Alexander Schuke Potsdam Orgelbau
| Alexander Schuke Potsdam Orgelbau | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1820 |
| Sitz | Werder (Havel) |
| Leitung | Michael und Johannes Schuke |
| Mitarbeiterzahl | 23 |
| Branche | Musikinstrumentenbau |
| Website | www.schuke.de |
Die Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH ist ein 1820 gegründetes deutsches Orgelbauunternehmen aus Potsdam.
Geschichte
Der Orgelbauer Gottlieb Heise gründete das Unternehmen 1820 in Potsdam, er ließ auf dem Innenhof eines Wohnkomplexes im Holländerviertel eine Werkstatt errichten.<ref name="Vorväter">Torsten Müller: Orgelpfeifen nach den Regeln der Vorväter. In: Berliner Zeitung, 23. Dezember 2017, S. 20.</ref> Im Jahr 1848 übernahm sein Schüler Carl Ludwig Gesell die Firmenleitung, zunächst zusammen mit Gustav Schulz, der sich aber bald selbstständig machte. Ab 1868 übernahm der Sohn Carl Eduard Gesell die Führung. Als dieser 1894 kinderlos starb, kaufte Alexander Schuke das Unternehmen und machte es in der Folgezeit zu einer der bekanntesten brandenburgischen Orgelbaufirmen.<ref name="Brandenburg" /> Nach seinem Tod 1933 leiteten die beiden Söhne, Karl Ludwig Schuke und Hans-Joachim Schuke, das Unternehmen gemeinsam.<ref name="Fischer">Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister. 1991, S. 301.</ref>
Hans-Joachim Schuke geriet im Zweiten Weltkrieg in sowjetische Kriegsgefangenschaft.<ref>Cathédrale évangélique Sainte-Catherine et Saint-Maurice, de Magdeburg (Allemagne). Abgerufen am 7. Februar 2024.</ref> 1950 entschieden die beiden Brüder, in Berlin eine zweite Orgelbauwerkstatt zu gründen. Die damalige politische und wirtschaftliche Situation im Nachkriegs-Deutschland ließ es ratsam erscheinen, im Fall sich wirtschaftlich weiter einengender Verhältnisse eine betriebsbereite Arbeitsmöglichkeit im Westteil Berlins zu schaffen. Hans-Joachim Schuke führte die Potsdamer Firma, die in Privathand blieb, allein weiter. Karl Schuke nahm mit seinem Umzug 1953 nach Berlin die Gelegenheit wahr, die Berliner Werkstatt vom Potsdamer Betrieb zu trennen und führte sie unter dem Namen Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt GmbH weiter. 1972 wurde das Unternehmen in der DDR enteignet und als VEB Potsdamer Schuke-Orgelbau weitergeführt. Orgelbaumeister Matthias Schuke, seit 1974 Mitarbeiter, reprivatisierte 1990 im Zuge der ökonomischen und politischen Wende das Unternehmen erfolgreich und war seitdem Inhaber und Geschäftsführer. Im Januar 2004 bezog das Unternehmen ein neues Werkstattgebäude in der Otto-Lilienthal-Straße 33 in den Havelauen in Werder (Havel).<ref name="Brandenburg">Orgelbauer. orgellandschaftbrandenburg.de; abgerufen am 17. Juli 2018.</ref>
Schuke erhielt wichtige Aufträge für den Neubau von Orgeln für den Dom zu Erfurt, den Dom zu Magdeburg, den Dom zu Kaliningrad und auch für den Dom zu Zamora in Mexiko.<ref name="Vorväter" /> Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Unternehmen zu einer der führenden deutschen Orgelbaufirmen mit weltweitem Ruf.<ref>Wolf Bergelt: Orgelreisen durch die Mark Brandenburg. Freimut & Selbst, Berlin 2005, ISBN 3-7431-5217-7, S. 239 eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref>
Wegen Schwierigkeiten bei der Auslieferung von Orgelneubauten in die Ukraine und nach Russland sowie durch Zahlungsausfälle aus diesen Ländern wegen der Wirtschaftssanktionen gegen Russland musste die Firma im November 2014 Insolvenz anmelden.<ref>Traditionsunternehmen in Potsdam. Orgelbauer meldet Insolvenz an. tagesspiegel.de, 15. November 2014, abgerufen am 17. Juli 2018.</ref> Aus Solidarität mit der traditionsreichen Orgelbaufirma zogen einige Kunden geplante Aufträge vor. Hilfreich war ein chinesischer Kunstliebhaber, der das fertige Instrument für ein russisches Edelhotel aufkaufte und zusätzlich ein kleineres Exemplar für die Ausbildung von Musikstudenten in Shanghai bestellte.<ref name="Vorväter" /> Im Januar 2017 nahm das Potsdamer Amtsgericht den Insolvenzplan einstimmig an, sodass die Insolvenz abgewendet und das Unternehmen gerettet wurde.<ref>Orgelbauer Schuke gerettet. Welt Online, 19. Januar 2017; abgerufen am 17. Juli 2018.</ref> Ende Oktober 2017 kündigte Matthias Schuke an, die Firma schrittweise an seine Söhne Johannes (* 1985) und Michael (* 1989) zu übergeben.<ref>Luise Fröhlich: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Orgelbauen bleibt in der Familie ( vom 7. November 2017 im Internet Archive) MAZ-online, 27. Oktober 2017, abgerufen am 17. Juli 2018.</ref> Im Oktober 2018 übernahmen Johannes und Michael Schuke die Geschäftsführung des Traditionsunternehmens in vierter Generation. Im November 2018 erhielten sie einen Großauftrag zur Restaurierung und Erweiterung der Orgel in der Kirche St. Katharinen in Brandenburg an der Havel. Die unter Denkmalschutz stehende Hauptorgel hatte Schuke schon 1936 umgebaut.<ref>Generationswechsel beim Orgelbau Schuke. MAZ-online. 14. Dezember 2018, abgerufen am 5. Februar 2020.</ref><ref>Enrico Bellin: Rekord-Auftrag für Orgelbauer Schuke. Potsdamer Neueste Nachrichten. 6. November 2018, abgerufen am 5. Januar 2020.</ref>
