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Tschad

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Die Republik Tschad [<templatestyles src="IPA/styles.css" />tʃat, tʃaːt] (arabisch جمهوريّة تشاد {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) [<templatestyles src="IPA/styles.css" />tʃad]) ist ein Binnenstaat in Zentralafrika. Sie grenzt im Norden an Libyen, im Osten an den Sudan, im Süden an die Zentralafrikanische Republik und im Westen an Niger, Nigeria und Kamerun. Das Land, dessen Norden Teil der Wüste Sahara ist, ist relativ dünn besiedelt. Neben der größten Stadt des Landes, der Hauptstadt N’Djamena, sind Moundou, Abéché und Sarh größere Orte.

Der weit überwiegende Teil der Bewohner arbeitet in der Landwirtschaft. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt trotz der Öleinnahmen des Landes unterhalb der Armutsgrenze.<ref name="bpb Dickow">Helga Dickow: Tschad. Bundeszentrale für politische Bildung, 26. August 2020, abgerufen am 9. Januar 2021.</ref> Seit mehr als 20 Jahren ist der Index der menschlichen Entwicklung des Landes einer der niedrigsten der Welt.<ref name="hdi tab2"></ref>

Der Tschad war früher eine französische Kolonie. 1960 erlangte er seine Unabhängigkeit. Staats- und Regierungschef war von 1990 bis zu seiner Tötung 2021 Präsident Idriss Déby. In der Folge übernahm ein Militärrat unter Leitung seines Sohnes Mahamat einen Großteil der Macht, gemäß Fragile States Index ist der Tschad seither aber ein gescheiterter Staat.

Nach mehreren politischen Indizes wird der Staat weiterhin autoritär regiert, ist unfrei und eines der korruptesten Länder der Welt. Im Tschad kommt es weiterhin regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte.

Landesname

Der Landesname „Tschad“ kann im Deutschen sowohl im sächlichen grammatischen Geschlecht („das heutige Tschad“, „in, nach Tschad“) als auch im männlichen Genus („der Tschad, im Tschad“) gebraucht werden. Laut Duden kann für den Staat Tschad wahlweise ein Artikel verwendet werden oder nicht.<ref>Tschad. In: duden.de. Abgerufen am 28. Juli 2019.</ref> Der Gebrauch des Staatsnamens im männlichen Geschlecht überwiegt im allgemeinen Sprachgebrauch. Die Staatsangehörigen werden im Deutschen Tschader bzw. Tschaderin genannt.<ref>Tschader, der. In: duden.de. Abgerufen am 18. August 2019.</ref>

Geographie

Der Tschad schließt den östlichen Teil des Tschadbeckens mit dem größten Teil des Tschadsees ein. Das Becken (inkl. des Sees) nimmt 90 % der Landesfläche ein. Über das Tschadbecken erheben sich im Osten das Hochland von Ennedi (1450 m) und das Wadai-Massiv (1320 m), im Norden erhebt sich das vulkanische Gebirge des Tibesti (3415 m Emi Koussi, höchster Punkt in der Sahara) und das Plateau Erdi-Ma. Im nördlichen Zentrum des Landes liegt der niedrigste Punkt des Landes, die Bodélé-Depression.

Klima

Der Tschad erstreckt sich von den trockenen Wüsten der Sahara im Norden über die Klima- und Vegetationszonen des Sahels und des Sudans (Dornstrauch- und Trockensavannen, an den Flüssen auch Überschwemmungssavannen und Galeriewälder) bis zum Bereich der Trockenwälder im äußersten Süden (wegen der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit zur Kolonialzeit Tchad utile genannt).

Das Land steht generell unter dem Einfluss des Westafrikanischen Monsuns im Sommer und des Passatwindes Harmattan in den Wintermonaten. Im Süden des Landes herrscht dadurch ein nahezu tropisches, wechselfeuchtes Klima mit bis über 1100 mm Niederschlag, während im Norden Wüstenklima mit großen täglichen Temperaturunterschieden und extrem seltenen Niederschlägen mit 20 bis 40 mm Niederschlag im Jahr vorherrscht.

Hydrologie

Das Land ist hydrologisch vom Tschadbecken dominiert. Abgesehen von kleineren Bereichen im Norden und Nordosten sowie einem kleinen Stück im äußersten Südwesten, fließt aller Niederschlag des Landes dem Tschadsee im Südwesten des Landes zu. Da die nördliche Hälfte Wüstenklima hat, befinden sich alle regelmäßig wasserführenden Gewässerläufe im Süden des Landes. Sie sind im Wesentlichen von der Hydrologie der Zentralafrikanischen Republik und den größten Flüssen des Landes, dem Schari und dem Logone beeinflusst. Deren Einzugsgebiete erstrecken sich im Süden des Landes bis zur Nordäquatorialschwelle und lassen ausgedehnte Feuchtgebiete innerhalb der Savannenlandschaft entstehen.

Im Norden des Landes befinden sich ansonsten nur einige Wadis. Es sind noch Flüsse am Rande des Benue Einzugsgebietes im äußersten Südwesten und Wechselwirkungen mit der Hydrologie Nordkameruns zu verzeichnen. Dort befindet sich der ehemalige Abfluss des heute endorheischen Tschadsees; in früheren Zeiten waren etwa 1/3 des Tschad von dem See geflutet (Mega-Tschad) und alle Wasserläufe des Landes entwässerten über den Benue in den Niger.

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Flora und Fauna

Datei:Chad sat.jpg
Der Tschad ist in drei ausgeprägte Vegetationszonen unterteilt, von der sudanesischen Savanne im Süden bis zur Sahara im Norden.

Die Flora und Fauna des Tschads gilt allgemein als wenig erforscht und schlecht dokumentiert. Der Tschad untergliedert sich in drei bioklimatische und fünf biogeographische Zonen. Die bioklimatischen Zonen sind die Sahara, die Sahel- und die Sudansavannen. Die biogeographischen Zonen bilden die Gebirgsregion des Tibesti, die Dünen- und Steinwüsten der südlichen Sahara, die Savannen rund um den Tschadsee und seiner Zuflüsse, die Trockensavannen des Sahel und die Feuchtsavannen des Sudans. Aus dieser Mischung aus den verschiedenen bioklimatischen und biogeographischen Regionen entwickelte sich eine der artenreichsten Flora und Fauna innerhalb der Großregionen des Sahel und Sudans. Wälder zum Beispiel bedeckten 2011 eine Fläche von 11.921.000 Hektar, dies entsprach ca. neun Prozent der Landesfläche; der Waldschwund ist allerdings infolge unkontrollierter bzw. illegaler Abholzung beträchtlich. Das Volumen der Stand- und Fließgewässer des Tschads wird auf über 500 Milliarden Kubikmeter geschätzt, das Volumen des Tschadsees betrug 1992 ca. 18 Milliarden Kubikmeter.

Bis 2007 konnten im Tschad bis 4318 Pflanzenarten und 722 Tierarten dokumentiert werden. Davon sind 71 Pflanzen-, 4 Säugetier-, 1 Reptilien-, 1 Vogel- und 16 Fischarten endemisch und nur aus dem Tschad bekannt. Drei im Tschad vorkommende Schildkrötenarten stehen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten, dieses sind die Spornschildkröte (Centrochelys sulcata), die Weichschildkröten Cyclanorbis senegalensis und Cyclanorbis elegans. 16 Tier- und Pflanzenarten werden von der IUCN als bedrohte Arten eingestuft. Informationen über Pilze, Insekten, Flechten, Bakterien und Algen sind nicht oder nur sehr begrenzt verfügbar. Über die Algenflora sind lediglich intensive Studien über den Tschadsee bekannt. In ihm wurden über 1000 Algenarten dokumentiert, darunter über 100 Phytoplanktonarten. Diese bilden die Nahrungsgrundlage für eine reichhaltige Fischfauna, die 136 Arten umfasst. So kommen im Tschad unter anderen der Nilbarsch (Lates niloticus), Raubwelse (Clarias sp.), Afrikanische Knochenzüngler (Heterotis niloticus), Tilapien (Tilapia spp.), Oreochromis niloticus und der Kugelfisch Tetraodon lineatus vor. Außerdem werden in den Gewässern des Tschad jährlich ca. 120.000 Tonnen Fisch gefangen. Von der Avifauna sind 532 Vogelarten dokumentiert. Diese Anzahl umfasst 354 Brutvogel- und 155 Zugvogelarten, von letzteren sind 117 paläarktischen Ursprungs. Die Feuchtgebiete des Tschadsees und entlang der Flüsse Logone, Bahr Aouk und Salamat gehören zu den weltweit bedeutenden Rast- und Überwinterungsquartieren für die Zugvögel der nördlichen Erdhalbkugel. Die Säugetierfauna des Tschads ist sehr reichhaltig und es kommen nahezu alle touristischen Flaggschiff-Tierarten vor. So unter anderen Löwen (Panthera leo), Geparde (Acinonyx jubatus), Giraffen (Giraffa camelopardalis). Die Population des Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) im Tschad wird auf ca. 3000 Exemplare geschätzt. Aber auch relativ unbekannte Säugetiere wie die Riesen-Elenantilope (Taurotragus derbianus) oder das Afrikanische Manati (Trichechus senegalensis) haben im Tschad ihre Heimat. Die westafrikanische Unterart des Spitzmaulnashorns (Diceros bicornis longipes), die einst im Tschad vorkam, gilt heute als ausgestorben. Von den Reptilien sind 52 Arten dokumentiert, darunter befinden sich Steppenwarane (Varanus exanthematicus), Vertreter der Eigentlichen Pythons (Python) und der Nilwaran (Varanus niloticus).<ref>Chad – Country Profile: Biodiversity Facts. In: cbd.int. Abgerufen am 20. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Paul Scholte, Peter Robertson: Chad. (PDF; 2,2 MB) In: birdlife.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. Oktober 2012; abgerufen am 31. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Biodiversity and tropical forest assessment for Chad. (PDF; 850 kB) In: encapafrica.org. USAID, Mai 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Februar 2014; abgerufen am 13. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref></ref><ref>Ecosystem and Biodiversity of the Lake Chad Basin. In: cblt.org. Abgerufen am 22. Mai 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Emslie, R. 2011. [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Diceros bicornis ssp. longipes.] In: IUCN 2013. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2013.2. www.iucnredlist.org. Downloaded on 26 January 2014.</ref> Zudem befinden sich im Ennedi-Massiv isolierte Vorkommen des Westafrikanischen Krokodils (Crocodylus suchus). Es handelt sich um Relikte einer einst geschlossenen Verbreitung dieser Art in der Sahara.

