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Befindlichkeitsstörung

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Eine Befindlichkeitsstörung ist eine negative Empfindung, die rein subjektiv<ref>Subjektivität. „Vorhanden oder gültig allein für das Subjekt, wichtiges Kennzeichen der psychischen Vorgänge und von niemand anderem direkt zu beobachten“. Dorsch</ref> wahrgenommen wird. Sie betrifft als psychische Störung den Bereich des Befindens, wo belastende bzw. die Lebensbewältigung beeinträchtigende Inhalte zeitlich überdauernd bzw. intensiv erlebt werden.

Sie ist abzugrenzen von im alltäglichen Befinden auftretenden negativen Schwankungen („Unwohlsein“), die in der eigenen Beobachtung auftreten. Fehlen von Störungen beschreibt man als subjektives Wohlbefinden. Der Begriff der Befindensbeeinträchtigung<ref>Brigitte Lueger-Schuster: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beeinträchtigung im Befinden. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) In: Klinische Ssychologie und Gesundheitspsychologe.</ref> wird ebenfalls verwendet, ist allerdings weniger klar definiert.

Man kann die Befindlichkeitsstörung (bzw. das Wohlbefinden nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation) wie folgt in drei Gebiete aufteilen: körperliches, seelisches und soziales Befinden (Bullinger, 1992).<ref name="Schimmelpilze">Gesundheitsrisiko Schimmelpilze im Innenraum. Hüthig Jehle Rehm, 2013, ISBN 978-3-609-16475-5, S. 325 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Geruchsstoffe">Duft und Geruch: Wirkungen und gesundheitliche Bedeutung von Geruchsstoffen. Hüthig Jehle Rehm, 2010, ISBN 978-3-609-16436-6, S. 139 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Bioaerosole">Bioaerosole und Gesundheit: Wirkungen biologischer Luftinhaltsstoffe und praktische Konsequenzen. Hüthig Jehle Rehm, 2008, ISBN 978-3-609-16371-0, S. 180 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Im positiven Sinne wird zumeist von gutem Allgemeinbefinden auch ohne diese Differenzierung in verschiedene Bereiche gesprochen. Im negativen Sinne wird von schlechtem Allgemeinbefinden gesprochen, wenn sich z. B. infolge einer Krankheit oder Behinderung allgemeine Abwehrreaktionen des Körpers einstellen und/oder sich die Funktionsbereitschaft des Gesamtorganismus verringert. Dies kann z. B. bei Gewichtsabnahme, Fieber oder Immunabwehr und bei körperlicher oder psychischer Erschöpfung eintreten. Hierdurch werden die Funktionen des Gesamtorganismus bzw. die allgemeine körperliche Anpassung und die Funktionsreserven eingeschränkt. Mit schlechtem Allgemeinbefinden ist auch eine individuelle Disharmonie der körperlichen, seelischen und sozialen Integration gemeint, siehe auch Weblinks.<ref>W. Böcker, H. Denk, Ph. U. Heitz: Pathologie. 3. Auflage. Elsevier – Urban & Fischer, 2004, ISBN 3-437-42381-9, S. 5 f.</ref>

Beispiele für die Vielfalt der Symptome einer Befindlichkeitsstörung

Von Befindlichkeitsstörungen wird in der Literatur häufig in folgenden Zusammenhängen gesprochen: Wetterfühligkeit,<ref name="Umweltpsychologie">Umweltpsychologie. Springer-Verlag, 2012, ISBN 978-3-531-93246-0, S. 54 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Biowetter">Biowetter: wie das Wetter unsere Gesundheit beeinflusst. C.H.Beck, 2007, ISBN 978-3-406-53616-8, S. 52 und 89 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Umweltgifte,<ref name="Geruchsstoffe" /><ref name="Bioaerosole" /><ref name="Gifte">Gifte im Alltag: wo sie vorkommen, wie sie wirken, wie man sich dagegen schützt. C.H.Beck, 2011, ISBN 978-3-406-61734-8, S. 112 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Umweltrecht">Umweltrecht: Grundzüge des öffentlichen Umweltschutzrechts. Hüthig Jehle Rehm, 2003, ISBN 978-3-8114-3201-7, S. 672 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> beispielsweise Schimmelpilze<ref name="Schimmelpilze" /> oder Ozon, Übelkeit nach einer Anästhesie in der postoperativen Phase,<ref name="PONV">Übelkeit und Erbrechen in der perioperativen Phase (PONV): Risikoeinschätzung, Vermeidung und Therapie in der klinischen Praxis; mit 15 Tabellen. Deutscher Ärzteverlag, 2012, ISBN 978-3-7691-1286-3, S. 95 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Frauenleiden<ref name="Orthomolekulare">Praxis der Orthomolekularen Medizin: Physiologische Grundlagen. Therapie mit Mikro-Nährstoffen. Georg Thieme Verlag, 2000, ISBN 978-3-7773-1470-9, S. 207 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Weibliche Lebenslagen und soziale Benachteiligung: theoretische Ansätze und empirische Beispiele. Campus Verlag, 2002, ISBN 978-3-593-36924-2, S. 295 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>.

