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Ballestrem (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Ballestrem-Wappen.jpg
Wappen der Grafen von Ballestrem

Ballestrem [mit Betonung auf der mittleren Silbe -es und kurzem e auf der letzten Silbe] ist der in Deutschland ansässige Zweig des norditalienischen Geschlechts der Grafen Ballestrero di Castellengo aus Piemont in Norditalien.

Ein nach Deutschland ausgewanderter Familienangehöriger trat 1742 als „Johann Baptist Graf von Ballestrem“ in preußische Heeresdienste. Auf dem 1798 ererbten Majorat Plawniowitz im Landkreis Tost-Gleiwitz fanden sich Bodenschätze, die ab 1808 zum Aufbau eines der führenden oberschlesischen Bergbaukonzerne führten. Dieser kam nach dem Ersten Weltkrieg in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1945 von Polen entschädigungslos enteignet.

Ursprünge

Die Familie, die sich wie viele Geschlechter des Italienischen Adels in Handelsgeschäften betätigte, hatte im 14. Jahrhundert in Monasterolo und seit 1536 in Savigliano Grundbesitz. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Marco Francesco Ballestrero mit der Grafschaft Montalenghe belehnt. Über seine Frau, eine Gräfin Frichignono, deren Familie von 1600 bis zu ihrem Aussterben 1883 mit der Grafschaft Castellengo (heute in der Gemeinde Cossato) belehnt war, kam ein Teil dieser Grafschaft in den Besitz der Familie, wodurch sie sich nunmehr Conte Ballestrero di Castellengo benannte.

Preußisch-schlesische Linie

Datei:Pławniowice - Pałac.jpg
Schloss Plawniowitz, Oberschlesien
Datei:Pławniowice pomnik Franciszka II von Ballestrem.jpg
Büste des Giovanni Battista Angelo Ballestrero im Plawniowitzer Park

Giovanni Battista Angelo Ballestrero di Castellengo, Sohn des Marco Francesco Conte Balestreri di Montalenghe, wurde Offizier und trat 1742 als „Johann Baptist Graf von Ballestrem“ in preußische Heeresdienste. Dessen ältester Sohn Carl Franz von Ballestrem, königlich preußischer Major und Erbe des 1751 gestifteten Majorates Plawniowitz im Landkreis Gleiwitz mit Ruda und Biskupitz (heute Ortsteil von Zabrze) im oberschlesischen Landkreis Hindenburg O.S., erhielt am 6./8. November 1798 in Berlin das schlesische Inkolat.<ref>Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band I, Band 53 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1972, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0435-2408|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1

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Dieses Erbe war ihm dadurch zugefallen, dass sein Vater Johann Baptist in die Familie der Freiherren von Stechow eingeheiratet hatte und Johann Baptists Schwiegervater Freiherr Franz Wolfgang von Stechow ohne männliche Nachkommen verstorben war. Nacherbe wurde der Neffe Carl Wolfgang von Ballestrem (1801–1879), der jedoch aufgrund des grassierenden Typhus nach Dresden übersiedelte. Das weitgehend unbewohnte Schloss Plawniowitz drohte, nach einem verheerenden Sturm 1869, zur Ruine zu werden. Erst dessen Sohn Franz von Ballestrem (1834–1910) entschied sich, nach Schlesien zurückzukehren. Er ließ das baufällige Schloss abreißen und den heutigen Bau mittels der inzwischen erzielten hohen Einkünfte der Ballestrem’schen Bergwerksbetriebe durch den Architekten Konstantin Heidenreich aus Koppitz neu erbauen.

Der Ballestrem-Konzern, ein oberschlesisches Familienunternehmen von 1798 bis 1945

Anfänge

Schon unter dem Baron von Stechow war 1751 mit dem Steinkohlenbergbau bei Ruda begonnen worden – zunächst oberflächennah und ohne behördliche Genehmigung. Die Mutung zur Grube Brandenburg erfolgte erst am 20. August 1780 auf Drängen der Schlesischen Bergbehörden. Eine erste Verleihung erfolgte bereits am 1. November desselben Jahres. Nachdem man noch unter der Regie des Barons von Stechow zum Tiefbau übergegangen war, erfolgten ein weiterer Ausbau der Grube und die Hinzunahme neu gemuteter Steinkohlenfelder unter Carl Franz von Ballestrem. Vor der Übernahme des Erbes durch die Familie Ballestrem war das industrielle Engagement eher gering gewesen und man hatte um 1800 nur ungefähr 30 Arbeiter in den eigenen Gruben beschäftigt.<ref>Siehe: Familienverband/Ballestremsches Firmen- und Familienarchiv (Hrsg.): Ballestrem/Allgemeines.</ref> Dies änderte sich jedoch bald, weil Carl Franz – in wirtschaftlichen Fragen unerfahren – 1808 Karl Godulla (1781–1848) als Gutsverwalter und Geschäftsführer des Industrieunternehmens einsetzte. Ab 1822 übernahm Carl Franz’ Bruder Carl Ludwig von Ballestrem den Betrieb. Er ließ in Ruda Śląska eine zweite und einige Jahre später eine dritte Zinkhütte errichten und verstärkte den Steinkohlebergbau.

