RT (Fernsehsender)
Vorlage:Infobox Rundfunksender
RT (bis 2009 Russia Today) ist ein 2005 vom russischen Staat gegründetes und finanziertes Auslandsfernsehprogramm, das im Internet und per Satellitentranspondern verbreitet wird. Ihm wird gezielte Desinformation und Propaganda vorgeworfen. RT hatte 2012 weltweit etwa 2000 Mitarbeiter, der Hauptsitz befindet sich in Moskau. 2014 wurde mit RT DE ein deutschsprachiges Programmangebot ins Leben gerufen. Am 2. März 2022 trat ein Verbot jeglicher Übertragung von RT-Inhalten EU-weit in Kraft, um die „Verbreitung von Lügen“ über den russischen Überfall auf die Ukraine zu verhindern.
Die Regierung Biden warf RT am 14. September 2024 vor, sich in die souveränen Angelegenheiten von Ländern auf der ganzen Welt einzumischen. Man wisse inzwischen, dass RT Cyber-Fähigkeiten habe, sich an verdeckten Informations- und Beeinflussungsoperationen beteilige und Hand in Hand mit den russischen Streitkräften arbeite. RT agiere als ein direkter Arm der russischen Regierung.<ref>dw.com: USA verstärken den Druck auf den russischen TV-Sender RT</ref>
Geschichte
Zielsetzung und Anfänge
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Verlag dieses Namens, der ab 1938 von London aus sowjetische Propaganda verbreitete.<ref>„Russia Today Society (London, England)“, LCAuth n86807341, abgerufen am 15. April 2023.</ref> Damals betrieben Stalin und sein Regime eine Terrorkampagne gegen eine Million Menschen.
Die russische Regierung (2002 bis 2008 und seit 2012 unter Präsident Putin) gründete RT am 6. April 2005 im Zuge einer Medienoffensive zur Verbesserung des Russland-Bildes im Ausland.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /><ref name="MedienOsteuropas">Marc Stegherr, Kerstin Liesem: Die Medien in Osteuropa: Mediensysteme im Transformationsprozess. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-92487-8, S. 331 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="SpinningRussia">Julian Evans: Spinning Russia. In: Foreign Policy, 1. Dezember 2005.</ref> Beraten wurde die Leiterin Margarita Simonjan von britischen Medienexperten, mit dem Ziel, die Sendungen nach dem Modell von CNN und BBC zu gestalten.<ref name="Rutenberg" />
RT will laut eigener Aussage die „russische Sichtweise“ auf das internationale Geschehen darstellen und ein Gegengewicht zu „westlichen Medien“ sein.<ref name=":0">Maik Baumgärtner, Roman Höfner, Ann-Katrin Müller: So arbeitet Putins Propagandasender. In: Der Spiegel. Nr. 9, 2021 (So arbeitet Putins Propagandasender [abgerufen am 4. Februar 2022]). (Volltext hinter Paywall)</ref> Kritiker betrachten den Sender als Auslands-Propagandakanal der russischen Regierung.<ref name=":0" /><ref name="ReporterOhneGrenzen">Der Kreml auf allen Kanälen: Wie der russische Staat das Fernsehen lenkt. (PDF; 1,8 MB) In: reporter-ohne-grenzen.de. Oktober 2013, S. 32 ff., abgerufen am 20. Januar 2022.</ref>
Putin sagte 2013 rückblickend zu den Motiven der Gründung von RT zu Margarita Simonjan: „Als wir im Jahre 2005 dieses Projekt entwickelten, wollten wir einen neuen starken Akteur auf Weltebene einführen, einen Player, der nicht nur eine unvoreingenommene Sichtweise der Geschehnisse in Russland bieten würde, sondern auch […] versuchen würde, das angelsächsische Monopol über den globalen Informationsfluss zu brechen. Und es scheint mir, dass euch das gelingt.“<ref>Max Fisher: In case you weren’t clear on Russia Today’s relationship to Moscow, Putin clears it up. In: The Washington Post. 13. Juni 2013, abgerufen am 22. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „When we designed this project back in 2005 we intended introducing another strong player on the world’s scene, a player that wouldn’t just provide an unbiased coverage of the events in Russia but also … try to break the Anglo-Saxon monopoly on the global information streams. And it seems to me that you’re succeeding in this job.“</ref>
Die Idee eines neuen Auslandsfernsehsenders wird dem damaligen Minister für Kommunikation und Medien, Michail Lessin, und Putins damaligem Pressesprecher Alexei Gromow zugeschrieben, die beide ein „verzerrtes und voreingenommenes Russlandbild“ ausländischer Journalisten beklagten,<ref>Robert Parsons: Russia: New State Channel Goes Global In English. In: rferl.org. 16. September 2005, abgerufen am 22. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Russia Today is the brainchild of former Information Minister Mikhail Lesin and Putin’s press spokesman, Aleksei Gromov. They say they’ve grown tired of watching foreign journalists present a distorted and biased portrayal of Russia to the outside world. Russia Today will attempt to set the record straight.“</ref> aber erst mit der Regierung Putin die Möglichkeit der Verwirklichung ihres Plans sahen.<ref name="Rutenberg" /> Lessin sagte, es sei wichtig, Russlands Bären-Image aufzupolieren.<ref>Robert Parsons: Russia: New State Channel Goes Global In English. In: rferl.org. 16. September 2005, abgerufen am 24. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Lesin has said Russia needs to start polishing its image. Otherwise, he said, ‘we’ll always look like bears.’“</ref> Er schrecke nicht vor dem Wort „Propaganda“ zurück; es sei erforderlich, für Russland international zu werben, um nicht auszusehen „wie Bären, die brüllend umherschweifen“.<ref>Rundfunk: Propaganda mit Stalin. In: Der Spiegel. Nr. 47, 2007 (online). „Ich schrecke schon lange nicht mehr vor dem Wort Propaganda zurück“, sagte er. „Wir müssen international für Russland werben. Sonst sehen wir aus wie Bären, die brüllend umherschweifen.“</ref>
Mit Hilfe der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti wurde am 6. April 2005 die staatliche Dachorganisation „TV-Novosti“ gegründet, zu der Russia Today gehört.<ref>Danila Schepowalnikow: Точка зрения / Сентябрь 2012 – Другое телевидение. Interview mit dem Geschäftsführer von TV-Novosti, Alexei Nikolow. In: comnews.ru. 19. September 2012, abgerufen am 22. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zu Beginn sagte die Direktorin von RIA Novosti Svetlana Mironyuk: „Leider wird Russland auf der Ebene des Massenbewusstseins im Westen nur mit drei Worten assoziiert: Kommunismus, Schnee und Armut. (…) wir würden gerne ein vollständigeres Bild des Lebens in unserem Land vermitteln.“<ref>Philip Seib: The Al Jazeera Effect: How the New Global Media Are Reshaping World Politics. Potomac Books, 2011, ISBN 978-1-61234-002-9 (hier in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 23. April 2019]): „Unfortunately, at the level of the mass consciousness in the West, Russia is associated with three words: ‘communism’, ‘snow’, and ‘poverty’. We would like to present a more complete picture of life in our country.“</ref> Russia Today ging nach dreimonatiger Probephase am 10. Dezember 2005 in englischer Sprache auf Sendung.<ref name="MedienOsteuropas" /><ref>Marcel H. Van Herpen: Putin’s Propaganda Machine: Soft Power and Russian Foreign Policy. Rowman & Littlefield, Lanham 2015, ISBN 978-1-4422-5362-9, S. 71 in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref> Zum Sendebeginn beschäftigte der Kanal 300 Journalisten, unter ihnen etwa 70 ausländische Mitarbeiter.<ref name="SpinningRussia" /> Zur Chefredakteurin wurde die damals 25-jährige Journalistin Margarita Simonjan ernannt. Sie hatte zuvor als Reporterin des Staatssenders Rossija 1 gearbeitet und gehörte 2011 zu Putins Wahlkampfteam.<ref>Katja Gloger: Putins Welt: Das neue Russland, die Ukraine und der Westen. Berlin Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8270-7854-4, S. 91 f. in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> Nach seiner Gründung 2005 sendete RT vor allem positive Nachrichten über Russland. In den ersten vier Jahren wurden Ereignisse und Personen aus der russischen und sowjetischen Geschichte in einem positiven Licht dargestellt; 2007 zeigte der Sender etwa Josef Stalin mit einer Feder in der Hand und beschrieb ihn als Autor romantischer Gedichte.<ref name="spiegel-54002224">Propaganda mit Stalin. In: Der Spiegel. Nr. 47, 2007 (online).</ref>
Neuorientierung
RT erregte im Jahr 2008 weltweite Aufmerksamkeit für seine Berichterstattung über den Ossetienkrieg,<ref name="Rowland">Kara Rowland: Russia Today: Youth served. In: The Washington Times. Abgerufen am 27. Oktober 2008.</ref><ref name="Weigel">David Weigel: Pravda Will Set You Free; Russia’s answer to Fox News and MSNBC. In: Slate, 27. Juni 2011.</ref> weil es behauptete, Georgien wäre der Aggressor<ref name="Weigel" /> und die separatistischen Regierungen von Südossetien und Abchasien würden von russischen Truppen beschützt.<ref>Charles King: Clarity in the Caucasus? In: Foreign Affairs, 11. Oktober 2009.</ref> Margarita Simonjan behauptete, RT sei das einzige englischsprachige Medium, das die andere Seite der Geschichte darstellte – die südossetische.<ref name="Rowland" />