Um eine bessere Vorstellung zu bekommen, wie vielfältig das Erscheinungsbild von Befindlichkeitsstörungen sein kann, sollen ohne Anspruch auf Vollständigkeit beispielhaft einige Symptome aufgezählt werden, die in der Literatur im Zusammenhang mit Befindlichkeitsstörungen genannt werden:

Verstimmung,<ref name="Orthomolekulare" /> Angst,<ref name="Orthomolekulare" /> depressive Verstimmungen,<ref name="Umweltpsychologie" /> leichte Ermüdbarkeit oder Müdigkeit,<ref name="Umweltpsychologie" /><ref name="Gifte" /><ref name="Orthomolekulare" /> Konzentrationsschwäche,<ref name="Schimmelpilze" /><ref name="Umweltpsychologie" /><ref name="Gifte" /><ref name="Patientenversorgung">Heckart Sturm: Hausärztliche Patientenversorgung: Konzepte – Methoden – Fertigkeiten. Georg Thieme Verlag, 2006, ISBN 978-3-13-141031-3, S. 126–127 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Tränenreiz,<ref name="Biowetter" /><ref name="Umweltrecht" /> Antriebsverlust,<ref name="Gifte" /> Gedächtnisstörungen,<ref name="Gifte" /> Gewichtsverlust,<ref name="Gifte" /> Nervosität,<ref name="Gifte" /><ref name="Orthomolekulare" /><ref name="Patientenversorgung" /> Abgespanntheit,<ref name="Orthomolekulare" /> Schlafstörungen,<ref name="Gifte" /><ref name="Orthomolekulare" /><ref name="Patientenversorgung" /> leichte Erregbarkeit,<ref name="Orthomolekulare" /> Gereiztheit,<ref name="Patientenversorgung" /> Unruhe,<ref name="Orthomolekulare" /><ref name="Patientenversorgung" /> Müdigkeit,<ref name="Schimmelpilze" /><ref name="Patientenversorgung" /> Schlappheit,<ref name="Patientenversorgung" /> Gleichgültigkeit,<ref name="Patientenversorgung" /> Lustlosigkeit oder Unlust,<ref name="Orthomolekulare" /><ref name="Patientenversorgung" /> Traurigkeit,<ref name="Patientenversorgung" /> Niedergeschlagenheit<ref name="Orthomolekulare" /><ref name="Patientenversorgung" />

Organbezogene Befindlichkeitsstörungen werden auch funktionelle Störungen genannt:<ref name="Patientenversorgung" /> Atembeschwerden,<ref name="Biowetter" /><ref name="Umweltrecht" /><ref name="Patientenversorgung" /> Reizung der Atemwege,<ref name="Biowetter" /><ref name="Umweltrecht" /> Husten,<ref name="Biowetter" /><ref name="Umweltrecht" /> Heiserkeit,<ref name="Patientenversorgung" /> Herzbeschwerden,<ref name="Patientenversorgung" /> Stenokardien,<ref name="Patientenversorgung" /> Appetitlosigkeit oder -mangel (Inappetenz),<ref name="Gifte" /><ref name="Orthomolekulare" /><ref name="Patientenversorgung" /> Übelkeit (Nausea),<ref name="Schimmelpilze" /><ref name="PONV" /><ref name="Orthomolekulare" /><ref>Roche Lexikon Medizin. Elsevier Health Sciences, 2003, ISBN 3-437-15156-8, S. 1297 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Magenbeschwerden,<ref name="Orthomolekulare" /> Schluckstörungen,<ref name="Patientenversorgung" /> Verdauungsstörungen (wie Verstopfung),<ref name="Orthomolekulare" /><ref name="Patientenversorgung" /> Schwindel,<ref name="Schimmelpilze" /><ref name="Gifte" /><ref name="Patientenversorgung" /> Ohnmacht,<ref name="Patientenversorgung" /> „Kreislaufschwäche“,<ref name="Patientenversorgung" /> Dysmenorrhoe,<ref name="Patientenversorgung" /> Dysurie,<ref name="Patientenversorgung" /> Kopfschmerzen,<ref name="Schimmelpilze" /><ref name="Umweltpsychologie" /><ref name="Biowetter" /><ref name="Umweltrecht" /><ref name="Orthomolekulare" /> Migräneanfälle,<ref name="Umweltpsychologie" /> Schmerz<ref>Rehabilitation in Orthopädie und Unfallchirurgie: Methoden - Therapiestrategien - Behandlungsempfehlungen. Springer-Verlag, 2015, ISBN 978-3-642-44999-4, S. 47 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> (rheumatische Schmerzen,<ref name="Umweltpsychologie" /> Narbenschmerzen<ref name="Umweltpsychologie" />), Herz-Kreislauf-Störungen,<ref name="Orthomolekulare" /> erhöhter Infektanfälligkeit,<ref name="Orthomolekulare" /> Schwächezustände,<ref name="Orthomolekulare" /> Leistungsschwäche,<ref name="Orthomolekulare" /> Schwitzen.<ref name="Orthomolekulare" />

