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Pesto

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Zubereitung von Pesto im Mörser
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Linguine al Pesto
Datei:La cuciniera genovese.jpg
Frontispiz des Buches La cuciniera genovese von Giovanni Battista Ratto (1877)

Pesto (von italienisch pestare, „zerstampfen“) ist eine ungekochte Paste, die in der italienischen Küche meist mit Nudeln vermischt gereicht wird. Die bekannteste Version davon ist der Pesto genovese.

Geschichte

Der traditionelle Pesto stammt aus Ligurien und wurde dort offenbar Mitte 1863 erstmals wie folgt dokumentiert:<ref name="itchef">Pesto Genovese: an Agelesse Benchmark of Great Italien Cuisine, itchefs-gvic.com. Abgerufen am 26. Juli 2013.</ref><ref>Italienisches Zitat von <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />pestochampionship.com (Memento vom 12. August 2014 im Internet Archive)</ref>

“Prendete uno spicchio d’aglio, basilico (baxaicö) o in mancanza di questo maggiorana e prezzemolo, formaggio olandese e parmigiano grattugiati e mescolati insieme e dei pignoli e pestate il tutto in mortaio con poco burro finchè sia ridotto in pasta. Scioglietelo quindi con olio fine in abbondanza. Con questo battuto si condiscono le lasagne e i gnocchi (troffie), unendovi un po’ di acqua calda senza sale per renderlo più liquido.”

„Man nimmt eine Knoblauchzehe, Basilikum (falls nicht vorhanden: Majoran und Petersilie), geriebenen holländischen Käse und Parmesan sowie Pinienkerne und zerreibt alles zusammen mit wenig Butter in einem Mörser, bis ein Brei entstanden ist. Diesen vermischt man anschließend mit reichlich Olivenöl. Mit dieser Mischung werden Lasagne und Gnocchi (Troffie) angerichtet, wobei man etwas heißes, ungesalzenes Wasser dazugibt, um die Mischung flüssiger zu machen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Giovanni Battista Ratto: La cuciniera genovese ossia la vera maniera di cucinare alla genovese

Vermutlich geht die Methode der Pestoherstellung auf das römische Moretum, eine kräuterhaltige Käsesoße, zurück.

International bekannt wurde Pesto unter anderem durch einen 1944 veröffentlichten Artikel der New York Times, der die Paste erstmals in den US-Medien erwähnte, und ein 1946 von Angelo Pelligrini im Sunset Magazin veröffentlichtes Rezept. Später warb Frank Sinatra für das Produkt. In Europa machten vor allem die vielen italienischen Auswandererrestaurants Spaghetti al pesto bekannt.<ref name="itchef" />

Pesto genovese

Datei:Basilico Genovese di Prà-5.jpg
Kleinblättriger Basilico Genovese (Genueser Basilikum) DOP

Pesto genovese („Genueser Pesto“) besteht nach Angaben des Consorzio del Pesto Genovese („Konsortium Genueser Pesto“) aus Genueser Basilikum DOP, Nativem Olivenöl Extra (vorzugsweise aus der Riviera), Parmigiano Reggiano DOP (alternativ: Grana Padano), Pecorino DOP Typ fiore sardo, Pinienkernen, Knoblauch und Salz. Der Knoblauch wird mit grobem Salz in einem Mörser zu einer feinen Masse zerrieben, der anschließend unter weiterem Mörsern nacheinander die Pinienkerne, die Basilikumblätter, der Käse und das Olivenöl zugegeben werden.<ref>Ricetta ufficiale del Pesto Genovese. In: Mangiare in Liguria. Consorzio del Pesto Genovese, abgerufen am 12. September 2020.</ref> Eine übermäßige Hitzeentwicklung (wie durch die hohe Drehzahl eines elektrischen Gerätes) würde sich nachteilig auf das Aroma auswirken. Auch eine zügige Vorgehensweise ist wichtig, da Oxidation nachteilige Auswirkungen auf Geruch, Geschmack und Aussehen haben kann.<ref name="champ"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pesto’s official recipe (Memento vom 18. Oktober 2011 im Internet Archive), pestochampionship.it. Abgerufen am 13. September 2020.</ref> In Ligurien wird Pesto genovese vor allem mit den Nudelsorten Trofie oder Trenette vermischt. Zusammen mit ca. 300 anderen Erzeugnissen zählt Pesto genovese zu den vom italienischen Ministerium für Landwirtschafts-, Ernährungs- und Forstpolitik anerkannten Prodotti agroalimentari tradizionali liguri („Traditionelle ligurische landwirtschaftliche Produkte“).<ref>Prodotti tipici della Liguria. In: Cibo 360. Abgerufen am 12. September 2020.</ref>