Nach dem Kaukasuskrieg 2008 änderte RT seine Vorgehensweise grundlegend: Der Schwerpunkt lag nun nicht mehr auf der Darstellung Russlands in der Welt, die in einer Inhaltsanalyse der BBC als unauffällig beurteilt wurde,<ref name="Rutenberg" /> sondern in der Vertretung der Außenpolitik Russlands gegenüber der Berichterstattung anderer Länder und die Kritik der Politik dieser Länder. Simonjan behauptete, die russische Sicht auf den Krieg wäre in der internationalen Berichterstattung zu kurz gekommen.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /> Die Thematik wechselte vom Positiven aus Russland zu negativen Nachrichten über das Ausland;<ref name="Herpen72" /> die Strategie von der vorherigen positiven Soft-Power zu einer „raschen, andauernden und repetitiven Propaganda“, die keinen Anspruch auf Konsistenz habe. Sie „unterhalte, sie verwirre und sie überwältige die Zuschauer“, so die Autoren der RAND Corporation im Jahr 2016.<ref>The Russian “Firehose of Falsehood” Propaganda Model (PDF; 177 kB). Rand Corporation, 2016.</ref> Schon 2008 waren „Fake-News“ laut NZZ eine der „erkennbaren redaktionellen Strategien des Senders“.<ref name="langerArm">Der lange Arm des Kremls. NZZ, 25. November 2017.</ref> Nun wurde vorrangig über Proteste, Konflikte und soziale Missstände aus Westeuropa und den USA berichtet.<ref name="Herpen72">Marcel H. Van Herpen: Putin’s Propaganda Machine: Soft Power and Russian Foreign Policy. Verlag Rowman & Littlefield, 2015, ISBN 978-1-4422-5362-9, S. 72.</ref><ref name="vSalzen">Claudia von Salzen: RT Deutsch: Stimmungsmacher für Wladimir Putin. In: Der Tagesspiegel, 22. Dezember 2014.</ref> Berichterstattung über Russland kommt kaum vor.<ref name="russiabarely">24-hour Putin people: my week watching Kremlin ‘propaganda channel’ RT. In: The Guardian, 29. November 2017: “But Russia barely figures in RT’s coverage.”</ref> Dabei „prangert RT die Doppelzüngigkeit westlicher Politik an und stellt deren Werte in Frage“, so Reporter ohne Grenzen.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /> Bei der Neuorientierung griff Simonjan erneut auf die Hilfe des Werbeexperten McCann zurück, von dem auch der neue Werbeslogan stammte: Question more (Stelle mehr Fragen, stelle mehr in Frage).<ref name="Rutenberg">Jim Rutenberg: RT, Sputnik and Russia’s New Theory of War. In: nytimes.com. 13. September 2017, abgerufen am 23. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Sender suche sich gezielt Themen auch vom rechten Spektrum aus, die den Mainstream und die Europäische Union schwächen, so der Russland-Experte Stefan Meister von der Gesellschaft für Auswärtige Politik.<ref>Malene Gürgen, Christian Jakob, Sabine am Orde: Putins blaue Helfer. In: taz.de. 9. März 2019, abgerufen am 23. April 2019.</ref>
Während der Wirtschaftskrise 2008 beschloss die russische Regierung unter Ministerpräsident Wladimir Putin, TV-Novosti auf ihre Liste von Kernorganisationen mit strategischer Bedeutung zu setzen.<ref>Archive of the official site of the 2008–2012 Prime Minister of the Russian Federation Vladimir Putin. Regierung der Russischen Föderation, abgerufen am 12. August 2021.</ref><ref>Правительство РФ приняло перечень системообразующих организаций (The Russian government has adopted a list of backbone organizations). Abgerufen am 12. August 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Zuge dieser Entwicklung und um in den Vereinigten Staaten ein größeres Publikum zu erreichen, strich RT das Wort Russland aus dem Namen.<ref name="vSalzen" /> Der seit dem Start 2005 verwendete Name „Russia Today“ wurde 2009 durch das Kürzel „RT“ ersetzt, das in der Folge als Logo in sämtliche Sprachversionen übernommen wurde. Simonjan bestritt, dass mit der Namensänderung der russische Hintergrund verborgen werden sollte; die Änderung des Logos sollte mehr Zuschauer anziehen, die nicht nur den ganzen Tag Nachrichten über Russland sehen wollten.<ref name="Twickel">Nikolaus von Twickel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Russia Today Courts Viewers With Controversy. ( vom 3. Februar 2015 im Internet Archive) In: The Moscow Times, 17. März 2010. Abgerufen am 3. Februar 2015 (englisch).</ref> Im Mai 2013 übernahm der frühere CNN-Talkmaster Larry King eine Talkshow auf RT.
Simonjan bezeichnete 2013 den Sender als „Verteidigungsministerium“ des Kremls. Ein Auslandssender sei ihrer Ansicht nach in Friedenszeiten „nicht unbedingt nötig. Aber im Krieg kann er entscheidend sein. Eine Armee gründet man ja auch nicht erst eine Woche vor Kriegsbeginn“, so Simonjan.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /> Russia Today solle als Verstärker der Selbstzweifel der Europäer und Amerikaner wirken, so Benjamin Bidder 2013.<ref name="Osteuropa120014">Gemma Pörzgen: „Soft Power“ und Imagepflege aus Moskau: Leichtes Spiel für PR-Offensive in der Medienkrise, Osteuropa, Band 64, Heft 1 Im Namen des Volkes: Revolution und Reaktion (JANUAR 2014), S. 63–88</ref> Laut NZZ wurden die für RT arbeitenden Journalisten schon 2010 auf unbedingte Kreml-Loyalität geprüft.<ref>Köppel macht sich zum Sprachrohr Putins. NZZ am Sonntag, 8. Januar 2022.</ref>
Betriebseinstellungen und Ausstrahlungsverbote
| Kanal | Sendestart | Sendestopp | Sprache |
|---|---|---|---|
| RT International | style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | Englisch | |
| Rusiya Al-Yaum | style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | Arabisch | |
| RT Actualidad | style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | Spanisch | |
| RT America | style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | März 2022 | Englisch |
| RT Documentary | style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | Russisch und Englisch | |
| RT UK | style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | März 2022 | Englisch |
| RT Françe | style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | März 2022 | Französisch |
| RT Deutsch (Webportal mit Informationssendung) |
style="text-align:right;" Vorlage:DatumZelle | Deutsch |
Im Jahr 2007 kamen eine arabische (Rusiya Al-Yaum) und 2009 eine spanische Programmversion (RT Actualidad) hinzu. Die 2007 initiierte arabische Version trug ursprünglich den Namen Rūsiyā al-Yaum (روسيا اليوم, arabisch für „Russland heute“)<ref name="Twickel" /> und verwendet die englische Bezeichnung „RT Arabic“. Der spanische Programmname war von Anfang an nicht eindeutig russlandbezogen, hier startete der Sender 2009 unter dem Namen „RT Noticias“ (Spanisch für „RT Nachrichten“) und heißt „RT en Español“ („RT auf Spanisch“). Diese Kanäle senden ein paralleles Programm zur englischsprachigen Version von RT International. Am 23. Juni 2011 ging auch der Kanal RT Д (das kyrillische Д entspricht dem lateinischen D) auf Sendung, der Dokumentationen und Reportagen über Russland und globale Themengebiete in russischer und englischer Sprache ausstrahlt und ein Themenspektrum bietet, das Kultur, Technologie, Kunst, Geschichte, Extremsport und Politik umfasst.
Von 2009 bis 2013 stellte RT einen Teil seiner Inhalte kostenlos fremden Sendern zur Verfügung und ermunterte internationale Medien, diese Inhalte in ihr Programm zu integrieren. Auf der RT-Website konnten Filmaufnahmen für Eigenproduktionen, fertig produziertes Material, Meinungen von Experten und RT-Korrespondenten übersetzt in Englisch, Arabisch, Spanisch und Russisch heruntergeladen werden.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /> 2012 engagierte der Sender 100 neue Mitarbeiter und gründete die Nachrichtenagentur Ruptly mit Sitz in Berlin, die Videos und Liveberichte von aktuellen Ereignissen zu besonders günstigen Preisen zum Kauf anbietet.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /><ref>Christoph Lanz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Russia Today: Putins Welt. ( vom 14. Dezember 2014 im Internet Archive) In: Berliner Zeitung, 14. Dezember 2012.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ruptly – die russische TV-Agentur in Berlin. ( vom 16. September 2013 im Internet Archive) Zapp, 11. September 2013.</ref> Etwa ein Jahr nach der Gründung von Ruptly wurde das Gratis-Angebot für den Bezug von Inhalten durch andere Sender eingestellt.
