Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis
Der Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis (Heerführer der Pannonia I und Ufernoricums) war ab dem 3. Jahrhundert Kommandeur (Dux limitis) der Limitanei- und Flotteneinheiten, die am Grenzabschnitt der oberen Donau stationiert waren.
Wie sein westlicher Amtskollege, der Dux Raetiae, befehligte er die Aufgebote mehrerer Provinzen. Der Zuständigkeitsbereich des Dux erstreckte sich auf den Limes der Provinzen Noricum ripense und Pannonia prima, die österreichisch-slowakisch-ungarische Donauregion zwischen den Flüssen Aenus (Inn) und Arrabo (Raab). In der Rangordnung des Reichsadels nahm der Dux – seit Valentinian I. – die Stellung eines vir spectabilis ein.
Folgende Duces sind namentlich bekannt:
- Aurelius Senecio (311–312),
- Aurelius Iustinianus (Anfang des 4. Jahrhunderts),
- Ursicinus (wohl unter Valentinian I.).
Verwaltungsstab
Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter:<ref>Officium autem habet idem vir spectabilis dux hoc modo</ref>
- Principem de eodem officio (Kanzleileiter)
- Numerarium (Zahlmeister)
- Adiutorem (Assistent)
- Commentariensem (Buchführer und Rechtskundiger)
- Subadiuuam (Hilfskraft)
- Regrendarium (Verwalter oder Archivar)
- Exceptores (Schreiber)
- Singulares et reliquos officiales (Ordonnanzen)
In Klosterneuburg wurden zahlreiche spätantike Ziegelstempel der sog. OFARN-Gruppe (möglicherweise Abkürzung für OF[ficinia] A[uxiliares] R[ipenses] N[orica] = „Werkstatt der norischen Flussgrenztruppen“) gefunden. Diese lassen sich in die Zeit der Herrschaft der Kaiser Constantius II. (337–361) und Valentinian I. (364–375) datieren. Da sich die Stempelabkürzungen AR, ARN bzw. ARAN einstweilen jedoch nicht eindeutig erklären lassen, bleiben die bisherigen Übersetzungsvorschläge spekulativ.
Truppen
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Die illyrischen Provinzen im 4. Jahrhundert
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Städte, Legionslager und Kastelle am österreichischen Abschnitt des norischen und oberpannonischen Limes
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OFARN-Ziegelstempel des Dux Ursicinus (Oberleiser Berg)
Als Folge der diokletianischen Reformen lag der Oberbefehl über das norische Grenzheer bis zum späten 4. Jahrhundert n. Chr. in den Händen eines Dux Norici ripense, danach vereinte man das Oberkommando über den mittleren Donauabschnitt, indem man sein Überwachungsgebiet einem Dux Pannoniae primae et Norici ripensis unterstellt. Laut der norischen Truppenliste der Notitia dürfte gegenüber dem exercitus Noricus der mittleren Kaiserzeit mit einer Legion (ab dem späten 2. Jahrhundert) sowie einer bis drei Alae (plus zwei Alen um 100 n. Chr.) und meist acht Kohorten in der Provinzarmee die Kavallerie und die Legions-Flottillen auf Kosten der Infanterie aufgestockt worden sein. Dort werden nun gleich sechs Reiterverbände genannt, neben den zwei Flottenverbänden existierte auch noch die wohl im Mannschaftsstand schon stark reduzierte Legio II Italica, die vermutlich auch Soldaten an die Legio I Noricorum, in drei bzw. zwei Standorten abgegeben hatte. In drei der norischen Limeskastelle standen Marineinfanteristen (Liburnarii), wohl ebenfalls ehemalige Legionäre. Da für drei Garnisonsstandorte (Lentia/Linz, Lauriacum/Lorch und Arelape/Pöchlarn) jeweils zwei Einheiten genannt werden, hatte sich allerdings die Zahl der Standorte insgesamt mit 13 gegenüber der Prinzipatszeit gar nicht oder nur um eins erhöht. Noricum mediterraneum kommt in der Truppenliste der Notitia dignitatum überhaupt nicht vor und scheint in der Spätantike wie auch in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. weitgehend demilitarisiert gewesen sein.<ref>Orsolya Heinrich-Tamáska (Hrsg.): Keszthely-Fenekpuszta im Kontext Spätantiker Kontunitärsforschung Zwischen Noricum Und Moesia. Castellum Pannonicum Pelsonense Vol. 2, Archäologisches Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Geisteswissenschaftliches Zentrum, Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. Balatoni Múzeum (Balatoni-Museum) Verlag Marie Leidorf GmbH, Budapest • Leipzig • Keszthely • Rahden/Westf. 2011. Darin: Peter Scherrer: Noricum in der Spätantike – Zu den Forschungen des vergangenen Jahrzehnts (mit einem Beitrag von Bernhard Schrettle), S. 105.</ref>