Einer 2020 veröffentlichten Untersuchung zufolge kommen im Tschad 80 Schlangenarten vor.<ref>Trape, Jean-François, Israël D. Kodindo, Ali S. Djiddi, Joseph Mad-Toïngué, Clément H. Kerah: The snakes of Chad: results of a field survey and annotated country-wide checklist. Bonn Zoological Bulletin 69(2): 367–393. doi:10.20363/BZB-2020.69.2.369</ref>

Den größten Teil des Tschads nehmen die hyperariden Gebiete der zentralen und südlichen Sahara ein. Diese Gebiete nehmen mehr als 50 % der Landesfläche ein und sind gering besiedelt. Größere Siedlungen finden sich in dieser Region nur in Gebieten mit oberflächennahen oder bis an die Erdoberfläche ragenden Grundwasserleitern, den Oasen. Die Bezeichnungen der Landschaft entsprechen dem Landschaftsbild, so werden Sanddünengebiete als Erg, Fels- und Steinwüsten als Hammada bezeichnet. Regen fällt in dieser Region nur in ein bis zwei Monaten im Jahr. Die Niederschlagsmenge variiert dabei von 25 bis 100 mm pro Jahr. Es kommen in dieser Region weniger als 400 Pflanzenarten vor, jedoch ist die Fauna weit artenreicher als in früheren Jahrzehnten angenommen. Südlich der 100-mm-Isohyete verändert sich die Vegetation in der südlichen Sahara für wenige Monate im Jahr. Es handelt sich dabei um eine Übergangszone von der Sahara in die Ökoregion des Sahel, vom WWF wird diese Übergangszone als die Südsahara-Steppe bezeichnet. Sie findet sich im Tschad im südlichen Erg Kanem, in den Regionen der Ouadi Achim-Rimé, Fada Archei und dem Gebirgsplateau Wadai. Sie dehnt sich von der 100- zur 200-mm-Isohyete aus und ist im Durchschnitt lediglich 100–300 km breit. Bedingt durch die sommerlichen Niederschläge kann sich eine Steppe entwickeln, deren dominante Gräser der Gattungen Eragrostis, Aristida und Stipagrostis angehören. Durchsetzt ist diese Grassteppe von den Kräutern und Sträuchern der Gattungen Tribulus, Heliotropium und Pulicharia. Bäume finden sich in dieser Ökoregion trotzdem nur an den Wadis und den Gebieten mit oberflächennahen Grundwasserleitern, wie den Moilo-Seen im Erg Kanem und der Guelta d’Archei.<ref>Africa--Mauritania, Mali, Algeria, Niger, Chad, Sudan. In: worldwildlife.org. Abgerufen am 2. November 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Eine biogeographische Insellage in der Sahara nimmt das Gebirge des Tibesti ein. Die Flora und Fauna des Gebirges wird allgemein als Relikt aus dem feuchteren Zeitalter des Nigéro-Tschadien angesehen, wobei speziell die Flora angepasst ist an die Höhenlage und das Gefälle in diesem Gebirge. Die Landschaftsbezeichnungen im Tibesti entstammen dem Arabischen, den Tedaga- und Dazaga-Sprachen. So werden Wadis als Enneri und Berggipfel als Emi bezeichnet. Begünstigt durch die höheren Niederschläge, von 100 bis zu 600 mm pro Jahr, können sich in dieser Ökoregion 568 Pflanzenarten entwickeln, unter anderen Vertreter aus den Gattungen der Schönmalven, Hibiscus, Rhynchosia und Tephrosia. Eine besondere ökonomische Bedeutung haben die Echte Dattelpalme (Phoenix dactylifera) und die Doumpalmen (Hyphaene). Der Endemismus ist jedoch gering, lediglich der Endemit Ficus teloukat, ein Vertreter der Feigen, ist bekannt. Er wächst an den trockenen südlichen Berghängen.<ref>Christine Burdette: Tibesti-Jebel Uweinat montane xeric woodlands. Beschreibung als WWF-Ökoregion. In: worldwildlife.org. Abgerufen am 10. Mai 2020 (englisch).</ref> Die Säugetierfauna aller drei Ökoregionen ähneln aufgrund der Aridität einander, so kommen im Tibesti der Mähnenspringer (Ammotragus lervia)<ref>[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Ammotragus lervia auf der IUCN Red list] (englisch)</ref> und in den beiden anderen die Dorkasgazellen (Gazella dorcas),<ref>[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Gazella Dorcas auf der IUCN Red list] (englisch)</ref> Damagazellen (Nanger dama),<ref>[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Nager Dama auf der IUCN Red list] (englisch)</ref> Kaphasen (Lepus capensis), mehrere Arten der Rennmäuse (Gerbillinae) vor. Für die Säbelantilope (Oryx dammah) war das Gebiet um die Ouadi Achim-Rimé das letzte Rückzugsgebiet, sie gilt inzwischen in freier Wildbahn als ausgestorben.<ref>Oryx dammah – Scimitar-horned oryx. In: ultimateungulate.com. Abgerufen am 29. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Oryx dammah auf der IUCN Red list] (englisch)</ref>

Die Sahelsavannen erstrecken sich generell von der 200- bis zur 600-mm-Isohyete. Es handelt sich bei dieser Savannenform um Trocken- und Dornstrauchsavannen, die mit Bäumen, hauptsächlich aus der Gattung der Akazien (Acacia), durchsetzt sind. Aus diesem Grund wird sie vom WWF als Sahel-Akaziensavanne bezeichnet. Die Region um den Tschadsee und die Firki-Ebenen bilden eigene Biome in der Region des Sahel im Tschad. Im Durchschnitt fallen 250 mm bis 500 mm Regen im Jahr. In den Sahelsavannen bilden die Gräser Cenchrus biflorus, Schoenefeldia gracilis und Aristida stipoides einen Großteil der pflanzlichen Biomasse, während die meistverbreiteten Baumarten die Acacia tortilis, Acacia laeta, Commiphora africana, Balanites aegyptiaca und die Boscia senegalensis sind. Der Endemismus ist im Sahel generell gering entwickelt.<ref>Sahelian Acacia savanna. In: worldwildlife.org. Abgerufen am 3. Juli 2020 (englisch).</ref>

Naturschutzgebiete

Im Tschad liegt eines der größten Naturschutzgebiete des Kontinents, das 77.950 km² große Naturschutzgebiet Ouadi Rimé–Ouadi Achim. Weitere Schutzzonen der Flora und Fauna sind das Naturschutzgebiet Fada Archei, das Wildtierreservat Binder-Léré, Sena-Oura-Nationalpark, Nationalpark Manda und der rund 3000 km² große, im Südosten gelegene Nationalpark Zakouma. Der Tschad ist Unterzeichner der Ramsar-Konvention, im Zuge der Zusammenarbeit mit der Organisation, der Tschadseebecken-Kommission und dem WWF wurde bis 2008 eine Fläche von 12.405.068 Hektar zu Schutzzonen in Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung erklärt. Dieses sind die Schutzareale des Fitri-Sees, Plaine de Massenya, Partie tschadienne du lac Tchad, Plaines d’inondation des Bahr Aouk et Salamat, Plaines d’inondation du Logone et les dépressions Toupouri und das Wildtierreservat Binder-Léré.<ref>The Annotated Ramsar List: Chad. In: archive.ramsar.org. 14. Januar 2002, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. August 2018; abgerufen am 25. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Verwaltungsgliederung

<imagemap> Bild:Chad, administrative divisions - de - colored.svg|mini|Provinzen des Tschad

poly 170 1347 193 1307 248 1311 326 1310 478 1260 505 1184 627 1189 708 1052 759 1044 799 1106 823 1168 819 1203 867 1216 867 1251 896 1253 895 1345 Zentralafrikanische Republik poly 893 313 854 312 851 658 786 670 782 707 746 766 746 784 729 817 727 827 732 847 693 877 702 893 730 878 755 903 745 936 762 948 760 983 787 997 779 1046 827 1111 820 1200 874 1211 893 1197 896 1164 Sudan poly 93 862 105 919 132 929 138 948 135 981 119 996 99 1003 85 1014 62 1075 35 1134 23 1154 4 1174 0 1188 0 1347 171 1347 206 1291 172 1219 82 1133 104 1096 209 1106 158 1044 167 950 151 935 149 900 132 884 125 859 Kamerun poly 1 3 8 45 78 73 96 102 246 36 855 353 850 308 895 312 896 0 Libyen poly 2 50 48 62 95 105 166 80 178 196 185 223 205 265 234 287 218 319 199 562 69 709 69 732 58 744 50 753 55 812 2 829 Niger poly 1 836 16 827 38 827 41 806 66 808 95 865 102 916 133 926 140 957 136 988 93 1002 79 1014 46 1098 33 1131 28 1144 5 1152 2 1184 1 1184 Nigeria

