Lactobacillaceae
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Lactobacillaceae | ||||||||||||
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| Datei:Lactobacillus sp 01.png
Lactobacillus sp. | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Lactobacillaceae | ||||||||||||
| Winslow et al. 1917 |
Lactobacillaceae bilden eine Familie grampositiver Bakterien der Ordnung Lactobacillales. Durch Gärung erzeugen sie Milchsäure und zählen somit zu den Milchsäurebakterien, zu denen noch einige weitere Familien gestellt werden, die in der Systematik in der Ordnung der Lactobacillales vereinigt werden. Viele Arten dieser Familie sind wichtig für die Lebensmittelindustrie. Sie werden für die Herstellung von Milchprodukten genutzt, können aber auch als Schädlinge (z. B. in der Bierbrauerei) auftreten. Den Menschen fügen sie in der Regel keinen Schaden zu, sie sind apathogen.
In der Familie Lactobacillaceae waren mit Stand 2021 ca. 31 Gattungen zusammengefasst.<ref name="Zheng2020" /> Die Lactobacillaceae sind die einzige Familie der Milchsäurebakterien der sowohl homofermentative als auch heterofermentative Organismen angehören, wobei die heterofermentativen Organismen eine deutliche getrennte phylogenetische Gruppe bilden.<ref name="Zheng2020" />
Durch phylogenetischen Untersuchungen mit Hilfe Vergleiche der ribosomalen RNAs 16S-rRNA bzw. 23S-rRNA wurden verschiedene Arten der Gattung Leuconostoc zur Gattung Weissella transferiert, sowie Leuconostoc oenos zur Gattung Oenococcus (als Oenococcus oeni); diese drei nahe verwandten Gattungen wurden dann in der Familie Leuconostocaceae vereinigt. Im Jahr 2006 wurde eine weitere Art zu der Gattung Oenococcus gestellt, O. kitaharae <templatestyles src="Person/styles.css" />Endo & Okada 2006, 2008 kam die Gattung Fructobacillus hinzu, 2015 die Gattung Convivina. Seit 2020 gehören diese Gattungen jedoch (wieder) zur Familie Lactobacillaceae.<ref name="Zheng2020" /><ref name="LPSN" /><ref name="NCBI" /><ref name="GTDB" /> Leuconostoc, Oenococcus und Weissella u. a. werden in der Phylogenie zu dem sogenannten „Clostridium-Zweig“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) verortet. Zu diesem Zweig gehören auch Gattungen der typischen Milchsäurebakterien, wie Lactobacillus, Lactococcus, Enterococcus und Carnobacterium. Alle diese Gattungen sind evolutionär eng miteinander verwandt.
Früher wurde die Art Bifidobacterium bifidum zur Gattung Lactobacillus (deutsch Laktobazillen) in der Familie Lactobacillaceae gestellt (Lactobacillus bifidum), nach heutigem Stand steht es phylogenetisch mit der Ordnung nicht in näherer Verbindung. Den Stoffwechsel betreffend wird es aber weiterhin als Milchsäurebakterium behandelt.<ref name="LPSN" />
Merkmale
Bei den Arten der Familie Lactobacillaceae handelt es sich um grampositive Bakterien, sie bilden niemals Sporen und sind meist unbeweglich.<ref name="brock" /> Zellen der Pediococcus-Arten sind in Paaren oder Tetraden auftretende Kokken.<ref name="Haarkensen2009" /> Laktobazillen sind meist stäbchenförmig, aber auch gekrümmte und schraubenförmige (z. B. Latilactobacillus curvatus) Varianten können auftreten. Bei der Art Sharpea azabuensis sind die Zellen ebenfalls stäbchenförmig, sie treten in Ketten auf.<ref name="Morita2008" />
Die Arten sind Katalase-negativ und Oxidase-negativ. Wie die meisten Milchsäurebakterien tolerieren sie in ihrer Umgebung nur geringe Anteile von Sauerstoff. Viele Vertreter der Lactobacillaceae wachsen anaerob, aber aerotolerant, d. h. sie wachsen in der Anwesenheit von Luftsauerstoff, benötigen ihn aber nicht für ihren Stoffwechsel.<ref name="brock" /> Bei Lactobacillus (bzw. den früher zu dieser Gttung klassifizierten Vertretern der Familie, Laktobzillen i. w. S.) findet man allerdings auch einige Arten, die absolut keinen Sauerstoff tolerieren (obligat anaerob).<ref name="Leisner2000" /> Sharpea azabuensis wächst ebenfalls nur unter strikt anaeroben Bedingungen.<ref name="Morita2008" />
