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Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Eglisau–Neuhausen (CH)
Datei:Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen.png
Streckenverlauf
Streckennummer (BAV):770
Fahrplanfeld:760
Streckenlänge:17,88 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 13 
Zweigleisigkeit:Hüntwangen-Wil–Rafz,
Jestetten Süd–Fischerhölzli
<templatestyles src="BS/styles.css" />
von Winterthur
22,25 Eglisau 390,2 m
nach Koblenz
Rheinbrücke Eglisau (440 m)
23,60 Hüntwangen-Wil 393,2 m
27,04 Rafz 423,5 m
Lottstetten Süd (geplant)
29,30 Landesgrenze CH-D
30,16 Lottstetten 448,3 m
32,40 Jestetten Süd 438,1 m
34,33 Jestetten 437,9 m
36,42 Altenburg-Rheinau 428,0 m
37,50 Landesgrenze D-CH
37,73 Fischerhölzli 415,8 m
Fischerhölzli (112 m)
Schweizerhof II (84 m)
Schweizerhof I (82 m)
39,0 Neuhausen Rheinfall 402 m
Neuhausen (144 m)
von Winterthur
40,13 Neuhausen 397,2 m
nach Schaffhausen

Die Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen ist eine grenzüberschreitende Eisenbahnstrecke in der Schweiz und in Deutschland. Sie führt von Eglisau im Kanton Zürich über Baden-Württemberg nach Neuhausen im Kanton Schaffhausen.

Die Strecke wurde 1897 von der Schweizerischen Nordostbahn in Betrieb genommen und mit deren Verstaatlichung 1902 von den Schweizerischen Bundesbahnen übernommen. Als Teil der kürzesten Verbindung zwischen Zürich und Schaffhausen sowie zwischen Zürich und Stuttgart erhielt sie eine große Bedeutung im Schweizer Binnenverkehr sowie im internationalen Fernverkehr. Die Strecke wurde 1928 elektrifiziert und ab 2009 abschnittsweise auf Doppelspur ausgebaut.

Infrastrukturbetreiberin sind die Schweizerischen Bundesbahnen.

Geschichte

Planung, Bau und Eröffnung

Schaffhausen ist bereits seit 1857 mit dem Schweizerischen Eisenbahnnetz verbunden, die damals eröffnete Rheinfallbahn führt jedoch über Winterthur. Weil diese vor allem als Gotthardzubringer nicht mehr den Bedürfnissen entsprach, beschloss die Schweizerische Nordostbahn den Bau einer direkteren Strecke. Da diese bei Jestetten und Lottstetten über deutsches Gebiet führt, wurde am 21. Mai 1875 zwischen der Schweiz und dem Grossherzogtum Baden ein Staatsvertrag abgeschlossen, welcher den Bau und Betrieb regelt.<ref>Staatsvertrag zwischen der Schweiz und dem Grossherzogtum Baden betreffend die Verbindung der beiderseitigen Eisenbahnen bei Schaffhausen und bei Stühlingen Transkript auf Fedlex.</ref>

Die Strecke wurde am 1. Juni 1897 von der Schweizerischen Nordostbahn als letzter Abschnitt der Relation ZürichBülachSchaffhausen eröffnet.<ref>Ottokar Krodym: Von Eglisau nach Schaffhausen. In: Die Schweiz: schweizerische illustrierte Zeitschrift. Band 1. Verlag des Polygraphischen Instituts, Zürich 1897, S. 195−198, doi:10.5169/seals-572958.</ref>

Der Abschnitt Eglisau–Bülach der bereits am 1. August 1876 eröffneten Bahnstrecke Winterthur–Koblenz wurde im Zusammenhang mit dem Bahnbau nach Schaffhausen auf Doppelspur ausgebaut.

Elektrifikation

Am 15. Dezember 1928 wurde der elektrische Betrieb mit 15'000 Volt und 16,7 Hz zwischen Zürich und Schaffhausen aufgenommen.