poly 146 923 174 927 185 954 168 956 160 938 N’Djamena poly 178 927 184 955 166 961 157 1029 186 1007 206 1028 232 1048 245 1048 248 1053 259 1099 281 1091 345 1123 358 1073 337 1056 340 990 301 967 291 926 247 913 201 924 Chari-Baguirmi poly 127 868 132 888 151 900 156 926 180 928 191 917 201 930 250 910 299 931 305 970 320 984 346 992 370 974 367 946 352 927 315 870 327 859 283 863 239 871 232 855 206 848 183 832 200 857 185 859 173 850 167 850 165 874 Hadjer-Lamis poly 538 941 567 883 543 866 518 868 490 894 424 893 401 910 355 933 359 961 373 976 337 983 344 1057 361 1067 387 1065 418 1081 443 1095 450 1120 463 1111 491 1106 523 1065 527 1029 462 998 462 974 475 977 487 980 499 957 495 942 506 938 Guéra poly 557 874 563 884 545 924 540 946 586 960 624 971 671 979 706 973 734 1034 773 1035 770 994 751 986 737 969 746 942 737 944 737 920 731 892 712 886 702 899 682 883 669 882 654 895 618 895 612 880 605 866 574 867 Sila poly 549 791 569 758 610 758 632 778 653 785 664 777 718 794 708 810 721 850 685 884 666 887 652 893 627 894 619 890 610 871 596 863 571 863 570 810 Wadai poly 399 680 359 810 332 815 338 854 318 876 357 941 370 931 403 916 427 892 484 894 528 860 562 884 577 868 568 825 564 808 548 791 544 650 508 636 497 618 492 642 475 676 453 685 428 681 Batha poly 548 650 548 791 574 752 598 763 622 782 636 789 651 781 689 784 716 799 741 773 726 757 728 738 756 733 755 715 778 686 771 670 757 655 739 640 712 629 689 638 655 635 634 635 628 648 622 657 610 663 583 658 Wadi Fira poly 331 627 378 650 396 672 362 807 337 816 340 855 335 855 322 857 295 864 250 866 241 855 241 834 234 823 234 805 216 810 216 794 259 751 256 733 277 692 Barh El Gazel poly 44 748 65 816 91 864 121 861 133 875 169 869 168 844 180 850 185 857 196 854 185 841 187 835 199 843 208 846 197 809 147 819 125 775 107 775 93 754 73 747 Lac poly 205 564 288 609 331 629 286 683 261 710 254 726 254 753 229 785 211 787 211 814 227 810 236 823 236 861 207 846 193 812 153 812 119 783 92 751 65 749 65 742 81 738 72 715 114 654 Kanem poly 205 541 205 409 223 312 241 291 207 249 211 235 177 195 182 156 166 77 243 41 626 228 588 312 513 314 509 422 468 424 450 409 279 409 Tibesti poly 205 560 202 548 279 406 452 404 466 424 486 422 533 474 590 469 585 553 579 569 606 645 592 656 583 654 570 663 561 652 513 641 502 623 491 623 488 656 466 679 439 683 423 683 401 674 387 668 383 647 290 614 Borkou poly 621 233 725 280 730 573 718 578 727 593 716 605 702 607 705 629 680 636 633 638 635 652 606 665 592 659 606 647 576 578 583 555 583 472 529 472 484 424 513 424 511 316 585 314 Ennedi Ouest poly 727 285 853 350 851 654 835 650 817 647 806 661 784 654 772 665 766 656 727 641 702 634 702 616 718 605 730 593 721 580 730 571 Ennedi Est poly 464 970 461 1005 525 1029 523 1110 539 1180 584 1174 686 1079 680 1053 731 1031 703 970 636 981 568 944 543 953 502 938 495 949 495 961 483 981 Salamat poly 360 1072 343 1117 362 1133 363 1143 384 1159 408 1170 407 1180 393 1193 408 1232 412 1270 444 1261 477 1212 460 1195 489 1185 547 1178 516 1098 525 1057 499 1073 484 1099 469 1107 454 1108 452 1121 429 1105 429 1084 379 1067 Moyen-Chari poly 162 1019 171 1060 189 1087 205 1103 208 1108 143 1107 142 1133 164 1135 176 1155 194 1173 227 1128 243 1135 259 1109 264 1098 248 1085 249 1064 251 1045 218 1039 193 1014 Mayo-Kebbi Est poly 88 1135 108 1101 142 1110 147 1136 162 1133 200 1170 187 1220 151 1204 121 1185 Mayo-Kebbi Ouest poly 197 1182 197 1162 223 1128 235 1135 259 1103 259 1087 291 1085 302 1102 331 1118 363 1131 363 1138 353 1140 336 1139 333 1150 331 1159 320 1164 337 1173 336 1180 306 1185 286 1179 276 1176 265 1165 256 1171 252 1176 244 1176 239 1176 Tandjilé poly 333 1140 332 1158 328 1162 334 1172 329 1182 329 1201 324 1214 333 1235 338 1246 329 1256 346 1286 374 1267 417 1267 390 1189 410 1174 384 1168 373 1154 366 1147 358 1139 Mandoul poly 270 1178 286 1204 261 1214 237 1228 209 1247 183 1231 199 1279 208 1286 208 1300 219 1310 241 1310 282 1274 308 1306 335 1286 327 1253 339 1242 325 1220 325 1204 326 1179 302 1182 288 1173 Logone Oriental poly 197 1185 180 1229 211 1242 228 1234 271 1213 289 1198 268 1165 254 1183 243 1173 228 1188 213 1181 Logone Occidental

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Seit 2012 ist der Tschad in 23 Regionen eingeteilt, die seit 2018 als Provinzen bezeichnet werden.

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Städte

Im Jahr 2023 lebten 24 Prozent der Einwohner des Tschad in Städten.<ref name="BevStadt">Urban population (% of total population). Weltbank, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Einwohnerzahlen der 10 größten Städte<ref>World Urbanization Prospects. Abgerufen am 9. April 2026.</ref>
Stadt 2009 2019 2025
N'Djaména   1.133.623   1.594.648  1.934.909
Abéché   269.417   358.472  443.793
Moundou   228.985   250.826  281.943
Sarh   198.957   237.773  276.978
Mongo   145.652   190.110  223.205
Am Timan   132.918   177.115  212.167
Koumra   119.072   149.056  181.741
Doba   118.585   150.664  176.643
Karyari   -     140.623  172.650
Faya-Largeau   -     124.913  168.302

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Bevölkerung

Demografie

Datei:Chad Population 1950-2021 Forecast 2022-2032 UN World Population Prospects 2022.svg
Bevölkerungs­entwicklung, Fertilitäts- und Netto­reproduktions­raten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungs­entwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022<ref name="WPP_2022">United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2022). World Population Prospects 2022, Online Edition. (XLSX; 93,17 MB) In: United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division. Vereinte Nationen, Juli 2022, abgerufen am 16. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Blaue Kurve (linke Y-Achse): Gesamt­bevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend
Blaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamt­bevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“)
Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamt­frucht­barkeits­rate (Lebendgeburten pro Frau)
Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Netto­reproduktions­rate (überlebende Töchter pro Frau)
Datei:Chad single age population pyramid 2020.png
Das Durchschnittsalter im Tschad betrug 17,6 Jahre

Tschad hatte 2022 17,7 Millionen Einwohner.<ref>Population, total. In: World Economic Outlook Database. Weltbank, 2023, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug +3,1 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 43,2 pro 1000 Einwohner<ref>Birth rate, crude (per 1,000 people). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> vs. Sterbeziffer: 12,2 pro 1000 Einwohner<ref>Death rate, crude (per 1,000 people). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 6,2, die der Region Sub-Sahara-Afrika betrug 4,5.<ref name="Gebrat">Fertility rate, total (births per woman). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seit 2010 sank die Geburtenrate um 11,1 %.<ref name="Gebrat" /> Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 15 Jahren.<ref>World Population Prospects 2022 – Population Dynamics – Download Files. Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen, 2021, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 2023 waren 47,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,<ref>Population ages 0–14 (% of total population). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> während der Anteil der über 64-Jährigen 2,0 Prozent der Bevölkerung betrug.<ref>Population ages 65 and above (% of total population). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Bevölkerungsstruktur

Die Volkszählung 2009 ergab eine Einwohnerzahl von 11,04 Millionen Menschen.<ref>Deuxième recensement général de la population et de l’habitat (RGPH2, 2009). (PDF) Tabelle 2.01. In: inseedtchad.com. Statistischer Dienst der Republik Tschad, Juli 2014, S. 33, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Februar 2018; abgerufen am 28. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Von den gezählten Personen lebten noch etwa 370.000 Menschen nomadisch. Darunter rund 120.000 in der Provinz Barh El Gazel und in weiteren sechs Provinzen jeweils zwischen 20.000 und 33.000 Personen.<ref>Deuxième recensement général de la population et de l’habitat. In: (RGPH2, 2009), Tabelle 2.20 auf S. 55 (französisch).</ref> Unter den erfassten Personen waren ca. 275.000 Ausländer, die Mehrzahl Flüchtlinge aus den Nachbarländern Sudan (ca. 215.000), Zentralafrikanische Republik (ca. 35.000) und Nigeria (ca. 6.000). Nur rund 3.800 Menschen stammten nicht aus Afrika.<ref>Deuxième recensement général de la population et de l’habitat. In: (RGPH2, 2009), Tabelle 5.05 auf S. 108 (französisch).</ref>