Viele Arten der Lactobacillaceae bilden Bacteriocine, giftige Proteine oder Peptide, die von Bakterien abgesondert werden und andere (konkurrierende) Bakterienarten töten oder das Wachstum behindern. Bacteriocine, die von verschiedenen Lactobacillus-Arten gebildet werden, sind u. a. Lactacin-F und Bavaricin-A. Lactobacillus plantarum bildet verschiedene Plantaricine (A, S, T, und Plantaricin-SIK). Von den Pediokokken werden u. a. Pediocine gebildet.<ref name="Cui2012" />
Frühere Familie Leuconostocaceae
Auch die Mitglieder der früheren (und heute integrierten) Familie Leuconostocaceae bilden keine Katalasen (sind also „Katalase-negativ“). Sie sind fakultativ anaerob, d. h. relativ unempfindlich gegen Sauerstoff. Die drei Gattungen Leuconostoc, Oenococcus und Weissella treten als meist ovale Kokken auf, allerdings findet man bei der Gattung Weissella auch stäbchenförmige Zellen. Sporenbildung tritt wie bei allen Lactobacillaceae nicht auf. Wie auch für alle Milchsäurebakterien weisen sie den fermentativen Stoffwechselweg (Milchsäuregärung) auf, bei dem Milchsäure das Endprodukt ist. Alle Gattungen der ehemaligen Familie Leuconostocaceae sind hierbei obligat heterofermentativ, d. h. neben Milchsäure treten auch andere Stoffwechselendprodukte, wie z. B. CO2, Acetat (Essigsäure) und Ethanol auf.
Vorkommen
Außer in Milch und Molkereiprodukten kommen Vertreter der Lactobacillaceae in oder auf Pflanzen vor. Einige bilden einen Teil der natürlichen Darmflora von Menschen und anderen Tieren, so wurde Sharpea azabuensis aus den Faeces eines Vollblutpferdes isoliert.<ref name="Morita2008" /> Laktobazillen wurden aus allen Teilen des Verdauungstraktes von Menschen isoliert, einschließlich des Magens.
Arten von Pediococcus, auch als Pediokokken bezeichnet, wurden zum größten Teil in oder auf Pflanzen und Früchten (Phyllosphäre) gefunden. Vor allen Dingen bei Pflanzen im gärenden Zustand erreichen die Pediokokken eine große Menge. In anderen Habitaten wurden sie seltener gefunden. So wurden einige Arten von Pediococcus aus menschlichem Kot, Pediococcus acidilactici und Pediococcus parvulus aus dem Kot von gesunden Truthähnen isoliert.<ref name="Harrison1950" /> Pediococcus acidilactici wurde außerdem im Darm von Karpfen (Cyprinus carpio) und in der Garnelen-Art Macrobrachium rosenbergii gefunden.<ref name="Cai1999" />
Die Mitglieder der ehemaligen Familie Leuconostocaceae benötigen im Allgemeinen nährstoffreiche Umgebungen. Man findet die Gattungen häufig in Nahrungsmitteln wie z. B. in Milch und Milchprodukten, Fleisch und auch in verdorbenen Fischprodukten. Weitere Fundorte von Leuconostoc und auch Weissella sind sich bereits zersetzende Pflanzenreste, seltener lebende Pflanzen. Leuconostoc scheint hierbei die vorherrschende Gattung bei den auf toten Pflanzenresten vorkommenden Milchsäurebakterien zu sein.<ref name="Mundt1967" />
Milchsäuregärung
Man unterscheidet zwischen homofermentative und heterofermentative Arten. Homofermentative Arten produzieren durch Gärung praktisch ausschließlich Milchsäure, während heterofermentative Arten neben Milchsäure zu einem bedeutenden Teil auch andere Endprodukte erzeugen, meist Ethanol und Kohlenstoffdioxid. Den Heterofermentativen fehlt in der Regel das Enzym Phosphofruktokinase.<ref name="Zheng2015" /> Arten von Lactobacillus sind meist resistenter gegen niedrige pH-Werte als die übrigen Milchsäurebakterien, und wachsen auch bei pH-Werten von 4 bis 5.
