Limonen
| Strukturformel | ||||||||||||||||
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| Strukturformel von Limonen (ohne Stereochemie) | ||||||||||||||||
| Vereinfachte Strukturformel mit markiertem Stereozentrum (*) | ||||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Name | Limonen | |||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C10H16 | |||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
farblose, entzündbare Flüssigkeit mit zitrusartigem Geruch<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||
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| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 136,24 g·mol−1 | |||||||||||||||
| Aggregatzustand |
flüssig | |||||||||||||||
| Dichte |
0,84 g·cm−3 (α- und β-Form, 20 °C)<ref name="oc">R. T. O’Connor, L. A. Goldblatt: Correlation of Ultraviolet and Infrared Spectra of Terpene Hydrocarbons, in: Analytical Chemistry. 26, 1954, S. 1726–1737; doi:10.1021/ac60095a014.</ref> | |||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
−89 °C<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | |||||||||||||||
| Siedepunkt |
175 °C<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Dampfdruck |
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| Löslichkeit |
wenig in Wasser (14 mg·l−1 bei 25 °C)<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Brechungsindex |
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| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
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| MAK |
D-Limonen:
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| Toxikologische Daten |
4400 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)<ref>Oyo Yakuri: Limonen. In: Pharmacometrics. Band 9, 1975, S. 387.</ref> | |||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C | ||||||||||||||||
Limonen [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] ist ein Naturstoff aus der Gruppe der Terpene (monocyclisches Monoterpen).
Struktur
Limonen kommt in Form zweier Enantiomere vor, dem (R)-(+)-Limonen [auch als D-(+)-Limonen oder kurz (+)-Limonen bezeichnet] und dem (S)-(−)-Limonen [auch als L-(−)-Limonen oder kurz (−)-Limonen bezeichnet]. Das Racemat der beiden Enantiomere wird auch Dipenten genannt.
| Limonen | ||
| Name | (R)-Limonen | (S)-Limonen |
| Andere Namen | (+)-Limonen D-Limonen |
(−)-Limonen L-Limonen |
| Strukturformel | Datei:Chemical structural formula of (R)-Limonene.svg | Datei:Chemical structural formula of (S)-Limonene.svg |
| CAS-Nummer | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN |
| Vorlage:CASRN (unspez.) | ||
| EG-Nummer | 227-813-5 | 227-815-6 |
| 205-341-0 (unspez.) | ||
| ECHA-Infocard | Vorlage:ECHA | Vorlage:ECHA |
| Vorlage:ECHA (unspez.) | ||
| PubChem | 440917 | 439250 |
| 22311 (unspez.) | ||
| FL-Nummer | 01.045 | 01.046 |
| Wikidata | Q27888324 | Q27089405 |
| Q278809 (unspez.) | ||
Geschichte
Limonen wurde erstmals 1878 von Gustave Bouchardat durch Erhitzen von Isopren hergestellt.
