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Grüntal (Sydower Fließ)

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Grüntal
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(458)&title=Gr%C3%BCntal 52° 44′ N, 13° 43′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(458) 52° 44′ 29″ N, 13° 43′ 14″ O
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Höhe: 65 m
Fläche: 18,4 km²
Einwohner: 458 (2006)<ref>Einwohnerzahlen insgesamt im Amt Biesenthal – Barnim von 1992 - 2006. (PDF; 5 kB) Amt Biesenthal-Barnim, abgerufen am 13. April 2026.</ref>
Bevölkerungsdichte: 25 Einwohner/km²
Eingemeindung: 27. September 1998
Postleitzahl: 16230
Vorwahl: 03337
Lage von Grüntal in Brandenburg
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Der Ort Grüntal ist ein Teil der Gemeinde Sydower Fließ im Amt Biesenthal-Barnim, Landkreis Barnim, Bundesland Brandenburg. In Grüntal lebten 2006 etwa 500 Einwohner.

Geschichte

Name und geografische Lage

Das Straßendorf Grüntal, früher Grundal (der Name Hinricus Grundal (Bürger von Bernau)), wird im Jahre 1347 in einer Urkunde des Propstes von Bernau genannt (wahrscheinlicher damaliger Besitzer des Ortes).<ref>Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI, Barnim. Mitarbeit von Margot Beck. Klaus-D. Becker, Potsdam 2021, ISBN 978-3-88372-306-8, S. 198 (Teil-Digitalisat).</ref><ref>Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim Geschichte - Architektur - Ausstattung. Lukas-Verlag, 2001, ISBN 3-931836-67-3, S. 165 (Teil-Digitalisat).</ref> Grunedal, Grundel, Grundall, Grundell, Grunendal auch Grondell und Grünthal Rittergut und Kirchdorf liegt ca. 9,7 Kilometer nordöstlich von Bernau bei Berlin und 12,2 Kilometer südwestlich von Eberswalde.<ref>Adolph Friedrich Johann Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Hauptth. Urkunden-Sammlung für die Orts- und specielle Landesgeschichte. 1.-25.Bd. 1838-1863. F. H. Morin, Berlin 1867, S. 518 (Digitalisat).</ref>

Erste Erwähnung

Seit 1317 an ging die bekannte Handels- und Heerstraße von Bernau über Sydow, Grüntal, Schönholz und Bornemannspfuhl nach Eberswalde.<ref name="schmidt">Geschichte der Stadt Eberswalde. Band 2: Von 1740 bis 1940 Im Auftrage der Stadtverwaltung verfasst von Rudolf Schmidt.</ref>

Nach dem Landbuche vom Jahre 1375, welches dieses Dorf erwähntet, hatte Grundal, wie es genannt wurde, 40 Hufen, wovon der Pfarrer zwei und die Kirche einen besaß. Von den übrigen 37 Hufen, welche im Besitz der Bauern waren, gaben diese Pacht, Zins und Bede, wobei vier Hufen für zwei gerechnet wurden (eventuell wegen ihrer Geringfügigkeit).<ref name="besitz">Ernst Fidicin: Kaiser Karl’s IV. Landbuch der Mark Brandenburg. J. Guttentag, Berlin 1856, S. 84 (Digitalisat).</ref>

Gutsbesitzer von Grüntal

Datei:Herrenhaus Grüntal (Barnim) 2020 SW.jpg
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Es war ein Krug im Ort, und der zur Kirche gehörige kleine See wurde verpachtet. Von 7 Hufen hatte ein gewisser Otto Britzik die Pachteinnahmen.<ref name="besitz" /> Das Dorf zerfiel in zwei Anteile (das Gut Sydow und das Gut Grüntal), einen besaß Mentze Holzendorf<ref name="besitz" /> als Heiratsgut für seine Frau, solange diese lebte. Den anderen besaßen die Bürger Riken (Ryken, Reiche)<ref name="besitz" /> in Berlin seit vielen Jahren. Wie es schien, sind aber Holzendorf und seine Nachkommen nicht nur im Besitz des Anteils geblieben, sondern hatten sogar den übrigen Teil noch dazu gekauft, denn im Schoßregister (Steuerregister) vom Jahre 1450 werden die von Holzendorf als alleinige Besitzer des Dorfes genannt.