Doppelspurausbau

Zwischen Hüntwangen-Wil und Rafz wurde die Strecke ab dem 29. Mai 2009 auf Doppelspur ausgebaut<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hüntwangen - Rafz. (Memento vom 14. Dezember 2013 im Internet Archive) Bundesamt für Verkehr.</ref> und die Doppelspur im Dezember 2010 in Betrieb genommen. Zwischen Jestetten und Neuhausen endete gleichzeitig aufgrund der geringen Nutzung von werktäglich rund 100 Ein- und Aussteigern und allenfalls nötigen Kosten für Perronverlängerungen die Bedienung von Altenburg-Rheinau.<ref>Andrea Söldi: Ab Sonntag brausen die Züge hier vorbei. In: Tages-Anzeiger Zuerich, 12. Oktober 2010.</ref> In diesem Streckenabschnitt wurde stattdessen im Dezember 2015 die Haltestelle Neuhausen Rheinfall in Betrieb genommen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Neue Haltestelle Neuhausen Rheinfall. (Memento vom 29. November 2020 im Internet Archive) (PDF; 174 kB) Schweizerische Bundesbahnen, 2014.</ref><ref>Neue SBB-Bahnhaltestelle "Neuhausen Rheinfall" mit Liftverbindung zum Rheinfallgebiet. Koordinationsstelle Öffentlicher Verkehr Kanton Schaffhausen, 22. Oktober 2018.</ref> 2012 erfolgte die Inbetriebnahme der Doppelspur Jestetten Süd–Fischerhölzli.<ref name="bahnaktuell" />

Für den Doppelspurausbau Lottstetten Süd–Jestetten Süd war Mitte 2025 die Auslegung im Planfeststellungsverfahren bzw. die Auflage für den kurzen Schweizer Abschnitt im Plangenehmigungsverfahren.<ref>Doppelspurausbau Lottstetten – Jestetten Süd inkl. Bahnsteig Lottstetten. Regierungspräsidium Freiburg, 2025, abgerufen am 2. August 2025.</ref><ref>AS35 Lottstetten – Jestetten Süd, Doppelspurausbau inkl. Perronkante Lottstetten Kantone/Land: Zürich Schweiz (und Baden-Württemberg Deutschland) Gemeinden Rafz (CH), Lottstetten und Jestetten (Deutschland). Kanton Zürich, 2025, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Juni 2025; abgerufen am 4. August 2025.</ref> Die Schweizerischen Bundesbahnen planten dabei mit einer rund vierjährigen Bauzeit mit dem Baustart Januar 2027 Die Kategorie:Wikipedia:Veraltet nach Januar 2027 existiert noch nicht. Lege sie mit folgendem Text {{Zukunftskategorie|2027|1}} an. und der Inbetriebnahme Dezember 2030.<ref>Matthias Reinhardt, Martin Wüst: STEP AS35 Lottstetten-Jestetten Erläuterungsbericht. Schweizerische Bundesbahnen, 28. Februar 2025, S. 53, 54 (landbw.de [PDF; 1,7 MB; abgerufen am 4. August 2025]).</ref> Die über den Ausbauschritt 2035 des Bundes finanzierten Gesamtkosten wurden auf rund 180 Millionen Franken geschätzt.<ref>Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten. Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 1. August 2025.</ref>

Die übrigen Abschnitte bleiben vor allem wegen ihrer Kunstbauten einspurig, da bei diesen ein Ausbau sehr aufwändig wäre.

Unfall

Am 20. Februar 2015 kollidierten im Bahnhof Rafz bei gestörter Betriebslage zwei Züge bei einer Flankenfahrt. Ein durchfahrender InterRegio-Zug Zürich–Schaffhausen fuhr seitlich in einen S-Bahn-Triebzug, der von Rafz nach Schaffhausen unterwegs war und trotz des Halt zeigenden Signals losgefahren war. Sechs Personen wurden verletzt, der als Ausbilder tätige Lokomotivführer des Interregios schwer. Wegen einer Lücke im Zugbeeinflussungssystem ZUB konnte dieses den Zusammenstoss nicht verhindern.<ref>Walter von Andrian, Fabian Scheeder: Die Kollision in Rafz. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4. Minirex, 2015, ISSN 1022-7113, S. 170–174.</ref>

Streckenbeschreibung

Datei:Rheinfall Bruecken Schweizerhof.jpg
Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen (oben) und Rheinfallbahn (unten) bei Neuhausen