Pesto alla genovese

Produkte, die nicht die Originalzutaten des Pesto genovese enthalten, werden als Pesto alla genovese („Pesto nach Genueser Art“)<ref>Ricetta ufficiale del Pesto Genovese. In: Mangiare in Liguria. Consorzio del Pesto Genovese, abgerufen am 12. September 2020.</ref>, Pesto verde („Grünes Pesto“) oder Pesto al basilico („Basilikumpesto“) bezeichnet.

Andere regionale Pesti

Datei:Pesto alla Trapanese - Wiki Loves Sicilia.jpg
Pesto alla Trapanese
  • Pesto alla siciliana (auch: pesto rosso, „roter Pesto“) und Pesto alla trapanese aus Sizilien enthält zusätzlich getrocknete Tomaten, Mandeln statt Pinienkernen und weniger Basilikum.
  • Pesto alla calabrese aus Kalabrien mit u. a. Gemüsepaprika und peperoncino.
  • In der französischen Provence entwickelte sich das Gericht Pistou, eine Kombination ohne die Zugabe von Pinienkernen.

Weitere Verwendungen der Bezeichnung

Außerhalb Italiens kommt es gelegentlich vor, dass kalte Soßen Pesto genannt werden, ohne überhaupt eine einzige der ursprünglichen Zutaten zu enthalten oder auch nur traditionell zubereitet zu sein. Rucola oder Bärlauch statt Basilikum sind dann die Basis, Oliven und Pilze oder Koriander werden als Zugabe verwendet.<ref>Dorothy Rankin: Very Pesto. Celestial Arts 2004, ISBN 978-1-58761-208-4.</ref> Auch gibt es Kürbiskern-Pesto, das Kernöl enthält.

Bei vielen veganen Variationen werden Misopaste oder Hefe-Flocken verwendet, um den ohne Käse eventuell eindimensionalen Geschmack zu erweitern.<ref name="mil">Eric Tucker, John Westerdahl, Sascha Weiss: The Millennium Cookbook. Ten Speed Press 1998, ISBN 978-0-89815-899-1.</ref>

In Singapur wird eine nach Pesto-Methode hergestellte Variante der Nationalsuppe Laksa vertrieben.<ref name="laksa">Asian Pesto. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Mai 2012; abgerufen am 23. Juli 2013.</ref>

Handel

Industriell gefertigtes Pesto ist pasteurisiert oder durch Konservierungsstoffe haltbar gemacht. Frisch wird es als Delikatesse vertrieben.

Pesto ist ein typisches Beispiel für Food Design. Bei der Mehrzahl der Produkte werden teure Zutaten des klassischen Rezeptes ganz oder teilweise durch billigere, ähnlich schmeckende Rohstoffe ersetzt und der renommierte Name bei teils irreführender Bebilderung trotzdem verwendet. Üblich ist der Ersatz von Basilikum durch Petersilie, von Pinienkernen durch Cashewkerne, von Parmesan oder Pecorino durch Grana Padano oder anderen Hartkäse sowie des Olivenöls durch Sonnenblumenöl oder andere Pflanzenöle. Hinzu können Kartoffelflocken oder Bohnen sowie Aromastoffe, Säuerungs- und Konservierungsmittel kommen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebensmittelimitate im Supermarkt: Mehr Schein als Sein (Memento des Vorlage:IconExternal vom 13. März 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vzhh.de Verbraucherzentrale Hamburg e. V. (PDF; 3,6 MB), Juli 2010.</ref><ref>Lebensmittel: Was wirklich drin ist (Fotostrecke), Spiegel Online, 10. Juli 2009.</ref>