Um die Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. verteilten sich drei Teileinheiten der legio II Italica im Westen auf die Kastelle in Joviaco‑Schlögen, Lentia‑Linz und Lauriaco‑Enns sowie zwei der legio I Noricorum im Osten auf Adiuvense und Favianae‑Mautern an der Donau. Die Trennlinie dieser beiden Dukate ist östlich von Enns und westlich von Ybbs, also im Bereich von Mauer, zu suchen. Nach wie vor waren – wie in die nun unter einem gemeinsamen Kommando zusammengefassten Truppen der Pannonia prima – alle in der Notitia genannten Einheiten, zumindest soweit ihre Lager bekannt sind, linear an der Donau aufgereiht; ganz im Gegensatz zur Provinz Raetia, wo einige der dortigen Einheiten die Nachschubwege und die Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum/Augsburg schützen sollten. Die norisch-oberpannonische Truppenliste (distributio) der Notitia zählt die Garnisonen blockweise nach ihrer Rangeinstufung und (innerhalb der Blöcke) geographischen Lage (von West nach Ost in Fließrichtung der Donau) auf. Angeführt werden in ihr aber offensichtlich nur jene pannonischen Stützpunkte, die auch Sitz eines befehlshabenden Offiziers waren, d. h. auch ohne die Lager oder Wachtürme (burgi) in Ufernoricum , wie z. B. Oberranna und Mösendorf. Im bezughabenden Abschnitt der ND Occ. werden die oberpannonischen Grenztruppen in vier Blöcken aufgereiht:
- Die ursprünglichen Einheiten der im späten 3. Jahrhundert aufgelösten Schlachtenkavallerie, denen zu einem unbekannten Zeitpunkt zwei der unter Konstantin I. (306-337) neu aufgestellten und im Status höher bewerteten Cuneus-Verbände, als Ersatz für zwei Equiteseinheiten in Flexum und Arrabona, vorangestellt wurden,
- die Teileinheiten der Legio X und Legio XIIII gemina,
- die Einheiten der Donauflotte (classis Histrica) und
- zwei Hilfstruppenkohorten der niedersten Rangstufe.<ref>Karl Holubar (Hrsg.): Römerlager Arrtianis. Der Limes in Klosterneuburg. Stift Klosterneuburg 2018, S. 28.</ref>
Die Listen für die Grenztruppen an der mittleren Donau weisen unterschiedliche und oft widersprüchliche Eintragungen auf. Es ist auch fraglich, ob die der norisch-pannonischen Limitanei über den Zeitraum zwischen 375–378 hinausreichen.<ref>Hannsjörg Ubl 1982. Zuerst die Reiterverbände, dann die Legionskohorten und Flottillen und am Schluss die Grenzwächter.</ref>
Die Grenze in beiden Provinzen war organisatorisch in zwei Abschnitte geteilt:
- oberer Abschnitt (partis superioris) und
- unterer Abschnitt (partis inferioris).
Sie wurden bemerkenswerterweise immer von einer fünften Kohorte gesichert. Laut Karlheinz Dietz handelte es sich dabei wohl um eine Fehlinterpretation des Kürzels CHTV (c[o]h[or]t[i]u[m]) seitens der mittelalterlichen Kopisten der Notitia.<ref>Dietz 1993, S. 298 und 312.</ref> Bis um 400 verfügte Ufernoricum laut der Notitia dignitatum über ein relativ kampfstarkes Heer. Zwei Legionen bildeten dessen Rückgrat,
- die Legio II Italica sowie
- die Legio I Noricorum.
Zusätzlich waren drei Infanteriekohorten, vier Kavallerieeinheiten und zwei Einheiten berittener Bogenschützen verfügbar. Zusammengerechnet dürften dem Dux im Idealfall rund 10.000 Mann in unterschiedlicher Qualität zur Verfügung gestanden haben.<ref>Peter Heather 2011, S. 470.</ref> In mehreren Kastellen waren nun auch (den Legionen zugeteilte) Patrouillenschiffe stationiert. Ihre Besatzungen hatten wohl die Funktion einer Art Strompolizei. Im späten 4. oder frühen 5. Jahrhundert dürfte die Armee der Pannonia I durch Föderatentruppen unter dem Befehl eines tribunus gentis Marcomannorum verstärkt worden sein. Ab dem frühen 5. Jahrhundert unterstanden die an der mittleren Donau stationierten Truppen einem Comes Illyrici. Später den für das westliche Illyricum gesondert ernannten Heermeistern. Nach Bericht des Zosimos war um 409 der Magister militum Generidus Oberbefehlshaber der Truppen an der Donau.<ref>Zosimos 5, 46, 2.</ref> Sein Zuständigkeitsbereich umfasste Dalmatien, die norisch-pannonischen Provinzen und die beiden Rätien.
