Online. 19. Oktober 2016, abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref>
Übernahmen von Konkurrenten
Im Dezember 2014 übernahm die Zur-Mühlen-Gruppe die Heinrich Nölke GmbH & Co. KG, also den gesamten Produktionsbereich des Unternehmens Gebr. Nölke GmbH & Co. KG,<ref name="derkum" /> wogegen das Bundeskartellamt nach Medienberichten keine Einwände erhob.<ref name="faz" />
Im Jahr 2017 übernahm zur Mühlen von der Tönnies Holding die Blankemeyer-Gruppe in Gütersloh (Marten Vertriebs GmbH & Co. KG und Vogt & Wolf GmbH).<ref>Gütersloher Wurstproduzent Marten steht vor dem Verkauf, nw.de, 3. Mai 2017</ref>
2019 hat die Zur-Mühlen-Gruppe das Wurstwarengeschäft von Bell Deutschland übernommen.<ref>Norbert Lehmann: Tönnies-Tochter Zur Mühlen übernimmt deutsches Wurstgeschäft von Bell. In: agrarheute.com. 29. Juli 2019, abgerufen am 3. September 2019.</ref>
2020 wurde der insolvente Wursthersteller Schwarz Cranz mit rund 550 Beschäftigten von der Zur-Mühlen-Gruppe übernommen.<ref>Fleischkonzern Tönnies übernimmt insolventen Wurstproduzenten. 6. November 2020, abgerufen am 20. Dezember 2023.</ref>
Im April 2023 wurde EWG Eberswalder Wurst aus Britz bei Eberswalde übernommen.<ref>Zur-Mühlen-Gruppe übernimmt Wursthersteller Eberswalder. 7. April 2023, abgerufen am 7. April 2023.</ref>
Unternehmensgruppe
Zur Unternehmensgruppe gehören neben dem Mutterunternehmen Zur Mühlen ApS & Co. KG unter anderem:
- Böklunder Fleischwarenfabrik, 1998 erworben
- Anhalter Fleischwaren GmbH Zerbster Original in Zerbst/Anhalt, zum 1. März 2002 erworben
- Könecke Fleischwarenfabrik, zum 1. Januar 2006 erworben
- Redlefsen GmbH, Satrup, 2006 erworben
- Schulte Fleisch- und Wurstwaren GmbH, Dissen am Teutoburger Wald, 2002 erworben
- August Strothlücke GmbH & Co. KG (Marke Astro), ab dem 1. August 2018<ref>August Strothlücke (ASTRO) wird von der Zur-Mühlen-Gruppe übernommen. In: insoconsult.de. Abgerufen am 15. Juli 2022. </ref>
- DöllingHareico Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG., 1999 Übernahme hareico von Dölling, fortan als Unternehmensgruppe DöllingHareico<ref>Geschichte – Hareico. Abgerufen am 19. Juli 2021.</ref>
Alle Auslandsgeschäfte der Gruppe werden durch das Tochterunternehmen Zur Mühlen International (ZMI) koordiniert. Diese Exportabteilung ist ein selbstständiges Unternehmen der Zur-Mühlen-Gruppe. Der weltweite Exportanteil liegt nach eigenen Angaben bei 25 %. Elf Exportbüros vermarkten die Produkte in 40 Ländern, überwiegend in Europa, Asien, Australien und dem Nahen Osten.<ref name="internat2019" />
Werke und Standorte
- Technologiezentrum
- 2010 wurde das Technologiezentrum in Satrup eröffnet. Dort befinden sich Laborräume für Mikrobiologie, Chemie und Sensorik für die Produktentwicklung, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung.
- Werk Satrup
- Produktionsschwerpunkte: Rohwurst, Mini-Salami, Snacks
- Werk Böklund
- Produktionsschwerpunkte: Würstchenkonserven, Frische Würstchen
- Werk Böklund 2
- Produktionsschwerpunkte: Vegetarische Produkte
- Werk Elmshorn
- Produktionsschwerpunkte bis 2019:<ref>Aus für Döllinghareico-Werk</ref> Frische Würstchen, Bratwurst, Rohwurst
- Werk Delmenhorst
- Produktionsschwerpunkte: Brühwurst, Aufschnitt, Kochwurst, Roh- und Kochschinken, Feinkost Convenience, Fleischkonserven
- Werk Dissen
- Produktionsschwerpunkte: Rohwurst, Bedienungsware, SB-Ware, Snacks
- Werk Versmold
- Produktionsschwerpunkte: Geflügelwurst, Vegetarische Produkte
- Werk Gütersloh
- Produktionsschwerpunkte: Edelschimmelgereifte Rohwurst, Geräucherte Rohwurst
- Werk Chemnitz
- Produktionsschwerpunkte: Brühwurst, Würstchen, Fleischwurst
- Werk Suhl
- Produktionsschwerpunkte: Thüringer Spezialitäten, Kochschinken, Brühwurst
- Werk Zerbst
- Produktionsschwerpunkte: Bratwurst, Fleischwurst, Brühwurst, Kabanossi, Aspik, Kochwurst
- Werk Słubice (Polen)
- Produktionsschwerpunkte: Rohwurst, Sucuk
- Werk Nove (Polen)
- Produktionsschwerpunkte: dänische Spezialitäten, polnische Spezialitäten: Brühwurst, Kochwurst und Convenience
Marken
-
Redlefsen
-
Schulte
-
Jensen's
-
Heine's
-
Plumrose
-
Zur Mühlen International
Kritik & Kontroversen
siehe auch: Tönnies Holding#Kritik und Kontroversen
Laut im Juni 2020 gemachten Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte Tönnies in der Vergangenheit bei der Zur-Mühlen-Gruppe versucht, alle gewerkschaftlichen Strukturen zu zerschlagen.<ref name=":0">Nils Klawitter, Der Spiegel: Gewerkschafter über Arbeitsbedingungen bei Tönnies: „Das ist menschenverachtend“ – Der Spiegel – Wirtschaft. Abgerufen am 19. Juni 2020.</ref>
Weblinks
- Zur-Mühlen-Gruppe Internetpräsenz
- https://zurmuehleninternational.com/ Internetpräsenz
Einzelnachweise
<references> <ref name="derkum"> Silke Derkum: Nölke an Zur-Mühlen-Gruppe verkauft. Haller Kreisblatt, 19. Dezember 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Mai 2015; abgerufen am 13. August 2019.</ref> <ref name="faz"> Helmut Bünder, Jan Grossarth: Wurstfabrikant Tönnies führt das Kartellamt vor. FAZ, 3. Februar 2015, abgerufen am 28. Juni 2015.</ref> <ref name="hb"> Tönnies erweitert sein Wurstimperium. DPA-Meldung. Handelsblatt, 5. Juli 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. April 2023; abgerufen am 13. August 2019.</ref> <ref name="internat2019"> Der starke Partner für den Weltmarkt. Eigenangaben. zurmuehlengruppe.de, abgerufen am 13. August 2019.</ref> <ref name="ueberuns"> Über uns. Eigenangaben. zurmuehlengruppe.de, abgerufen am 26. Januar 2024.</ref> <ref name="ww"> Mario Brück: Der Aufstieg der Zur-Mühlen-Gruppe. Wirtschaftswoche, 3. Februar 2015, abgerufen am 13. August 2019.</ref> </references>
Koordinaten: 54° 36′ 10,8″ N, 9° 35′ 12,5″ O
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