Artenliste
Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (LPSN)<ref name="LPSN" /> (und – wo angezeigt – dem {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (NCBI),<ref name="NCBI" /> ergänzt um Einträge aus der {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (GTDB)<ref name="GTDB" />); Stand 25. Januar 2026:
Familie Lactobacillaceae <templatestyles src="Person/styles.css" />Winslow et al. 1917 [Leuconostocaceae <templatestyles src="Person/styles.css" />Schleifer 2010] – auch nach NCBI<ref name="NCBI" /> und (ohne Autorenschaft) GTDB<ref name="GTDB" />
- Gattung „Betacoccus“ <templatestyles src="Person/styles.css" />Orla-Jensen 1919
- Gattung Bombilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung [Caseobacterium] (formal ergänzt) – mit „Caseobacterium vulgare“ <templatestyles src="Person/styles.css" />Orla-Jensen 1916
- Gattung „Cillobacterium“ <templatestyles src="Person/styles.css" />Prévot 1938
- Gattung Eupransor <templatestyles src="Person/styles.css" />Botero et al. 2024
- Gattung „Candidatus Gallilactobacillus“ <templatestyles src="Person/styles.css" />Gilroy et al. 2021
- Gattung Holzapfeliella <templatestyles src="Person/styles.css" />Deshmukh & Oren 2023 [Holzapfelia <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020]
- Gattung Lactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Beijerinck 1901
- Gattung [Lactobacterium] (formal ergänzt) – mit „Lactobacterium zeae“ <templatestyles src="Person/styles.css" />Kuznetsov 1959
- Gattung Nicoliella <templatestyles src="Person/styles.css" />Deshmukh & Oren 2023 [Nicolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Oliphant et al. 2022]
- Gattung Pediococcus <templatestyles src="Person/styles.css" />Claussen 1903
- Gattung Philodulcilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Kouya et al. 2023
- Gattung [Streptobacterium] (formal ergänzt) – mit „Streptobacterium plantarum“ <templatestyles src="Person/styles.css" />Orla-Jensen 1919
- Gattung Xylocopilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Kawasaki et al. 2024
Von anderen Gattungen der Familie abgetrennt wurden:
- von Lactobacillus:
- Gattung Acetilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Agrilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Amylolactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Apilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Companilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Dellaglioa <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Fructilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Furfurilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Lacticaseibacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020 – mit Lacticaseibacillus casei
- Gattung Lactiplantibacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Lapidilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Latilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Lentilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Levilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Ligilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Limosilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Liquorilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Loigolactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Paralactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Leisner et al. 2000
- Gattung Paucilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Schleiferilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
- Gattung Secundilactobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Zheng et al. 2020
Die zur ehemaligen Familie Leuconostocaceae mit Stand 23. April 2018 klassifizierten Mitgliedsgattungen sind:
- Gattung Convivina <templatestyles src="Person/styles.css" />Praet et al. 2015
- Gattung Fructobacillus <templatestyles src="Person/styles.css" />Endo & Okada 2008
- Gattung Leuconostoc <templatestyles src="Person/styles.css" />van Tieghem 1878
- Gattung Oenococcus <templatestyles src="Person/styles.css" />Dicks et al. 1995
- Gattung Weissella <templatestyles src="Person/styles.css" />Collins et al. 1994
Von anderen Gattungen dieser ehemaligen Familie abgetrennt wurden: von Leuconostoc:
- Gattung Oenococcus <templatestyles src="Person/styles.css" />Dicks et al. 1995 (s. o.)