Blütezeit

Datei:Pałac hrabiów Ballestremów widok od Promenady Włodkowica 4 fot BMaliszewska.jpg
Ballestrem’sches Palais in Breslau, ulica Włodkowica 4

Auch wenn Karl Godulla selbst zielstrebig ein eigenes Montanunternehmen aufbaute und bald zum führenden oberschlesischen Bergbauunternehmer aufstieg (ihm gehörten zuletzt 80 Zinkbergwerke, vier Zinkhütten sowie 48 Steinkohlengruben, aus denen im Erbgang 1858 die Gräflich Schaffgotsch’schen Werke entstanden), gelangten auch die Ballestrem’schen Bergwerke und Erzhütten unter seiner Leitung zur Blüte und entwickelten sich zu einem der bedeutendsten Industriekonzerne Schlesiens,<ref>H. Voltz: Die Bergwerk- und Hüttenverwaltungen des Oberschlesischen Industriebezirks. Ein historisch-statistischer Wegweiser den Theilnehmern am V. Allgemeinen Deutschen Bergmannstage. Selbstverlag des Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins, Kattowitz 1892, S. 199.</ref> zeitgleich mit den Betrieben des Grafen Carl Lazarus Henckel von Donnersmarck und seines Sohnes Guido.

So kamen zwischen 1843 und 1845 acht Steinkohlenfelder im Süden Rudas hinzu und wurden durch die Wolfganggrube erschlossen, während andere neu gemutete Felder an Carl Godulla bzw. die offene Handelsgesellschaft A. Borsig (Berlin) verpachtet wurden. Ab 1855 wurden in Rokittnitz/Rokitnica nördlich von Zabrze weitere Steinkohlenfelder gemutet und zur Castellegnogrube konsolidiert. Ihre Vorräte wurden ab 1898 umfänglich erschlossen, die Schachtanlage 1903 offiziell eingeweiht. Durch ihre mächtigen Kohlevorkommen wurde Castellengo zur ertragsreichsten Grube des Ballestrem-Konzerns. Der Sitz der Gräflich von Ballestrem’sche Bergverwaltung 1909 war in Ruda.<ref>Deutsches Industrie-Adreßbuch. Band I: Bergwerke, Salinen, Hütten- u. Walzwerke. Ausgabe 1909, Rheinisch-Westfälische Verlags-Anstalt G,bH, Bochum 1909, S. 79.</ref>

Parallel zu dem Engagement im Steinkohlenbergbau wurde 1812 in Ruda die Carls-Zinkhütte mit zunächst fünf Doppel-Zinköfen errichtet und 10 Jahre später um 22 Öfen erweitert. Ein drittes Standbein bestand in einer Chamottefabrik und einer Ziegelei im Süden von Biskupitz (Kolonie Carl Emanuel), da man in dieser Gegend feuerfesten Ton gefunden hatte.<ref>Die Darstellung dieser Anfänge basiert auf Informationen aus dem: (Lit.): Jahrbuch des Oberbergamtsbezirks 1913, Phönix-Verlag, Kattowitz 1913, S. 174 ff.</ref>

Der Einstieg in die Eisenverhüttung und die Weiterverarbeitung des Roheisens erfolgte 1871, als u. a. durch Carl Wolfgang von Ballestrem die Firma „Oberschlesische Eisenbahn-Bedarfs-AG“ (Oberbedarf; Grundkapital 7,5 Mio. Mark) gegründet wurde. Dieses Unternehmen bestand zu großen Teilen aus der Schlesischen Hütten-, Forst- und Bergbau-Gesellschaft „Minerva“ (1855 durch Andreas Maria von Renard gegründet), die über Eisenhütten, Wälder und Beteiligungen an Beuthener Steinkohlenbergwerken verfügte. Oberbedarf wurde bald ein großes eisenerzeugendes Unternehmen mit der Friedenshütte (Huta Pokój), dem Steinkohlenbergwerk Friedensgrube, dem Eisenerzbergwerk Tarnowitz 267, den Huldschinsky’schen Werken sowie dem Eisenhüttenwerk Zawadski. 1902 wurde das einhundertjährige Bestehen der Grube Brandenburg begangen.<ref>Franziskaner-Vätern Cincinnati Ohio (Hrsg.): Der Sendbote des Göttlichen Herzens Jesu. Organ. XXIX. Jg., S. Rosenthal & Co., Cincinnati (Ohio) 1902, S. 31.</ref>

