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Dresdner Brückenstreit

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Datei:Waldschlösschenbrücke.jpg
Fertiggestellte Waldschlößchenbrücke mit ihrem, laut Stellungnahme des Bunds Deutscher Architekten (BDA) von 2007, „auffallend plumpen Brückenkörper“.

Als Dresdner Brückenstreit wird die ab Mitte der 1990er Jahre entbrannte Kontroverse um die Errichtung einer zusätzlichen Elbequerung in Dresden bezeichnet. Die Auseinandersetzung betrifft den vierspurigen innerstädtischen Verkehrszug Waldschlößchenbrücke, der – 1996/97 beschlossen und projektiert – zwischen 2007 und 2013 errichtet wurde.

Ein Bürgerentscheid im Jahr 2005 ergab eine Zweidrittelmehrheit zugunsten des Vorhabens, konnte den Brückenstreit aber nicht beilegen. Dieser ging weiter und gipfelte in der europaweit bis dahin einmaligen Aberkennung des Welterbetitels für die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal am 25. Juni 2009.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission, 25. Juni 2009.</ref>

Datei:Brückenstreit weltkulturerbe dresden.jpg
Aktion mit Gegenüberstellung öffentlich geäußerter Meinungen (März 2009, Dresdner Altmarkt)

Vorgeschichte

Frühere Pläne

Datei:Waldschloesschen 060521 2.jpg
Elbwiese südwestlich des vorgesehenen Brückenstandorts im Jahr 2006

Ideen für eine Elbbrücke am Waldschlösschen gab es schon mehr als 100 Jahre vor dem Brückenstreit, sie wurden jedoch zunächst aus ästhetischen oder finanziellen Gründen nicht umgesetzt. Der radiale Schluss des Straßennetzes an dieser Stelle ist – wie ein Gutachten der RWTH Aachen feststellt – weder geschichtlich noch morphologisch „ohne weiteres“ abzuleiten: Die konzentrische Struktur der Stadt sei kein Resultat einer bandartigen Entwicklung in der Elbtalweitung, sondern gehe auf einen „Bauzonenplan“ von 1862 zurück, der ein unkontrolliertes Wachstum der Stadt in die Umgebung zu verhindern suchte und den „Inneren Environweg“ (environner, frz. umgeben, umringen; er entsprach dem späteren 26er Ring der Straßenbahn) als Begrenzung der Stadt darstellte.<ref name="GA RWTH Aachen">Kunibert Wachten, Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung der RWTH Aachen: Die beiden <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gutachten zu den visuellen Auswirkungen von Waldschlösschenbrücke und Mittelrheinbrücke (Memento vom 29. September 2011 im Internet Archive)</ref>

Die Planer waren sich einig, dass der Ruhm Dresdens als eine „der schönsten Städte“ nur gewahrt werden könne, wenn die „freundliche Seite“ der Stadt „mit der Promenade zum Großen Garten und dem schönen Ausblick auf die Loschwitzberge“ offen gehalten würde.<ref>Sächsisches Hauptstaatsarchiv: Reskriptensammlung Dresden, Reskript vom 26. April 1826.</ref> Ein Ansinnen der Johannstädter, die sich eine Fußgängerbrücke zum Wandern in der Dresdner Heide wünschten, wurde 1900 wegen „Bedenken ästhetischer Art“ von den Stadträten abgelehnt.<ref>Stadtarchiv Dresden: Stadtverordneten-Akten, E 52.</ref> Die Stadt erwarb die Waldschlösschenwiese, um sie als Erholungsfläche zu sichern, und erließ ein Bauverbot.<ref>Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Amtlicher Sitzungsbericht. Geheime Sitzung vom 17. September 1908. (Memento vom 19. Juni 2013 im Internet Archive) (PDF 1,0 MB)</ref>

Spätere Stadtplanungen hielten sich eine Querung am heutigen Thomas-Müntzer-Platz (stromabwärts) offen, welche mangels Verkehrsaufkommen nicht in konkrete Planungen überführt wurden. 1934 bis 1937 erfolgten Untersuchungen zu einem weiteren Brückenbau, und 1937 sah der Hauptverkehrsplan eine Brücke am Waldschlösschen vor. Diese Planung wuchs in der DDR 1967 auf sechs Fahrspuren und bis 1978/79 auf eine Brücke mit acht Fahrspuren an, die mit Autobahnkreuzen angebunden werden sollte, „um Wohngebiete im Norden und Osten der Stadt zu verbinden“. 1988 beschloss das Ministerium für Verkehrswesen der DDR, ab 1990 nach dem Entwurf des VEB Autobahnbaukombinats eine vierspurige Brücke mit kreuzungsfreien Knotenpunkten zu realisieren,<ref name="GA RWTH Aachen" /> wozu es durch die deutsche Wiedervereinigung nicht mehr kam.

Verkehrssituation um 1990

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands erhöhte sich der PKW-Bestand – und damit das Verkehrsaufkommen – erheblich, und der auf der Straße abgewickelte Schwerlastverkehr nahm wesentlich zu. Als besondere Schwachpunkte auf dem Dresdner Stadtgebiet erwiesen sich die Tatsachen,

  • dass der gesamte zwischen den Autobahnen A 4 und A 13 und der tschechischen Grenze abzuwickelnde Transitverkehr über die B 170, die Innenstadt und deren Elbbrücken passieren musste (dies änderte sich erst nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der stadtumfahrenden A 17 im Dezember 2005) und
  • dass der gesamte elbquerende Verkehr auf Neustädter Seite in einem nur etwa 700 m breiten Bereich um den Albertplatz zusammenlief, der dafür nicht ausgebaut und somit zu den Spitzenzeiten überlastet war.

Standort- und Variantenuntersuchung

Erwogene Standorte

Die anfänglichen Untersuchungen zu großräumigen Alternativen betrafen folgende Standorte (hier sortiert in Ost-West-Richtung):

Quelle Brücke Straßen-Anbindung (Nord/Süd) Vorteile Nachteile
Mehrbrücken­konzept<templatestyles src="FN/styles.css" /> Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden. LaubegastNiederpoyritz Pillnitzer Landstraße/Liehrstraße
  • starke Entlastung für Blaues Wunder
  • neue Verknüpfung mit großem Abstand zur nächsten Elbquerung
  • Pillnitzer Landstraße ist einziger Zubringer auf Nordseite
Verkehrs­konzept
1994<templatestyles src="FN/styles.css" /> Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.
Waldschlösschen Stauffenbergallee/​Fetscherstraße
  • sehr leistungsfähig durch Anbindung an wichtige Hauptstraßen
  • Option für Straßenbahn<templatestyles src="FN/styles.css" /> Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.
  • sehr breite zu überquerende Elblandschaft
Mehrbrücken­konzept<templatestyles src="FN/styles.css" /> Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden. Thomas-Müntzer-Platz Diakonissenweg/​Thomas-Müntzer-Platz
  • Verbindung zwischen dicht besiedelten Quartieren
  • attraktive Radfahr- und Fußgängerverbindung
  • Option für Straßenbahn
  • Konflikt mit Diakonissenkrankenhaus auf Neustädter Seite (Lärmschutz notwendig)
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit für MIV
Verkehrs­konzept
1994<templatestyles src="FN/styles.css" /> Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.
dritte Marienbrücke Uferstraße/​Weißeritzstraße
  • kreuzungsfreie Anbindung an den Brückenköpfen Leipziger Straße und B 6, einfach realisierbar
  • gute Verträglichkeit für das Stadtbild, da direkt neben bestehenden Brücken
  • Verlauf in fast unbewohntem Gebiet
  • große Entlastung der Innenstadt
  • keine Verkürzung der Abstände zwischen den Dresdner Elbbrücken
Plan­feststellung
WSB<templatestyles src="FN/styles.css" /> Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.
Erfurter Straße Erfurter Straße/​Schlachthofstraße
  • Verlauf des Verkehrszuges überwiegend durch Gewerbeareale oder Freibereiche
  • nur weitere ca. 600 m (Waltherstraße) zur Vervollständigung des Verkehrszuges notwendig
  • durch Verkehrszug Verknüpfung mit Autobahnzubringern in Richtung Südwest Anschlussstelle Altstadt und Gorbitz
  • Option für Straßenbahn
  • Belastung relativ ruhiger Gebiete im Ostragehege und an den Elbwiesen mit Verkehrsfolgen

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… Das Verkehrskonzept 1994 wurde im Januar 1994 vom Dresdner Stadtrat beschlossen.
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… Die Straßenbahnoption wurde nach Forderungen des Landes Sachsen 2002 gestrichen, siehe unten.

Stadtplanerische Untersuchungen verschiedener Brückenstandorte gab es nur bis 1996, danach nicht mehr wegen der durch Wirtschaftsminister Kajo Schommer ausgesprochenen Förderungs-Beschränkung,<ref name="Prot. GL 15.9.03"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auszug aus dem Protokoll der GRÜNEN LIGA e.[[:Vorlage:Nnbsp]]V. Sachsen des Erörterungstermins Waldschlößchenbrücke vom 15. September 2003; Ort: Regierungspräsidium Dresden (Memento vom 8. Juli 2011 im Internet Archive) (PDF; 13 kB)</ref> und nach deren Aufhebung durch den Amtsnachfolger<ref name="Jurk 20050222" /> weiterhin nicht mehr wegen des inzwischen durchgeführten Bürgerentscheids.

Entscheidung für die Trassierung Waldschlösschen – Fetscherstraße

Datei:Wb-bridge-dresden-2003.png
Früherer Ausblick von der Bautzner Straße aus an der heutigen Brücke (weitere Bilder: siehe Artikel Waldschlößchenbrücke)

Das im Januar 1994 beschlossene Verkehrskonzept 1994 stellt zur Waldschlößchenbrücke fest: „Aus Sicht der Verkehrsplanung gibt es für diese Elbquerung keine Alternative“. Es bleibt offen, „ob die Elbe als Tunnel, Brücke oder Kombination von beiden gequert werden soll“. In diesem bis heute gültigen Leitplan erhielt diese Elbquerung nur eine Priorität an dritter Stelle (hinter einer Lösung für die Marienbrücke und einer Lösung für das Blaue Wunder).

Datei:051113-waldschloesschenpano3-cut.jpg
Elbwiesen beim Waldschlößchen (November 2005)

Letztendlich wurden alle anderen erörterten Standorte zugunsten der Waldschlößchenbrücke verworfen oder zurückgestellt. Ausschlaggebend war die Aussage des damaligen sächsischen Wirtschaftsministers Kajo Schommer, der am 8. November 1995 in einer der „Dresden-Konferenzen“ unter Teilnahme des Oberbürgermeisters Herbert Wagner, des Sächsischen Staatsministers für Umwelt und Landesentwicklung Arnold Vaatz und des Sächsischen Staatsministers der Finanzen Georg Milbradt erklärte, dass nur eine Waldschlößchenbrücke vom Freistaat gefördert würde und dies seine endgültige Entscheidung sei.<ref name="Prot. GL 15.9.03" /> Über die ausschlaggebende Standortempfehlung an die Dresdner Stadtverwaltung entschied am 28./29. Mai 1996 ein „Brückenworkshop“.<ref name="Brückenworkshop" />

Wie demokratisch legitimiert die Entscheidungsfindung mittels des „Brückenworkshops“ war, darüber gibt es, wie auch über sein Abstimmungsergebnis, widersprüchliche Aussagen: Laut Brückenbefürwortern fand „1996 […] ein Workshop statt, an dem neben allen betroffenen Fachämtern und Dezernaten auch Vertreter aller Fraktionen des Stadtrates, die Technische Universität mit Experten verschiedener Fachdisziplinen, freie Architekten, Planerbüros, das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, das Regierungspräsidium Dresden, der Sächsische Landeskonservator und das Wasser- und Schifffahrtsamt teilgenommen haben. […] Das Gremium sprach sich einstimmig für die Waldschlößchenbrücke aus!“<ref name="Brosch.BE">[Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] (PDF; 1 MB) Broschüre An sämtliche HaushalteSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 17. Januar 2005, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 24. September 2015; (Befürworter-Seite 1).</ref> Laut Aussage der Gegner „hatte es sich damals der Oberbürgermeister vorbehalten, die Liste der Teilnehmer genauestens festzulegen“. Von den 60 Geladenen seien nur 27 abstimmungsberechtigt gewesen und von denen sollen 9 gegen die Waldschlößchenbrücke gestimmt haben.<ref name="Prot. GL 15.9.03" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Brücken-Zeitung. Sonderzeitung der PDS-Fraktion im Stadtrat zum Bürgerentscheid über die Waldschlößchenbrücke (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 292 kB), Februar 2005, Seite 8.</ref>

Dissens über die verkehrliche Entlastungswirkung

Die Unverzichtbarkeit einer neuen Elbquerung an genau diesem Standort begründen die Befürworter damit, dass „… sich nur dort ein effektiver Lückenschluss im Verkehrsnetz herstellen lässt […] An anderen Stellen östlich des Stadtzentrums kann keine vergleichbar effektive Elbquerung in das vorhandene Verkehrsnetz integriert werden“.<ref name="proWSB-Fragen" /> Die Gegner sehen gerade dies als Nachteil wegen der verkehrsinduzierenden Wirkung.<ref>Udo Becker: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Verkehrsplanungsverfahren Waldschlößchenbrücke – woran Sie sich 2025 unbedingt noch erinnern müssen! (Memento vom 7. Juli 2014 im Internet Archive) (PDF; 181 kB), Fachschaftsrat Verkehrswissenschaften, 17. Januar 2007</ref> Ihr verkehrliches Hauptargument ist die höhere Gesamtbelastung des städtischen Straßensystems. Die Planungsunterlagen der Stadt weisen neben einer Zunahme der Elbquerungen ein Ansteigen der gefahrenen Kilometer um acht Prozentpunkte aus. Selbst in der Innenstadt rechnet die städtische Verkehrsprognose 2020 für den Fall des Brückenbaues teilweise mit Verkehrszunahmen.<ref name="VerkehrsDaten"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zusammenstellung der Verkehrsdaten aus den Prognosen, die dem Planfeststellungsbeschluss zugrunde liegen (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive); Verkehrsbelegung 2015: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ohne Brücke (Memento vom 27. Februar 2019 im Internet Archive) – <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />mit Brücke (Memento vom 27. Februar 2019 im Internet Archive) – <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Differenz mit-ohne Brücke (Memento vom 27. Februar 2019 im Internet Archive) (je PDF ca. 0,8 MB)</ref> Die Brückengegner stützen sich zudem auf Beispiele von ähnlichen Verkehrsgroßprojekten, die die gleichen Folgen hatten. Die Brückenbefürworter interpretieren die städtischen Prognosen dagegen positiver. Sie sehen zwar ebenfalls den stadtweiten Verkehrsanstieg, verweisen aber auf die Entlastung der restlichen Elbbrücken und gehen von einer besseren Verteilung der Verkehrsströme aus.<ref name="proWSB-Fragen">Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Häufige Fragen (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref>

Weiterhin kritisieren die Gegner an der städtischen Verkehrsprognose, dass die Auswirkungen von überregionalen Verkehren gar nicht erst berücksichtigt wurden. Sie unterstellen noch höhere Belastungen, da die Stadt aufgrund der innerstädtischen Brücke als überörtliche Abkürzung genutzt werde. Kraftfahrer könnten sich den Weg der Umfahrung Dresdens über die A 4 und A 17 ersparen. Die Brückenbefürworter verweisen darauf, dass auf der Ausweichstrecke über die Waldschlößchenbrücke 34 Ampeln liegen und die Fahrzeit somit verlängert werde, weswegen das Argument der Abkürzung durch die Stadt unrealistisch sei.<ref>Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Häufige Fragen (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive): „Wird die Brücke eine Abkürzungsstrecke für den Autobahnverkehr, so zu sagen eine Autobahn durch die Stadt?“</ref>

Die offizielle Verkehrsprognose für die vorhandenen Dresdner Elbbrücken wurde seitens der Stadtverwaltung für das planungsmaßgebliche Jahr 2015 von den zunächst angenommenen Werten<ref name="WSBSV" /> noch 2003 während des Planfeststellungsverfahrens nach oben<ref name="VerkehrsDaten" /> korrigiert. Neben diesen planungsrelevanten Angaben wurden dann 2008 auf der „Brücken-Homepage“ dresden.de/waldschloesschenbruecke erstmals auch Zahlen für das Jahr 2020 veröffentlicht, die im Vergleich zu 2015 eine deutlich sinkende Verkehrsbelastung der Elbbrücken ausweisen, mit einer Ausnahme: Für die Waldschlößchenbrücke wird nur eine sehr geringe Abnahme prognostiziert.<ref name="WSBSV" /> (Kritiker sehen hingegen die Notwendigkeit der geplanten Vierstreifigkeit in Frage gestellt.<ref name="Infoblatt Fragen zur WSB">Landeshauptstadt Dresden: Beantwortung verschiedener Anfragen zum Verkehrszug Waldschlößchenbrücke (PDF; 45 kB)</ref>)

Die bereits seit einigen Jahren sinkenden Ist-Werte des Verkehrsaufkommens, gemessen mittels der städtischen Dauerzählstellen auf den Elbbrücken, werden ebenso als Argument gegen die Notwendigkeit einer neuen Elbquerung angeführt wie Gutachten der TU Dresden, nach denen die Reisegeschwindigkeit für den Autoverkehr in Dresden sich seit 1995 nahezu verdoppelt hat und weit höher ist als in den meisten vergleichbaren Großstädten. Laut der jüngsten TU-Reisezeitmessung betrug im Jahr 2005 die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von Kraftfahrzeugen knapp 29 km/h im gesamten Dresdner Straßennetz sowie zwischen 14 und 20 km/h speziell auf den Elbbrücken.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 24. Juli 2006; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ); dazu Dresdner Morgenpost: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. und Stadtrat Stephan Kühn (B90/Grüne): @1@2Vorlage:Toter Link/www.stephankuehn.comAuswertung der Reisezeitmessungen (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ), 18. September 2006</ref>

Während am nördlichen Brückenkopf eine starke Bündelung des Verkehrs auf der neu ausgebauten Stauffenbergallee prognostiziert wird, gibt es im Süden keine solch leistungsfähige Haupt-Anbindung, der Verkehr muss sich hier auf das bestehende Straßennetz durch verschiedene Wohngebiete verteilen. Kritiker warnen in diesem Zusammenhang vor einem Eintreffen des Braess-Paradoxons (Verringerung der Leistungsfähigkeit eines Netzes durch Kapazitätserhöhung), das bei Verkehrsprojekten bereits beispielsweise in Stuttgart und New York beobachtet wurde.<ref>Wolfgang Blum: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ewig lockt die Schnellstraße (Memento vom 9. März 2016 im Internet Archive), sueddeutsche.de vom 23. Januar 2006</ref> Insbesondere für die Fetscherstraße und das östliche Käthe-Kollwitz-Ufer wird eine deutlich höhere Verkehrsbelastung erwartet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zusammenstellung der Verkehrsdaten aus den Prognosen, die dem Planfeststellungsbeschluss zugrunde liegen (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) – Es wird von einer neu ausgebauten Verbindung des „östlichen Stadtringes“ (Wormser Straße) ausgegangen. Die Fahrbahnbreite der Wormser Straße beträgt derzeit teilweise nur 4 Meter. Ein Ausbau ist jedoch nicht geplant, siehe auch Bürgerentscheid-Abstimmungsbüchlein, Befürworter-Seite 4.</ref>

Blaues Wunder

Datei:Dresden Schillerplatz 2007 december.jpg
Schillerplatz, Blick Richtung Blaues Wunder
Datei:DVB Solars Urbino18 Schillerplatz 2006 05.jpg
Über Zentralhaltestelle und Kreuzung Schillerplatz verkehren zwei Straßenbahnlinien, drei Stadtbuslinien und eine Regionalbuslinie

Ihre Befürworter sehen in der Waldschlößchenbrücke einen notwendigen Ersatz für das gealterte Blaue Wunder, für das seit den 1990er Jahren eine Tonnagebegrenzung von 15 Tonnen gilt. Allerdings wird in allen Verkehrsplanungen und -prognosen der Stadt Dresden von einer dauerhaften Nutzung einer Loschwitzer Elbquerung ausgegangen. Dies bedeutet, falls das Blaue Wunder tatsächlich dauerhaft gesperrt werden muss, ist in diesem Bereich eine Lösung notwendig: Entweder eine Sanierung dieser Brücke oder ein Ersatzbauwerk im unmittelbaren Umfeld.