Es geht also nicht alleine um Beeinträchtigungen der Stimmung, sondern auch um Beeinträchtigungen des körperlichen Wohlbefindens. Von Befindlichkeitsstörungen wird deswegen auch häufig im Zusammenhang mit Somatoformen Störungen gesprochen.<ref name="Neurologie ">Begutachtung in der Neurologie. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-13-140701-6, S. 299 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Historisch standen Befindlichkeitsstörungen in Zusammenhang mit folgenden Begriffen: Morbus hypochondriacus, Hypochondrie, Febricula, Eisenbahnkrankheit, Telephonkrankheit, Neurasthenie, Selbstbeschreibung einer Überempfindlichkeit für Gerüche, shinkeishitshu, Epidemische Neuromyasthenie, Fibromyalgie (Fibrositis), Multiple Chemical Sensitivity, Chronisches Fatigue-Syndrom.<ref name="Neurologie " /> Die Einordnung des Chronischen Fatigue-Syndroms in diesen Kontext ist überholt, da es sich hierbei um eine systemische Erkrankung mit körperlichen Störungen auf mehreren Ebenen handelt.<ref>Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: diagnosis and management (PDF), NICE guideline NG206, National Institute for Health and Care Excellence, 29. Oktober 2021, S. 9, abgerufen am 19. Oktober 2024.</ref><ref>Müdigkeit (PDF; 2,8 MB), S3-Leitlinie, AWMF-Register-Nr. 053-002, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Dezember 2022, S. 60, abgerufen am 19. Oktober 2024.</ref><ref>National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine: Long-Term Health Effects of COVID-19: Disability and Function Following SARS-CoV-2 Infection. National Academies Press, Washington, D.C. 2024, ISBN 978-0-309-71860-8, S. 184, doi:10.17226/27756 (freier Volltext).</ref>

Laut der Langfassung der AWMF-Leitlinie Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden, Umgang mit Patienten könnten medizinisch nicht hinreichend erklärte Körperbeschwerden, die ganz von selbst oder durch die Anwendung einfacher Hausmittel oder Verhaltensänderungen wieder verschwinden, am besten als Befindlichkeitsstörung bezeichnet werden.<ref>S3-Leitlinie. Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden, Umgang mit Patienten (Langfassung). AWMF, 2012, S. 14 (awmf.org).</ref>