Nach Carl Wolfgangs Tod 1879 übernahm sein ältester Sohn, Graf Franz von Ballestrem (1834–1910) das Erbe, ihm gehörten gesamt 11.353 ha,<ref>Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen. 1912. I, S. 1.; II, W. Herlet GmbH, Berlin 1912, S. 55 f.</ref> der sich vor allem auch als Politiker betätigte und seit 1872 als Abgeordneter der Deutschen Zentrumspartei Mitglied des Deutschen Reichstags war, dabei ab 1890 Fraktionsvorsitzender. 1890 wurde er zum Vizepräsidenten des Reichstags gewählt (bis 1893) und war von 1898 bis 1906 Reichstagspräsident. Nach seinem Tod 1910 folgte ihm als Erbe des Bergbaukonzerns sein Sohn Graf Valentin von Ballestrem (1860–1920) und auf diesen folgte sein ältester Sohn Nikolaus Graf von Ballestrem (1900–1945).

Auswirkungen der Teilung Oberschlesiens

Die Entwicklung der Ballestremschen Unternehmungen wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch vier einschneidende Ereignisse geprägt: die

Durch die Teilung Oberschlesiens lagen alle Rudaer Steinkohlenbergwerke, d. h. die Gruben Brandenburg und Wolfgang, in dem an Polen abgetretenen Teil Oberschlesiens, während das Bergwerk Castellegno auf deutschem Staatsgebiet verblieb. Um diesem Sachverhalt Rechnung zu tragen, erfolgte 1922 in Gleiwitz die Gründung der „Gräflich von Ballestremsche Güterdirektion“, welche die in Deutschland verbliebenen Besitzungen verwaltete.

Zudem konsolidierte die Familie Ballestrem 1927 ihren gesamten deutschen Steinkohlebesitz. Mit der Gründung der Gewerkschaft Castellegno-Abwehr wurden neben der Castellegnogrube die ehemals Donnersmarckschen Bergwerke Abwehrgrube und Concordia zusammengeführt. Auch im Bereich der Eisenerzverhüttung und der Roheisenweiterverarbeitung vollzogen sich zahlreiche Fusionen und Umstrukturierungen. 1922 erfolgte die Vereinigung von Oberbedarf mit dem Konzern Linke-Hofmann-Lauchhammer, der zum Industrieimperium Friedrich Flicks gehörte. Dadurch verringerte sich der Ballestremsche Einfluss in diesem neuen Unternehmen. Da sich aber nicht nur dieses, sondern auch die „Oberschlesische Eisenbahnindustrie“ (Obereisen) in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand, baten Ballestrem und Flick im August 1924 um staatliche Beihilfen. Diese wurden in Höhe von jeweils 23 Millionen RM gewährt.<ref>Siehe Lit.: Kim Christian Priemel. Flick. Göttingen 2007, S. 150 f.</ref>

Die staatliche Unterstützung führte jedoch zu keiner Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Da fällige Kredite nicht zurückgezahlt werden konnten, folgte 1926 eine Umstrukturierung unter dem Namen „Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG“, im allgemeinen Sprachgebrauch kurz „Oberhütten“ genannt.<ref>Siehe Lit.: Kim Christian Priemel. Flick. Göttingen 2007, S. 152.</ref> In diesem Konzern mit Sitz in Gleiwitz hielten Ballestrem und Flick, deren Binnenverhältnis nicht konfliktfrei war, je die Hälfte des Aktienbesitzes.<ref>Siehe: Norbert Frei, Ralf Ahrens, Jörg Osterloh: Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht. Online-Ressource, Blessing Verlag/Random, München 2010, ISBN 978-3-641-02794-0, S. 8.</ref>