Am 2. März 2022 trat das Verbot jeglicher Übertragung von RT-Inhalten EU-weit in Kraft, um die „Verbreitung von Lügen“ über den russischen Überfall auf die Ukraine zu verhindern.<ref>EU-Sanktionen gegen Kreml-Sprachrohre RT und Sputnik in Kraft. Presseartikel. In: Website der Europäischen Kommission, Vertretung in Österreich. 2. März 2022, abgerufen am 29. März 2022.</ref><ref>Verordnung (EU) 2022/350 des Rates vom 1. März 2022 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 833/2014 über restriktive Maßnahmen angesichts der Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisierenVorlage:Abrufdatum</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. RT America (eingestellt)
2010 eröffnete RT America sein erstes Studio in der Nähe von Washington. RT America sendete eine Mischung aus Nachrichten und Talk-Shows während der Hauptsendezeit. Laut PRI hatten vier Fünftel der Inhalte einen starken Bezug zu US-Themen.<ref>Russia Today chases ratings with controversy. In: Public Radio International. (pri.org [abgerufen am 20. Februar 2017]).</ref>
Das US-Justizministerium wies am 13. November 2017 auf den Foreign Agents Registration Act (FARA) hin (“Americans have a right to know who is acting in the United States to influence the U.S. government or public on behalf of foreign principals”). Unternehmen fremder Mächte müssen sich in den USA als „foreign agent(s)“ registrieren lassen.<ref>Production Company Registers Under the Foreign Agent Registration Act as Agent for the Russian Government Entity Responsible for Broadcasting RT</ref><ref>siehe auch rferl.org vom 10. Januar 2018: Sputnik Partner ‘Required To Register’ Under U.S. Foreign-Agent Law.</ref> Die Behörde nannte nach zwei Monaten den definitiven Termin, worauf RT erklärte, sich per 13. November zu fügen.<ref>RT editor says company will register as foreign agent in US. Washington Post, 9. November 2017.</ref><ref>USA gehen gegen russischen TV-Sender vor – Moskau plant Gegenmaßnahmen. Spiegel Online, 10. November 2017.</ref> Seit dem 1. April 2018 war RT in Washington nicht mehr per Kabelfernsehen zu empfangen.<ref>Russia's RT television network will go dark in Washington D.C., CNN.com</ref> Am 3. März 2022 entließ RT alle Mitarbeiter und stellte die Produktion ein.<ref>Oliver Darcy: RT America ceases productions and lays off most of its staff. In: CNN Business. 4. März 2022, abgerufen am 3. März 2022.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. RT UK (eingestellt)
RT UK war das Russia Today Programm für das Vereinigte Königreich. RT hatte Studios im Millbank Tower in London. RT UK produzierte wochentags vier Stunden eigenes Programm und übertrug sonst den englischen Dienst von RT International. Im April 2018 leitete die britische Medienaufsicht Ofcom Ermittlungen gegen RT UK wegen Falschdarstellungen im Programm, besonders im Fall des Giftanschlags auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal, ein.<ref>Ofcom opens Russia Today investigations. In: bbc.com. 18. April 2018, abgerufen am 27. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Juli 2019 verhängte die Behörde eine Geldstrafe von 200.000 Pfund gegen Russia Today, da RT nicht objektiv genug über verschiedene Themen berichtet habe, neben dem Fall Skripal auch über Politik in der Ukraine und den Konflikt in Syrien.<ref>Britische Medienaufsicht verhängt Geldstrafe gegen Russia Today. In: tagesschau.de. Abgerufen am 27. Juli 2019.</ref>
Am 18. März 2022 wurde dem Sender von der Ofcom mit sofortiger Wirkung die Lizenz für den Sendebetrieb entzogen.<ref>Office of Communications: Ofcom revokes RT’s broadcast licence. 18. März 2022, abgerufen am 18. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
RT DE (Sendebetrieb innerhalb der EU eingestellt)
Das deutschsprachige Internetangebot des Senders startete im November 2014. Während RT DE beispielsweise in der Schweiz empfangbar ist, musste es im Februar 2022 aufgrund fehlender deutscher Sendelizenz seinen Sendebetrieb dort einstellen.<ref name=":1">Fehlende Lizenz – Fernsehsender RT DE verboten. In: tagesschau.de. 2. Februar 2022, abgerufen am 25. April 2022.</ref> Stand 2014 hatte der Sender seinen Sitz in einem Fernsehstudio in Berlin-Adlershof. RT DE war vorwiegend ein Internetportal mit Artikeln und Videos. Im Februar 2018 hatte RT DE etwa 578.000 Anhänger, davon die meisten bei Facebook und YouTube, wo der Sender drei eigene Kanäle betrieb. Insbesondere beim Videoangebot sei RT DE unter den russischen Anbietern dominant, die ihre Inhalte in deutscher Sprache verbreiten.<ref>Russische News auf Deutsch wachsen konstant. russland.news, 20. November 2016.</ref><ref>Bald eine Million Follower für deutschsprachige Russland-Nachrichten. russland.news, 6. Februar 2018.</ref> Anfang Februar 2022 teilte die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) mit, dass „Veranstaltung und Verbreitung des Fernsehprogramms RT DE“ in Deutschland untersagt worden sei, da keine medienrechtliche Zulassung vorliege. RT DE musste nach dieser Entscheidung die Ausstrahlung seines Fernsehprogramms über Live-Stream im Internet, über die eigene App und über einen weiteren Eutelsat-Satelliten einstellen.<ref name=":1" /> Am 6. April 2022 teilte die Medienanstalt Berlin-Brandenburg mit, dass RT DE seine Aktivitäten in Deutschland eingestellt hat.<ref>RT DE sendet nicht mehr in Deutschland. In: sueddeutsche.de. 6. April 2022, abgerufen am 18. September 2022.</ref>
RT DE sendete auch nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine (24. Februar 2022) weiter, obwohl die ZAK dies bereits Anfang Februar verboten hatte.<ref>spiegel.de: So egal sind einem russischen Staatskanal deutsche Verbote (28. Februar 2022)</ref>
Verbreitung von RT
Zusammen mit Ruptly (Hauptsitz: Berlin) und Sputnik ist er Teil des Medienunternehmens Rossija Sewodnja (Russland heute). Das jeweilige Programm ist auch über den Peer-to-peer-Dienst Livestation verfügbar. Außerdem werden einzelne Beiträge in einem eigenen Kanal auf YouTube verbreitet, der im Juni 2013 die Marke von 1 Milliarde Zugriffe überschritt. Politische Videos des Kanals wurden etwa 4 Millionen Mal aufgerufen (ca. 1 % der Gesamtzugriffe). Ein Großteil der meistaufgerufenen Clips des Senders beschäftigt sich mit Naturkatastrophen, Unfällen, Verbrechen und Naturereignissen. Unter den fünf meistgesehenen Videos sind Clips über das Tōhoku-Erdbeben 2011, den Meteor von Tscheljabinsk und einen obdachlosen Amerikaner mit „goldener Stimme“. Laut einem von RIA Nowosti erstellten Dokument, das 2013 der Presse zugespielt wurde, sind die vergleichsweise hohen Abrufzahlen dadurch zu erklären, dass RT nicht-originale Inhalte auf YouTube hochlädt, die andere TV-Kanäle wegen Urheberrechtsbeschränkungen nicht hochladen.<ref>Katie Zavadski: Failing Mission: Putin’s Propaganda TV Lies About Its Popularity. In: The Daily Beast, 17. September 2015.</ref>
Programm des Senders
Zum fünfsprachigen Programm gehören Nachrichtenformate, Talkshows, Debatten und Dokumentationen.<ref name="sz-1296946">Julian Hans: Wahlen in Russland – Wie westliche PR-Agenturen Putins Image aufpolieren. In: sueddeutsche.de. 4. März 2012, abgerufen am 23. September 2022.</ref> Gesendet wird auf Englisch, Arabisch, Spanisch und Französisch,<ref name="rferl.org 02022022">Media Regulatory Commission Backs Ban Of RT’s German-Language Service. In: rferl.org. 2. Februar 2022, abgerufen am 15. August 2022 (englisch).</ref> jeweils mit unterschiedlichen Programmen. 2014 wurde mit RT DE ein deutschsprachiges Programmangebot ins Leben gerufen.
Die RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan verglich den Kanal mit dem Verteidigungsministerium und erklärte, dass man einen Informationskrieg führe, „und zwar gegen die gesamte westliche Welt“.<ref>Ben Nimmo: Question That: RT's Military Mission. In: medium.com. Atlantic Council-Digital Forensic Research Lab, abgerufen am 13. März 2018.</ref><ref>Нет никакой объективности („Es gibt keine Objektivität“). Kommersant, 7. April 2021, abgerufen am 21. März 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Сейчас ни с кем не воюем. А вот в 2008 году воевали.“</ref><ref name=":5">«Нет никакой объективности». In: Kommersant. 7. April 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Dezember 2017; abgerufen am 14. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":4">«Не собираюсь делать вид, что я объективная» Интервью с Маргаритой Симоньян. In: Lenta.ru. 7. März 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Oktober 2014; abgerufen am 14. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":3">Atlantic Council Digital Forensic Research Lab: Question That: RT’s Military Mission. In: medium.com. 23. November 2018, abgerufen am 14. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Simonjan beschrieb die Ausrichtung des Senders mit den Worten: „Wir verteidigen unser Land, wie die Armee“.<ref name=":0" /> und erklärte mehrmals, dass Russland mittels RT imstande sein muss, einen Informationskrieg führen zu können. Nachrichten aus internationaler und russischer Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport sowie Dokumentarfilme, Politmagazine (IMHO, In Context, 451 Grad) und die täglich ausgestrahlte politische Talkshow „Spotlight with Al Gurnov“ machen das Programm des Senders aus. Das Programm des englischsprachigen Nachrichtensenders RT besteht aus Segmenten, die zwischenzeitlich durch Programmankündigungen unterbrochen werden. Dokumentationen und Talk-Formate werden meist mehrfach ausgestrahlt, häufig auch mehrere Male an einem Tag. Zu jeder vollen Stunde werden halbstündige Nachrichten gesendet.