Die Bevölkerung des Tschad setzt sich aus fast 200 verschiedenen Ethnien zusammen, von denen die meisten auch eigene Sprachen oder Dialekte sprechen. Nach Zahlen von 2009 bilden die im Süden lebenden Sara, die traditionell Feldbau auf Rodungsinseln sowie Fischerei betreiben, mit ca. 2,8 Mio. Angehörigen (26,1 %) die größte Volksgruppe. Auf sie folgten mit ca. 1,4 Mio. Angehörigen die (Tschad-)Araber. Weitere bedeutende Volksgruppen mit mehr als 500.000 Angehörigen sind die Kanembou/Bornu/Buduma (ca. 900.000), Wadai/Maba/Massalit/Mimi (ca. 765.000), Gorane (ca. 740.000) und Massa/Musseje/Musgum (ca. 515.000).<ref>Deuxième recensement général de la population et de l’habitat. In: (RGPH2, 2009), Tabelle 5.02 auf S. 106 (französisch).</ref> Im Süden und Südwesten leben zudem Bagirmi-Sprecher (ca. 140.000), im Grenzgebiet zu Nigeria auch Hausa. Im dünn besiedelten Norden lebten vor allem Nomaden und Halbnomaden wie die Tubu. Im Westen auch Kanembu und die Kanuri im Nordwesten.<ref name="grob">Meyers Großes Länderlexikon. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 2004.</ref> Etwa 9 % der Gesamtbevölkerung sind Sudanaraber, die zumeist von Handel und Viehhaltung leben. Arabisierte Gruppen stellen allerdings insgesamt 38 % der Bevölkerung.<ref>Brockhaus in fünf Bänden. FAB, Leipzig, Mannheim 2003.</ref>

Die verschiedenen Völker des Landes lassen sich in zwei große Gruppen unterordnen: Die arabisierten und islamisierten Völker im Norden und die christlich-animistischen Gruppen im Süden. Wie in vielen anderen Ländern entlang der Sudanzone gibt es einen ausgeprägten Gegensatz zwischen Nord und Süd. Im Laufe der Geschichte hat sich das politische Schwergewicht verlagert. Vor der Kolonisierung des Gebiets hatten fast ein Jahrtausend lang muslimische Nomaden und Halbnomaden aus dem Norden die Dominanz über den Süden, aus dem hauptsächlich Nachschub für den Sklavenhandel geholt wurde. In der Kolonialzeit kehrte sich das Kräfteverhältnis um: Die Eroberung des Landes durch Frankreich begann im Süden und Südwesten, wodurch die sesshaft lebenden Sara als erste europäische Bildung erhielten. Dadurch entwickelte sich dort eine – teilweise christliche – Elite, der dann auch der erste Präsident N'Garta Tombalbaye entstammte. Im islamischen Norden empfand man es als Affront, dass nun schwarzafrikanische Verwaltungsbeamte wichtige regionale Posten übernahmen. Es genügten daher wenige Zwischenfälle, welche Unruhen auslösten, die zu Bürgerkriegen im Tschad führten.<ref name="grob" />

Im Jahre 2017 waren 3,3 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Der größte Teil davon waren Flüchtlinge aus Darfur im Sudan und der Zentralafrikanischen Republik.<ref>Migration Report 2017. (PDF) UN, abgerufen am 30. September 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Origins and Destinations of the World’s Migrants, 1990–2017. In: pewglobal.org. 2017, abgerufen am 2. Oktober 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Sprachen

Gesprochen werden über 120 Sprachen und Dialekte.<ref>Peter Mühlbauer: Darfur – Ethnographie und Geschichte eines Konflikts. In: heise.de. 11. Juli 2007, abgerufen am 28. März 2019 (Artikel mit detaillierter Karte der Sprachen im Tschad und in Darfur).</ref> Die wichtigsten Sprachen sind die beiden Amtssprachen Arabisch (Tschadisch-Arabisch und Sudanarabisch), das von mindestens 26 % der Gesamtbevölkerung als Mutter- oder Zweitsprache gesprochen wird, und Französisch, das nur von einer gebildeten Minderheit gesprochen wird – sowie Sara.

Etwa 62 % der Bevölkerung sprechen Zentralsudanische Sprachen (darunter 20 % Sara sowie 5 % Bagirmi und Kraish zusammen), etwa 14 % tschadische Sprachen (unter anderem Kotoko), 6,5 % Saharanische Sprachen (Dazaga, Tedaga, Zaghawa) und 1,6 % das M'óum. Weitere Sprachen sind Maba (Wadai), Wabumba, Mbum, Matuszi und andere. In den Städten liegt Arabisch als Erstsprache klar vor Sara (31,9 % zu 23,5 %), auf dem Land hat Sara die Oberhand (23,9 % zu 18,8 %). Insgesamt beherrschen (2009) 69,0 % der Stadtbevölkerung und 41,8 % der Landbevölkerung Tschad-Arabisch. Zweitwichtigste Sprache ist Sara, das von 30,4 % der Stadtbevölkerung und 26,5 % der Landbevölkerung gesprochen wird.<ref>Deuxième recensement général de la population et de l’habitat. In: (RGPH2, 2009), Tabelle 5.13 auf S. 115 (französisch).</ref>

Religion

Bei der Volkszählung 2009 waren ca. 6,4 Mio. Personen oder 58,4 % der Gesamtbevölkerung Muslime, hauptsächlich die der sunnitischen Richtung malikitischer Schule. Nur noch ca. 440.000 Menschen oder 4,0 % der Bevölkerung hängen traditionellen afrikanischen Lokalreligionen an. Die Mehrzahl der einheimischen Volksgruppen im Süden des Landes sind Christen, nämlich ca. 3,8 Mio. Menschen oder 34,6 % der Gesamtbevölkerung. Darunter waren ca. 2 Mio. oder 18,5 % Katholiken und ca. 1,8 Mio. oder 16,1 % Protestanten.<ref>Deuxième recensement général de la population et de l’habitat. In: (RGPH2, 2009), Tabelle 5.06 auf S. 109 (französisch).</ref> Die Muslime leben meist im Norden und im Zentrum des Landes, die Christen und Anhänger traditioneller Religionen leben hauptsächlich im Süden des Tschad. Wahrscheinlich ist die Anzahl der Anhänger der Lokalreligionen höher als in der Volkszählung angegeben. Denn auffälligerweise ist der Anteil der Konfessionslosen genau in jenen Provinzen hoch (Mandoul, Mayo Kebbi Est, Mayo Kebbi Ouest, Moyen-Chari und Tandjilé), in denen überdurchschnittlich viele Angehörige der Lokalreligionen zuhause sind.<ref>Deuxième recensement général de la population et de l’habitat. In: (RGPH2, 2009), Tabelle 5.07 auf S. 110 (französisch).</ref> Zwischen den Volkszählungen 1993 und 2009 sind die Muslime und Protestanten anteilig gewachsen. Dagegen sank der Anteil der Katholiken, der Anhänger der Lokalreligionen und der Konfessionslosen.

Bildungswesen

Das hohe Bevölkerungswachstum mit jährlich 2,5 Prozent bildet eine Hemmschwelle für die Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht: Die Schulpflicht besteht nur noch formal, vor allem auf dem Land wird sie kaum eingehalten. Dementsprechend beträgt die Alphabetisierungsrate 2019 nur 22,3 %.<ref>Human Development Reports. Abgerufen am 3. Januar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Auf dem Land liegt die Analphabetenquote gar bei über 80 %, aber auch in den Städten können mehr als die Hälfte der Personen im Alter von über 15 Jahren weder lesen noch schreiben. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. So liegt die Alphabetisierungsquote von Frauen auf dem Lande bei nicht einmal 10 %. Die Alphabetisierung erfolgt zumeist in lateinischer Schrift und französischer Sprache. Nur etwa ein Achtel der Bevölkerung kann arabisch lesen und schreiben. Nur eine Minderheit kann beide Sprachen und Schriften sprechen, lesen und schreiben.

Die mittlere Schulbesuchsdauer über 25-jähriger betrug im Jahr 2019 2,5 Jahre, wobei ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern zu erkennen ist, da Frauen nur 1,3 Jahre Schulbesuchsdauer aufweisen, während es bei Männern 3,8 Jahre sind. Der Tschad gehört damit zu den Ländern mit der kürzesten Schulbesuchsdauer weltweit. Die Bildungserwartung der aktuellen Generation liegt bei 7,3 Jahren.<ref>Human Development Reports. Abgerufen am 3. Januar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Traditionell haben christliche Schulen vor allem im Süden eine wichtige Funktion. Das staatliche Schulwesen leidet heute noch unter den Auswirkungen der jahrzehntelangen Kriegswirren. Zunehmend sind in letzter Zeit islamische Koranschulen und Madrasas, die mit ausländischer Hilfe vor allem aus Nahost im Tschad errichtet werden.

In N’Djamena gibt es eine 1971 gegründete Universität, die Universität N’Djamena.

Gesundheit

Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 5,2 % des Bruttoinlandsprodukts.<ref>Current health expenditure (% of GDP). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Gesundheitswesen im Tschad ist aufgrund der instabilen politischen Lage der letzten Jahrzehnte nur unzureichend entwickelt und die Versorgung der Bevölkerung ist insbesondere in den ländlichen Regionen (besonders in der Provinz Kanem im Westen) sehr schlecht.<ref name=":0">LIPortal – Das LänderinformationsportalGesellschaft & Kultur. Abgerufen am 20. April 2021.</ref> Mit Unterstützung des Europäischen Entwicklungsfonds konnte die Lage in den letzten Jahren etwas verbessert werden. 2015 war ein Drittel der Bevölkerung unterernährt.<ref>Prevalence of undernourishment (% of population) | Data. Abgerufen am 10. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 2020 praktizierten in Tschad 0,6 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.<ref>Global Health Workforce statistics database. In: The Global Health Observatory. Weltgesundheitsorganisation, 2023, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Insbesondere die medizinische Unterversorgung ist ein Grund dafür, dass vor allem Malaria, aber auch Meningitis-, Cholera- und Masern-Epidemien jährlich tausende Todesopfer fordern. Hilfe leisten hier zu Beginn der 2000er Jahre insbesondere die Ärzte ohne Grenzen. Die Lebenserwartung der Einwohner des Tschad ab der Geburt lag 2022 bei 53 Jahren<ref name="LebErw">Life expectancy at birth, total (years). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> (Frauen: 54,8,<ref>Life expectancy at birth, female (years). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Männer: 51,3<ref>Life expectancy at birth, male (years). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>).

