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Ropinirol

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Strukturformel
Datei:Ropinirole Structural Formulae.svg
Allgemeines
Freiname Ropinirol
Andere Namen

4-[2-(Dipropylamino)ethyl]-1,3-dihydro-2H-indol-2-on (IUPAC)

Summenformel C16H24N2O
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer (Listennummer) 618-737-7
ECHA-InfoCard 100.110.353
PubChem 5095
ChemSpider 4916
DrugBank DB00268
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N04BC04

Wirkstoffklasse

Dopaminagonist

Eigenschaften
Molare Masse 260,37 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

241–243 °C (Ropinirol·Hydrochlorid)<ref name="MerckIndex">The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 1427–1428.</ref>

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Hydrochlorid

Datei:GHS-pictogram-exclam.svg Datei:GHS-pictogram-pollu.svg

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​400
P: 273<ref name="Sigma" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Ropinirol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Dopaminagonisten. Es wird vornehmlich in der Behandlung der Parkinson-Krankheit und des Restless-Legs-Syndroms eingesetzt. Es ist dem Dopamin strukturell ähnlich und gehört (anders als viele andere Dopaminagonisten) nicht zu den Mutterkornalkaloiden.

In der Monotherapie ist es nicht so wirksam wie Levodopa, jedoch ist die Wirksamkeit höher als die von Bromocriptin. In Kombinationstherapie kann es einen Teil der L-Dopa-Gabe ersetzen. Die bei allen Dopaminagonisten typischen unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind u. a. Übelkeit, Kreislaufstörungen und Wasseransammlung in den Beinen. Ropinirol soll – anders als L-Dopa – eine erheblich geringere Neigung zur Ausbildung von Bewegungsstörungen (Dyskinesien) in der Langzeittherapie zeigen.

Pharmakologie

Wirkungsweise

Ropinirol ist ein Dopamin-Agonist. Zwar ist es chemisch anders gebaut als das Dopamin, doch weil es an den gleichen Bindungsstellungen ansetzt, besitzt es eine vergleichbare Wirkung. Da es die Schranke zum Gehirn anders als von außen zugeführtes Dopamin ohne Schwierigkeiten überwinden kann, ist Ropinirol in Tablettenform eine gute Möglichkeit, den Dopaminmangel bei Patienten mit Parkinson und dem Restless-Legs-Syndrom auszugleichen.

Unterschied zu anderen Dopaminagonisten

Vergleichbar ist die Wirksamkeit von Ropinirol mit der Kombinationstherapie Bromcriptin mit Selegilin.

Gegenanzeigen

Ropinirol darf bei schweren Störungen der Nieren- und Leberfunktionen sowie bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems nicht angewendet werden. Bei Patienten, die in ihrer Krankengeschichte eine psychiatrische Behandlung verzeichnen, muss die Dosierung vorsichtig erfolgen.

Wechselwirkungen

Die Wirkung von Ropinirol wird durch Chinolon-Antibiotika und durch hochdosierte Östrogenpräparate verstärkt.

Nebenwirkungen

Aufgrund des Auftretens möglicher „Schlaf-Attacken“, ist das Führen von Kraftfahrzeugen bzw. die Ausführung von Arbeiten mit potentiellem Verletzungsrisiko unter Nonergolin-Dopaminagonisten (Pramipexol, Ropinirol) zu unterlassen.

Der Begriff der „Schlaf-Attacke“ bezeichnet dabei ein gesteigertes imperatives Schlafbedürfnis bei allerdings ansonsten ebenfalls erniedrigter Vigilanz und erhöhter Schläfrigkeit und ist nicht mit dem Begriff der eigentlichen Schlafattacke bei Narkolepsie identisch. Zu berücksichtigen gilt ferner, dass Schlafstörungen bereits als Folge des Morbus Parkinson auftreten und „Schlaf-Attacken“ auch bei Gesunden auftreten können. Da es jedoch unter Behandlung mit Pramipexol und Ropinirol zu vermehrten Hinweisen auf o. g. Schlafattacken gekommen ist, wird vom Führen eines KFZ abgeraten. Ein pathophysiologischer Zusammenhang mit der Aktivierung von D3-Rezeptoren wird diskutiert.<ref>J. C. Möller, K. Stiasny, W. Cassel, J. H. Peter, H. P. Krüger, W. H. Oertel: „Schlafattacken“ bei Parkinson-Patienten Eine Nebenwirkung von Nonergolin-Dopaminagonisten oder ein Klasseneffekt von Dopamimetika? In: Der Nervenarzt. Band 71, Nr. 8, August 2000, S. 670–676, doi:10.1007/s001150050645.</ref>

Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Refluxösophagitis, Schwindelgefühle, Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie), Tagesmüdigkeit, Bewegungsstörungen (Dyskinesien), Wassereinlagerung in den Beinen (Ödeme) und Halluzinationen (symptomatische pharmakotoxische Psychose) sind die wichtigsten Nebenwirkungen von Ropinirol.

