Comes
Comes, Plural Comites (lateinisch für „Begleiter“, „Gefährte“, „Gefolge“, von cum „mit“ und ire „gehen“) ist im Ursprung ein römischer Amtstitel, der im Laufe der Zeit mehrere Bedeutungen hatte, sowohl im zivilen Bereich für Statthalter und Mitglieder des kaiserlichen Rats als auch für Militärs.
In mittellateinischen Quellen entspricht comes meist dem deutschen Wort Graf.
Ursprung
Seit dem frühen Prinzipat wurden die engsten Freunde des Imperators als comes bezeichnet (comites principis). Kaiser Hadrian ernannte u. a. auch Senatoren als Begleiter für diverse Dienstreisen, um ihn bei den alltäglichen Regierungsgeschäften zu unterstützen. Diese Männer wurden bald zu einer Art Kronrat, und Hadrians Nachfolger betrauten die comites mit der Administration von Justiz- und Finanzwesen oder setzten sie in die höheren Kommandostellen beim Militär ein.
Entwicklung
Der comes entwickelte sich im 3. und 4. Jahrhundert von einem reinen Ehrentitel zu einem der höchsten Offiziers- (Befehlshaber der Comitatenses, also der Feldarmee) und Administratorentitel des spätrömischen Reiches. In der Spätantike bezeichnet comes dabei in der Regel die höchste Rangklasse des Hofes (comitatus), nämlich Personen mit tatsächlichem Zugang zum Kaiser, während im Militär vor allem regionale Kommandeure den comes-Titel trugen, die comites rei militares. Diese waren den duces übergeordnet, die in der Regel die Grenztruppen (limitanei) befehligten; sie selbst unterstanden wiederum einem magister militum.
Beispiele für römische comites sind:
- Comes domesticorum und Comes excubitorum für die Kommandanten der kaiserlichen Garden
- Comes rerum privatarum für den Verwalter des kaiserlichen Privatvermögens
- Comes sacrarum largitionum für den Verwalter des kaiserlichen Finanzwesens
In der Zivilverwaltung der ausgehenden Spätantike war der comes civitatis der Spitzenbeamte auf städtischer Ebene.<ref>Otto Seeck: Comites 15. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IV,1, Stuttgart 1900, Sp. 641–643.</ref> Das städtische Comitat entstand zuerst in Gallien, in den germanisch-romanischen Reichen der Völkerwanderung war dieses Amt weit verbreitet, dort teils verbunden mit militärischen Aufgaben.
Nachfolger
In Ostrom verschwand der comes im 7. Jahrhundert. In den germanischen Nachfolgestaaten Westroms und darüber hinaus im Mittelalter taucht der Titel in verschiedenen Variationen auf. Die häufigste ist anfangs der comes als Vertreter der Königsmacht in den Verwaltungsbezirken entsprechend der karolingischen Gauverfassung (siehe: Gau), aus dem sich der comes als erblicher Besitzer dieses Bezirks entwickelte.
Während sich in der deutschen Sprache für den Titel die Bezeichnung Graf durchsetzte (und in anderen germanischen Sprachen ähnliches), wurde in den von der lateinischen Sprache geprägten Ländern der Begriff sprachlich weiterentwickelt:
- Comte (Graf) und Comté (Grafschaft) im Französischen
- Count (Graf) und County (Grafschaft) im Englischen, wobei der Titel für „ausländische“ Grafen vorgesehen ist, während die „inländischen“ Earl genannt werden, County hingegen sowohl in- als auch ausländische Grafschaften bezeichnet (die Bezeichnung Shire stammt aus dem Angelsächsischen und hat sich nur noch in den Namen selbst erhalten)
- Conde (Graf) und Condado (Grafschaft) im Portugiesischen
- Conde (Graf) und Condado (Grafschaft) im Spanischen
- Conte (Graf) und Contea (Grafschaft) im Italienischen
Neben dem comes als regionalem Vertreter gab es den comes als Hofamt, zum Beispiel den
- Comes stabuli für den Stallmeister, aus dem sich die Begriffe Connétable (zum Beispiel Connétable von Frankreich als höchster Anführer der französischen Armee) und Konstabler entwickelten.
- Comes palatii (bzw. Comes palatinus) für den Verwalter der (kaiserlichen) Pfalzen und Vertreter des Herzogs, woraus in der deutschen Übersetzung der Pfalzgraf wurde.
Lokaler Vertreter des comes wiederum war der vicecomes (Vizegraf), aus dem sich in Frankreich der Vicomte, in Großbritannien der Viscount und in Italien der Visconte entwickelte, daraus der Familienname der Visconti.
Als mittellateinische Übersetzung für das ungarische megye oder das slawische župan tritt der Begriff vom 10. bis zum 13. Jahrhundert auf. Sowohl der Komitatsgraf und später der Obergespan als auch die Oberhäupter von Adelsgeschlechtern oder anderen Gruppen (z. B. der Gespan der Petschenegen) wurden als comes bezeichnet.<ref>Urkundenbuch des Burgenlandes, 1. Band, Hrsg. Leo Santifaller, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Graz/Köln 1955, S. 13.</ref>
Siehe auch
- Komitat (Comitatus)
- Comitia
- Dux (Titel)
Literatur
- Otto Seeck: Comites. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IV,1, Stuttgart 1900, Sp. 622–636.
- Comes. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 3. Artemis & Winkler, München/Zürich 1986, ISBN 3-7608-8903-4, Sp. 70–77.
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
Vorlage:Klappleiste/Anfang Ämter des Cursus honorum: Quaestur | Volkstribunat | Ädilität | Praetur | Konsulat | Censur
Außerordentliche Ämter: Decemviri | Tresviri | Interrex | Magister equitum | Diktator
Weitere Ämter und Ehrentitel: Vigintisexviri | Tribunus militum | Praefectus | Legatus | Magister militum | Comes | Dux | Vicarius | Pontifex maximus | Imperator | Princeps senatus | Pater patriae | Augustus | Caesar Vorlage:Klappleiste/Ende<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/AnfangComes Britanniarum | Comes litoris Saxonici per Britanniam | Dux Britanniarum | Dux Belgicae secundae | Dux tractus Armoricani et Nervicani | Comes tractus Argentoratensis | Dux Mogontiacensis | Dux Germaniae primae | Dux provinciae Sequanicae | Comes Italiae | Comes Illyrici | Dux Raetiae primae et secundae | Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis | Dux Valeriae ripensis | Dux Pannoniae secundae ripariensis et Saviae | Dux provinciae Tripolitanae | Comes Africae | Dux et praeses provinciae Mauritaniae et Caesariensis | Comes Tingitaniae | Comes Hispaniarum
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Comes rei militaris und Dux-Limites der spätrömischen Armee des Ostens