Gegenwärtige Programme
<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />
- Renegade Inc. (Ross Ashcroft)<ref>Vorlage:IMDb/1</ref>
- Interview
- SophieCo (Sophie Schewardnadse)<ref>Vorlage:IMDb/1</ref>
- CrossTalk (Peter Lavelle)<ref>Vorlage:IMDb/1</ref>
- In the Now (Anissa Naouai)<ref>Jan-Henrik Wiebe: Mitten in Berlin – Russlands heimliche Medienzentrale in Europa. In: t-online.de. 16. November 2018, abgerufen am 5. Juli 2022.</ref>
- Einmal in Russland
Frühere Programme
<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />
- Off the grid (Jesse Ventura)<ref>Vorlage:IMDb/1</ref>
- Capital Account (Lauren Lyster) von RT America
- Why you should care! (Tim Kirby)
- Keiser Report
- On Contact (Chris Hedges)
- Going Underground (Afshin Rattansi) von RT UK
- America’s Lawyer (Mike Papantonio)<ref>Jim Little: Pensacola attorney Mike Papantonio quits ‘America’s Lawyer’ on RT in response to Ukraine. In: pnj.com. 8. März 2022, abgerufen am 21. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Watching the Hawks (Tyrel Ventura, Sean Stone und Tabetha Wallace)<ref>What It Was Like to Work for Russian State Television. In: nytimes.com. 12. März 2022, abgerufen am 11. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- News Thing (Sam Delaney)
- 451 Grad (Arthur Buchholz)
- Bundespressekonferenz (Florian Warweg)
- Redacted Tonight (Lee Camp) von RT America
- Breaking the Set (Abby Martin)<ref>Never Stop Breaking the Set. In: mediaroots.org. 18. Februar 2015, abgerufen am 10. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- In Context, On the Money (Peter Lavelle)
- Sputnik (George Galloway) von RT UK
- Spotlight (Alexander Gurnow)
- Fasbenders Woche (Thomas Fasbender)
- The World Tomorrow
- Moscow Out (Martyn Andrews)
- Adam vs. the Man (Adam Kokesh)
- The Alyona Show (Alyona Minkovski)
- The Big Picture (Thom Hartmann) from RT America
- The News with Ed Schultz (Ed Schultz)<ref>Dylan Byers, Brian Stelter: Former MSNBC host Ed Schultz lands at Russia Today’s American channel. In: cnn.com. 14. Januar 2016, abgerufen am 30. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Der Fehlende Part (Jasmin Kosubek, Margarita Bityutski) (November 2014 bis zur Einstellung im Juli 2020)
Hybride Kriegsführung durch verdeckt betriebene Plattform Red
Red war eine seit Anfang 2023 von Berlin aus operierende, englischsprachige<ref name=":2">Nicholas Potter: RT-nahes Medium „Red“: Hybrider Krieg in Berlin. In: Die Tageszeitung: taz. 12. Oktober 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. März 2025]).</ref> Seite, die laut Recherchen des Tagesspiegels<ref name=":32">Sebastian Leber: Rufmordkampagne gegen Berliner Journalisten: Weshalb Nicholas Potter so angefeindet wird. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 10. März 2025]).</ref> und US-Außenministerium verdeckt von RT betrieben wurde und als Nachfolger des vor März 2023 eingestellten Portals Redfish gilt. Sie veröffentlichte vor allem antiisraelische Positionen zum Krieg in Israel und Gaza. Im Mai 2025 gab die Plattform ihre Auflösung bekannt. Im Juli veröffentlichte das Auswärtige Amt eine Mitteilung, der zufolge die Hintermänner der Plattform mit Sanktionen belegt worden seien.<ref>Auswärtiges Amt: Erklärungen des Auswärtigen Amts in der Regierungspressekonferenz vom 02.07.2025. Abgerufen am 7. Juli 2025.</ref>
Interviewpartner bzw. Gäste
Laut Jesse Zwick lädt RT Experten und Journalisten als Gäste ein, damit sie ausführlich über Themen sprechen, die von größeren Nachrichtenmedien ignoriert werden; häufig sind das linksliberale Wissenschaftler, Intellektuelle und Autoren von Organisationen wie The Nation, Reason magazine, Human Events, Center for American Progress<ref name="Zwick">Jesse Zwick: Pravda Lite. In: The New Republic. 14. März 2012, abgerufen am 14. Februar 2017.</ref> und dem Cato Institute, die der Außenpolitik und der Bürgerrechtspolitik der USA kritisch gegenüberstehen.<ref name="Zwick" /> RT biete auch relativ unbekannten Kommentatoren, Globalisierungsgegnern, Anarchisten und links orientierten Aktivisten ein Forum. Der Journalist Danny Schechter sieht den Hauptgrund für den Erfolg von RT in den USA darin, dass RT „eine Kraft der Vielfalt sei, die Menschen eine Stimme gebe, die in den traditionellen US-Fernsehsendern kaum gehört werden“.<ref name="Walker">Shaun Walker, Russia Today, Tomorrow the World. The Independent, 20 September 2010.</ref> Bekannte Gäste waren Experten wie Jared Bernstein, John Feffer und Lawrence Korb; die Journalisten und Schriftsteller Jacob Sullum, Pepe Escobar<ref name="Zwick" /> und Brian Doherty,<ref name="Quan">Tracy Quan: I Love the Julian Assange Show! The Daily Beast, 3. Juli 2012, abgerufen am 20. August 2012.</ref> Staatsführer einschließlich Ecuadors Präsident Rafael Correa<ref name="Quan" /> und Syriens Präsident Baschar al-Assad.<ref>Syria’s Assad denies civil war, blames the West. Los Angeles Times, 9 November 2012.</ref> Nigel Farage, der Führer der UK Independence Party, erschien zwischen 2010 und 2014 18 Mal bei RT.<ref name="BuzzFeedPSmith">Nigel Farage: I admire Vladimir Putin. The Guardian, 31. März 2014, abgerufen am 26. September 2015.</ref>
2010 beschrieb Julia Ioffe RT bei der Auswahl der Gäste und Themen als „provokativ nur um der Provokation willen“, wenn es etwa einen russischen Historiker von der baldigen Auflösung der USA sprechen ließ, Reden des Präsidenten von Venezuela Hugo Chávez übertrug, von der Obdachlosigkeit in den USA berichte und den Vorsitzenden der New Black Panther Party zum Interview lade. Beim Versuch, einen alternativen Standpunkt zu zeigen, sei RT gezwungen, mit randständigen, anstößigen und oft unbedeutenden Personen zu sprechen. The Economist bemerkte, RT präsentiere neben interessanten, akzeptablen und scharfkantigen Themen auch „wilde Verschwörungstheorien“, die als verrückt („kooky“) gelten könnten.<ref>Airwaves wobbly. The Economist, 6. Juli 2010.</ref> 2010 stellte das Southern Poverty Law Center in einem Bericht fest, RT berücksichtige die Verschwörungstheorien der „birther“ und der „New World Order“; rechte Aktivisten und Publizisten wie Jim Stachowiak und Jared Taylor hätten dem Sender Interviews gegeben.<ref name="Scherr" /> Al Jazeera English publizierte einen Artikel, der feststellte, RT habe eine Neigung für „for off-beat stories and conspiracy theories.“<ref name="Sousa" /><ref name="Sousa">Ann De Sousa: News channel or propaganda tool? In: al-Dschasira. März 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2012; abgerufen am 26. Januar 2012.</ref> The Algemeiner Journal kritisierte eine mangelnde Sachlichkeit in der RT-Berichterstattung über den Nahostkonflikt sowie anti-israelische Propaganda.<ref>Russia Today Continues its Anti-Israel Propaganda, Going Even Further Than Arab TV. In: the algemeiner. Abgerufen am 26. Mai 2016.</ref>
Manuel Ochsenreiter, ein Neo-Nazi, erschien mehrfach bei RT.<ref>Mezzofiore Gianluca: RT Host Manuel Ochsenreiter Exposed as Neo-Nazi Editor. International Business Times, 24. März 2014, abgerufen am 30. November 2014.</ref> RT News lud auch Richard B. Spencer ein, der Baschar al-Assad unterstützt,<ref>Tom Porter: Charlottesville’s Alt-Right Leaders Have a Passion for Vladimir Putin. In: Newsweek. Abgerufen am 16. August 2017.</ref> oder den Holocaustleugner Ryan Dawson, der als „Menschenrechtsaktivist“ vorgestellt wurde.<ref>Marcel H. Van Herpen: Putin’s Propaganda Machine: Soft Power and Russian Foreign Policy. Rowman & Littlefield, 2015, ISBN 978-1-4422-5361-2, S. 73 (hier in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Steve Bannon behauptete, er sei wahrscheinlich 100 Mal oder öfter bei RT aufgetreten.<ref name="Stone_Gordon_3/20/2017">Peter Stone, Greg Gordon: FBI’s Russian-influence probe includes a look at Breitbart, InfoWars news sites. In: McClatchy DC Bureau. 20. März 2017, abgerufen am 28. September 2018.</ref> Stand Februar 2021 sind Interviewpartner aus der deutschen Politik vor allem Politiker von AfD und Die Linke.<ref name=":0" />
Budget
Der Sender hatte 2013 ein Budget von umgerechnet etwa 250 Mio. Euro. Das Budget wird aus dem Staatshaushalt der Russischen Föderation bezahlt.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /> Infolge des Währungsverfalls bei gleichzeitigem Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen musste RT schon Anfang 2015 massive Kürzungen im Programm vornehmen. Der zweitwichtigste Kanal im Englischen soll so wenig Kürzungen wie möglich erleiden müssen; es sei geplant, das Budget der arabischen und spanischen Sender abzuspecken.<ref>Elke Windisch: Russische Medien auf Sparkurs: Russia Today Deutsch vor dem Aus? In: Der Tagesspiegel, 30. Januar 2015.</ref>
Mediale Wirkung in Deutschland
Der Osteuropa-Historiker Dmitri Stratievski hielt 2016 Russlands Informationsstrategie in Deutschland für effizient. Die Beiträge von RT und Sputnik würden im Netz häufig zitiert und auf Facebook geteilt. „Sie werden in der Russland- oder Flüchtlingsdebatte nicht selten als eine ernsthafte Quelle wahrgenommen, zumindest als eine weitere, die etablierten Medien ergänzende.“ Besonders das Appellieren an die russischstämmige Bevölkerung sei deutlich erfolgreicher, da hier mit dem Effekt einer „Stimme aus der Heimat“ gespielt werde.<ref>Analyse: Die Wirkung der Staatsmedien Russlands in Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 27. Dezember 2016.</ref><ref>auch in: Russland-Analysen, Nr. 317, 3. Juni 2016</ref>
