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Godber Nissen

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Godber Nissen (* 24. Juni 1906 in Wladiwostok; † 25. Dezember 1997 in Hamburg) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.

Leben

Nissen war der Sohn eines aus Heide (Holstein) stammenden Kaufmanns, der mit seiner Familie in Russland wohnte, nach einer Internierung während des Ersten Weltkriegs infolge der Oktoberrevolution 1919 wieder nach Deutschland zurückkehrte und sich in Hamburg niederließ. Nach dem Abitur 1925 absolvierte er an der Technischen Hochschule Dresden sein Architekturstudium bis zum Vordiplom und arbeitete als Praktikant in Altona bei Karl Schneider und Gustav Oelsner, sowie bei Werner Kallmorgen in dessen neu eröffnetem Büro.

Das Studium schloss er 1931 mit der Diplom-Hauptprüfung an der Technischen Hochschule Berlin bei Heinrich Tessenow ab. Im gleichen Jahr eröffnete er sein erstes Büro in Berlin und erhielt Aufträge von den Reemtsma Cigarettenfabriken für verschiedene Umbauten. Der Kontakt zu Reemtsma blieb auch nach dem Krieg erhalten. Die Verwaltung des Konzerns wurde 1952 nach seinen Entwürfen auf dem Gelände der privaten Villa Reemtsma neu errichtet, das Wohnhaus wurde zu diesem Zweck ebenfalls umgebaut.

Datei:Hamburg.Othmarschen.Haus K in O.Verwaltung.wmt.jpg
Ehemalige Verwaltungsbauten der Reemtsma GmbH

1937 erhielt Nissen den Auftrag für die Fabrikgebäude der Pommersche Motorenbau GmbH in Arnimswalde (heute Załom), einer Tochterfirma der Stoewer-Werke in Stettin. Aufgrund seiner Tätigkeit in der Rüstungsindustrie wurde sein Büro Albert Speer unterstellt und zwei Jahre später in die Organisation Todt eingegliedert. Diese Nähe zum Regime wurde von Einzelnen kritisch gesehen, schadete aber seiner weiteren Karriere nicht, da es letztlich als legitimes Ausweichen vor einem Kriegseinsatz angesehen wurde.<ref name="lubitz">Architekten-Porträt von Jan Lubitz, zuletzt abgerufen am 22. Februar 2011.</ref> Aus den Kriegsjahren stammen auch die Kontakte zu Konstanty Gutschow, mit dem er in den 1950er Jahren einige Klinikgebäude entwarf.

Nach dem Kriegsende kehrte Nissen nach Hamburg zurück und ging von 1946 bis 1953 eine Bürogemeinschaft mit Carl-Friedrich Fischer ein.

Datei:Grabstätte Godber Nissen.jpg
Grabstätte

Von 1954 bis 1965 war er Mitglied der Kommission für den Wiederaufbau Helgolands, in der er zeitweise den Vorsitz innehatte.

Ebenfalls im Jahr 1954 eröffnete er ein eigenes Büro, das für die ersten Bauten am Hamburger Neuen Wall mit einer Metall-Glas-Fassade verantwortlich zeichnete. Ein Schwerpunkt der Arbeit waren Krankenhausbauten, in denen Nissen sich bemühte, menschliche Bedürfnisse als Kontrapunkte zur Apparatemedizin zu setzen.<ref name="lubitz" /> 1979 wurden die Mitarbeiter Schlutz und Peter Martinius zu Partnern, das Büro wurde schließlich 1989 von Hartmann Schlutz übernommen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>

Von 1956 bis 1971 lehrte Nissen im Rahmen der neu errichteten Professur für Gebäudelehre an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, zeitgleich mit Fritz Trautwein.

Die Freie Akademie der Künste in Hamburg leitete er von 1972 bis 1980 als Präsident.

Nissen verstarb 1997 in Hamburg, er wurde dort auf dem Nienstedtener Friedhof beigesetzt.<ref>Erwähnung in Friedhofs-Bildergalerie “Garten der Erinnerung”, S. 183 unten</ref>

Bauten und Entwürfe (Auswahl)

Datei:Tysklands ambassad 2008.jpg
Botschaft in Stockholm
Datei:IHK Düsseldorf Front.jpg
IHK-Gebäude Düsseldorf
Datei:Neuer.Wall.Nissen.Fleetseite.wmt.jpg
Neuer Wall 43, Hamburg (1958)
Datei:Commerzbank HH-Altstadt03.jpg
Commerzbank Hamburg
Zwischen den Häusern liegt das «Neue Fleet». Die Häuser sind einer der ersten Versuche, in Hamburg eine Geschäftshausfassade aus Glas und Aluminium zu konstruieren. Der Ursprungsbau wurde in den 1990er Jahren durch Gerkan, Marg und Partner nachverdichtet, so dass der ursprüngliche Raumeindruck nicht mehr erhalten ist.<ref>Dirk Meyhöfer: Hamburg. Der Architekturführer. Braun, o. O. 2007, ISBN 978-3-938780-15-2, S. 152, 237.</ref>
  • 1958–1960: Neubau der Deutschen Botschaft in Stockholm<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Internetauftritt der Botschaft in Stockholm (Memento vom 22. Juni 2015 im Internet Archive), zuletzt abgerufen am 24. Februar 2011</ref>
  • 1960–1961: Neubau für die Commerzbank am Brodschrangen in Hamburg (zusammen mit Wilhelm Fritsche).<ref>Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur- und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. Köln 1989, ISBN 3-7701-1590-2, S. 136.</ref> 2023 nach Aufhebung des Denkmalschutzes abgerissen.<ref>Denkmalverein Hamburg, abgerufen am 10. November 2025.</ref>
  • 1960–1962: Neubau der Sonderschule Bötelkamp in Hamburg-Lokstedt,<ref>Peter Krieger: “Wirtschaftswunderlicher Wiederaufbau-Wettbewerb” : Architektur und Städtebau der 1950er Jahre in Hamburg. Universität Hamburg, Hamburg 1996, urn:nbn:de:gbv:18-136, S. 212. (Hochschulschrift)</ref> heutige Anschrift wäre Troplowitzstraße 17. Zugunsten von Bauten der Beiersdorf AG abgerissen.
  • 1963–1970: Universitätsklinik Eppendorf (UKE), Augenklinik
  • 1967: Sport- und Freizeitzentrum für Reemtsma in Hamburg, Luruper Chaussee 147<ref>Dirk Meyhöfer: Hamburg. Der Architekturführer. Braun, o. O. 2007, ISBN 978-3-938780-15-2, S. 254.</ref>
  • 1968–1972: Bau des Lüfterbauwerks Mitte für den Elbtunnel, ein rein technisches, fensterloses Betonbauwerk mit einer Plattform, die als Aussichtsplattform und zur Flutsicherung dient.<ref>Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur- und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. Köln 1989, ISBN 3-7701-1590-2, S. 345.</ref>
  • 1968: Gruppe von zehn Reihenhäusern am Elbhang in Hamburg, Övelgönne 3-5<ref>Dirk Meyhöfer: Hamburg. Der Architekturführer. Verlagshaus Braun, o. O. 2007, ISBN 978-3-938780-15-2, S. 261.</ref>

Rezeption

Literatur

  • Godber Nissen. Ein Meister der Nachkriegsmoderne. Dölling und Galitz, Hamburg 1995, ISBN 3-930802-03-1. (= Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs)

Weblinks

Commons: Godber Nissen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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