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Abdullah Gül

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Abdullah Gül (2014)
Unterschrift von Abdullah Gül
Unterschrift von Abdullah Gül

Abdullah Gül (* 29. Oktober 1950 in Kayseri) ist ein türkischer Politiker (Refah Partisi bis 1997, Fazilet Partisi 1997–2001, AKP 2001–2007, seit 2007 parteilos). Er war von November 2002 bis März 2003 Ministerpräsident der Türkei und von August 2007 bis August 2014 der elfte Präsident der Republik. Sein Amtssitz war der Çankaya-Palast.

Gül kandidierte im April und Mai 2007 für das Präsidentenamt als Kandidat der Regierungspartei AKP, nachdem er von Parteichef Recep Tayyip Erdoğan dafür vorgeschlagen worden war.<ref>Wiebke Fleig: Erdogan verzichtet. In: Zeit online. Die Zeit, 24. April 2007, abgerufen am 24. April 2025.</ref> Diese Kandidatur löste eine innenpolitische Krise in der Türkei aus und führte zu Neuwahlen. Im Anschluss an die Wahlen wurde Gül am 28. August 2007 von der Großen Nationalversammlung der Türkei im dritten Wahlgang zum Staatspräsidenten der Türkei gewählt. Er trat im selben Jahr aus der AKP aus. Seine Amtszeit endete am 28. August 2014; am 10. August 2014 fand die Präsidentschaftswahl in der Türkei 2014 statt, bei der Erdoğan zum neuen Präsidenten gewählt wurde.

Leben

Abdullah Gül studierte an der Universität Istanbul Wirtschaft und schrieb dort seine Dissertation. Während seines Promotionsstudiums hielt er sich für zwei Jahre in London und Exeter auf. Danach arbeitete er an der Universität von Sakarya bei der Gründung der Abteilung für Industrieingenieurswissenschaften mit und unterrichtete Managementseminare. 1980<ref>Der Mann, der immer hinter anderen stand. In: Die Presse. 5. September 2007, abgerufen am 24. April 2025 (Erschienen in Printausgabe 2007-08-29).</ref> heiratete er seine damals 15-jährige Cousine Hayrünnisa Özyurt<ref name="welt-13616453">Ulrich Exner: Türkischer Präsident: Gül wird seine Probleme auch in Osnabrück nicht los. In: welt.de. 20. September 2011, abgerufen am 7. Oktober 2018.</ref>, zusammen haben sie eine Tochter und zwei Söhne.

Von 1983 bis 1991 war Gül als führender Manager der Islamischen Entwicklungsbank (IDB) in Saudi-Arabien tätig.<ref name="ntv">Abdullah Gül. Lächeln als Markenzeichen. In: N-tv. 28. April 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. Februar 2025; abgerufen am 24. April 2025.</ref> 1991 wurde er Dozent für Internationales Management.

Im selben Jahr wurde er in den vorgezogenen Neuwahlen als Vertreter der islamischen Wohlfahrtspartei (Refah Partisi, RP) zum Abgeordneten von Kayseri gewählt und zog ins Parlament ein. In den Jahren 1991 bis 1995 war Gül Mitglied der Planungs- und Budgetkommission des türkischen Parlaments. 1995 wurde er wiedergewählt und war bis 2001 Mitglied der Kommission für außenpolitische Angelegenheiten. 1992 wurde Abdullah Gül Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, die ihn wegen seiner Bemühungen 2001 mit der Medaille Pro Merito auszeichnete, darüber hinaus wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.<ref name="biography">Abdullah GÜL. In: Presidency of the Republic of Turkey. 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Oktober 2014; abgerufen am 26. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In der 54. türkischen Regierung war er Staatsminister und fungierte als Regierungssprecher.

Nach dem Verbot der RP wurde Gül 1999 als Mitglied der Nachfolgepartei Tugendpartei (FP) zum dritten Mal ins Parlament gewählt. Am 14. Mai 2000 verlor er knapp die Wahl zum Vorsitzenden der FP. Nach dem Verbot der FP nahm Gül eine wichtige Stellung in der Führungsriege einer politischen Bewegung („Neuerungsbewegung“, türk. Yenilikçi Hareket) ein, die im August 2001 in der durch sie gegründeten AKP aufging. Als eines der Gründungsmitglieder war er für juristische und politische Angelegenheiten verantwortlich, was ausschlaggebend dafür gewesen sein dürfte, dass er zum Vizepräsidenten der neuen Partei gewählt wurde.

