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Tunis

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Tunis
تونس
Datei:Super moon over Medina of Tunis.jpg
Skyline von Tunis
Skyline von Tunis
Verwaltung
Staat TunesienDatei:Flag of Tunisia.svg Tunesien
Gouvernement Tunis
Bürgermeister Souad Abderrahim (Ennahda)
Postleitzahl 1000 - 2092
Website www.commune-tunis.gov.tn
Demographie
Bevölkerung 1.056.247 Einw. (2014<ref>Volkszählung 2004. Institut National de la Statistique - Tunisie (französisch)</ref>)
Bevölkerungsdichte 4968 Einw./km²
Geographie
Höhe m
Fläche 212,63 km²
Tunis (Tunesien)
Tunis (Tunesien)
Koordinaten 36° 48′ N, 10° 11′ OKoordinaten: 36° 48′ N, 10° 11′ O
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Tunis (arabisch تونس, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ist die Hauptstadt Tunesiens und Provinzhauptstadt des gleichnamigen Gouvernements. Sie ist die größte Stadt Tunesiens und hatte im Jahr 2014 laut Zensus 1.056.247 Einwohner. In der Agglomeration wohnen etwa zwei Millionen Einwohner (Juni 2014). Ihr historischer Kern, die Médina, steht auf der UNESCO-Welterbe-Liste.

Nachdem die Stadt ein bescheidenes Dorf im Schatten von Karthago, Kairouan und danach Mahdia gewesen war, wurde sie am 20. September 1159 (5. Ramadan 554 des muslimischen Kalenders) unter der Regierung der Almohaden als Hauptstadt genannt. Ihr Status wurde danach im Jahr 1228 von den Hafsiden bestätigt und auch nach der Unabhängigkeit des Landes von Frankreich am 20. März 1956.

Tunis ist die ökonomische und kommerzielle Hauptstadt Tunesiens. Ihr dichtes Straßen- und Autobahnnetz und ihre internationale Fluganbindung machen sie zu einem Konvergenzpunkt des Nationalverkehrs. Diese Situation ist ein Ergebnis einer langen zentralistischen Politik, die dazu beigetragen hat, dass sich alle wichtigen Institutionen in Tunis befinden.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich die Agglomeration außerhalb der Grenzen der Gemeinde erweitert. Heute erstreckt sich Tunis über vier Gouvernorats, Tunis, l'Ariana, Ben Arous und La Manouba, und wird Le Grand Tunis (das große Tunis) genannt.

Im Jahr 2017 stand Tunis auf dem 113. Platz der Weltrangliste der lebenswertesten Städte und auf dem 1. Platz in Nordafrika.<ref>Tunisia: Tunis 1st Maghreb city in quality of living, 5th Arab. In: African Manager. 29. Februar 2016, abgerufen am 19. Januar 2018.</ref>

Etymologie

Nach Paul Sebag ist Tunis die Transkription eines Namens, der tûnus, tûnas oder tûnis (û hat den Wert eines u im Deutschen) in den gängigsten tunesischen Dialekten ausgesprochen wird. Die drei Begriffe wurden schon von dem syrischen Geographen Yāqūt ar-Rūmī in seinem Werk {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / معجم البلدان / ‚Wörterbuch der Länder‘ erwähnt. Der dritte herrscht vor, auch bei der Einwohnerbezeichnung tûnisi oder tûnusi (Tuniser).<ref name=":0"></ref>

Unter Berücksichtigung aller vokalischen Variationen hat der Name von Tunis wahrscheinlich die Bedeutung von Biwak oder Nachtlager.<ref name=":0" /> Aus dem Namen von Tunis wurde auch der französische Begriff Tunisie abgeleitet. Dieser Name wurde von französischen Historikern und Geographen geschaffen und hat sich in fast allen europäischen Sprachen etabliert. Der Begriff Tunes (auf Tunesisch wie auch auf Arabisch) bezeichnet allerdings sowohl die Stadt als auch das Land. Ob über Tunis oder Tunesien gesprochen wird, ergibt sich aus dem Kontext.

Eine jüngere Erklärung besagt, dass der Name aus dem berberischen Begriff Tinast abgeleitet sei. Er bedeute Schlüssel der Fruchtbarkeit und nehme Bezug auf die Fruchtbarkeit des Bodens in diesem Gebiet.<ref></ref> Eine weitere Theorie bringt den Namen mit der punischen Göttin Tanit in Verbindung und führt ins Feld, dass mehrere antike Städte nach Gottheiten benannt wurden.<ref></ref> Eine vierte Theorie bringt den Namen mit der Stadt Tynes in Verbindung, die von Diodor und Polybios erwähnt wird.<ref></ref>

Datei:Fort espagnol 2.JPG
Gesamtansicht von Tunis

Geographie

Datei:Tunis satellite.jpg
Satellitenbild von Tunis und Umgebung

Lage

Tunis liegt im Norden des Landes unweit des Mittelmeers. Zwischen der Stadt und dem Golf von Tunis liegt der See von Tunis, eine flache Lagune. Uhrzeit: GMT+1h.

Stadtteile und Vororte

Die Innenstadt von Tunis mit der historischen Altstadt (Medina) und der während der Kolonialzeit angelegten Neustadt liegt zwischen dem See von Tunis und dem See Sebkhet Sedjoumi (arabisch سبخة سيجومي).

Um die Innenstadt herum liegen die inneren Vororte: im Westen das Villen- und Regierungsviertel Le Bardo mit dem gleichnamigen Museum, im Norden das Viertel um die Belvédère-Hügel und die neueren Siedlungen El Menzah und Ariana, im Süden die Industrieviertel Megrine und Ben Arous.

Während der Kolonialzeit bauten die Franzosen einen 10 km langen Schnellstraßen- und Stadtbahndamm quer durch den See von Tunis, der als Fortsetzung der Avenue Habib Bourguiba die Innenstadt von Tunis mit der Hafenstadt La Goulette (Halk al-Wadi) verbindet. Nördlich von La Goulette reihen sich die wohlhabenden Vororte Qartāj (Carthage, Karthago) mit dem internationalen Flughafen Tunis, Sidi Bou Saïd, La Marsa und Gammarth an die Küste, südöstlich liegt der Badeort Hammam-Lif.

Klima

Tunis liegt in der subtropischen Klimazone und innerhalb des Bereichs winterfeucht-sommertrockenen Mittelmeerklimas im Norden Tunesiens. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 17,7 °C, die jährliche Niederschlagssumme beträgt 465 mm. Der überwiegende Teil dieser Niederschläge fällt im Winterhalbjahr, im Sommer herrscht ein arides Klima. Die heißesten und trockensten Monate sind Juli und August mit Monatsdurchschnittstemperaturen um 26 °C. Im Januar und Februar liegt das Monatsmittel knapp über 10 °C. Die Temperatur von 49 ° Celsius<ref>Sonia Le Gouriellec: Afriques : idées reçues sur un continent composite (= Collection idées reçues). Éditions Le Cavalier Bleu, Paris 2025, ISBN 979-1-03180736-2, S. 128.</ref> wurde erstmals im Sommer 2023 erreicht.

Tunis-Karthago
Klimadiagramm
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Quelle: WMO 1976–2005 und National Institute of Meteorology Tunisia; Wassertemperatur und Luftfeuchtigkeit: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tunis-Karthago
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Tagesmax. (°C) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 23,6
Mittl. Tagesmin. (°C) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 13,3
Niederschlag (mm) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Σ Vorlage:Klimatabelle/Format
Sonnenstunden (h/d) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format
Regentage (d) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Σ Vorlage:Klimatabelle/Format
Wassertemperatur (°C) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 18,6
Luftfeuchtigkeit (%) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 70,2
Quelle: WMO 1976–2005 und National Institute of Meteorology Tunisia; Wassertemperatur und Luftfeuchtigkeit: wetterkontor.de

Wirtschaft

Hauptprodukte der Industrie in und um Tunis sind Textilien, Teppiche und Olivenöl. Der Tourismus ist eine weitere wichtige Quelle für das Einkommen der Stadt. Zudem hat in Tunis auch die erste tunesische Automobilmarke Wallyscar ihren Sitz. Auch die nationale Wertpapierbörse – die Bourse de Tunis befindet sich in der Hauptstadt.

Wirtschaftssektoren

Die Wirtschaftsstruktur von Tunis und des Landes ist überwiegend tertiär. Die Stadt ist das größte Finanzzentrum des Landes, in dem 65 % der Finanzunternehmen ihren Hauptsitz haben – während der Industriesektor allmählich an Bedeutung verliert. Die Sekundärindustrie ist jedoch nach wie vor stark vertreten und Tunis hat 85 % der Industriebetriebe in den vier Gouvernoraten mit einem Trend zur Ausbreitung spezialisierter Industriegebiete in den Vororten.

Die Primärindustrie wie die Landwirtschaft ist jedoch in spezialisierten landwirtschaftlichen Gebieten in den Vororten tätig, insbesondere in der Wein- und Olivenölindustrie. Das allgemein flache Gelände und die beiden Hauptflüsse in Tunesien, der Medjerda im Norden und der Oued Miliane im Süden. Die Böden sind fruchtbar.<ref name=":10" /> Tunis hat mehrere große Ebenen, die produktivsten befinden sich in Ariana und La Soukra (Norden), in der Ebene von Manouba (Westen) und in der Ebene von Mornag (Süden). Darüber hinaus ist das Grundwasser durch Bohren von Tiefbrunnen leicht zugänglich und liefert Wasser für die verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen. Die Böden sind schwer und enthalten im Norden Kalkstein, im Süden sind sie leichter und sandiger und enthalten Ton.<ref name=":10">Paul Sebag: Tunis. Histoire d’une ville. Éditions L’Harmattan, Paris 1998, ISBN 2-7384-6610-9, S. 13, 40 ff.</ref> In der Gemeinde Tunis gibt es eine große Vielfalt: Durum wird in Manouba angebaut, Oliven und Olivenöl in Ariana und Mornag, Wein (Mornag) sowie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte werden in allen Regionen angebaut.<ref name=":10" />

Verkehr

Datei:RameCitadisMetroLegerTunisJuin2012.jpg
Stadtbahn von Tunis

Tunis ist der wichtigste Knotenbahnhof der tunesischen Staatsbahn Société nationale des chemins de fer tunisiens und wird sowohl im Fern-, Nah-, als auch im Vorortverkehr bedient. Die Société des transports de Tunis betreibt die Stadtbahn Tunis, das 5.836 Kilometer lange städtische Busnetz sowie die Vorortbahn Tunis-Goulette-Marsa (TGM). Tunis hat unweit des Zentrums mit dem Aéroport International de Tunis-Carthage auch einen internationalen Flughafen sowie umfangreiche Hafenanlagen mit Fährverbindungen nach Frankreich (Marseille, Toulon) und Italien (u. a. nach Genua, Palermo, Salerno).

Zwischen November 1984 und Juli 1987 wurde unter dem Viertel Bab Souika und dem gleichnamigen Platz ein Tunnel erstellt, der die Verkehrshauptachse des Viertels unterirdisch verlegt.<ref name="linstant-m">Coup de cœur: L'historique de Bab Souika. Auf: L'instant M.</ref>

Geschichte

Antike

Tunis ist eine der ältesten Städte am Mittelmeer. Die numidische Stadt Tunes existierte bereits vor dem Eintreffen der ersten phönizischen Kolonisten im 9. Jahrhundert v. Chr. Jedoch stand Tunis in der Antike stets im Schatten des mächtigen Karthagos.

Mittelalter

Datei:Statue Ibn Khaldoun.jpg
Statue des Politikers Ibn Chaldūn (1332–1406)

Erst nach der arabischen Eroberung und der Zerstörung Karthagos Ende des 7. Jahrhunderts gelangte Tunis zu überregionaler Bedeutung. Unter der Herrschaft der Aghlabiden diente Tunis im 9. Jahrhundert kurzfristig als Residenz. Zu dieser Zeit entstand die Medina mit der Ez-Zitouna-Moschee.

Tunis wurde im Jahr 1159 unter der Dynastie der Almohaden die Hauptstadt Ifrīqiyas und war ein führendes Handelszentrum mit Europa. Im Jahr 1270 scheiterte ein Eroberungsversuch des französischen Königs Ludwig IX. während des Siebten Kreuzzugs.

Neuzeit

Erstmals gelangte Tunis im Jahr 1534 unter osmanische Herrschaft. Ein Jahr später wurde es von Karl V. im Tunisfeldzug erobert und unterstand danach spanischem Protektorat, bis Tunis im Jahr 1574<ref name=":1">John Iliffe: Popoli dell’Africa – Storia di un continente. 5. Auflage. Nr. 140. Bruno Mondadori Editore, Milano 2007, ISBN 978-88-6159-409-8, S. 216 f., 303 (Originalausgabe: Africans. The History of a Continent. Cambridge University Press, 1995, 2007).</ref> endgültig in die Hand der Osmanen fiel. Nach 1591 waren die osmanischen Gouverneure (Beys) relativ unabhängig und die Stadt wuchs als ein Zentrum von Piraten und Handel. Ab 1609 siedelten sich zahlreiche Flüchtlinge aus al-Andalus, überwiegend Muslime aber auch viele Juden, an und trugen zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung von Tunis bei.