Zusammenhang mit dem Krankheitsbegriff

In der Literatur wird teilweise von einem fließenden Übergang zwischen Befindlichkeitsstörungen und Krankheit ausgegangen.<ref>I care Krankheitslehre. Thieme, 2015, ISBN 978-3-13-165721-3, S. 12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Sozialmedizinische Begutachtung für die gesetzliche Rentenversicherung. Springer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-10251-6, S. 372 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Folgt man dieser Überzeugung, ist eine trennscharfe Abgrenzung von einer Krankheit schwierig.<ref>Ergotherapie Prüfungswissen: Sozialwissenschaften. Georg Thieme Verlag, 2012, ISBN 978-3-13-162311-9, S. 57 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Will man an der Überzeugung festhalten, dass der Übergang zwischen Befindlichkeitsstörung und Krankheit fließend ist und deshalb niemals beides zugleich vorliegen kann, muss man in Studien willkürlich eine Schwelle (Cut-off-Wert) festlegen, um beides voneinander abzugrenzen.<ref>Gesundheitsziele für Berlin: wissenschaftliche Grundlagen und epidemiologisch begründete Vorschläge. Walter de Gruyter, 1996, ISBN 978-3-11-015355-2, S. 157 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die Annahme eines fließenden Übergangs ist im Hinblick auf eine sozialmedizinische Begutachtung besonders schwierig.<ref>Wie bekomme ich einen Schwerbehindertenausweis?: Den Antrag richtig formulieren; Ansprüche durchsetzen. Walhalla Fachverlag, 2013, ISBN 978-3-8029-0771-5, S. 12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Qualitätskontrolle von Rehabilitation und Sekundärprävention nach PTCA und ACVB: Evaluation der Ergebnisqualität von Anschlußheilbehandlungen (AHB) nach Koronarangioplastie oder Myokardrevaskularisation mit mehrjähriger Verlaufskontrolle. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-72530-2, S. 67 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> So kann man leicht nachvollziehen, dass für einen Versicherungsnehmer, der eine Berufsunfähigkeit wegen psychischer Befindlichkeitsstörungen beantragt, eine besondere Darlegungspflicht besteht, dahingehend „näher darzulegen, welche gesundheitlichen Hindernisse ihn in welcher konkreten Weise beeinträchtigen, die Anforderungen seines Berufs zu erfüllen.“<ref>Rechtslage und Fallstricke bei psychischen Erkrankungen: Burnout, Depressionen, akute und posttraum. Belastungsstörungen, Anpassungsstör. Thieme, 2013, ISBN 978-3-13-173621-5, S. 160 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Teilweise wird behauptet, um von einer Befindlichkeitsstörung sprechen zu können, dürfte keine vegetative Störung oder morphologische Schädigung von Organen vorliegen.<ref name="Bewegungstherapie">Lehrbuch Konzentrative Bewegungstherapie: Grundlagen und klinische Anwendung. Schattauer Verlag, 2006, ISBN 978-3-7945-2461-7, S. 156 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Dadurch sollen funktionale Störungen, psychosomatische und somatopsychische Störungen abgegrenzt werden.<ref name="Bewegungstherapie" /> Man kann in der Tat unter einer Befindlichkeitsstörung leiden, ohne einen körperlichen Befund, aber ebenso eine organische Störung haben, ohne dass die Befindlichkeit dadurch beeinträchtigt ist, weswegen die körperliche Krankheit erst spät erkannt wird.<ref name="Orthomolekulare" /> Befindlichkeitsstörungen können jedoch auch einen Hinweis für eine organische Erkrankung geben.<ref name="Orthomolekulare" /> Es muss so gesehen festgestellt werden, dass zwischen dem subjektiven Befinden und dem medizinischen Befund kein fester Zusammenhang besteht.<ref name="Priewe">Jesko Priewe, Daniel Tümmers: Das Erste. Springer Science & Business Media, 2007, ISBN 978-3-540-32878-0, S. 6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Hamid Abdolvahab-Emminger: Physikum exakt: das gesamte Prüfungswissen für die 1. ÄP; 199 Tabellen; [ideal für die neue AO]. Georg Thieme Verlag, 2005, ISBN 978-3-13-107034-0, S. 985 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die nebenstehende Tabelle veranschaulicht, dass es neben den normalen Gesunden und normalen Kranken auch sich gesund fühlende Kranke und sich krank fühlende Gesunde gibt.<ref name="Priewe" />

Loser Zusammenhang zwischen Befinden und Befund
kein Befund medizinischer Befund
Wohlbefinden „normale Gesunde“ „gesunde Kranke“
Missbefinden „kranke Gesunde“ „normale Kranke“

Körperliche Befindlichkeitsstörung

Die körperliche Befindlichkeitsstörung kann aufgrund einer Krankheit, Behinderung oder gesundheitlicher Beeinträchtigung (z. B. Konzentrationsstörungen, Kater, Hunger und Durst) bestehen. Viele Krankheiten können sich mit Befindlichkeitsstörungen ankündigen. Des Weiteren sind Zustände wie Klimawechsel und Wetterumschwünge als Folge einer Wetterfühligkeit Gründe für eine Befindlichkeitsstörung. Die Absorption toxiner Wirkstoffe vom Körper kann ebenfalls zu Befindlichkeitsstörungen führen, ein weit verbreiteter P-Satz lautet: „Bei Unwohlsein ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen.“ Auch Umwelteinflüsse können diese auslösen, z. B. Gerüche oder Ekel. Auch Menstruationsbeschwerden oder Beschwerden der Pubertät und Menopause (Wechselbeschwerden) äußern sich in Störung der Befindlichkeit.

