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Johann Michael Röder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Breslau Röder-Orgel.jpg
Röder-Orgel in Breslau, zeitgenössischer Stich

Johann Michael Röder war ein deutscher Orgelbauer in Berlin und Schlesien aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er war ein Schüler von Arp Schnitger.

Biografie

Geburts- und Todesjahr Röders sind unbekannt. Er ging als Tischlergeselle vier Jahre bei Schnitger in die Lehre. Vincent Lübeck bezeichnete ihn 1712 in einem Brief an den Tangermünder Rat als „Großsprecher“, der „den Herrn Schnitger sehr verläumdet und verachtet“.<ref>Fock: Arp Schnitger, S. 212.</ref> In Röders Werken ist der Einfluss seines Lehrmeisters deutlich zu vernehmen, er ging jedoch in der äußeren Gestaltung der Orgeln eigene Wege und entfernte sich weiter von Schnitger als alle seiner Schüler. So gab er das Werkprinzip auf, verzichtete auf ein Rückpositiv und baute den Prospekt eher flächig. Seine besonderen technischen Fertigkeiten trugen ihm den Namen „Mechanicus“ ein und führten zu allerlei spätbarocken Spielereien, wie Pauken schlagende Engel, Adler, Ordenssterne, Sonnen und anderes.<ref>Fock: Röder, S. 607.</ref>

Der Opernsänger Johann Mattheson äußerte sich über Röders Orgel in Breslau positiv<ref>Mattheson: Grundlage, S. 141.</ref>:

„Alle Kaiser, Könige und Fürsten müßten sich darüber verwundern, wenn sie den Kupferstich davon sähen und bestehet dies. aus 56 klangbaren St.: 4 Principalen, als eines a 32, eines a 16 und zwey a 8 Fuß, einem Glockenspiele, welches durch die in der Gloria sich bewegende Engel mit ihren in Händen habenden Hämmern mit Hülfe des Ped. tractirt wird, wie auch einem Paar küpferner (sichtbarer) Pauken, worauf gleichfalls zween Engel alles, was man auf natürlichen Pauken haben kann, mit ihren Schlägeln vollkommen prästiren und mit dem Trompetenzuge so wohl Intraden als Aufzüge dazu gespielet werden können.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Johann Mattheson

Werkliste (Auswahl)

Von Johann Michael Röder sind Orgelneubauten in Brandenburg und Schlesien bekannt. Einige sind teilweise erhalten. Vollständig verlorene Instrumente sind kursiv gesetzt.