Im Januar 2005, wenige Wochen vor dem Bürgerentscheid, schrieb der Oberbürgermeister Roßberg über das Blaue Wunder: „Eine grundhafte Ertüchtigung einschließlich Instandsetzung für eine dauerhafte Nutzung ist nicht möglich, […]“ und begründete dies ausführlich.<ref>Antwort des OB auf Anfrage 0140/2004: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Loschwitzer Brücke/Verkehrszug Waldschlößchenbrücke (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 358 kB), 17. Januar 2005</ref>

Dazu gab es Widerspruch von Verkehrsplanern und Experten für Brückenbau. Nach ihrer Meinung wird das Blaue Wunder als Verbindung zwischen Loschwitz und Blasewitz weiterhin benötigt. Die Waldschlößchenbrücke ist demnach aufgrund ihrer Lage, der Einbindung in das Straßennetz und der fehlenden Leistungsfähigkeit der zuführenden Straßen nicht geeignet, das Blaue Wunder adäquat zu ersetzen. Dies bestätigen indirekt auch die vorliegenden Verkehrsprognosen, gemäß denen die Entlastungswirkung direkt auf dem Blauen Wunder „nur“ 9 % beträgt. Ein Prognosefall, der Roßbergs These unterlegen würde und das Straßennetz mit Waldschlösschenbrücke aber ohne Blaues Wunder abbildet, wurde nie berechnet bzw. veröffentlicht.

Der notwendige Erhalt des Blauen Wunders ist gemäß den Experten durch eine entsprechende Sanierung durchaus möglich und ohnehin aus Gründen des Denkmalschutzes notwendig. Die Sanierung sei aber wegen der hohen Bau- und Unterhaltungskosten der Waldschlößchenbrücke gefährdet.

Nachdem Eberhard Katzschner u. a. darstellten, dass das Blaue Wunder auch nach 2030 dauerhaft erhalten werden könnte,<ref>Michael Kaiser im Gespräch mit Eberhard Katzschner: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zur Zukunft des Blauen Wunders (Memento vom 27. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 22 kB), 9. Februar 2005 und Hans-Holger Malcomeß: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dresdens drittes Wahrzeichen – das Blaue Wunder (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), in: Disy, Frühjahr 2007.</ref> verzichteten die Brückenbefürworter auf dieses Argument.<ref>waldschloesschenbruecke.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bürgermeister: Blaues Wunder soll saniert werden (Memento vom 1. Januar 2012 im Internet Archive), 24. Februar 2005</ref> Sie begründen die Notwendigkeit der Waldschlößchenbrücke aber weiterhin mit dem erhofften Rückgang der Verkehrsprobleme an den Brückenköpfen des Blauen Wunders.

Zwar berechnen die städtischen Prognosen einen Verkehrsrückgang auf dem Blauen Wunder voraus, am nahen Schillerplatz soll die Belastung nach dem Bau der Waldschlößchenbrücke jedoch steigen, da der Verkehr auf den Zufahrtsstraßen zunimmt (landwärts + 7 %, stadtwärts + 13 %). Daher wird befürchtet, dass die Verkehrsprobleme mit dem Bau der Waldschlößchenbrücke in diesem städtebaulich sensiblen Bereich eher zunehmen. Brückenbefürworter halten diese Befürchtung für falsch und sind der Meinung, die Entlastung auf dem Blauen Wunder selbst (− 9 %) werde einen besseren Verkehrsfluss am Schillerplatz ermöglichen.<ref name="VerkehrsDaten" />

Das Blaue Wunder wird bei einem Hochwasser von über 7 Meter Dresdner Pegel für den Kfz-Verkehr gesperrt. Während der Hochwasser 2002 und 2006 war es jeweils mehrere Tage lang gesperrt. Ob die Sperrung 2006 überhaupt erforderlich war, ist umstritten.<ref name="DieZeit20060406" /> Die Brücke lasse sich mit dem vergleichsweise niedrigen Betrag von 4,3 Mio. €<ref>Auskunft der Stadtverwaltung auf Anfrage der Grünen-Fraktion, 1. Juni 2006</ref> hochwassersicher machen.

Stand 2010

Nach Bekanntwerden von Zahlen aus der neuen Verkehrsprognose 2025 wurden verstärkt Bedenken und Protest laut wegen der absehbaren Nachteile für den ÖPNV an der Kreuzung Fetscherplatz. Dort wird damit gerechnet, dass durch den Rückstau der von der zukünftigen Brücke kommenden Linksabbieger erhebliche Wartezeiten für die Straßenbahn entstehen.<ref>[Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 8. Oktober 2010, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 27. November 2020;.</ref>
Während sich an den vorhergesagten Verkehrsbelegungszahlen der Innenstadtbrücken wenig ändert, fällt die ohnehin geringe Abnahme auf dem Blauen Wunder in dem jetzt berechneten Modell nochmals deutlich geringer aus als in der zur Planungszeit der „Entlastungbrücke“ bekannten Prognose 2020.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 7. Oktober 2010; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref><ref>Landeshauptstadt Dresden: Verkehrsentwicklungsplan 2025plus</ref>

Planung

Am 15. August 1996 beschloss der Stadtrat den Bau der Waldschlößchenbrücke an dem 1937 und mehrmals in der DDR erwogenen Standort zwischen den Dresdner Stadtteilen Johannstadt und Radeberger Vorstadt. Ein von der PDS unterstütztes Bürgerbegehren „Brücken gegen den Stau“ zugunsten des Mehrbrückenkonzepts (Thomas-Müntzer-Platz + Niederpoyritz), für das mehr als die damals erforderlichen 20.000 Unterschriften gesammelt wurden, war der Versuch, diese Entscheidung wieder zu kippen.<ref>Dresdner Blätt’l 15/97: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fast lückenlose Chronik eines Betrugs (Memento vom 29. April 2010 im Internet Archive), 21. März 1997</ref> Es wurde jedoch vom Stadtrat letztendlich für unzulässig erklärt: „Nachdem der Stadtrat die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens auch gegen den Widerspruch des OB (21. März 1997) und eine Beanstandung durch das RP verteidigte, schwenkte am 15. Mai 1997 die SPD auf die CDU-Linie ein und stimmte für einen Verzicht auf die Bürgerbefragung“.<ref>welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Chronologie (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)</ref> Die entscheidende Stimme soll von dem SPD-Stadtrat Reinhard Martin gekommen sein. Martin, der ein Jahr zuvor Moderator des Brückenworkshops gewesen war, wurde nach Meinung anderer SPD-Genossen für diese Stimmabgabe mit dem Posten des Geschäftsführers der Aufbaugesellschaft Prager Straße (AGP) „belohnt“.<ref>Michael Bartsch in SAX 9.07: Diese Brücke oder keine, September 2007</ref>

Eingriff in den Naturraum

Datei:Luftbild Waldschlösschenbrücke.jpg
Die Lage des „Verkehrszuges“ – Im Vordergrund der Stadtteil Neustadt

Der vierspurige Verkehrsweg soll unterhalb eines Aussichtspunktes aus dem Tunnelportal am Hang der Waldschlösschenwiese austreten, die Elbwiesen überspannen und 635 m weiter südlich in einen Knoten auf der Vogelwiese münden.

Er befände sich sowohl im Weltkulturerbe Dresdner Elbtal<ref name="UNESCO-Elbtal"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beschluss zu Dresden (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive), Deutsche UNESCO-Kommission e.Vorlage:NnbspV.</ref> als auch im „Fauna-Flora-Habitat 34E Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg“,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FFH 2: Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg (Memento vom 7. Mai 2008 im Internet Archive)</ref> würde das „Flächennaturdenkmal 37 Glatthaferwiese am Elbufer Johannstadt“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ND 37: Glatthaferwiese am Elbufer Johannstadt (Memento vom 27. November 2007 im Internet Archive)</ref> tangieren und die wichtigste Frischluftschneise der überwärmten Stadt<ref>Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt: Flächennutzungsplan. Erläuterungsbericht. Dresden, 1998</ref> im Landschaftsschutzgebiet Dresdner Elbwiesen und -altarme<ref>Landeshauptstadt Dresden, Grünflächenamt: Landschaftsplan, Teil I. Erläuterungsbericht – Bestandserfassung und Bewertung. Dresden, 1998. S. 43 ff.</ref> schneiden.

Die Erteilung des Planfeststellungsbeschlusses kommentierte das Regierungspräsidium unter anderem mit folgenden Ausführungen: „Die Folgen des neuen Verkehrszuges für die Umwelt sind zweifellos beträchtlich. […] Zum Ausgleich unvermeidbarer Eingriffe in Natur und Landschaft sind landschaftspflegerische Ersatzmaßnahmen vorgesehen. So wird unter anderem die Elblandschaft bei Zschieren auf einer Fläche von 29.800 Quadratmetern naturnah umgestaltet und der dort gelegene Brüchtigtgraben renaturiert.“

Datei:Dampfer Stadt Wehlen Waldschloesschenbruecke.JPG
Der Elbraddampfer Stadt Wehlen passiert im August 2008 die Brückenbaustelle

Die Brückengegner kritisierten, dass die Querung ausgerechnet an der breitesten Stelle der Elbwiesen erfolgen sollte. Dadurch entstehe außer der Landschaftszerstörung<ref>Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stellungnahme zum Standort der geplanten Brücke (Memento vom 1. Januar 2007 im Internet Archive), Anhörungsverfahren zur Planfeststellung, August 2003</ref> (die später auch zum Haupt-Kritikpunkt der UNESCO wurde) auch für Natur und Umwelt der vergleichsweise größte Schaden (Verkehrslärm, Emissionen, Flächenverbrauch usw.).<ref>welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Natur – Umwelt – Verkehr (Memento vom 11. Dezember 2024 im Internet Archive)</ref> Die zur Kompensation geplanten Ausgleichsmaßnahmen halten sie für völlig ungeeignet und inakzeptabel, unter anderem deshalb, weil davon nur weit entfernte Gebiete – größtenteils am Stadtrand – profitieren.<ref>GRÜNE LIGA Sachsen e.Vorlage:NnbspV.: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stellungnahme zur 2. Tektur Verkehrsvorhaben Waldschlößchenbrücke (Memento vom 23. April 2022 im Internet Archive) (PDF; 22 kB), 18. Dezember 2003</ref>

Schutz bedrohter Arten

Mit ihren Einwendungen hinsichtlich des Artenschutzes scheiterten die Naturschützer einerseits, da die Gerichte die Auffassung bestätigten, die Elbwiesen seien wegen der von Spaziergängern mitgeführten Hunde ohnehin kein geeignetes Brutgebiet für den Wachtelkönig. 2007 wurde jedoch durch die Verwaltungsrichter wegen der Fledermausart Kleine Hufeisennase zunächst ein reichlich drei Monate lang wirksamer Baustopp und anschließend eine bis heute gültige nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h verhängt.<ref name="GL Fledermaus"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung der GRÜNEN LIGA Sachsen e.[[:Vorlage:Nnbsp]]V. (Memento vom 18. Juni 2013 im Internet Archive), 9. August 2007</ref> Nachdem sich die verschärften EU-Richtlinien 2008 in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts widerspiegelten, erließ die Landesdirektion (Nachfolger des Regierungspräsidiums) einen Änderungsbeschluss, der unter anderem ein jährlich zweimaliges Mähen der Wiesen im Abstand von 100 Metern zur Brücke vorschreibt, um durch Reduktion der Stickstoffkonzentration den Lebensraum beispielsweise für den selten gewordenen Schmetterling Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling zu erhalten.

Volksfestgelände „Vogelwiese“

Der Brückenkopf auf der Johannstädter Elbwiese befindet sich auf dem Areal des traditionsreichen Volksfestgeländes der Dresdner Vogelwiese, die in den Jahren 1874–1939 und 1992–2003 auf diesem Platz stattfand. Bei der Planung der Brücke<ref>ESKR Ingenieure+Architekten: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Unter Entwurf kurze Bemerkung zur Vogelwiese (Memento vom 19. März 2012 im Internet Archive)</ref> wurden Treppenanlagen, Durchgänge und Serviceräume im massiven Widerlagerbauwerk vorgesehen, damit sich das Festgelände beidseitig der Brücke auf den Innenflächen der Abfahrten befinden kann.

Seit 2004 findet die Vogelwiese auf dem Volksfestgelände Pieschener Allee statt, einem eigens ausgebauten Ersatzstandort an der Marienbrücke.

Entscheidung pro/kontra Straßenbahn

Eine aus verkehrspolitischen Gründen vollzogene Planänderung war die Umwandlung der Stadtbahn-/Straßenbahntrasse in eine Straßenbahn-Option und die spätere Streichung dieser Option.<ref name="DB">Dresdner Blätt’l 18/2004: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Antwort des Oberbürgermeisters auf Schriftliche Anfrage 1296/2003 vom 11. März 2003: Wie oft ist das Verkehrsbauvorhaben Waldschlößchenbrücke bisher seit dem ersten Stadtrats-Beschluss 1996 ganz oder teilweise umgeplant worden? (Memento vom 17. Dezember 2005 im Internet Archive), 12. November 2004</ref> Entgegen seiner mehrheitlichen Überzeugung musste der Stadtrat die wegen nachgewiesenen volkswirtschaftlichen Nutzens (Gutachten<ref>Verkehrsplanung Köhler und Taubmann GmbH Frankfurt am Main / Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) Stadtbahntrasse „Waldschlösschenbrücke“ in Dresden (Memento vom 29. Juli 2007 im Internet Archive), 1999</ref> im Auftrag der Dresdner Verkehrsbetriebe) anfangs eingeplante Straßenbahn in diesen zwei Schritten aus dem Projekt entfernen. Dies geschah, um den Forderungen des Landes Sachsen (vierspurige Fahrbahn für den MIV) gerecht zu werden und die zugesagten Fördermittel nicht zu gefährden.

Architektur und Bautechnik

Anforderungen des Landschaftsschutzes und des Hochwasserschutzes bezüglich der Bauwerkshöhe und -ausführung setzen den Brückenentwurf einem Zielkonflikt aus. Die Brücke kommt ohne Strompfeiler aus und soll durch ihre unterströmbare Länge ein minimales Strömungshindernis im Sinne des Hochwasserschutzes darstellen: Die Elbe findet an dieser Stelle ein hindernisfreies Hochwasserprofil von mehr als 500 Meter Breite vor. Die Waldschlößchenbrücke soll bei einem 100-jährlichen Abflussereignis der Elbe passierbar bleiben; konträr zu den Anforderungen des Schutzes der Landschaft und der Blickbeziehungen muss die Brücke daher eine möglichst große Lichte Höhe im gegebenen Gewässerprofil bieten.

Funktionale Probleme

Datei:Elbehochwasser 2006 Waldschlößchen.jpg
Elbhochwasser 2006
Höhe Sängereiche auf den Elbwiesen<ref name="Infoblatt Fragen zur WSB" /> und Brückenstandort

Während der fast acht Jahre dauernden Arbeit an der Planfeststellung wurden am Projekt „Waldschlößchenbrücke“ 15 Umplanungen vorgenommen. Eine der größeren davon war nötig, weil der im Jahr 2000 eingereichte Planfeststellungsantrag wegen fehlender Unterlagen und Überschreitungen von Lärmgrenzwerten nicht genehmigt wurde. Daraus resultierend wurde die Planung um den östlichen Nebentunnel erweitert, während ursprünglich der Verkehr in nordöstliche Richtung durch Wohngebiete geleitet werden sollte.

Ästhetische Probleme

Der im Ergebnis des Architekturwettbewerbs erstplatzierte Entwurf folgt, so wie alle anderen Wettbewerbsteilnehmer, der Vorgabe, dass die Brückenkontur, aus stadtwärtiger Richtung betrachtet, die Silhouette des Elbhangs nicht durchbrechen darf, also relativ flach verlaufen muss. Diese aus den 90er Jahren stammende Forderung ist heute umstritten, da die entgegengesetzte Blickrichtung (auf das Stadtzentrum) nunmehr für wichtiger gehalten wird. Sie hat die Bandbreite der in Frage kommenden Entwürfe damals entscheidend reduziert, da hohe schlanke Pylonen-Konstruktionen keine Chance hatten. Der durch die Jury ausgewählte Entwurf ist nunmehr vielfacher Kritik aus ästhetischen Gründen ausgesetzt, unter anderem durch die Sächsische Akademie der Künste<ref>Sächsische Akademie der Künste: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 27. Juni 2006</ref> und die Bundesarchitektenkammer.<ref>Die Welt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kulturerbe: Architekten gegen Waldschlößchenbrücke (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive), 4. Mai 2006</ref> Auch der Architekt der neuen Strelasundquerung (Rügenbrücke), André Keipke, äußerte sich in diesem Zusammenhang in der Presse.

In der Folge der Jahrhundertflut 2002 wurde eine Anhebung der Gradienten für notwendig erachtet. Wegen der daraus resultierenden gestalterischen Probleme mit dem Tunnelportal auf der Waldschlösschenwiese wurde 2003 ein zusätzliches Gutachterverfahren (mit Preisgericht über die abgegebenen Entwürfe) durchgeführt.<ref>Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 14. April 2003</ref> UNESCO und Öffentlichkeit erfuhren nicht von den Konsequenzen der Gradientenanhebung, erst durch das Aachener Gutachten wurden 2006 kurz vor der Vilniuser UNESCO-Tagung die visuellen Auswirkungen<ref>Zwei Visualisierungen des rechtselbischen Tunnelportals: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />1 (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive), <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />2 (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive), RWTH Aachen, März 2006</ref> der Gradientenanhebung bekannt und als „festungsähnliche Verbauung“<ref>Leben in Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Heidrun Hannusch in DNN</ref><ref name="DieZeit20060406">Die Zeit: Sichtbare Brücke – Eine Dresdner Schreckensvision, 6. April 2006</ref> kritisiert.

Durch weitere Umplanungen, die Anfang 2008 (nach Baubeginn) beschlossene so genannte „Burger-Brücke“, soll zum einen der Tunnelmund gefälliger wirken. Außerdem wurde eine geringfügige Verschlankung des Brückenkörpers erreicht, und zwar im Wesentlichen durch den Wegfall der Treppenaufgänge und der Beleuchtungsmasten (Integration der Lampen in den Geländer-Handlauf) sowie durch eine überarbeitete Fundamentkonstruktion.<ref name="Burger20080128"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Veränderter Entwurf kann Waldschlößchenbrücke und Welterbetitel in Einklang bringen (Memento vom 30. August 2018 im Internet Archive), Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 28. Januar 2008; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Beide streitenden Parteien sehen die eigene Seite in der Rolle des Hüters der städtebaulichen Tradition der Landeshauptstadt: Die Brückengegner z. B. mit ihrem Slogan „Weil wir Dresden lieben“ im Abstimmungsbüchlein zum Bürgerentscheid im Jahr 2005, die Befürworter mit ihrer Argumentation, auch das von der UNESCO verliehene Welterbe-Prädikat sei einer der Beweise dafür, dass die Dresdner schon seit Jahrhunderten in der Lage seien, über eine anspruchsvolle und landschaftsverträgliche Bebauung selbst und ohne äußere Einflussnahme zu entscheiden. Die 2/3-Mehrheit beim Bürgerentscheid 2005 beweise, dass sich die Waldschlößchenbrücke in diese Tradition einreihe, indem die Bevölkerung hinter dem Vorhaben stünde, argumentieren die Befürworter. Die Brückengegner weisen hingegen darauf hin, dass beim Bürgerentscheid 2005 keinerlei Alternativen (auch nicht ästhetischer Art) zur Wahl standen, sondern das Votum unter dem Vorzeichen „Diese Brücke – oder langfristig gar keine neue Elbquerung“ keine freie Entscheidung zuließ. Die tatsächliche Entscheidung sei bereits neun Jahre früher, bei der Standortwahl unter Einflussnahme des Freistaats gefallen.