Vor allem die Mütter- und Kindersterblichkeit ist im afrikanischen Vergleich sehr hoch. Da viele Mädchen schon kurz nach der Geschlechtsreife verheiratet werden, gibt es zahlreiche frühe Schwangerschaften, die in diesem Alter häufig zu Geburtsverletzungen und Fisteln führen. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 102,9 pro 1000 Lebendgeburten.<ref>Mortality rate, under-5 (per 1,000 live births). In: World Bank Open Data. Weltbank, 2024, abgerufen am 25. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Krankenhäuser und Krankenstationen im Land sind oft nur mit dem Nötigsten ausgestattet und weisen gravierende hygienische Mängel auf. Lediglich 30 % der Bevölkerung hat Zugang zu den primären Gesundheitseinrichtungen, wie die Daten der WHO dokumentieren.<ref name=":0" />

Von vielen Tschadern werden nach wie vor sowohl aus Kostengründen als auch aus Überzeugung traditionelle Heilmethoden bevorzugt. Inzwischen gibt es auch Kooperationen zwischen Vertretern schulmedizinischer und traditioneller Heilmethoden.<ref name=":0" />

Geschichte

Eine partielle Besiedlung des heutigen Tschad fand bereits in prähistorischer Zeit statt. Ab dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert setzte hier die Eisenzeit ein.

Zentralafrikanische Monarchien

Im 18. und 19. Jahrhundert litten die Gesellschaften des Südens unter den Überfällen der muslimischen Sultanate Kanem-Bornou, Baguirmi, Ouaddaï und Darfur (heute Sudan), um Sklaven zu erbeuten. Zwischen diesen Sultanaten kam es zudem häufig zu Kriegen. Jahrhunderte kämpften mehrere Mächte um die Gebiete, die heute den Tschad bilden.<ref>REYNA Stephen, 1990. Wars Without End: The Political Economy of a Precolonial African State. Hanover, NH: New England University Press.</ref>

Später entstanden größere islamische Reiche am Tschadsee, im Süden zudem der Staat Baguirmi, die Logone-Stadtstaaten und das Sultanat Wadai. Besonders trat das Reich Kanem-Bornu hervor, das fast das gesamte Gebiet des heutigen Tschad umfasste und eine Konföderation der beiden Staaten Kanem und Bornu darstellte, die auch in das Gebiet der heutigen Staaten Nigeria und Niger hineinreichten.

Erste genauere Kenntnisse der Region für Europäer übermittelten die Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts: Friedrich Konrad Hornemann (1800), Dixon Denham (1823), Johann Heinrich Barth, Adolf Overweg (1850), Eduard Vogel und Gustav Nachtigal (1855).

Französische Kolonialzeit

Vor allem Frankreich begann mit der Penetration der einzelnen Königreiche und Sultanate. Man versuchte zunächst durch Protektoratsverträge mit den jeweiligen Monarchen eine lose französische Oberherrschaft über diese Staaten zu erreichen. Spätestens ab dem Ende des 19. Jahrhunderts jedoch begann man mit der gewaltsamen militärischen Besatzung und schließlich mit der Kolonialisierung des Wadai.

1900 errichtete Frankreich nach dem Sieg über den afro-arabischen Usurpator Rabih ibn Fadlallah in der Schlacht bei Kusseri das Militärterritorium der Länder und Protektorate des Tschad. 1908 ging dieses im Verwaltungsgebiet Französisch-Äquatorialafrika mit der Kolonie Tschad auf. 1911 wurde die Kolonie durch das deutsch-französische Marokko-Kongo-Abkommen (4. November 1911) um das Zwischenstromgebiet zwischen Schari und Ba-Ili mit dem Posten Bongor erweitert. Zwischen den Weltkriegen erhielt die Kolonie Tschad dann ihre heutigen Grenzen.

Die Unterzeichnung des Dekrets vom 5. September 1900 zur Gründung des Militärterritoriums der Länder und Protektorate des Tschad kündigte jedoch nicht das Ende der militärischen Eroberung an, die sich siebzehn Jahre lang hinzog und sehr tödlich verlief. Die französischen Kolonialherren stützten sich auf lokale Hilfstruppen und instrumentalisierten lokale Spaltungen und Spannungen. Plünderungen waren ebenfalls Teil der Strategie der Eroberer.<ref name=":1">Julien Brachet, Judith Scheele: The Value of Disorder. Autonomy, Prosperity, and Plunder in the Chadian Sahara, Cambridge University Press, 2019.</ref>

Die Störungen des Wirtschaftslebens, die die französische Eroberung mit sich brachte, forderten mehr Todesopfer als die Kämpfe. Die Auswirkungen der Militärkampagnen im nördlichen Tschad waren aufgrund der Plünderungen und des Massakers am Viehbestand katastrophal. Eine Hungersnot führt zu einer unbestimmten Anzahl von Toten. General Hilaire schätzt, dass die Bevölkerung des Ouaddaï von 700.000 Einwohnern im Jahr 1912 auf 400.000 im Jahr 1914 gesunken ist.<ref name=":1" />

In den Jahren 1928 und 1929 schlug Frankreich einen Aufstand gegen die Steuererhebung nieder, der Mandul-Krieg. Die Zahl der Opfer ist unbekannt.<ref>Mario Joaquim Azevedo: Roots of Violence. A History of War in Chad, Routledge, London 1998.</ref>

1934 wurde die Grenzziehung im Norden zur Kolonie Italienisch-Libyen von Italien nicht ratifiziert. Dies ist die Grundlage des späteren Libysch-Tschadischen Grenzkrieges um den Aouzou-Streifen.

Am 25. April 1946 wurde von der Konstituierenden Nationalversammlung Frankreichs die Loi Lamine Guèye verabschiedet, nach der ab dem 1. Juni 1946 alle Bewohner der überseeischen Gebiete einschließlich Algeriens denselben Bürgerstatus wie Franzosen in Frankreich oder den überseeischen Gebieten hatten, die Frauen und Männer also auch wählen durften. Das passive Wahlrecht war zwar nicht ausdrücklich im Gesetz genannt worden, aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zur Französischen Nationalversammlung sowie für alle örtlichen Wahlen in ganz Afrika außer Senegal galt bis 1956 ein Zweiklassenwahlrecht.<ref>Franz Ansperger: Politik im Schwarzen Afrika: Die modernen politischen Bewegungen im Afrika französischer Prägung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Wiesbaden, 1961, S. 73.</ref> Unter französischer Verwaltung wurde durch die loi-cadre Defferre, die am 23. Juni 1956 eingeführt wurde, das allgemeine Wahlrecht und damit auch das Frauenwahlrecht eingeführt.<ref name="ipu-413540">New Parline: the IPU’s Open Data Platform (beta). In: data.ipu.org. 23. Juni 1956, abgerufen am 30. September 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dieses wurde bei der Unabhängigkeit 1960 bestätigt.<ref name="Hannam9">June Hannam, Mitzi Auchterlonie, Katherine Holden: International Encyclopedia of Women’s Suffrage. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver, Oxford 2000, ISBN 1-57607-064-6, S. 9.</ref><ref name="Martin266">Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 266.</ref>

1958 erhielt der Tschad seine erste Verfassung. Die Territoriale Versammlung billigte den autonomen Status des Landes als Mitglied der Communauté française. Am 11. August 1960 erhielt das Land seine Unabhängigkeit. François Tombalbaye aus dem Süden wurde erster Präsident.

Die Republik Tschad

Datei:Tschad GUNT.jpg
Von Libyen und Verbündeten kontrollierte Gebiete während des Tschadischen Bürgerkriegs

Seit 1962 war der Tschad ein Einparteienstaat mit der Parti Progressiste Tchadien (PPT) als Einheitspartei.

1966 wurde die muslimische FROLINAT – Front national de libération du Tchad („Nationale Befreiungsfront des Tschad“) gegen die christlich-sudistische Dominanz gegründet und es begann ein Bürgerkrieg, der bis in das Jahr 1994 hinein andauerte.<ref>Rüdiger Dingemann: Westermann Lexikon Krisenherde der Welt. Konflikte und Kriege seit 1945. Westermann, Braunschweig 1996, ISBN 3-07-509516-8. S. 760.</ref> 1969 intervenierte Frankreich auf Seiten Tombalbayes. Libyen, Algerien und Sudan dagegen unterstützten die FROLINAT. 1973 besetzte Libyen den Aouzou-Streifen.

1975 stürzte General Félix Malloum Tombalbaye und wurde Präsident, Premierminister wurde Hissène Habré. 1976 kam es zum Bruch zwischen Muammar al-Gaddafi und Habré. Goukouni Weddeye kämpfte mit Gaddafi gegen die Zentralregierung.

1979 kam es zum Seitenwechsel Habrés zu Weddeye. N’Djamena wurde erobert und das Gouvernement d’Union Nationale de Transition (GUNT) unter Weddeye kam an die Regierung. 1980 kam es wiederum zum Bruch zwischen Habré und Weddeye („Zweite Schlacht um N’Djamena“). Daraufhin griff Libyen auf Bitten Weddeyes ein, Weddeye und Gaddafi kündigten 1981 die Vereinigung des Tschad mit Libyen an. Gaddafi zog seine Truppen auf französischen Druck hin allerdings wieder zurück. Habré konnte daraufhin mit ägyptischer, sudanesischer und US-amerikanischer Hilfe Weddeye verdrängen.

1982 wurde N’Djamena durch Habré erobert, es begann die sogenannte Zweite Republik (1982 bis 1990), während derer es zu schwersten Menschenrechtsverletzungen kam. 1983 wurde der Tschad de facto am 16. Breitengrad zweigeteilt. Libysches Militär war im Norden präsent, insbesondere im Aouzou-Streifen.