Die Bahnstrecke zweigt in Eglisau von der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz ab. Auf der 440 Meter langen Eglisauer Brücke wird der Rhein überquert. Anschliessend folgen die beiden Bahnhöfe Hüntwangen-Wil und Rafz. Danach folgen die drei auf deutschem Gebiet liegenden Bahnhöfe Lottstetten, Jestetten und Altenburg-Rheinau, wobei die Station Altenburg-Rheinau aufgegeben wurde. Wieder auf schweizerischem Staatsgebiet waren dem nördlichen Rheinufer folgend vier grössere Kunstbauten notwendig: der 112 Meter lange Fischerhölzli-Tunnel, die 84 Meter lange Brücke Schweizerhof II, die 82 Meter lange Brücke Schweizerhof I und der 144 Meter lange Neuhausen-Tunnel. In Neuhausen mündet die Strecke in die Rheinfallbahn.

Bei der Streckenkilometrierung wurde die Kilometrierung der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz mit dem Nullpunkt im Bahnhof Winterthur fortgesetzt.

Betrieb

Datei:SBB Re 460 mit EW IV-Pendel auf der Rheinbrücke bei Eglisau.jpg
InterCity auf der Rheinbrücke Eglisau

Die Strecke unterliegt den schweizerischen Bahnbetriebsvorschriften und dem Schweizer Binnentarif. Auf dem Abschnitt Schaffhausen–Lottstetten gelten auch die Freifahrt mit dem deutschen Schwerbehindertenausweis und das Deutschlandticket.<ref>Geltungsbereich des Deutschland-Tickets für den Schienenverkehr. (PDF; 213 kB) DB Fernverkehr, 21. Dezember 2023, S. 10, abgerufen am 9. August 2025.</ref><ref>Strecke Schaffhausen (Schweiz) — Lottstetten (Deutschland). In: ÖPNV-Info.</ref>

Die Strecke wird im Fernverkehr seit dem Fahrplanwechsel vom 9. Dezember 2012<ref name="bahnaktuell">Schaffhausen – Zürich: Fernverkehr neu im Halbstundentakt. In: Bahn-Nachrichtenarchiv. Gerd Maron, 8. Dezember 2012, abgerufen am 9. August 2025.</ref> im Halbstundentakt bedient.<ref name="erl 5">Matthias Reinhardt, Martin Wüst: STEP AS35 Lottstetten-Jestetten Erläuterungsbericht. Schweizerische Bundesbahnen, 28. Februar 2025, S. 5 (landbw.de [PDF; 1,7 MB; abgerufen am 4. August 2025]).</ref> Dabei verkehren jeweils stündlich folgende Linien:

Der Nahverkehr besteht aus der stündlich über die Gesamtstrecke verkehrenden Linie S 9 der S-Bahn Zürich, die zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends auf einen Halbstundentakt verdichtet wird,<ref name="erl 5" /> und der Linie S 65 der S-Bahn Schaffhausen außerhalb der Hauptverkehrszeiten stündlich verkehrt und abschnittsweise einen Halbstundentakt herstellt.

Im Ausbauschritt 2035 ist ein systematischer Halbstundentakt der S-Bahn vorgesehen.<ref name="erl 5" />

Im durchgehenden Güterverkehr sind ganztägig zwei Trassen pro Stunde und Richtung zwischen Rangierbahnhof Limmattal und Schaffhausen Güterbahnhof geplant. Für die Hauptverkehrzeit-Verstärker werden eigentlich für den Güterverkehr vorgesehene Fahrplantrassen von S-Bahn-Zügen genutzt und somit die Leistungsfähigkeit und Flexibilität des Güterverkehrs erheblich eingeschränkt.<ref name="erl 5" /> Transitgüterzüge ab Kornwestheim Rangierbahnhof über die Gotthardbahn nutzen diese Trassen. Zusätzlich generieren die Kieswerke im Rafzerfeld von zahlreichen Anschlussgleisen zwischen Hüntwangen und Rafz ein grosses Schienenverkehrsaufkommen durch Versand von Kies per Bahn und Auffüllen der abgebauten Kiesgruben mit Aushubmaterial von Grossbaustellen im gesamten Kanton Zürich in Blockzügen.

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.

Weblinks

Commons: Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />