Wolfram Weimer
Wolfram Robert Wilhelm Weimer<ref>„Mein Gott, konnte der tanzen!“ In: medium magazin. Abgerufen am 21. März 2025.
Wolfram Robert Wilhelm Weimer, Tegernsee. In: NorthData. Abgerufen am 21. März 2025.</ref> (* 11. November 1964 in Gelnhausen) ist ein deutscher Verleger, Publizist, Unternehmer<ref>Jörg Häntzschel, Meike Schreiber: Wolfram Weimer und das Familienunternehmen: Ein Interessenskonflikt? 23. Oktober 2025, abgerufen am 23. Oktober 2025.</ref> und Politiker (parteilos). Seit 2025 ist er Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Als Kulturstaatsminister ist Weimer umstritten. Kritik entzündete sich unter anderem an der Einbeziehung des Bundesverfassungsschutzes in Förderentscheidungen sowie an Versuchen politischer Einflussnahme auf Kulturinstitutionen.
Er war Chefredakteur der Zeitung Die Welt, der Berliner Morgenpost, des Focus und des von ihm gegründeten Magazins Cicero. 2012 gründete er gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Publizistin und Verlegerin Christiane Goetz-Weimer (Ch. Goetz Verlag), die Weimer Media Group, mit Sitz in der Stadt Tegernsee, in der Titel wie Business Punk, The European oder WirtschaftsKurier verlegt werden. Das Ehepaar veranstaltet mit seiner Weimer Media Group seit 2014 einmal im Jahr in Gmund am Tegernsee, dem ehemaligen Wohnsitz von Ludwig Erhard, den sogenannten Ludwig-Erhard-Gipfel,<ref name=":3">Ludwig-Erhard-Gipfel – Tegernsee Summit. Abgerufen am 22. November 2025.</ref> in dessen Rahmen seit 2017 der von ihnen gestiftete Freiheitspreis der Medien vergeben wird.
Leben
Studium und Schule
Wolfram Weimer verbrachte einen Teil seiner Jugend in Portugal, wo sein Vater Alois Weimer Deutsch- und katholischer Religionslehrer war.<ref>Pfarrerin Annette Bassler trifft Dr. Wolfram Weimer, Chefredakteur des Politmagazins „Cicero“, Berlin. 14. September 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. August 2012; abgerufen am 11. Februar 2010.</ref> Seine aus Südmähren stammende Mutter Wilhelmine Weimer geb. Kuhn war ebenfalls Lehrerin.<ref>Der Ehrentag von Mae und Pai. Helma und Alois Weimer feiern heute diamantene Hochzeit. In: Gelnhäuser Neue Zeitung, 29. Mai 2015. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Februar 2017; abgerufen am 30. April 2026.</ref><ref>Biografie. In: WOLFRAM WEIMER. Abgerufen am 30. April 2026.</ref> Wolfram Weimer besuchte die Deutsche Schule zu Porto. 1983 legte er das Abitur am Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen ab. Von 1983 bis 1984 leistete er beim Beobachtungsbataillon 23 des Artillerieregiments 2 der 2. Panzergrenadierdivision in Stadtallendorf Wehrdienst in der Bundeswehr.
Weimer studierte Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. 1986 erhielt er ein Stipendium der American University in Washington, D.C., zudem ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und erwarb 1989 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main den akademischen Grad Magister Artium.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr. Wolfram Weimer, Medienanstalt Berlin-Brandenburg – MABB (abgerufen am 11. Februar 2010) ( vom 15. Dezember 2008 im Internet Archive)</ref>
Aus einem Washingtoner Forschungsjahr entstand 1991 eine mit Magna cum laude bewertete Dissertation über den amerikanischen „Bankenkrieg“, veröffentlicht unter dem Titel Die Kontroverse um die Bank of North America 1783–1787. 1998 erhielt Weimer ein Forschungsstipendium des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien in Berlin.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf bei der Medienanstalt Berlin Brandenburg ( vom 15. Dezember 2008 im Internet Archive)</ref>
Tätigkeiten im Medienbereich
Bereits in seiner Schulzeit gründete Weimer die Schülerzeitung Schwarzer Elch, schrieb ab 1980 für das Gelnhäuser Tageblatt und ab 1981 für die Main-Kinzig-Nachrichten. Nach seinem Studium arbeitete er als Hospitant bei der dpa in Washington, D.C. Weimer war von 1990 bis 1994 Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, von 1994 bis 1998 deren Korrespondent in Madrid, von 1998 bis 2000 stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt in Berlin, von 2000 bis 2001 deren Chefredakteur und von 2001 bis 2002 Doppel-Chefredakteur der Welt und der Berliner Morgenpost.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vita Wolfram Weimer ( vom 16. Juni 2012 im Internet Archive). In: Focus, 29. Oktober 2009, archiviert in der Wayback Machine am 16. Juni 2012.
SWR verleiht Hans Bausch Mediapreis an Dr. Weimer und Jacqueline Stuhler Voß würdigt zum zehnjährigen Todestag langjährigen SDR-Intendanten Hans Bausch (abgerufen am 11. Februar 2010).</ref> Er verließ die Axel Springer AG Ende 2002.
2003 gewann Weimer das Schweizer Medienunternehmen Ringier für die Idee, von Potsdam aus ein neues deutsches Politik-Magazin zu entwickeln. Das Magazin Cicero erschien zum ersten Mal im April 2004. Weimers erklärte Absicht war die Schaffung eines „deutschen New Yorker“. Er blieb bis Januar 2010 dessen Chefredakteur.
Weimer war von 2003 bis Januar 2015 Mitglied im Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb).<ref>Medienrat Dr. Wolfram Weimer. mabb, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Dezember 2015; abgerufen am 31. Dezember 2015.
Neuer Medienrat für die Medienanstalt Berlin-Brandenburg gewählt. mabb, 17. Dezember 2014, abgerufen am 31. Dezember 2015.</ref>
Im Herbst 2009 warb der Burda-Verlag Weimer als neuen Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus ab,<ref>Medien: Weimer löst Markwort als „Focus“-Chef ab. Abgerufen am 22. Oktober 2019.</ref> womit er gemeinsam mit Uli Baur Nachfolger von Helmut Markwort wurde. Das Magazin wurde unter seiner Leitung neu positioniert und begann eine Kooperation mit dem Economist.<ref>„Focus“ vereinbart Partnerschaft mit „The Economist“. Abgerufen am 22. Oktober 2019.</ref> Weimers Abschied vom Focus nach nur einem Jahr wurde in den Medien als Niederlage in einem internen Machtkampf gegen Baur gewertet.<ref>Er kam, sah und verlor. In: Süddeutsche Zeitung. 26. Juli 2011, abgerufen am 29. April 2025.
Führungskrise bei Burda. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. Juli 2011, abgerufen am 29. April 2025.
Wolfram Weimer verlässt den Focus. In: Kress.de. 26. Juli 2011, abgerufen am 29. April 2025.</ref>
2012 gründete Weimer die Weimer Media Group. Er leitete den Verlag bis 2025 gemeinsam mit seiner Frau. Beide sind zu jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.<ref>Michael Maier: Wolfram Weimer unter Beschuss. In: stuttgarter-nachrichten.de. 27. Oktober 2025, abgerufen am 27. Oktober 2025.</ref> Im Herbst 2025 kündigte er an, er wolle für die Dauer seiner Amtszeit als Kulturstaatsminister seine Anteile an einen Treuhänder übergeben.
Ende 2012 brachte er zum 50-jährigen Jubiläum der 1982 eingestellten Satire-Zeitschrift Pardon ein Sonderheft mit Beiträgen verschiedener Humoristen heraus.<ref>Vom Teufelchen geritten. 6. Dezember 2012, abgerufen am 23. November 2025.</ref>
Seit 2015 ist Weimer Verleger des Magazins The European.<ref>The European - Das Debatten-Magazin. Abgerufen am 23. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Daneben schrieb er für n-tv die wöchentliche Kolumne Person der Woche<ref name="Kolumne2"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Person der Woche. In: ( vom 14. Dezember 2016 im Internet Archive) n-tv, 14. Dezember 2016, in der Wayback Machine archiviert am 14. Dezember 2016.</ref> und eine Kolumne für die inhaltlich identischen Nachrichtenseiten der United-Internet-Portale GMX und Web.de.<ref>https://www.gmx.net/magazine/autor/dr-wolfram-weimer-33795338-p2, https://web.de/magazine/autor/dr-wolfram-weimer-33795338</ref> Bis 2025 war er 13 Jahre Kolumnist des konservativ-christlichen Medienmagazins pro.<ref>pro Ausgabe 3|25 (unpaginiert): Pro Kolumne Weimers Klartext</ref>
Weimers Veröffentlichungen decken ein breites thematisches Spektrum ab, das von Wirtschafts- und Geldgeschichte über politische Essays bis hin zu kultur- und gesellschaftspolitischen Kommentaren reicht.
Ludwig-Erhard-Gipfel und Freiheitspreis der Medien
Seit 2014 veranstaltet die Weimer Media Group den Ludwig-Erhard-Gipfel<ref name=":3" /> in Gmund am Tegernsee. Das jährliche Treffen ist nach dem ehemaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard benannt, der mit seiner Familie von 1953 bis zu seinem Tod 1977 in Gmund gelebt hatte. Seit 2017 wird dabei der Freiheitspreis der Medien vergeben.<ref>https://ludwig-erhard-gipfel.de/freiheitspreis/
Joachim Gauck erhält Freiheitspreis der Medien 2025
"Ludwig-Erhard-Gipfel": Spitzentreffen am Tegernsee. 17. April 2024, abgerufen am 8. September 2024.</ref>
Privates
Weimer ist mit der Verlegerin Christiane Goetz-Weimer, Tochter von Peter Götz,<ref>Traueranzeige Peter Goetz, auf lebenswege.faz.net vom 5. Oktober 2025</ref> verheiratet und hat drei Söhne.<ref>Monika Ziegler, Tegernsee hat eine Buchhandlung verdient, kulturvisionaktuell.de vom 9. Juni 2023.
Valentin Weimer, auf welt.de.</ref> Er ist römisch-katholisch<ref>Für Minister Weimer haben Weihnachtsmärkte religiöse Bedeutung. In: katholisch.de. 1. Dezember 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025.</ref> und lebt in Tegernsee.<ref name=":1" />
Politische Standpunkte
Weimer wird in der Öffentlichkeit als Vertreter des liberal-konservativen Spektrums wahrgenommen.<ref>Machtkampf um Nachfolge in der „Cicero“-Chefredaktion. In: Der Spiegel. Abgerufen am 19. September 2021.</ref> Er wurde auch als konservativ<ref>Markus Lanz (ZDF): „Nicht mal Dorfbürgermeisterei“. In: derwesten.de. 22. April 2021, abgerufen am 19. September 2021.</ref> oder neokonservativ<ref>Neuer Chef beim „Cicero“. Deutschlandfunk, abgerufen am 19. September 2021.
ARD-Talk mit Maischberger: „Lügner“ Laschet und Olaf Scholz als lachender Dritter. In: Frankfurter Rundschau. 16. September 2021, abgerufen am 23. September 2021.</ref> beschrieben. Weimer hat seine politischen Standpunkte insbesondere in fünf Werken dargelegt, allen voran Das Konservative Manifest (2018) sowie Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit (2009), ergänzt von Land unter (2012), Credo (2006) und Sehnsucht nach Gott (2021).<ref name="Werke">Miriam Denger: Eine Lektüre der gesellschaftskritischen Bücher des neuen Kulturstaatsministers, Wolfram lesen, ein Selbstversuch. In: Plateforme. 6. Juni 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>
Im Jahr 2018 wurde sein Buch Das konservative Manifest veröffentlicht, das vom Verlag als „Gift für Linke und eine Zumutung für Rechte“ beworben wurde. Darin formuliert Weimer „Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit“ (u. a. „Person würdigen“, „Familie lieben“, „Nation ehren“, „Tradition hegen“, „Recht und Ordnung respektieren“ und „Gott achten“).<ref name=":5" />
Kulturbegriff
Für Weimer ist das Konzept des Abendlandes eine wichtige Bezugsgröße: „Der Konservative ist Patriot, der Konservative steht zum gefühlten Vaterland wie zur Muttersprache, der Konservative fühlt das Abendland als Heimat.“<ref name="Werke" />
Dabei sieht Weimer Europa in einer Phase des kulturellen Niedergangs. In seinem Konservativen Manifest vergleicht er den Kontinent metaphorisch mit einem „erlöschenden Vulkan“, der nur noch vereinzelte Anzeichen früherer Aktivität zeigt. Die kulturelle Landschaft lasse zwar die „einstige Größe“ erahnen, doch die ursprüngliche schöpferische und „vitale Kraft“ sei teilweise verloren gegangen. Medial besprochen und kritisiert wurde dabei ein Absatz aus Weimers Konservativem Manifest: „Während Generation um Generation in einer Jahrtausende währenden Selbstverständlichkeit die Fortdauer der eigenen Familie, des eigenen Blutes, der Sippe, des Stammes, der Nation, der Kultur, der Zivilisation als einen heiligen Moment des Lebens begriffen hat, so zerbricht dieses Bewusstsein plötzlich in Scherben.“<ref name=":5">Wolfram Weimer: Land unter. Ein Pamphlet zur Lage der Nation. Gütersloher Verlagshaus 2012.
Wolfram Weimer: Das konservative Manifest: Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit. Plassen Verlag, Kulmbach 2018.</ref><ref name="schweizer-monat-2013">Wolfram Weimer: Links – zwo – drei – vier… In: Schweizer Monat. 1. September 2013, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Dirk Knipphals verwies in der taz darauf, dass Weimer in seinem Denken kulturelle Identitäten als statisch verstehe und dabei auf Konzepte zurückgreife, die auch in neurechten Kreisen vertreten werden.<ref name=":0">Dirk Knipphals: Wolfram Weimer soll Kulturstaatssekretär werden, warum das mehrfach fragwürdig ist. In: Die Tageszeitung: taz. 28. April 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 28. April 2025]).</ref> In der Sendung Markus Lanz vom 1. Mai 2025 fragte der Moderator rhetorisch: „Kann man daraus jetzt irgendwie so eine komische Blut-und-Boden-These machen? Ich finde das nicht in Ordnung.“<ref name="Lanz">Markus Lanz (Fernsehsendung): Sendung zur Kabinettsbesetzung. In: ZDF. 1. Mai 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>
Als eine Ursache für das Ende der kulturellen „Suprematie“ Europas benennt Weimer die Dekolonisation bzw. den Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus: „Europa vermehrt sich nicht mehr räumlich. […] Territorial werden die Räume, die von europäischen Hauptstädten beherrscht werden, immer kleiner. […] Im alten Kontinent wurde dieser erdrutschartige Machtverlust nicht einmal bedauert. Man betrachtete die eigene Kolonialgeschichte mit moralischen Gewissensbissen als illegitime Expansion. Noch heute wird in den Lehrplänen der Schulen […] die dunkle Seite der Kolonialisierung als ein durchgehender Sündenfall dargestellt und kritisiert.“<ref name=":5" />
Ein weiterer Grund für den kulturellen Niedergang sei die Bekämpfung und Relativierung des Christentums in Europa, denn der „Taufschein“ sei, nach einem Zitat Heinrich Heines, die „Eintrittskarte in die europäische Kultur“. Mit der Säkularisierung töte Europa seine „kulturelle Urkraft“.<ref name="schweizer-monat-2013" />
Die sogenannte „Rückkehr der Religion“ bewertet Weimer in Bezug auf das Christentum als äußerst positiv und sieht darin die Chance für eine kulturelle Renaissance des Abendlandes.<ref>Siehe Wolfram Weimer: Credo. Warum die Rückkehr der Religion gut ist. DVA-Verlag, München 2006.</ref> Religion und Konservatismus sind für ihn untrennbar verbunden: „Der Konservative wird sich selber […] nur finden, wenn er bis zur untersten Tiefe seiner eigenen Prinzipien hinabsteigt und aus dieser seiner alten Brunnenstube religiöses Wasser herausholt.“<ref name=":5" />
Im Zusammenhang mit einer Aufführung des Parsifal an den Bayreuther Festspielen bemerkte Weimer: „Am Ende des ironischen Zeitalters“ müsse sich die Kultur „nach all den Brechungen und Verneinungen und Experimenten“ erst wieder finden: „Das Konventionelle ist die neue Avantgarde.“<ref name=":6">Wolfram Weimer: Kein Gral, nirgends. In: The European. 30. Juli 2016, abgerufen am 29. April 2025.</ref>
Menschengemachter Klimawandel
Weimer ist Klimaskeptiker:<ref>Achim Brunnengräber: Klimaskeptiker im Aufwind. Wie aus einem Rand ein breiteres Gesellschaftsphänomen wird, in: Olaf Kühne, Florian Weber (Hrsg.): Bausteine der Energiewende. Wiesbaden 2018, 271–292, S. 280.
Lorenz Jäger: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Klimaskeptiker. Die letzten Fortschrittsgläubigen ( vom 24. Januar 2016 im Internet Archive). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 2009. Abgerufen am 11. Mai 2025.</ref> 2007 wandte er sich gemeinsam mit Josef H. Reichholf gegen den Weltklimarat IPCC. Laut taz kritisierte die Gruppe einen angeblichen „Untergangsterror“ und eine „gleichgeschaltete“ öffentliche Meinung. Es würde zwar wärmer, dies sei messbar. Wie warm und warum, und ob der Klimawandel menschengemacht sei, das sei aber dahingestellt.<ref>Eine besonnene Warnung. 10. Oktober 2007, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Der Cicero brachte zu der Zeit den Artikel Die Klimalüge heraus.<ref>Albrecht von Lucke: Oh, Cicero. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Oktober 2007, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Der Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf warf, unterstützt von Hans Joachim Schellnhuber, Weimer öffentlich vor, „teilweise bewusst falsche Informationen […] zu verbreiten“.<ref>Homepage: „Katastrophenmythen“ und Druck auf Journalisten? In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 29. April 2025]).</ref>
2010 zeichnete Weimer als Chefredakteur des Focus gemeinsam mit Uli Baur verantwortlich für eine Ausgabe, die die vermeintlich positiven Auswirkungen der Erderwärmung thematisierte. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung wurde diese Ausgabe auch verlagsintern heftig kritisiert.<ref>Lisa Priller-Gebhardt: Bittere Enttäuschung. 20. Dezember 2010, abgerufen am 29. April 2025.</ref>
2018 schrieb er: „Mit dem Begriff ‚Klimaleugner‘ werden von Rot-grünen seit Jahren Personen stigmatisiert, die es wagen, die Theorie vom rein menschengemachten Klimawandel in ihrem Absolutheitsanspruch zu bezweifeln. Das Wort ‚Klimaleugner‘ soll jede offene Debatte töten, denn es weckt gezielt die Assoziation zum ‚Holocaustleugner‘.“<ref>Wolfram Weimer: Das „Speech Mainstreaming“ der Linken. In: The European. 22. Juli 2018, abgerufen am 28. April 2025.</ref>
Das in Weimers Verlag erscheinende Magazin The European veröffentlicht regelmäßig Gastbeiträge vom Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE).<ref name=":2">Europäisches Institut für Klima und Energie. Abgerufen am 29. April 2025.</ref><ref name=":2" /> EIKE gilt als deutschsprachiger Arm der internationalen Lobby, die den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel leugnet.<ref name=":2" />
Migration und Integration
In der Integrationsdebatte kritisiert Weimer bestimmte gesellschaftliche Strömungen, denen er eine unkritische bzw. idealisierende Haltung gegenüber dem Multikulturalismus zuschreibt; er spricht von „naivem“ Multikulturalismus und von einer „Multi-Kulti-Lüge“. Dies sei der Versuch, „mit vielen Döner-Buden, fleißiger Zuwanderung und der Huldigung von Kanak-Deutsch die alten Nationalinstinkte auszutilgen, die Nazi-Katastrophe sozusagen mental rück-abzuwickeln. Ein Stück Wiedergutmachung durch kulturelle Selbstvernichtung also.“<ref name="Artikel1">Wolfram Weimer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Multi-Kulti-Lüge. ( vom 3. November 2009 im Internet Archive) In: Cicero, Dezember 2004.</ref> Der Islamismus habe ein „internationale[s] System der Frauen-Apartheid“ errichtet. Statt dies zu kritisieren, übe man „lieber kulturelles Zurückweichen. Wir gewöhnen uns an einen asymmetrischen Dialog, der darin besteht, dass wir zusehends schweigen und hinnehmen.“<ref name=":4"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der kulturelle Dschihad. ( vom 27. Mai 2007 im Internet Archive) In: Cicero, Oktober 2006.</ref> Weimer sieht „fundamentale Unterschiede […] zwischen einer (christlichen) Religion der Liebe und einer (muslimischen) Religion des Schwertes“.<ref name=":6" />
Während der Flüchtlingskrise 2015 wurde Weimer zu einem entschiedenen Kritiker der Migrations- und Asylpolitik der Großen Koalition unter Angela Merkel und sprach in diesem Zusammenhang von einer „Masseninvasion von illegaler Zuwanderung“. Merkels „radikale Grenzöffnung“ sei ein „historischer Rechtsbruch“.<ref>Wolfram Weimer: Schützt endlich unsere Grenzen. In: The European. 26. Oktober 2015, abgerufen am 29. April 2025.
Wolfram Weimer: Ist Merkel eine Verfassungsbrecherin? In: The European. 27. Dezember 2016, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Den Schriftsteller Uwe Tellkamp nannte er 2018 einen kommenden „Leitintellektuellen der Merkelkritik“ und „Leitfigur einer neuen Freiheitsbewegung des Wortes“.<ref>Wolfram Weimer: Tellkamp – Hassfigur der linken Intellektuellen. In: NTV.de. 27. März 2018, abgerufen am 29. April 2025.</ref>
Wirtschafts- und Finanzpolitik
In der Wirtschafts- und Ordnungspolitik vertritt Weimer wirtschaftsliberale Positionen. So fordert er die Reduzierung der Staatsquote und umfassende Deregulierung.<ref>Siehe Wolfram Weimer: Die Sozialisierungsfalle. Warum die soziale Marktwirtschaft wieder entfesselt werden muß. FAZ, Verlag-Bereich Buch, Frankfurt am Main 1999.</ref> Am 21. November 2023 übte er in der Talkshow Maischberger Kritik am Bürgergeld; dieses sei eigentlich ein „Migrantengeld“. 2018 bemerkte er, dass der Begriff „Armutsbericht“ für Deutschland irreführend sei, da dieser „in Wahrheit über die reichsten Sozialfälle der Welt“ berichte.<ref>Wolfram Weimer: Das „Speech Mainstreaming“ der Linken. In: The European. 22. Juli 2018, abgerufen am 29. April 2025.</ref> 2017 warnte er, dass der „Steuerstaat“ in Deutschland zum „gierigen Raubtier“ mutiere.<ref>Wolfram Weimer: Der Steuerstaat mutiert zum gierigen Raubtier. In: The European. 12. Juni 2017, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Als Minister tritt er für eine sog. Digitalabgabe für IT-Konzerne ein.<ref>Bundesregierung plant Digitalabgabe für große Tech-Konzerne. Abgerufen am 21. Oktober 2025.</ref>
Außenpolitik
Weimer sprach sich im April 2008 gegen die Fortführung des ISAF-Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan aus.<ref>Wolfram Weimer: Raus aus Afghanistan. In: Cicero, April 2008.</ref>
Kritikern des US-Präsidenten Donald Trump unterstellte er 2017 „linkes Selbstmitleid“. Es lohne sich, die möglichen Chancen einer Präsidentschaft Trumps auszuloten. Dieser sei zwar unsympathisch, aber politisch überraschend erfolgreich.<ref>Wolfram Weimer: Fünf Gründe, warum Trump positiv überraschen könnte. In: The European. 18. Januar 2017, abgerufen am 29. April 2025.