Planfeststellung

Mit dem ersten Planfeststellungsantrag scheiterte die Landeshauptstadt bei der Genehmigungsbehörde: Wegen Überschreitung der zulässigen Lärmgrenzwerte um bis zu 15 dB(A) in der vorwiegend als Wohngebiet genutzten Radeberger Vorstadt am nördlichen Brückenkopf setzte das Regierungspräsidium Dresden den Abschluss des Verfahrens am 14. Juli 2000 aus. Das Klagerisiko durch betroffene Bürger wurde für zu hoch gehalten.<ref>Regierungspräsidium Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 14. Juli 2000</ref><ref>welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Lärmprognose (Memento vom 1. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 56 kB)</ref>

Die überarbeitete Planung wurde am 20. März 2003 beim Regierungspräsidium Dresden eingereicht, das am 25. Februar 2004 die Planfeststellung<ref>Regierungspräsidium Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vollzug des Sächsischen Straßengesetzes – Planfeststellung für das Bauvorhaben Neubau des Verkehrszuges Waldschlößchenbrücke – Antrag der Landeshauptstadt Dresden vom 18.02.2003 (Memento vom 3. Mai 2014 im Internet Archive) (PDF; 261 kB), 25. Februar 2004</ref> erteilte.<ref name="RP">Landesdirektion (vormals Regierungspräsidium) Dresden: Pressemitteilungen zur Waldschlößchenbrücke</ref>
Nachträgliche Änderungen des Planfeststellungsbeschlusses erfolgten 2008 zum Schutz bedrohter Arten und 2010 zum Einschwimmen des Brückenbogens.<ref>welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 13. April 2010</ref>

Juristischer Streit um die Rechtmäßigkeit der Planfeststellung

Bezüglich der Planfeststellung sind bisher nur die Verfahren im einstweiligen Rechtsschutz abgeschlossen. Ob der RP-Beschluss zum Bau der Brücke rechtmäßig war, ist damit noch nicht endgültig entschieden, denn diesbezüglich sind noch mehrere Hauptsacheverfahren bei den Verwaltungsgerichten anhängig.

Ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist ein im April 2007 von Naturschutzverbänden initiiertes Verfahren, das unter anderem auf die Berücksichtigung des mittlerweile verschärften europäischen Naturschutzrechts zielt. Der dazu eingereichte Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz hatte am 9. August 2007 beim Verwaltungsgericht Dresden Erfolg. Es erließ einen Baustopp und stellte die aufschiebende Wirkung der Klage im Hauptsacheverfahren wieder her. Nach Ansicht des Gerichts sind bestimmte Gefährdungsaspekte der in Sachsen und Deutschland vom Aussterben bedrohten Fledermausart Kleine Hufeisennase im Planfeststellungsbeschluss nur mangelhaft berücksichtigt. Somit sei nicht gewährleistet, dass Populationsteile dieser Spezies durch potenzielle Barriereeffekte der Brücke nicht erheblich geschädigt werden können.<ref name="GL Fledermaus" />

Das Gericht gab dem Antrag statt, obwohl darin nicht nachgewiesen ist, dass die bedrohte Tierart tatsächlich im Lebensraum eingeschränkt würde. Möglicherweise wird diese besonders weitläufige Stelle des Elbtals von den Fledermäusen gar nicht passiert: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= Gemäß der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts geht es jedoch zu Lasten des Vorhabens, wenn in der Planfeststellung nicht alle Zweifel bezüglich der Wirksamkeit der vorgesehenen Artenschutz-Maßnahmen ausgeräumt wurden. Dabei müsse der Nachweis erbracht werden, dass zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses die Durchführung des Vorhabens erforderten, denen durch eine die FFH-Gebiete weniger oder gar nicht beeinträchtigende Alternativlösung nicht genügt werden könne. Diesen strengen Rahmen zur Auslegung des europäischen Naturschutzrechts setzte im Januar 2007 der 9. Senat des Bundesverwaltungsgerichts mit seinem Urteil<ref>Bundesverwaltungsgericht: Urteil vom 17.01.2007 – 9 A 20.05</ref> zur Westumfahrung Halle (nördliches Teilstück der A 143).

Nachdem das Regierungspräsidium Beschwerde einreichte,<ref name="RP" /> verkündete das Sächsische Oberverwaltungsgericht am 14. November 2007 die Aufhebung des Baustopps. Es erteilte die Auflage, bis zur endgültigen Klärung im Hauptsacheverfahren die Geschwindigkeit auf dem gesamten Verkehrszug in den Nachtstunden von April bis Oktober auf 30 km/h zu begrenzen und mit zwei „Blitzern“ zur überwachen. Dass damit ein Kollisionsrisiko der Kleinen Hufeisennase mit Fahrzeugen ausgeschlossen werden kann, hält das Gericht für hinreichend zum Wegfall des Baustopps. Alle anderen eventuellen Fehler bezüglich des Schutzes der Fledermäuse, derentwegen sich der Planfeststellungsbeschluss im Hauptsacheverfahren als rechtswidrig erweisen könnte, seien durch nachträgliche Umplanungen behebbar. Solche Korrekturen der Planfeststellung hält das Gericht beispielsweise beim Beleuchtungskonzept und bei der Schaffung von Leitstrukturen für denkbar.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Sächsisches Oberverwaltungsgericht, 12. November 2007; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.@1@2Vorlage:Toter Link/www.justiz.sachsen.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Einem Rechtsgutachten zufolge wäre die paradoxe Situation denkbar, dass die Stadt gezwungen sei, mit dem Bau zu beginnen, obwohl er möglicherweise wieder eingestellt werden muss – falls sich die Planung im Rahmen dieser Klagen als rechtswidrig erweist. Eine Investitionsruine, finanzieller und ökologischer Schaden, wäre die – allerdings sehr unwahrscheinliche – Folge.<ref name="GA Alvensleben">Anwaltskanzlei Derra, Meyer & Partner, von Alvensleben: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gutachten über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens Waldschlößchenbrücke, vertreten durch die Herren Köhler-Totzki, Mücke und Brauns (Memento vom 29. November 2015 im Internet Archive) (PDF; 68 kB)</ref>

Nachdem das Verwaltungsgericht Dresden wegen einer neuen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Bundesverwaltungsgericht; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />einleitender Kommentar zur Entscheidung über die A 44 bei Hessisch Lichtenau (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive)).@1@2Vorlage:Toter Link/www.bverwg.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> die Fortsetzung der Verhandlung vom 5. August auf den 16. Oktober 2008 verschob, traf die Landesdirektion (seit 1. August 2008 Nachfolger des Regierungspräsidiums) Abweichungsentscheidungen (§ 34 Abs. 3 BNatSchG, siehe auch Abschnitt Schutz bedrohter Arten) zur nachträglichen Änderung des Planfeststellungsbeschlusses.<ref name="RP" /> Am 30. Oktober 2008 wurde die Klage der Naturschutzverbände durch das Verwaltungsgericht in erster Instanz abgewiesen. Das Urteil basiert auf der ausführlich begründeten Auffassung, ein Elbtunnel stelle „keine vorzugswürdige Variante“ dar, weil während seiner Errichtung stärker in die Natur eingegriffen werden müsste als beim Brückenbau.<ref name="3k92304">Verwaltungsgericht Dresden: Urteil Az.: 3 K 923/04 (30. Oktober 2008), Begründung vom 20. Februar 2009</ref> Die Kammer hat die Berufung gemäß § 124a Abs. 1 Satz 1 VwGO zugelassen, weil die Rechtssache insbesondere in Hinblick auf das Europäische Naturschutzrecht Fragen von grundsätzlicher Bedeutung aufwirft (§ 124a Abs. 1, § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO). Die Berufung wurde am 26. März 2009 durch die drei klagenden Verbände Grüne Liga Sachsen, BUND Sachsen und NABU Sachsen beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen eingelegt. Daneben liegen dem Dresdner Verwaltungsgericht noch acht weitere unerledigte Brücken-Klagen vor, unter anderem von Privatpersonen und Gewerbetreibenden.

In der Berufungsverhandlung beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht wurde nach mehreren Verhandlungstagen Ende 2011 die Berufung der Naturschutzverbände zurückgewiesen, jedoch eine Revision zugelassen.<ref>Welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Berufung der Naturschutzverbände zurückgewiesen, Revision zugelassen (Memento vom 17. Mai 2022 im Internet Archive), 16. Dezember 2011</ref> Die mündliche Revisionsverhandlung fand am 6. März 2014 vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig statt.<ref>Thomas Baumann-Hartwig: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Waldschlößchenbrücke – Bundesverwaltungsgericht verhandelt im März (Memento vom 1. Februar 2023 im Internet Archive), Artikel der Dresdner Neuesten Nachrichten vom 4. Januar 2014 via welterbe-erhalten.de
quo-vadis-dresden.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mündliche Verhandlung am BVerwG zur Waldschlösschenbrücke (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), 27. Dezember 2013</ref> Vor seinem Urteilsspruch holte dieses Gericht dann zunächst die Meinung des Europäischen Gerichtshofs ein. Dieser entschied am 14. Januar 2016, dass die europäischen Naturschutzvorgaben berücksichtigt werden müssen, auch wenn sie erst nach dem Planfeststellungsverfahren in Kraft traten.<ref>[Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 14. Januar 2016, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 14. Januar 2018;.</ref> Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Juli 2016 hat die Landesdirektion Dresden eine nachträgliche FFH-Verträglichkeitsprüfung und eine artenschutzrechtliche Prüfung durchzuführen, das Gericht erklärte den Planfeststellungsbeschluss für teilweise rechtswidrig:

„Die unter 3. genannten Mängel des Planfeststellungsbeschlusses führen nicht zu seiner Aufhebung, sondern lediglich zur Feststellung seiner Rechtswidrigkeit. Sie verhelfen daher nicht dem Haupt-, sondern nur dem Hilfsantrag zum Erfolg. Denn sie betreffen kein zwingendes Planungshindernis; es besteht die konkrete Möglichkeit, dass sie in einem ergänzenden Verfahren behoben werden können, ohne die Gesamtplanung in Frage zu stellen (§ 39 Abs. 3 SächsStrG i.V.m. § 75 Abs. 1a Satz 2 VwVfG)“<ref>Bundesverwaltungsgericht: Urteil vom 15. Juli 2016 – BVerwG 9 C 3.16</ref>

Politischer Streit um die Verwirklichung der genehmigten Planung

Finanzierung

Eigenmittel

Gegner bezeichnen das Projekt wegen seiner hohen Kosten als „teuerste Stadtbrücke Deutschlands“ und fürchten, dass der Stadt im Gegenzug Mittel für ÖPNV-Unterstützung, Straßen- und Schulsanierung, Kulturförderung usw. fehlen werden.<ref>Hartmut Haenchen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verkehrszug Waldschlößchenbrücke schädigt die Dresdner Kultur (Memento vom 1. Januar 2012 im Internet Archive), 22. Februar 2005</ref> Dies weisen die Befürworter als unbegründet zurück: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= Diese Aussage lässt unberücksichtigt, dass der Stadtrat die Mittel zwischen den Haushalten verschieben kann. Zudem müssen die relativ hohen Unterhaltungskosten tatsächlich aus dem Verwaltungshaushalt bestritten werden.

Nach der damaligen (vorläufigen) Beendigung des Brückenprojekts erhielt die Stadt Dresden wegen der hohen Planungskosten, davon 7,5 Mio. € für Variantenuntersuchungen, vom Bund der Steuerzahler den Titel „Schleudersachse 2004“ verliehen.

Die Befürworter sehen es als unverzichtbar an, ein Projekt, in das schon so immense Gelder geflossen sind, auch zu vollenden. Unter anderem deshalb initiierten sie im Jahr 2004 per Bürgerbegehren den Bürgerentscheid vom 27. Februar 2005. Für die Gegner sind gerade die jahrelang immer weiter gestiegenen Planungskosten der Beweis dafür, dass das Projekt an dieser Stelle nicht realisierbar ist und schnellstmöglich aufgegeben werden muss.

Ferner befürchten sie, dass die Dresdner Finanzen durch Bau und insbesondere Unterhaltung der Brücke über Gebühr strapaziert würden. Sie führen an, dass die gerade erst erreichte Entschuldung der Stadt durch die Veräußerung sämtlicher kommunaler Wohnungen (WOBA-Verkauf 2006) teuer erkauft werden musste. Trotz Schuldenfreiheit erreiche Dresden nach wie vor nur durch Kürzungen in vielen Bereichen sowie durch eine dauerhaft sehr hohe Grundsteuer einen ausgeglichenen Haushalt.<ref>brueckenfakten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Kosten der Trasse tragen die Bürger (Memento vom 28. Januar 2010 im Internet Archive)</ref>

Dresden hatte bei der Grundsteuer B bereits 2004 den dritthöchsten Hebesatz unter den 50 größten deutschen Städten (mit 535 %, nur Bremen [580 %] und Berlin [660 %] lagen noch höher).<ref>Beschluss des Finanzausschusses der Landeshauptstadt München, Seite 3: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Grundsteuer B: Häufigkeit der Hebesätze in den 50 größten deutschen Städten (Memento vom 15. Februar 2010 im Internet Archive) (PDF; 30 kB), 27. Juli 2004</ref> Seit der erneuten Anhebung im Jahr 2005 auf 635 % lag die sächsische Landeshauptstadt nun annähernd gleichauf mit der Bundeshauptstadt auf deutschem Spitzenniveau. Die Notwendigkeit dieser Steuererhöhung wurde im Dresdner Stadtrat durch die CDU-Fraktion mit der Waldschlößchenbrücke begründet: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= Auch 2007 lehnte die CDU-Fraktion eine Abkehr von diesem hohen Hebesatz ab,<ref>CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bürgerfraktion mit Populismus statt Realismus (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive), 2. April 2005</ref> während andere (z. B. Bürgerfraktion und Haus & Grund<ref>Bürgerfraktion im Dresdner Stadtrat: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Offener Brief des Vorsitzenden von Haus & Grund Dresden (Memento vom 27. April 2008 im Internet Archive)</ref>) eine Senkung anmahnten.

Eine Brückenvariante, die ohne die Nebentunnel auskommt, indem die Brücke mittels „holländischer Rampen“ direkt an die Bautzner Straße angebunden wird, würde etwa 100 Tsd. € weniger an jährlicher Unterhaltung kosten. Dieser von OB Roßberg 2001 eingebrachte Vorschlag wurde jedoch von der damaligen Stadtratsmehrheit aus CDU und FDP/DSU verworfen, um keine weitere Verzögerung zu riskieren.<ref>welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>

Fördermittel

Die durch den Freistaat zugesagte hohe Förderquote<ref>Medienservice Sachsen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Waldschlößchenbrücke: Freistaat steht zu 90%-Förderung (Memento vom 3. November 2013 im Internet Archive) (PDF; 76 kB), 23. August 2004</ref> war und ist seit der 1995 im Vorfeld des Brückenworkshops getroffenen diesbezüglichen Aussage stets eines der Hauptargumente der Befürworter dieses Brückenstandorts. Auch im Abstimmungsbüchlein zum Bürgerentscheid wurde irreführend der bereits nicht mehr gültige Satz „Vorlage:Str trim“ gedruckt.<ref name="Brosch.BE" details="Befürw.-S.3"/> Tatsache war jedoch, dass es zum Zeitpunkt des Bürgerentscheids bereits die Aussage von Wirtschaftsminister Thomas Jurk gab, nach dem der größte Anteil der Fördermittel, nämlich die aus Bundesmitteln (dem GVFG) stammenden 80 Mio.€ (von insgesamt 96 Mio.€), auch für andere förderfähige Vorhaben bereitgestellt würden.<ref name="Jurk 20050222" /> Stand Anfang April 2007 war es fraglich, ob überhaupt die 80 Mio. GVFG-Gelder durch den Bund für die aktuell geplante Brückenvariante noch bereitgestellt würden<ref name="Tiefensee 20070405">NETZEITUNG.DE: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bund fordert Verzicht auf Dresdner Brückenbau (Memento vom 29. April 2008 im Internet Archive), 5. April 2007</ref>. Das sächsische Wirtschaftsministerium unter Thomas Jurk (SPD) hatte daraufhin die Geldauszahlung für das Projekt vorläufig gestoppt. Das CDU-geführte Finanzministerium hingegen versicherte, die Stadt Dresden habe durch den Zuwendungsbescheid vom 28. Oktober 2004 „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= Der zitierte Bescheid stellt eine Förderung nur für die Jahre 2005–2008 in Aussicht und enthält außerdem den Passus „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Der Bund (BMVBS) hatte im Falle eines eventuell teureren Kompromisses mit der UNESCO einen finanziellen Ausgleich in Aussicht gestellt<ref>Persönlicher Brief von Herrn Gerth / Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 14. August 2007</ref>.

Gesamtkosten

Nach Vollendung betrugen die tatsächlichen Kosten reichlich 180 Millionen Euro.<ref>Thomas Baumann-Hartwig: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 1. Oktober 2018; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.@1@2Vorlage:Toter Link/www.dnn.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Bauvorleistungen und Konflikt mit dem Schutz des Welterbes

Datei:Weltkulturerbe Dresdner Elbtal.jpg
Schautafel Weltkulturerbe Dresdner Elbtal an der Sandsteinmauer der Pillnitzer Landstraße unweit der Talstation der Schwebebahn
Datei:051014-elbwiesen-vom-lingnerschloss.jpg
Blick von der Terrasse des Lingnerschlosses (ehemals Sitz des „Welterbezentrums Dresdner Elbtal“)<ref>Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Grundriss des Welterbezentrums im Lingnerschloss (Planung) (Memento vom 7. Februar 2013 im Internet Archive) (PDF; 152 kB)</ref> auf die linkselbischen Wiesen. Unweit der Häuserfront in Bildmitte befindet sich heute der Johannstädter Brückenkopf (kreuzungsfreier Knoten Fetscherstraße/Käthe-Kollwitz-Ufer).

Im Rahmen des Wahlkampfes zur Oberbürgermeisterwahl führte Amtsinhaber Herbert Wagner am 29. November 2000 – ungeachtet der zu diesem Zeitpunkt wegen fehlender Unterlagen und Überschreitungen von Lärmgrenzwerten fehlgeschlagenen Planfeststellung und der befürchteten Konflikte mit dem beantragten Welterbe-Schutzgebiet – den Ersten Spatenstich zur Waldschlößchenbrücke aus.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Chronik „Der lange Weg bis zur Waldschlößchenbrücke“ (Memento vom 20. Dezember 2016 im Internet Archive), mdr.de, Mitteldeutscher Rundfunk</ref> Ein Konfliktpotenzial zwischen Weltkulturerbe und geplanter Brücke hatte Berichten zufolge während der von 2000 bis 2002 geführten Diskussionen um das Für und Wider einer Titel-Bewerbung außer dem damaligen OB Herbert Wagner auch der Stadtrat Hermann Henke (beide CDU) gesehen.<ref>Dresdner Neueste Nachrichten: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ein Brief wird kommen … (Memento vom 20. Mai 2012 im Internet Archive), 17. November 2005</ref> Wagner ließ seine Bedenken schließlich fallen, weil sich der Freistaat (unter Kurt Biedenkopf (CDU)) für eine Bewerbung aussprach.