Datei:Tunis Théatre Municipal.jpg
Das Théâtre Municipal um 1900
Datei:Medina Tunis.jpg
Die Altstadt von Tunis in einer Karte von 1937
Datei:Tunis magasin general.jpg
Arkade an der Avenue de France, die noch heute diesen Namen trägt

Im April 1655 war der englische Admiral Robert Blake beauftragt worden, von den Staaten des Mittelmeers, die englische Schiffe angegriffen hatten, eine Entschädigung einzufordern. Nur der Bey von Tunis widersetzte sich, mit dem Resultat, dass Blakes Schiffe das Arsenal des Beys bei Porto Farina (Ghar el Melh) angriffen, wobei sie neun algerische Schiffe und zwei Küstenbatterien zerstörten. Es war das erste Mal in der Seekriegsführung, dass Küstenbatterien außer Gefecht gesetzt wurden, ohne Landungstruppen einzusetzen. Ab 1705<ref name=":1" /> löste sich die Kontrolle durch die Osmanen zunehmend zugunsten lokaler Machthaber. Das Land geriet in den Sog der wachsenden Staatsverschuldung, wozu persönliche Bereicherung und Unterschlagungen hoher Politiker wie Mustafa Khaznadar oder der Unternehmer Mahmoud Ben Ayed und Nessim Samama beitrugen. Das tunesische Volk trug indes eine sehr hohe Steuerlast.<ref>Khemais Boulakbech: Khaznadar, Ben Ayed, Samama: Du pillage à la colonisation. In: Nawaat – Magazine trimestriel alternatif. Nr. 12. Tunis Juli 2024, S. 28–31.</ref>

Datei:Bundesarchiv Bild 183-J20384, Tunis, Arbeitseinsatz von Juden.jpg
Juden unter deutscher Besatzung auf dem Weg zur Zwangsarbeit, Dezember 1942
Datei:Statue Habib Bourguiba Avenue 02.jpg
Das Habib-Bourguiba-Denkmal kehrt aus La Goulette auf die Avenue Habib-Bourguiba zurück, 2016

In einen Versuch der Modernisierung des Staatswesens gründete der neue Premierminister Khayr ed-Din 1875 für Tunesier des Bürgertums das Collège Sadiki,<ref name=":1" /><ref name=":2">Walter Schicho: Handbuch Afrika – Nord- und Ostafrika. Band 3/3. Brandes & Apsel Verlag / Südwind, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-86099-122-1, S. 108–112.</ref> das später Mitglieder der Nationalbewegung wie Habib Bourguiba<ref name=":2" /> hervorbrachte, doch bald sah sich Sadok Bey gezwungen, europäischen Interessen Vorrang zu geben. Frankreich machte Tunis nach der Annektierung Tunesiens 1881 zum Sitz der Protektoratsverwaltung und nahm zahlreiche Veränderungen vor. Zwischen der Altstadt und dem Meer entstand eine Neustadt im europäischen Stil und der Stadthafen wurde über einen Schifffahrtskanal durch den See von Tunis mit dem neu angelegten Hafen von La Goulette verbunden. Es entstanden Freimaurerlogen,<ref name=":4">Benjamin Stora: La condition des Juifs au Maghreb colonial. In: Sylvie Anne Goldberg (Hrsg.): Histoire juive de la France. Éditions Albin Michel/Centre national du livre/Fondation du Judaïsme Français, Paris 2023, ISBN 978-2-226-44803-3, S. 528–535, hier S. 533.</ref> auch für viele Juden und Muslime.

Neben französischen Kolonisten lebten auch viele Italiener in der Stadt, meist aus dem nahen Sizilien.<ref>John Julius Norwich: Histoire de la Sicile – De l’Antiquité à Cosa Nostra. In: Collection texto. Éditions Tallandier, Paris 2018, ISBN 979-1-02104476-0, S. 502 (Originalausgabe: Sicily. A short history from the Greeks to Cosa Nostra. John Murray, London 2015; übersetzt von Denis-Armand Canal).</ref> Es entstand südlich der Avenue Jules-Ferry (der heutigen Avenue Habib Bourguiba) ein Stadtteil mit dem Übernamen Petite Sicile.<ref name=":3">Gabriele Montalbano: Les Italiens de Tunisie : La construction d’une communauté entre migrations, colonisations et colonialismes (1896–1918) (= Collection de l’École française de Rome). École française de Rome, Roma 2023, ISBN 978-2-7283-1585-7, S. 123.</ref> Nördlich dieses Boulevards zum Meer gab es ein etwas kleineres Petite Calabre von Einwanderern aus Kalabrien. Die italienische Infrastruktur<ref name=":3" /> ermöglichte ein Leben fast wie in Italien: Dies begann bei der Erziehung mit dem Jardin d’enfance Garibaldi, der Ecole primaire Principe di Piemonte oder dem Lycée Royale gymnasiale Vittorio Emanuele II und reichte mit dem Teatro Rossini, der Crédit Agricole Italia, der Zeitung L’Unione oder der patriotischen Vereinigung Mutuo Soccorso tra gli operai in Tunisi in alle Bereiche des täglichen Lebens.