Die „Donnersmarckhütte – Oberschlesische Eisen- und Kohlewerke Aktiengesellschaft“ wurde am 1. Juni 1927 gelöscht, nachdem schon im Jahr zuvor ihr gesamtes Vermögen auf die Oberbedarf übertragen worden war.<ref>Siehe hierzu: Die Geschichte der Donnersmarckhütte, In: Oberschlesien Aktuell.</ref><ref>Vgl. C. Matschoß: Donnersmarckhütte 1872–1922. Denkschrift zum 50jährigen Bestehen als Aktien-Gesellschaft. Berlin 1923 PDF</ref> Obwohl kurze Zeit später auch die Borsig AG ihre Eisenproduktion in Oberschlesien einstellte und damit „Oberhütten“ das einzige Hüttenunternehmen in diesem Teil Deutschlands bildete, blieb es auf staatliche Subventionen angewiesen, ganz besonders in den Jahren der Weltwirtschaftskrise. Dadurch war „Oberhütten“ bis Anfang der 1930er Jahre stark fremdbestimmt; erst ab 1937 befand sich der Konzern wieder zu 97,5 Prozent im Ballestremschen Besitz.<ref>Zitiert: Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto: Der Flick-Konzern im Dritten Reich. R. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58683-1, S. 819.</ref>

Der auf der polnischen Seite Oberschlesiens liegende Besitz der Adelsfamilie Ballestrem bestand aus den Bergwerken Brandenburg, Wolfgang-Walenty (jetzt Kopalnia Węgla Kamiennego Walenty-Wawel) sowie den in Ostoberschlesien liegenden Teilen von Oberbedarf, nämlich der Friedensgrube (jetzt Kopalnia Węgla Kamiennego Pokój), der Friedenshütte (jetzt Huta Pokój) sowie mehreren Eisenerzbergwerken. 1928 kamen noch die Baildon-Stahlwerke und das Bergwerk Eminenz (jetzt Kopalnia Węgla Kamiennego Gottwald) hinzu. Diese Neuerwerbungen sowie zahlreiche Investitionen führten zu einer völligen Überschuldung dieses Unternehmenszweiges.

In der Folge gründete Nikolaus von Ballestrem die Rudzkie Gwarectwo Węglowe (Rudaer Steinkohlengewerkschaft), in der er die Bergwerke Wawel-Walenty (Brandenburg, Wolfgang-Walenty und Graf Franz), Pokój und Gottwald (zunächst nur gepachtet) zusammengefasste. Diese Gewerkschaft verfügte über ein Kapital von 16 Millionen polnischen Złoty und gehörte zu 35 % den Ballestrems und zu 15 % dem Konzern Oberbedarf.<ref>Jerzy Jaros: Słownik historyczny. Artikel „Ballestrem“, S. 147 f.</ref> 1934 ließ der polnische Staat 52 % der Aktien durch die Bank Gospodarstwa Krajowego erwerben.

Die Zeit des Zweiten Weltkriegs

Während der NS-Zeit prosperierte Nikolaus Graf von Ballestrem zum Eigentümer des größten privaten Montanunternehmen in Oberschlesien. Der Konzern spielte während des Zweiten Weltkriegs eine bedeutende Rolle in der Rüstungsproduktion. Maßgeblich Anteil an dieser Entwicklung hatte Alfred Pott, der bereits ab 1938 als Generalbevollmächtigter und Generaldirektor des Ballestrem-Konzerns wirkte.<ref>Direktor Alfred Pott Ballestremsches Firmen- und Familienarchiv, abgerufen am 24. April 2026.</ref>

Um die Produktion den Anforderungen des Krieges anzupassen, strukturierte Pott den Konzern nach dem Vorbild der Vereinigte Stahlwerke AG um. Im Zuge der deutschen Besetzung Polens erfuhren einige der früheren Transaktionen eine Rückabwicklung. Ballestrem erhielt seinen Anteil an der Huta Pokój zurück. 1941 schloss er alle Besitzungen in West- und Ostoberschlesien wieder zusammen.<ref>Jerzy Jaros: Słownik historyczny: Artikel „Ballestrem“, S. 148.</ref> Zwei Jahre später erwarb der Konzern in Galizien mehrere Tagebaue des Steinkohlenbergwerks Siersza.<ref>Werner Röhr: Schwerindustrie. In: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte. Heft 4, Hrsg. Universität Köln, Köln 1991, S. 25.</ref> Der Ballestrem-Konzern betrieb zudem in Odertal O.S. einen Industriekomplex (Schaffgotsch-Benzin) zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe und war unter der Führung von Pott maßgeblich an der Oberschlesische Hydrierwerke AG in Blechhammer beteiligt.