Orgelneubauten

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1713 Berlin Alte Garnisonkirche II/P 23 1724 in die Potsdamer Kirche St. Nikolai überführt; 1795 verbrannt
1716 Sydow bei Bernau Dorfkirche I 8 Positiv, später durch Lütkemüller ersetzt<ref>Karl Richter: Orgelhandbuch Brandenburg. Band 3. Barnim. Freimut & Selbst, Berlin 2014, auch Einleitung Barnim Institut für Orgelforschung, mit Disposition, nach Pfarrarchiv Grüntal, Orgelakten</ref>
1717 Berlin-Dorotheenstadt Dorotheenstädtische Kirche Datei:20030707230DR Wesenberg (Mecklenburg) Marienkirche zur Orgel.jpg I/P 19 1833 in die Stadtkirche Wesenberg überführt, später mehrfach umdisponiert; Prospekt, Windladen und Pfeifen aus 4 Registern erhalten → Orgel<ref>Orgel in Wesenberg, Mecklenburgisches Orgelmuseum, mit Foto, Geschichte und Disposition, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref>
1720 Berlin Alte Schloss- und Domkirche II/P 32 nicht erhalten<ref>Orgel in Berlin, Orgeldatabase, mit Disposition (niederländisch).</ref>
1720–1722 Crossen (Krosno) St. Marien, heute St. Hedwig III/P 55 Prospekt erhalten, darin 1930 Neubau von Sauer<ref>Orgel in Crossen, Musicam Sacram (polnisch).</ref><ref>Sauer-Orgel in Crossen, organy.pro (polnisch).</ref><ref>Foto des Crossener Orgelprospektes, fotopolska, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref>
1721–1725 Breslau Magdalenenkirche
Datei:Breslau Röder-Orgel.jpg
III/P 56 Unter Wiederverwendung der Pfeifen der von Martin Scheuffler gebauten Vorgängerorgel baute Röder die große Pfeifenorgel, die das Hauptschiff schmückt.<ref>Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler. Bd. 4. A. Kühnel, Leipzig 1812, S. 55.</ref> Im Zuge eines Orgelneubaus in den Jahren 1889–1891 wurde die Röder-Orgel entfernt, der Prospekt kam ins Schlesische Museum Katowice und ging nach dem Zweiten Weltkrieg verloren.
1726–1729 Hirschberg (Jelenia Góra) Gnadenkirche, heute Kreuzerhöhungskirche Datei:Hirschberg-Gnadenkirche-1.jpg III/P 50 Prospekt und ca. 40 komplette Register erhalten, 1905 baute Schlag & Söhne die Orgel pneumatisch um und erweiterte die Disposition auf 70 Register, in dieser Form ist die Orgel komplett erhalten und 1998 restauriert<ref>Orgel in Hirschberg, Orgeldatabase, Geschichte, Orgelbeschreibung sowie aktuelle Disposition (niederländisch), abgerufen am 8. Januar 2019.</ref><ref>Kupferstich der Hirschberger Orgel, fotopolska, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref><ref>Orgel in Hirschberg, Wirtualne Centrum Organowe, mit Geschichte und aktueller Disposition (polnisch).</ref>
1729–1730 Großburg (Borek Strzeliński) Dorfkirche II/P 22 Prospekt erhalten<ref>Orgel in Großburg/Borek Strzelinski. Abgerufen am 14. August 2025.</ref>
1733–1737 Liegnitz (Legnica) Ev. Marienkirche (Liebfrauenkirche)
Datei:Organy w kościele Mariackim w Legnicy.JPG
II/P 34 1914 Neubau von Friedrich Weigle bei Erhalt von 5 Registern, danach Umbauten und Restaurierungen, Prospekt und einige Pfeifen erhalten.<ref>Orgel in Liegnitz mit Disposition.</ref><ref>Heutige Orgel in Liegnitz, Musicam Sacram, mit Geschichte und Foto (polnisch).</ref>
1740 Burg Stargard Reformierte Kirche I/P 29 nicht erhalten<ref>Orgel in Burg Stargard, Orgeldatabase, mit Disposition (niederländisch); eine reformierte Kirche gibt es offenbar in Burg Stargard nicht mehr, auch das Mecklenburgische Orgelinventar erwähnt keine solche Kirche mit Orgel.</ref>
1742 Greiffenberg Dorfkirche Datei:Interior of Marienkirche (Prenzlau) 03.jpg I/P 7 (oder 13?) Zuschreibung, 1842 Umbau durch Morgenstern, (I/P, 13), 1967 Restaurierung durch Schuke auf I/P/12<ref>Hannes Ludwig: Orgelhandbuch Brandenburg. Band 2. Uckermark (Ostteil). Freimut und Selbst, Berlin 2008, die Zuschreibung erfolgte durch Wolf Bergelt in den 1980er Jahren</ref><ref>Geschichte der Orgel in Greiffenberg, Orgeldatabase (niederländisch).</ref>
1743–1744 Prenzlau Heilig-Geist-Kapelle
Datei:Berlin-Pankow, Schlosskirche Buch, Orgel (2).jpg
I/P 15 für 400 Taler, um 1899 umgesetzt, heute Gehäuse in Schlosskirche Buch<ref>Sanierung der Heilig-Geist-Kirche in Prenzlau, 2012, nach Joachim Theil, Chronik</ref>
1745 Prenzlau Marienkirche II/P 20 1847 ersetzt durch Buchholz-Orgel, diese 1945 zerstört
1746 Groß Schönebeck Dorfkirche
Datei:Scholtze-Orgel Groß Schönebeck.jpg
I/P 12 Neubau-Angebot von Joachim Wagner von 1746 nicht umgesetzt, im selben Jahr Vertragsabschluss mit Röder, der offenbar danach zurücktrat (oder starb), 1749 fertiggestellt von Gottlieb Scholtze, danach mehrere Umbauten, Gehäuse und einige Teile der Barockorgel erhalten<ref>Orgel in Groß Schönebeck, Institut für Orgelforschung.</ref>

Weitere Arbeiten und Angebote

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1708 Bernau St. Marien Angebot zu Reparatur und Umbau der Scherer-Orgel von 1572 (III/P, 41), nicht berücksichtigt, dafür von Arp Schnitger durchgeführt<ref>Uwe Pape: Röder, Johann Michael. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 14 (Riccati – Schönstein). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2005, ISBN 3-7618-1134-9 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)</ref>
1711–1716 Tangermünde St. Stephan Datei:Stephanskirche Tangermünde Innen 02.jpg III/P 32 Reparatur und Umbau der Orgel von Hans Scherer d. Ä. (1624); diese zur Hälfte erhalten → Orgel

Literatur

  • Ludwig Burgemeister: Der Orgelbau in Schlesien. Wolfgang Weidlich, Frankfurt am Main 1973, S. 251–256.
  • Gustav Fock: Arp Schnitger und seine Schule. Ein Beitrag zur Geschichte des Orgelbaues im Nord- und Ostseeküstengebiet. Bärenreiter, Kassel 1974, ISBN 3-7618-0261-7, S. 211–213.
  • Gustav Fock: Röder, Johann Michael. In: Friedrich Blume (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Erste Ausgabe, Band 11 (Rasch – Schnyder von Wartensee). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1963, DNB 550439609, Sp. 606–608
  • Johann Mattheson: Grundlage einer Ehrenpforte. Bärenreiter, Kassel 1969 (Nachdruck der Ausgabe Liepmannssohn, Berlin 1910).
  • Uwe Pape: Röder, Johann Michael. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 14 (Riccati – Schönstein). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2005, ISBN 3-7618-1134-9 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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