Myrte
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| Myrte | ||||||||||||
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Gemeine Myrte (Myrtus communis) | ||||||||||||
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| Myrtus communis | ||||||||||||
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Die Myrte (Myrtus communis), auch Brautmyrte, Duftende Myrte und Gemeine Myrte genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Myrten (Myrtus) innerhalb der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Dieser immergrüne Strauch ist die einzige im Mittelmeerraum heimische Art dieser Familie.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Myrte ist ein immergrüner, reich verzweigter Strauch, der Wuchshöhen bis zu 5 Metern erreichen kann. Die Rinde älterer Zweige ist kahl, nur die Rinde junger Zweige ist drüsig behaart.
Die meist gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter – bisweilen stehen auch drei Blätter an einem Wirtel – sind nur sehr kurz gestielt. Die derben, dickledrigen, einfachen, ganzrandigen und meist kahlen Blattspreiten sind bei einer Länge von 1 bis 5 Zentimetern eiförmig bis elliptisch mit spitzem bis zugespitztem, seltener rundspitzigem und manchmal feinstachelspitzigem oberen Ende. Sie sind durchscheinend drüsig punktiert und manchmal unterseits leicht auf den Adern behaart. Die Blattoberseite ist dunkler grün und glänzend, die -unterseite ist heller.<ref> https://www.myrtus-communis.de/botanik/beschreibung.html |abgerufen am 16. Februar 2025</ref>
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Die Blüten stehen meist einzeln in den Blattachseln. Die Blütenstiele sind bis zu 3 Zentimeter lang. Die relativ kleinen, zwittrigen und fünfzähligen Blüten duften. Sie weisen einen Durchmesser von bis zu 3 Zentimeter auf. Die Kelchblätter sind dreieckig. Die ausladenden, meist weißen Kronblätter sind verkehrt-eiförmig bis fast kreisförmig. Die zahlreichen Staubblätter haben gelbe Staubbeutel. Der Fruchtknoten ist unterständig mit schlankem Griffel und kleiner Narbe. Es ist ein Diskus vorhanden.
Die zuerst rötliche, bei Reife blau-schwarze und „bereifte“, mehrsamige Beerenfrucht ist bei einem Durchmesser von etwa 1 Zentimeter kugelig bis verkehrt-eiförmig mit Kelchresten. Die Samen sind nierenförmig und etwa 3 Millimeter lang.<ref> https://www.myrtus-communis.de/botanik/beschreibung.html |abgerufen am 16. Februar 2025</ref>
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.<ref name="IPCN" />
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet umfasst den Mittelmeerraum, die Azoren und reicht östlich bis Pakistan.<ref name="POWO" /> Als Standort werden Macchien und Wälder auf etwas feuchteren, steinigen, kalkfreien Böden bevorzugt. Die Myrte wird seit dem Altertum kultiviert und ist entsprechend häufig verwildert. Als ältestes und größtes Exemplar in Deutschland gilt die Myrte im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim an der Bergstraße.
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Myrtus communis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 471.<ref name="Euro+Med" />
Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten:<ref name="POWO" /> Nach Euro+Med 2022 werden sie nur als Varietäten anerkannt:<ref name="Euro+Med" />
- Myrtus communis <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. communis (Syn.: Myrtus communis var. baetica <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Sie kommt von den Azoren bis Pakistan vor.<ref name="POWO" />
- Myrtus communis subsp. tarentina <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Nyman (Syn.: Myrtus communis var. tarentina <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Sie kommt ursprünglich in Südeuropa in Spanien, Frankreich, Italien, Sardinien, Kreta und im früheren Jugoslawien vor.<ref name="POWO" />
Kulturgeschichte
Die Myrte ist seit dem Altertum vielfach von kultureller Bedeutung. Im Gilgamesch-Epos steht die Myrte neben Zeder und Zypresse für den Stolz des Palastes des Gilgamesch.<ref>Zitiert nach Stefan M. Maul: Götterberg und Stufenturm - Berg und Gebirge im Denken der altorientalischen Hochkultur. 2014, S. 144, abgerufen am 31. Dezember 2025.</ref> Sie spielt in der griechischen Mythologie eine Rolle und war der Göttin Aphrodite geweiht. Ihre Zweige stehen als Symbol für Jungfräulichkeit, Lebenskraft, viele gesunde Kinder und über den Tod hinausgehende Liebe. Es ist ein Ritual überliefert, bei dem Myrtenzweige auf einen zu beschreitenden Weg gestreut werden, während Weihrauch verbrannt wird.<ref>Aristophanes: Die Wespen, 860</ref><ref>Herodot: Historien, VII 54.1.</ref> Die Griechen und Römer der Antike schmückten die jungfräuliche Braut mit einem Myrtenkranz.<ref name=":0">https://www.myrtus-communis.de/extras/geschichte.html</ref> Die Römer dekorierten und parfümierten ihre Festhallen und Tempel mit Girlanden aus Myrten. Siegreiche römische Generale trugen einen Myrtenkranz.<ref name=":0" /> Im mittleren Osten war die Myrte ein Symbol des Friedens. Nach einer arabischen Legende stamme die Myrte ihres Duftes wegen aus dem Paradies.<ref name=":0" /> Auch in der Bibel wird die Myrte erwähnt.<ref>Jesaja (55,13; 41,19)</ref><ref>Sacharja (1,8)</ref><ref>Nehemia (8,15)</ref>
