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Beteiligte am Ersten Weltkrieg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:WWI-re.png
Beteiligte am Ersten Weltkrieg: Die Länder der Entente und Verbündeten sowie ihre Kolonien erscheinen in grün, die Mittelmächte in orange, neutrale Staaten in grau.<ref>J. I. Kettler: Kriegs-Weltkarte, 1917. (Digitalisierte Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin).</ref>

Beteiligte am Ersten Weltkrieg waren diejenigen Staaten, Gebiete und Volksgruppen, die sich direkt oder indirekt am Ersten Weltkrieg beteiligten oder von ihm betroffen waren.

Entente und verbündete Mächte

Datei:Conference Triple Entente at Paris, 5 February 1915 (Bark, Ribot, Lloyd George).jpg
Konferenz von Vertretern der führenden Entente-Partner am 5. Februar 1915 in Paris (v. l. n. r. Pjotr Bark, Alexandre Ribot, David Lloyd George)

Die Entente bestand ursprünglich (bis 1914) nur aus Frankreich, Russland und Großbritannien. Im Kriegsverlauf stießen zahlreiche Staaten oder Nationalitätengruppen als Verbündete oder Assoziierte hinzu, Russland schied aus.

Mittelmächte und Verbündete

Datei:Hoffman czernin talaat kuhlman brest litovsk.jpg
Verhandlungsführer der Mittelmächte in Brest-Litowsk 1918 (v. l. n. r.): Max Hoffmann, Ottokar Czernin, Talât Pascha, Richard von Kühlmann

Der Zusammenbruch des Bündnissystem Bismarcks und die ungeschickte Außenpolitik seit 1890 hatten das Deutsche Reich in eine nahezu isolierte außenpolitische Situation gebracht. Die Mittelmächte setzten sich ursprünglich (1879) aus Deutschland und Österreich-Ungarn zusammen (Zweibund). Italien sah die Voraussetzungen des 1882 geschlossenen Dreibundes als Defensivbündnis nicht gegeben und erklärte sich im Ersten Weltkrieg zunächst als neutral, um später zu den Alliierten zu stoßen (Londoner Vertrag von 1915). Da das Osmanische Reich und Bulgarien auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg eintraten, wurde auch der Begriff Vierbund verwendet. Zum Kriegsende kamen kurzzeitig verbündete bzw. abhängige Regime im vormaligen Russland hinzu.

Mittelmächte samt Kolonien
Abhängige und geförderte Staaten
Sympathisierende Regime

Neutrale Staaten

  • Afghanistan – Scheitern des Versuches der Niedermayer-Hentig-Expedition, in Afghanistan einen Freundschafts- und Beistandsvertrag mit Lokalfürsten zu schließen und damit auch Britisch-Indien zu gefährden.
  • Albanien – formal neutral, de facto besetzt (der Norden und die Mitte durch Österreich-Ungarn, der Süden durch Frankreich, Italien und Griechenland; siehe auch: Nordepirus).
  • Argentinien.
  • Belgien – erklärte zunächst bewaffnete Neutralität, die von Deutschland nicht respektiert wurde.
  • Bolivien – diplomatische Beziehungen zu den Mittelmächten 1917 abgebrochen.<ref>Chronik des 20. Jahrhunderts. Weltbild, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-130-9, S. 236.</ref>
  • Bhutan.
  • Chile – Häfen für deutsche Kriegsschiffe geöffnet. Die zu Chile gehörende Osterinsel war Treffpunkt des Ostasiengeschwaders samt Trossschiffen im Oktober 1914 (größte deutsche Flottenansammlung in außereuropäischen Gewässern während des Krieges).
  • Dänemark / Dänische Kolonien – Handel mit beiden Seiten.
  • Ecuador – diplomatische Beziehungen zu den Mittelmächten 1917 abgebrochen.
  • El Salvador.
  • Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien) – empfing eine deutsche diplomatische Mission, die das Land zu Aktionen gegen die Briten in Afrika zu überreden suchte, stattdessen 1916 probritischer Umsturz, britische Invasion und britische Besetzung einiger Grenzgebiete.
  • Kolumbien.
  • Liechtenstein – seinerzeit in Zoll- und Handelsunion mit Österreich. Alliierte unterbanden Zufuhr für Textilindustrie über die Schweiz.
  • Luxemburg – trotz Invasion und Besetzung durch deutsche Truppen keine Kriegserklärung an Deutschland, prodeutsche Haltung der Großherzogin Marie Adelheid.
  • Mexiko – lehnte eine Allianz mit Deutschland ab (Zimmermann-Depesche).
  • MonacoPrinz Louis II. diente im französischen Heer; Schutzvertrag mit Frankreich im Juli 1918.<ref>The World at War – Monaco 1856–1949.</ref>
  • Niederlande / Niederländische Kolonien – Mobilmachung, nahm Flüchtlingswelle aus Belgien auf. Handel mit beiden Seiten, aber auch von der Seeblockade betroffen (Hungerunruhen 1917).
  • Norwegen / Norwegische Besitzungen (ohne Spitzbergen, das bis zum Spitzbergenvertrag staatenlos war) – indirekt über Handelsflotte beteiligt, vorwiegend auf Seiten der Entente. 1200 Seeleute im Rahmen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges verschollen.
  • Paraguay.
  • Persien (Iran) – von britischen und russischen Truppen besetzt. Im Nordiran unterstützten Deutschland und das Osmanische Reich die Rebellen von Mirza Kutschak Khan, der dort die Truppen des zaristischen Russland vertreiben konnte (→ siehe auch: Erster Weltkrieg in Persien).
  • Peru – diplomatische Beziehungen zu den Mittelmächten 1917 abgebrochen.
  • Spanien / Spanische Kolonien – wirtschaftlicher Aufschwung durch Rohstofflieferungen an die Kriegsparteien, vornehmlich an die Entente.
  • Schweden – Teilmobilmachung auf dem Festland, Mobilmachung auf Gotland. Unterstützte finanziell und mit strategisch wichtigen Erzlieferungen Deutschland. Schwedische Ausbilder und Kommandeure im Iran unterstützten prodeutsche Bewegung.
  • Schweiz – Die Schweiz erklärte den Belagerungszustand und eine „bewaffnete Neutralität“. Militärische Zusammenarbeit mit Deutschland für den Fall, dass Frankreich oder Italien Deutschland über die Schweiz angreift; Wahrnehmung deutscher Interessen in den besetzten Kolonien des Deutschen Reiches ab 1917<ref>Daniel M. Segesser: Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive. 4. Aufl., marixverlag, Wiesbaden 2014, S. 143</ref> (→ siehe auch: Schweiz im Ersten Weltkrieg).
  • Uruguay – diplomatische Beziehungen zu den Mittelmächten 1917 abgebrochen.
  • Venezuela – Unterstützte die Alliierten mit Öllieferungen.