Wolfram Weimer: Die sieben verblüffenden Erfolge des Donald Trump. In: The European. 27. Dezember 2017, abgerufen am 29. April 2025.</ref>
Am 15. Juni 2022 erklärte Weimer als Gast der Talkshow Maischberger, Russland habe den Krieg gegen die Ukraine bereits gewonnen. Der Westen habe auch den „internationalen Kampf um Mehrheiten“ verloren. Russland habe bereits wesentliche Kriegsziele erreicht, in dem es den Donbass „faktisch erobert“ habe und riesige Flächengewinne gemacht habe. Bundeskanzler Olaf Scholz müsse gemeinsam mit den europäischen Partnern für einen „Verhandlungsweg“ arbeiten.<ref>Lea Nischelwitzer: „Maischberger“: Die Ukraine wird für verloren erklärt. In: Die Welt, 16. Juni 2022, abgerufen am 16. Juni 2022.</ref> Weimer sieht den Westen durch Diktaturen wie China und Russland bedroht.<ref name="GlobalerKulturkampf">Kulturstaatsminister Weimer fürchtet globalen Kulturkampf. Deutschlandfunk, 1. Juni 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>
Weimer kritisierte 2020 die zunehmend aggressive Außenpolitik der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Er verweist auf militärische Interventionen in Syrien und Libyen, Spannungen mit Griechenland und Zypern sowie die politische Instrumentalisierung von Flüchtlingen. Die Umwandlung der Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee bewertete er dabei als „kulturelle Kriegserklärung“ an den Westen.<ref>Wolfram Weimer: Das ist eine kulturelle Kriegserklärung. In: The European. 14. Juli 2020, abgerufen am 29. April 2025.</ref>
Gesellschaftspolitik
In seinem Buch Land unter. Ein Pamphlet zur Lage der Nation bezeichnet Weimer das Coming-out der hessischen Kultusministerin Karin Wolff als Ausdruck einer „politischen Unkultur“ und einen von zahlreichen „symptomatische[n] Kollateralschäden im kollektiven Feldzug gegen das Private“. Weimer mutmaßt, dass Coming-Outs homosexueller Personen oftmals der Versuch seien, einem als negativ bewerteten Trend der „Enttabuisierung“ zu folgen.<ref>Wolfram Weimer: Land unter. Ein Pamphlet zur Lage der Nation. Gütersloher Verlagshaus 2012.</ref> Er kritisiert die „Gender-Ideologie der vergangenen Jahre“, die „den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Bezogenheit von Mann und Frau“ leugne. Familie ist für Weimer das „Vaterland des Herzens“.<ref name=":5" />
Meinungs- und Kunstfreiheit
Weimer kritisiert die politische Einflussnahme autoritärer Staaten auf die UNESCO. Er bezeichnete sie 2017 als „korrupt wie die Fifa und ideologisch in der Hand von Despoten, Islamisten und Linksökologen“. Er fordert deshalb eine Rückbesinnung auf die eigentlichen kulturellen und bildungspolitischen Ziele der UNESCO.<ref>Wolfram Weimer: Die Unesco ist korrupt und ideologisch. In: The European. 20. Oktober 2017, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Im Rahmen eines „globalen Kulturkampfes“ sieht Weimer die Wissenschafts-, Meinungs- und Kunstfreiheit weltweit gefährdet.<ref name="GlobalerKulturkampf" />
Im Frühjahr 2026 hat Weimers Behörde drei als politisch links geltende Buchhandlungen von der Preisträgerliste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen.<ref>Extremismusverdacht: Weimer schließt Buchhandlungen von Preis aus. NDR, abgerufen am 5. März 2026.</ref> Sie begründete den Schritt damit, dass „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ vorlägen, die im Wege des so genannten Haber-Verfahrens vor der Vergabe dieser Fördergelder beim Bundesverfassungsschutz angefragt worden waren. Im Jahr 2020 hatten die Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages in einem Gutachten „verfassungsrechtliche Bedenken“ an diesem Verfahren geäußert – vor allem wegen der Eingriffe in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Sie warnten vor einem „Einschüchterungseffekt“ und bezweifelten die Verhältnismäßigkeit.<ref name="sz-stephan">Felix Stephan, Jörg Häntzschel: „Wohin das führt, sehen wir in den USA“. In: Süddeutsche Zeitung, 3. März 2026, abgerufen am 5. März 2026.</ref> Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit stellte bereits 2019 fest, dass das Verfahren „auf Basis der aktuellen Gesetzeslage datenschutzrechtswidrig ist“, denn die Datenübermittlung zwischen den Ministerien und dem Verfassungsschutz sei unzulässig.<ref>Kooperation zwischen Bundesministerien und dem Bundesamt für Verfassungsschutz zwecks Überprüfung zivilgesellschaftlicher Projekte (sog. Haber-Verfahren) (PDF; 2 MB). Hg.: Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, 16. September 2019, abgerufen am 5. März 2026.</ref> Die ausgeschlossenen Buchhandlungen seien aktiv getäuscht worden. Ihnen sei wahrheitswidrig mitgeteilt worden, dass die Jury sie nicht ausgewählt habe, obwohl im Gegenteil zwei von ihnen sogar als Besonders herausragende Buchhandlungen ausgezeichnet werden sollten.<ref>Kai-Uwe Vogt: „BKM hat Buchhandlungen belogen“. In: Börsenblatt, 11. März 2026, abgerufen am 11. März 2026.</ref> Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel will Weimer die Mitglieder sämtlicher Jurys aus dem Bereich der Kulturförderung künftig in Listen erfassen lassen. Im Umfeld von Weimers Behörde bestehe die Sorge, dass Jurymitglieder vom Verfassungsschutz überprüft werden könnten.<ref>Ulrike Knöfel: »Hoher politischer Druck« – Wolfram Weimer lässt Jurymitglieder in Listen erfassen. In: Der Spiegel, 20. März 2026, abgerufen am 20. März 2026.</ref> Das Verwaltungsgericht Berlin entschied Ende April auf einen Eilantrag, dass die Betreiber einer der drei betroffenen Buchhandlungen, „Zur schwankenden Weltkugel“, gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vorläufig einen Anspruch auf Unterlassung haben, als „politische Extremisten“ bezeichnet zu werden. Weimer hatte die Betreiber in einem Interview in der Wochenzeitung Die Zeit auf die Frage, warum er in die Preisverteilung eingegriffen habe, gesagt: „Wenn der Staat Preise vergibt und Steuergelder einsetzt, dann kann er das nicht für politische Extremisten tun.“ Nach dem Gericht hat der Beauftragte dabei die ihm zur Verfügung stehenden Mittel zur Tatsachenermittlung nicht ausgeschöpft. Die Zuspitzung verstoße gegen das Sachlichkeitsgebot.<ref>Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien darf Betreiber der „Schwankenden Weltkugel“ nicht als „politische Extremisten“ bezeichnen (Nr. 22/2026). Verwaltungsgericht Berlin, 30. April 2026, abgerufen am 30. April 2026 (Zum Beschluss vom 30. April 2026 (VG 6 L 229/26)).</ref>
Öffentlich-rechtliche Medien
Weimer hat mehrfach seine ablehnende Haltung gegenüber der derzeitigen Form der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks deutlich gemacht. 2022 bezeichnete er den Rundfunkbeitrag als „Zwangsgebühren“.<ref>Wolfram Weimer: Neuer Rekord: ARD und ZDF nehmen jeden Tag 23,1 Millionen Euro an Zwangsgebühren ein. In: The European. 19. September 2022, abgerufen am 29. April 2025.</ref>
Deutsche Nationalbibliothek