Wegen „der Einzigartigkeit des Dreiklangs aus Fluss, Landschaft und Architektur“ ernannte die UNESCO im Juli 2004 die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal zwischen den Schlössern Pillnitz im Osten und Übigau im Westen zum Weltkulturerbe.<ref name="UNESCO-Elbtal" /> Von der Ausweisung als Kulturgut von „einzigartigem und universellen Wert“ geht eine Schutzforderung gemäß der Welterbekonvention „zum Nutzen der Menschheit“ aus. Zwar ist die rechtliche Bewertung der Welterbekonvention unter Rechtsexperten umstritten, da ihr 1976 lediglich die Bundesregierung zugestimmt hat und die Konvention im Bundesgesetzblatt nur bekannt gemacht wurde, aber kein Vertrags- oder Zustimmungsgesetz vom Bundestag erlassen wurde, doch ist nach überwiegender Auffassung auch der Freistaat Sachsen aus dem Verfassungsgrundsatz bundesfreundlichen Verhaltens verpflichtet, der der Bundesrepublik Deutschland obliegenden Aufgabe nachzukommen<ref name="Fastenrath">Technische Universität Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> und gemäß der Konvention für „Erfassung, Schutz und Erhaltung“ des Natur- und Kulturerbes Sorge zu tragen. Der Bund hat sich dazu verpflichtet, „eine allgemeine Politik zu verfolgen, die darauf gerichtet ist, dem Kultur- und Naturerbe eine Funktion im öffentlichen Leben zu geben und den Schutz dieses Erbes in erschöpfende Planungen einzubeziehen“ und „hierfür alles in [ihren] Kräften Stehende [zu] tun“.<ref name="Welterbekonvention">Deutsche Übersetzung aus dem Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1977, Teil II, Nr. 10: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive), UNESCO-Generalkonferenz in Paris, 23. November 1972</ref> Vom Gesetzgeber erhält, wie in der Zwischenzeit auch gerichtlich festgestellt wurde, die Schutzfunktion als Weltkulturerbe nur eine untergeordnete Bedeutung im aktuellen Brückenstreit, da es seit 1976 nicht in nationales Recht umgesetzt wurde. Ein durch die Bundesregierung in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss, dass „jeder Vertragsstaat alles in seinen Kräften stehende zur Erhaltung des Welterbes“ zu tun hätte, und dass auch das Land Sachsen an die Welterbekonvention gebunden sei.<ref>ad-hoc-news.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 30. November 2007</ref>

→ Siehe auch: Lindauer Abkommen

Die Planfeststellung wurde aber schon am 25. Februar 2004 beschlossen. In dem Beschluss, so bemängelt Ulrich Fastenrath 2006, Völkerrechtler an der TU Dresden, werde das Elbtal nicht als Weltkulturerbe angesprochen. Die zuständige Denkmalschutzbehörde habe „in Verkennung der völkerrechtlichen Vorgaben und einer Fehleinschätzung der Auswirkungen des Brückenbaus das Weltkulturerbe nicht in ihre Stellungnahme einbezogen“.<ref name="FAZ20060810">Frankfurter Allgemeine Zeitung: Völkerrechtsproblem Brücke, 10. August 2006</ref> Das Regierungspräsidium hielt Fastenraths Gutachten vom 9. August 2006 entgegen, dass eine eigene gutachterliche Bewertung der UNESCO-Welterbekommission zu dieser Frage vorausgegangen sei und das Vorhaben als „unbedenklich“ eingestuft worden sei. Auch eine spätere Planfeststellung, die sich auf diese Entscheidung bezogen hätte, wäre also zumindest aus den von Fastenrath angeführten Gründen nicht zu einem anderen Ergebnis gekommen.<ref name="RP" />

Eilanträge, Kommunalwahl und Bürgerbegehren 2004

Nach dem Planfeststellungsbeschluss wurden mehrere Klagen eingereicht, die als Eilanträge abgewiesen wurden, im Hauptsacheverfahren aber erst ab Anfang 2008 behandelt wurden.<ref name="Klagen"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Klagen gegen die Brücke (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)</ref>

Wegen ernster finanzieller Schwierigkeiten wurde der Brückenstreit auch zum Wahlkampfthema der Kommunalwahl 2004: Die Planfeststellung war zu dem Zeitpunkt erfolgreich abgeschlossen, es gelang dem Stadtrat jedoch monatelang nicht, durch massive Kürzungen einen genehmigungsfähigen Haushalt (Bedingung zum Start eines Investitionsvorhabens) zu beschließen.<ref>Thilo Alexe: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: Sächsische Zeitung, 8. Mai 2004.</ref> Als dann kurz vor dem Wahltermin zu den Stadtratswahlen das Regierungspräsidium den Haushaltsentwurf genehmigte, wurde in dieser zeitlichen Nähe von manchem kein Zufall, sondern eine Wahlkampfhilfe für CDU und FDP gesehen, die auf Stadtebene um ihre Mehrheit fürchteten. Trotzdem wurde eine knappe „linke“ Mehrheit aus SPD, Grüne und PDS gewählt.

Wegen der noch schwebenden Eilverfahren<ref name="Klagen" /> gegen das Baurecht vor dem Oberverwaltungsgericht beschloss der neubesetzte Dresdner Stadtrat am 7. September 2004, den Baubeginn und Vergabe vorerst auszusetzen. Der Stadtrat beschloss gegen den Widerspruch von OB Roßberg, die im laufenden Haushaltsjahr für das immer noch in Frage stehende Projekt vorgesehenen 2,7 Mio € Eigenmittel zur Sanierung von Kindertagesstätten zu verwenden.<ref>Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stadtratsbeschluss Nr. V0107-SR03-04 (Memento vom 27. November 2015 im Internet Archive), 23. September 2004</ref> Die Mehrheit im Stadtrat aus SPD, Grüne und PDS konnte dieses Vorhaben nicht umsetzen, da sich herausstellte, dass die für 2004 eingeplanten Brücken-Gelder nicht nur bereits ausgegeben waren, sondern sogar überzogen wurden.<ref>Logbucheintrag auf welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 22. September 2004</ref>

Daraufhin initiierten ADAC, CDU und FDP vermittels der Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke ein Bürgerbegehren auf Bürgerentscheid, welches 17,6 % der wahlberechtigten Bürger unterschrieben. Ein Rechtsgutachten kam zu dem Schluss, dass das Bürgerbegehren wegen eines unzureichenden Kostendeckungsvorschlages unzulässig sein würde. Sofern der Planfeststellungsbeschluss aufgehoben werden müsste, sei auch der Bürgerentscheid hinfällig. „Vorlage:Str trim“, heißt es wörtlich in dem Gutachten des Rechtsanwaltes von Alvensleben.<ref name="GA Alvensleben" />

Am Tag des Bekanntwerdens des Gutachtens zum Bürgerbegehren, dem 4. November, traf bei der Stadt auch der Zuwendungsbescheid des Regierungspräsidiums ein, in dem für den Brückenbau finanzielle Hilfen von in Höhe 96 Millionen Euro (90 % der förderfähigen Kosten) unverbindlich in Aussicht gestellt wurden. Gleichzeitig wurde darin auf Einsparungen gedrängt, auch wenn die Pläne dafür geändert werden müssten.<ref name="Zuwendung"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zuwendungsbescheid vom 28. Oktober 2004 des RP an die Stadt (Memento vom 8. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 523 kB); Grüne Fraktion: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung zum Zuwendungsbescheid (Memento vom 30. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF; 54 kB)</ref> Trotz der Warnung vor einer Investruine<ref name="GA Alvensleben" /> wurde der Bürgerentscheid am 7. Dezember 2004 vom Stadtrat für zulässig befunden und für Februar 2005 anberaumt. Der Beschluss wurde mit 54 Ja-Stimmen (CDU, FDP, SPD, PDS und Bürgerfraktion) gegen 2 Nein-Stimmen (Peter Lames [SPD] und Elke Zimmermann [Grüne]) bei 13 Enthaltungen (Grüne, PDS und Bürgerfraktion) gefasst.

Bürgerentscheid 2005

Das Abstimmungsergebnis<ref name="ErgebBE2005">Landeshauptstadt Dresden: Bürgerentscheid Waldschlößchenbrücke – Amtliches Endergebnis (gesamt und nach Stadtteilen), 27. Februar 2005</ref> in Auszügen:
Gesamt Top-5-Abstimmungsbezirke Lage
Ja
67,9 %

83,9 % Weixdorf
80,2 % Schönfeld-Weißig
79,6 % Langebrück
78,4 % Niedersedlitz
78,4 % Prohlis

Stadtrand, Norden
Stadtrand, Nordosten
Stadtrand, Norden
Stadtrand, Südosten
Stadtrand, Südosten

Nein
32,1 %

68,6 % Äußere Neustadt
49,6 % Sonstige Neustadt
43,8 % Friedrichstadt
43,6 % Striesen
39,8 % Johannstadt

zentral, nördlich der Innenstadt
zentral, teilweise am nördlichen Brückenkopf
zentral, westlich der Innenstadt
zentral, am südlichen Brückenkopf
zentral, am südlichen Brückenkopf

Bei einer Abstimmungsbeteiligung von 50,8 % stimmten am 27. Februar 2005 67,9 % der Dresdner für den Bau der Brücke und des Verkehrszuges. Es gab in nur einem der 36 Abstimmungsbezirke eine Mehrheit gegen die Brücke, in den anderen 35 eine mehr oder weniger deutliche Mehrheit dafür. Während die Zustimmung in den brückenfernen Abstimmungsbezirken am größten war (bis zu 83,9 %), votierten mehrheitlich pro Brücke auch die direkt an die Brücke angrenzenden Bezirke Johannstadt (60,2 %) und Sonstige Neustadt (50,4 %).<ref name="ErgebBE2005" />

Die Fragestellung lautete: „Sind Sie für den Bau der Waldschlößchenbrücke? – einschließlich des Verkehrszuges der abgebildeten Darstellung –“, wozu die nebenstehende Planskizze abgedruckt war. Die Fragestellung des Bürgerentscheids bezog sich auf einen Verkehrszug bestehend aus einer Brücke und einem Tunnel am nördlichen Brückenkopf. Sein Ergebnis ist für die Stadt bis zum 27. Februar 2008 bindend. Da in den begleitenden Unterlagen<ref name="Brosch.BE" /> ausdrücklich auf das bereits bestehende Baurecht verwiesen wurde, hatte dieses Plebiszit weniger den Charakter einer richtungsbestimmenden Abstimmung, sondern mehr den eines Referendums zur nachträglichen Bestätigung einer bereits gefällten Entscheidung.

Den Teilnehmern des Bürgerentscheids war am Abstimmungstag noch nicht bekannt,

  • dass das Dresdner Elbtal wegen dieser Brücke den Titel „Weltkulturerbe“ verlieren könnte (siehe Abschnitt Visualisierungen, Gutachten und Entscheidung „Rote Liste“ ff.),
  • dass die zugesagten Fördermittel auch anderen Brückenprojekten zugutekommen könnten (siehe Abschnitt Fördermittel) und
  • dass die Waldschlößchenbrücke auch durch eine erhebliche Erhöhung der „Grundsteuer B“ mitfinanziert werden müsste (siehe Abschnitt Eigenmittel). Während die Sächsische Gemeindeordnung<ref name="SächsGemO" /> in § 24 Abs. 1 vorschreibt: „Ein Bürgerentscheid findet nicht statt über […] Gemeindeabgaben, Tarife und Entgelte […]“, offenbarte CDU-Stadtrat Jürgen Eckoldt bereits zwei Monate nach dem Entscheid, dass man auch eine Grundsteuererhöhung zur Finanzierung der Brücke einkalkulierte.<ref name="Eckoldt200504" /> Vor einem solchen Zusammenhang hatte bereits Monate zuvor das Alvensleben-Gutachten mit seinem Abschnitt „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= gewarnt, was aber vor der Abstimmung nicht öffentlich bekannt wurde.

UNESCO-Konflikt

Bei der Bewerbung um den Titel „Welterbe Dresdner Elbtal“, die sich zeitlich mit der Brückenplanung überschnitt, war die UNESCO über die Absicht zum Bau der neuen Elbquerung in Kenntnis gesetzt worden.<ref>Landeshauptstadt Dresden: Waldschlößchenbrücke und Welterbe (PDF; 0,7 MB), Broschüre, März 2006. Aus dem Inhalt dieses Dokumentes geht jedoch nicht klar hervor, welche Informationen tatsächlich der Bewerbung beilagen und welche Informationen nachträglich ergänzt wurden.</ref> Umstritten ist, ob die übermittelten Informationen das geplante Bauwerk richtig, ausreichend detailliert und objektiv darstellten oder ob das Vorhaben verschleiert wurde.<ref>ICOMOS-Gutachterin Ilse Friedrich: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Weltkulturerbe Elbtal Dresden und die Waldschlösschenbrücke – Zur Bewahrung und Weiterentwicklung einer Kulturlandschaft (Memento vom 4. Januar 2020 im Internet Archive) (PDF; 103 kB), 13. Juni 2007</ref><ref>Bürgerbegehren Tunnelalternative am Waldschlößchen e.Vorlage:NnbspV.: Und die UNESCO war doch informiert!?, 1. Juli 2008</ref>

Gefährdung des Welterbes und Konsequenzen

Im Oktober 2005 wurde bekannt, dass die UNESCO ernste Bedenken gegen das Projekt Waldschlößchenbrücke innerhalb der Welterbestätte geltend machte. Die Weltorganisation verwies darauf, dass die bei der Bewerbung gelieferten Daten und Visualisierungen zur Brücke fehlerhaft gewesen seien. So wurde der Standort der Brücke in einem ICOMOS-Gutachten etwa mit „5 km flussabwärts vom Stadtzentrum“ angegeben, er befindet sich aber 2,5 km flussaufwärts (siehe Kulturlandschaft Dresdner Elbtal#Kommunikationsproblem im Nominierungsverfahren). Warum weder die Dresdner Verantwortlichen noch die UNESCO-Kommission bei der Prüfung des Antrags diesen offensichtlichen Fehler bemerkten, wurde bei den Vermittlungsgesprächen thematisiert, blieb aber letztlich bis heute unklar. Die UNESCO wurde angeblich erst durch Hinweise von Brückengegnern auf die Abweichung aufmerksam, vergleiche Welterbe Dresdner Elbtal.

Außerdem sollen Planungsänderungen (stellenweise höherer Fahrbahnverlauf), die sich in der Folge des Elbhochwassers 2002 ergaben, nicht vollständig aufgeführt gewesen sein. Schließlich war die Visualisierung der Brücke nach Ansicht ihrer Gegner zu suggestiv und unter Ausblendung der betroffenen Sichtbeziehungen erfolgt.

Datei:Dresden UNESCO Welterbe geschändet - Frauenkirche 2010-02-14.JPG
Städtischer Informationspavillon auf dem Neumarkt nach dem „Aus“ des Dresdner Welterbes

Das Sekretariat des Welterbe-Komitees (World Heritage Center Paris) forderte die Stadt Dresden auf, ein unabhängiges Gutachten zur Verträglichkeit der Brücke mit dem Titel „Welterbe“ in Auftrag zu geben. Nach Gesprächen zwischen dem Oberbürgermeister und der UNESCO wurde der für den 22. März 2006 geplante Baustart verschoben, um die Entscheidung auf der 30. Tagung des UNESCO-Komitees in Vilnius abzuwarten. Dort wurde im Juli 2006 die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.

Das Ultimatum der UNESCO setzte eine jahrelange Kette politischer und juristischer Auseinandersetzungen in Gang, die in den nachfolgenden Abschnitten ausführlich dargestellt werden. Es kam zu kleinen Umplanungen („Burger-Variante“, siehe unten), mit denen die UNESCO noch umgestimmt werden sollte,<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 16. April 2008; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> sowie zu einem Diskurs über die Realisierbarkeit eines Elbtunnels anstelle der Waldschlößchenbrücke.<ref name="TU-Klausur">TU Dresden, Fakultät Architektur und Fakultät Bauingenieurwesen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fachklausur Elbtunnel Dresden (Memento vom 12. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF; 54 kB), 7. März 2008</ref><ref>Martin Gellermann, außerplanmäßiger Professor an der Universität Osnabrück: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Waldschlösschenbrücke in Dresden (Memento vom 28. November 2015 im Internet Archive) (PDF; 17 kB), 5. Mai 2009 – Bewertung des Urteils des Verwaltungsgerichts Dresden vom 30. Oktober 2008 – Az.: 3 K 923/04</ref>

Letztlich blieben alle Kompromiss-Bemühungen erfolglos: Nachdem die Verfahren im einstweiligen Rechtsschutz zugunsten der Brücke ausgingen, begannen die Bauarbeiten am 19. November 2007. Auch nach der kurz darauf (Ende Februar 2008) verstrichenen Bindefrist des Bürgerentscheids kam es nicht zu einem Baustopp, unter anderem wegen der dann zu erwartenden Schadenersatzforderungen der Baufirmen.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 6. März 2008; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Ein Bürgerbegehren zugunsten eines Elbtunnels wurde für unzulässig erklärt. Die UNESCO versteifte sich auf die Position, dass laut der eingeholten Expertenmeinungen<ref name="GA RWTH Aachen" /><ref name="Mediation" /> jede oberirdische Elbquerung an dieser Stelle dem Kulturlandschaftsschutz widerspreche. Gemäß dem Vorschlag seines Sekretariats (World Heritage Center Paris) wurde das Welterbe Dresdner Elbtal auf der Sitzung des UNESCO-Welterbe-Komitees am 23. Juni 2009 mit einer Stimmenmehrheit von 14:5 von der Welterbeliste gestrichen.<ref>Dagmar Dehmer: [Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 26. Juni 2009, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.</ref>

Visualisierungen, Gutachten und Entscheidung „Rote Liste“

Datei:Waldschloesschen 060521 1.jpg
Elblandschaft östlich des vorgesehenen Brückenstandorts im Jahr 2006

Das durch die UNESCO-Bedenken im Mittelpunkt stehende Thema der optischen Wirkungen war zuvor kaum Gegenstand einer sachlichen Diskussion gewesen. Dies war größtenteils der Tatsache geschuldet, dass nahezu keine neutrale Visualisierung existierte, sondern nur solche, die zweckgebunden von Brückenbefürwortern oder -gegnern erstellt worden waren.<ref name="Visualis.Gr.Liga">welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Visualisierung der geplanten Brücke und der Hochstraßen über den Elbauen (Memento vom 30. Mai 2007 im Internet Archive)</ref> Da das Aussehen der Brücke selbst sowie die durch sie verursachten Störungen von Blickbeziehungen (beispielsweise beim berühmten Waldschlösschenblick) wesentlich vom gewählten Betrachtungsstandpunkt abhängig sind, warfen sich Befürworter und Gegner wiederholt gegenseitig vor, Aufnahmen aus unrealistischen (Frosch- oder Vogel-)Perspektiven oder mit realitätsfernen (Tele-)Brennweiten zu verwenden.

Nachdem die UNESCO ihre Bedenken äußerte, ließ die Dresdner Stadtverwaltung drei Visualisierungen erstellen, und zwar:

  • das von der UNESCO geforderte Gutachten durch die RWTH Aachen<ref name="GA RWTH Aachen" />
  • ein „Virtuelles 3D-Stadtmodell“ (Eine daraus erstellte Filmpräsentation mit Ansichten eines Teils des Weltkulturerbegebiets einschließlich Waldschlößchenbrücke, größtenteils aus der Vogelperspektive, stellt die Landeshauptstadt zum Download bereit, siehe Waldschlößchenbrücke#Weblinks)
  • eine Visualisierung durch das Berliner Büro ESKR Ingenieure+Architekten, das den ausgewählten Brückenentwurf erstellt hatte

Die Dresdner Professoren Stritzke, Schnabel, Opitz, Lippold, Weise, Lohse und Rüger warfen dem Aachener Gutachten in einer Stellungnahme unter Mitwirkung von Ex-Bauaufsichts-Amtsleiter Nieschler „zahlreiche Unkorrektheiten“ vor.<ref>TU Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stellungnahme zum Gutachten zu den visuellen Auswirkungen des Verkehrszuges Waldschlößchenbrücke auf das UNESCO-Weltkulturerbe „Elbtal Dresden“ (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive) (PDF; 120 kB) 19. Mai 2006</ref> Dieses Gutachten der RWTH Aachen wurde zur Entscheidungsgrundlage auf der 30. Tagung des UNESCO-Komitees in Vilnius, zusätzlich erhielten die Delegierten eine von der Stadtverwaltung erstellte Broschüre,<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. (PDF; 0,7 MB) Landeshauptstadt Dresden, März 2006, S. 18; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Broschüre).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> der aber keine eigenen Sichtfelduntersuchungen zugrunde liegen.

Da die durch das Entwurfsbüro ESKR Ingenieure+Architekten erstellte Visualisierung nichtöffentlich nur den Mitgliedern des Kuratoriums Welterbe Dresdner Elbtal gezeigt wurde, druckte eine Dresdner Tageszeitung deshalb am Tag des ursprünglich geplanten Baustarts (22. März 2006) anstelle dieser erhofften, von objektiver Quelle erstellten Visualisierung eine durch die Grüne Liga erstellte<ref name="Visualis.Gr.Liga" /> und schrieb im zugehörigen Artikel: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Das von der UNESCO geforderte Gutachten des Aachener Stadtplaners Kunibert Wachten,<ref name="GA RWTH Aachen" /> der für die UNESCO schon ein ähnliches Gutachten für den Kölner Dom erstellt hatte, liegt seit April 2006 vor. Er kommt zu dem Schluss,

  • die Brücke sei ein „Sonderling“, der sich nicht in die Kette der Dresdner Stadtbrücken einreihe
  • die Brücke verstelle einige wichtige Blickbeziehungen auf die Silhouette Dresdens wie auf das Elbtal
  • die Brücke zerteile den Landschaftsraum des Elbbogens an seiner empfindlichsten Stelle irreversibel in zwei Hälften

und bezeichnet die dritte dieser Feststellungen als die aus Gutachtersicht entscheidende.

Auf ihrer Tagung in Vilnius setzte die UNESCO am 11. Juli 2006 das Dresdner Elbtal auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Auf der Sitzung wurde die ursprüngliche Beschlussvorlage durch Androhung der sofortigen Streichung verschärft, nachdem bekannt geworden war, dass die Vergabe der Bauleistungen bereits als Bestandteil der Tagesordnung des Dresdner Stadtrats für den 20. Juli feststand.<ref>Dresdner Neueste Nachrichten: Dunkelrot!, 12. Juli 2006</ref> Aussage der UNESCO-Kommission: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Folgeentscheidungen

Brückengegner wie etwa Nobelpreisträger Günter Blobel, der sich bei der UNESCO persönlich für die erneute Beschäftigung mit dem Dresdner Elbtal einsetzte, sehen die Entscheidung als Chance, die Alternative eines Tunnels wieder ins Gespräch zu bringen.<ref>Günter Blobel in Dresdner Neueste Nachrichten: „Provinzpotentaten schaden Dresdens Ruf“, 21. Juli 2006</ref> Eine solche Lösung könnte die ästhetischen Probleme der Brücke umgehen und trotzdem dem Bürgerwillen zur Elbquerung gerecht werden. Die von den Brückengegnern angemahnten verkehrlichen Probleme würden für den Tunnel jedoch genauso gelten.