In der letzten literarischen Quelle für Ufernoricum, der Vita Sancti Severini, gibt es keine konkreten Hinweise mehr auf das Vorhandensein regulärer Besatzungen in den von Severin aufgesuchten norischen Limeskastellen. Ein übergeordneter Dux oder Comes wird in der Severinsvita ebenfalls nicht erwähnt. Nur in Favianis existierte laut der Vita Sancti Severini bei Ankunft Severins offenbar noch eine reguläre Garnisonstruppe. Sie stand unter dem Befehl eines Tribunen namens Mamertinus.<ref>S. Jilek: Zur Truppengeschichte von Mautern. In: Das Kastell Mautern-Favianis (= Der Römische Limes in Österreich Band 39). Wien 2000, S. 353–362.</ref> In der Vita ist ansonsten noch von vigiles (= Wächter, die Lauriacum bewachen) und den exploratores (= Späher, die den Feind beobachten) die Rede. Sie könnten Veteranen der beiden norischen Legionen oder von Auxiliareinheiten bzw. deren Nachkommen gewesen sein. Rajko Bratoz nimmt an, dass es sich im 5. Jahrhundert bei den in der Severins Vita erwähnten Wachtrupps in Comagena, Favianis und Batavis<ref>Vita Sancti Severini 1, 4; 4, 2; 20, 1.</ref> bis um 476 nicht um Wehrbauern oder Bürgermilizen, sondern noch um reguläre Einheiten der weströmischen Armee gehandelt hat.<ref>Rajko Bratoz 1983.</ref> In Batavis und Lauriacum wurden sogar neue Einheiten aufgestellt, die vielleicht aus versprengten Limitanei und neu angeworbenen Romanen bestanden. Germanische Foederati wurden dafür anscheinend nicht mehr herangezogen.<ref>Peter Stadler 1988, S. 298.</ref>
Distributio Numerorum
Laut der ND Occ. standen dem Dux 17 Einheiten (einige in mehreren Standorten genannt) zur Verfügung:<ref>sub dispositione</ref>
Kavallerie
Provinciae Noricum ripense
| Einheit/Kastell | Bemerkung | Abbildung |
|---|---|---|
| Limitanei - Equites | ||
| Equites promoti, Ad Mauros | Der Name bedeutet „Ausgewählte Reiter“ im Kastell Eferding (A).<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXIV 31</ref> Die Einheiten der equites promoti die in der Notitia Dignitatum aufgelistet werden, stammten meist von ehemaligen Legionärsreiterabteilungen ab, die im 3. Jahrhundert, unter Diokletian (284–305) aus ihrer Stammlegion herausgezogen wurden und zu eigenständigen Einheiten avancierten. Die Legionen zu dieser Zeit (antiqua legio) erfuhren dennoch zuerst eine personelle Verstärkung ihrer Reiterabteilungen. Die volle Stärke der equites promoti betrug damals 726 Reiter. Dies war mehr als das Sechsfache der equites legionis der mittleren Kaiserzeit, sie dienten als Gardeeinheit des Legatus und waren etwas umfangreicher ausgebildet. Es verdeutlicht die zunehmende Bedeutung, die der Kavallerie im Allgemeinen und den Legionen im Besonderen während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts zuerkannt wurde. In der Notitia Dignitatum werden sie sowohl als Teil der limitanei als auch der comitatenses gelistet. Sie galten als Eliteeinheiten und bildeten am Limes die taktische Reserve, um schnell auf Bedrohungen reagieren zu können. Einige wurden zum Einsatz entweder innerhalb ihrer Provinz oder auch an einen anderen Kriegsschauplatz abkommandiert. Man geht davon aus, dass solche Einheiten in der Regel um die 500 Mann stark waren. Vegetius bezeichnet sie als Loricati, sie waren schwer gepanzert und mit Lanzen bewaffnet waren.<ref>Michael Frederick Pavkovic: The legionary horsemen: an essay on the equites legionis and equites promoti. University of Hawaii, 1991, S. 106ff.</ref> | |
| Equites promoti, Comagenis | Eine Einheit ehemaliger Legionsreiter im Kastell von Tulln an der Donau, A.<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXIV</ref> Die Garnison kontrollierte eine militärisch bedeutsame Furt über die Donau und überwachte das Tullnerfeld. Neben den Reitern beherbergte das Kastell in der Spätantike auch eine Marineabteilung, die Classis Comaginensis und Speerwerfer, die Lanciarii Comaginensis. Das Kastell war bis weit in das 5. Jahrhundert mit Soldaten besetzt. | |
