Reichstagspräsident (Deutschland)
Der Reichstagspräsident, auch Präsident des Reichstags, war der Vorsitzende des Reichstages im Norddeutschen Bund, im Kaiserreich und in der Weimarer Republik.
Norddeutscher Bund und Deutsches Kaiserreich
Wahl und Befugnisse des Reichstagspräsidenten waren nicht in der Verfassung geregelt (vergleiche Artikel 20 bis 31 der Reichsverfassung).
Der einzige Reichstagspräsident in der Zeit des Norddeutschen Bundes (1867–1870) war Eduard von Simson. Er hatte bereits der Frankfurter Nationalversammlung und dem Volkshaus des Unionsparlamentes vorgesessen.
Reichstagspräsidenten in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches waren:
- Eduard von Simson, 23. März 1871 – 9. Februar 1874<ref>Wiederwahlen am 20. April 1871, 19. Oktober 1871, 23. November 1871, 10. April 1872 und 13. März 1873. Quelle für diese und die folgenden Daten: http://www.reichstagsprotokolle.de</ref>
- Max von Forckenbeck (Nationalliberale), 9. Februar 1874 – 20. Mai 1879<ref>Wiederwahlen am 9. März 1874, 31. Oktober 1874, 19. November 1874, 28. Oktober 1875, 2. November 1876, 23. Februar 1877, 23. März 1877, 7. Februar 1878, 11. September 1878, 9. Oktober 1878 und 13. Februar 1879.</ref>
- Otto Theodor von Seydewitz (Konservative), 21. Mai 1879 – 13. Februar 1880
- Adolf von Arnim-Boitzenburg (Reichspartei), 13. Februar 1880 – 16. Februar 1881<ref>Wiederwahl am 16. Februar 1881, aber der Gewählte nahm die Wahl nicht an.</ref>
- Gustav Konrad Heinrich von Goßler (Deutschkonservative), 17. Februar – 19. November 1881
- Albert von Levetzow (Deutschkonservative), 19. November 1881 – 22. November 1884<ref>Wiederwahlen am 17. Dezember 1881, 28. April 1882, 29. August 1883 und 7. März 1884.</ref>
- Wilhelm von Wedell-Piesdorf (Deutschkonservative), 22. November 1884 – 23. November 1888<ref>Wiederwahlen am 18. Dezember 1884, 20. November 1885, 16. September 1886, 26. November 1886, 4. März 1887, 28. März 1887, 25. November 1887 und 25. Juni 1888.</ref>
- Albert von Levetzow (Deutschkonservative), 23. November 1888 – 4. Dezember 1895<ref>Wiederwahlen am 24. Oktober 1889, 7. Mai 1890, 10. Juni 1890, 23. November 1892, 5. Juli 1893, 17. November 1893 und 6. Dezember 1894.</ref>
- Rudolf von Buol-Berenberg (Zentrum), 4. Dezember 1895 – 7. Dezember 1898<ref>Wiederwahl am 1. Dezember 1897.</ref>
- Franz von Ballestrem (Zentrum), 7. Dezember 1898 – 20. Februar 1907<ref>Wiederwahlen am 10. Januar 1899, 15. November 1900, 29. Januar 1903, 4. Dezember 1903, 12. Januar 1904 und 29. November 1905.</ref>
- Udo zu Stolberg-Wernigerode (Deutschkonservative), 20. Februar 1907 – 19. Februar 1910 (†)<ref>Wiederwahl am 20. März 1907.</ref>
- Hans von Schwerin-Löwitz (Deutschkonservative), 1. März 1910 – 9. Februar 1912
- Peter Spahn (Zentrum), 9. – 10. Februar 1912 (Rücktritt)
- Johannes Kaempf (Freisinn), 14. Februar – 12. Oktober 1912 und 17. November 1912 – 25. Mai 1918 (†)<ref>Wiederwahl am 8. März 1912, Mandatsniederlegung am 12. Oktober 1912, Wiedereinzug bei Nachwahl am 5. November 1912, erneute Wahl am 27. November 1912, Wiederwahl am 4. August 1914.</ref>
- Constantin Fehrenbach (Zentrum), ab 8. Juni 1918<ref>Letzte Sitzung des Reichstags am 26. Oktober 1918, offiziell im Amt bis zur Konstituierung der Weimarer Nationalversammlung.</ref>
Die Geschäftsordnung des Reichstags sah vor, dass das Präsidium (ein Präsident und zwei, ab Juni 1918 drei Vizepräsidenten) nicht nur zu Beginn einer Wahlperiode, sondern zu Beginn jeder Session gewählt werden sollte; zusätzlich sollte das Präsidium am Beginn der Wahlperiode vier Wochen nach einer provisorischen Wahl für den Rest der ersten Session bestätigt werden. Die Wahlen fanden häufig per Akklamation ohne formale Abstimmung statt.
Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus
Während der Weimarer Republik wurde der Reichstagspräsident gemäß Art. 26 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) vom Reichstag gewählt. Nach Art. 28 WRV übte er im Reichstagsgebäude Hausrecht und Polizeigewalt aus. Er war verantwortlich für die Verwaltung und den Haushalt des Reichstags und vertrat das Reich in diesen Angelegenheiten auch nach außen.
Während die vorgenannten Artikel nur von dem Präsidenten handelten, sprach Art. 40a WRV von dem Präsidenten des Reichstags. Hier wurden die Vorschriften über Immunität, Indemnität und Zeugnisverweigerungsrechte für auf den Reichstagspräsidenten entsprechend anwendbar erklärt.
Reichstagspräsidenten waren zu dieser Zeit:
- Paul Löbe (SPD), 1920–1924
- Max Wallraf (DNVP), 1924–1925
- Paul Löbe (SPD), 1925–1932
- Hermann Göring (NSDAP), 1932–1945
Der größte Teil der Amtszeit Görings fällt in die Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945). Schon die Wahl vom März 1933 war nur bedingt frei, erst recht nicht die vom November desselben Jahres.
Siehe auch
- Präsident des Deutschen Bundestages
- Volkskammer#Präsidenten der Volkskammer
- Landtagspräsident (Deutschland)
Weblinks
Einzelnachweise
<references />