Im März 2026 wurde Weimers Entscheidung bekannt, den seit 2018 geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) am Standort Leipzig nicht zu bauen.<ref name="faz-dnb">dpa/sn/olwe: Wolfram Weimer: Deutsche Nationalbibliothek erhält keinen Erweiterungsbau. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. März 2026, abgerufen am 12. März 2026.</ref> Als Grund nannte Weimer, das Sammeln physischer Werke sei nicht mehr zeitgemäß;<ref name="lvz-dnb">Jens Rometsch: Nationalbibliothek in Leipzig: Minister Weimer streicht Millionen-Projekt. In: Leipziger Volkszeitung, 12. März 2026, abgerufen am 13. März 2026.</ref> er strebe an, die gesamte Pflichtablieferung „zukünftig weitestgehend digital abzubilden“.<ref name="faz-dnb" />
Die Bibliothek wies darauf hin, dass sie gesetzlich verpflichtet sei, je zwei physische Exemplare und digitale Publikationen zu sammeln. Die geplante Reduktion auf ein Exemplar erfordere eine Änderung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek.<ref name="lvz-dnb" /> Ohne den Erweiterungsbau wird es nicht möglich sein, wie bisher je ein Pflichtexemplar der gedruckten deutschen Verlagsproduktion an den Standorten Leipzig und Frankfurt am Main zu verwahren und zur Benutzung vorzuhalten.<ref name="faz-dnb" /> Die Archivierung sei ohne die Erweiterung gefährdet, weil der Altbau in Leipzig nicht nur wegen der fehlenden Regalfläche, sondern auch aus klimatischen Gründen nicht geeignet sei, die Bestände langfristig zu sichern.<ref>Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek soll nicht realisiert werden. In: Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 12. März 2026 (Pressemitteilung).</ref> Der Deutsche Bibliotheksverband unterstützte die Kritik. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Katrin Göring-Eckardt nannte die Entscheidung „rechtlich fragwürdig“.<ref>Kritik an Weimers Entscheidung gegen Ausbau der Nationalbibliothek. In: zeit.de. 13. März 2026, abgerufen am 13. März 2026.</ref>
Weimer ließ daraufhin erklären, die Erweiterung sei nur unter ein Moratorium gestellt worden. Er strebe weiterhin eine Reform des DNB-Gesetzes an, um die „Pflichtablieferung physischer Exemplare flexibler umsetzen [zu] können“.<ref>Erweiterungsbau der Nationalbibliothek: BKM rudert zurück. In: Börsenblatt. 18. März 2026, abgerufen am 18. März 2026.</ref>
Verhältnis zu Friedrich Merz
Weimer sprach sich 2024 öffentlich für eine Kanzlerkandidatur von Merz aus,<ref>https://www.pro-medienmagazin.de/wp-content/uploads/2024/04/pdf_PRO_2024_02.pdf (S. 15)</ref> mit dem er befreundet ist.<ref name=":1">Tegernseer Verleger zieht ins Kabinett ein. 28. April 2025, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Da Wolfram Weimer zusammen mit seiner Frau Christiane Goetz-Weimer ebenso wie Friedrich Merz ein Haus am Tegernsee besitzt, dort der Verlagssitz ist und dort auch die von den Weimers veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel – Tegernsee Summits stattfinden, bei denen Merz Referent war, wurde in den Medienbeiträgen bezüglich der Bekanntgabe der Berufung Wolfram Weimers zum Kulturstaatsminister im Kabinett Merz auf diese enge Beziehung zwischen Merz und Weimer hingewiesen. In dem Kontext wurde auch der kurz nach der Ernennung anstehende Ludwig-Erhard-Gipfel von 7. bis 9. Mai 2025 erwähnt.<ref>Ludwig-Erhard-Gipfel – Tegernsee Summit. Abgerufen am 14. Mai 2025.
Konservativ, wirtschaftsnah und am Tegernsee daheim: Merz-Flüsterer wird Minister. 29. April 2025, abgerufen am 14. Mai 2025.
Tegernseer Verleger zieht ins Kabinett ein. 28. April 2025, abgerufen am 14. Mai 2025.
Wer ist der designierte neue Kulturstaatsminister Wolfram Weimer? Deutschlandfunk, 28. April 2025, abgerufen am 14. Mai 2025.</ref> Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete das Verhältnis als Tegernsee-Connection.<ref>Hans-Jürgen Jakobs: Designierter Kulturstaatsminister Weimer und Merz – die Tegernsee-Connection. 28. April 2025, abgerufen am 14. Mai 2025.</ref>
Kulturstaatsminister
Wolfram Weimer wurde am 6. Mai 2025 von Bundeskanzler Merz zum Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ernannt.<ref>Wolfram Weimer ist neuer Kulturstaatsminister. Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, 7. Mai 2025, abgerufen am 7. Mai 2025.</ref> Als Schwerpunkte seiner Arbeit als Kulturstaatsminister nannte Weimer in seiner Vorstellungsrede die Erinnerungskultur, die Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten und die „Singularität des Zivilisationsbruchs der Schoa“. Als „Medienmensch“ sei er biographisch vorgeprägt. Deshalb werde Medienpolitik „ein besonderer Akzent“ seiner Arbeit.<ref name="BKWeristWW">Wolfram Weimer: Bundeskultur, Wer ist eigentlich Wolfram Weimer? In: Bundeskultur (Instagram). 9. Mai 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref><ref name="Bundestagsrede">Wolfram Weimer: Stenografischer Bericht, 21. Wahlperiode, 3. Sitzung, Plenarprotokoll 21/3, 110 C. (PDF) Deutscher Bundestag, 14. Mai 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>
Am ersten Amtstag empfing er Josef Schuster, den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt. Ziel sei es, die belastete Beziehung zwischen dem Beauftragten-Amt der Bundesregierung und der jüdischen Gemeinschaft zu verbessern und das Vertrauen wiederherzustellen. Hintergrund waren anhaltende Debatten mit Weimers Vorgängerin Claudia Roth über antisemitische Darstellungen auf der Documenta und kontroverse Äußerungen bei der Berlinale-Gala 2024. In dem Zusammenhang ersetzte Weimer den bisherigen Amtsleiter beim BKM durch dessen Stellvertreter.<ref>Weimer: Antisemitismus in der Kultur als erstes großes Thema. In: Jüdische Allgemeine. 19. Juni 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref><ref name="WELT">Matthias Heine, Christian Meier: Kontrastprogramm zu Claudia Roth. In: welt.de. 30. April 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref> Die Entstehung der deutschen Nationalhymne hatte Weimer in einem Text 2019 als „historische Wunde“ bezeichnet, weil ihr Verfasser Hoffmann von Fallersleben auch Monarchist, Nationalist und Antisemit war, der mit der ‚Einigkeit‘ der Deutschen „eine judenfreie Einigkeit“ unter Ausschluss der Juden gemeint habe.<ref>Wolfram Weimer: Bodo Ramelow und die Deutsche Nationalhymne. In: The European, 14. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.</ref>
Weimer fordert eine Digitalabgabe für Internetkonzerne wie Google und Meta Platforms. Die Digitalabgabe solle alle Plattformen treffen, die Medieninhalte nutzen. Laut einer Forsa-Umfrage unterstützt die Mehrheit der Bundesbürger das Vorhaben. Vorbild könnte hierbei Österreich sein, wo bereits seit 2020 eine Abgabe auf Werbeeinnahmen gezahlt werden muss.<ref>Helmut Broeg: Digitalabgabe auf Werbeeinnahmen: Mehrheit der Bundesbürger ist dafür. In: stern.de. 10. Juni 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>
In seiner ersten Rede als Kulturstaatsminister im Deutschen Bundestag sagte Weimer, ihn leite ein „Grundmotiv Friedrich Schillers, nämlich dem, wonach die Kunst eine Tochter der Freiheit ist“. Aus seiner Sicht sollte Politik „nicht versuchen, Kultur und Medien zu instrumentalisieren“.<ref name="Bundestagsrede" />
In einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung schrieb Weimer, sowohl linke als auch rechte Kräfte würden versuchen, Kunst politisch zu vereinnahmen – dabei jedoch ein ungeeignetes Feld wählen. Für Weimer ist Kunst kein Mittel der Ideologie, sondern ein Raum der Freiheit, in dem die Grenzen des Sagbaren und Darstellbaren erweitert und nicht eingeschränkt werden sollen.<ref>Wolfram Weimer: Verteidigt die Freiheit, Gastbeitrag. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Juni 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>
Im August 2025 verbot er den 470 Mitarbeitenden im Kanzleramt die Verwendung geschlechtergerechter Sprache in dienstlichen Schreiben und Vermerken.<ref>Kulturstaatsminister Weimer bevorzugt »Sehr geehrte Damen und Herren«. In: Der Spiegel, 3. August 2025, abgerufen am 8. August 2025.</ref> Der frühere Queer-Beauftragte der Bundesregierung Sven Lehman kritisierte das Verbot. Weimer bevormunde seine „Mitarbeiter*innen“. Es sei „ein Zeichen von autoritärer Unkultur“, transgeschlechtliche und nicht-binäre Menschen durch Sprache auszuschließen.<ref>Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will keine „Spaltung unserer Gesellschaft“. In: Schwulissimo, 4. August 2025, abgerufen am 8. August 2025</ref>
Reaktionen auf die Berufung
Die Ernennung Weimers zum Kulturstaatsminister wurde von Beginn an weit über rein kultur- und medienpolitische Fachfragen hinaus politisch aufgeladen. Sie gilt Beobachtern als Signal für eine Neuausrichtung der Kultur- und Medienpolitik unter konservativen Vorzeichen. Noch vor seiner Amtseinführung rief eine Petition zu Weimers Absetzung und eine weitere Petition zu seiner Unterstützung auf.<ref>Bundesregierung: Petition gegen Weimer sammelt flugs Tausende Unterschriften. In: Zeit Online. 30. April 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.
Online-Petition: Solidarität mit Wolfram Weimer – Petition für das Ende der linken Kulturpolitik. 30. April 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>
Weimers früherer Kollege, der F.A.Z.-Herausgeber Jürgen Kaube, konstatierte anlässlich der Nominierung Weimers zum Kulturstaatsminister: „Von Kultur versteht er sehr wenig.“<ref>Jürgen Kaube: „Unsinn macht noch keinen Konservativen“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. April 2025, S. 9.</ref> Weimers Berufung wurde von Dirk Knipphals in der taz kritisiert, da Weimer in der Vergangenheit nicht als ausgewiesener Kenner kulturpolitischer Themen gegolten habe.<ref name=":0" /> Knipphals befürchtete überdies einen Kulturkampf von der Spitze des Ministeriums aus und Gegenwind für avancierte, emanzipative und popkulturelle Ansätze.<ref name=":0" /> Ijoma Mangold notierte in Zeit Online, Weimers „liberalkonservative“ Positionen seien „der outgesourcte Kulturkampf, die Erinnerung daran, dass es in der Union – du glaubst es nicht! – noch Spurenelemente bockig liberaler Bürgerlichkeit gibt.“ Er schrieb, „die Personalie und die Empörung darüber“ ergebe für Merz „strategisch Sinn“, weil das für seine Wähler, die sich einen noch deutlicheren Politikwechsel gewünscht hätten, ein „Trostpflaster“ sei.<ref>Ijoma Mangold: Wolfram Weimer: Ein Trostpflaster für enttäuschte CDU-Wähler. In: Die Zeit. 28. April 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 28. April 2025] in der gedruckten Ausgabe der „Zeit“ vom 30. April 2025, S. 44).</ref> Ulrike Knöfel kommentierte für den Spiegel: „Eine Weimer-Rede zur Aufarbeitung des Kolonialismus mag man sich gar nicht vorstellen.“<ref>Ulrike Knöfel: Ein Heimatschützer macht jetzt Kulturpolitik. In: spiegel.de. 28. April 2025, abgerufen am 28. April 2025.</ref>
Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, will Weimer dagegen an seinen konkreten Taten messen und hofft auf eine Fortführung begonnener Reformen.<ref>NDR: Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister: Kommt jetzt die konservative Wende? Abgerufen am 28. April 2025.</ref> Der Herausgeber von Welt, Politico und Business Insider, Ulf Poschardt, kommentierte, dass die „Kultureliten diesen Mann fürchten“ sollten. Weimers Vorgängerin Claudia Roth habe im Zweifel „rot-grünen Filz“ unterstützt, das „Kulturestablishment“ in Deutschland und Berlin sei verkommen, verhätschelt und „moralisch verludert“. Insofern könne Weimers Amtsübernahme ein „echter Befreiungsschlag“ werden. Er müsse „auf die (jeden Tag weniger relevant werdenden) Eliten keine Rücksicht nehmen“. Der „weitgehend steuerfinanzierte Kulturbetrieb“ müsse „im Zweifel kaputtgemacht“ werden – Weimer solle „aufräumen“.<ref>Ulf Poschardt: Die Kultureliten sollten diesen Mann fürchten. In: Die Welt. 30. April 2025, abgerufen am 30. April 2025.</ref>
Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands Mika Beuster attestierte zwar, dass Weimers Hintergrund als Verleger und Medienmanager ihm nützlich sein werde, er verlangte von ihm aber auch ein Bekenntnis zum dualen System des öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks.<ref>DJV fordert: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer braucht einen Masterplan. In: Deutscher Journalisten-Verband. 28. April 2025, abgerufen am 1. Mai 2025 (Pressemitteilung).</ref> Der Verein Lobbycontrol äußerte Bedenken gegen die Berufung des langjährigen Medienunternehmers. Mögliche Interessenkonflikte ließen sich nicht dadurch aufheben, dass er die Geschäftsführung der Weimer Group verlasse und seine Ehefrau alleinige Geschäftsführerin bleibe.<ref>Lobbycontrol sieht bei designiertem Kulturstaatsminister Interessenkonflikt. In: Tagesspiegel. 29. April 2025, abgerufen am 28. April 2025.</ref> Tobias Rapp liest Weimers bevorstehende Ernennung in Spiegel Online einerseits als „eine Verlängerung der Kleinen Anfrage, die die Union kurz vor der Bundestagswahl der Scholz-Regierung stellte, als sie ihre 551 Fragen zur ‚politischen Neutralität‘ aller möglichen Vereine und Organisationen vorlegte, die zur Demokratieförderung staatliches Geld erhalten.“ Andererseits sei aber der Kulturbetrieb, der sich um gesellschaftliche statt „ästhetische und vertraute Fragen“ drehe, unter „Legitimationsdruck“ geraten, deshalb könne ein Politikwechsel auch Chancen eröffnen. Der Umstand, dass die Stelle des Kulturstaatsministers nicht aus Kostengründen ganz abgeschafft wurde, zeige jedenfalls, dass „Merz … von der Kultur … etwas zu erwarten“ scheine.<ref>Tobias Rapp: Meinung: Kritik am neuen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: Eine konservative Öffnung könnte der Kultur nutzen. In: Der Spiegel. 2. Mai 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. Mai 2025] Spiegel Plus).</ref> Jonas Hermann konstatierte in der Neuen Zürcher Zeitung zum Infragestellen der persönlichen Eignung von Weimer: „Diese Einwände scheinen vor allem politisch motiviert.“<ref name="NZZ">Jonas Hermann: Strahlemann unter Beschuss: wieso Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister polarisiert. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. Mai 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref> Matthias Heine und Christian Meier von der Welt sahen in Weimer das „größtmögliche Kontrastprogramm“ zu Weimers Vorgängerin Claudia Roth. Das sei „für manche Beobachter offenbar ein Schock.“<ref name="WELT" /> Julian Nida-Rümelin, SPD-Amtsvorgänger von Wolfram Weimer, sagte, dass er das teils harsche Urteil über Wolfram Weimer nicht teile: „Ich bin nicht beunruhigt. Ich würde sagen, man kehrt gewissermaßen zu den Anfängen dieses Amtes zurück, weil der erste Inhaber (Michael Naumann) ebenfalls Journalist und Verleger war, wie auch Weimer. Beide haben einen intellektuellen Hintergrund.“<ref>Nida-Rümelin über Wolfram Weimer: „Bin nicht beunruhigt“. Bayerischer Rundfunk, 8. Mai 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref> Die Journalistin Mariam Lau erklärte in der Sendung von Markus Lanz vom 1. Mai 2025, dass die Benennung Weimers vor allem aus strategischer Sicht verständlich sei: „Wenn es eine Gegenwehr gegen die AfD geben soll, dann muss sie vor allem aus der rechten Mitte kommen.“ Merz habe Wolfram Weimer für das „politische Lagerfeuer“ im Kanzleramt eingestellt. Stefan Kornelius, von der Süddeutschen Zeitung kommend, sei als neuer Regierungssprecher hingegen „für die Message“ zuständig.<ref name="Lanz" />
Sonstiges
1986 veröffentlichte Weimer den Gedichtband Kopfpilz im Selbstverlag. Der Literaturkritiker Knut Cordsen, der darauf gestoßen war, schrieb im Mai 2025, Weimer habe ihm mitgeteilt, die Gedichte seien nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Der Podcast Bohniger Wachmacher von Moritz Hürtgen und Dax Werner zitierte im November ausführlich daraus.<ref>Julia Hubernagel: Alte Gedichte des Kulturstaatsministers: Wolfram Weimers lyrisches Frühwerk. In: Die Tageszeitung: taz. 24. November 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 28. November 2025]).</ref>
Der Schriftsteller Martin Walser, mit dem Weimer befreundet war, benannte eine Pfarrerfigur in seinem Roman Muttersohn (2011) nach ihm. Dies wurde als Ergebnis theologischer Gespräche gedeutet, die die beiden geführt hatten.<ref>Arno Frank, Hannah Pilarczyk, Ulrike Knöfel, Stefan Kuzmany, Anton Rainer: Wolfram Weimer im Porträt: Der Meinungsritter. In: Der Spiegel. 4. Mai 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Mai 2025]).</ref>
Kritik
Plagiatsvorwürfe
Im Mai 2025 wurden in der Zeit Plagiatsvorwürfe gegen Weimer erhoben, die dessen Bücher betreffen. Weimer habe an acht Stellen Passagen „entweder wörtlich von anderen Autoren übernommen oder leicht abgewandelt“.<ref>Florentin Schumacher: Wolfram Weimer: Texte anderer Leute? In: Die Zeit. 5. Mai 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Oktober 2025]).</ref>
Publikation von Texten ohne Zustimmung der Autoren
Im Oktober 2025 geriet Weimer zudem in die Kritik, weil er in seiner Zeit als Verleger des 2015 von der Weimer Media Group übernommenen Mediums The European zahlreiche Texte von Prominenten ohne deren Zustimmung veröffentlicht haben soll. Darunter befanden sich Texte von Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und fast 100 Beiträge von Alice Weidel.<ref name=":7" /> Auch der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sowie der Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber waren betroffen.<ref name=":8">Kerstin Rottmann: Texte von Alice Weidel „geklaut“? AfD-Chefin erhebt Vorwürfe gegen Magazin „The European“. In: Die Welt. 19. Oktober 2025, abgerufen am 24. November 2025.</ref> Der Vorwurf lautet, dass The European unter Leitung Weimers geistiges Eigentum verletzt habe.<ref name=":7">Malte Fischer: Urheberrechts-Vorwürfe gegen Minister Weimer: AfD-Chefin Weidel schaltet Anwalt ein. In: NZZ. 19. Oktober 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref> Ferner wurde Weimer vorgeworfen, mit Prominenz und Zahl vermeintlicher Beiträger Werbekunden getäuscht zu haben.<ref>SPD fordert Aufklärung : Vorwürfe gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 24. Oktober 2025]).</ref> The European erklärte hierzu „die dokumentarische Publikation von Politikerreden“ sei „im Rahmen der Urheberrechtsschranken immer honorarfrei und unter Angabe von Quellen“ erfolgt. Falls dies in Einzelfällen nicht erfolgt sei, so bedauere man dies.<ref>Aus gegebenem Anlass: The European. In: The European. 18. Oktober 2025, 18. November 2025, abgerufen am 24. November 2025.</ref><ref name=":8" />
Vermittlung von Kontakten zu Politikern gegen Entgelt
Im November 2025 wurde bekannt, dass die Weimer Media Group bei dem von ihr ausgerichteten Ludwig-Erhard-Gipfel Unternehmern gegen Bezahlung von bis zu 80.000 Euro den Kontakt zu Bundesministern anbietet. Es wurde mit „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ geworben. Das teuerste Paket beinhaltete eine „Besprechungs-Lounge für vertrauliche Gespräche“.<ref>Sophie-Marie Schulz: Wolfram Weimars Medienunternehmen verkauft Abendessen mit Ministern für 80.000 Euro. In: berliner-zeitung.de. 17. November 2025, abgerufen am 17. November 2025.</ref> Die Weimer Media Group gab an, man könne sich bei dieser Veranstaltung keinen Zugang zu Regierungsmitgliedern erkaufen.<ref>Michael Hanfeld: „Das ist schlicht eine Lüge“. In: faz.net. 18. November 2025, abgerufen am 18. November 2025.</ref> Für eine der Konferenzen wurde die Frankfurter Allgemeine Zeitung als Medienpartner angegeben. Deren Herausgeber Jürgen Kaube teilte mit, diese Kooperation sei „erfunden“.<ref>Jürgen Kaube: Windbeutel Weimer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. November 2025, abgerufen am 24. November 2025.</ref>
Das zu Weimers Mediengruppe gehörende Magazin The European bezeichnete die Vorwürfe als „rechte Kampagne“. Sie waren zunächst von sogenannten Alternativmedien wie Apollo News, Tichys Einblick und Nius erhoben worden.<ref name=":8" /> Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete die Weimer Media Group als „potemkinsche Mediengruppe“. Man könne den Eindruck bekommen, sie sei „weniger ein Medienunternehmen als eine Agentur, die mit Einfluss und Kontakten handelt“.<ref>Jörg Häntzschel: Die potemkinsche Mediengruppe. In: Süddeutsche Zeitung. 28. November 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025.</ref>
Weimer erklärte, dass er mit seinem Amtsantritt sein Geschäftsführermandat niedergelegt und keine Funktion mehr habe. Die Stimmrechte würden vertraglich von Weimers Ehefrau Christiane Goetz-Weimer ausgeübt. Sie ist Mitgesellschafterin.<ref>Opposition fordert von Weimer Aufklärung zu Beteiligung an Unternehmen. In: zeit.de. 18. November 2025, abgerufen am 18. November 2025.</ref>
Später kündigte er an, seine Anteile an der Weimer Media Group für die Dauer seiner Amtszeit an einen Treuhänder zu übergeben.<ref>Kulturstaatsminister Weimer trennt sich von Firmenanteilen. In: tagesschau.de. 20. November 2025, abgerufen am 23. November 2025.