von Weissella:
- Gattung Periweissella <templatestyles src="Person/styles.css" />Bello et al. 2022
Evolution
Interessant ist die Gattung Oenococcus im Zusammenhang mit der Evolutionsrate.<ref name="Yang1989" /> Aufgrund der 16s-rRNA-Vergleiche scheint Oenococcus oeni eine sehr schnelle Evolutionsrate aufzuweisen. Man spricht von einer tachytelischen (im Gegensatz zu der langsamen, bradytelischen) Evolutionsrate. Oenococcus oeni steht im Vergleich zu den beiden anderen Gattungen der früheren Familie Leuconostocaceae (Weissella und Leuconostoc) weiter entfernt auf dem Ast des phylogenetischen Baums; auch bei diesen beiden eher konservierten Punkten der rRNA scheint Oenococcus stärker zu variieren; diese Vermutung wurde allerdings wieder angezweifelt.<ref name="Morse1996" />
Bedeutung für den Menschen
Als Nützlinge
Die Milchsäuregärung wird in der Lebensmittelindustrie vor allem bei der Herstellung von Milchprodukten wie Käse und Joghurt genutzt. Ohne Milchsäurebakterien gäbe es praktisch keine Milchprodukte. Aber auch bei der Herstellung von weiteren gesäuerten Lebens- und Futtermitteln sind sie beteiligt.
Einige Arten und ihre Nutzung (meist sind noch andere Bakterienarten mitbeteiligt):
- Silage: Die Herstellung von Silage in der Landwirtschaft erfolgt unter Einsatz von Pediococcus pentosaceus und Lactobacillus plantarum.<ref name="Müller1986" />
- Sauerkraut: Hier werden verschiedene Arten von Lactobacillus (v. a. L. plantarum) verwendet, zu den weiteren beteiligten Gattungen zählt u. a. Leuconostoc.<ref name="Schlegel1992" />
- Sauerteig: Der mit Roggenmehl hergestellte Sauerteig enthält u. a. Lactobacillus plantarum, L. brevis und L. coryniformis sowie Hefen (Saccharomyces cerevisiae, Saccharomyces minor).<ref name="sauerteig" /> Mit Weizenmehl hergestellter Sauerteig – sogenannter Weizensauer – enthält in den meisten Fällen Lactobacillus sanfranciscensis, L. plantarum und Weissella confusa, diese Arten werden durch das Mehl eingebracht. Weitere Laktobazillen, die bei Untersuchungen des Sauerteigs gefunden wurden, sind L. rossiae, L. brevis sowie als weitere Milchsäurebakterien Lactococcus lactis subsp. lactis und Pediococcus pentosaceus.<ref name="Siragusa2009" />
- Sauermilch: Ursprünglich wurden hier mesophile Streptokokken-Kulturen verwendet, aber auch der Einsatz von Lactobacillus-Arten, v. a. Lactobacillus acidophilus ist üblich. Das auf diese Weise hergestellte Sauermilchprodukt zeichnet sich durch einen milderen Geschmack aus. Es wurde unter den Bezeichnungen „Acidophilus-Milch“<ref name="brock" /> oder „Bioghurt“<ref name="Schlegel1992" /> zunehmend beliebter beim deutschen Verbraucher. Nach der Verordnung über Milcherzeugnisse wird dieses Produkt als „Joghurt mild“ bezeichnet und ergänzt somit die Produktpalette bei Joghurt.
- Joghurt: Bei der Erzeugung von traditionellem Joghurt wird Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus (in diesem Zusammenhang in der Literatur meist als Lactobacillus bulgaricus bezeichnet) – in Kombination mit Streptococcus salivarius subsp. thermophilus (Streptococcus thermophilus) – gezielt als Starterkultur eingesetzt. Da sich die verwendeten Bakterien gut bei 43–45 °C vermehren, werden sie in der Molkerei als thermophile Säuerungskulturen bezeichnet.<ref name="Schlegel1992" />
- Käse: Neben mesophilen Säuerungskulturen (v. a. Lactococcus- und Leuconostoc-Arten) werden auch eher thermophile Arten von Lactobacillus wie beispielsweise Lactobacillus helveticus und Lactobacillus delbrueckii subsp. lactis verwendet.<ref name="Schlegel1992" /> Ebenfalls finden L. casei und L. delbrueckii subsp. bulgaricus Verwendung.<ref name="Müller1986" />
- Rohwurst: Zur Produktion von Rohwurst, z. B. Salami, werden als Starterkulturen von den Pediokokken hauptsächlich die Arten Pediococcus acidilactici und P. pentosaceus<ref name="Deibel1961" />, von den Laktobazillen L. curvatus und L. sakei eingesetzt.<ref name="Cocolin2011" /> Weitere Bakteriengattungen, die in Starterkulturen genutzt werden, sind Staphylokokken (z. B. Staphylococcus carnosus und S. xylosus) und Kocuria varians (ehemals Micrococcus varians).