Die Meinung der Dresdner nach der Vilniuser UNESCO-Entscheidung wurde durch zwei repräsentative Umfragen erforscht: Donsbach (TU Dresden) ermittelte im Juli 2006 zu der Frage „Und wenn es zu einem neuen Bürgerentscheid kommt – Würden Sie dann für den Bau der Brücke stimmen?“: 50 % für Waldschlößchenbrücke, 37 % dagegen, Rest unentschieden.<ref>Wolfgang Donsbach in Dresdner Neueste Nachrichten: „Rechnung ohne den Wirt“, 1. August 2006</ref> Das Institut für Marktforschung Leipzig konstatierte einen Monat später (im MDR-„artour“ vom 31. August 2006): 39 % für Brücke an ursprünglich geplanter Stelle, 46 % für Brücke an anderer Stelle oder Tunnel, 12 % für überhaupt keine neue Elbquerung.

Trotz geänderter Randbedingungen ist es dem Stadtrat laut Sächsischer Gemeindeordnung (§ 24<ref name="SächsGemO"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen (SächsGemO) (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive), 18. März 2003 / 11. Juni 2005</ref>) verwehrt, die vom Bürger getroffene Entscheidung zu revidieren. Laut dem Gesetzeskommentar von Krieger/Menke/Arens<ref>von Krieger/Menke/Arens kommentierte Ausgabe der „Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen“ (Broschiert), Deutscher Gemeindeverlag; Auflage: 4., Aufl. (September 2004), ISBN 3-555-54033-5</ref> gelte vielmehr, „Vorlage:Str trim

Um trotzdem der geänderten Situation Rechnung zu tragen, wurde die Forderung nach einem neuen Bürgerentscheid erhoben, denn nur die Bürger selbst können einen getroffenen Entscheid verändern oder aufheben. Ein solches Vorgehen wurde vielfach als die demokratischste und „sauberste Lösung“ bezeichnet.<ref>z. B. MdL Ronald Weckesser in seiner <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. am 19. Juli 2006 und Startrompeter Ludwig Güttler in <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Mit den Elbauen in der Zwickmühle“ (Memento vom 19. Januar 2016 im Internet Archive) in Heidenheimer Neue Presse vom 22. Juli 2006</ref> Von den meisten Brückenbefürwortern wird eine erneute Befragung jedoch abgelehnt. Auch der Jurist Ulrich Fastenrath (TU Dresden) hält eine Wiederholung mit ähnlicher Fragestellung für ausgeschlossen, da durch Vorhaben, die den Schutz eines der UNESCO-Welterbekonvention unterliegenden Kulturgutes missachten, gesetzwidrige Ziele verfolgt würden.<ref name="Fastenrath" />

Datei:Ingolf-Rossberg.jpg
Ingolf Roßberg

Nach der Entscheidung der UNESCO traf sich der Dresdner Stadtrat in einer Sondersitzung am 20. Juli 2006. Der Stadtrat beschloss, die Suche nach einem Kompromiss zwischen dem Wunsch nach einer Brücke und den Ansprüchen des Welterbestatus zu beginnen. Dazu wurde der Baubeginn ausgesetzt. Um den bestehenden Bürgerentscheid nicht zu übergehen, sollte den Dresdnern die Möglichkeit gegeben werden, in einem neuen Bürgerentscheid unter Berücksichtigung aller neuen Fakten noch einmal zu entscheiden.<ref name="dnn20060621">Dresdner Neueste Nachrichten: „Waldschlößchenbrücke: Stadtrat stimmt gegen sofortigen Bau“, 21. Juli 2006</ref> Ein Stadtratsbeschluss wäre bis zum Februar 2008 die einzige Möglichkeit zur Initiierung eines Brücken-Bürgerentscheids, da laut Gemeindeordnung (§ 25<ref name="SächsGemO" />) „ein Bürgerbegehren […] nur Angelegenheiten zum Gegenstand haben [darf], über die innerhalb der letzten drei Jahre nicht bereits ein Bürgerentscheid auf Grund eines Bürgerbegehrens durchgeführt worden ist“. Die konservative Minderheit im Stadtrat stimmte gegen den neuen Bürgerentscheid, so dass die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit nicht zustande kam.

Daraufhin legte Baubürgermeister Feßenmayr in Vertretung des inzwischen wegen Verdachts auf Untreue suspendierten Oberbürgermeisters Roßberg Widerspruch gegen Teile der Stadtratsbeschlüsse ein, weil der Baustopp rechtswidrig sei.<ref name="Widersp20060725">Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Widerspruch des Oberbürgermeisters … bezüglich … des Beschlusses „UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal – Erhalt des Elbtals“ (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 13 kB), 25. Juli 2006</ref> Der Stadtrat bestätigt jedoch seine Beschlüsse,<ref>Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beschlüsse zum UNESCO-Welterbe und der Waldschlößchenbrücke (Memento vom 10. März 2016 im Internet Archive), 10. August 2006</ref> woraufhin der amtierende Oberbürgermeister Vogel am 10. August erneut Widerspruch einlegte und die Verantwortung dem Regierungspräsidium (RP) übergab.<ref>Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erneuter Widerspruch des Oberbürgermeisters … bezüglich … des Beschlusses „UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal – Erhalt des Elbtals“ (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 9 kB), 11. August 2006</ref>

Das Regierungspräsidium bewertete die Stadtratsbeschlüsse als rechtswidrig und forderte deren Aufhebung bis zum 24. August 2006 bei Androhung der Vergabe der Bauleistungen per Ersatzvornahme.<ref name="RP" /> Auf der dritten Sondersitzung am 24. August beschloss der Stadtrat, den Antrag auf Planfeststellung beim RP zurückzuziehen.<ref>Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beschlusstext zur Durchführung eines Bürgerentscheides sowie Rückzuges des Antrags auf Planfeststellung (Memento vom 3. September 2016 im Internet Archive) (PDF; 24 kB), 24. August 2006</ref> Außerdem wurde der Oberbürgermeister beauftragt, gegen eventuelle Ersatzvornahmen des RP sofort Widerspruch beim Verwaltungsgericht einzulegen.

Der Oberbürgermeister reichte daraufhin noch am selben Tag fristgerecht Widerspruch beim Regierungspräsidium ein, welches am 25. August 2006 den Sofortvollzug der Vergabe der Bauleistungen anordnete.<ref name="RP" />

Stadtrat

Die Mehrheit (aus SPD, Linkspartei, Grünen und einem Teil der Bürgerfraktion) will den Welterbetitel erhalten und fordert die demokratische Legitimation durch einen Bürgerentscheid. Aber auch ohne einen erneuten Bürgerentscheid sieht man sich nicht gezwungen, die Bauaufträge sofort zu vergeben, gestützt auf ein Rechtsgutachten der TU Dresden, demzufolge die völkerrechtlichen Verträge zwischen UNESCO und der Bundesrepublik Deutschland die Dresdner verpflichten, den Welterbestatus zu sichern. Ein Bürgerentscheid, der den Titelverlust zur Folge habe, verstieße gegen das Völkerrecht und wäre damit nicht Rechtens.<ref name="Fastenrath" /> Das durch die Brückenbefürworter beauftragte Gutachten der Universität Köln (siehe Abschnitt Entscheidung der ersten Instanz) sieht diese Schlussfolgerung hingegen als unzutreffend an.<ref name="Schöbener">Burkhard Schöbener: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gutachtliche Stellungnahme (Memento vom 2. April 2016 im Internet Archive) (PDF; 94 kB), 20. September 2006</ref> Die Grünen stehen einer Querung an dieser Stelle grundsätzlich ablehnend gegenüber.

CDU und FDP und der andere Teil der Bürgerfraktion sehen in der Entscheidung der UNESCO eine Intrige der Brückengegner. Sie warnen vor dem Einfluss „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= und bezichtigten die UNESCO der Erpressung.<ref>Andreas Lämmel MdB und Arnold Vaatz MdB: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ja zu Demokratie, Nein zu Erpressung (Memento vom 26. August 2016 im Internet Archive), 15. Juli 2006</ref> Sie nehmen den Verlust des Titels in Kauf und begründen dies mit der Entscheidung der Bürger von 2005, der Zeit vor dem Welterbekonflikt. So bezeichnete der Dresdner FDP-Politiker Jan Mücke die UNESCO als undemokratisch,<ref>Webseite von Jan Mücke MdB: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mücke und die Brücke (Memento vom 24. Februar 2008 im Internet Archive)</ref> „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= und plädiert für die Konfrontation mit der UNESCO: „Die Stadt bleibe immer Weltkulturerbe der Herzen“. Auch Sachsens Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf rät zum Verzicht auf den Welterbestatus. „Die Touristen kommen trotzdem“, so Biedenkopf.<ref>Kurt Biedenkopf in Dresdner Neueste Nachrichten: „Wir haben entschieden, wir sind das Volk. Punkt.“, 6. Juli 2006</ref> Die Gegner eines neuen Bürgerentscheids begründen ihre Haltung mit den Ergebnissen mehrerer Gutachten (siehe Abschnitt Verwaltungsgericht Dresden), welche darlegen, dass die Welterbekonvention der UNESCO rein rechtlich nicht unmittelbar für Dresden gelte, da die Bundesrepublik die Verträge nicht in bundesdeutsches Recht umgesetzt hat.<ref name="Schöbener" /><ref name="FAZ20060810" />

Stadtverwaltung

Die Stadtverwaltung hat als ausführende Gewalt dafür zu sorgen, dass das Ergebnis des rechtskräftigen Bürgerentscheides umgesetzt wird.

Sächsische Gemeindeordnung<ref name="SächsGemO" />:

§ 24 Bürgerentscheid

(3) Bei einem Bürgerentscheid ist die Frage in dem Sinne entschieden, in dem sie von der Mehrheit der gültigen Stimmen beantwortet wurde, sofern diese Mehrheit mindestens 25 vom Hundert der Stimmberechtigten beträgt. …

(4) Der Bürgerentscheid steht einem Beschluß des Gemeinderates gleich. Er kann innerhalb von 3 Jahren nur durch einen neuen Bürgerentscheid abgeändert werden.

Die Dresdner Stadtverwaltung, vertreten durch den amtierenden Oberbürgermeister, sieht sich gezwungen, den Stadtratsbeschlüssen zum Bauaufschub zu widersprechen. Sie sieht sich durch den Bürgerentscheid von 2005 verpflichtet, die Brücke zu bauen. Nur ein erneuter Bürgerentscheid könnte sie von dieser Pflicht befreien. Dieser fand im Stadtrat jedoch nicht die nötige Zweidrittelmehrheit.<ref name="Widersp20060725" />

Regierungspräsidium

Das Dresdner Regierungspräsidium (RP; seit 1. August 2008 Landesdirektion) ist die kommunale Aufsichtsbehörde des Freistaates Sachsen. Trifft die Stadt ungesetzliche Entscheidungen, so ist es durch seine Rechtsaufsicht<ref name="Rechtsaufsicht">Landesdirektion (vormals Regierungspräsidium) Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> verpflichtet, einzugreifen.

Das RP teilt die Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes, wonach der Bürgerentscheid für die Verwaltung bindend sei, die völkerrechtlichen Verträge mit der UNESCO demgegenüber nachrangig. „Zwischen der Landeshauptstadt Dresden und der UNESCO bestehen keine unmittelbaren Beziehungen“ heißt es in einer Presseerklärung.<ref name="RP" />

In seinem Handeln folgt das Regierungspräsidium der bestehenden Rechtslage und setzt den Beschluss des OVG Bautzen um. Dieses Vorgehen wird von Brückengegnern kritisiert. Die deutsche UNESCO-Kommission bezeichnet die Haltung des RP als „nicht haltbar“ und „eine Bankrotterklärung an das Welterbe-Programm“. Sie erinnerte daran, dass die Chancen der 13 deutschen Bewerber um das Prädikat „Welterbe“ sinken, wenn Deutschland derart mit dem Welterbe umgeht.<ref name="UNESCO20070313" /> Der stellvertretende Sächsische Ministerpräsident Jurk (SPD) kritisiert: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= Dieser Sichtweise schloss sich auch der Völkerrechts-Professor der TU Dresden Ulrich Fastenrath an, indem er äußerte: „Das Regierungspräsidium hätte das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Weltkulturerbetitels durchaus höher bewerten […] können“. Das RP entgegnete daraufhin, nach den Ausführungen des OVG<ref name="OVG" /> sei es „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Datei:DD WSB Elbab.jpg
Achse vom Scheitelpunkt des Elbbogens (Standort der Waldschlößchenbrücke) in Richtung Stadtzentrum, aufgenommen mit einem Teleobjektiv.

Juristische Verfahren

Verwaltungsgericht Dresden

Zuständig ist zuerst das Verwaltungsgericht Dresden. Es stoppte auf Antrag der Landeshauptstadt Dresden zunächst die Bauvergabe vorläufig und gab am 30. August der Klage der Stadt Dresden statt.<ref name="vg0806">Verwaltungsgericht Dresden: Beschluss Az.: 12 K 1768/06, 30. August 2006</ref> In seinem Beschluss sah es eine Verpflichtung des Freistaates gegenüber der UNESCO und bestätigte somit die Auffassung des Gutachtens von Fastenrath (TU Dresden). Auch wenn die Welterbekonvention allein für die Bundesrepublik gelte, sei Sachsen als Bundesland durch die Bundestreue verpflichtet, dem Bund in seinen völkerrechtlichen Vereinbarungen nicht zu schaden. Es sei demnach beim Ermessen zu berücksichtigen, „ob der Bund in die Gefahr einer völkerrechtlichen Vertragsverletzung gerät“. Die Befürworter hielten dies durch das Rechtsgutachten von Schöbener (Universität Köln) für widerlegt. Demnach setze „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Zudem sah das Verwaltungsgericht einen Widerspruch im Verhalten des Freistaates Sachsen, der an der Bewerbung der Weltkulturerbestätte mitgewirkt habe, aber Verpflichtungen auf sich ablehne. Zudem sei „eine neue Sachlage geschaffen“ worden, die Zeit für Verhandlungen benötige. Die Beschlüsse des Stadtrates seien „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Damit folgte das Gericht der völkerrechtsfreundlichen Auffassung zur Anwendung des Weltkulturerbeübereinkommens (UNESCO-Welterbekonvention<ref name="Welterbekonvention" />) im genannten TU-Gutachten.<ref name="Fastenrath" /> Diesem widersprach jedoch das Gutachten von Schöbener, wonach es der Bundesrepublik für eine verfassungsgerechte Einschränkung der kommunalen Selbstverwaltung an der gesetzlichen Regelung fehle. Das sei nach Art. 28 Abs. 2 S. 1 GG nur […] im Rahmen der Gesetze […] möglich. Für die genannten völkerrechtlichen Verträge treffe das nicht zu.<ref name="Schöbener" />

Weitere Gutachten im Auftrag von Brückenbefürwortern durch den Rechtsanwalt und ehemaligen sächsischen Staatsminister Brüggen<ref>Webseite Brüggen-Rechtsanwälte: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kurzgutachten zu den verfassungsrechtlichen, planungsrechtlichen und vergaberechtlichen Gesichtspunkten des Projekts Waldschlößchenbrücke in Dresden zugleich ein Gegengutachten zur Stellungnahme von U. Fastenrath vom 09.08.2006 (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive) (PDF; 750 kB), Dipl. Betriebsw. Brüggen, 12. August 2006</ref> und Peine (Universität Frankfurt(Oder))<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rechtsgutachten zur (Un-)Rechtmäßigkeit des Beschlusses des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden (Memento vom 12. Oktober 2007 im Internet Archive), 16. August 2006</ref> widersprachen ebenfalls dem Gutachten von Fastenrath. Sie legten dar, dass die Welterbekonvention für Deutschland nur eine Absichtserklärung mit weitem Gestaltungsspielraum sei und sie rein rechtlich kein Hindernis zum Bau der Brücke darstelle und die Beschlüsse des Stadtrates vom 24. August 2006 rechtswidrig seien. Das Übereinkommen mit der Welterbekonvention selbst schreibe in dessen Artikel 31 die Ratifikation oder Annahme des Vertrages durch […] verfassungsrechtliche Maßnahmen vor. Laut Art. 59 Abs. 2 GG hätte dafür verfassungsrechtlich zwingend ein Vertragsgesetz erlassen werden müssen. Das sei bis heute nicht erfolgt.<ref name="Schöbener" />

Oberverwaltungsgericht Bautzen

Nachdem das Regierungspräsidium Beschwerde gegen die Entscheidung des Dresdner Verwaltungsgerichts erhob,<ref name="RP" /> musste sich das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen mit den Stadtratsbeschlüssen und der dagegen gerichteten Ersatzvornahme befassen. Die Richter trafen zunächst keine Entscheidung in der Sache, sondern ordneten eine Mediation an. Dabei sollte mit Hilfe eines unabhängigen Partners eine gütliche Einigung gefunden werden. Das Gericht begründete den ungewöhnlichen Weg damit, dass egal welche Entscheidung getroffen werde, diese unbefriedigend sein müsse. Dieser Streit sei nur äußerst bedingt justiziabel, beim Konflikt zwischen unmittelbarer kommunaler Demokratie und Völkerrecht lasse es sich nicht vermeiden, dass eine Seite Schaden nähme.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Einigungsversuch zur Waldschlößchenbrücke in Dresden (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive) Pressemitteilung des OVG Bautzen, 8. November 2006</ref> Bei dem Erörterungstermin, auf dem diese Anordnung getroffen wurde, machte das Gericht keine Vorgabe zum Rahmen einer Einigung. Der Freistaat Sachsen gab hingegen zu Protokoll, dass sich „eine Modifikation der Planung […] im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses bewegen“ müsse.<ref>Sächsisches Oberverwaltungsgericht: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Protokoll des „Nichtöffentlichen Erörterungstermins des 4. Senats“, Az.: 4 BS 216/06 (Memento vom 30. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 230 kB), 8. November 2006</ref>

Als Mediatoren waren vom 12. Dezember 2006 bis 24. Januar 2007 tätig:

  • Klaus J. Beckmann, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik
  • Irene Wiese-von Ofen, Beigeordnete a. D. der Stadt Essen für Stadtplanung, Bau und Boden
  • Karl Ganser, Stadtplaner und ehemaliger Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung, Emscher Park mbH
  • Jaroslav Kilián, freier Architekt in der Slowakei
  • Bernd Streitberger, Beigeordneter Stadtentwicklung, Planen und Bauen Köln

Das Gremium tagte mit Moderation durch Birgitta Ringbeck, Vertreterin der Länder für das UNESCO-Welterbe der Kultusministerkonferenz, und im Beisein je eines Vertreters des Auswärtigen Amtes und des Freistaates. In dem abschließend vorgelegten Sachverständigenbericht negierte die Mediatorengruppe die Vorgaben des OVG für die Mediation explizit: Weder der Bürgerentscheid noch die vorliegende Planfeststellung seien als Ausgangspunkt einer Vermittlung akzeptabel. Weiter wurde die Auffassung vertreten, dass die geplante Brücke die gewachsene Kulturlandschaft in dieser Ausformung und Dimension nicht respektiere und deshalb eine neue Planung unumgänglich sei. Auch ein Tunnel an gleicher Stelle sei dabei mit dem Welterbestatus nicht vereinbar, da dieser aus Sicherheitsgründen vierspurig auszulegen und in der Verkehrswirksamkeit einer vierspurigen Brücke gleichwertig sei.<ref name="Mediation">Mediationsverfahren Dresdner Waldschlößchenbrücke: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ergebnis Sachverständigengruppe (Memento vom 19. Juni 2013 im Internet Archive) (PDF; 246 kB), 24. Januar 2007</ref>

Nach dem Scheitern der Mediation beantragte das Regierungspräsidium Dresden am 25. Januar 2007 die Wiederaufnahme des Verfahrens beim OVG Bautzen.<ref name="RP" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schriftsatz des Freistaates Sachsen an das Oberverwaltungsgericht Bautzen (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 306 kB), 31. Januar 2007</ref> Am 9. März 2007 änderte das OVG Bautzen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Dresden letztinstanzlich ab. Die Landeshauptstadt wurde zum Brückenbau infolge der Umsetzung des Bürgerentscheids verpflichtet.<ref name="OVG">Oberverwaltungsgericht Bautzen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beschluss Az.: 4 BS 216/06 (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive), 9. März 2007 (PDF 1,5 MB)</ref> In dem Beschluss wird darauf verwiesen, dass die gescheiterten Verhandlungen zwischen Stadt und UNESCO keine weitere Verzögerung der Umsetzung des Bürgerentscheids mehr rechtfertigten. Zur Begründung wird angeführt, dass „dem auch auf kommunaler Ebene zu verwirklichenden Demokratieprinzip entscheidende Bedeutung“ zukomme. Eine unmittelbare juristische Bindung der Welterbekonvention liege nicht vor, da eine Umsetzung in nationales Recht nicht erfolgte.<ref name="OVG" /> Das Oberverwaltungsgericht ist die höchste Instanz der sächsischen Verwaltungsgerichtsbarkeit, der Beschluss damit unanfechtbar.