Am 3. November 2002 wurde Gül erneut als Abgeordneter für Kayseri ins Parlament gewählt. Zwei Wochen später wurde er mit der Bildung der 58. Regierung beauftragt. Er übernahm das Amt des Ministerpräsidenten und bildete das Kabinett, wobei dieses als Übergangsregierung fungieren sollte. Ziel war es, so bald wie möglich durch eine Gesetzesänderung den Parteipräsidenten der AKP, Recep Tayyip Erdoğan, mit Hilfe einer Nachwahl in der ostanatolischen Provinz Siirt zum Ministerpräsidenten zu machen. Am 14. März 2003 übernahm Erdoğan das Amt des Ministerpräsidenten und ernannte Abdullah Gül zu seinem Stellvertreter und zum Außenminister. Für Kontroverse sorgte Abdullah Gül während seiner Zeit als Außenminister, als er die diplomatischen Vertretungen seines Landes per Rundschreiben dazu aufrief, die islamische Gemeinschaft Millî Görüş nach Kräften zu unterstützen. Die durch Necmettin Erbakan ins Leben gerufene Millî Görüş steht seit Jahren unter Beobachtung des deutschen Verfassungsschutzes.<ref>Werner Czaschke: Türkei unterstützt Milli Görüs. In: WDR. 25. April 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. April 2003; abgerufen am 24. April 2025.</ref>

Vom 28. August 2007 bis zum August 2014 war Gül Staatspräsident der Türkei.

Er spricht fließend Englisch und Arabisch.<ref name="ntv" />

Abdullah Gül gilt als Gegner des Präsidialsystems, das von seinem Nachfolger Recep Tayyip Erdoğan eingeführt wurde.<ref>Maximilian Popp: Es grollt im Staate Erdogan. In: Spiegel Online. 13. April 2017, abgerufen am 24. April 2025.</ref>

Präsidentschaftswahlen 2007

Im Frühjahr 2007 kandidierte Abdullah Gül für das Amt des Staatspräsidenten. Ein Abstimmungsboykott mit anschließendem Gang vor das Verfassungsgericht verhinderte die Wahl Güls zum Präsidenten. Zudem versuchte der Generalstab in der Wahlnacht durch die Veröffentlichung einer Erklärung Einfluss auf die Wahl und das Geschehen zu nehmen. In der Folge schrieb die Regierung Parlamentsneuwahlen aus. Im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen kam es türkeiweit zu Massendemonstrationen für eine säkulare Türkei.<ref>Boris Kalnoky: Die Türkei an der Grenze zum Chaos. In: Die Welt. 29. April 2007, abgerufen am 24. April 2025.</ref><ref>Christian Helten: Den Glauben an die Demokratie verloren: Wie deutsche Türken die Krise in ihrer Heimat sehen. In: Jetzt. Süddeutsche Zeitung, 8. Mai 2007, abgerufen am 24. April 2025.</ref> Nach dem deutlichen Sieg bei der vorgezogenen Parlamentswahl entschloss sich die AKP am 13. August, Gül erneut für das Amt des Staatspräsidenten zu nominieren.<ref>Gül tritt erneut fürs Präsidentenamt an. In: NZZ Online. 14. August 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. September 2007; abgerufen am 24. April 2025.</ref> Beim ersten Wahlgang am 20. August 2007 scheiterte Gül an der in den beiden ersten Wahlgängen notwendigen Zweidrittelmehrheit. Er erhielt 341 Stimmen, eine Stimme mehr als seine Partei Mandate hat. Zur Wahl notwendig gewesen wären 367 Stimmen. Ein zweiter Wahlgang erfolgte am 24. August, bei dem Gül erwartungsgemäß mit 337 Stimmen erneut die Zweidrittelmehrheit verpasste.<ref>Gül in Ankara erneut gescheitert. In: NZZ Online. 24. August 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. September 2007; abgerufen am 24. April 2025.</ref> Beim dritten Wahlgang, der am 28. August stattfand, reichten 339 Stimmen der Mitglieder des türkischen Parlaments zur Wahl Güls zum Staatspräsidenten.<ref>Gül als türkischer Staatspräsident vereidigt. In: NZZ Online. 29. August 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. September 2007; abgerufen am 24. April 2025.</ref> Die türkische Verfassung schreibt beim dritten Wahlgang eine absolute Mehrheit vor, was mindestens 276 Stimmen erfordert. Wenige Stunden vor dem dritten Wahlgang hatte die türkische Militärführung vor politischen Angriffen auf den laizistischen Staat gewarnt. Der Generalstabschef Mehmet Yaşar Büyükanıt erklärte, dass die türkischen Streitkräfte entschlossen seien, die Demokratie und die Trennung von Staat und Religion zu verteidigen.<ref>Militär warnt vor Zersetzung der Republik. In: Süddeutsche Zeitung. 28. August 2007, abgerufen am 24. April 2025 (Stand 2025-04-24 zeigt Webseite falsches Veröffentlichungsdatum des Artikels).</ref>

