Ueli Maurer
Ulrich «Ueli» Maurer [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]<ref>Eidgenössische Bundeskanzlei: Der Bund kurz erklärt, Seite 63. Erschienen 2009.</ref> (* 1. Dezember 1950 in Wetzikon; heimatberechtigt in Adelboden und Hinwil) ist ein Schweizer Politiker (SVP). Er war vom 1. Januar 2009 bis 31. Dezember 2022 Mitglied des Bundesrates, zuerst als Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) (2009–2015) und anschliessend als Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) (2016–2022) sowie Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft 2013 und 2019.
Leben
Über Maurers Privatleben ist wenig bekannt. Er schloss die obligatorische Ausbildung und die Sekundarschule in Hinwil ab, machte eine kaufmännische Lehre und erwarb anschliessend das eidgenössische Buchhalterdiplom. Von 1974 bis 1994 war er Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Hinwil-Bauma. Von 1993 bis 2008 war er Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes. 2008 war er Präsident des Verbandes Schweizerischer Gemüseproduzenten und bis 2008 des Schweizer Maschinenrings.<ref>Maurer, Ueli (1950-)--DB3983. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 11. November 2023.</ref>
Seine Familie präsentierte er zum ersten Mal öffentlich anlässlich seines Empfangs als neugewählter Bundesrat in seinem Wohnort Wernetshausen in der Gemeinde Hinwil. Seine Frau Anne-Claude, geb. Peter, wuchs in Ghana als Tochter von Schweizer Missionaren auf. Die beiden heirateten 1976 und haben zusammen sechs Kinder, vier Söhne und zwei Töchter.<ref>St. Galler Tagblatt vom 19. Dezember 2008, nach einem Interview im L’Hebdo</ref> Kennengelernt haben sie sich in Seattle, wo sie als Au-pair gearbeitet habe. Er selbst sei auf den Spuren seines Grossvaters unterwegs gewesen, der einst in Alaska nach Gold gesucht habe.<ref>Ueli Maurer lüftet das Geheimnis um seine Frau. In: Berner Zeitung. 18. Dezember 2008. Abgerufen am 3. März 2020.</ref>
Aus patriotischen Motiven verbringe er nach eigener Aussage seine Ferien vornehmlich in der Schweiz.
Politische Laufbahn
Von 1978 bis 1986 war Maurer Gemeinderat von Hinwil. Von 1983 bis 1991 war er im Kantonsrat von Zürich, in seinem letzten Amtsjahr als Ratspräsident. Maurer wurde 1991 in den Nationalrat gewählt. Im selben Jahr verlor er die Wahl in die Zürcher Kantonsregierung gegen Moritz Leuenberger. In seiner Amtszeit als Präsident der SVP Schweiz von 1996 bis 2008 wurden zwölf neue Kantonalparteien sowie 600 lokale Sektionen gegründet, dabei etablierte sich die SVP als wählerstärkste Partei der Schweiz.<ref>Vom «bad guy» zum Bundesrat, Artikel von Francesco Benini auf NZZ online, 10. Dezember 2008</ref> Am 21. Oktober 2007 kandidierte Maurer für einen von zwei Sitzen des Kantons Zürich im Ständerat, scheiterte jedoch im ersten Wahlgang. Im zweiten Wahlgang vom 25. November 2007 verlor er gegen die Grünliberale Verena Diener.
Am 26. Oktober 2007 gab Maurer seinen Rücktritt als Parteipräsident der SVP per März 2008 bekannt.<ref>Beitrag SF Tagesschau</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressecommuniqués SVP ( vom 28. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref> Toni Brunner wurde am 1. März 2008 zu seinem Nachfolger gewählt. Mitte August 2008 wurde Maurer zum Präsidenten der Zürcher SVP gewählt.<ref>«Wir sind die einzige noch verbleibende bürgerliche Partei» Interview aus der NZZ vom 7. August 2008</ref> Nach dem Rücktritt von Bundesrat Samuel Schmid nominierte die SVP-Fraktion am 27. November 2008 neben Christoph Blocher auch Maurer für die Bundesratswahl 2008.<ref>Tages-Anzeiger: Maurer auf dem Sprung in den Bundesrat</ref> Am 10. Dezember 2008 wurde Maurer im dritten Wahlgang mit nur einer Stimme Vorsprung auf Sprengkandidat Hansjörg Walter in den Bundesrat gewählt.<ref name="si-2008-12-10">Eine spannende Bundesratswahl. In: swissinfo. 10. Dezember 2008, abgerufen am 20. September 2011.</ref> Von 2009 bis 2015 war Maurer Vorsteher des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).<ref>tagesschau.sf.tv: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Maurer übernimmt VBS ( des Vorlage:IconExternal vom 12. Dezember 2008 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Am 5. Dezember 2012 wurde Maurer mit 148 von 237 möglichen und 202 gültigen Stimmen zum Bundespräsidenten für das Jahr 2013 gewählt.