1889 führte die Befürchtung, das algerische Décret Crémieux würde auf Tunesien ausgeweitet, zu antisemitischen Ausschreitungen der Europäer.<ref name=":11">Georges Bensoussan: Juifs en pays arabes – Le grand déracinement, 1850–1975. Hrsg.: Denis Maraval (= Collection Texto). 2. Auflage. Éditions Tallandier, Paris 2021, ISBN 979-1-02105090-7, S. 534, 700 und Fußnote 202, S. 1022.</ref> 1899 begann in Tunesien der Abbau von Phosphat und in Tunis wurde die Infrastruktur für den Export errichtet.<ref name=":2" /> Die Revolution der Jungtürken<ref name=":4" /> in Istanbul 1908 wurde von Muslimen und Juden ebenso rege diskutiert, wie die Forderungen von Jean Jaurès<ref name=":4" /> nach einem verantwortungsvollen Kolonialismus.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Protektorat von Muslimen und Juden zwar kritisiert, aber noch kaum grundsätzlich in Frage gestellt.<ref name=":4" /> Doch löste das Ansinnen der Verwaltung, den Friedhof Djellaz<ref name=":2" /> in ihre Register einzubeziehen, 1911 Unruhen seitens der muslimisch-tunesischen Bevölkerung aus. Dabei starben acht Italiener und Franzosen. Über die Zahl der bei der Niederschlagung des Aufstands getöteten Tunesier fehlen offizielle Angaben. In der Folge wurden sieben Demonstranten zum Tode verurteilt. Ein Straßenbahnunfall mit dem Tod eines Kindes führte 1912 zum Streik der tunesischen Straßenbahner,<ref name=":2" /> sie forderten gleichen Lohn wie für Ausländer. Der 1911 sofort ausgerufene Ausnahmezustand wurde erst 1921<ref name=":2" /> wieder aufgehoben.

1924 wurde die Confédération générale des travailleurs tunisiens (CGTT) gegründet.<ref name=":2" /> In der Mitte der 1920er Jahre erlebte Tunis eine Streikwelle. Eine Krise der Landwirtschaft mit einer Ungleichbehandlung subventionierter Kolonistenbetriebe für Weizen und nicht-subventionierter einheimischer Olivenbauern verstärkte die sozialen Gegensätze.<ref name=":2" /> Die Regierung des Front populaire in Paris zeigte sich Verhandlungsbereit, doch die Siedler (colons) beharrten auf Kompromisslosigkeit. Im April 1938 kam es in Tunis zu Massendemonstrationen, nachdem in den Bergbaugebieten 23<ref name=":2" /> Arbeiter von Polizei und Armee erschossen worden und 20 Unabhängigkeitspolitiker verhaftet worden waren. Vor dem Justizpalast in Tunis erschoss die Polizei 22<ref name=":2" /> Demonstranten.

Im Zweiten Weltkrieg war Tunis von den Achsenmächten von November 1942 bis Mai 1943 besetzt. Walther Rauff<ref name=":11" /> befahl einen „Judenrat“ und Zwangsarbeit von 2000 Juden. Félix Samama, den Vorsitzenden der Gemeinschaft, verschleppten sie nach Deutschland. Da sich am 9. Dezember 1942 nur 128 meldeten, überfiel Rauff die Synagoge und deportierte die Männer in ein Lager 65 km vor Tunis. Die Besatzer betrieben in ganz Tunesien 30 Arbeitslager, am 12. April 1943 ergingen Deportationsbefehle an die rund 42.000<ref name=":11" /> Juden in der Stadt. Jean-Pierre Esteva, der französische Generalresident in Tunis, der ihnen die Erlaubnis<ref>Jérémie Halais: Chroniques de la Libération : du Débarquement à Nuremberg. Éditions Larousse, Paris 2025, ISBN 978-2-03-607628-0, S. 224 f.</ref> erteilt hatte, in Tunesien an Land zu gehen wurde am 18. März 1945 als Kollaborateur wegen Verrats verurteilt.<ref>Jean-Christophe Buisson: 1945. Éditions Perrin, Paris 2024, ISBN 978-2-262-10332-3, S. 86 f.</ref>