Von 1986 bis 1987 gingen die tschadischen Regierungstruppen in die Offensive. Es begann die französische Militäroperation Épervier. Die libyschen Truppen wurden, bis auf den Aouzou-Streifen, aus allen Stützpunkten verdrängt. 1989 wurde der Vertrag von Algier über die friedliche Regelung des Aouzou-Grenzkonflikts unterzeichnet.

1990 begann eine Verhandlung über den Aouzou-Konflikt vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Habré wurde durch die bewaffnete Opposition des Mouvement Patriotique du Salut von Idriss Déby gestürzt und in die Flucht getrieben, Déby nahm N’Djamena ein.

1993 verabschiedete die Nationalkonferenz Übergangsverfassung, -parlament und -regierung. 1994 wurde der Aouzou-Streifen durch den Internationalen Gerichtshof wieder dem Tschad zugesprochen.

Im Dezember 1994/Januar 1995 fand eine Wählerregistrierung statt, deren Durchführung und Ergebnisse beanstandet und vom Obersten Gerichtshof annulliert wurden. Der bestehende Wahlkalender wurde wieder obsolet, die Transitionsphase um ein weiteres Jahr bis zum 8. April 1996 verlängert. 1996 kam es zudem zu einem Verfassungsreferendum, woraufhin die neue Verfassung in Kraft trat.

Am 3. Juli 1996 fanden Stichwahlen zwischen Déby und Wadel Abdelkader Kamougué statt. Die Feststellung des offiziellen Endergebnisses durch die Cour d’Appel am 14. Juli 1996 bescheinigte Déby 69 % und Kamougué 31 % der Stimmen.

Bürgerkrieg

Ende 1998 begannen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Rebellen um Youssouf Togoïmi (Tibesti-Konflikt).

Präsident Déby wurde im Mai 2001 wiedergewählt. Im Dezember 2001 schlossen die Regierung und die Rebellen im Tibesti ein Friedensabkommen.

Seit 2003 fliehen sudanesische Flüchtlinge vor dem Konflikt in Darfur in den Tschad. Der Konflikt greift zusehends auf den Tschad über, die Dschandschawid-Reitermilizen aus Darfur sind mittlerweile auch in den tschadischen Grenzgebieten aktiv.

Am 23. Dezember 2005 stellte der Tschad aufgrund der Konflikte in der westsudanesischen Provinz Darfur offiziell einen „Zustand der Feindseligkeit“ („état de belligerence“) mit dem Sudan fest. Dem war ein Angriff tschadischer Rebellen auf die Grenzstadt Adré mit mehr als 100 Toten vorausgegangen. Der Tschad wirft dem Sudan vor, die Rebellen zu unterstützen, legt jedoch Wert darauf, keine Kriegserklärung abgegeben zu haben.<ref>Thomas Schmidinger: Tschad vs. Sudan: Plündern und Herrschen. Blätter für deutsche und internationale Politik 3/2006, S. 285–288, Schmidinger (PDF).</ref>

Mitte April 2006 kam es erneut zum Bürgerkrieg. Frankreich beteiligt sich in – vorerst – geringem Ausmaß daran auf der Seite der Regierung Déby. Die Hauptstadt N’Djamena wurde von der Vorhut der Rebellen der Front für den Wandel (FUC) erreicht. Dieser erste Angriff wurde jedoch von den regulären Truppen mit Artillerie- und Panzerunterstützung abgewehrt. Innerhalb weniger Tage waren Hunderte Tote zu beklagen. Am 14. April 2006 brach der Tschad seine diplomatischen Beziehungen zum Sudan ab. Zwei Tage später zog sich das Land aus den in Darfur unter der Leitung der Afrikanischen Union geführten Gesprächen zurück. Gleichzeitig forderte N’Djamena, dass für die mittlerweile rund 200.000 Flüchtlinge aus Darfur im Tschad ein neues Gastland gefunden werden müsse.

Datei:Tschad 10.jpg
Kinder in einem Flüchtlingslager

Im November 2006 wurde für weite Teile des Tschad der Ausnahmezustand ausgerufen. Zwar wurde kurz darauf ein Friedensvertrag mit der FUC erzielt, doch andere Rebellengruppen gewannen zunehmend die Kontrolle über den Osten des Landes. Unter Vermittlung Libyens wurde am 26. Oktober 2007 ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Präsident Déby und vier Rebellengruppen unterzeichnet.<ref>Libya seals peace deal for Chad. In: news.bbc.co.uk. 26. Oktober 2007, abgerufen am 30. Juni 2020 (englisch).</ref> Zum Schutz der Zivilbevölkerung und insbesondere der Flüchtlinge aus der Darfurregion wurde die Aufstellung einer Mission der Vereinten Nationen (MINURCAT) beschlossen, deren Aufgaben zunächst durch militärische Einheiten der Europäischen Union wahrgenommen werden sollten.

Nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands brachen erneut Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen in den östlichen Provinzen aus. Ende November 2007 erklärte die Rebellenorganisation UFDD den Kriegszustand gegen französische und sonstige ausländische Einheiten. Ungeachtet dieser Warnung billigte Ende Januar 2008 die EU den Einsatz einer multinationalen Militäreinheit, der EUFOR Tchad/RCA, im Tschad. Die Federführung übernahm Frankreich, das mehr als die Hälfte aller Soldaten stellte; Österreich hatte ein Kontingent von 160 Soldaten zugesagt.<ref>Die Presse: „Österreichs Soldaten müssen im Tschad neutral bleiben“ vom 17. Januar 2008.</ref>

Kurz vor dem geplanten Beginn der EU-Mission, deren Umsetzung daraufhin erst einmal ausgesetzt wurde, starteten Rebellen eine neue Offensive, bei der sie in die Hauptstadt N’Djamena eindrangen.<ref>Die Presse: Rebellen im Tschad starten Offensive vom 31. Januar 2008.</ref> Die Kampfhandlungen zwangen tausende Menschen zur Flucht in das Nachbarland Kamerun. Gleichzeitig begann die Evakuierung ausländischer Bürger; die Vereinigten Staaten haben ihre Botschaft in N’Djamena geräumt.<ref>Die Presse: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tschad: Massenflucht aus N’Djamena. (Memento vom 7. September 2016 im Internet Archive). 5. Februar 2008.</ref> Nach einer Erklärung des UN-Sicherheitsrates erwog Frankreich 2008 ein Eingreifen zugunsten der Regierung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Frankreich könnte im Tschad intervenieren. (Memento vom 22. März 2017 im Internet Archive). In: Handelsblatt, 5. Februar 2008.</ref> Die Rebellen zogen sich aus der Hauptstadt vorläufig weitgehend wieder zurück.

Am 15. März 2009 endete die Überbrückungsmission der EUFOR Tchad/RCA und die Verantwortung wurde MINURCAT übergeben.

Die politische Situation hat sich nach dem Bürgerkrieg nicht vollständig entspannt. Im Mai 2013 wurde ein Putschversuch vereitelt, der Teilen des tschadischen Militärs zugeschrieben wird.<ref>Tchad: un coup d’État déjoué (officiel). In: lefigaro.fr. 2. Mai 2013, abgerufen am 26. August 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

2013 beteiligten sich Truppen des Tschad an der Opération Serval.

Die radikalislamistische Terrormiliz Boko Haram ist in Teilen des Tschad aktiv.<ref>Tschad: Neun Soldaten im Tschad bei Angriff von Boko Haram getötet. In: zeit.de. 5. Mai 2017, abgerufen am 3. August 2018.</ref>

Bisherige Präsidenten

Politik

Politisches System

Vorlage:Hinweisbaustein

Der Tschad wurde am 11. August 1960 als unabhängige Republik aus französischer Kolonialherrschaft entlassen. Nach der Verfassung vom 14. April 1996 ist der Tschad eine präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem. 2018 verabschiedete das Parlament eine neue Verfassung, nach der der Präsident als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Armee mit nahezu uneingeschränkten exekutiven Vollmachten ausgestattet ist. Die Exekutive wird vom Ministerrat unter der Leitung des Präsidenten ausgeübt.<ref>Tchad: Idriss Deby a nommé son premier gouvernement sans premier ministre. Jeune Afrique (französisch), abgerufen am 27. August 2018.</ref> Das Amt des Premierministers wurde mit der neuen Verfassung abgeschafft. Der Präsident wird auf sechs Jahre direkt gewählt (zuvor fünf Jahre). Von 1990 bis 2021 regierte Idriss Déby das Land autokratisch.

„Er ist wie ein Kaiser, der niemandem mehr Rechenschaft schuldig ist und den niemand absetzen kann. […] Eine One-Man-Show. Demokratisch ist das nicht.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Dirke Köpp: Deutsche Welle<ref>Dirke Köpp: Ein Kaiser für den Tschad. In: Deutsche Welle. 30. April 2018, abgerufen am 14. Februar 2021.</ref>

Déby starb am 20. April 2021, nur wenige Tage nach seiner Wiederwahl am 11. April. Nach seinem Tod wurde ein militärischer Übergangsrat unter Führung seines Sohnes Mahamat Idriss Déby Itno installiert, der die Regierung und die Nationalversammlung auflöste (laut der Verfassung des Tschad hätte nach dem Tod des Staatspräsidenten regulär der Präsident der Nationalversammlung in dessen Amt nachrücken müssen). Eine Übergangscharta ersetzte die bisher geltende Verfassung des Tschad. Der Übergangsrat sollte für 18 Monate bestehen bleiben, danach sollte es „neue republikanische Institutionen“ und Neuwahlen geben.<ref>Tschads Langzeitherrscher Déby bei Kämpfen mit Rebellen getötet. In: Deutsche Welle. 20. April 2021, abgerufen am 20. April 2021.</ref><ref>Wortlaut der Erklärung des Übergangsrats (französisch).</ref> Der Übergangsrat ernannte am 26. April 2021 den letzten Ministerpräsidenten vor Abschaffung dieses Amtes, Albert Pahimi Padacké, zum Übergangs-Regierungschef.