Ab dem Mittelalter wurde die Myrte (lateinisch Myrtus, auch Mirtus und Mirta<ref>Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 204 („Mirtus – pors, […] ist eyn struch, mirta – Mirta sive mirtus – […] porse, pors“ = Myrtus communis L., im Norden auch Ledum palustre L.),</ref>) auch als „Welsche Heidelbeere“ bezeichnet<ref>Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 123 (cicatricans) und 190 (welsch […]).</ref><ref>Zum Begriff welsch („italienisch, französisch, romanisch“) vgl. Echte Walnuss.</ref>, ihre Beeren als Mirtilli.<ref>Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 242.</ref> Ihre Zweige wurden in großen Bündeln auf den Marktplätzen verkauft und Myrte wurde auch als Heilpflanze zum Beispiel bei Katarrhen der Atemwege verwendet.<ref name=":0" />
Eine Verwandte Jakob III. Fuggers soll 1583 die erste Braut in Deutschland gewesen sein, die statt eines Rosmarinkränzchens den kostbaren Myrtenschmuck trug.<ref name="Hegi1965" /> Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Verwendung der Myrte in Deutschland zu einem Hochzeitsbrauch. Auch Bräutigam oder Trauzeugen erhielten Zweige zum Anstecken, teilweise wurden auch die Brautjungfern mit einem Myrtenkranz geschmückt. Es entstand der Brauch, einen Zweig aus dem Brautkranz in die Erde zu setzten. Die grünende Pflanze wurde als Zeichen für beständiges Eheglück gesehen und sorgsam gehegt. Die Myrte nahm Einzug in die Wohnstuben und gilt als eine der ältesten Zimmerpflanzen.<ref>Symbolik der Pflanzen von Marianne Beuchert | Seiten 229–231 | ISBN 978-3-458-34694-4</ref><ref>Stiftung Deutsches Historisches Museum, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Gerade auf LeMO gesehen: LeMO Das lebendige Museum Online. Abgerufen am 31. Dezember 2025.</ref><ref>Hochzeitskranz :: Museum für Stadtgeschichte Templin :: museum-digital:brandenburg. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Februar 2025; abgerufen am 31. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Gelegentlich werden Myrtenkränze oder -sträuße heute noch zur Hochzeit getragen.
Myrtenzweige sind Bestandteil des auch Lulav genannten Feststraußes, den Juden zum jährlichen Laubhüttenfest binden.
Nutzung
Durch das ätherische Öl der Blätter, das stark sekretionsfördernd wirkt, hat die Pflanze Bedeutung bei der (medizinischen) Behandlung der Atemwege und dient zur Appetit-Anregung. Im Iran werden Pflanzenextrakte als Salbe gegen Herpesbläschen eingesetzt.<ref>Nahid Lorzadeh, Yasaman Kazemirad, Nastran Kazemirad: Treatment of genital herpes using olive leaf extract. In: Clinical Case Reports. Band 9, Nr. 2, Februar 2021, S. 986–989, doi:10.1002/ccr3.3723.</ref>
Beim Kochen dient sie hauptsächlich als Gewürz für Fleischgerichte; volkstümlich werden sowohl Blätter und Beeren als auch Blüten verwendet. Darüber hinaus findet die Myrte Verwendung bei der Likör-Herstellung: In Sardinien ist sie die Grundlage des {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), eines „süßen“ Likörs, der aus den Beeren hergestellt wird. Der {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ist ein „trockener“ Likör, in dem Blätter und Blüten der Myrte Verwendung finden. Die korsische Variante des Mirto heißt Myrtei. Der Name der Mortadella-Wurst leitet sich möglicherweise von ihrer ursprünglichen Rezeptur mit Myrte ab, deren Früchte früher auch als Ersatz für den Kubeben-Pfeffer verwendet wurden,<ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 140 (Cubeba).</ref> bevor Pfeffer als Gewürz in Europa populär wurde.<ref>Ein kulinarischer Besuch in Bologna auf schwarzaufweiss.de.</ref>
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Myrten-Gelee,
Korsika, Juni 2021 -
Myrten-Likör,
Korsika, 2024
Literatur
- Mechthild Siede: Myrte. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Band 25, Hiersemann, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-7772-1318-7, S. 378–389.
Weblinks
- Pflanzensteckbrief Myrtus communis L. (Echte Myrte) Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
- Myrte (Myrtus communis L.) bei Gernot Katzer's Gewürzseiten
- Myrtus communis in der Flora Vascular
- Myrtus communis in der Flora of North America, Vol. 10
- Myrtus communis Beschreibung von Myrtus communis
Einzelnachweise
<references> <ref name="IPCN">Myrtus communis bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="POWO">Datenblatt Myrtus communis bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="Euro+Med"> Eckhard von Raab-Straube (2022+): Myrtaceae. Datenblatt Myrtus communis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Hegi1965">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. S. 790–794. </ref> </references>