Verfassungsgerichte

Die Stadtratsmehrheit forderte daraufhin den Oberbürgermeister auf, den verfassungsgerichtlichen Weg zu beschreiten. Die beiden von der Landeshauptstadt eingereichten Verfassungsbeschwerden wurden

Beide Gerichte entschieden, dass das OVG eine hinreichend genaue Abwägung getroffen habe, und dass sich der Stadtrat nicht auf das Grundrecht der allgemeinen Handlungsfreiheit berufen dürfe, um vom Ergebnis des Bürgerentscheides abzuweichen. Da eine Kommune Träger staatlicher Gewalt sei, handle es sich bei einer Weisung durch das Regierungspräsidium „nicht um einen Anwendungsfall der Grundrechte.“<ref name="BVerfG" /><ref>elbwiesen-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Naturschutz, Lärm und Abgase (Memento vom 17. Oktober 2006 im Internet Archive)</ref> Zusätzlich wies das Bundesverfassungsgericht darauf hin, dass selbst bei voller Bindungswirkung der Welterbekonvention in nationalem Recht deren Inhalt den Bürgerentscheid nicht unbedingt rechtswidrig mache. Die Konvention, so das Gericht,

„bietet nach Konzeption und Wortlaut keinen absoluten Schutz gegen jede Veränderung… Die Vertragsstaaten des Übereinkommens haben ausdrücklich die Souveränität der Staaten…anerkannt (Art. 6 Abs. 1 der Welterbekonvention); die Erfüllung des Schutzauftrages ist zuvörderst Aufgabe der Vertragsstaaten (Art. 4); der Schutzauftrag konkretisiert sich in seiner internationalen Dimension in der ‚Einrichtung eines Systems internationaler Zusammenarbeit und Hilfe, das die Vertragsstaaten in ihren Bemühungen um die Erhaltung und Erfassung [des Kultur- und Naturerbes] unterstützten soll‘ (Art. 7). In Anbetracht dieses völkerrechtlichen Rahmens ist es verfassungsrechtlich möglich, dass sich der in einer förmlichen Abstimmung festgestellte Bürgerwille…in einem Konflikt über die planerische Fortentwicklung einer Kulturlandschaft durchsetzt. Dies gilt jedenfalls dann, wenn zuvor in einem Verhandlungsprozess erfolglos nach einer Kompromisslösung gesucht wurde. Als Folge müssen dann gleichwohl die möglichen Nachteile aus der Entscheidung – wie etwa der Verlust des Welterbestatus und ein damit einhergehender Ansehensverlust – in Kauf genommen werden.“

Sächsische Akademie der Künste<ref name="BVerfG" /><ref>Sächsische Akademie der Künste: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stellungnahme der Klasse Baukunst (Memento vom 8. September 2006 im Internet Archive), 24. Juni 2006, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressestimmen dazu (Memento vom 26. September 2006 im Internet Archive)</ref>

Vermittlungsversuche und Konsequenzen

Der Vorsitzende des „Bundestagsausschusses für Kultur und Medien“ Hans-Joachim Otto (FDP) kritisierte im September 2006 unter anderem die UNESCO-Kommission und begründete seine Kritik damit, dass auch auf der Seite der UNESCO Fehler (siehe Kommunikationsproblem im Nominierungsverfahren des Dresdner Welterbes) passiert seien.<ref>Sven Siebert: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: Sächsische Zeitung, 21. September 2006.</ref> Bei einer eigens zur Kompromissfindung im Brückenstreit stattgefundenen Sondersitzung des Kulturausschusses des Bundestages am 28. September 2006 verwies die UNESCO auf ICOMOS, die als Berater und Gutachter an der Arbeit des UNESCO-Welterbekomitees beteiligt sind und ein fehlerhaftes Gutachten erstellt hätten. Die UNESCO räumte dabei ein,

„dass ihr die Bauabsicht der Brücke schon bei ihrer Entscheidung, Dresden den Weltkulturerbetitel zu verleihen, bekannt war“

„dass der dafür vorgesehene Korridor zutreffend in den Plänen eingetragen war“

und

„dass nicht die Stadt Dresden, sondern die von der UNESCO […] beauftragte ICOMOS für das von der UNESCO reklamierte Informationsdefizit verantwortlich ist.“

Fünf Wochen nach dem Scheitern der Mediation debattierte am 2. März 2007 der Deutsche Bundestag nochmals über den Dresdner Brückenstreit.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 2. März 2007</ref>

Nach der unanfechtbaren Gerichtsentscheidung vom 9. März 2007 wurde das infolge des UNESCO-Konflikts gestoppte Vergabeverfahren fortgesetzt, indem der amtierende Oberbürgermeister Lutz Vogel die unterlegenen Bieter informierte. Nach Prüfung erhobener Widersprüche durch die Vergabekammer stand die Erteilung der Aufträge („der Zuschlag“) an. Die damit drohende Aberkennung des Weltkulturerbe-Titels<ref name="UNESCO20070313"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutsche UNESCO-Kommission zur Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bautzen (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive), 13. März 2007</ref> führte zur Verschärfung der Auseinandersetzung.

Der Staatsministers für Umwelt und Landesentwicklung Arnold Vaatz griff als Verfechter für den Bau Kritiker zum Teil scharf an.<ref>Arnold Vaatz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die totalitären Eliten (Memento vom 24. Januar 2016 im Internet Archive), 16. März 2007</ref> Dies führte im Frühjahr 2007 zu entsprechenden Reaktionen<ref>kulturstiftung-sachsen.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung des Sächsischen Kultursenats (Memento vom 9. Oktober 2007 im Internet Archive), 5. April 2007</ref> und zu den Austritten des Intendanten der Dresdner Musikfestspiele, Hartmut Haenchen und des Präsidenten der sächsischen Akademie der Künste und Vorsitzenden des Welterbe-Kuratoriums, Ingo Zimmermann aus der CDU.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zweiter prominenter CDU-Austritt im Streit um Waldschlößchenbrücke (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive), 4. April 2007.</ref><ref name="Offene Briefe" /><ref>Reaktionen auf Arnold Vaatz’ Äußerungen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. und <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., April 2007</ref> Der Streit in Dresden und Sachsen erregte überregional große politische und journalistische Aufmerksamkeit.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 14. März 2007</ref><ref>Deutschlandradio Kultur: Kein Sinn für Landschaft, von Joachim Güntner (Feuilletonist der Neuen Zürcher Zeitung), 28. März 2007</ref> Anfang April 2007 stellte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee die Bereitstellung der Fördermittel des Bundes (der GVFG-Zuschuss von 80 Mio. € deckt mehr als 50 % der Gesamtkosten) in Frage und bot eine Beteiligung an den Mehrkosten für eine mit der UNESCO abgestimmte Elbquerung an.<ref name="Tiefensee 20070405" /> Nach juristischer Prüfung schlossen sich mehrere Bundesministerien der Forderung an, „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref= Auch das sächsische CDU/SPD-Regierungsbündnis wurde durch den Streit belastet.<ref>ddp: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 20. April 2007</ref>

Perspektivenwerkstatt

Ab dem 28. April 2007 tagte im Dresdner Haus der Architekten mehrmals sonnabends die von den Mediatoren angeregte moderierte Perspektivenwerkstatt unter Beteiligung von Vertretern der einladenden Stadtverwaltung, der Stadtratsfraktionen und der UNESCO. Das Forum sollte sich aber nach dem Willen der Veranstalter wegen des inzwischen ergangenen OVG-Urteils abweichend von der Empfehlung<ref name="Mediation" /> der Mediatoren ausschließlich mit möglichen Brückenkörper-Varianten befassen, die sich innerhalb der Vorgabe des Bürgerentscheids bewegten.

Die Architekturbüros Leonhardt, Andrä und Partner, Ben van Berkel, Dietmar Feichtinger, Frei Otto, Jörg Schlaich, Werner Sobek und Gerkan, Marg und Partner wurden mit der Erstellung welterbegerechter Brückenentwürfe beauftragt. Für die letztgenannte Architekten-Sozietät, nach deren Entwürfen beispielsweise der Flughafen Berlin-Tegel, die Neue Leipziger Messe und der Berliner Hauptbahnhof gebaut wurden, gab Volkwin Marg am 24. Mai 2007 das Auftragsschreiben unbearbeitet an die Dresdner Stadtverwaltung zurück. Marg, der Vorsitzender des Realisierungswettbewerbs Waldschlößchenbrücke im Jahr 1997 war, begründet seinen demonstrativen vorzeitigen Ausstieg aus dem jetzigen Verfahren in einem Offenen Brief. Darin beklagt er, dass durch die Aufgabenstellung „die entwurfliche Abwägung zwischen einer Überbrückung und einer Untertunnelung für die Querung der Elbaue an dieser Stelle“ ausgeschlossen werde. Marg spricht sich gegen jegliche Waldschlößchenbrücke und für einen Elbtunnel aus.<ref>Volkwin Marg: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Offener Brief an die Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Stadtentwicklung (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive), 24. Mai 2007</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Darstellungen zum Elbtunnel von Gerkan, Marg und Partner (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive), Mai 2007 (PDF 2,4 MB).</ref>

Am 9. Juni 2007 wurden die sechs eingereichten Brückenentwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 8. Juni 2007; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) und welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die in der Perspektivenwerkstatt vorgelegten Brückenentwürfe (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive), 8. Juni 2007.</ref> Beim Vergleich mit dem Realisierungswettbewerb von 1997 fällt auf, dass einige der Entwürfe in ähnlicher Form und von denselben Bewerbern bereits damals eingereicht und zugunsten des aktuellen Entwurfes abgelehnt wurden. Zwei der Entwürfe – die Arbeiten Jörg Schlaichs und Werner Sobeks – wurden zur Präsentation auf der UNESCO-Jahresversammlung in Christchurch/Neuseeland vorgeschlagen. Das auswählende Gutachtergremium sah mit ihnen gute Chancen, die UN-Organisation umzustimmen – so die Presseagentur [ddp]. Der Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Emscher Park und Mediator Karl Ganser sprach von der geplanten Brücke als „klarem, schmalen Strich“. Dieser werde gestützt von filigranen Pfeilern.

Der Stadtrat entschied, den Entwurf Jörg Schlaichs zur UNESCO-Tagung ab 23. Juni 2007 in Christchurch zu schicken. Das Regierungspräsidium lehnte ihn jedoch ab, da er nicht innerhalb der Bindefrist des Bürgerentscheids realisierbar sei. Da das Brückenbauwerk nach diesem Entwurf deutlich weniger als nach dem 1997 prämierten kosten würde, konterkarierte das RP mit der Ablehnung seine eigene im Zuwendungsbescheid<ref name="Zuwendung" /> formulierte Einsparungsforderung.

Weitere Kompromiss-Suche

Auf seiner Sitzung in Christchurch, Neuseeland beschloss das Welterbekomitee am 25. Juni 2007, das Dresdner Elbtal vorerst auf der Roten Liste zu belassen. Bis zum 1. Oktober sollte Dresden die Alternativvorschläge (incl. einer Tunnelvariante) zur Prüfung vorlegen. Die Aberkennung des Welterbetitels wurde für den Fall festgelegt, dass die Brücke nach den Plänen von 1997 gebaut würde.

Während das Regierungspräsidium ab Juni 2007 durch seine Auftragsvergaben per Ersatzvornahme die Errichtung des Verkehrszuges einleitete, zog die Stadt Dresden dagegen erneut bis vor das Oberverwaltungsgericht und scheiterte wiederum. Der Versuch, dem Kompromissvorschlag an die UNESCO eine Chance zu erhalten, indem vorerst keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden, schlug damit fehl. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte eine Intervention ab. Sie meldete sich am 18. Juli 2007 erstmals in dem Streit zu Wort, indem sie ihn einen „regionalen Konflikt“ nannte, der vor Ort entschieden werden solle.

Ab Ende 2007 wurden im Einvernehmen zwischen Stadtverwaltung und Ministerpräsident Milbradt unter Mitwirkung des Frauenkirchen-Baudirektors Eberhard Burger und der Brückenarchitekten kleinere Änderungen an Statik, Beleuchtung und Tunnelportal eingearbeitet, und der dadurch verschlankte Entwurf der UNESCO als Kompromissvorschlag übermittelt.<ref name="Burger20080128" /> Weitergehende Umplanungen lehnte der Ministerpräsident ab.

Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz unternahm im Herbst 2008 wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt einen Anlauf zur Kompromissfindung, indem Sie in einem Brief<ref>Welterbe – Die Waldschlößchenbrücke (Brief von Helma Orosz), 26. August 2008</ref> an UNESCO-Chef Bandarin die Bedeutung des Brückenreferendums von 2005 betonte und zu einem Gespräch zur UNESCO nach Paris reiste.<ref>meinDresden.info: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 14. Oktober 2008</ref>

Datei:Welterbedemo250307.jpg
Demo „Welterbe erhalten – jetzt!“ am 25. März 2007

Um den Verlust des Welterbetitels zu verhindern, wurde seit dem Bekanntwerden der Bedenken der UNESCO die 1996 gestoppte Diskussion um Alternativen wieder aufgenommen.<ref>Katrin Saft: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: Sächsische Zeitung, 29. Juli 2006</ref> Als Impulse flossen dabei ein:

  • die Entscheidung des sächsischen Wirtschaftsministers Jurk (SPD), die von seinem Vorgänger Schommer (CDU) ausgesprochene Bindung der Förderzusage an den Standort Waldschlösschen aufzuheben<ref name="Jurk 20050222">waldschloesschenbruecke.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fördermittel stehen anderen Projekten zur Verfügung (Memento vom 1. Januar 2012 im Internet Archive), 22. Februar 2005</ref> und
  • die fortschreitende Überarbeitung des die Waldschlößchenbrücke beinhaltenden Verkehrskonzepts 1994 angesichts einer neuen Verkehrsprognose (2006) und der wachsenden Feinstaubbelastung.<ref>Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fortschreibung des Verkehrskonzeptes 1994 – Sachstand (Memento vom 30. Oktober 2012 im Internet Archive) (PDF; 17 kB) und Dresdner Neueste Nachrichten: „Mehr City, weniger Schneise – der Verkehr nimmt ab“, 27. Oktober 2006</ref>

Einen Aufruf zum Umdenken veröffentlichte (neben anderen) der Bund Deutscher Architekten (BDA), indem er im April 2007 schrieb:

„Die bisher veröffentlichten Ansichten des auffallend plumpen Brückenkörpers lassen das gesamte Ausmaß des zerstörenden Eingriffes in die Kulturlandschaft nur ansatzweise erkennen: Neben der infrastrukturellen Möblierung durch Signalanlagen und großformatige Verkehrsschilder werden Auf- und Abfahrten sowie die drei erforderlichen Tunneleinfahrten das UNESCO-Welterbe in einem weit stärkerem Maße überformen als dies bisher öffentlich dargelegt wurde. Deshalb – mit allem Respekt vor dem durch den Bürgerentscheid ausgesprochenen Votum – plädiert der BDA für eine mit dem Welterbe-Status verträgliche Lösung der Dresdner Brückenfrage. Um den Dreiklang von Elbe, Elbaue und Elbflorenz mit einer entsprechenden qualitativ hochwertigen Brückenbaukunst fortzuschreiben, ist ein die Einwände der Unesco-Welterbekommission berücksichtigender Architektenwettbewerb dringend geboten. Sinnvoll erscheint es dabei, die Wettbewerbsvorgaben für das diskutierte Mehrbrückenkonzept zu öffnen. Denn der städtebauliche und verkehrstechnische Nutzen dieser Planungsvariante ist überzeugend: Statt auf eine für das Elbtal überdimensionierte Brücke würde der innerstädtische Verkehrsfluss über zwei in den Stadtkörper zu integrierende kleinere Brücken und der Fernverkehr auf eine außerhalb des Weltkulturerbes zu platzierende Brücke geleitet. Dieses dezentrale Konzept zerstört nicht das Weltkulturerbe, entspricht einer zeitgemäßen Verkehrsführung und vermeidet den durch eine zentrale Brücke induzierten innerstädtischen Verkehrszufluß.“<ref>Bund Deutscher Architekten: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 19. April 2007</ref>

Während zahlreiche Dresdner Bürger welterbeverträglichen Lösungen aufgeschlossen gegenüberstanden,<ref>Die BILD-Zeitung Dresden ermittelte am 5. Juni 2007 im TED mit 1500 Anrufern: 43 % für einen Elbtunnel, 29 % für eine Brücke und 28 % gegen jegliche Querung am Waldschlösschen.</ref> lehnten viele der Brückenbefürworter eine erneute Beschäftigung mit Alternativen strikt ab. Sie beriefen sich auf den Bürgerentscheid, der – bekräftigt durch Gerichtsentscheidungen – keine Spielräume zuließe. Zudem würden Planung und Genehmigung mehrere Jahre benötigen. Mit dem Auslaufen der Bindefrist des Bürgerentscheides hat sich die Argumentation soweit verschärft, dass jetzt von diesen Seiten eine verlängerte Bindefrist für Bürgerentscheide (5 Jahre) und schärfere Konditionen für Bürgerbegehren gefordert werden. Nachdem das Argument der Bindefrist nicht mehr aktuell ist, verlagert sich der Schwerpunkt der Tunnelgegner nun darauf, den Tunnel als praktisch undurchführbar darzustellen, wobei sich die Argumente nicht auf die im Bürgerbegehren vorgelegte Tunnelplanung beziehen. Zudem stellte der sächsische ADAC-Chef und Mitinitiator des Waldschlößchenbrücken-Bürgerbegehrens Nikolaus Köhler-Totzki Strafanzeige gegen den amtierenden OB Vogel (parteilos) und gegen Baubürgermeister Feßenmayr (CDU), da sie durch die Perspektivenwerkstatt öffentliche Gelder veruntreut hätten.

Elbtunnel

Datei:Elbtunnel Dresden.svg
Logo „Der Elbtunnel verbindet Dresden“ des Vereins Bürgerbegehren Tunnelalternative am Waldschlößchen e.Vorlage:NnbspV.

Die im Verkehrskonzept ausdrücklich offen gelassene Entscheidung zwischen Brücke und Tunnel wurde zunächst ohne gründliche Erörterung zugunsten einer Brücke getroffen. Die Alternative Elbtunnel wurde erstmals eingehender untersucht, nachdem das Regierungspräsidium dies 2003 beim zweiten Anlauf zur Planfeststellung forderte. Intensive Beachtung fand die Möglichkeit einer Untertunnelung der Elbe erst, nachdem im Konflikt mit der UNESCO der Welterbetitel davon abhing.

Vorherige Untersuchungen

Im Zeitraum von 1990 bis 2007 wurden zur Möglichkeit der Errichtung eines Dresdner Elbtunnels acht Untersuchungen erstellt. Drei davon beauftragte die Landeshauptstadt Dresden, sie wurden von den zuständigen Ämtern begleitet. Das sind

  • Planvorlage der EIBS GmbH vom August 1996: zweispuriger Volltunnel mit Straßenbahn (124 Mio. Euro Kosten),
  • Planvorlage der EIBS GmbH vom Dezember 2003: vierspuriger Volltunnel mit Busführung (177 Mio. Euro Kosten),
  • Gutachten vom Juni 2007 zu den bis dahin vorliegenden Planungen und Stellungnahmen verschiedener Stellen (Ingenieurbüro Bung Beratende Ingenieure Heidelberg).