In den Russland-Analysen schrieb die Osteuropa-Historikerin und Politologin Susanne Spahn 2016, Russland intensiviere vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs seine Informationspolitik in Deutschland und anderen EU-Staaten. Russland versuche, das Ukraine-Bild in der Öffentlichkeit zu beeinflussen und Stereotype über die Ukraine (z. B. dass die Ukraine kein richtiger Staat sei) zu verbreiten. Die Berichterstattung russischer Staatsmedien zum Ukrainekrieg werde durch „Falschdarstellungen und Geschichtsklitterung“ dominiert, um ein Feindbild zu konstruieren und die russische Intervention zu rechtfertigen. RT als Auslandssender spiele die wichtigste Rolle. Der Sender deute den Ukraine-Konflikt um und stelle Russland als das Opfer, die Ukraine und westliche Staaten hingegen als Aggressoren hin. Nach Daten einer Allensbach-Umfrage stimmte eine Minderheit der Deutschen der russischen Sicht auf den Ukrainekrieg zu.<ref>Susanne Spahn: Das Ukraine-Bild in Deutschland: Die Rolle der russischen Medien Wie Russland die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflusst. In: Russland-Analysen, Nr. 317, 3. Juni 2016, S. 2; laender-analysen.de (PDF; 1 MB).</ref> Im März 2021 äußerte Spahn, die „Berichterstattung“ von RT DE „zeichne ein negatives Bild von Deutschland, stifte Verwirrung und Misstrauen – alles mit dem Ziel, die Gesellschaft zu spalten“. Es sei „eine [..] Mischung aus wahren und realitätsgetreuen Nachrichten, die aber dann geschickt mit Desinformation verquickt werden“. Sie hielt dies für einen „Angriff auf die Demokratie“.<ref name="Deutschlandfunk 23032021">Annika Schneider: Russische Staatsmedien in Deutschland – RT DE will Online-Sender zum Fernsehkanal ausbauen. deutschlandfunk.de, 23. März 2021.</ref>
Kritik
RT gilt als ein zentrales Mittel im Kampf um die öffentliche Meinung im Ausland, was anfänglich mit einer Soft-Power-Strategie geschehen sollte, also mit positiver Berichterstattung, die Russland attraktiver machen sollte. Für diese Art von Nachrichten schien sich kaum jemand zu interessieren.<ref>Tom Schaffer: „Russia Today“: So funktioniert Putins Propaganda-Sender. In: kurier.at. 4. Dezember 2017, abgerufen am 7. August 2022: „Tatsächlich scheint Russia Today das in den ersten Jahren versucht zu haben. Viele Nachrichten drehten sich um Ereignisse in Russland oder mit russischer Beteiligung, boten einen offiziellen Blickwinkel auf diese Angelegenheiten. Nur kaum jemand interessierte sich dafür.“</ref> So änderte der Sender laut Sarah Pagung, Russland- und Sicherheitsexpertin von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, 2014 seine Strategie und schilderte mehr weltweite Nachrichten aus Sicht des Kreml ohne besonderen Fokus auf Russlandberichterstattung, jedoch weiter als Propagandainstrument des Kreml.<ref name="fünfJahre">RT deutsch: 5 Jahre – fantastisch oder furchtbar. russland.news, 1. Dezember 2019.</ref> Im Büro der langjährigen Chefredakteurin Margarita Simonjan befindet sich ein gelbes Sondertelefon, das ausschließlich zur verschlüsselten Kommunikation direkt mit dem Kreml dient.<ref>The global news network RT is the Russian government’s main weapon in an intensifying information war with the West—and its top editor has a direct phone line to the Kremlin. Time, 5. März 2015, abgerufen am 15. März 2021.</ref> Simonjan beschrieb die Ausrichtung des Senders einmal mit den Worten: „Wir verteidigen unser Land, wie die Armee.“<ref name=":0" /> Im Jahr 2012 und 2013 erklärte Simonjan, dass Russland mittels RT imstande sein muss, einen Informationskrieg führen zu können.<ref name=":5" /><ref name=":4" /><ref name=":3" /> RT wird gezielte Desinformation<ref name="Streit">Medien-Streit zwischen Deutschland und Russland. Thielko Grieß im Gespräch mit Annika Schneider. In: Deutschlandfunk. 17. März 2021, abgerufen am 18. März 2021.</ref> wie die Verbreitung von Verschwörungstheorien<ref name="Scherr"></ref> vorgeworfen.<ref>Sabine Sasse: Unabhängigkeit sieht anders aus – Putins Posaunen. In: Der Tagesspiegel, 15. April 2013, abgerufen am 8. April 2022.</ref>
Pascal Bonnamour, der Leiter der europäischen Abteilung von Reporter ohne Grenzen, bezeichnete den Sender 2005 kurze Zeit nach seiner Gründung als einen weiteren Schritt des Staates, Informationen zu kontrollieren.<ref>Nikita Prokunin, Andrey Kozenko: Reporters Without Borders Don’t Fancy Russia Today. In: Kommensant, 21. Oktober 2005.</ref> Für Martin Emmer, Direktor des Publizistikinstituts der Freien Universität Berlin, ist RT im Gegensatz zu öffentlich-rechtlichen Auslandssendern wie der Deutschen Welle „eindeutig [ein] Kommunikationskanal der russischen Regierung“ und „funktioniert nach den Regeln politischer PR.“, deren Grundmuster „nicht die Lüge, sondern die extreme Selektion der Nachrichten“ sei. Dass der Sender im Sinne Russlands agitiert, wird von der Moskauer RT-Zentrale dabei nicht einmal verheimlicht: Chefredakteurin Margarita Simonjan gab offen zu, dass RT die Stimmung im Westen nicht kurzfristig beeinflussen, sondern vielmehr eine alternative Öffentlichkeit schaffen wolle. Das Budget für RT lag 2014 bereits bei rund 220 Millionen Euro. Für das Folgejahr war eine Aufstockung um ein Drittel vorgesehen.<ref>Andreas Macho: Russia Today: Der Propaganda-Sender des Kremls in Deutschland. In: Handelsblatt, 21. November 2014.</ref> Der damalige US-Außenminister John Kerry äußerte 2014 über den Sender: „Russia Today wurde eingerichtet, um die Politik von Präsident Putin zu propagieren […]“<ref>Secretary Kerry on Ukraine. Press release. CSPAN. 24 April 2014. (Originalzitat: “Russia Today network has deployed to promote president Putin’s [Ende der Übersetzung] fantasy about what is playing out on the ground. They almost spend full-time devoted to this effort, to propagandize, and to distort what is happening or not happening in Ukraine.”)</ref> Wladimir Putin äußerte dazu in einem Interview, da RT von der Regierung finanziert würde, könne der Sender natürlich nur die offizielle russische Position widerspiegeln. Der Sender habe aber nie die Rechtfertigung der politischen Linie Russlands beabsichtigt, weder im Inland noch im Ausland.<ref>In case you weren’t clear on Russia Today’s relationship to Moscow, Putin clears it up. Abgerufen am 23. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete 2017 RT als Propagandasender.<ref>Andreas Ross: Macrons Moskau-Wende. In: FAZ, 24. August 2019, S. 8.</ref>
Der Medien-Redaktor der NZZ beschrieb 2018, wie RT als Vertreter eines autoritären Regimes Berufsregeln nicht beachte und sich trotzdem auf eine „formale Gleichheit“ berufe. Demokratien müssten solche Staatsmedien trotz dieser klaren inhaltlichen und strukturellen Unterschiede „ertragen“, um die eigene Medienfreiheit zu erhalten.<ref>Staatsmedien muss man ertragen. In: NZZ, 17. März 2018.</ref> Für die SWR-Dokumentation Die geheimen Meinungsmacher – Wie wir im Wahlkampf manipuliert werden wurde ein auf dem Twitterkanal der russischen Botschaft veröffentlichter Werbeclip für den zukünftigen Fernsehkanal von RT DE analysiert. Beim Zusammensetzen von Textausschnitten aus mehreren sehr schnellen Schnittfolgen ergab sich folgender Gesamttext: „Russia Today in Deutschland – Das neue Wettrüsten – Die Stimme des Kremls in Deutschland – Die Corona-Krise nutzen, um die EU zu destabilisieren“.<ref>Die Story im Ersten: Die geheimen Meinungsmacher. ARD, abgerufen am 15. Oktober 2021.</ref>
Propaganda für die russische Regierung
RT wird von Wissenschaftlern als Sprachrohr des Kreml bewertet.<ref name="ReporterOhneGrenzen" /><ref>Vgl. z. B.
- Ilya Yablokov: Conspiracy Theories as a Russian Public Diplomacy Tool: The Case of Russia Today (RT). In: Politics. 35, Nr. 3–4, November 2015, S. 301–315. doi:10.1111/1467-9256.12097.
- Gary D. Rawnsley: To Know Us is to Love Us: Public Diplomacy and International Broadcasting in Contemporary Russia and China. In: Politics. 35, Nr. 3–4, November 2015, S. 273–286. doi:10.1111/1467-9256.12104.
- Peter Pomerantsev: The Kremlin’s Information War. In: Journal of Democracy. 26, Nr. 4, Oktober 2015, S. 40–50. doi:10.1353/jod.2015.0074.
- Lilia Shevtsova: Forward to the Past in Russia. In: Journal of Democracy. 26, Nr. 2, April 2015, S. 22–26. doi:10.1353/jod.2015.0028.
- Nils S. Borchers: “Do You Really Think Russia Should Pay Up for That?” How the Russia-Based TV Channel RT Constructs Russian-Baltic Relations. In: Javnost – The Public: Journal of the European Institute for Communication and Culture. 18, Nr. 4, 2011, S. 89–106. doi:10.1080/13183222.2011.11009069.</ref> Peter Pomerantsev sieht den Satz „Es gibt keinen objektiven Journalismus“, den ein leitender Redakteur ihm gegenüber äußerte, als Euphemismus dafür, dass der Kreml die vollkommene Kontrolle über die Wahrheit bei RT besitzt.<ref name="allesistwahr67">Peter Pomerantsev: Nichts ist wahr und alles ist möglich: Abenteuer in Putins Russland. Deutsche Verlags-Anstalt 2015. ISBN 978-3-421-04699-4, S. 67.</ref> Dem US-Außenministerium zufolge operiere RT als ein „direkter Arm der russischen Regierung“.<ref>USA erheben schwere Vorwürfe gegen russischen Sender RT. ORF.at, 13. September 2024, abgerufen am 13. September 2024.</ref>
In einer Untersuchung des Russian Analytical Digest von 2015 zum „Informationskrieg“<ref>Elizabeth Nelson, Robert Orttung, Anthony Livshen, Yelizaveta Layer, Oksana Ryjouk: Information Warfare. (PDF) In: Russian Analytical Digest (RAD). Center for Security Studies (CSS), ETH Zurich; Research Centre for East European Studies, University of Bremen; Institute for European, Russian and Eurasian Studies, George Washington University, 8. Dezember 2015, abgerufen am 16. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> ermittelte ein Forscherteam der George Washington University, welche Propagandatechniken RT auf YouTube-Kanälen in den verschiedenen Sprachversionen anwendet, um seine Ziele zu erreichen:
- Fokussierte Botschaften (focused messaging): Jedes Landes-Publikum wird differenziert und flexibel mit einer bestimmten Mischung von politischen und nicht-politischen Themen auf Aspekte seines Landes angesprochen, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu gewinnen (credibility). Beispielsweise biete RT in den USA eher alternativen linksliberalen Meinungen eine Plattform, in Europa eher Meinungen vom rechten Rand.<ref>Pravda Lite. In: The New Republic. 14. März 2012, abgerufen am 8. Januar 2017.</ref><ref>Patrick Hilsman: Have you been watching Russian government propaganda? In: seattleglobalist.com. 6. Mai 2015, abgerufen am 24. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „RT presents itself as a liberal alternative in the United States, but in Europe it is the flagship of resurgent nationalist parties.“</ref><ref>Liberal im englischen Sprachgebrauch entspricht im Deutschen eher linksliberal oder sozialliberal. Siehe Thomas Fuster: Liberal – was soll das heissen? In: nzz.ch. 3. März 2016, abgerufen am 24. März 2022.</ref>
- Die Sendungen folgen den Themen des üblichen Nachrichtenprogramms, machen dabei aber die russische Perspektive in Form einer „alternativen zweiten Meinung“ deutlich.