| Equites sagittarii, Lacufelicis | Eine Einheit berittener Bogenschützen im rückwärtigen Binnenkastell von Mauer bei Amstetten<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXIV 32</ref>. Die Besatzung sicherte eine 10 km von der eigentlichen Grenze entfernte Position der zweiten Verteidigungslinie am norischen Limes, die im Zuge der diokletianisch-konstantinischen Militärreformen eingerichtet wurde. Der Einheitsname leitet sich von eques (Reiter) und sagittarius (Bogenschütze) ab. Im Gegensatz zur schwergepanzerten Reiterei war ihre Hauptaufgabe der schnelle Distanzkampf vom Pferd aus, der in der Spätantike zur Abwehr asiatischer Reitervölker an der Donaugrenze immer wichtiger wurde. Im Gegensatz zu anderen Kavallerieeinheiten, die den Pfeilbogen nur als Sekundärwaffe führten, war er bei den sagittarii meist das Hauptkampfmittel. Hierzu nutzte man den Kompositbogen den Rom ursprünglich von östlichen Reitervölkern wie den Skythen und Parthern übernommen hatte. Je nach Kampfsituation stand ihnen aber dafür sicher auch eine Vielzahl von anderen Waffen (z. B. Wurfspeer, Schwert, Streitaxt, Keule etc.) zur Verfügung. Auch anderes spezialisiertes Equipment der Bogenschützen war nach östlichen Vorbildern angefertigt worden, während die übrige Kavallerieausrüstung wohl dem Standard des römischen Militärs entsprach. Diese Einheiten wurden oft eingesetzt, um den Gegner aus der Distanz zu dezimieren und zu zermürben, als Vorbereitung für einen Angriff der schweren Kavallerie oder Infanterie. Geschätzt wurde dabei ihre hohe Flexibilität, Mobilität und Feuerkraft. Aufgrund ihrer Beweglichkeit kamen sie besonders bei eigenständigen Schlachtfeldoperationen zum Einsatz. Berittene Bogenschützen wurden fast ausschließlich aus Regionen der Ostprovinzen rekrutiert und dort auch bevorzugt verwendet, nicht nur auf Feldzügen, sondern auch als Grenzwächter in Pannonien, Dakien, Afrika und der Levante.<ref>David W. McAllister: Formidable genus armorum: the horse archers of the Roman Imperial Army. University of British Columbia, Vancouver 1993.</ref> Da die römische Armee zunehmend defensiv eingesetzt wurde, gewann die Fähigkeit ihrer Soldaten, Fernkampfwaffen zu nutzen, an Bedeutung. Der Kaiser im Osten, Valens (364-378), erließ in den 370er Jahren ein Edikt, dass seine Soldaten auch zu Bogenschützen ausgebildet werden sollten. Das Bogenschießen war besonders wichtig und erforderte ständiges Training, um die nötige Präzision zu erlangen und zu erhalten. Flavius Vegetius Renatus schrieb im ausgehenden 4. Jahrhundert: „Ein Drittel oder ein Viertel der Rekruten, die Talentiertesten, sollten mit Holzbögen und Übungspfeilen trainiert werden. Die Ausbilder für diese Disziplin müssen sorgfältig ausgewählt werden und sich gewissenhaft bemühen, den Männern beizubringen, den Bogen richtig zu halten, ihn kräftig zu spannen, die linke Hand ruhig zu halten, die rechte geschickt zu ziehen und sowohl die volle Aufmerksamkeit als auch das Auge auf das Ziel zu richten.“ Den Soldaten wurde hierfür das Schießen mit dem östlichen Daumenzug mithilfe eines Daumenrings beigebracht. Im Strategikon des Maurikios steht, dass entweder diese Methode oder der westliche Dreifingerzug akzeptable Wege waren, neuen Rekruten das Bogenschießen beizubringen. Da die meisten Bogenschützen in östlichen Einheiten zu finden waren, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Daumenzug am weitesten verbreitet war.<ref>Simon Mc Dowall, Gerry Empleton: Late roman Infantryman, 236-565AD, Weapons, Armour, Tactics. Warrior Series 9, Osprey Publishing Limited, 1999, S. 52.</ref> | |