<ref>Maurer ist Bundespräsident, Burkhalter sein Vize (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2023. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot. Tagesschau – Schweizer Fernsehen, 5. Dezember 2012</ref><ref>Nur zwei Politiker erzielten ein schlechteres Resultat. bazonline.ch, 5. Dezember 2012</ref> Bei den Gesamterneuerungswahlen vom 9. Dezember 2015 wurde Maurer mit 173 von 210 gültigen Stimmen im ersten Wahlgang wiedergewählt. Per 2016 wechselte er vom VBS ins Eidgenössische Finanzdepartement (EFD).<ref>Parmelin wird Verteidigungsminister In: Schweizer Radio und Fernsehen, 11. Dezember 2015, abgerufen am 2. Januar 2016</ref>
Am 30. September 2022 gab Maurer bekannt, dass er am Ende des Jahres 2022, nach 14 Jahren, aus dem Bundesrat zurücktreten werde. Zu seinem Nachfolger wurde am 7. Dezember 2022 Albert Rösti gewählt.<ref>Auf nzz.ch, abgerufen am 30. September 2022</ref>
Kritik
- Vor seiner Nomination als Bundesrat galt Maurer innerhalb der SVP als Vertreter der Politik des «Zürcher Flügels».<ref>Unbequem heisst nicht unwählbar. Leitartikel in der Neuen Zürcher Zeitung vom 6. Dezember 2008, Seite 15</ref> So wurden unter seiner Präsidentschaft die umstrittenen Plakatkampagnen veröffentlicht mit Sujets wie dem Messerstecher, den nach dem Schweizer Pass greifenden braunen Händen, sowie dem schwarzen Schaf, das von der Landesflagge gestossen wird. Im Vorfeld der Bundesratswahl und nach seiner Wahl wurde von verschiedener Seite befürchtet, er würde den Rollenwechsel in eine Kollegialbehörde nicht meistern können. In der Folge wurde Maurer vorgeworfen, die Parteiinteressen über die Landesinteressen zu stellen.<ref name="nzz-2011-09-10">Martin Senti: Die SVP punktet mit Emotionen. In: Neue Zürcher Zeitung (Online). NZZ-Mediengruppe, 10. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Oktober 2011; abgerufen am 21. September 2011.</ref><ref name="ta-2011-09-15">Hubert Mooser: Maurer knackt den Jackpot. In: Tagesanzeiger Online. Tamedia AG, 15. September 2011, abgerufen am 20. September 2011.</ref><ref name="BZ-2010-04-02">Hubert Mooser: Bundesrat Maurer, der grosse Verhinderer. Vor seiner Wahl in den Bundesrat bekannte sich Ueli Maurer sich zu Kollegialitätsprinzip und Konkordanz: Als Bundesrat stellt er aber die Parteiinteressen über die Landesinteressen. In: Berner Zeitung Online. Espace Media AG, 2. April 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 20. September 2011.</ref>
- Bei einer Rede im Jahr 2003 sprach Ueli Maurer in einem Festzelt und benutzte mehrfach das Wort Neger, um über dunkelhäutige Personen in der Schweiz zu sprechen. Der Auftritt wurde in der öffentlichen Debatte unter anderem von Jean-François Tanda als rassistisch bewertet.<ref>Jean-François Tanda: Jetzt reichts! In: Ringier (Hrsg.): Sonntagsblick. 24. August 2003.</ref> Maurer erklärte später: «So lange ich ‹Neger› sage, bleibt die Kamera auf mir.»<ref>Lorenz Honegger: Ueli Maurer mit nur 148 Stimmen zum Bundespräsident gewählt. In: Aargauer Zeitung. 5. Dezember 2012, abgerufen am 2. Juli 2025.</ref><ref>«Solange ich Neger sage, bleibt die Kamera bei mir». 10. September 2003, abgerufen am 2. Juli 2025.</ref>
- Maurer trug im September 2021 das offizielle T-Shirt der sogenannten «Freiheitstrychler», der Schweizer Variante der Querdenkerbewegung.<ref>Patrik Müller: «Es war keine Provokation»: Ueli Maurer spricht über das Shirt der Freiheitstrychler. Abgerufen am 9. Februar 2023.</ref> Später beteuerte Maurer, er habe nicht gewusst, in welchem Zusammenhang das Motiv stehe.<ref>So skurril sind die Coronaleugner in der Schweiz. Abgerufen am 9. Februar 2023.</ref>
- Bei der Pressekonferenz am 30. September 2022 zur Ankündigung seines Rücktritts aus der Schweizer Landesregierung sagte Maurer: «Ob meine Nachfolgerin eine Frau oder ein Mann ist, ist mir eigentlich gleich. Solange es kein ‹Es› ist, geht es ja noch.» Dies kritisierten unter anderen Tamara Funiciello, Kim de l’Horizon und Mathias Wirth als Seitenhieb gegen Schwächere und Absprechen des Menschseins einer Minderheit.<ref>Kaspar Schwarzenbach: Tamara Funiciello: Kritik an Ueli Maurer wegen Transgender-Aussage!, nau.ch, 3. Oktober 2022</ref><ref>Kim de l’Horizon: «Lieber John Unbekannt, lieber Ueli Maurer, ihr habt mich geschlagen. Aber ich vergebe euch», Neue Zürcher Zeitung, 19. Oktober 2022</ref><ref>Mathias Wirth: «Gleichheit als oberste demokratische Maxime»: Warum Kim de l’Horizon Recht hat und Bundesrat Maurer irrt, kath.ch, 23. Oktober 2022</ref>