- Themen von allgemeinem Interesse teils schockierender Art und Technologiethemen ohne regionalen Bezug werden dargestellt, um die Aufmerksamkeit von Zuschauern zu wecken und sie später auf die politischen Themen zu lenken (siehe auch Human-Interest-Themen und Clickbaiting).
- Inhaltlich greift RT die Kriterien auf, die westliche Länder bei ihrer Kritik an Russland verwenden: Demokratie, Freiheit, Transparenz, Gerechtigkeit und Effizienz. Auf diese Weise sollen Zweifel am westlichen „Narrativ“ geweckt werden, inwiefern die Standards auch selbst erfüllt werden (siehe auch Tu quoque und Argumentum ad hominem).
- Eine der als typisch kritisierten propagandistischen Taktiken RTs ist die Vermeidung eines strittigen Punktes durch Gegenvorwürfe und Vergleiche und die Behauptung doppelter Standards (vgl. Whataboutismus):<ref>Kremlin TV Loves Anti-War Protests—Unless Russia Is the One Waging War. In: The New Republic, 2. März 2014: “It has even created an institution that is dedicated solely to the task of whataboutism. It’s called Russia Today.”</ref> Zweifel an der Parlamentswahl in Russland 2011 konterte RT mit Hinweisen auf die umstrittene Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000; auch berichtete RT ausführlich über amerikanische Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Occupy-Wall-Street-Aktionen und stellte ihnen eine vom Kreml genehmigte Großdemonstration gegenüber, was einen für Russland vorteilhaften Vergleich darstellen sollte, so der Russland-Wissenschaftler Stephen Cohen.<ref name="Zwick-Zitat" />
Als eine weitere Methode wurde unter anderem von der The New York Times die Desinformation bezeichnet, um mit einer Flut von Alternativdeutungen die offiziellen Nachrichten zu unterminieren und eine Art von „politischer Paralyse“ zu fördern, wie etwa beim Abschuss der Malaysia-Maschine über der Ukraine.<ref>Neil Macfarquhar: A Powerful Russian Weapon: The Spread of False Stories. In: The New York Times. 28. August 2016 (nytimes.com [abgerufen am 27. Dezember 2016]).</ref> Während The New York Times in Fake News ein weiteres wirkungsvolles Mittel von RT-Propaganda sieht,<ref>Neil Macfarquhar: A Powerful Russian Weapon: The Spread of False Stories. In: The New York Times. 28. August 2016 (nytimes.com [abgerufen am 31. Dezember 2016]).</ref> schreibt Spiegel Online, dass der deutschsprachige RT-Sender (RT DE) keine komplett erfundenen Fake News verbreitet, und ergänzt: „Die Berichterstatter verdrehen Tatsachen, vernachlässigen Fakten und säen so Misstrauen gegenüber Behörden, Politikern und klassischen Medien. Ganz bewusst setzen sie sich auch von offensichtlichen Verschwörungserzählungen ab, wie interne Unterlagen zeigen.“ Peter Pomerantsev wies darauf hin, ein Schlüssel zum Erfolg von RT liege darin, dass es die meisten äußeren Merkmale der anderen Programme übernommen habe, es wirke in der Aufmachung von Musik, Bildern und Sprechern wie jeder andere 24/7-Nachrichtenkanal.<ref>Peter Pomerantsev: Nothing is True and Everything is Possible: Adventures in Modern Russia. Faber & Faber, 2015, ISBN 978-0-571-30803-3 (hier in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 28. Dezember 2016] keine Seitenangabe in der verlinkten Google-Books-Vorschau des Textes): „Russia Today began to look and sound like any 24/7 news channel: the thumping music before the news flash, the earnest pretty newscasters, the jock-like sports broadcasters.“</ref> RT bringe auch echte Reportagen, die auch auf einem anderen Kanal laufen könnten, was es manchmal wie andere Nachrichtenkanäle erscheinen lasse, ergänzte Johan O’Sullivan Pomerantsevs Darstellung.<ref>Russia Today is Putin’s weapon of mass deception. Will it work in Britain? In: The Spectator. 6. Dezember 2014 (spectator.co.uk [abgerufen am 28. Dezember 2016]): „RT does cover genuine reports about legitimate stories, seriously and without obvious bias, which makes it seem at times like any other news network. Not everything is a façade of lies. But RT is about a great deal more than that — and less.“</ref> 2019 zählte der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV) Frank Überall RT zu den „Propagandainstrumenten des Kremls“.<ref>Wir geben uns für Propaganda nicht her. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. April 2019, S. 15.</ref> Redakteure von RT haben die Anweisung des Senders, die Annexion der Krim nicht als solche zu benennen, sondern den Ausdruck „Wiedereingliederung“ zu gebrauchen.<ref name=":0" /> Bei dem Giftanschlag auf Alexei Nawalny spricht der Sender mit Stand Februar 2021 von einer „mutmaßlichen Vergiftung“. Im Zuge der Berichterstattung über die Vergiftung stellte der Sender Gegenfragen. So sagte ein RT-Redakteur diesbezüglich, der Westen habe Fragen zu beantworten, so z. B.: „Wer hatte zu dem Patienten nach seiner Landung in Berlin Zugang?“ und „In welchen Händen waren seine Proben?“ Des Weiteren ließ ein RT-Redakteur Spielraum für Verschwörungsgedanken, indem er darauf hinwies, dass Nawalny in der Berliner Charite nicht der erste »Auftragspatient mit geopolitischen Implikationen« gewesen sei.<ref name=":0" />
Antiamerikanismus
Einige deutsche und amerikanische Journalisten bezeichneten RT offen als anti-amerikanisch<ref>James Kirchick: Pravda on the Potomac. In: The New Republic. 18. Februar 2009, abgerufen am 15. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und anti-westlich.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />News channel or propaganda tool? in aljazeera.com ( vom 2. Februar 2012 im Internet Archive)</ref><ref name="tagesspiegel-7924162">Der Krieg der Bilder. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 15. Dezember 2014 (undatiert).</ref> RT wird als eines von mehreren internationalen Programmen betrachtet, die die „weltweite Medienberichterstattung der USA in Frage stellen“ können.<ref>Lawrence Pintak: America’s media bubble – Opinion – International Herald Tribune. In: nytimes.com. 19. Oktober 2006, abgerufen am 20. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2010 forderte Walter Isaacson, Vorsitzender des regierungsamtlichen Broadcasting Board of Governors (das die Voice of America, Radio Free Europe und Radio Free Asia leitet), mehr zu investieren, da „wir uns nicht erlauben können, von unseren Feinden kommunikativ ausgeschaltet (outcommunicated) zu werden.“ Dabei verwies er besonders auf Russia Today, Irans Press TV und Chinas China Central Television (CCTV). Später korrigierte er sich und meinte, er habe die Gegner in Afghanistan gemeint, nicht die erwähnten Länder.<ref>Josh Rogin: New BBG chief wants more money to combat “enemies” such as China and Russia. In: Foreign Policy, 5. Oktober 2010.</ref> 2011 stellte Außenministerin Hillary Clinton fest, die USA seien dabei, den „Informationskrieg“ zu verlieren, zugunsten von ausländischen Programmen wie RT, Al Jazeera und China Central Television,<ref>Kirit Radia: Sec. of State Hillary Clinton: Al Jazeera is ‘Real News’, U.S. Losing ‘Information War’. In: abcnews.go.com. Political Punch, 2. März 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Oktober 2011; abgerufen am 23. April 2019.</ref> die an die Stelle der Stimme Amerikas treten würden (supplant).<ref>Andy McSmith: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Village People ( vom 25. März 2013 im Internet Archive). In: The Independent, 5. März 2011, über Questia.com.</ref><ref>Ishaan Tharoor: Clinton Applauds Al Jazeera, Rolls Eyes at U.S. Media. In: Time, 3. März 2011.</ref>
Stephen F. Cohen, häufiger Gast bei RT, betonte in Bezug auf die Syrienberichterstattung 2012, „amerikanische Medien“ seien „nicht besser als RT“, RT sei wie die Kehrseite von CNN, beide seien in ihrer Schwarz-Weiß-Darstellung wie das „Klatschen mit einer Hand“.<ref name="Zwick-Zitat">“{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)” Jesse Zwick: Pravda Lite – The New Republic, 14. März 2012</ref>
Falschdarstellungen und Einseitigkeit
RTs Darstellung wird außerdem insofern kritisiert, als es in seiner Bemühung zur Darstellung alternativer Standpunkte gezwungen sei, mit marginalen, anstößigen und oft irrelevanten Personen zu sprechen, deren Positionen ans Absurde grenzten.<ref>What Is Russia Today? Abgerufen am 20. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sarah Pagung kritisiert in dieser Beziehung in einem Interview mit russland.news, dass in den Beiträgen nicht klargestellt werde, dass es sich dabei um Vertreter marginaler Positionen mit wenig Rückhalt handele und dass diese Personen bei RT Deutsch auch nicht mit kritischen Rückfragen rechnen müssen.<ref name="fünfJahre" /> Hierbei werden laut der russischen Journalistin Julia Dudnik auf Deutsch Positionen dargestellt, die in Russland gegen die Regierungslinie wären, wie etwa Impfgegner.<ref name="fünfJahre" /> Laut Osteuropa-Historikerin Susanne Spahn wurde in der Sendung Der fehlende Part behauptet, es gebe gar keine Pandemie.<ref name="Deutschlandfunk 23032021" />
Anlässlich der Rettung von Ortskräften nach dem Vormarsch der Taliban in Afghanistan 2021 verbreitete RT auf seinem Twitter-Profil ein gefälschtes Foto, mit dem suggeriert werden sollte, es seien Terroristen aus Afghanistan ausgeflogen worden.<ref>Martina Luxen: Foto eines hüpfenden evakuierten Mädchens auf Melsbroek wird weltweit geteilt (und manipuliert). vrt.be, 27. August 2021, abgerufen am 27. August 2021.</ref>
Kritik von früheren RT-Journalisten
Im März 2014 kritisierte die seit 2012 angestellte Moderatorin Abby Martin von RT America vor laufender Kamera die Politik Russlands im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.<ref>Alexander Becker: Russia Today-Moderatorin Martin kritisiert Russland. Meedia, 4. März 2014.</ref> Sie verurteilte die Besetzung der Krim durch russische Truppen. „Ich werde nicht hier sitzen und eine militärische Aggression entschuldigen oder verteidigen“, sagte Martin.<ref>Ann Kathrin Hermes: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Russia-Today-Moderatorin Abby Martin: „Was Russland getan hat, ist falsch!“ ( vom 7. März 2014 im Internet Archive). In: Wirtschaftsblatt, 4. März 2014.