Einen staatsrechtlichen Sonderfall bildet Neutral-Moresnet, ein Territorium, das 1914 von Belgien, den Niederlanden und dem Deutschen Reich gemeinsam verwaltet wurde. Ebenso wie Belgien wurde es bei Kriegsbeginn von deutschen Truppen besetzt, aber bis zur deutschen Annexion Ende 1915 separat von diesem verwaltet. 1919 kam es zu Belgien.

Kriegserklärungen

Datei:Map Europe alliances 1914-de.svg
Europäische Militärbündnisse vor dem Krieg.
Datei:World War I 1914 08 04.png
Die Alliierten und die Mittelmächte Anfang August 1914.
Datei:World War I 1918 05.png
Alliierte und Mittelmächte Mitte 1918.

Kriegserklärungen sind formlose Willenserklärungen, die den Eintritt des Kriegszustandes ankündigen. In einigen Fällen ist es zu einem militärischen Engagement ohne Kriegserklärung, in anderen zu Kriegserklärungen ohne tatsächlichen Eintritt in Kampfhandlungen gekommen oder der Beginn der Kampfhandlungen ging den Kriegserklärungen voraus (vergleiche obige Abschnitte).

Die folgende Tabelle zeigt das Datum der jeweiligen Kriegserklärungen unter den beteiligten Staaten. Einträge mit gelbem Hintergrund bedeuten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen ohne Kriegserklärung. In der Literatur variieren die Angaben zum genauen Datum bzw. zur genauen Uhrzeit in manchen Fällen geringfügig.