Später hatten es Ludeke und Friedrich von Arnim im Besitz, deren Nachkomme, Stephan von Arnim, in der Zeit von 1608 bis 1616 acht Bauernhöfe mit 14 Hufen ankaufte, für diese die Schlossfreiheit (Befreiung von der Vermögenssteuer) erwarb und darauf einen Rittersitz gründete.

Nach den von Arnims kam die in der Genealogie wenig beschriebene Familie von Götze in den Besitz, 1710 der Major Jacob Friedrich von Götze der auch Brunow, Löhme, Weesow und Tempelfelde besaß. Er verstarb im Jahre 1732, und Grünthal ging an seinen Sohn über, den Landrat Curt Ludwig von Götze, von diesem 1747 auf die soeben nobilitierten Geschwister von Risselmann, 1749 auf (Charlotte) Elisabeth (Luise) von Selchow, geb. von Risselmann,<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1909. Jahrgang 3, Justus Perthes, Gotha 1908, S. 633. (Digitalisat)</ref> 1790 auf den Kanonikus zu Stift Herford, Friedrich von Risselmann-Schönwalde, 1805 kurz auf den Geheimen Oberfinanzrat August Heinrich von Borgstede und 1806 an August von Wedel.

Datei:Johann Heusinger Die Prinzen Friedrich Wilhelm und Wilhelm 1803 (C12).jpg
Johann Heusinger: Die (preußischen) Prinzen Friedrich Wilhelm und Wilhelm. 1803.

Prinzen in Grüntal

Nach der Niederlage am 14. Oktober 1806 der preußischen Armee in der Schlacht bei Jena und Auerstedt und der Flucht der königlichen Familie geht aus den Aufzeichnungen des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. (Eberswalder Heimatblätter Nr. 15) hervor, dass er und sein Bruder Wilhelm am 17. Oktober 1806, drei Uhr nachmittags, Berlin verließen, um über Bernau und Sydow nach Eberswalde, in Richtung Königsberg, zu gelangen und die Nacht in Grüntal bei der Familie August von Wedels verbrachten.<ref name="schmidt" />

Kirchgemeinde

Zur Kirchengemeinde Grünthal waren eingepfarrt das Dorf und Vorwerk Melchow (um 1756) und das Dorf Gratze zwischen Grünthal und Heckelberg-Brunow. Im 16. Jahrhundert bestand Grünthal aus dem Dorfschulzen und 13 Hüfnern und 11 Kötter (Kossäthen). Die Zahl der Bauerngüter war durch den vorher erwähnten Aufkauf auf sechs vermindert, wovon während des Dreißigjährigen Krieges 3 wüst wurden und 2 unbesetzt blieben.

Historie des Dorfes

1805 wohnten 159 Menschen in 21 Häusern, davon waren zwei Küfer, vier Bauern, fünf Kötter und sieben Einlieger. Es gab eine Schmiede, einen Dorfkrug und eine Försterei.<ref>Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV. Im Selbstverlage des Verfassers, Berlin 1858, S. 25 (Digitalisat).</ref>

Im Jahre 1819 kaufte der Justizkommissionsrat am Berliner Gericht und Notar Carl August Julius Schütz (* 15. Januar 1781; † 21. Juni 1836) von Friedrich Ludwig Buchholz das Rittergut Grünthal für 50.575 Taler.<ref>Vgl. Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. (Nachtrag), Selbstverlag, Berlin 1857, S. 454. (Digitalisat)</ref>