Kritik an Krim-Invasion: Putins widerspenstige Moderatorin. Spiegel Online, 4. März 2014.</ref> Martin führte ihre Arbeit für RT bis Februar 2015 fort, um sich danach bei Telesur dem Investigativjournalismus zu widmen. Bei ihrem Ausscheiden äußerte sie, sie sei RT „ewig dankbar“ für die gegebenen Möglichkeiten. Sie habe nie mit der Art der Unterstützung für ihre Sendung „Breaking the Set“ gerechnet, die beweise, wie viele Menschen hungrig nach ungeschminkter Wahrheit (raw truth) und Systemwandel seien.<ref>abby: Never Stop Breaking the Set. In: Media Roots – Reporting From Outside Party Lines. Abgerufen am 23. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „RT has given me opportunities I will be eternally thankful for and hosting Breaking the Set has been the best and most invaluable experience of my life. I never imagined the kind of support it would generate, proving how many people are hungry for raw truth and systemic change.“</ref>
Einen Tag nach Martins Kritik sorgte die seit 2011 für RT tätige Moderatorin Liz Wahl für Aufmerksamkeit in den internationalen Medien, weil sie vor laufender Kamera ihren Job bei RT America kündigte. Sie begründete diesen Schritt in nachfolgenden Interviews mit der nach ihrer Meinung zu einseitigen Berichterstattung des Senders im Zuge des Ukraine-Kriegs. Sie sagte, der Sender würde die Taten Putins beschönigen, in einem späteren Interview sagte sie, RT verbreite pure Propaganda. Der Sender warf ihr vor, ihre Kritik in einer Sendung und nicht in einem persönlichen Gespräch geäußert zu haben, um sich auf diese Weise zu vermarkten.<ref>TV-Moderatorin kündigt on air wegen Krim-Krise. Zeit Online, 6. März 2014.</ref>
Im Juli 2014 kündigte auch die seit 2009 beschäftigte London- und Moskaukorrespondentin Sara Firth vom britischen RT-Ableger aus Protest gegen die Berichterstattung des Senders über den Absturz von Malaysia-Airlines-Flug 17. Sie bezeichnete die RT-Berichte über den Absturz und die Schuldzuweisungen an die Ukraine als „völlig an den Fakten vorbei“. „Ich konnte nicht mehr. Jeden Tag lügen wir und entwickeln dafür immer verführerischere Methoden“, so Firth.<ref>Jim Waterson: Russia Today Correspondent Resigns Over Coverage Of Ukrainian Plane. In: BuzzFeed, 18. Juli 2014.
Peter Seiffert: Putins Propaganda-Sender: Die bizarren Wahrheiten von „Russia Today“. In: Focus, 23. Juli 2014.</ref> RT begründete Firths Kündigung damit, dass sie ein anderes Verständnis von Wahrheit habe als der Sender, da sie sich nicht auf Berichterstattung vor Ort stütze, sondern auf Zeitungsmeldungen.<ref>Crash John Plunkett: Russia Today reporter resigns in protest at MH17 coverage. In: The Guardian, 18. Juli 2014.</ref>
Im April 2015 wurde die Kritik der langjährigen RT-Reporterin Lea Frings an der Arbeit von RT Deutsch erstmals publik.<ref>Stefan Lauer: „Sag mal, ist RT Propaganda?“ „Leider ja.“ vice.com, 16. November 2015.</ref> Im Februar 2016 gab Frings, die aus der Mahnwachen-Bewegung kommt, dem Medienmagazin Zapp ein Interview, in dem sie über Manipulation und einseitige Berichterstattung bei RT sprach.<ref>Russia Today Deutsch: Die Stimme des Kremls in Deutschland. In: Tagesspiegel, 6. März 2016.</ref> Der Sender habe sich für ein bestimmtes Publikum entschieden. RT Deutsch bediene „eher rechte Kreise“ und „bestätigt und reproduziert Verschwörungstheoretiker“. Auf die Frage, ob dort journalistisch gearbeitet werde, sagte sie: „Ich sehe Beiträge, wo verschiedene journalistische Kriterien nicht erfüllt werden.“ Dies gelte in Bezug auf die unkommentierten Wortmeldungen der Studiogäste. In vielen Beiträgen werde „schlichtweg das Weltbild der Verschwörungstheorie transportiert“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Man zeigt nicht das ganze Bild“. ( vom 2. Dezember 2016 im Internet Archive) Zapp, 17. Februar 2016. ZAPP – Das Medienmagazin: „RT Deutsch“-Aussteigerin Frings: „Man zeigt nicht das ganze Bild“ auf YouTube, 2. Februar 2016.</ref>
Malaysia-Airlines-Flug 17
RT wird spätestens seit 2010 verdächtigt, Verschwörungstheoretikern unterschiedlicher Art eine Plattform zu bieten.<ref name="langerArm" /><ref>Julia Ioffe: What Is Russia Today? The Kremlin’s propaganda outlet has an identity crisis. Columbia Journalism Review, 28. September 2010: “… RT dedicated a twelve-minute interview to Hank Albarelli, a self-described American ‘historian’ who claims that the CIA is testing dangerous drugs on unwitting civilians. … On a recent episode of Peter Lavelle’s CrossTalk, the guests themselves berated Lavelle for saying that the 9/11 terrorists were not fundamentalists. (The ‘Truther’ claim that 9/11 was an inside job makes a frequent appearance on the channel, though Putin was the first to phone in his condolences to President Bush in 2001.) ‘I like being counterintuitive,’ Lavelle told me. ‘Being mainstream has been very dangerous for the West.’ This oppositional point of view was especially clear when RT rolled out a series of ads in the U.K. that featured images of Obama and Iran’s Mahmoud Ahmadinejad and asked, ‘Who poses the greater nuclear threat?’ or conflated pictures of a polar bear and an alien next to the text: ‘Climate Change: Science fact or science fiction?’”</ref> Nach dem Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugs 17 durch eine Boden-Luft-Rakete aus russischer Herstellung verbreitete der spanische Ableger von Russia Today, Actualidad RT, Falschmeldungen, das Flugzeug sei von ukrainischen Kampfjets abgeschossen worden. Russia Today stützte sich dabei auf Aussagen eines Mannes, den der Sender in Interviews als einen am Kiewer Flughafen arbeitenden spanischen Fluglotsen namens „Carlos“ vorstellte. Die Behauptungen von „Carlos“ stießen bei russischen Oppositionellen und auch teilweise bei kremlfreundlichen Medien auf Skepsis, und Recherchen internationaler Medien bestätigten, dass am Kiewer Flughafen zum Abschusszeitpunkt kein spanischer Fluglotse tätig war. Dennoch griffen Präsident Putin, hohe Funktionäre des Verteidigungsministeriums sowie das Amtsblatt der russischen Regierung die Behauptungen des Mannes auf. Später stellte sich heraus, dass die Person hinter „Carlos“ ein vorbestrafter, in Spanien per europäischem Haftbefehl gesuchter und später in Rumänien gefasster Betrüger ist, der kein Fluglotse ist und nie an einem ukrainischen Flughafen gearbeitet hat. Der Mann behauptete später, dass er von Russia Today und anderen russischen Quellen insgesamt 48.000 Euro erhalten hatte für seine Rolle als „Carlos, der spanische Fluglotse“.<ref>Catch Carlos If You Can. Radio Free Europe, 14. März 2018.</ref><ref>«Авиадиспетчера из Киева» найти не удалось (deutsch: Suche nach dem „Fluglotsen aus Kiew“ bleibt erfolglos). BBC, 18. Juli 2014.</ref>
Question More
2010 entwickelte RT im Zusammenhang mit seinem neuen Slogan „question more“ eine hochkontroverse Werbekampagne. Eine der großflächigen Anzeigen zeigte Barack Obama, dessen Bild mit dem des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad verschmolz, und stellte die Frage: „Wer stellt das größere Risiko eines Atomkriegs dar?“ Die Anzeige wurde auf US-amerikanischen Flughäfen verboten. Ein anderes Bild zeigte einen Soldaten, der mit einem Taliban-Kämpfer verschmolz. Dazu wird die Frage gestellt: „Wird Terror nur von Terroristen ausgeübt?“<ref name="Burrell">Ian Burrell: From Russia with news. In: The Independent, 15. Januar 2010 (englisch).</ref>
Julian Assange
RT bot Julian Assange 2012 eine mediale Plattform.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Russia Today strahlt TV-Projekt von WikiLeaks-Gründer Assange aus ( vom 29. Januar 2012 im Internet Archive) – 2012</ref> Er startete seine 12-teilige Talkshowserie The World Tomorrow. In der Sendung, über die er „volle Kontrolle“ habe, wollte sich Assange „zum Sprachrohr von Rebellen und Entrechteten“ machen, die ihm in den Medien zu kurz kommen.<ref name="Reißmann">Ole Reißmann: Talkshow im russischen TV: Julian Assange scheitert an Hisbollah-Chef. In: Spiegel Online. 17. April 2012, abgerufen am 23. April 2019.</ref> Nach Darstellung von Ole Reißmann (Spiegel Online) war schon die erste Sendung mit Hassan Nasrallah an Absurdität kaum zu übertreffen und habe sich damit nahtlos in das RT-Gesamtprogramm eingereiht.<ref name="Reißmann" /> Das Interview führte weltweit zu Schlagzeilen, da Nasrallah westlichen Medien selten Interviews gibt.<ref name="Taylor">Jerome Taylor: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hello, Good Evening and Welcome to My Country House Prison: Assange Makes His Talk Show Debut. ( vom 25. März 2013 im Internet Archive) In: The Independent, 18. April 2012.</ref> Kommentatoren beschrieben die Themenwahl des Senders als „coup“<ref>Raphael Satter: Assange interviews Hezbollah leader in TV premiere. Associated Press via Denver Post, 17. April 2012.</ref><ref>Assange chats with terrorist. AFP-Meldung. In: news.com.au. 18. April 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. April 2015; abgerufen am 15. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> oder „scoop“.<ref name="Adomanis">Mark Adomanis: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Julian Assange’s Debut on Russia Today – The Serious People Say it Was Really Bad! ( vom 21. April 2012 im Internet Archive) Forbes, 18. April 2012.</ref> In den USA wurde die Sendung 2013 auf dem New-York-Festival World’s Best TV & Films mit der Silbermedaille ausgezeichnet.<ref>New York Festivals – 2013 World’s Best Television & Films Winners. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Mai 2019; abgerufen am 23. April 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Der Independent nannte RT eine zu Assange passende Plattform für scharfe Kritik an der amerikanischen Politik. RT habe Assange mehrfach interviewt und ihn gegen die Anschuldigungen aus Schweden verteidigt, die aus Sicht von RT politisch motiviert seien.<ref>“Working for a Kremlin channel does not seem like an obvious choice for Mr Assange, who has devoted his life to fighting governmental opacity, but Russia Today has made a name for itself as a strident critic of US policy.” – Assange takes chat-show job with state-funded Russian TV. 2012.</ref>