- Bei der Herstellung einiger Biersorten wie der Berliner Weisse und den belgischen Geuze werden verschiedene Arten Lactobacillus zusammen mit Hefen verwendet; aber auch Arten von Pediococcus gehören zu den wesentlichen erwünschte Aromen bildenden Bier-Bakterien.<ref name="Seidl2019" />
Alle die Mitglieder der ehemaligen Familie Leuconostocaceae spielen bei der Lebensmittelverarbeitung eine große Rolle, vor allem Leuconostoc bei der Herstellung von Milchprodukten (Sauermilch, Buttermilch usw.). Leuconostoc ist auch wichtig für die Silage-Gewinnung. Die Gattung Oenococcus spielt bei der Weinherstellung die größte Rolle unter den Milchsäurebakterien: wegen ihrer Malo-Lactat-Gärung ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), MLF) erhält der Wein einen milderen Geschmack.
Als Schädlinge
Arten von Lactobacillus und Pediococcus sind auch als Schädlinge in der Getränkeherstellung bekannt. Die Bildung von Milchsäure und anderen Produkten führt zu einer unerwünschten Säuerung und Geschmacksveränderung, z. B. bei Bier, Wein und Fruchtsäften.<ref name="Müller1986" /> In der Bierbrauerei können verschiedene Arten von Pediococcus, hier als Bier-Sarcinen bezeichnet, beträchtliche Schäden verursachen. Auch einige Arten von Lactobacillus können das Bier verderben. Es entstehen Qualitätsminderungen der Getränke, wie Veränderung des Geschmackes oder Trübung. Arten wie Pediococcus damnosus (oft als P. cerevisiae bezeichnet), P. pentosaceus und P. acidilactici bewirken durch Ausscheidung von Diacetyl eine Gemacksveränderung. Homofermentative Laktobazillen verursachen eine Säuerung, heterofermentative führen eine Trübung und Veränderung des Geschmackes herbei.
Die häufigsten Bierschädlinge sind unter den Laktobazillen i. w. S. Lacticaseibacillus casei, früher Lactobacillus casei (homofermentative) und Levilactobacillus brevis, früher Lactobacillus brevis (heterofermentative Milchsäuregärung), unter den Pediokokken Pediococcus damnosus. Die Bezeichnung der Pediokokken als „Bier-Sarcinen“ bezieht sich auf die Kokkenform. In der Literatur findet man im Zusammenhang mit dem von Pediokokken verursachten Bier-Verderb meist den (falschen) Art-Namen Pediococcus cerevisiae. In der Systematik ist dieses Taxon ungültig, der korrekte Name ist Pediococcus damnosus. In der Literatur ist die Bezeichnung Pediococcus cerevisiae (ähnlich wie bei den früheren Bezeichnungen der Lactobazillen) aber immer noch oft zu finden.
Andere wichtige Bierverderber sind in der Familie Acidaminococcaceae <templatestyles src="Person/styles.css" />Campbell et al. 2015 (Ordnung Acidaminococcales, Klasse Negativicutes der Bacillota; mit den Gattungen Megasphaera und Pectinatus) zu finden, weitere sind Acetobacter, Gluconobacter und Klebsiella.
Pediococcus damnosus kann auch in der Weinherstellung als Schädling auftreten. Weiterhin können Lactobazillen i. w. S. Schäden in Fruchtsäften verursachen. Beispiele sind die Arten L.casei, L. paracasei und Schleiferilactobacillus perolens [früher Lactobacillus perolens].
Arten von Leuconostoc konnten früher in der Zuckerindustrie durch die sogenannte Froschlaichgärung erheblichen Schaden verursachen. Die Beschreibung und Benennung dieser Gattung von Van Tieghem im Jahr 1878 resultierte auch aus der wissenschaftlichen Untersuchung dieser wirtschaftlichen Probleme.