Auslandbesuche als Bundespräsident
2013
2019
Sonstiges
- Als Maurer 1999 in einer Diskussionssendung auf Tele24 von Roger Schawinski als «Parteipräsident von Blochers Gnaden» bezeichnet wurde, verliess er vor laufenden Kameras das Studio.<ref>Videoausschnitt aus Tele24</ref>
- Im Juni 2006 wurde Maurer von Alfredo Lardelli der Urkundenfälschung beschuldigt.<ref>In Sachen Alfredo Lardelli gegen Ueli Maurer | NZZ. Abgerufen am 8. Mai 2021.</ref> Die Beschuldigungen erwiesen sich als nicht haltbar und Maurer wurde im November desselben Jahres freigesprochen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Freispruch für Ueli Maurer ( vom 22. Juli 2012 im Internet Archive). Tages-Anzeiger, 2. November 2006</ref>
- 2013 wurde Maurer mit dem World Telecommunication and Information Society Award der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) ausgezeichnet.<ref>Ueli Maurer von ITU ausgezeichnet. In: inside-IT vom 3. Mai 2013</ref>
- 2013 wandte er sich gegen Edward Snowdens Darstellung, die CIA habe einen Schweizer Bankier absichtlich betrunken gemacht, ihn ermutigt, dennoch Auto zu fahren, um ihn nach der verkehrspolizeilichen Festnahme zu «helfen», wenn er sich anwerben lasse, da dies ja voraussetze, dass die CIA sowohl die Polizisten als auch die Justiz bestochen habe.<ref>Swiss president would back criminal probe against NSA leaker. In: Reuters. 16. Juni 2013 (reuters.com [abgerufen am 24. Juni 2022]).</ref>
- Maurer bekleidete in der Schweizer Armee den Dienstgrad eines Majors.
- 2019 nahm Ueli Maurer an der Bilderberg-Konferenz teil.<ref>Bilderberger Participants 2019. Abgerufen am 1. Juni 2020.</ref>
Literatur
- Markus Schär: Ueli Maurer. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Ueli Maurer im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Ueli Maurer auf der Website des Eidgenössischen Finanzdepartements EFD (Archiv)
- Ueli Maurer auf admin.ch
- Ueli Maurer auf der Website der Bundesversammlung
- Vorlage:Helveticat-GND
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Politprofil von Ueli Maurer (Abstimmungsverhalten im Nationalrat, 46. Legislatur, 1999–2003) ( vom 24. Dezember 2010 im Internet Archive)
Einzelnachweise
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Samuel Schmid | Mitglied im Schweizer Bundesrat 2009–2022 | Albert Rösti |
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
Elisabeth Baume-Schneider (SP/JU) | Ignazio Cassis (FDP/TI) | Beat Jans (SP/BS) | Karin Keller-Sutter (FDP/SG) | Guy Parmelin (SVP/VD) | Martin Pfister (Mitte/ZG) | Albert Rösti (SVP/BE)
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Josef Munzinger | Henri Druey | Josef Martin Knüsel | Jakob Stämpfli | Constant Fornerod | Jean-Jacques Challet-Venel | Victor Ruffy | Paul Cérésole | Karl Schenk | Johann Jakob Scherer | Wilhelm Matthias Naeff | Bernhard Hammer | Simeon Bavier | Walter Hauser | Robert Comtesse | Marc Ruchet | Josef Anton Schobinger | Giuseppe Motta | Jean-Marie Musy | Albert Meyer | Ernst Wetter | Ernst Nobs | Max Weber | Hans Streuli | Jean Bourgknecht | Roger Bonvin | Nello Celio | Georges-André Chevallaz | Willi Ritschard | Otto Stich | Kaspar Villiger | Hans-Rudolf Merz | Eveline Widmer-Schlumpf | Ueli Maurer | Karin Keller-Sutter
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Ulrich Ochsenbein | Friedrich Frey-Herosé | Jakob Stämpfli | Constant Fornerod | Emil Welti | Victor Ruffy | Paul Cérésole | Johann Jakob Scherer | Wilhelm Hertenstein | Walter Hauser | Emil Frey | Eduard Müller | Eugène Ruffy | Ludwig Forrer | Arthur Hoffmann | Camille Decoppet | Karl Scheurer | Rudolf Minger | Karl Kobelt | Paul Chaudet | Nello Celio | Rudolf Gnägi | Georges-André Chevallaz | Jean-Pascal Delamuraz | Arnold Koller | Kaspar Villiger | Adolf Ogi | Samuel Schmid | Ueli Maurer | Guy Parmelin | Viola Amherd | Martin Pfister
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Maurer, Ueli |
| ALTERNATIVNAMEN | Maurer, Ulrich (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politiker (SVP) |
| GEBURTSDATUM | 1. Dezember 1950 |
| GEBURTSORT | Wetzikon |
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- Geboren 1950
- Mann