Kaukasuskrieg 2008
Während des Kaukasuskriegs 2008 bezichtigte der Sender den Staat Georgien des Völkermordes.<ref name="allesistwahr67" /> Julia Ioffe vom Columbia Journalism Review beschrieb RT als ein Werkzeug der russischen Regierung, um angebliche Voreingenommenheiten gegenüber Russland in westlichen Medien zu bekämpfen, welches zu einer Verlängerung der auf Konfrontation beruhenden Außenpolitik Putins wurde.<ref>Julia Ioffe: What is Russia Today? 1. September 2010 für Columbia Journalism Review, erwähnt in slate.com: “Russia Today was conceived as a soft-power tool to improve Russia’s image abroad, to counter the anti-Russian bias the Kremlin saw in the Western media. Since its founding in 2005, however, the broadcast outlet has become better known as an extension of former President Vladimir Putin’s confrontational foreign policy. Too often the channel was provocative just for the sake of being provocative.”</ref>
Ukraine und Syrien
Die britische Medienaufssichtsbehörde Ofcom rügte RT UK im September 2015 wegen voreingenommener und im Wesentlichen irreführender Berichterstattung über den Ukraine-Krieg und den Bürgerkrieg in Syrien.<ref>Jasper Jackson: RT sanctioned by Ofcom over series of misleading and biased articles. In: The Guardian. 21. September 2015 (theguardian.com [abgerufen am 27. Dezember 2016]).</ref> In einer beanstandeten Sendung behauptete der Sender, in der Ostukraine würde ein von der ukrainischen Regierung unterstützter Völkermord stattfinden. In anderen Bericht behauptete RT UK, die BBC habe in ihrer Darstellung einen Chemiewaffenangriff der Assad-Regierung in Syrien inszeniert.<ref>Jasper Jackson: RT sanctioned by Ofcom over series of misleading and biased articles. In: The Guardian, 21. September 2015.
UK regulator Ofcom backs BBC in Russian TV case. BBC, 21. September 2015.</ref> Die Behörde hatte den Sender bereits 2014 wegen mangelnder Objektivität kritisiert.<ref>John Plunkett: Russia Today threatened with Ofcom sanctions due to bias. In: The Guardian, 10. November 2014.</ref> Nach insgesamt 15 Verstößen gegen die Fernsehordnung bis April 2018 leitete Ofcom gegen Russia Today UK sieben Untersuchungsverfahren wegen Verstößen gegen Neutralitätsregeln ein. Die Behörde habe seit dem Giftanschlag auf Sergei Skripal einen erheblichen Anstieg von tendenziösen Sendungen auf RT UK beobachtet. Gegenstand der Untersuchung sind auch angebliche Leserkommentare, die nicht von Lesern stammen.<ref>Ofcom opens seven investigations into Russia Today. BBC, 18. April 2018.</ref><ref>Update on the RT Service – New Broadcasting Investigations and Approach to Fit & Proper (PDF). Ofcom; abgerufen am 19. April 2018.</ref>
Im Juni 2018 wurde der französische Ableger von Russia Today von der französischen Medienaufsicht CSA im Zusammenhang mit der Berichterstattung des Senders über den Syrienkrieg ermahnt. Russia Today hatte in einem Beitrag mit dem Titel „Vorgetäuschte Angriffe“ behauptet, dass die Giftgasangriffe von Ghuta möglicherweise nicht stattgefunden hatten und von der Assad-Opposition nur vorgetäuscht wurden. Dabei überspielte der Sender die Aussagen von Augenzeugen mit Worten, welche von den Personen nicht geäußert wurden. Der CSA warf Russia Today Einseitigkeit und einen Mangel an Ehrlichkeit und Sorgfalt vor.<ref>French regulator warns Russian TV on Syria misinformation. In: Reuters, 28. Juni 2018.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />France Warns RT Over Claims In Broadcast On Syrian Chemical Attack. ( vom 4. Juli 2018 im Internet Archive) Radio Free Europe, 29. Juni 2018.</ref>
George Galloway
Die Berichterstattung von RT darüber, dass der britische Geheimdienst GCHQ angeblich den englischsprachigen Wikipedia-Artikel des Labour-Abweichlers George Galloway zu dessen Nachteil manipuliert habe, betrachtete die Haaretz vor dem Hintergrund, dass Facebook und YouTube zur Kontextualisierung von durch Fake News gefährdeten Themen Wikipedia-Inhalte dazu verlinken. Russische Medien hätten daher ein offensichtliches Interesse daran, die Glaubwürdigkeit der Online-Enzyklopädie zu untergraben. Auch laut Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gäbe es keinerlei Beleg für die angebliche Manipulation. Vielmehr seien laut Haaretz die von Galloway beanstandeten Veränderungen an seinem Artikel Bestandteil der üblichen und sich selbst ausgleichenden Schreibprozesse der Enzyklopädie.<ref>Omer Benjakob: The Witch Hunt Against a ‘pro-Israel’ Wikipedia Editor. Haaretz, 27. Mai 2018.</ref>
US-Präsidentschaftswahlen 2016
Der CIA-Report in seiner freigegebenen Version analysiert im Anhang ausführlich die Entwicklung von RT und auch die mögliche Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahlen 2016 durch RT America. Der Bericht konstatiert, RT America habe schon im Vorfeld der Wahlen seine übliche kritische Darstellung der USA erweitert und das Wahlsystem als undemokratisch dargestellt, der Einfluss auf den Wahlkampf sei die „letzte Facette“ ihrer antiamerikanischen Nachrichten, die das Vertrauen der Zuschauer in die demokratischen Prozesse und in die Kritik der USA am russischen politischen System zu unterminieren suchten. RT expandiere außerdem aggressiv und mit höchster Priorität in die sozialen Medien hinein, um das Publikum zu vergrößern und mögliche Regulierungen des Fernsehprogramms zu umgehen. Die Reichweite und die Zuschauerzahlen von RT schätzte der Bericht sehr hoch ein, gestützt auf eine Untersuchung zu Großbritannien und Aussagen von RT selbst (Margarita Simonjan). Im Bericht werden RT/RT America in einer Tabelle zum Fußabdruck bei den sozialen Medien (social media footprint) hinsichtlich Zuschauerzahlen und Abonnenten von YouTube-Sendungen im Vergleich zu CNN/CNN international, Al Jazeera und BBC World Spitzenwerte zugewiesen.<ref>David E. Sanger: Putin Ordered ‘Influence Campaign’ Aimed at U.S. Election, Report Says. In: The New York Times. 6. Januar 2017 (nytimes.com [abgerufen am 8. Januar 2017]).</ref>
Literatur (Auswahl)
- Benedikt Strunz: Globale Agenda: die Nachrichtengeographie internationaler Nachrichtensender (= Vergleichende Analyse politischer Systeme. Nr. 4). Nomos, Baden-Baden 2014, ISBN 978-3-8452-5162-2, doi:10.5771/9783845251622 (nomos-elibrary.de [abgerufen am 2. Juni 2024] Zugl.: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 2013; die Nachrichten von Al-Jazeera English, BBC World News, CNN International, France 24 und Russia Today über einen Zeitraum von zwei Wochen im Vergleich).
Weblinks
- Literatur von und über RT im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Die Website von RT wird wegen der Verordnung (EU) 2022/350Vorlage:Abrufdatum vom 1. März 2022 nicht verlinkt. Siehe auch Sperrung russischer Nachrichtenportale (2022).
- Sammlung von RT-Desinformationen in der EUvsDisinfo-Datenbank der East StratCom Task Force
Einzelnachweise
<references responsive />
Koordinaten: 55° 46′ 17,8″ N, 37° 42′ 51,8″ O
{{#coordinates:55,7716|37,7144|primary
|dim=200
|globe=
|name=
|region=RU-MOW
|type=landmark
}}
Vorlage:Navigationsleiste Russia Today Vorlage:Hinweisbaustein
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2024-04
- RT
- Verschwörungstheorien
- Propaganda (Russland)
- Fernsehsender (Russland)
- Außenpolitik (Russische Föderation)
- Medien (Moskau)
- Auslandssender (Fernsehen)
- Nachrichtensender (Fernsehen)
- Russischsprachiger Fernsehsender
- Englischsprachiger Fernsehsender
- Arabischsprachiger Fernsehsender
- Rundfunkveranstalter
- Wikipedia:Artikel mit Video
- Sendestart 2005
- Unternehmensgründung 2005