Anmerkungen
<references group="A." />
Quellen
Einzelnachweise
<references> <ref name="LPSN"> LPSN: Family Lactobacillaceae Winslow et al. 1917. Synonyms: Leuconostocaceae Schleifer 2010. </ref> <ref name="NCBI"> NCBI Taxonomy Browser: Lactobacillaceae. Details: Lactobacillaceae Winslow et al. 1917; … heterotypic synonym: Leuconostocaceae Schleifer 2010. Graphisch: Lactobacillaceae. </ref> <ref name="GTDB"> GTDB: Lactobacillaceae. </ref> <ref name="brock"> Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock Mikrobiologie. Deutsche Übersetzung herausgegeben von Werner Goebel. 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 3-8274-0566-1. </ref> <ref name="sauerteig"> Helmut van Straelen: Grundsätzliches zum Sauerteig. In: sauerbrot.de. 22. Februar 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. April 2018; abgerufen am 29. Mai 2013. </ref> <ref name="Seidl2019"> Conrad Seidl: Abenteuer Gärung: Flandrisches Sauerbier. In: BRAUINDUSTRIE November 2019, S. 46ff </ref> <ref name="Cai1999"> Yimin Cai, Puangpen Suyanandana, Premsuda Saman, Yoshimi Benno: Classification and characterization of lactic acid bacteria isolated from the intestines of common carp and freshwater prawns. In: The Journal of General and Applied Microbiology. Band 45, Tokyo, 1999, S. 177–184, ISSN 0022-1260; doi:10.2323/jgam.45.177 (englisch). </ref> <ref name="Cui2012"> Y. Cui, C. Zhang, Y. Wang, J. Shi, L. Zhang, Z. Ding, X. Qu, H. Cui: Class IIa Bacteriocins: Diversity and New Developments. In: International journal of molecular sciences. Band 13, Nummer 12, 2012, S. 16668–16707, ISSN 1422-0067; doi:10.3390/ijms131216668, PMC 3546714 (freier Volltext), PMID 23222636 (englisch). </ref> <ref name="Cocolin2011"> L. Cocolin, P. Dolci, K. Rantsiou: Biodiversity and dynamics of meat fermentations: the contribution of molecular methods for a better comprehension of a complex ecosystem. In: Meat science. Band 89, Nummer 3, November 2011, S. 296–302, ISSN 1873-4138; doi:10.1016/j.meatsci.2011.04.011, PMID 21555189. (Review, englisch). </ref> <ref name="Deibel1961"> R. H. Deibel, G. D. Wilson, C. F. Niven Jr.: Microbiology of meat curing. IV. A lyophilized Pediococcus cerevisiae starter culture for fermented sausage. In: Applied microbiology. Band 9, Mai 1961, S. 239–243, ISSN 0003-6919; doi:10.1128/am.9.3.239-243.1961, PMC 1057713 (freier Volltext), PMID 13721283 (englisch). </ref> <ref name="Haarkensen2009"> M. Haakensen, C. M. Dobson, J. E. Hill, B. Ziola: Reclassification of Pediococcus dextrinicus (Coster and White 1964) back 1978 (Approved Lists 1980) as Lactobacillus dextrinicus comb. nov., and emended description of the genus Lactobacillus. In: International journal of systematic and evolutionary microbiology. Band 59, Nr. 3, März 2009, S. 615–621, ISSN 1466-5026; doi:10.1099/ijs.0.65779-0, PMID 19244449 (englisch). </ref> <ref name="Harrison1950"> Arthur P. Harrison Jr., P. Arne Hansen: The bacterial flora of the cecal feces of healthy turkeys. In: Journal of Bacteriology, Band 59, Nr. 2, Washington 1950, S. 197–210, ISSN 0021-9193; doi:10.1128/jb.59.2.197-210.1950, PMID 15421948, PMC 385742 (freier Volltext) (englisch). </ref> <ref name="Leisner2000"> J. J. Leisner, M. Vancanneyt, J. Goris, H. Christensen, G. Rusul: Description of Paralactobacillus selangorensis gen. nov., sp. nov., a new lactic acid bacterium isolated from chili bo, a Malaysian food ingredient. In: International journal of systematic and