Inkolat
Das Inkolat (von lateinisch incolatus: „das Wohnen an einem Orte, besonders als Insasse (Fremder)“<ref>Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, Band 1, Spalte 1663</ref>) bezeichnete ursprünglich die Vergabe des Rechts an Untertanen eines fremden Gebietes, wie incolae, also einheimische Untertanen, Landbesitz zu erwerben und zu vererben.<ref>Karl Friedrich von Benekendorff: „Oeconomia Forensis oder kurzer Inbegriff derjenigen Landwirthschaftlichen Wahrheiten, welche allen sowohl hohen als niedrigen Gerichts-Personen zu wissen nöthig.“ Band 2. Joachim Pauli, Berlin 1776 (S. 210 ff).</ref> Dabei konnte es sich um Land nicht privilegierter („einfacher“) Bürger handeln oder solches von Adeligen, etwa landtäfliche Güter. Das Indigenat bezeichnete im Gegensatz dazu die angeborene Staatsbürgerschaft mit ihren Rechten.
Verfahren, Rechtsfolgen
Den Inkolat-Brief, die zugehörige Urkunde, vergab der Landesherr vor allem zur Sicherung der Machtstrukturen und Förderung der Wirtschaft, aber auch wegen persönlicher Verdienste des Begünstigten oder nach entsprechender Zahlung durch diesen. Zeitweise hatten auch einige durch den Landesherrn privilegierte Gemeinden das Recht, für ihren Bereich Landesfremde zu Bürgern zu erklären, so im Königreich Böhmen die Stadt Prag und einige andere „königliche Städte“.<ref name="Straubel 2010"/>
Das Recht zum Landerwerb wurde für Mitglieder des Adels bewusst anders als für „Bürgerliche“ gehandhabt. Denn ein Inkolat-Brief bedeutete nach Adelsrecht für landesfremde Adelige zugleich die Aufnahme in den einheimischen Adel („Naturalisierung“ als Untertan und „Inkorporierung“ in den Adel mit allen ständischen Rechten). Das betraf beispielsweise in den (alt)österreichischen und böhmischen Ländern und im Königreich Preußen die Aufnahme in den Herren- oder Ritterstand. So erläuterte Friedrich der Große in einer Ordre von 1755, das Inkolat berechtige Bürgerliche keineswegs zum Erwerb von weiteren Adelsgütern (Grundherrschaften), verstoße eine solche Auffassung doch gegen die königliche Intention über die „Konservation“ der adligen Familien. In Schlesien dürften daher Bürgerliche, ob mit oder ohne Inkolat, keine Adelsgüter mehr kaufen, es sei denn, der Monarch habe hierfür zuvor ausdrücklich seine Genehmigung erteilt.<ref name="Straubel 2010">{{#ifexist:Vorlage:bibISBN/{{#invoke:URIutil|plainISBN|9783830518426}} | {{bibISBN/{{#invoke:URIutil|plainISBN|9783830518426}}
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Die Vergabe von Inkolat-Rechten fand auch zur Steuerung und Förderung der Wirtschaft und des Handels statt. So gab Kurfürst Max III. Joseph von Bayern landesfremden Kaufleuten mit der Vergabe von Inkolat-Briefen das Recht, ihren Eigenbedarf an Lebensmitteln, Vieh oder Holz akzisfrei zu beziehen und auf den Märkten wie die Einheimischen Handel zu treiben.<ref>Michael Nadler: „Der besteuerte Genuss: Tabak und Finanzpolitik in Bayern 1669-1802“. In: Ausgabe 183 von „Miscellanea Bavarica Monacensia“, Herbert Utz Verlag, 2008, ISBN 9783831607648, S. 243</ref>
Außerdem wurden durch Inkolat-Vergaben auch damals regelungsbedürftige gesellschaftliche Situationen entschieden, die etwa dann entstanden, wenn ein Landesfremder eine Einheimische (ein „landesfähiges Weib“) heiratete, insbesondere, wenn es sich um eine Frau aus dem Adel mit landtagsfähigem Grundbesitz handelte.<ref name="Jaksch 1828">Peter Karl Jaksch: „Gesetzlexikon im Geistlichen-, Religions- und Toleranzfache: wie auch in Güter- Stiftungs- Studien und Zensursachen für das Königreich Böhmen von 1601 bis Ende 1800“, Band 3, Prag, 1828 {{#if: kkddAAAAcAAJ
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Entwicklung des Inkolat-Rechts
Im Königreich Böhmen entschieden die Stände (genauer die Vertretung des böhmischen Adels im Böhmischen Landtag) bis zum Dreißigjährigen Krieg allein über die Verleihung des Inkolats. Nach dem Scheitern des Ständeaufstands von 1618/19 behielt sich der König in der „Verneuerten Landesordnung“ von 1627 dieses Recht allein vor. Bezüglich des Grundbesitzes wurde es dort durch das bürgerliche Gesetzbuch von 1786 und das Patent von 1789 abgeschafft. Nunmehr konnten sowohl landtägliche als auch bürgerliche Güter durch Landesfremde und auch durch einheimische Bürgerliche „possediert“ werden.<ref name="Jaksch 1828"/> Auch im übrigen Europa wurden die anderen Rechte, die bisher durch Inkolate geregelt waren, nach und nach im Zuge der Reformen von 1848 und der Abkehr vom Ständestaat abgeschafft.
Das Indigenat betraf zunächst ähnliche Rechte wie das Inkolat, löste es in Deutschland im 19. Jahrhundert zunehmend ab<ref>Karsten Mertens: Das neue deutsche Staatsangehörigkeitsrecht: eine verfassungsrechtliche Untersuchung, Band 2 der Juristischen Reihe Tenea, Tenea Verlag Berlin, 2004, ISBN 9783865040831</ref> und gehört inzwischen mit abgewandeltem Inhalt zu den Rechten von Bürgern der Europäischen Union.<ref>Christoph Schönberger: Unionsbürger: Europas föderales Bürgerrecht in vergleichender Sicht, Band 145 von Ius Publicum: Beiträge zum Öffentlichen Recht, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0941-0503|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1
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Literatur
- Christian d’Elvert: Das Incolat, die Habilitirung zum Lande, die Erbhuldigung und der Intabulations-Zwang in Mähren und Oesterr.-Schlesien. In: Notizenblatt der historisch-statistischen Section der Kais. königl. mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde 1882, S. 17–18, 29–32, 47–48, 51–55.
- Arnold Luschin von Ebengreuth: Inkolat, Indigenat in den altösterreichischen Landen. In: Ernst Mischler/Joseph Ulbrich: Österreichisches Staatswörterbuch. 2. Band, Wien 1906, S. 886ff.
- Bohuslav von Rieger: Inkolat, Indigenat in Böhmen. In: Ernst Mischler/Joseph Ulbrich: Österreichisches Staatswörterbuch. 2. Band, Wien 1906, S. 896ff.
- Henning von Kopp-Colomb: Inigenat Homepage des Deutschen Adelsrechtsausschusses.
Weblinks
- Manfred Müller: Aufstieg in die höchsten Kreise Sächsische Zeitung 22. Mai 2017
Einzelnachweise
<references />