Im Oktober 2022 wählte eine als „Nationaler Dialog“ bezeichnete, von weiten Teilen der Opposition und der Zivilgesellschaft aber boykottierte Versammlung Mahamat Déby für eine Dauer von zwei Jahren zum Übergangspräsidenten, wodurch sich auch die angekündigten Neuwahlen bis nach dieser Zeit verschoben. Der Militärrat wurde aufgelöst.<ref>Diktatorensohn als Interimspräsident im Tschad vereidigt. In: spiegel.de. 10. Oktober 2022, abgerufen am 8. April 2023.</ref> Die Opposition bezeichnete den Vorgang als „dynastische Machtübernahme“.<ref name="ouest-france-2023-04-08">Tchad. L’ambassadeur d’Allemagne expulsé pour « attitude discourtoise ». In: ouest-france.fr. 8. April 2023, abgerufen am 8. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Proteste wurden gewaltsam niedergeschlagen. Westliche Staaten insbesondere aus der Europäischen Union kritisierten die Verschleppung der Wahlen und Menschenrechtsverletzungen.<ref name="ouest-france-2023-04-08" /><ref>Tschad: Das steckt hinter der Ausweisung des deutschen Botschafters. In: spiegel.de. 8. April 2023, abgerufen am 8. April 2023.</ref>

Politische Indizes

Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene politische Indizes
Name des Index Indexwert Weltweiter Rang Interpretationshilfe Jahr
Fragile States Index 102,7 von 120 10 von 179 Stabilität des Landes: großer Alarm
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land
2024<ref>Fragile States Index: Global Data. Fund for Peace, 2024, abgerufen am 1. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Demokratieindex 1,89 von 10 158 von 167 Autoritäres Regime
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2024<ref>The Economist Intelligence Unit’s Democracy Index. The Economist Intelligence Unit, 2024, abgerufen am 1. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Freedom in the World Index 15 von 100 Freiheitsstatus: unfrei
0 = unfrei / 100 = frei
2024<ref>Countries and Territories. Freedom House, 2025, abgerufen am 1. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Rangliste der Pressefreiheit 51,9 von 100 108 von 180 Schwierige Lage für die Pressefreiheit
100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage
2025<ref name="RangPres">Rangliste der Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen, 2025, abgerufen am 1. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 21 von 100 158 von 181 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber 2024<ref>CPI 2024: Tabellarische Rangliste. Transparency International Deutschland e. V., 2025, abgerufen am 1. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Innenpolitik

Der Tschad gilt als ein instabiler Staat. Staatliche Einrichtungen wie Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitswesen sind kaum entwickelt. Vor zusätzliche und für das Land nicht ohne internationale Hilfe zu bewältigende Probleme stellen den Tschad die seit 2003 aus der Region Darfur des östlichen Nachbarlandes Sudan kommenden Flüchtlinge. Ihre Zahl betrug zu Beginn des Jahres 2004 bereits etwa 130.000.

Korruption ist im Tschad verbreitet.

Es dominiert auch der Nord-Süd-Gegensatz die Innenpolitik: Der Norden des Landes, der von islamisch-arabisierten und berberischen Ethnien bewohnt wird, fühlt sich benachteiligt gegenüber dem schwarzafrikanisch-christlich-animistischen Süden, der seit der Kolonialzeit eine Vormachtstellung besitzt.

Menschenrechte

Laut Amnesty International und US-Außenministerium war auch 2009, obwohl dort eine UN-Friedensmission stationiert war, die Lage im Osten des Tschad von Menschenrechtsverstößen und Instabilität gekennzeichnet. Zivilpersonen und Mitarbeiter humanitärer Hilfsorganisationen wurden verschleppt und ermordet. Frauen und Mädchen waren Vergewaltigungen und anderen Formen von Gewalt ausgesetzt. Die Behörden ergriffen keine geeigneten Maßnahmen, um die Zivilbevölkerung gegen Angriffe krimineller Banden und bewaffneter Gruppen zu schützen. Vermeintliche politische Gegner wurden widerrechtlich festgenommen, willkürlich in Haft gehalten und gefoltert oder in anderer Weise misshandelt. Menschenrechtsverteidiger und Journalisten waren weiterhin Einschüchterungen und Schikanen ausgesetzt. Tausende Menschen wurden obdachlos, da ihre Häuser abgerissen wurden.<ref>AMNESTY REPORT 2010 Tschad</ref><ref>Menschenrechtsbericht 2010 des US-Außenministeriums</ref>

Kinder wurden im Tschad weiterhin als Soldaten eingesetzt. UNICEF geht davon aus, dass 53 % aller 5- bis 14-jährigen Kinder des Landes Arbeit verrichten müssen. Der Tschad ist auch ein Ausgangsland des Kinderhandels in die Zentralafrikanische Republik, nach Nigeria, Kamerun und Saudi-Arabien.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bericht 2007 (Memento vom 6. Juni 2011 im Internet Archive). (PDF; 7,9 MB). FINDINGS ON THE WORSTFORMS OF CHILD LABOR (englisch).</ref><ref>Tschad. In: aktiv-gegen-kinderarbeit.de. Abgerufen am 27. August 2018.</ref> Auch kam es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen und Diskriminierungen gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität (LGBT).<ref>BUREAU OF DEMOCRACY, HUMAN RIGHTS, AND LABOR 2009 Human Rights Report: Chad.</ref>

Außenpolitik

Der Tschad hat weltweit nur wenig diplomatische Präsenz. Diplomatische Vertretungen haben unter anderem alle Nachbarstaaten des Tschad. Das Land ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN), der Afrikanischen Union (AU) und der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC). Die Regierungen des Tschad haben traditionell gute Beziehungen zur früheren Kolonialmacht Frankreich, das oft der jeweiligen Regierung bei bürgerkriegsähnlichen Situationen militärischen Beistand leistet.

Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten sind oft belastet, da es mit Libyen einen jahrzehntelangen Konflikt um den Aouzou-Streifen im Norden gab. Zum Sudan sind die Beziehungen seit dem offenen Ausbruch des Darfur-Konflikts belastet (siehe im Abschnitt Bürgerkrieg). Als im Tschad Bürgerkrieg herrschte, hat das benachbarte Kamerun zahlreiche Bürgerkriegsflüchtlinge aufgenommen.

Des Weiteren unterhält der Tschad diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu den USA. Am 10. Oktober 2003 begann die Förderung von Erdöl unter der Führung von ExxonMobil und mit Unterstützung der Weltbank im Doba-Becken im Süden des Tschad. Über eine 1050 Kilometer lange Pipeline wird dieses an die Atlantikküste Kameruns befördert und dort verschifft. Dies wird vereinzelt als geopolitisch bedeutender Schachzug der USA gesehen und aus menschenrechtlicher und ökologischer Sicht kritisiert. Ebenfalls hat auch die Volksrepublik China aufgrund des Interesses an Erdöl die Beziehungen zum Tschad weiter ausgebaut.<ref>Auswärtiges Amt: Außenpolitik des Tschad</ref> Die Beziehungen mit China entwickeln sich seit 2006 dynamisch. Die Volksrepublik beliefert den Tschad unter anderem mit Waffen.

Militär

Das Militär der Republik Tschad verfügt über eine Landstreitkraft, eine Präsidentengarde und eine Luftstreitkraft und hat zurzeit rund 33.250 Soldaten im Dienst. Tschad gab 2020 knapp 2,6 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 269 Millionen US-Dollar für seine Streitkräfte aus.<ref name=":IISS">International Institute for Strategic Studies (Hrsg.): The Military Balance 2021. 121. Auflage. Taylor & Francis, 2021, ISBN 978-1-03-201227-8, S. 457–458.</ref>

Wirtschaft

Datei:GDP per capita development of Chad.svg
Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts pro Kopf ab 1950

Aufgrund des Bürgerkriegs und wegen längerer Dürreperioden gehört der Tschad zu den ärmsten Ländern der Welt. 80 % der Bevölkerung leben in absoluter Armut. Die Bevölkerung kann nur durch Subsistenzwirtschaft überleben – die wenigen wirtschaftlich entwickelten Elemente werden nur vom Staat organisiert. Neben Somalia und Sierra Leone gehört der Tschad zu den weltweit einzigen Volkswirtschaften, in denen die Mehrheit des Bruttoinlandsprodukts noch in der Landwirtschaft (Primärsektor) erwirtschaftet wird (50,1 % im Jahre 2016).<ref>Agriculture, value added (% of GDP) | Data. Abgerufen am 10. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Seit mehr als 20 Jahren ist der Index der menschlichen Entwicklung des Landes einer der niedrigsten der Welt.<ref name="hdi tab2" /> 55 Prozent der Bevölkerung in den Städten und 87 Prozent der Bevölkerung auf dem Land leben unter dem Existenzminimum.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt der Tschad den letzten Platz von 140 Ländern (Stand 2018).<ref>reports.weforum.org, abgerufen am 19. August 2019.</ref> Der Index für wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 136 höchste von 176 Ländern.<ref>Index of Economic Freedom: All Country Scores. The Heritage Foundation, abgerufen am 18. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und anderer Kennzahlen<ref name="BIP IMF"/>
Jahr 2010 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
BIP in Mrd. USD
(Kaufkraftparität)
25,0 33,6 32,7 32,6 35,6 39,0 37,3 43,7 48,9 53,3 56,5
BIP pro Kopf in USD
(Kaufkraftparität)
2.092 2.380 2.243 2.168 2.301 2.446 2.270 2.581 2.810 2.973 3.065
BIP-Wachstum
(real)
13,8 % 3,2 % −3,7 % −2,1 % 5,2 % 5,9 % 0,0 % 2,0 % 4,7 % 5,0 % 3,5 %
Inflation
(in Prozent)
−2,1 % 4,8 % −1,6 % −0,9 % 4,0 % −1,0 % 4,5 % −0,8 % 5,8 % 2,3 % 5,1 %
Staatsverschuldung
(in Prozent des BIP)
23 % 31 % 40 % 39 % 34 % 38 % 42 % 42 % 32 % 32 % 33 %

Finanzwirtschaft

Währung

Datei:Cfa map fr.png
Afrikanische Staaten mit dem CFA-Franc als Währung.