Nach der Unabhängigkeit Tunesiens im Mai 1956 wanderten die meisten Europäer aus, die zuvor noch fast ein Viertel der Einwohnerschaft ausgemacht hatten. Zugleich führte die Landflucht zu einem großen Bevölkerungszuwachs und dem Bau von zahlreichen Neubaugebieten. Eine führende Rolle in der neu eingeführten Republik hatten die Gewerkschaft Union Générale Tunisienne du Travail (UGTT) und die Partei Neo-Destur.<ref name=":7">Émilie Aubry, Frank Tétart: Die Welt der Gegenwart – Ein geopolitischer Atlas. Übersetzt von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube. Verlag C. H. Beck/Arte Éditions, München/Paris 2024, ISBN 978-3-406-81404-4, S. 175 f.</ref> Anfang 1964 kam es zur entschädigungslosen Enteignung<ref name=":2" /> des Landbesitzes von Staatsbürgern Frankreichs, Italiens, Maltas und der Schweiz. Im Oktober 1963 hatte nach der Bizerte-Krise schließlich der letzte französische Soldat das Land verlassen, die bürgerliche Gesellschaftsschicht blieb jedoch kulturell stets eng mit Frankreich verbunden.<ref name=":2" /> Tunis unterlag, wie das ganze Land, der dreißigjährigen politischen Alleinherrschaft des Unabhängigkeitspolitikers Habib Bourguiba.

Datei:Tunis Synagogue.jpg
Die heute von Sicherheitskräften schwer bewachte Synagoge
Datei:Protest for palestine Tunis Kassba 17-05-2021 By Brahim Guedich-3847.jpg
2021: Demonstration zugunsten der Palästinenser im Regierungsviertel
Datei:1st of May protest, Avenue Bourguiba, Tunis, Tunisia.jpg
Die Avenue Habib-Bourguiba kann sich rasch mit Demonstranten füllen, hier eine Menschenmenge am Ersten Mai 2012

1967 eröffnete der Buchladen Al Kitab,<ref>Al Kitab est au service du livre et de la culture depuis plus de 50 ans en Tunisie, et maintenant dans le monde sur le web. Al Kitab, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> der heute auch in La Marsa vertreten ist. Er ist eine auch für die Mächtigen unumgängliche Adresse.<ref>Najla Ben Salah: Discours de Kais Saied: L’arme politique du dénigrement. In: Nawaat – Magazine trimestriel alternatif. Nr. 12. Tunis Juli 2024, S. 38–41.</ref><ref>Kais Saied hat am 2. Mai 2023 mit beabsichtigter Öffentlichkeitswirkung und unter hohem Sicherheitsaufgebot die Buchhandlung Al Kitab besucht, um sich gegen den Vorwurf der Zensur zu verteidigen, nachdem einige Werke von Kamel Riahi von der tunesischen Buchmesse abgezogen worden waren.</ref> Die Bildungsschicht kauft dort, was in Paris neu erscheint. 1976 sollte sie die Tunesische Liga für Menschenrechte gründen. Frauenrechte hatten im politischen Programm Bourguibas hohe Priorität, doch verstärkte sich die Repression gegen Linke und Islamisten.<ref name=":7" /> Das Thema des israelisch-palästinensischen Konflikts, immer präsent, unterliegt strenger Kontrolle – zu rasch könnten auch andere Forderungen laut werden – betraf zuletzt das Institut français.<ref>Meryem Belkaïd: Bras de fer mondial autour de la colonialité d’Israël – L’histoire du sionisme, enjeu de la bataille politique. In: Revue du Crieur. Nr. 25. Éditions La Découverte/Mediapart, Paris 2024, ISBN 978-2-348-08543-7, S. 30–41, hier S. 37 ff.</ref><ref>Seif Soudani: Palestine. Le mur de l’Institut français de Tunis au centre d’une controverse. In: Le Courrier de l’Atlas. 25. Oktober 2023, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref> 1965 schlug Tunesien als erster arabischer Staat Verhandlungen mit Israel vor.<ref name=":6">Jean-Pierre Filiu: Comment la Palestine fut perdue – Et pourquoi Israël n’a pas gagné : Histoire d’un conflict (XIXe–XXIe siècle). Éditions du Seuil, Paris 2024, ISBN 978-2-02-153833-5, S. 125, 226 f., 244.</ref> Das Jahr 1969 indes brachte antiisraelische Demonstrationen, die in Ausschreitungen und die Zerstörung der Großen Synagoge mündeten, was Bourguiba entschieden verurteilte.<ref>Michel Abitbol: Histoire d’Israël (= Marguerite de Marcillac [Hrsg.]: Collection Tempus. Nr. 936). 2. Auflage. Éditions Perrin, Paris 2024, ISBN 978-2-262-10643-0, S. 505.</ref> 1979 bis 1990 hatte die Arabische Liga ihr Hauptquartier in Tunis, ebenso wie von 1982 bis 1993 die palästinensische PLO. 1985 wurde ihr Sitz im südlichen Strandbad Hammam Plage (Hammam Schatt) in der sogenannten Operation Wooden Leg von der israelischen Luftwaffe bombardiert, 73<ref name=":6" /> Menschen, davon 12<ref name=":6" /> Tunesier, wurden getötet. Gegen Chalil al-Wazir schlug Israel 1988 zu.<ref name=":6" /> 2003 bis 2014 war der Sitz der Afrikanischen Entwicklungsbank<ref name=":5">Thierry Brésillon: Unerwünscht in Tunesien. Übersetzt von Jakob Farah. In: Le Monde diplomatique. Nr. 05/29. TAZ/WOZ, 11. Mai 2023, ISSN 1434-2561, S. 15 (monde-diplomatique.de).</ref> in Tunis.