Symptome, in denen sich Befindlichkeitsstörung äußert, sind zum Beispiel Müdigkeit, Schwindel oder Erbrechen, einem „flauen Gefühl in der Magengegend“, trockene Schleimhäute, oder andere Symptomen, die unter Unwohlsein und Ermüdung (Symptomkomplex R53 nach ICD-10) zusammengefasst werden.

Psychische Befindlichkeitsstörung

Diese Befindlichkeitsstörung besteht auf Grund einer negativen Empfindung im psychischen Bereich.

Ursachen sind u. a. widrige Lebensumstände wie lang anhaltender Stress oder überfällige Erholung.

Es kann sein, dass sich der Betroffene missmutig gibt oder auf lange Sicht hierdurch eine psychische Krankheit wie zum Beispiel die Schlaflosigkeit oder den Alkoholismus erleidet.

Das psychische Unwohlsein kann schließlich in Verzweiflung münden.

Soziale Befindlichkeitsstörung

In der sozialen Interaktion kann bei einzelnen Mitgliedern einer Gemeinschaft eine Befindlichkeitsstörung entstehen, wenn deren soziale Rolle von außen oder von innen her gestört ist (vgl. zum Beispiel unerwünschter Körperkontakt (Gedrängel); Mobbing oder Isolation).

Erfassung von Befindlichkeitsstörungen in der Praxis

Laut EVAS-Studie<ref>EVAS-Studie. Eine Erhebung über die ambulante medizinische Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 1989.</ref> von 1989 werden Hausärzte in 70 % der Fälle wegen Befindlichkeitsstörungen aufgesucht.<ref name="Patientenversorgung" /> Umgekehrt fand Schepank 1987 psychosomatische Allgemeinbeschwerden bei 18 % der nichtkranken Bevölkerung in Mannheim, von denen 8 % als krankheitswertig einzustufen waren.<ref>Walter Bräutigam, Paul Christian, Michael von Rad: Psychosomatische Medizin: ein kurzgefaßtes Lehrbuch; … 10 Tabellen. Georg Thieme Verlag, 1997, ISBN 978-3-13-498306-7, S. 379 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Eine Befindlichkeitsstörung wird also in der Regel erst festgestellt, wenn der Patient darüber berichtet. Um eine Sprachverwirrung zu vermeiden, wird dem Patienten geraten, auf Fachbegriffe wie „Herzkranzgefäßverengung“ zu verzichten und stattdessen subjektiv zu berichten.<ref>Heinz-Günter Rechenberger: Kurzpsychotherapie in der ärztlichen Praxis. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-71749-9, S. 5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Der Arzt könnte sich sonst versucht fühlen, die Fachbegriffe mit seinen objektiven Befunden in Einklang zu bringen.

Weil Säuglinge und Kleinkinder aber oft noch nicht über das Bewusstsein oder die Sprache verfügen, um Befindlichkeitsstörungen wahrzunehmen oder auszudrücken, sind Außenstehende auf objektiv beobachtbare Indikatoren angewiesen, mit deren Hilfe man auf eine Befindlichkeitsstörung schließen kann. Kinder unter 3–4 Jahren können beispielsweise Befindlichkeitsstörungen wie Schmerz oder Übelkeit nicht zuverlässig verbal äußern.<ref>Hans Walter Striebel: Anästhesie bei Kindern: Sicherheit in der klinischen Praxis; mit 57 Tabellen. Schattauer Verlag, 2012, ISBN 978-3-7945-2822-6, S. 256 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Dasselbe dürfte auch auf Patienten mit Hirnschädigungen zutreffen, die Befindlichkeitsstörungen nicht ausdrücken können.