Datum Erklärender Staat Adressat
1914
28. Juli (11 Uhr)<ref>Abgang des Telegramms von Wien. Der österreichische Gesandte hatte Belgrad schon zuvor verlassen.</ref> Österreich-Ungarn Serbien
1. August (16/19 Uhr)<ref>Zeitverschiebung Berlin – St. Petersburg: drei Stunden.</ref> Deutsches Kaiserreich Russisches Kaiserreich
3. August (18 Uhr) Deutsches Kaiserreich Frankreich
4. August (6 Uhr)<ref>Die deutsche „Sommation“ wird in der Literatur ganz überwiegend nicht als Kriegserklärung gewertet.</ref> Deutsches Kaiserreich Belgien
4. August (23/24 Uhr)<ref>Zeitverschiebung Berlin – London: eine Stunde, Dominions bis zu 11 Stunden (Neuseeland).</ref> Großbritannien und Dominions Deutsches Kaiserreich
5. August<ref>Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 7. August.</ref> Montenegro Österreich-Ungarn
6. August Österreich-Ungarn Russisches Kaiserreich
Serbien Deutsches Kaiserreich
9. August<ref>Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 12. August.</ref> Montenegro Deutsches Kaiserreich
11. August Frankreich Österreich-Ungarn
12. August Großbritannien Österreich-Ungarn
22. August Österreich-Ungarn Belgien
23. August Japan Deutsches Kaiserreich
25. August Japan Österreich-Ungarn
8. September Südafrikanische Union Deutsches Kaiserreich
1. November<ref>Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 758): 2. November.</ref> Russisches Kaiserreich Osmanisches Reich
2. November<ref>Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 29. Oktober.</ref> Serbien Osmanisches Reich
3. November Montenegro Osmanisches Reich
5. November Großbritannien
Frankreich<ref>Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637): 6. November.</ref>
Osmanisches Reich
1915
23. Mai Italien Österreich-Ungarn
3. Juni San Marino Österreich-Ungarn
21. August Italien Osmanisches Reich
14. Oktober Bulgarien Serbien
15. Oktober Großbritannien
Montenegro
Bulgarien
16. Oktober Frankreich Bulgarien
19. Oktober Italien
Russisches Kaiserreich
Bulgarien
1916
9. März Deutsches Kaiserreich Portugal
15. März Österreich-Ungarn Portugal
27. August Rumänien Österreich-Ungarn
Italien<ref>Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 99, 637): 28. August.</ref> Deutsches Kaiserreich
28. August Deutsches Kaiserreich Rumänien
30. August<ref name="ReferenceA">Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 638): 28. August.</ref> Osmanisches Reich Rumänien
1. November<ref name="ReferenceA" /> Bulgarien Rumänien
1917
6. April Vereinigte Staaten von Amerika Deutsches Kaiserreich
7. April Kuba Deutsches Kaiserreich
10. April Bulgarien Vereinigte Staaten von Amerika
13. April Bolivien Deutsches Kaiserreich
20. April Osmanisches Reich Vereinigte Staaten von Amerika
29. Juni Griechenland Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
Osmanisches Reich
Bulgarien
22. Juli Siam Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
4. August Liberia Deutsches Kaiserreich
14. August China Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
6. Oktober Peru Deutsches Kaiserreich
7. Oktober Uruguay Deutsches Kaiserreich
26. Oktober Brasilien Deutsches Kaiserreich
7. Dezember Vereinigte Staaten von Amerika Österreich-Ungarn
7. Dezember Ecuador Deutsches Kaiserreich
10. Dezember Panama Österreich-Ungarn
16. Dezember Kuba Österreich-Ungarn
1918
23. April Guatemala Deutsches Kaiserreich
8. Mai Nicaragua Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
23. Mai Costa Rica Deutsches Kaiserreich
12. Juli Haiti Deutsches Kaiserreich
19. Juli Honduras Deutsches Kaiserreich
10. November Rumänien Deutsches Kaiserreich

Waffenstillstände

Datum Partei, die ihre Kriegsbeteiligung einstellte Vertragspartner Bemerkungen
12. Januar 1916 Königreich Montenegro<ref group="nb" name="Entente">Ausscheiden eines Entente-Mitglieds</ref> Österreich-Ungarn Montenegro wurde bis zum Kriegsende durch Österreich-Ungarn besetzt
5./15. Dezember 1917 Sowjetrussland<ref group="nb" name="Entente" /> Mittelmächte Besetzung weiter Teile Russlands in der Operation Faustschlag (Februar bis März 1918) führte zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk am 3. März 1918 (später annulliert); zuvor separater Friedensvertrag mit der Ukrainischen Volksrepublik („Brotfrieden“ vom 9. Februar 1918)
5. Dezember 1917
(Waffenstillstand von Erzincan)
Transkaukasisches Kommissariat<ref group="nb" name="Entente" /> Osmanisches Reich beendete die Kriegshandlungen an der Kaukasusfront
9. Dezember 1917
(Waffenstillstand von Focșani)
Königreich Rumänien<ref group="nb" name="Entente" />,
russische Streitkräfte in Rumänien
Mittelmächte Vorfrieden von Buftea am 5. März 1918, Friede von Bukarest am 7. Mai 1918; am 10. November 1918 kündigte Rumänien den Friedensvertrag und trat erneut in den Krieg ein
29. September 1918
(Waffenstillstand von Thessaloniki)
Zarentum Bulgarien Entente (Frankreich) Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine am 27. November 1919
30. Oktober 1918
(Waffenstillstand von Moudros)
Osmanisches Reich Entente (Großbritannien) Friedensvertrag von Sèvres am 10. August 1920 (später revidiert)
3. November 1918
(Waffenstillstand von Villa Giusti)
Österreich-Ungarn Entente (Italien) Friedensvertrag von Saint-Germain (mit Österreich) am 10. September 1919
11. November 1918
(Waffenstillstand von Compiègne)
Deutsches Reich Entente Friedensvertrag von Versailles am 28. Juni 1919
13. November 1918
(Waffenstillstand von Belgrad)
Ungarn<ref group="nb">nach Auflösung der Realunion mit Österreich</ref> Entente Friedensvertrag von Trianon am 4. Juni 1920

<references group="nb" />

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz in Verbindung mit Markus Pöhlmann (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-8252-8396-4.

Einzelnachweise und Anmerkungen

<references />