Vorkommen
Limonen ist das in Pflanzen am häufigsten vorkommende Monoterpen. (R)-(+)-Limonen ist vor allem in Pomeranzenschalenöl, in Kümmelöl, in Dill,<ref name="FFJ1997-305" /> in Grünem Kardamom,<ref name="Dr. Duke +" /> in Sellerie,<ref name="Dr. Duke +" /> in Korianderöl, in Krauseminzöl,<ref name="AJ_2010_129" /> in Lorbeer,<ref name="Dr. Duke +" /> in Muskatnuss,<ref name="Dr. Duke +" /> in Petersilie,<ref name="Dr. Duke +" /> in Teebaumöl,<ref name="Dr. Duke +" /> in Zitronenöl (ca. 65 %)<ref>Eintrag zu Zitronenöl. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref> und in Orangenöl (meist >90 %)<ref>Eintrag zu Limonen. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref> enthalten. Es weist einen orangenartigen Geruch auf. Dagegen ist (S)-(−)-Limonen in Minzölen<ref name="Ullmann" /> (wie Pfefferminze, Acker-Minze,<ref name="Dr. Duke -" /> Speer-Minze,<ref name="Dr. Duke -" /> Polei-Minze<ref name="Dr. Duke -" /> und Wasserminze<ref name="Dr. Duke -" />) sowie in Baldrian (Valeriana officinalis),<ref name="Dr. Duke -" /> Edeltannen- und Koniferenöl<ref name="Ullmann" /> und in Hanf (Cannabis sativa L.)<ref>Nils Günnewich, Jonathan E. Page, Tobias G. Köllner, Jörg Degenhardt, Toni M. Kutchan: Functional Expression and Characterization of Trichome-Specific (-)-Limonene Synthase and (+)-α-Pinene Synthase from Cannabis sativa. In: Natural Product Communications. Band 2, Nr. 3, März 2007, S. 1934578X0700200, doi:10.1177/1934578X0700200301.</ref> enthalten und riecht nach Terpentin. Das racemische Limonen kommt unter anderem im Kienöl, im sibirischen Bayöl,<ref name="FFJ1995" /> Fichtennadelöl, Neroliöl, Muskatnussöl<ref name="Dr. Duke +-" /> und Campheröl, im Basilikum,<ref name="Dr. Duke" /> Wacholder<ref name="FFJ_1995_203" /> und in Waldkiefern<ref name="FFJ_1995_203" /> vor.
-
Zitronenöl enthält ca. 65 % (R)-(+)-Limonen.
-
Baldrian enthält (S)-(−)-Limonen.
Gewinnung/Darstellung
Limonen wird in erster Linie durch Naturstoffextraktion gewonnen. (R)-(+)-Limonen fällt in großen Mengen als Nebenprodukt bei der Orangensaftproduktion an und wird durch Wasserdampfdestillation der dabei anfallenden Schalen gewonnen.<ref name="Ciriminna">Rosaria Ciriminna, Monica Lomeli-Rodriguez, Piera Demma Carà, Jose A. Lopez-Sanchez und Mario Pagliaro: Limonene: a versatile chemical of the bioeconomy, Chem. Comm., 2014, 50, S. 15288–15296, doi:10.1039/c4cc06147k.</ref> (S)-(−)-Limonen wird in verhältnismäßig kleinen Mengen aus den entsprechenden Ölen extrahiert. Das racemische Limonen fällt als Nebenprodukt bei der säurekatalysierten Isomerisierung von α- und β-Pinen an.
Biosynthese
Die Biosynthese von Limonen geht von Geranylpyrophosphat (GPP) aus.
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
Der spezifische Drehwinkel beträgt [α]20D +126,3° [D-Limonen] bzw. −126,3° [(S)-Limonen].<ref name="Surburg2016">Horst Surburg, Johannes Panten (Hrsg.): Common Fragrance and Flavor Materials: Preparation, Properties and Uses. 6. Auflage. Wiley-VCH, 2016, S. 54, doi:10.1002/9783527693153.</ref>
Chemische Eigenschaften
Limonen ist licht-, luft-, wärme-, alkali- und säureempfindlich und autoxidiert zu Carvon.
Durch zwei aufeinander folgende Reaktionen mit Sauerstoff und Kohlendioxid entsteht Polylimonencarbonat, ein Stoff mit Polystyrol-ähnlichen Eigenschaften. Es ist Ausgangsstoff zur Synthese des β-Selinen, wobei es im ersten Schritt mit Diboran reagiert und dann mit Wasserstoffperoxid oxidiert wird.