Wie bei allen Dopaminagonisten kann es durch Stimulierung des Belohnungssystems bei bestimmten Patienten zu Zwangsstörungen oder verminderter Impulskontrolle kommen, was beispielsweise zu Spielsucht, Kaufrausch, Essattacken, Internetsucht und Hypersexualität führen kann, wobei Letzteres auch das Sexualverhalten in stark tabuisierte Handlungen ändern kann. Die Wirkung kann von der Dosis abhängen und nach Absetzen verschwinden die Symptome wieder.<ref>Suchtstörungen durch Dopamin-Agonisten. pharmazeutische-zeitung.de, 31. August 2010.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hypersexualität und Spielsucht unter Dopaminagonisten. (Memento vom 13. April 2009 im Internet Archive) aerzteblatt.de, 9. April 2009.</ref><ref>Spielsucht durch Dopaminagonisten, aerzteblatt.de, 13. Februar 2007.</ref> Diese Wirkung ist schon länger bekannt, 2004 wurde jedoch darauf hingewiesen, dass sie in keiner Fachinformation eines Dopaminagonisten vermerkt waren.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hypersexualität unter Dopaminagonist Pramipexol. (Memento vom 18. März 2011 im Internet Archive) arznei-telegramm, 3/2004, 35, S. 36.</ref> Bei Requip ist eine entsprechende Information erst seit 2006 am Beipackzettel enthalten, nachdem ein Patient in Frankreich klagte, der das Mittel von 2003 bis 2005 einnahm.<ref>Vater behauptet, dass Medikamente seine Homosexualität ausgelöst haben. lesbian.or.at, 11. Dezember 2007.</ref><ref>Man claims Glaxo drug made him gay sex addict, says report. CBS News, 31. Januar 2011.</ref> In einer anderen Studie wurde Ropinirol jedoch als Gegenmittel bei Libidoverlust unter Behandlung mit Antidepressiva (erfolgreich) eingesetzt.<ref>J. J. Worthington III, N. M. Simon, N. B. Korbly, R. H. Perlis, M. H. Pollack: Ropinirole for antidepressant-induced sexual dysfunction. In: International Clinical Psychopharmacology. Band 17, Nr. 6, November 2002, S. 307–310, PMID 12409684.</ref>

Da es keine Ergot-Struktur aufweist, sind anders als bei den Mutterkornalkaloidpräparaten keine pleuropulmonale und retroperitoneale Fibrosen oder periphere vaskuläre Nebenwirkungen zu befürchten.

Die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms mit Ropinirol kann zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen (so genannte Rebound- bzw. Augmentationseffekte). Ähnliche Störwirkungen sind von L-Dopa und anderen Dopaminagonisten bekannt.<ref>Restless Legs (RLS): Nun auch Dopaminantagonisten zugelassen. In: arznei-telegramm. Band 37, Nr. 7, 2006, S. 62–63 (arznei-telegramm.de).</ref>

Warnhinweise

Während einer Langzeittherapie mit Ropinirol muss der behandelnde Arzt in regelmäßigen Abständen Untersuchungen zur Kontrolle durchführen. Ein plötzliches Absetzen kann zu einer starken Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen. In der Schwangerschaft und während des Stillens darf Ropinirol nicht eingenommen werden.

Wirkstärken und Dosierung

Ropinirol stehen in Form von Tabletten in den Wirkstärken von 0,25, 0,5, 1, 2, 4, 5 und 8 mg zur Verfügung.

Zu Beginn der Behandlung steigert man die Dosierung von 0,25 mg langsam über mehrere Wochen auf eine standardmäßige Erhaltungsdosis von 3 bis 9 mg pro Tag und kann auf max. 24 mg pro Tag gesteigert werden.<ref name="DIMDI">ABDA-Datenbank (Stand: 29. Juli 2008).</ref>

Herstellung

Eine vielstufige Synthese für Ropinirol, ausgehend von Benzoylchlorid und Isochroman, ist in der Literatur beschrieben.<ref name="A. Kleemann">Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances. 4. Auflage. 2 Bände. Thieme-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 1-58890-031-2; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.</ref>

Anwendung in der Tiermedizin

In der Tiermedizin ist Ropinirol seit 2023 als Augentropfen zum Auslösen von Erbrechen beim Hund zugelassen. Hier werden ein bis acht Tropfen in den Bindehautsack gegeben.<ref>Ilka Ute Emmerich: Neue Arzneimittel für Kleintiere 2023. In: Tierärztliche Praxis Ausgabe K: Kleintiere / Heimtiere. Band 52, Nr. 02, 2024, S. 110–116, doi:10.1055/a-2291-7019.</ref> Eine klinische Studie aus dem Jahr 2025 zeigte jedoch, dass Apomorphin für diese Indikation zuverlässiger und schneller wirksam ist.<ref>J Tsitonakis, E Hall, A Quain: Inducing emesis in Australian dogs and cats: agents, adverse effects and antiemetic administration. In: Australian Veterinary Journal. Band 103, Nr. 7, 2025, S. 433–442, doi:10.1111/avj.13449, PMID 40326551.</ref>

Handelsnamen

Monopräparate
Adartrel (D, CH), Requip (D, A, CH), Rolipexa (A), Ropinal (D), zahlreiche Generika (D, A)

Tiermedizin: Clevor

Einzelnachweise

<references />

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