Der alternde Bourguiba wurde 1987 von Zine el-Abidine Ben Ali zur Seite geschoben.<ref name=":8">Jakob Krais: Geschichte des Nahen Ostens. Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart (= C H. Beck Wissen. Nr. 2964). C. H. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-82951-2, S. 111 ff.</ref> Er bereicherte sich mit seiner Frau Leïla Trabelsi und ließ Korruption zu. Ben Ali liberalisierte die Wirtschaft und verstärkte den Polizeistaat.<ref name=":7" /> Opposition leisteten junge Blogerinnen wie Lina Ben Mhenni (1983–2020) oder Amira Yahyaoui und politisierte Fußballfans.<ref name=":8" /> Mit der Jasminrevolution in Tunesien 2010/2011,<ref name=":7" /> stand Tunis im Mittelpunkt des Arabischen Frühlings. Als der Jugend die demokratische Initiative entglitt, setzten sich alte säkulare Eliten gegen die islamistische Ennahda durch.<ref name=":8" /> Probleme sind die Jugendarbeitslosigkeit und die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte einerseits, ein antimoderner und teilweise gewaltbereiter Islamismus andererseits,<ref name=":7" /> wie das Attentat auf das Nationalmuseum im Jahr 2015 zeigt.

Tunis musste einen empfindlichen Rückgang des Tourismus hinnehmen.<ref name=":7" /> Während der emanzipatorische Fortschritt der Bourguiba-Jahre stark nachwirkt, bleibt die tunesische Gesellschaft insgesamt aber konservativ. Queere Menschen leben ihre Neigung im Verborgenen, da der Staat Homosexualität unter Gefängnisstrafe stellt.<ref>Hannah Mara Schmitt: Heimlich aus der Reihe tanzen. In: Die Tageszeitung. 4. Oktober 2024, abgerufen am 4. Oktober 2024.</ref> Aktuell wird diskutiert, wie afrikanisch Tunesien ist. Dass es ein Publikum für Afrikas Popkultur gibt, zeigt der Auftritt von Nomcebo Zikode<ref>Jean-Christophe Servant: Frommer Pop aus Afrika. Übersetzt von Birgit Bayerlein. In: Jakob Farah, Dorothee D’Aprile (Hrsg.): Le Monde diplomatique. Nr. 07/29. TAZ/WOZ, 13. Juli 2023, ISSN 1434-2561, S. 19 (monde-diplomatique.de).</ref> im Juli 2022 in Tunis. Viele Immigranten aus Subsahara-Afrika leben unter schwierigsten Bedingungen, die humanitäre Arbeit des UNHCR wird erschwert.<ref name=":9" /> Hauptbrennpunkt der Gewalt gegen Immigranten ist Sfax im Süden. Legal eingereiste Menschen mit abgelaufenem Visum sind verschuldet,<ref name=":5" /> weil sie die Ausreisegebühren nicht bezahlen können. Es gab eine Reihe polizeilich gedeckter rassistisch motivierter Angriffe gegen Schwarze.<ref name=":5" /> Im aktuellen politischen Diskurs Tunesiens kursiert die diffuse Behauptung, der „arabische“ Charakter Tunesiens sei bedroht. Der ehemalige Rechtsprofessor Kais Saied, der der Verschwörungstheorie vom „Großen Austausch“ anhängt,<ref name=":9">Cathy Macherel: Familie kämpft um Freilassung: «Er hat 35 Kilo abgenommen»: 81-jähriger Schweizer NGO-Leiter sitzt in Tunesien im Gefängnis. In: Tages-Anzeiger. 26. Juli 2025, abgerufen am 26. Juli 2025.</ref> erhebt einen neuen Anspruch auf Alleinherrschaft über Tunis und Tunesien.<ref>Mirco Keilberth: Zivilgesellschaft am Boden. In: Die Tageszeitung. 4. Oktober 2024, abgerufen am 4. Oktober 2024.</ref><ref>Ziad Majed: Le Proche-Orient, miroir du monde : Comprendre le basculement en cours. Éditions La Découverte, Paris 2025, ISBN 978-2-348-08973-2, S. 202.</ref>

Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration laut UN

Jahr Einwohnerzahl<ref>World Urbanization Prospects - Population Division - United Nations. Abgerufen am 23. Juli 2018.</ref>
1950 472.000
1960 588.000
1970 761.000
1980 1.047.000
1990 1.472.000
2000 1.769.000
2010 2.014.000
2017 2.254.000

Stadtbild

Datei:Tunis Zitouna-Moschee Minarett.JPG
Die Ez-Zitouna-Moschee
Datei:Tunis Bab El Bhar.JPG
Bab el Bhar (Hafentor)
Datei:Tunis Place de la Victoire.JPG
Place de la Victoire in der Innenstadt von Tunis

Das Stadtbild von Tunis ist geprägt vom starken Kontrast zwischen der orientalischen Altstadt und der europäisch anmutenden Neustadt. Die Altstadt (Medina) wurde im 9. Jahrhundert von den Aghlabiden angelegt und im 13. Jahrhundert von den Hafsiden umgestaltet. Sie gehört seit 1979 zum UNESCO-Welterbe.<ref>UNESCO World Heritage Centre: Medina of Tunis. Abgerufen am 22. August 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die heute von etwa 20.000 Menschen bewohnte Medina hat eine Ausdehnung von 1500 m × 800 m und zeigt den üblichen Aufbau arabischer Altstädte mit einem unregelmäßigen Netz aus verwinkelten Gassen. Im Zentrum der Medina steht die Ez-Zitouna-Moschee, nach der Großen Moschee von Kairouan die wichtigste Moschee Tunesiens. Die Ez-Zitouna-Moschee geht im Kern auf das 9. Jahrhundert zurück, wurde jedoch mehrfach umgebaut und erweitert. Rings um die Moschee erstreckt sich das Marktviertel. Traditionell ist jeder der Souks (Marktgassen) einem bestimmten Wirtschaftszweig zugeordnet, z. B. den Parfümhändlern (Souk el Attarine), Schuhhändlern (Souk el Blaghija) oder Stoffhändlern (Souk des Étoffes). Der zentrale Bereich der Souks ist heute stark auf den Tourismus eingestellt, die Marktgassen in den Randbereichen der Medina werden jedoch vornehmlich von den einheimischen Bewohnern frequentiert.

Der Platz des Sieges (Place de la Victoire) mit dem ehemaligen Stadttor (Porte de France, arab. Bab el Bhar ‚Hafentor‘) liegt an der Grenze zwischen Altstadt (Medina) und Neustadt (Ville Nouvelle). Die Neustadt liegt zwischen der Medina und dem See von Tunis und wurde im 19. Jahrhundert von den Franzosen angelegt. Die Straßen bilden ein regelmäßiges Schachbrettmuster und auch die Architektur der Gebäude mutet europäisch an. Hauptachse der Neustadt ist die über 1,5 km lange Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba, die von Geschäften, Cafés und Hotels gesäumt wird.

Etwa vier Kilometer westlich der Innenstadt liegt der ehemalige Villenvorort Le Bardo. Hier befindet sich der von den Hafsiden im 15. Jahrhundert angelegte und von den türkischen Beys erweiterte Palastbezirk. Die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Residenz des Beys beherbergt heute das tunesische Parlament. In den Räumen des ehemaligen Harems ist das Nationalmuseum von Bardo untergebracht. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Paul Sebag: Tunis. Histoire d’une ville. Éditions L’Harmattan, Paris 1998, ISBN 2-7384-6610-9.
  • Horst-Günter Wagner: Die Altstadt von Tunis: Funktionswandel von Handwerk und Handel 1968–1995. In: Petermanns Geographische Mitteilungen (PGM). Bd. 140, 1996, Heft 5+6, S. 343/65.
  • Horst-Günter Wagner: Die Souks in der Medina von Tunis. Versuch einer Standortanalyse von Einzelhandel und Handwerk in einer nordafrikanischen Stadt. Schriften d. Geogr. Instituts der Universität Kiel, Bd. 38, 1973, S. 99–142.

Weblinks

Commons: Tunis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Tunis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

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