Der Tschad ist Mitglied der CFA-Franc-Zone und hat als Währung den CFA-Franc (FCFA, auf Französisch: Franc de la Communauté Financière d’Afrique), speziell den CFA-Franc BEAC. Ein Euro entspricht 655,957 FCFA, 1000 FCFA entsprechen 1,5244 EUR. Die Inflationsrate liegt derzeit bei über 9 %, 2007 lag sie noch bei etwa 4 %.<ref>Auswärtiges Amt: volkswirtschaftliche Grundlagen des Tschad</ref> Zentralbank ist entsprechend die Zentralafrikanische Zentralbank.

Kapitalmarkt

Das Land teilt sich mit weiteren zentralafrikanischen Staaten eine Wertpapierbörse, die als Bourse des Valeurs Mobilières de l’Afrique Centrale bekannt ist.

Landwirtschaft

Rund 90 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, also dem Ackerbau und der Viehzucht. Man betreibt hauptsächlich Subsistenzwirtschaft. Allerdings ist der Tschad auch auf internationale Unterstützung (zum Beispiel in Form von Lebensmitteln) angewiesen. Es werden auch Erdnüsse, Getreide und anderes Gemüse angebaut. Dies reicht zur Eigenversorgung kaum aus. Aufgrund der sich nach Süden ausbreitenden Wüste und den damit verbundenen Ernteausfällen dürfte sich diese Entwicklung noch weiter verschärfen. Einige weitere Anbauprodukte sind Baumwolle, Reis und Tabak.

Rohstoffe

Das Land galt lange als arm an Bodenschätzen, abgebaut wurden vor allem Steinsalz und Soda. Im Jahr 2003 konnte mit der Förderung von Erdöl aus einem erst Ende der 1990er Jahre entdeckten Ölfeld bei Doba begonnen werden. Die Einnahmen aus der Förderung des Erdöls sollen, gemäß einer Vereinbarung der Regierung mit der Weltbank, zu 80 % für Projekte im Bereich des Sozialen und der Infrastruktur verwendet werden und somit der gesamten Bevölkerung zugutekommen.<ref>Weltbank: Verteilung der Öleinnahmen (engl.)</ref> Dafür wurden im Juli 2004 zum ersten Mal 31 Millionen Euro an die Weltbank überwiesen, die diese Gelder wiederum für konkrete Projekte im Land ausschüttet. 10 % der Einnahmen sollen in einen Fonds für zukünftige Generationen eingezahlt werden. Insgesamt werden bis 2023 (20 Jahre) Einnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro prognostiziert. Ende 2005 löste jedoch das Parlament den Fonds auf, um ausstehende Beamtengehälter zu bezahlen, und ermöglichte durch eine Gesetzesänderung, dass auch die Bereiche Sicherheit und Justiz Geld aus den Öleinnahmen erhalten können.<ref>Tschad versetzt der Weltbank eine Ohrfeige. In: nzz.ch. 31. Dezember 2005, abgerufen am 23. Juni 2019.</ref> Der Einsatz der Gelder wird durch ein eigens hierfür geschaffenes Komitee aus Parlamentariern, Juristen und Vertretern der Zivilgesellschaft überwacht. Allerdings ist dieses Komitee nicht mit Sanktionsgewalt ausgestattet, so dass aufgrund von Korruption große Teile der Investitionsmittel versickern und eine effiziente Bekämpfung der Armut bisher ausbleibt.<ref>Publik-Forum Nr. 6 v. 23. März 2007, S. 16.</ref>

Außenhandel

Haupthandelspartner sind Frankreich, Kamerun und Nigeria. Wichtigste Exportgüter sind Baumwolle (mit einem Exportanteil von 40 %) und seit 2003 Erdöl. Erdnüsse machen etwa 1–2 % des Exports aus. Importgüter sind unter anderem Brennstoffe, Fahrzeuge, Zucker, Getreide und Textilien.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2,163 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,626 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,7 % des BIP.<ref name="CIA"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The World Factbook (Memento vom 24. April 2020 im Internet Archive).</ref> Die Staatsverschuldung betrug 2016 51,2 % des BIP.<ref>Report for Selected Countries and Subjects. Abgerufen am 20. Juli 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) betrug in folgenden Bereichen:

Infrastruktur

Die Infrastruktur ist nur wenig entwickelt. Bei einer Größe von 1.284.000 km² – der Größe nach liegt der Tschad weltweit an 20. Stelle und ist etwa 3,5-mal so groß wie Deutschland – gab es Ende 2014 nur gut 2.000 km befestigte Straßen; geplant sind 6.000 km.<ref>Logistics Capacity Assessment: Chad Road Network.</ref> Nach offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2006 hat das Öl-Konsortium um die Firma ExxonMobil seit 2003 537 Millionen US-Dollar als Lizenzen und Gebühren an die Regierung des Tschad überwiesen. Davon wurden etwa 300 Millionen Dollar oder 55 % für die Verbesserung der Infrastruktur ausgegeben.

Die Wasserversorgung Tschads ist nicht annähernd ausreichend. Zugang zu sauberem Trinkwasser, seit 2010 ein Menschenrecht der UNO, besitzen laut WHO und UNICEF mit Stand von 2014 nur 51 % der Einwohner des Landes.<ref></ref>

Kultur

Im Großen lässt sich das Land kulturell in einen vorwiegend arabisierten islamisierten Bereich im Norden und einen schwarzafrikanisch-christlichen, teils animistischen Bereich im Süden einteilen. Während die arabisierte Bevölkerung meist halbnomadische Viehzucht betreibt, betreiben die Bewohner des Südens überwiegend Ackerbau.

Medien

Reporter ohne Grenzen sieht im Tschad eine schwierige Lage für die Pressefreiheit. Der Blogger und Bürgerjournalist Tadjadine Mahamat Babouria aka „Mahadine“ wurde 2016 inhaftiert, weil er auf Facebook unter anderem die Korruption und die schlechte Wirtschaftslage kritisiert hatte.<ref>Tadjadine Mahamat Babouri (Mahadine) – Lebenslang für Facebook-Posting? 4. Oktober 2017, abgerufen am 26. November 2019.</ref>

Es existiert ein staatliches nationales Radio- und Fernsehprogramm. Die staatliche Radiodiffusion Nationale Tchadienne RNT sendet aus der Hauptstadt N’Djamena in Französisch, Arabisch und lokalen Sprachen.

1998 kam mit DJA FM der erste private Hörfunksender des Landes hinzu. Er war in der Vergangenheit Repressionen der Regierung ausgesetzt. 2002 existierten zwei Mittelwellen- und 4 UKW Stationen.

Folgende Zeitungen existieren im Tschad: N’Djaména Hebdo aus N’Djaména, Tchadien, Afrik, Afrol en Espaniol und die Afrol News.

Film

Es gibt nur ein einziges kommerzielles Kino und keine professionellen Schauspieler.<ref>Un cinéma renaît à N’Djamena, sur un continent privé de salles obscures. In: lexpress.fr. 8. April 2011, abgerufen am 17. Februar 2020 (französisch).</ref> Aufmerksamkeit hat Mahamat-Saleh Haroun mit seinen beiden, auf mehreren internationalen Filmfestivals und in Programmkinos gezeigten, Filmen Abouna – Der Vater (2002) und Daratt (2006) erregt. Darin beschreibt er das Leben im Tschad in den 2000ern. Während Abouna – Der Vater von zwei Jugendlichen handelt, die ihren plötzlich verschwundenen Vater suchen, beschreibt Daratt einen Sohn, der den Mörder seines Vaters sucht.

Literatur

  • Matthias Basedau: Politische Krise und Erdöl im Tschad – ein „Modell“ am Ende? In: GIGA Focus. Nr. 3, 2006, ISSN 1862-3603 (giga-hamburg.de [PDF; 425 kB; abgerufen am 2. August 2018]).
  • Anne-Claire Poirson: Öl im Tschad – Ein fragwürdiger Segen. In: Le Monde diplomatique. Nr. 7770, 16. September 2005, S. 19 (monde-diplomatique.de [abgerufen am 2. August 2018]).

Weblinks

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Einzelnachweise

<references responsive />

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Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen:

Ägypten<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 | Algerien | Angola | Äquatorialguinea | Äthiopien | Benin | Botswana | Burkina Faso | Burundi | Dschibuti | Elfenbeinküste | Eritrea | Eswatini | Gabun | Gambia | Ghana | Guinea | Guinea-Bissau | Jemen<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 | Kamerun | Kap Verde | Kenia | Komoren | Demokratische Republik Kongo | Republik Kongo | Lesotho | Liberia | Libyen | Madagaskar | Malawi | Mali | Marokko | Mauretanien | Mauritius | Mosambik | Namibia | Niger | Nigeria | Ruanda | Sambia | São Tomé und Príncipe | Senegal | Seychellen | Sierra Leone | Simbabwe | Somalia | Südafrika | Sudan | Südsudan | Tansania | Togo | Tschad | Tunesien | Uganda | Zentralafrikanische Republik

Abhängige Gebiete:

Îles Éparses | Kanarische Inseln | Madeira | Mayotte | Plazas de soberanía (mit Ceuta und Melilla) | Réunion | St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha

Umstrittene Gebiete:

Demokratische Arabische Republik Sahara | Somaliland

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1 
Liegt zum Teil auch in Asien.
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2 
Liegt größtenteils in Asien.
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Mitgliedstaaten:

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International nicht
anerkannte Mitglieder:

Demokratische Arabische Republik Sahara

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