evolutionary microbiology, Band 50, Nr. 1, Januar 2000, S. 19–24, ISSN 1466-5026; doi:10.1099/00207713-50-1-19, PMID 10826783 (englisch). </ref> <ref name="Morita2008"> H. Morita, C. Shiratori u. a.: Sharpea azabuensis gen. nov., sp. nov., a Gram-positive, strictly anaerobic bacterium isolated from the faeces of thoroughbred horses. In: International journal of systematic and evolutionary microbiology, Band 58, Nr. 12, Dezember 2008, S. 2682–2686, ISSN 1466-5026; doi:10.1099/ijs.0.65543-0, PMID 19060040 (englisch). </ref> <ref name="Morse1996"> R. Morse, M. D. Collins, K. Ohanlon, S. Wallbanks, P. T. Richardson: Analysis of the beta' subunit of DNA-dependent RNA polymerase does not support the hypothesis inferred from 16S rRNA analysis that Oenococcus oeni (formerly Leuconostoc oenos) is a tachytelic (fast-evolving) bacterium. In: International Journal of Systematic Bacteriology Band 46, 1996, S. 1004–1009; doi:10.1099/00207713-46-4-1004, PMID 8863429 (englisch). </ref> <ref name="Müller1986"> Gunther Müller: Grundlagen der Lebensmittelmikrobiologie. 6. Auflage. Steinkopff Verlag, Darmstadt 1986, ISBN 3-7985-0673-6, S. 59–61, 178. </ref> <ref name="Mundt1967"> J. O. Mundt, W. F. Graham, I. E. McCarty: Spherical Lactic Acid-producing Bacteria of Southern-grown Raw and Processed Vegetables. In: Applied microbiology. Band 15, Nr. 6, November 1967, S. 1303–1308, ISSN 0003-6919; doi:10.1128/am.15.6.1303-1308.1967, PMC 547188 (freier Volltext), PMID 16349739 (englisch). </ref> <ref name="Schlegel1992"> Hans G. Schlegel, Christiane Zaborosch: Allgemeine Mikrobiologie. 7. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart/New York 1992, ISBN 3-13-444607-3, S. 100 f., 296–304. </ref> <ref name="Siragusa2009"> S. Siragusa, R. Di Cagno u. a.: Taxonomic structure and monitoring of the dominant population of lactic acid bacteria during wheat flour sourdough type I propagation using Lactobacillus sanfranciscensis starters. In: Applied and environmental microbiology, Band 75, Nr. 4, Februar 2009, S. 1099–1109, ISSN 1098-5336; doi:10.1128/AEM.01524-08, PMC 2643576 (freier Volltext), PMID 19088320 (englisch). </ref> <ref name="Yang1989"> Decheng Yang, Carl R. Woese: Phylogenic Structure of the “Leuconostocs”: An interesting Case of a Rapidly Evolving Organism. In: Systematic and Applied Microbiology, Band 12, Nr. 2, Oktober 1989, S. 145–149; doi:10.1016/S0723-2020(89)80005-0 (englisch). </ref> <ref name="Zheng2015"> </ref> <ref name="Zheng2020"> </ref> </references>
Benutzte Literatur
- Katharina Munk (Hrsg.): Grundstudium Biologie. 5 Bde. Elsevier, Heidelberg 2002. ISBN 3-8274-1397-4.
- Helmut H. Dittrich (Hrsg.): Mikrobiologie der Lebensmittel, Getränke. Behr, Hamburg 1999; ISBN 3-86022-113-2.
- Helmut H. Dittrich (Hrsg.): Mikrobiologie der Lebensmittel, Fleisch und Fleischerzeugnisse. Behr, Hamburg 1996; ISBN 3-86022-236-8.
- Werner Back: Zur Taxonomie der Gattung Pediococcus. In: Brauwissenschaft, Band 31, Nürnberg 1978, H.9, ISSN 0006-9337
- C.-E. A. Winslow u. a.: The families and genera of the bacteria. In: Preliminary report. Journal of bacteriology (J.bact.), Band 2, Edinburgh 1917, 505–566, ISSN 0021-9193 (englisch).
- J. Björkroth, W. Holzapfel: Genera Leuconostoc, Oenococcus and Weissella. In: M. Dworkin (Hrsg.): The prokaryotes: a handbook on the biology of bacteria. Band 4: Bacteria: Firmicutes, Cyanobacteria. 3. Auflage. Springer-Verlag, New York, 2006, ISBN 0-387-25494-3, S. 267–319 (englisch).