Werk
Alexander Schuke baute zunächst die Kegellade, die er bei seinem Lehrmeister Eduard Gesell kennengelernt hatte. In solider Konstruktion verband er diese Technik mit der Röhrenpneumatik. Bald entwickelte sich die Firma neben Dinse und Sauer zu einem der führenden Orgelbauunternehmen in Brandenburg.<ref name="Fischer" /> Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die elektrische Traktur standardmäßig eingeführt. Infolge der Orgelreformbewegungen unter Albert Schweitzer und Hans Henny Jahnn orientierte Schuke sich wieder an den Prinzipien des klassischen Orgelbaus und kehrte zur mechanischen Schleiflade zurück. Ende der 1950er Jahre wurden die ersten Restaurierungen historischer Instrumente durchgeführt. Inzwischen ist das Unternehmen durch bedeutende Restaurierungen hervorgetreten, so bei der Scherer-Orgel in Tangermünde (1624) und den Wagner-Orgeln in Brandenburg an der Havel (1725) und Angermünde (1744).<ref name="Brandenburg" />
In Zusammenarbeit mit Schuke entwickelt die Universität Potsdam Messverfahren, mit denen die originalgetreue Klanggebung historischer Orgelpfeifen ermittelt werden kann.<ref>Steffen Uhlmann: Luftige Forschung gegen schräge Töne. Seit Jahrhunderten versuchen Hersteller das Mysterium Orgelwind aufzuklären – der Firma Schuke in Potsdam ist es mithilfe der Wissenschaft gelungen. In: Süddeutsche Zeitung, 3. Januar 2013.</ref>
Musikwissenschaftler schätzen den „romantischen und symphonischen Klang“ der Schukeorgeln, der auf die sorgfältige Auswahl des Pfeifenmaterials und seiner Verarbeitung in eigener Werkstatt zurückgeführt wird. Im Gegensatz zur typischen Entwicklung im Orgelbau verwenden die Schukes Blei und Zinn zusammen mit den im Rohmaterial enthaltenen Spurenelementen, was zu hoher Stabilität und Beständigkeit führt.<ref name="Vorväter" />
Die Opus-Liste umfasst 630 Orgelneubauten zwischen 1895 und 2024. Hinzu kommen mehr als 60 Restaurierungen (Stand Ende 2017), deren Anteil seit dem Ende der 1990er Jahre stark zugenommen hat, sowie etliche Umbauten und Erweiterungen bestehender Werke.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Alexander Schuke Orgelbau Werkverzeichnis ( vom 28. Mai 2016 im Internet Archive; PDF; 4,9 MB) schuke.de; abgerufen am 17. Juli 2018.</ref><ref name="Vorväter" />
Werkliste
Folgende Aufstellung der Werke erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Liste umfasst Neubauten und Restaurierungen. Die Größe der Instrumente wird durch die Anzahl der Manuale (6. Spalte) und die Anzahl der klingenden Register (7. Spalte) angezeigt. „P“ steht für ein selbstständiges Pedal. Kursivschreibung zeigt an, dass die Orgel nicht mehr oder nur noch der Prospekt erhalten ist. Die letzte Spalte bietet Angaben zum Erhaltungszustand und zu Besonderheiten sowie Links mit weiterführender Information.
Siehe auch
Literatur
- Hermann Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister. Orgelbau-Fachverlag, Lauffen 1991, ISBN 3-921848-18-0.
- Hannes Ludwig: Orgelhandbuch Brandenburg. Band 1: Uckermark (Westteil). Freimut & Selbst, Berlin 2005, ISBN 3-9805293-7-1.
- Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH: 100 Jahre Alexander Schuke Orgelbau in Potsdam. Thomasius, Schwerin 1994.
- Matthias Schuke: Alexander Schuke Potsdam, Orgelbau GmbH. In: Thüringer Orgeljournal. 1995, S. 58–60.
Weblinks
- Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH. Website
- Michael Burkner: Orgelbaufirma Alexander Schuke – Orgeln für West und Ost, Unternehmens-Porträt, veröffentlicht auf www.aussicht.online, 20. Juni 2025, abgerufen am 26. November 2025; parallel Print-Veröffentlichung mit selbem Titel in Tag des Herrn, Nr. 13 / 2025, 22. Juni 2025
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Werkverzeichnis. ( vom 15. Januar 2016 im Internet Archive; PDF; 5 MB) Schuke Orgelbau, S. 25–44. Das Verzeichnis enthält mit Angabe der Manuale, Register und Pedale sämtliche Neubauten, Umbauten und Reparaturen seit 1820, also auch die Heise- und Gesell-Orgeln.
- Orgel-Verzeichnis Schmidt: Alexander Schuke Orgelbau Potsdam
- Schuke Orgdatabase, 750 Orgeln (niederländisch, deutsch)
- Orgelbauer Institut für Orgelforschung
- Organ index: Alexander Schuke Potsdam Orgelbau
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 52° 23′ 54″ N, 12° 54′ 48,4″ O
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