Die ausführlichste Untersuchung ist die Planung von 2003. Sie erfolgte im Rahmen der Planfeststellung, als das Regierungspräsidium Dresden (RP) die Landeshauptstadt Dresden aufforderte, parallel zur eingereichten Brückenplanung auch ein Tunnelprojekt zu entwickeln. Diese Forderung wurde erhoben, da der Gesetzgeber vorsieht, öffentliche Großprojekte in Varianten und Alternativen zu untersuchen. Anhand dieser Varianten ist zu prüfen, ob die mit dem Verkehrszug angestrebten Planungsziele auch mit anderen Lösungen zu erreichen seien. Die Landeshauptstadt hatte das bis dahin versäumt.

Die Stadtverwaltung beauftragte daraufhin das Dresdner Planungsbüro EIBS GmbH, diese Machbarkeitsstudie anzufertigen. Sie entsprach im Zeichnungsmaßstab und im Detaillierungsgrad den beim RP eingereichten Brückenplänen, hatte nach Aussagen des RPs aber nur ca. 10 Prozent der Tiefe einer abgeschlossenen, genehmigungsreifen Planung erreicht.

Die Studie von EIBS kam zu dem Ergebnis, dass ein Tunnelbau an dieser Stelle grundsätzlich machbar sei, aber auch einige Nachteile habe. Der Elbtunnel würde auf Altstädter Seite im hochwassersicheren Bereich beginnen und auf Neustädter Seite an die bereits für die Brückenvariante vorgesehenen Tunnel anschließen.<ref name="wee-tunnel">welterbe-erhalten.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Tunnel als Alternative (Memento vom 11. Dezember 2024 im Internet Archive)</ref> Das RP äußerte weiterhin dazu „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Nachteile wurden vor allem in den höheren Baukosten und in Entlüftungsgebäuden gesehen, die im Bereich der Elbwiesen angeordnet werden müssten. Eine Führung für Radfahrer und Fußgänger war – abgesehen von der Nutzung der Buslinie – in den Planungen nicht enthalten. Der Status „Welterbe“ und die daraus entstehenden Verpflichtungen zum Schutz des Kulturgutes spielten noch keine Rolle, da der Titel erst später verliehen wurde. RP und Stadt verwarfen daraufhin diese Variante.

Befürworter eines Tunnels baten im Anschluss die österreichischen Tunnelplaner des Ingenieurbüros „ILF – Beratende Ingenieure Innsbruck“, die Planungen von 1996 und 2003 insbesondere daraufhin zu überprüfen, ob sich die beschriebenen Nachteile vermeiden lassen. ILF hat im Gegensatz zu EIBS wesentlich umfangreichere Erfahrungen im Tunnelbau, so unter anderem mit dem Bau des Kanaltunnels zwischen Frankreich und Großbritannien und des Brennerbasistunnels. Ein weiteres Gutachten zu allen bis dahin vorliegenden Studien lieferte das Ingenieurbüro „BUNG – Beratende Ingenieure Heidelberg“ im Auftrag der Stadtverwaltung.

ILF und BUNG kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass ein Tunnel machbar wäre. Es wurde aber ein anderes Bauverfahren vorgeschlagen, wodurch die Bau und Unterhaltskosten für die vierspurige Variante in etwa auf das Niveau der damals geplanten Brücken-Tunnel-Kombination gesenkt werden könnten. Bei Nutzung moderner Entlüftungstechnik wären keine Bauten auf den Elbwiesen notwendig. Die Beeinträchtigungen des Grundwassers wären gering, da die unterirdischen Wasserbewegungen parallel zum Tunnel verlaufen.<ref>ILF – Beratende Ingenieure Innsbruck, Gutachten März 2002 April 2004</ref><ref>BUNG Beratende Ingenieure: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stellungnahme zu den Machbarkeitsstudien Elbtunnel EIBS GmbH vom November 2003 und Bürgerinitiative Verkehrsfluss vom März 2002 (Memento vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 177 kB), 8. Juni 2007</ref>

Chronologie

Planungsphase (Elbtunnel als Alternative)

Da die im vorstehenden Abschnitt erwähnten Planvorlagen für einen Elbtunnel zwar erarbeitet, aber nie in die engere Wahl gezogen wurden, konzentrierte sich die Kontroverse in den Anfangsjahren und vor dem Bürgerentscheid 2005 auf die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der zusätzlichen Elbquerung an sich. Nur relativ wenig beachtete Einzelmeinungen machten sich schon damals für einen Tunnel stark, so beispielsweise Nobelpreisträger Günter Blobel, indem er äußerte, das Blaue Wunder sei durch einen Tunnel zwischen Käthe-Kollwitz-Ufer und Pillnitzer Landstraße viel effektiver zu entlasten als durch die relativ weit entfernte Waldschlößchenbrücke.

Im Zusammenhang mit der Erörterung des Planfeststellungantrags konstatierte das Regierungspräsidium im Jahr 2003: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Konfliktphase 1 (Elbtunnel als Kompromissvorschlag)

Brückengegner, die unter Führung der Grünen Liga das Vorhaben bis dahin – vor allem aus verkehrsökologischen Gründen – prinzipiell bekämpft hatten, brachten ab 2006 den Elbtunnel wieder ins Gespräch und sahen ihn insofern als Kompromiss an, dass er

  • einerseits die vierspurige Verkehrsverbindung am umstrittenen Standort schaffe, wenn auch mit planungstechnisch bedingter zeitlicher Verzögerung und eventuellem finanziellem Mehraufwand, und
  • andererseits die kulturlandschaftliche Qualität des Elbtals (für die Naherholung und als Welterbe) erhalte, wenngleich die verkehrsökologischen Nachteile bestehen blieben und durch die Benachteiligung der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer sogar verstärkt würden.<ref>Peter Heinze: Videovortag im Stadtarchiv (incl. Gedanken zu Tunnelverläufen in der Nähe des Blauen Wunders), Mai 2007</ref>

Brückenbefürworter hielten den Kompromissvorschlag für unaufrichtig, da sie dahinter eine Taktik vermuteten, mit der diese Elbquerung letztlich völlig verhindert werden solle. Zumindest würde nach ihrer Überzeugung das Vorhaben durch die erforderliche neue Planfeststellung unzumutbar verzögert und verteuert. Aus welcher Motivation heraus eine Elbquerung generell verhindert werden solle, darauf gaben die Brückenbefürworter keine Antwort. Im Zuge des öffentlichen Streits bestand ihre Argumentation hauptsächlich darin, den Elbtunnel als nicht realisierbar darzustellen und – teilweise – die Tunnelbefürworter mit den Stigma unvernünftiger „Steinewerfer“ zu belegen, so dass weniger über die Vorteile der eigenen Variante gesprochen werde als vielmehr über die Unmöglichkeit der anderen.<ref name="proWSBtunnel"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tunnel? – Die Tunnelbefürworter wollen keine Elbquerung! (Memento vom 30. August 2018 im Internet Archive), Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke</ref>

Tunnelbefürworter hingegen fanden es scheinheilig, dass unter Hinweis auf das Dresdner Mobilitätskonzept ausgerechnet diejenigen als Fürsprecher von Fußgängern und Fahrradfahrern aufträten, die im Dresdner Stadtrat 1999 für die Streichung der Straßenbahnverbindung und 2003 auch für die Streichung der Straßenbahn-Option aus den Waldschlößchenbrücken-Planungen votierten.<ref name="DB" />

Den Vorschlag der Grünen Liga, bei Umwandlung des Projekts in einen Elbtunnel auf sämtliche Klagen gegen die Waldschlösschen-Elbquerung zu verzichten, akzeptierte Ministerpräsident Milbradt im Herbst 2007 nicht.

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Konfliktphase 2 (Elbtunnel per Bürgerbegehren)

Am 11. März 2008 übergaben Tunnelbefürworter nach dem Ende der Bindefrist des alten 2005er Bürgerentscheids die ersten 40.000 Unterschriften an die Stadtverwaltung, die zugunsten eines neuen Bürgerentscheids gesammelt wurden. Die dabei vorgelegte Fragestellung zugunsten eines Elbtunnels<ref>Verein „Bürgerbegehren Tunnelalternative am Waldschlößchen e.Vorlage:NnbspV.“: Bürgerbegehren</ref> wurde vom Regierungspräsidium als irreführend und deshalb unzulässig bezeichnet.<ref name="RP" /> Eine aktuelle Untersuchung der TU Dresden widerlegt jedoch die meisten der gegen die Tunnellösung angeführten Kritikpunkte.<ref name="TU-Klausur" /> Auch der Fachrat Dresdner Welterbe veröffentlichte eine unterstützende Stellungnahme,<ref>Fachrat Dresdner Welterbe: @1@2Vorlage:Toter Link/www.elbtunnel-dresden.deStellungnahme zur Presseerklärung des Regierungspräsidiums Dresden vom 7. Februar 2008, die gegen das Informationsblatt des Vereins „Bürgerbegehren Tunnelalternative am Waldschlösschen“ gerichtet ist (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> woraufhin wiederum Stadtverwaltung<ref>Landeshauptstadt Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Richtigstellung zum Faltblatt „Der Elbtunnel verbindet Dresden“ (Memento vom 24. Mai 2010 im Internet Archive) (PDF; 37 kB), 11. Februar 2008</ref> und Ingenieurkammer<ref>Ingenieurkammer Sachsen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tunnel am Waldschlößchen ist keine wirkliche Alternative zur Brücke (Memento vom 11. Mai 2008 im Internet Archive), 2008</ref> ihre Positionen darstellten.

Seit Anfang April 2008 stand fest, dass das Bürgerbegehrens-Quorum (21.021) mit mehr als 35.000 gültigen Unterschriften deutlich überschritten wurde. Die Verwaltung erstellte eine Vorlage, die dem Stadtrat vorschlug, das Bürgerbegehren wegen inhaltlicher Mängel für unzulässig zu erklären,<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 7. April 2008; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Tunnelbefürworter legten ein ausführliches Rechtsgutachten gegenteiliger Auffassung vor.<ref>Rechtsanwaltskanzlei Sturm Rechtsanwälte: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rechtsgutachten zur Zulässigkeit des Bürgerbegehrens „Welterbe erhalten durch Elbtunnel am Waldschlößchen“ (Memento vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive) (PDF; 3,4 MB), 18. April 2008</ref> Der Stadtrat entschied am 22. April 2008 mit 38 zu 30 Stimmen für „zulässig“, wogegen der amtierende Oberbürgermeister Vogel Widerspruch einlegte. Nachdem der Stadtrat in der Folgewoche sein Votum wiederholte und der OB seinen Widerspruch aufrechterhielt, entschied das Regierungspräsidium am 12. Juni zugunsten der Unzulässigkeit des neuen Bürgerbegehrens.<ref name="RP" /> Mit dem Versuch, den Bürgerentscheid per gerichtlicher Eilentscheidung durchzusetzen, scheiterten die Tunnelbefürworter in erster<ref>Verwaltungsgericht Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gericht lehnt die vorläufige Zulassung des Bürgerbegehrens für einen Elbtunnel am Dresdner Waldschlößchen ab (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), Pressemitteilung vom 20. Mai 2008</ref> Instanz im Mai und in zweiter<ref>Sächsisches Oberverwaltungsgericht: Beschluss Az.: 4 B 209/08, 7 L 259/08, 29. September 2008</ref> im September 2008. Im Falle eines neuen Bürgerentscheids wäre unter günstigen Bedingungen (Übernahme der Mehrkosten durch den Bund etc.) eine Pro-Tunnel-Mehrheit möglich gewesen. Dies ergab im August 2008 eine repräsentative Telefonumfrage der TU Dresden unter reichlich 700 Einwohnern der Landeshauptstadt.<ref>Institut für Soziologie der TU Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Neue Telefonumfrage zur Elbquerung (Memento vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive) (PDF; 27 kB), 21. August 2008</ref>

Tunneldiskussion

Brücken- und Tunnelbefürworter bezogen sich auf unterschiedliche Planungen: Die von den Tunnelbefürwortern vorgelegten Tunnelpläne bezogen sich größtenteils auf die EIBS-Machbarkeitsstudie von 2003 und weisen folgende Merkmale auf:<ref name="TU-Klausur" />

  • Die begonnenen Bauarbeiten seien in den Tunnelbau weitgehend integrierbar.
  • Eine Neubearbeitung der Planfeststellungsunterlagen wäre nur für 15 % der Planung erforderlich.
  • Ein Abriss vorhandener Gebäude sei nicht erforderlich.
  • Die Tunnelabluft könne gereinigt werden und zur Ableitung erforderliche Bauten können in die umliegende Bebauung integriert werden.
  • Der Tunnelbau beeinträchtige den Schiffsverkehr der Elbe nicht.
  • Der Tunnel wäre bis 2012 realisierbar gewesen.
  • Die Kosten des Tunnels können in der Größenordnung der Kosten der Brücke gehalten werden. Direkte Kostenvergleiche seien nur bei Kompatibilität sinnvoll.
  • Ein Tunnelanstieg von 5 % sei auch bei 3,5 m Überdeckung ausreichend und genehmigungsfähig.
  • Ein Tunnel sei mindestens ebenso hochwassersicher wie die geplante Brücke.
  • Die Wartungs- und Betriebskosten entsprächen in etwa denen der Brücke.
  • Der Tunnel würde vom Bund finanziell in der gleichen Weise unterstützt wie die Waldschlößchenbrücke.

Die vom Regierungspräsidium<ref name="RP" /> sowie der Bürgerinitiative pro Waldschlößchenbrücke<ref name="proWSBtunnel" /> vorgebrachten Kritikpunkte bezogen sich auf andere, wesentlich ungünstiger ausfallende Planungen. Damit kam es zu der Situation, dass Tunnelgegner und -befürworter ihre Kontroverse nicht über denselben Tunnel führten.

In einer Fachklausur der TU Dresden vom 6. März 2008, die mit mehr als einem Dutzend anerkannten Fachleuten besetzt war, wurde die geplante Tunnellösung in den oben aufgeführten Punkten bestätigt und zusammengefasst. Nach einer Aussprache der die Fachklausur leitenden TU-Professoren Wolfram Jäger und Rainer Schach mit Vertretern des Ingenieurbüros BUNG, der Stadtverwaltung und des Regierungspräsidiums wurde seitens der Stadt unter anderem verlautbart, die Erörterung der strittigen Punkte habe insbesondere ergeben, dass eine Tunnelfertigstellung 2012 unrealistisch sei und frühestens 2015 denkbar wäre.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 17. März 2008; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Dem widersprach Jäger öffentlich, indem er sagte, dass die Ergebnisse der Fachklausur nicht zurückgenommen wurden und das Resultat der Aussprache durch die Stadt falsch dargestellt worden sei.<ref>Wolfram Jäger: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseerklärung (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) (PDF; 5 kB), 18. März 2008</ref>

Bewertung

Für einen Elbtunnel am Waldschlösschen sprach beim Vergleich der Ausweichvarianten, dass die Landschaft geschont und der Welterbe-Titel nicht gefährdet würde sowie wegen der identischen Einbindung ins Straßennetz

  • keine Abstriche hinsichtlich der Leistungsfähigkeit für den MIV gemacht werden müssten und
  • mit einer Vereinfachung der Planfeststellung zu rechnen wäre.

Außerdem wurden als Vorteile genannt, dass ein Tunnel im Gegensatz zu den (Gabel-)Pfeilern der Brücke keinen Strömungswiderstand hat und kein Hindernis für mögliches Treibgut darstelle<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Für die Tunnellösung ergibt sich gegenüber der Brücke ein verbesserter Hochwasserschutz“ (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) (PDF; 61 kB), auf Seite 5 im EIBS-Gutachten über die Beurteilung der Auswirkungen des Bauvorhabens Waldschlößchenbrücke auf die Strömungsverhältnisse der Elbe bei Hochwasser vom Institut für Wasserbau und Technische Hydromechanik der TU Dresden (Verfasser Horlacher und Carstensen)</ref> und dass mit ihm (falls ohne Fußgänger-Mittelröhre) nicht die Gefahr der Schließung der naheliegenden Elbfähre vergrößert würde. Allerdings wurden auch die Brückenplanungen den Erkenntnissen des Hochwassers von 2002 angepasst – ein ohnehin sehr seltenes Hochwasser gleicher Größenordnung könnte die Waldschlößchenbrücke nun nicht mehr gefährden.

Für eine weitere Dresdner Elbbrücke (unabhängig vom Standort) sprachen hingegen die Argumente, dass

  • sie auch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden könne, sowie
  • spektakuläre Tunnelunfälle der letzten Jahre die vermeintlichen Risiken dieser Verkehrswege ins Bewusstsein rückten.

Da die Innenstadt-Brücken durch den Bau der stadtnahen A17 stärker entlastet wurden als es die Prognose für die Auswirkung der Waldschlößchenbrücke vorhersagte, sind nunmehr vor allem jene Standorte interessant, die sich insbesondere als Entlastung oder Ersatz des Blauen Wunders eignen.

Für eine solche Elbbrücke östlich des Stadtzentrums existieren als Standort-Vorschläge

  • Laubegast–Niederpoyritz und Thomas-Müntzer-Platz, beide aus dem Mehrbrückenkonzept von Ex-Baubürgermeister Gunter Just, und
  • die unmittelbare Nachbarschaft des Blauen Wunders (eine „Schwesterbrücke“ als Kopie/„Zitat“ oder Pendant), stromaufwärts in Vor-Wende-Zeiten erwogen,<ref>Generalbebauungsplan 1967, auszugsweise in Anette Dubbers: Blasewitz – Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils, Michel Sandstein Verlag, Dresden 1997, ISBN 3-930382-14-8</ref> stromabwärts 2006 durch Ulrich Thormann vorgeschlagen.<ref>Leben in Dresden: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>

Die das Ausmaß der Blickbeziehungsstörung und Landschaftszerteilung (wesentlichste UNESCO-Beanstandungen) sowie der Umweltschädigung mit beeinflussende Talbreite (Elbe plus Elbwiesen) beträgt an diesen vier betrachteten Stellen zwischen 250 und 450 Metern (am Waldschlösschen fast 800 Meter). Es wurden aber bisher für keinen der Alternativ-Standorte die Problem-Kriterien wie Verkehrswirksamkeit, Umweltschutz, Anwohnerschutz, Landschafts-(Welterbe-)Verträglichkeit usw. eingehend untersucht. Bei Laubegast kommt hinzu, dass mit der Jahrhundertflut 2002 klar wurde, dass die Brücke bei einem solchen Ereignis nicht mehr erreichbar wäre. Bei „kleineren Fluten“ wie dem Hochwasser 2006 hingegen gäbe sie dem sonst annähernd zur Insel werdenden Stadtteil eine wichtige Verbindung zur Außenwelt.

Hinsichtlich der Kosten war wegen widersprüchlicher Schätzungen nur Weniges unumstritten:

  • Es bestand weitgehend Übereinstimmung darüber, dass ein vierspuriger Elbtunnel am Waldschlösschen mindestens genauso teuer wäre wie die geplante Brücke. BUNG ging in seinem Gutachten u. a. von Tunnelmehrkosten von mehreren Dutzend Millionen Euro aus. Diese Mehrkostenschätzung wurde im Verlauf des Baufortschritts mehrfach angepasst und hat sich durch die Eröffnung der Brücke 2013 erübrigt.
  • Bezüglich alternativer Standorte wurde bisher von keiner Seite versucht, eine Aussage zu widerlegen, die schon beim Brückenworkshop 1996 unwidersprochen blieb: Jede der anderen erörterten Brücken wäre kürzer und nur zweispurig sinnvoll und damit erheblich kostengünstiger.<ref name="Brückenworkshop" /> Zusätzlich wurde dazu mitunter auf die neu errichteten Brücken der sächsischen Städte Torgau (1993 – ca. 15,5 Mio. €), Meißen (1997 – ca. 14 Mio. €) und Pirna (1999 – ca. 37 Mio. €) verwiesen.