Anfang Januar 1945 musste Nikolaus von Ballestrem Schloss Plawniowitz in Gleiwitz verlassen, um vor der heranrückenden Roten Armee zu fliehen. Einen Monat später starb er während der Luftangriffe auf Dresden.<ref>Klaus Ullmann, Elisabeth Kobbe-von Kennel: Schlesien-Lexikon. Für Alle, die Schlesien Lieben, 3. Auflage, In: Deutsche Landschaften im Lexikon, Band 2; Verlag Kraft, Mannheim 1982, ISBN 3-8083-1161-4, S. 30.</ref>

Nachkriegszeit

Oberschlesien gelangte nach Ende des Zweiten Weltkriegs vollständig unter polnische Verwaltung. Auf Grundlage der Bierut-Dekrete zog der polnische Staat das gesamte bewegliche und unbewegliche Eigentum von Personen deutscher Nationalität ein. Für die Ballestrems betraf das alle land- und forstwirtschaftliche Flächen, Industriebetriebe und sonstiges Vermögen, da sich ihr Besitz nahezu ausschließlich in Schlesien befand.

Die Familie Ballestrem war unter anderem Teil der Gruppierungen, die durch die Preußische Treuhand versuchten, Entschädigungen oder Rückgaben für verlorene Vermögenswerte zu erwirken. Im Jahr 2008 wies der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Beschwerden der Preußischen Treuhand gegen Polen (darunter auch die Fälle der Ballestrems) als unzulässig zurück. Das Gericht stellte fest, dass die Konvention keine Rechte auf Rückgabe von Eigentum vor der Ratifizierung durch den jeweiligen Staat umfasst und Polen nicht für die Vertreibungen 1945 haftbar gemacht werden könne.

Personen

Datei:Franz-Graf-Ballestrem.jpg
Graf Franz von Ballestrem (1834–1910), Montan-Industrieller und von 1898 bis 1906 Präsident des Reichstags

Wappen

Das Stammwappen zeigt in von Gold und Blau geteiltem Schild einen Satyr mit umgehängtem Köcher mit Pfeilen, in der Rechten einen Pfeil und in der Linken einen Bogen haltend. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein blau und rot bekleideter Arm, in der Hand einen Pfeil haltend. (Balestriere bedeutet auf Italienisch Armbrustschütze.)

Das gemehrte Wappen von 1798 ist geviert und belegt mit einem goldenen Herzschild, darin ein schwarz gekleideter Mann mit umgehängtem roten Köcher mit Pfeilen, in der Rechten einen aufwärts gekehrten roten, silbern befiederten Pfeil mit eiserner Spitze, in der Linken einen roten Bogen haltend. 1 und 4 in Silber ein gold gekrönter rechtsgekehrter schwarzer Adler, 2 und 3 in Rot ein silbernes dreitürmiges Kastell. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken eine von einem schräglinks aufwärts gestellten silbern befiederten roten Pfeil mit stählerner Spitze durchbohrte schwarze Taube.

Wahlspruch: Nulla me terrent (Nichts kann mich schrecken)

Siehe auch

Literatur

  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser auf das Jahr 1833. Justus Perthes, Gotha 1832. (Erstaufnahme. Redaktion und Druck jeweils im Vorjahr/Auszug):
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser auf das Jahr 1859. Justus Perthes, Gotha 1858, S. 50 f., ff.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1917. 90. Jg., Justus Perthes, Gotha 1916, S. 56 f.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 1941. 114. Jg., Justus Perthes, Gotha 1940, S. 22 ff.
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser B (Briedadel). 1953. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow et al., C. A. Starke Verlag, Glücksburg (Ostsee) 1953, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0435-2408|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

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  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band I, Band 53 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Walter von Hueck et al., C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1972, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0435-2408|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

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}}, S. 197.

  • Górnoślascy potentaci - dziedzictwo Ballestremów. Die oberschlesischen Großindustriellen-das Erbe der Ballestrem. Dom Współpracy Polsko-Niemieckiej, Gliwice 2008, Wyd. 2.
  • Gothaisches Genealogisches Handbuch. Gräfliche Häuser, Band 3, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Selbstverlag, Marburg (Lahn) 2022. ISBN 978-3-9820762-4-9.
Datei:Fenster St. Josef Wappen (Ruda O. S.).jpg
Fenster in der St.-Josefs-Kirche in Ruda O. S. Unter der Darstellung das Wappen der Grafen Ballestrem

Weitere Literatur

  • Jahrbuch für den Oberbergamtsbezirk Breslau. Phönix-Verlag, Kattowitz / Breslau / Berlin 1913. Digitalisat
  • Werner Röhr: Zur Rolle der Schwerindustrie im annektierten polnischen Oberschlesien für die Kriegswirtschaft Deutschlands von 1939 bis 1949. In: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte. Heft 4, Hrsg. Universität Köln, Köln 1991.
  • Jerzy Jaros: Słownik historyczny kopalń węgla na ziemiach polskich. Śląski Instytut Naukowy, Katowice 1984.
  • Kim Christian Priemel: Flick – Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0219-8.

Weblinks

Einzelnachweise

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