2009 wählten, von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch im Rahmen der Kampagne abgespeist aufgerufen, etwa 35.000 Konsumenten den Pesto verde der Marke Bertolli des Konzerns Unilever auf Platz 3 für den Negativpreis Goldener Windbeutel.<ref>Etikettenschwindel Extra Vergine – Bertolli Pesto Verdo von Unilever, 5. September 2008, foodwatch</ref> Das Produkt stehe für eine besonders große Diskrepanz zwischen beworbenem und tatsächlichem Inhalt, so seien bei nur 2 % Olivenöl zusätzlich etwa 40 % nicht näher deklariertes Öl verarbeitet. Die auf dem Produktetikett dargestellten Pinienkerne machten nur 2,5 % der Gesamtmenge aus, während der angestrebte Geschmack mit billigeren Cashewnüssen erreicht werde. Obwohl das Unternehmen auf seiner Website schrieb, es würde bei allen Produkten „traditionell“ auf zusätzliche Konservierungsmittel verzichten, ließ sich das Säuerungsmittel Milchsäure nachweisen.<ref name="stern">Was drin ist, zählt, stern.de. Abgerufen am 26. Juli 2013.</ref>

2013 vergab Stiftung Warentest in einer Untersuchung von 30 Produkten aus dem deutschen Einzelhandel lediglich drei Mal eine gute Gesamtbewertung.<ref name="stwt">Unerwünschte Bakterien in grünem Pesto. Deutschlandradio, 25. Juli 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. September 2013; abgerufen am 26. Juli 2013.</ref> Ein Produkt enthielt eine bedenkliche Menge Milchsäurebakterien, die den Geschmack übersäuern, eines war mit falschen Mengenangaben, eines grundsätzlich mangelhaft deklariert. Einmal wurden Bambusfasern entdeckt, welche weder als Lebensmittel noch als Zusatzstoff zugelassen sind. In einem als Bio-Lebensmittel ausgewiesenen Glas war der als potentiell krebserregend gewertete Stoff Anthrachinon nachweisbar. Insgesamt enthielten 80 % der Waren künstliche Aromastoffe.

2021 testete und untersuchte der Verein für Konsumenteninformation (VKI, Österreich) 13 fertige Basilikum-Pestos aus dem Glas. Viele enthielten Rückstände von Pestiziden, einige auch von Mineralölkohlenwasserstoffen.<ref>test.de: Schadstoffe in Fertigsoßen (6. Oktober 2021)</ref>

Literatur

  • Eva Gaigg, Franz Schauer: Saucen: Chutney, Pesto & Co. Vom Avocado-Dip bis zur Zwiebelsauce. Stocker, Graz / Stuttgart 2010, ISBN 978-3-7020-1284-7.
  • Giorgio Locatelli: Made in Sicily. Fourth Estate, London 2011, ISBN 978-0-00-743369-8 (englisch).
  • Joshua Clever: Pesto! raffiniert & frisch. Fona, Lenzburg 2011, ISBN 978-3-03780-442-1 (Schweizer Ausgabe) und Walter Hädecke Verlag, Weil der Stadt 2011, ISBN 978-3-7750-0593-7.
  • Klaus Roth: Mediterrane Biochemie. Pesto. In: Chemie in unserer Zeit. Band 40, 2006, S. 200–206.

Weblinks

Commons: Pesto – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Pesto – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

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