Auszeichnungen

Allgemeine

Ehrendoktorwürden

Affairs of Turkey (Exeter University/Degree Congregation/12 July 2005). In: mfa.gov.tr. Ministerium für auswärtige Angelegenheiten (Türkei), S. 34, abgerufen am 27. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Siehe auch

Weblinks

Commons: Abdullah Gül – Album mit Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

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Ministerpräsident: Abdullah Gül

Stellvertretende Ministerpräsidenten und Staatsminister: Mehmet Ali Şahin | Ertuğrul Yalçınbayır | Abdüllatif Şener

Staatsminister: Mehmet Aydın | Beşir Atalay | Ali Babacan | Kürşad Tüzmen

Justizminister: Cemil Çiçek | Minister für Nationale Verteidigung: Mehmet Vecdi Gönül Minister für Innere Angelegenheiten: Abdülkadir Aksu | Minister für Auswärtige Angelegenheiten: Yaşar Yakış | Finanzminister: Kemal Unakıtan Minister für Nationale Bildung: Erkan Mumcu | Minister für Minister für Bauwesen und Besiedlung: Zeki Ergezen Gesundheitsminister: Recep Akdağ | Verkehrsminister: Binali Yıldırım | Minister für Landwirtschaft und Dorfangelegenheiten: Sami Güçlü Minister für Arbeit und Soziale Sicherheit: Murat Başesgioğlu | Minister für Industrie und Handel: Ali Coşkun Minister für Energie und Naturschätze: Mehmet Hilmi Güler | Minister für Kultur und Tourismus: Hüseyin Çelik Minister für Umwelt: İmdat Sütlüoğlu | Minister für Wald: Osman Pepe

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Ministerpräsident: Recep Tayyip Erdoğan

Stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister: Abdullah Gül

Stellvertretende Ministerpräsidenten und Staatsminister: Abdüllatif Şener · Mehmet Ali Şahin

Staatsminister: Mehmet Aydın · Beşir Atalay · Ali Babacan · Kürşat Tüzmen · Nimet Çubukçu

Justiz: Cemil Çiçek · Fahri Kasırga(1) Nationale Verteidigung: Mehmet Vecdi Gönül · Innere Angelegenheiten: Abdülkadir Aksu · Osman Güneş(1) · Finanz: Kemal Unakıtan · Nationale Bildung: Hüseyin Çelik · Bauwesen und Besiedlung: Faruk Nafız Özak · Gesundheit: Recep Akdağ · Verkehr: Binali Yıldırım · İsmet Yılmaz(1) · Landwirtschaft und Dorfangelegenheiten: Mehmet Mehdi Eker · Arbeit und Soziale Sicherheit: Murat Başesgioğlu · Industrie und Handel: Ali Coşkun · Energie und Naturschätze: Mehmet Hilmi Güler · Kultur und Tourismus: Atilla Koç · Umwelt und Wald: Osman Pepe

(1) Diese Minister waren Übergangsminister.

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