Die Brauerei

Im Jahre 1826 gründete Carl August Julius Schütz in Grüntal die erste Brauerei nach bayrischer Art, „es war das erste bayerische Lagerbier, das in der Mark Brandenburg gebraut wurde“ (nach R. Schmidt 1922, 1928). Schütz<ref>„Brandenburgia“. Monatsblatt der Gesellschaft für Heiatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. XVI. Jahrgang- 1907/08, Verlag P. Stankewiecz`Buchdruckerei, Berlin 1908, S. 4. (Digitalisat)</ref> hatte sich vorher in Süddeutschland ausführlich über das brauen untergärigen Bieres erkundigt und den Bamberger Küfer und Bierbrauer Conrad Bechmann (* 1801 in Pommersfelden; † 1881 in Berlin)<ref>Thomas Frey: Das Bier-WALHALLA auf dem Spandauer Berg. Berliner Woche, 22. Mai 2021, abgerufen am 21. April 2024.</ref> als Braumeister für die Produktion gewonnen.

Datei:Werbeanzeige Grünthaler Lager Bier Nationalzeitung 1862 10-12.png
Werbeanzeige Grünthaler Lager-Bier 1862.
Datei:Flaschenprägung der ehemaligen Bierbrauerei Grünthal.png
Flaschenprägung der ehemaligen Bierbrauerei Grünthal.

Grünthaler Unterhöler

Gebraut wurden die Biersorten Reading, Ale, Burten Ale, Bayrisch, Göttertrank und das auch international bekannte Grünthaler Unterhöler (auch Unterhöhler oder Unterhoeler).<ref>Anzeige in Hallisches patriotisches Wochenblatt, Halle vom 8. Februar 1835, S. 176. (Digitalisat)</ref><ref>A. F. Zimmermann: Der Bier-Brauer als Meister in seinem Fache – Grünthaler Doppel-Bier. Schroeder, Berlin 1842, S. 113 (Digitalisat).</ref> Es war in ganz Deutschland und besonders bei der preußischen Monarchie sehr beliebt und wurde nach Dänemark und Russland exportiert. Durch den guten Ruf der Grünthaler Brauerei und die ausgezeichnete Ausbildung brachte sie erfolgreiche Braumeister, wie z. B. Julius Bötzow (drei Großbrauereien in Berlin Prenzlauer Berg) und Geschäftsleute wie z. B. A. F. Zimmermann, Lehrer der theoretisch praktischen Braukunst und damaliger Hauptaktionär der Berliner Aktienbrauerei, hervor.<ref>A. F. Zimmermann: Der Bier-Brauer als Meister in seinem Fache. Schroeder, Berlin 1842, S. 1 (Digitalisat).</ref>

Gutsbesitzerfamilie Schütz

Nach Schütz`s Tod 1836 übernahm seine Frau Johanne Sophie Wilhelmine Schütz geb. Zier (* 16. August 1788; † 30. Juli 1842) das Gut und die Brauerei. Am 10. Januar 1838 verursachte der Schornstein der Brauerei durch Funkenflug einen Brand des in der Nähe liegenden Pfarrhauses, dass vollständig niederbrannte. 1839 wurde das Pfarrhaus für 1307 Taler, 15 Groschen und 10 Pfennige wieder aufgebaut. Das heute existierende Pfarrhaus entstand erst im Jahre 1884. Im Jahr 1840 verließ Conrad Bechmann die Brauerei und kaufte in Spandau die Königsbrauerei und eröffnete das Ausflugslokal Spandauer Bock.

Nach dem Tod von Johanne Schütz 1842 ging die Brauerei und das Gut an die Söhne Herrmann Carl Friedrich und Carl August. Die Brüder verschuldeten sich, und so kam es im Jahre 1847 zu Zwangsversteigerungen, an ordentlicher Gerichtsstelle zu Grünthal meistbietend,<ref>Oeffentlicher Anzeiger (№. 2) zum 5. Stück des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Eigenverlag, Potsdam, den 29. Januar 1847, S. 50. (Digitalisat)</ref> im April das Brennerei- und Braugebäude, im Mai das Schmiedegebäude und das Wohnhaus des Brennmeisters. Im September des gleichen Jahres kam dann auch das im Familienbesitz befindliche Wohn- und Krughaus in Sydow zur Versteigerung.