Sicherheitstechnische Kenngrößen
Limonen bildet bei höherer Temperatur entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt bei 50 °C.<ref name="GESTIS" /><ref name="Brandes" /> Der Explosionsbereich liegt zwischen 0,7 Vol.‑% (39 g/m3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 6,1 Vol.‑% (345 g/m3) als obere Explosionsgrenze (OEG).<ref name="GESTIS" /><ref name="Brandes" /> Die Grenzspaltweite wurde mit 1,14 mm bestimmt.<ref name="GESTIS" /><ref name="Brandes" /> Es resultiert damit eine Zuordnung in die Explosionsgruppe IIA.<ref name="GESTIS" /><ref name="Brandes" /> Die Zündtemperatur beträgt 255 °C.<ref name="GESTIS" /><ref name="Brandes">E. Brandes, W. Möller: Sicherheitstechnische Kenngrößen. Band 1: Brennbare Flüssigkeiten und Gase. Wirtschaftsverlag NW – Verlag für neue Wissenschaft, Bremerhaven 2003.</ref> Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T3.
Geruch
Reines (R)-Limonen riecht höchstens schwach nach Orange. Der Orangengeruch von (R)-Limonen wird größtenteils von Verunreinigungen aus dem Ausgangsprodukt Orangenöl erzeugt. (S)-Limonen hingegen riecht nicht nach Zitrusfrüchten, sondern terpentinartig.<ref>Klaus Roth et al.: Limonen: auf der Suche nach dem verborgenen Duft. In: Chemie in unserer Zeit. Band 57, Nr. 5. Wiley-Vch, Weinheim 2023, doi:10.1002/ciuz.202200038.</ref>
Verwendung
Traditionell wird Limonen als preiswerter Duftstoff eingesetzt.<ref name="Weber">Juliane Daphi-Weber, Heike Raddatz, Rainer Müller: Untersuchung von Riechstoffen – Kontrollierte Düfte, S. 94–95, in Band V der Reihe HighChem hautnah – Aktuelles aus der Lebensmittelchemie (Herausgegeben von der Gesellschaft Deutscher Chemiker) 2010, ISBN 978-3-936028-64-5.</ref> Es ist als Aromastoff in Lebensmitteln zugelassen.<ref>Vorlage:EU Food Flavourings DB</ref>
Das gramnegative Bakterium Pseudomonas putida DSM 12264 vermag R-(+)-Limonen regioselektiv zur R-(+)-Perillasäure zu oxidieren, einem natürlichen Konservierungsmittel für Kosmetika.<ref name="Eckermann" /> Die biotechnologische Herstellung von R-(+)-Perillasäure aus R-(+)-Limonen im Labormaßstab wurde im Jahr 2010 verbessert. Der entwickelte Bioprozess stellt eine vielversprechende Option für eine industrielle Anwendung dar.<ref>M. A. Mirata et al.: Integrierte Bioproduktion und selektive Aufreinigung von Perillasäure, Chemie Ingenieur Technik. 82, 2010, S. 101–109.</ref>
Das R-(+)-Limonen wird als pflanzliches Insektizid verwendet.
Auch dient es als Ausgangsstoff für die Synthese von synthetischem THC (Dronabinol).<ref>ApSimon: "The Total Synthesis of Natural Products" Vol. 4 John Wiley & Sons, New York Chichester Brisbane Toronto, S. 233.</ref> In neueren Prozessen dient Limonen auch als Ausgangsprodukt für Biokunststoffe.<ref>Bähr, M.; Bitto, A.; Mühlhaupt, R.: Cyclic limonene dicarbonate as a new monomer for non-isocyanate oligo- and polyurethanes (NIPU) based upon terpenes. In: Green Chemistry 14 (1012), S. 1447–1454, doi:10.1039/C2GC35099H.</ref><ref>Firdaus, M.; Meier, M.A.R.: Renewable polyamides and polyurethanes derived from limonene. In: Green Chemistry 15 (1013), S. 370–380, doi:10.1039/C2GC36557J.</ref>
Heute wird es vorwiegend als biogenes Lösungsmittel verwendet und dient als Reiniger und Verdünnungsmittel, beispielsweise in der Lackindustrie.