Theoretische Konzepte

Empirische Ergebnisse bezüglich der Beschwerdenbereiche

Die Erfassung von Befindlichkeitsstörungen erfolgt in der Praxis durch sogenannte Beschwerdenfragebogen. Dabei handelt es sich um erlebte Beeinträchtigungen körperlicher und/oder psychischer Funktionen. Die Untergliederung der Beschwerdenbereiche erfolgte vor allem mittels der Methode der Faktorenanalyse, die einzelnen Analysen zeigen gut übereinstimmende Ergebnisse. Viele Beschwerdenerfassungsverfahren folgen einer hierarchischen Gliederung, für die Erfassung werden unterschiedliche Differenzierungsniveaus verwendet.<ref>Allgemeine Übersicht beim ZTD Fribourg</ref><ref>E. Brähler, E. Hinz, J.W. Scheer: GBB-24. Der Gießener Beschwerdebogen. Manual. 3., überarbeitete und neu normierte Auflage. Verlag Hans Huber, Bern 2008.</ref><ref>L.R. Derogatis, R.S. Lipman, L. Covi: SCL-90: An outpatient psychiatric rating scale - prelimary report. In: Psychopharmacology Bulletin, 9, 1973, S. 13–28.</ref><ref>J. Fahrenberg: Die Freiburger Beschwerdenliste (FBL). Form FBL-G und revidierte Form FBL-R. Handanweisung. Hogrefe, Göttingen 1994.</ref><ref>G.H. Franke: Eine weitere Überprüfung der Symptom-Checkliste (SCL-90-R) als Forschungsinstrument. In: Diagnostica, 38, 1992, S. 160–167</ref><ref>K.-D. Hänsgen: Berliner Verfahren zur Neurosendiagnostik BVND. 2., erweiterte und neu bearbeitete Auflage. Hogrefe, Göttingen 1991.</ref><ref>E. Kasielke, K.-D. Hänsgen: Beschwerden-Erfassungsbogen - BEB. Handanweisung. 2. veränderte Auflage. Psychodiagnostisches Zentrum, Berlin 1987.</ref><ref>D. v. Zerssen: Die Beschwerden-Liste – Manual. Beltz Test GmbH, Weinheim 1976.</ref>

  • Allgemeines Beschwerdenniveau (wird psychodiagnostisch in Beschwerdefragebogen auch als Screening für das Vorliegen psychischer Störungen verwendet).
    • Körperliche versus psychische Beschwerden
    • Spezifische körperliche Beschwerden – unspezifische Befindlichkeitsbeeinträchtigungen – Spezifisch Psychische Beschwerden
      • Einzelne Beschwerdenbereiche
        • Verdauung, Herz-Kreislauf, Sensibilitätsstörungen, Schlafbeschwerden (spezifisch körperlich)
        • Erschöpfung, Erregung, Leistungsinsuffizienz, Selbstwertminderung (unspezifisch)
        • Ängste, Zwänge, Beschwerden in der sozialen Kommunikation (spezifisch psychisch)

Psychoanalytische Theorie

Nach psychoanalytischen Theorien sind vorübergehende Befindlichkeitsstörungen in der frühesten Phase der Entwicklung für die Bildung des kindlichen Selbsts verantwortlich. Diese Entwicklung erfolgt während der narzisstischen oder oralen Entwicklungsphase in der Regel über eine symbolische Besetzung des inneren Mutterbildes (Imago). Das sog. ›gute und das schlechte Mutterbild‹ dienen als Ausgangspunkt zur beginnenden Selbstwahrnehmung. Das symbolisch besetzte Mutterbild erfährt eine Differenzierung an Bedeutungen (Situationskreis). Als ursprünglichste Phase der frühkindlichen Entwicklung wird eine Verschmelzung des kindlichen Selbsts mit dem der Mutter angenommen (primärer Narzissmus). Gefühle des ›Sich-schlecht-Befindens‹ des Kindes werden daher zunächst mit der Vorstellung der ›bösen Mutter‹ verbunden bzw. assoziiert. Negative kindliche Gefühle der Befindlichkeit tragen aber auch zur Spaltung des mit der Mutter verschmolzenen frühkindlichen Selbstbewusstseins bei (Subjekt-Objekt-Spaltung). Solche Gefühle fordern die beginnenden eigenen Fähigkeiten des Kindes heraus, die aufgrund fortschreitender physiologischer Reifungsvorgänge des Gehirns in Gang gesetzt werden (Handlungsschema). Durch diese zunehmende Abspaltung entstehen eigene Selbstanteile in der Vorstellungswelt des Kindes.<ref>Wolfgang Loch: Zur Theorie, Technik und Therapie der Psychoanalyse. S. Fischer, ISBN 3-10-844801-3, S. 28 ff. Conditio humana (hrsg. von Thure von Uexküll, Ilse Grubrich-Simitis 1972)</ref>

Literatur

Einzelnachweise

<references />

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