Der nächste Besitzer des gesamten Gutes Grüntal wurde Amtsrat Johann Julius Schütz (* 19. September 1806 in Seelow; † 8. Januar 1895 in Berlin), häufig genannt Schütz-Grünthal.<ref>H. Thiel: Landwirtschaftliche Jahrbücher. Zeitschrift für wissenschaftliche Landwirthschaft und Archiv des Königlich Preussischen Landes-Oekonomie-Kollegiums. Band X (Supplement), Verlag Paul Parey (Wiegandt, Hempel & Parey), Berlin 1881, S. 50. (Digitalisat)</ref> Die Brauerei erfuhr unter ihm wieder einen Aufschwung, und der Absatz fand jetzt über den Schienenweg statt. Mit der am 1. August 1842 eröffneten Haltestelle Biesenthal-Grünthal (Teilstück von Berlin-Eberswalde der Stettiner Eisenbahnlinie) konnten die vielen Berliner Schenken und Gaststätten schnell beliefert werden. Selbst Otto von Bismarck trank sein Grünthaler. „...Aufsehen, namentlich bei den anwesenden Bayern, erregte der Inhalt einer dem Reichskanzler kürzlich als Ehrengabe zugegangenen Sendung‚ Grünthaler Göttertranks‘“ (H. v. Poschinger aus Fürst Bismarck und die Parlamentarier). In Grüntal gab es zu damaliger Zeit auch ein gut besuchtes Ausflugslokal, dass sich am Weinberg befand und heute nicht mehr existiert. Eine kleine Ruine direkt auf dem Weinberg stammt von dem 1875 errichteten Eiskeller für die Bierkühlung. 1879 betrug der Umfang des Gutes noch 900 ha, davon 287 ha Forsten.<ref>P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 252–253, doi:10.18452/377 (Digitalisat). Reprint: ISBN 3-226-00787-4.</ref>

Datei:Montage Plan Weltausstellung 1873.jpg
Montage Plan Weltausstellung 1873.
Datei:SydowGutBrennerei.jpg
Ehemalige Guts-Brennerei Grüntal.

Grünthaler auf der Weltausstellung Wien 1873

Gutsbesitzer Schütz-Grüntal nahm als Aussteller an der Wiener Weltausstellung 1873, in Gruppe IV. Nahrung- und Genussmittel, in der Agricultur-Halle Ost, teil (Schütz Amtsrat, Grünthal, Brandenburg, Bier in Flaschen (mit Anerkennungs-Diplom)).<ref>Welt-Ausstellung 1873 in Wien officieller General-Catalog · Band 1. Verlag der General-Direction, Wien 1873, S. 331 (Digitalisat).</ref><ref>Amtliches Verzeichniss der Aussteller, welchen von der internationalen Jury Ehrenpreise zuerkannt worden sind Weltausstellung 1873 in Wien. Verlag der General-Direction, Wien 1873, S. 174 (Digitalisat).</ref>

Das erfolgreiche Grünthaler Unterhöler wurde noch einige Jahre von der Biesenthaler Amtsbrauerei Seidel gebraut und beworben (1905 Annonce in der Biesenthaler Zeitung: „Brauerei Amt Biesenthal bietet Biesenthaler Pilsner und Unterhöler, die Perle der Mark“).<ref>Brauerei Amt Biesenthal-Barnim. Fotowiesel.de, abgerufen am 19. April 2024.</ref>