Biologische Bedeutung
Beim Metabolismus des Limonens entsteht hauptsächlich Perillasäure, Dihydroperillinsäure, Limonen-1,2-diol und Uroterpenol. Limonen wirkt reizend. Seine Oxidationsprodukte D-(−)-Carvon und mehrere Isomere des Limonenoxid, die aus Limonen an der Luft entstehen, sind allergieauslösend.<ref>A.T. Karlberg et al. (1992): Air oxidation of d-limonene (the citrus solvent) creates potent allergens. In: Contact Dermatitis. Bd. 26, S. 332–340, PMID 1395597.</ref>
Sicherheitshinweise
R-(+)-Limonen wurde als für den Menschen nicht karzinogen eingestuft.<ref>Eintrag zu Limonen in der Hazardous Substances Data Bank (via PubChem)Vorlage:Abrufdatum</ref>
Weblinks
- Eintrag zu Limonene in der Spectral Database for Organic Compounds (SDBS) des National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST)Vorlage:Abrufdatum
Einzelnachweise
<references>
<ref name="Eckermann">
Ruben Eckermann: Mit Bakterien gegen Bakterien. In: Nachrichten aus der Chemie. Band 59, 2011, S. 619–620.
Für die biotechnologische Herstellung von Perillasäure verlieh die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ (AiF) den Otto von Guericke-Preis 2011 an Jens Schrader vom Karl-Winnacker-Institut (heute DECHEMA-Forschungsinstitut).
</ref>
<ref name="FFJ_1995_203">
R. Hiltunen, I. Laakso: Gas chromatographic analysis and biogenetic relationships of monoterpene enantiomers in Scots Pine and juniper needle oils. In: Flavour and Fragrance Journal. Band 10, Nr. 3, Mai 1995, S. 203, doi:10.1002/ffj.2730100314.
</ref>
<ref name="FFJ1995">
J. Abaul, P. Bourgeois, J. M. Bessiere: Chemical composition of the essential oils of chemotypes ofPimenta racemosa var.racemosa (P. Miller) J. W. Moore (Bois d'Inde) of Guadeloupe (F.W.I.). In: Flavour and Fragrance Journal. Band 10, Nr. 5, September 1995, S. 319–321, doi:10.1002/ffj.2730100506.
</ref>
<ref name="Ullmann">
Karl‐Georg Fahlbusch, Franz‐Josef Hammerschmidt, Johannes Panten, Wilhelm Pickenhagen, Dietmar Schatkowski, Kurt Bauer, Dorothea Garbe, Horst Surburg: Flavors and Fragrances. In: Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry. Band 15, 2012, S. 73–198, doi:10.1002/14356007.a11_141.
</ref>
<ref name="FFJ1997-305">
Birgit Faber, Kerstin Bangert, Armin Mosandl: GC-IRMS and enantioselective analysis in biochemical studies in dill (Anethum graveolens L.). In: Flavour and Fragrance Journal. Band 12, Nr. 5, September 1997, S. 305–309, doi:10.1002/(SICI)1099-1026(199709/10)12:5<305::AID-FFJ659>3.0.CO;2-7.
</ref>
<ref name="AJ_2010_129">
Valtcho D. Zheljazkov, Charles L. Cantrell, Tess Astatkie, M. Wayne Ebelhar: Productivity, Oil Content, and Composition of Two Spearmint Species in Mississippi. In: Agronomy Journal. Band 102, Nr. 1, Januar 2010, S. 129–133, doi:10.2134/agronj2009.0258.
</ref>
<ref name="Dr. Duke">
Vorlage:DrDukesDB
</ref>
<ref name="Dr. Duke +">
Vorlage:DrDukesDB
</ref>
<ref name="Dr. Duke -">
Vorlage:DrDukesDB
</ref>
<ref name="Dr. Duke +-">
Vorlage:DrDukesDB
</ref>
</references>
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