Persönliche Erklärung: Staatsminister Weimer überträgt Verlagsanteile an Treuhänder. In: bundesregierung.de. 20. November 2025, abgerufen am 22. November 2025.</ref>
Der Freistaat Bayern, der den Ludwig-Erhard-Gipfel über die Jahre mit 700.000 Euro unterstützt hatte, kündigte eine Rechtskonformitäts-Prüfung an.<ref>Bayern überprüft Unterstützung von Ludwig-Erhard-Gipfel. In: Handelsblatt. 17. November 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025.
Thomas Balbierer, Andreas Glas: Bayern zahlte 700 000 Euro für Weimer-Gipfel am Tegernsee. In: Süddeutsche Zeitung. 19. November 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025.</ref> Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) setzte seine Schirmherrschaft für das Jahr 2026 aus und entschied sich, nicht an der Konferenz teilzunehmen.<ref>Nach Vorwürfen gegen Weimer – Söder setzt Schirmherrschaft bei Wirtschaftsgipfel aus. In: Die Welt. 12. Januar 2026, abgerufen am 12. Januar 2026.</ref>
Veröffentlichungen
- Kopfpilz. Gedichte, Selbstverlag 1986.
- Die Kontroverse um die Bank of North America 1783–1787. Peter Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York/Paris 1991, ISBN 3-631-44316-1 (Dissertation).
- Geschichte des Geldes. Eine Chronik mit Texten und Bildern. Suhrkamp, Berlin 1994, ISBN 3-518-38807-X.
- mit Alois Weimer (Hrsg.): Mit Platon zum Profit. Eine Philosophie-Lesebuch für Manager. FAZ, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-929368-29-3.
- mit Hans Roeper: Die D-Mark. Eine deutsche Wirtschaftsgeschichte. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-7973-0613-X.
- Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Von der Währungsreform bis zum Euro. Hofmann & Campe, Hamburg 1999, ISBN 3-455-11229-3.
- Die Sozialisierungsfalle. FAZ, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-929368-97-8.
- Das Netzwerk der Vordenker. Ch. Goetz, Potsdam 2004, ISBN 3-9809349-0-X.
- Credo. Warum die Rückkehr der Religion gut ist. DVA, München 2006, ISBN 3-421-04244-6. <templatestyles src="FN/styles.css" /> Anmerkung
- (als Hrsg.): Himmlische Karikaturen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-06985-2.
- (als Hrsg.): Andalusien. Ein Reiselesebuch. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8319-0304-7.
- Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit. Warum die Krise uns konservativ macht. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, ISBN 978-3-579-06890-9.
- Heimspiel – Eine alternativlose Realsatire. Quadriga, Köln 2012, ISBN 978-3-86995-031-0.
- Land unter. Ein Pamphlet zur Lage der Nation. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2012, ISBN 978-3-579-06655-4.
- Der Supernanny-Staat. Wie wir in die Bevormundungs-Politik driften. Knaur eBook, 2015.
- Das konservative Manifest. Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit. Plassen Verlag, Kulmbach 2018, ISBN 978-3-86470-567-0. Auszüge bei Google Books.
- Der vergessene Erfinder: Wie Philipp Reis das Telefon erfand. Ch. Goetz, München 2020, ISBN 978-3-947140-04-6.
- Sehnsucht nach Gott. Warum die Rückkehr der Religion gut für unsere Gesellschaft ist. Bonifatius Verlag, Paderborn 2021, ISBN 978-3-89710-888-2.
- (als Hrsg.): TeGERNseehen: Deutschlands schönste Geborgenheit. Ch. Goetz Verlag, Tegernsee 2023, ISBN 978-3-947140-13-8.
Anmerkungen
<templatestyles src="FN/styles.css" />
Auszeichnungen
- 1992: Friedwart Bruckhaus-Förderpreis für: Totalitarismus in Deutschland: Folgen und Bewältigung gestern und heute<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Friedwart Bruckhaus-Förderpreis 1992 ( vom 13. März 2017 im Internet Archive)</ref>
- 1993: Publizistikpreis des Forums Gutes Hören
- 2001: Hans Bausch Mediapreis
- 2004: Newcomer des Jahres, vergeben vom Medium Magazin<ref>Gerhard Pfeffer, Siegburg: PR-Journal – „MediumMagazin“: Die Journalisten des Jahres 2004. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Mai 2021; abgerufen am 14. Mai 2025.</ref>
- 2007: Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Leipziger Medienpreisträger 2007: Dr. Wolfram Weimer ( vom 2. Dezember 2009 im Internet Archive) (abgerufen am 11. Februar 2010)</ref>
- 2017: Mittelstand Media Award 2017 des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mittelstand Media Award 2017 für Verleger Dr. Wolfram Weimer ( vom 18. Januar 2018 im Internet Archive), 21. Dezember 2017 beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft, archiviert in der Wayback Machine am 18. Januar 2018.</ref>
Literatur
- Arno Frank, Hannah Pilarczyk, Ulrike Knöfel, Stefan Kuzmany, Anton Rainer: Wolfram Weimer im Porträt: Der Meinungsritter. In: Der Spiegel. 4. Mai 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 15. Mai 2025] in der gedruckten Ausgabe vom 3. Mai 2025 auf S. 104–107).
- Martin Machowecz: Wolfram Weimer: Der Unehrengast. In: Die Zeit. 14. Mai 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 15. Mai 2025] in der gedruckten Ausgabe Nr. 15/2025 vom 15. Mai 2025 auf S. 47).
Weblinks
- wolframweimer.de
- Literatur von und über Wolfram Weimer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Wolfram Weimer im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Audios
- Deutschlandfunk Interview der Woche vom 15. Februar 2026: Weimer: Rückgabe von Raubgut ist eine „Frage der Moral“, von Vladimir Balzer
- Deutschlandfunk Kulturfragen. Debatten und Dokumente vom 5. April 2026: Kulturkämpfer oder Kämpfer für die Kultur? Die Politik von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Die Kulturredakteure Lars Hendrik Beger und Stefan Koldehoff im Gespräch mit Maja Ellmenreich
Einzelnachweise
<references responsive />
Michael Naumann (SPD, 1999–2000) | Julian Nida-Rümelin (SPD, 2001–2002) | Christina Weiss (parteilos, 2002–2005) | Bernd Neumann (CDU, 2005–2013) | Monika Grütters (CDU, 2013–2021) | Claudia Roth (B90/Grüne, 2021–2025) | Wolfram Weimer (parteilos, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weimer, Wolfram |
| ALTERNATIVNAMEN | Weimer, Wolfram Robert Wilhelm (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist, Chefredakteur, Verleger und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 11. November 1964 |
| GEBURTSORT | Gelnhausen |
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