Gutsbesitz Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts

Im November 1888 zog sich Johann Julius Schütz (aus dem Geschäft) zurück und ging nach Berlin. Sein Sohn Paul Friedrich Schütz (1844–1912), Leutnant d. Landwehr, übernahm das Rittergut und das Geschäft. Sein 1873 geborener gleichnamiger Sohn, Major d. R. Paul Schütz, ging später nach Schlesien und bewirtschaftete das dortige Gut Schrien (heute Śrem / Gemeinde Gmina Gaworzyce) bei Quaritz.<ref>Siehe: Familien-Artikel Hertzog, In: Bernhard Koerner (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch (Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien). 1935. Band 85, Zeichnungen: Gustav Adolf Cloß, Verlag von C. A. Starke, Görlitz 1935, S. 159 f. (Gesamt-PDF-Digitalisat)</ref> So fiel Gut Grünthal an Hedwig (Helene) Freiin von Eckhardstein (1861–1934), einer Tochter der Hedwig Schütz-Grünthal und des Freiherrn August von Eckardstein-Haselberg. Hedwig von Eckardstein heiratete bereits 1878 Graf Bernhard von der Schulenburg (1852–1936), welcher das Gut Grünthal 1894 erkaufte. Graf Schulenburg schloss sogleich die Grünthaler Brauerei wegen der aufkommenden starken Konkurrenz der bayrischen Bierbrauer aus Berlin und verlegte seine Geschäftstätigkeit und den Betrieb auf die Schnapsbrennerei. Graf von der Schulenburg entwickelte die Landwirtschaft in der Region als Präsident der Brandenburgischen Landwirtschaftskammer.<ref>Norbert Heintze: Entwicklung der Berliner Brauereien bis 1914. (PDF) In: Kapitel 3: Brauereikeller. Eiskeller Brandenburg.de, abgerufen am 19. April 2024.</ref>

Im Jahre 1936 verstarb Graf von der Schulenburg in Grünthal. Seine zahlreichen Güter, Grüntal in der Größe von 1000 ha,<ref>Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. [1914]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfen. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach`sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 54 ff.</ref><ref>Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. [1929]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Selbstverlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 45.</ref> wurden auf die Kinder aufgeteilt. Gut Grüntal bekam die zweitgeborene Tochter Sophie (1881–1974), verheiratet mit dem Major und Fideikommissherrn zu Gut und Burg Plattenburg, Siegfried von Saldern (1870–1925).<ref>Siehe: Dietrich Werner Graf von der Schulenburg, Hans Wätjen: Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237–1983. Niedersachsen-Druck und Verlag Günter Hempel, Wolfsburg 1984, ISBN 3-87327-000-5, S. 437 ff. Mit Tafel 43.</ref> Sophie von Saldern geb. von der Schulenburg lebte bis in der 1940er Jahre in Grüntal.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 115, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 488 f. (Digitalisat)</ref><ref>Vgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Else von Bethmann, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen Thiedicke von Flotow, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1952. Band I, Band 2 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1952, ISSN 0435-2408, S. 378 ff.</ref>

Entstehung der Gemeinde Grüntal

1928 entstand, wie in allen preußischen Provinzen allgemein durch eines Gesetzesvorlage von 1927 obligat, die Gemeinde Grüntal, durch Zusammenschluss des Gemeinde- und Gutsbezirks Grüntal mit dem Gemeinde- und Gutsbezirk Sydow. Sie wurde dann 1932 als Landgemeinde mit Wohnplatz Sydow und Forsthaus Weinberg geführt. An den privat-rechtlichen, kirchlichen und fiskalischen Besitzungen und am Eigentum änderte sich nichts; lediglich waren die Gutsbeszirke juristisch keine eigenständigen Orte mehr.