Weitere Kontroverse

Zur Tunnelalternative

Mit dem Bürgerbegehren für den Elbtunnel entwickelte sich ein Wettstreit beider Parteien, die öffentliche Meinung und damit die Wählerschaft in einem eventuellen neuen Bürgerentscheid zu beeinflussen. Während die Tunnelbefürworter Vorteile und Machbarkeit eines Tunnels darlegten und über die Bedeutung des Welterbetitels informierten,<ref name="wee-tunnel" /> war die Argumentation der Brückenbefürworter (Bürgerinitiative pro Waldschlößchenbrücke) hauptsächlich darauf ausgelegt, den Elbtunnel als unpraktikabel und die Brückengegner als unvernünftig darzustellen.<ref name="proWSBtunnel" />

Zur deutschlandweiten Bedeutung

In einem offenen Brief stellte die Bundesregierung am 28. März 2008 fest:<ref>Presse und Informationsamt der Bundesregierung im Auftrag der Bundeskanzlerin: Re: Welterbekonvention in nationales Recht transformieren, 28. März 2008</ref>

  1. „Eine Streichung des Dresdner Elbtals aus der Welterbeliste würde das Ansehen Deutschlands und das Verhältnis Deutschlands zur UNESCO erheblich beeinträchtigen.“
  2. „Die Verantwortung für den Bau der Waldschlösschenbrücke [liegt] bei der Landeshauptstadt Dresden und beim Freistaat Sachsen.“
  3. „Die Welterbekonvention ist 1976 gemäß … der so genannten „Lindauer Absprache“ ratifiziert worden, d. h. die Länder haben damals ihr Einverständnis … gegeben. Damit sind auch die Länder … an die Welterbekonvention gebunden.“

Offen bleibt zum Punkt 3. allerdings die genaue Stellung der neuen Bundesländer, weil diese 1976 noch nicht existierten und der Einigungsvertrag keine diesbezügliche Regelung enthält. Außerdem ist die Rechtsgültigkeit der Lindauer Absprache (deren Verfassungskonformität; siehe ebendort) nicht unumstritten, so dass möglicherweise eine verfassungsgerichtliche Auseinandersetzung droht, falls der Bund wie vom damaligen Verkehrsminister Tiefensee angedroht die für die Brücke geflossenen 80 Mio. € Fördermittel zurückfordern sollte.

Am 3. Juni 2008 veröffentlichten die Künstler Günter Grass, Durs Grünbein, Christoph Hein, Rolf Hoppe, Klaus Staeck, Martin Walser und Wim Wenders einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin, in dem sie appellierten, „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Zum „Brücken-Dschihadismus“

Angesichts einer wachsenden Zahl von Strafanzeigen gegen Unbekannt im Umfeld der Baustelle (siehe Waldschlößchenbrücke#Bauarbeiten) erhob im Mai 2008 der sächsische Justizminister Geert Mackenroth den Vorwurf, „manche Gegner der Brücke müssten sich die Frage gefallen lassen, ob sie die geistigen Väter von denjenigen seien, die im Umfeld der Brückenbaustelle Straftaten begehen“. Mackenroth, der in diesem Zusammenhang von „Brücken-Dschihadismus“ gesprochen hatte, wurde deswegen von den sich zur Gewaltlosigkeit bekennenden Brückengegnern kritisiert. Eva Jähnigen vom Landesvorstand der sächsischen Grünen entgegnete: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Datei:Mittelrheinbrücke.jpg
Mittelrheinbrücke, Planungsvariante der Uni Stuttgart

Zur Welterbe-Verträglichkeit der Mittelrheinbrücke

Ein weiterer Diskurs ergab sich im Sommer 2010 nach der UNESCO-Entscheidung, dass im Welterbe Oberes Mittelrheintal, wo man seit Jahren wegen der geplanten Flussquerung um den Verlust des Titels bangte,<ref>Kein Brückendrama an der Loreley – Weltkulturerbe steht nicht zur Disposition, Staatssekretär Hofmann-Göttig am 2. Februar 2008 im Deutschlandradio Kultur</ref> die Errichtung der Mittelrheinbrücke unter Beibehaltung des Welterbetitels erlaubt wird.<ref name="GA RWTH Aachen" /> Laut Dresdner Presse sei „Vorlage:Str trim“ Zudem sei man an der Loreley diplomatischer vorgegangen: „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Anlässlich des Einschwimmens des Brückenmittelteils

Als im Dezember 2010 das am Ufer vorgefertigte Brückenmittelteil eingeschwommen wurde (Brückenschlag), versammelten sich Vertreter beider Lager in der Nähe der Baustelle. Während die oberste Vertreterin des Bauherrn Landeshauptstadt Dresden, Oberbürgermeisterin Helma Orosz, von einer „technischen Meisterleistung à la couleur“ sprach, präsentierten Brückengegner das Brecht-Zitat „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Auch die ungeklärte Schreibweise-Frage – Schlößchen/Schlösschen nach alter oder neuer Rechtschreibung – flackerte wieder auf. Während die Landeshauptstadt auf der in den 1990er-Jahren geprägten ß-Version beharrt, verteilte das sächsische Verkehrsministerium „Brücken-Souvenirs“ der Waldschlösschenbrücke.<ref>Dresdner Brückenrhetorik, Blog des DNN-Journalisten Christoph Springer, Dezember 2010</ref>

Im Vorfeld der Verkehrsfreigabe

Im Juli 2011, etwa ein Jahr vor der ehemals geplanten Verkehrsfreigabe und wenige Wochen vor dem Beginn der Hauptverhandlung der Klage der Umweltverbände am OVG, ermittelte das Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden erneut (so wie regelmäßig seit mehr als 15 Jahren davor) die Meinung der Dresdner zur Brücke durch eine repräsentative Befragung. Dabei wurde mit 75 % Zustimmung erstmals die bisherige Rekordmarke vom Februar 1996 (67 % Zustimmung) übertroffen.<ref>Dresdner Neueste Nachrichten: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 27. Juli 2011</ref>

Für Unmut sorgt die von Baubürgermeister Jörn Marx im September 2011 bekanntgegebene Planung, dass Sanierung und Ausbau der südlichen Hauptzufahrt Fetscherstraße erst Monate oder Jahre nach Inbetriebnahme der Brücke erfolgen sollen.<ref>Peter Hilbert: [Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 15. September 2011, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 27. November 2020;.</ref>

Im Frühjahr 2013 begannen im Vorfeld der Fertigstellung Diskussionen, ob die Stadt nicht besser auf eine Eröffnungsfeier verzichten sollte.<ref>Franziska Schneider, Tobias Winzer: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 4. Mai 2013; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.@1@2Vorlage:Toter Link/www.saechsische.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Namensfindung

Nach dem Aufruf zur Suche des offiziellen Namens für die Brücke<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Landeshauptstadt Dresden, 16. September 2011; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> kamen Vorschläge unter anderem von Kabarettist Uwe Steimle („Luftschlösschenbrücke“, „Weltkulturerbe-Brücke“),<ref>Drei Künstler haben sich schon mal den Kopf zerbrochen – hier sind ihre Ideen: @1@2Vorlage:Toter Link/www.sz-online.deUwe Steimle (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2017. Suche im Internet Archive ), Sächsische Zeitung</ref> Comedian Mario Thiel („Die Unvollendete“)<ref>Drei Künstler haben sich schon mal den Kopf zerbrochen – hier sind ihre Ideen: @1@2Vorlage:Toter Link/www.sz-online.deMario Thiel (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2017. Suche im Internet Archive ), Sächsische Zeitung</ref> und Kabarettist Wolfgang Schaller („Trauriges Wunder“).<ref>Drei Künstler haben sich schon mal den Kopf zerbrochen – hier sind ihre Ideen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Sächsische Zeitung</ref>

Nach längerer Diskussion zwischen Sommer 2011 und 20. Januar 2012 entschied sich der Dresdener Stadtrat dafür, den bisher schon inoffiziell verwendeten Namen Waldschlößchenbrücke als offizielle Bezeichnung der Brücke zu nehmen.<ref name="sz 2012-01-20"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: Sächsische Zeitung, 20. Januar 2012.</ref>

Der Brückenstreit als politisches Thema

Dresdner Kommunalpolitik

Hauptakteure

Sammelbecken im Brückenstreit waren die im Vorfeld des Bürgerentscheids 2005 konstituierten Gruppierungen „Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke“ (federführend: Nikolaus Köhler-Totzki/ADAC und Jurist Hans-Joachim Brauns)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke (Memento vom 30. August 2018 im Internet Archive)</ref> und „Koalition gegen die Waldschlößchenbrücke“ (federführend: Musiker Thomas Friedlaender).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> An die Stelle der zweitgenannten Gruppierung trat in den Jahren nach dem Bürgerentscheid die Grüne Liga Sachsen e.Vorlage:NnbspV. mit ihrem „Brückenbeauftragten“ Achim Weber († 8. Januar 2010<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachruf für Achim Weber (Memento vom 11. Dezember 2024 im Internet Archive) (Grüne Liga)
So möge Gott uns segnen mit Unbehagen (Pfarrer i. R. Manfred Bauer zur Gedenkveranstaltung für Achim Weber am 20. Januar 2010 in der Dreikönigskirche)</ref>) und die Dresdner Welterbebewegung<ref>Presseerklärung der Dresdner Welterbebewegung vom 16. April 2009</ref> vertreten durch Thomas Löser.

Polarisierung der Bürgerschaft

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Wahlkampfplakat im Juni 2009

Nachdem der Streit schon zehn Jahre lang geschwelt hatte, kam es im Umfeld des Bürgerentscheids 2005 und des im Folgejahr eskalierenden Konflikts mit der UNESCO zu einer Frontenbildung, Verhärtung und Polarisierung, die lange Zeit die Dresdner Einwohnerschaft spaltete.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mehrheit der Dresdner hält den Welterbetitel für verzichtbar (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive). In: Sächsische Zeitung, 20. Juni 2009.</ref> Zahlreiche andere politische Willensbildungen wie OB- und Kommunalwahlen wurden von dem Thema überlagert; von der jahrelangen Beschäftigung mit ihm fühlte sich so mancher Bürger genervt und so mancher Abgeordnete überlastet. Und auf Zusammenkünften wie Firmen- und Familienfeiern war das Anschneiden der Thematik fast immer ein Tabu und führte zu z. T. hartnäckigen Konfrontationen.

Angesichts der tiefgehenden Spaltung der Dresdner Bevölkerung<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> versuchte die Evangelische Kirche, versöhnend auf die Streitenden einzuwirken, indem sie zu entsprechenden thematischen Gebetsveranstaltungen in die Kreuzkirche einlud.<ref>elydia.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 27. August 2007</ref> Zudem richteten die beiden Dresdner Superintendenten Peter Meis und Albrecht Nollau im Jahr 2008 gemeinsam offene Briefe zum Thema Waldschlößchenbrücke an den sächsischen Innenminister Albrecht Buttolo und an die designierte Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz.<ref>elydia.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., 1. Juli 2008</ref> Als Vertreter der katholischen Kirche hatten sich 2006 Bischof Joachim Reinelt und Generalvikar Konrad Zdarsa deutlich für die Umsetzung des Pro-Brücke-Bürgervotums ausgesprochen, letzterer legte in diesem Zusammenhang auch sein Mandat im Kuratorium Welterbe Dresdner Elbtal nieder.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Zudem haben Dresdner Professoren durch Diskussionen und Veröffentlichungen versucht, die Auseinandersetzungen zu versachlichen.<ref>Heinz Opitz: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. (PDF; 4,8 MB) In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 11. Dezember 2012; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.@1@2Vorlage:Toter Link/tu-dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Selbstbild und Konfliktfähigkeit der Kontrahenten

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Logo der Koalition gegen die Waldschlößchenbrücke

Im Selbstbild sahen Vertreter beider Lager im Brückenstreit jeweils die eigene Seite ausdrücklich in der Tradition der friedlichen Revolution von 1989 und der Gruppe der 20 stehend und deren Erbe durch einen ungünstigen Ausgang des Brückenstreits in Gefahr. Die einen, indem sie im Zusammenhang mit dem Bürgerentscheid auf die Errungenschaft der Demokratie verwiesen, die anderen, indem sie betonten, dass „Vorlage:Str trimVorlage:": Ungültiger Wert: ref=

Der Journalist Michael Bartsch beurteilte in Dresdner Hefte 94 (siehe Literatur) die Konfliktfähigkeit der Kontrahenten wie folgt:

„Es sind generelle Probleme der jungen, ungewohnten […] Demokratie in den östlichen Landesteilen. Sie stecken hinter den abwehrenden Handbewegungen oder den resignierten bis sarkastischen Bemerkungen, wenn die Rede heute auf den Brückenstreit zu Dresden kommt. Ein eigenes Mitversagen mag niemand eingestehen, auch der Bürger nicht, der es aufgegeben hat, sich über die komplexen Fragestellungen noch zu informieren. Stattdessen wird die Verantwortung für das Scheitern einer tatsächlich Brücken schlagenden Lösung stets an die Andersdenkenden delegiert.“

Welterbe in Sachsen

Für neue Welterbebewerbungen sächsischer Stätten (beispielsweise Hellerau und Erzgebirge) sind Nachteile feststellbar, da – vor allem bei den politisch Konservativen – der Welterbegedanke durch die Konfrontation mit der UNESCO Schaden erlitten hat.<ref>Die Zeit: Wir sind das Erzgebirge!, 29. August 2011.</ref><ref>quo-vadis-dresden.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung des Netzwerks Welterbebewegung (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive), 5. November 2011</ref><ref>quo-vadis-dresden.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ein Gespenst geht um (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive), 28. November 2011</ref>

Kosten des Rechtsstreits

Wie eine Anfrage Ende 2017 im sächsischen Landtag ergab, betragen die bis dahin angefallenen und bekannten Kosten für den Rechtsstreit<ref>Thomas Baumann-Hartwig: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 4. Januar 2018; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.@1@2Vorlage:Toter Link/www.dnn.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

  • 331.000 € für den Freistaat Sachsen und
  • 007.016 € für die Grüne Liga.

Zitate

„Der Verlust des Welterbetitels ist verkraftbar.“

Georg Milbradt während seiner Amtszeit als sächsischer Ministerpräsident<ref>[Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] FAZ, 28. Januar 2008, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 20. Februar 2017;.</ref>

„einzigartiger Akt der kulturellen Selbstverstümmelung“

Sabine von Schorlemer (2006), spätere sächsische Wissenschafts- und Kunstministerin im schwarz-gelben zweiten Kabinett von Tillich<ref>Sabine von Schorlemer: Die Dresdner Brücken-Posse (PDF; 34 kB), erschienen in: Blätter für deutsche und internationale Politik 51(2006)11, S. 1312–1315</ref>

„Die totalitären Eliten“

Arnold Vaatz MdB, stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und ehemaliger sächsischer Umweltminister, über den Widerspruch namhafter Dresdner Intellektueller gegen die Umsetzung des Bürgerentscheids Pro Brücke<ref name="Offene Briefe">Offene Briefe von Arnold Vaatz und Lars Rohwer und die Antworten von Hartmut Haenchen, 25. März 2007</ref>

„Ich finde den ganzen Vorgang […] ein derartiges Paket von Provinzialismus, es ist wirklich sehr traurig.“

Udo Zimmermann nach seinem Amtsantritt als Präsident der Sächsischen Akademie der Künste<ref>Deutschlandradio Kultur: Udo Zimmermann: Bau der Waldschlösschenbrücke zeugt von Provinzialismus, 10. Juni 2008</ref>

„Hätte man die Brücke, so wie sie ist, von der Form als Stollen konzipiert, wir Dresdner hätten sie zum Fressen gern.“

Kabarettist Uwe Steimle kurz nach dem Baubeginn<ref>DasErste.de: Stollen: Ein Backwerk gegen die sächsische Misere, 16. Dezember 2007</ref>

„Natürlich ist Dresden Weltkulturerbe. Aber natürlich muss Demokratie Vorrang haben. Und wenn Menschen abgestimmt haben, wenn eine Mehrheit da ist, da muss eine Lösung gefunden werden“

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Kundgebung zur Dresdner Oberbürgermeisterwahl 2008<ref>rhein-main.net: Merkel verteidigt Dresdner Bürgerentscheid, 19. Juni 2008</ref>

„Der Stadt Dresden entsteht der größte Schaden dann, wenn sich unter Touristen herum spricht, dass man in der Stadt Dresden verkehrsmäßig nicht voran kommt […]. Genau das wäre die Konsequenz, wenn die Brücke nicht stattfinden würde.“

Arnold Vaatz, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im Interview des Deutschlandfunks am 4. Juli 2008<ref>Deutschlandfunk: CDU-Politiker Vaatz plädiert weiterhin für den Bau der Brücke durch das Elbtal, 4. Juli 2008</ref>

„»Fiat iustitia, et pereat mundus – Recht muss geschehen und wenn die Welt darüber zugrunde geht.« […] können sie sich in Dresden in großen Lettern an die Waldschlösschenbrücke nageln, wenn das umstrittene Bauwerk dann […] das schöne Elbtal durchschneidet.“

„Natürlich wissen wir nicht, wie spätere Generationen das Brückenbauwerk einschätzen werden. Mit einiger Sicherheit aber wird man an dem Bauwerk die Überheblichkeit ablesen können, mit der sich Politiker unter Berufung auf einen Vollzug demokratischen Willens gegen weltläufige Einsichten durchgesetzt haben, nicht zuletzt um zu zeigen, wer hier Herr im Hause ist und in der Erwartung, dass morgen schon der ganzen Welt willkommen sein wird, was heute einem lokalen Egoismus angemessen erscheint“

Heinrich Magirius, sächsischer Landeskonservator a. D.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 16. März 2009; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.@1@2Vorlage:Toter Link/www.saechsische.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

„Am Ende haben die Gegner doppelt verloren, sie mussten Brücke und Welterbeverlust einstecken.“

Britta Rudolff, Professorin an der BTU Cottbus<ref>Frankfurter Allgemeine: Welterbe – „Es ist ein Bilderbuch der Menschheitsgeschichte“, 31. März 2012</ref>

„Hat man uns doch vor Jahren schon – nur wegen einer überall üblichen Stadtzerstörungsmaßnahme – den Weltgeltungstitel aberkannt. Was hier freilich nur denen weh tut, die das zu verhindern suchten. Wogegen sich die Dünkeldresdner (Kraftfahrzeugkennzeichen: DD) natürlich auch ohne Weltgeltungstitel für weltbedeutend halten“

Rezeption

Datei:Der Dresdener Brückenblick.jpg
Der Dresdener Brückenblick, Öl auf Leinwand, 2020. Das Bild zeigt die Waldschlössschenbrücke als dunkle Silhouette und spielt mit seinem ästhetisierten Blick aufs Dresdener Elbtal ironisch auf den Dresdener Brückenstreit an.

Aus wissenschaftlich-stadtplanerischer Sicht befasste sich eine Seminarreihe der Bauhaus-Universität Weimar mit dem Thema.<ref>Uni Weimar, Professur Entwerfen und Siedlungsbau – Hilde Barz-Malfatti: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. und <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. der Seminarreihe Gegen die Wand – Die UNESCO und der Dresdner Brückenstreit. (2007/2008)</ref> Journalistisch-literarisch wurde der Brückenstreit unter anderem von Thomas Rosenlöcher<ref>Thomas Rosenlöcher: Ihr zersägt eure Enkel!, 7. Februar 2008</ref> und Patrick Wilden<ref>Patrick Wilden: Die Luftschlößchenbrücke, 8. April 2007</ref> aufgegriffen. Als bildende Künstlerin reagierte Erika Lust 2009 mit dem zeitweise verbotenen Gemälde Frau Orosz wirbt für das Welterbe.

Die spätere sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer publizierte ein Resümee des Brückenstreits im Jahrbuch German Yearbook of International Law, Ausgabe 2009. In ihrer ausführlichen Analyse des Konfliktes mit der UNESCO kommt sie zu dem Schluss, dass die Haltung der Dresdner und Sächsischen Verantwortlichen nicht durch das Völkerrecht gedeckt ist.<ref>Wilfried Hanisch: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />kommentierte Kurzfassung (deutsch) des Artikels Compliance with the UNESCO World Heritage Convention: Reflections on the Elbe Valley and the Dresden Waldschlösschen Bridge (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (Sabine von Schorlemer in German Yearbook of International Law, ISBN 978-3-428-13132-7; PDF; 227 kB)</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Michael Bartsch: Dresdner Masochismus – Die Unversöhnlichkeit des Brückenstreits vor dem Hintergrund einer jungen, labilen Demokratie – In: Dresdner Hefte. 94, 2008, ISBN 978-3-910055-90-2 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dresdner Hefte: Jahrgang 2008 (Memento vom 20. Februar 2017 im Internet Archive)).
  • Udo Becker, Günter Arlt: Gibt es ein zukunftsfähiges Verkehrssystem für Dresden? – In: Dresdner Hefte. 94, 2008, ISBN 978-3-910055-90-2.
  • Michael Kilian: Die Brücke über die Elbe: völkerrechtliche Wirkungen des Welterbe-Übereinkommens der UNESCO – Eintrag in: Verwaltungs-Zeitschrift für die Länder Berlin … Sachsen …; LKV 18 aus 2008, S. 248–254.

Weblinks

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Einzelnachweise

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