Im Zweiten Weltkrieg, zwischen dem 19. und 20. April 1945, zerstörte ein russischer Fliegerangriff den historischen Gebäudekomplex des Brau- und Malzhauses.<ref>Henry Schröder: Die Geschichte eines Bieres Seite 20 bis 21. In: Ein Grünthaler für Bismarck. Yumpu.com., abgerufen am 19. April 2024.</ref>

1950 führte man die Gemeinde nur noch mit dem Wohnplatz Sydow und 1957 und 1973 wurde Sydow als Ortsteil benannt.<ref>Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI, Barnim Unter Mitarbeit von Margot Beck Artikel: Grüntal nö Bernau. Klaus-D. Becker, Potsdam 2021, ISBN 978-3-88372-306-8, S. 197 (Teil-Digitalisat).</ref>

Datei:Kellerberg, Grüntal.JPG
FFH-Gebiet Fledermausquartier Kellerberg Grüntal

Am 27. September 1998 schloss sich die Gemeinde Grüntal mit der Gemeinde Tempelfelde zur Gemeinde Sydower Fließ zusammen. An der Grundschule Grüntal lernen Kinder aus mehreren Nachbargemeinden.

Der Fledermauskeller

Auf dem Kellerberg blieben die Kelleranlagen weitestgehend erhalten und werden heute vom Verein „Mausohr e. V.“ für die Fledermaus-Forschung genutzt und sind einer der wichtigsten Winterquartiere für Fledermäuse im Land Brandenburg.<ref>Joachim Haensel, Manfred Näfe: Die Kelleranlagen der ehemaligen Brauerei Grüntal im Landkreis Barnim (Land Brandenburg) - wichtige Fledermaus-Winterquartiere im Nordosten Deutschlands. (PDF) Nyctalus (N.F.), Berlin 11 (2006). Heft 2–3, S. 224–246, 2006, abgerufen am 19. April 2024.</ref>

Einwohnerentwicklung

Dorf (Gemeindebezirk)

Jahr 1734 1772 1801 1817 1840 1858 1895 1925 1939 1946 1950 1964 1971 1990 1995 1997
Einwohner 121 151 159 144 267 146 * 281 299 510 671 732 623 593 504 456 465
  • 1858 Rittergut Gutsbezirk, 180 Einwohner. Quelle:<ref>Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI, Barnim Unter Mitarbeit von Margot Beck. Klaus-D. Becker, Potsdam 2021, ISBN 978-3-88372-306-8, S. 199 (Teil-Digitalisat).</ref><ref>Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Barnim, S. 18–21. (PDF-Digitalisat)</ref>

Sehenswürdigkeiten

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Verkehr

Grüntal (Sydower Fließ) liegt an den Landesstraßen L 29 zwischen Biesenthal und Heckelberg-Brunow sowie der L 292 nach Werneuchen.

Busverbindungen

Die Linien des VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg 907 (Grüntal–Bahnhof Biesenthal); 918 (Grüntal–Busbahnhof Eberswalde) und 919 (Grüntal–Busbahnhof Eberswalde) verbinden Grüntal mit wichtigen Verkehrsknotenpunkten.

Tourismus

Grüntal als Drehort

1993 wurde in Grüntal ein Teil des Kinofilms Wir können auch anders… von Detlev Buck gedreht. Die Dorfkneipe, in der einige Szenen des Films spielen, ist nach einem späteren Brand nur noch eine Ruine.

Literatur

  • Preussische Geologische Landesanstalt: Erläuterungen zur Geologischen Specialkarte von Preussen und den thüringischen Staaten XXIX Lieferung · Teile 1 – 3 Abschnitt I. Geognostisches Oro- hydrographische Verhältnisse. A. W. Schade’s Buchdruckerei, Berlin 1835, S. 8 f. (Digitalisat).
  • Grünthal, In: Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV. Band: Theil II/II: Der Ober-Barnimsche Kreis. Selbstverlag, Berlin 1858, S. 25.
  • Grünthal, In: Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 8|a.: Provinz Brandenburg. 7. Ausgabe für 1882 bis 1886, C. Leuchs & Comp., Nürnberg 1882, S. 129.
  • Lieselott Enders, Mitarbeit: Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI: Barnim. Artikel: Grüntal nö Bernau. Klaus-D. Becker, Potsdam 2021, ISBN 978-3-88372-306-8, S. 197 bis 1999 (Teil-Digitalisat).
  • Gerhard Vinken, Barbara Rimpel, u. v. a.: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 2. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 445.

Weblinks

Commons: Grüntal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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