| Equites sagittarii, Lentiae | Eine Einheit berittener Bogenschützen im Kastell Linz, A.<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXIV 32</ref> Das Kastell sicherte eine wichtige strategische Position am norischen Limes. Die Anwesenheit dieser Einheit in Linz gegen Ende des 4. Jahrhunderts unterstreicht seine anhaltende militärische Bedeutung bis zu dieser Zeit. Die Notitia Dignitatum nennt für diesen Standort auch eine Vexillation der Legio II Italica. | |
| Equites Dalmatae, Arlape | Die dalmatinischen Reiter im Kastell Pöchlarn, A.<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXIV 34</ref> Größtenteils im frühen 4. Jahrhundert aus dalmatinischen Stämmen rekrutierte Reitersoldaten. Die equites Dalmatae wurden während der Herrschaft des Gallienus (253–268) geschaffen, ähnlich wie andere zu dieser Zeit aufgestellte Kavallerieformationen, die aus den Reiterkontingenten der Legionen und Auxiliareinheiten herausgelöst wurden. Der Name Dalmatae bedeutet, dass anfangs viele ihrer Soldaten aus dieser Provinz stammten. Später rekrutierten die Grenzeinheiten ihre equites Dalmatae natürlich in den Regionen, in denen sie stationiert waren. Diese Reiterformationen waren nie als ethnische reine Einheiten gedacht. Ihre enorme Präsenz unterstreicht ihre Rolle als Rückgrat der mobilen Grenzverteidigung am norisch-pannonischen Limes.<ref>Tomasz Dziurdzik: Die Beziehung der spätrömischen equites Dalmatae zu Dalmatien, in: D. Demicheli (Hrsg.), Illyrica Antiqua II, Zagreb 2017, S. 223-233.</ref> Auf eine der für Noricum angeführten Dalmatae-Abteilungen könnte sich die Inschrift eines gut erhaltenen Votivaltar aus Putting (D) aus der Zeit von 311-313 beziehen.<ref>CIL 03, 11771 EQQ DALM AQUESIANIS COMIT d. h. „Eqq(uitum) Dalm(atarum) Aqu[a]esianis comit(atensium)“</ref> Die darauf abgebildeten Muskelkürasse und sechseckigen Schilde waren damals wahrscheinlich schon stilistische Archaismen, aber es ist durchaus möglich, dass sie zu dieser Zeit noch vereinzelt in Gebrauch waren. Beachte, dass die Altarinschrift sie schon als Comitatenses bezeichnet, obwohl die Dalmatae unter dem Kommando dieses Dux, alle noch zu den Limitanei zählten. Neben der Kavallerietruppe war Pöchlarn auch die Basis einer Marineabteilung, der Classis Arlapensis. Zusammen sicherten sie den Flussübergang und die Mündung der Erlauf. | |
| Equites Dalmatae, Augustianis | Eine Einheit dalmatinischer Reiter im Kastell Traismauer, A.<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXIV 33</ref> Das Kastell sicherte das heutige Tullnerfeld. Bemerkenswerterweise war in Traismauer in der frühen Kaiserzeit schon die Ala I Thracum Victrix (eine thrakische Reitereinheit) stationiert, was seine lange Tradition als Kavalleriestandort unterstreicht. |
Provincia Pannonia primae
| Einheit/Kastell | Bemerkung | Abbildung |
|---|---|---|
| Limitanei - Equites - Cuneus | ||
| Equites Dalmatae, Ala Nova | Eine Einheit dalmatinischer Reiter im Kastell Schwechat (Niederösterreich), A.<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXIV 18</ref> Das Kastell lag zwischen den großen Legionslagern Vindobona und Carnuntum. Der Name „Ala Nova“ („Neue Reiterabteilung“) verweist auf seine lange Tradition als Reiterlager. | |
| Equites Dalmatae, Aequinoctoiae | Eine Einheit dalmatinischer Reiter im Kastell Fischamend, A. | |
| Equites sagittarii, Gerolate | Eine Einheit berittener Bogenschützen im Kastell Rusovce, SLO. | |
| Equites promoti, Flexo | Eine Einheit ehemaliger Legionsreiter im Kastell Mosonmagyaróvár, HU. Das Kastell sicherte das Donauufer im Übergangsbereich zwischen den Provinzen Pannonia I und Noricum ripense. | |
| Equites Mauri, Quadrato | Eine Einheit maurischer Reiter, stationiert in einem Kastell, entweder nahe dem heutigen Máriakálnok oder Lébény, im heutigen Ungarn, unweit der Donau. Sie wurden als leichte Kavallerie eingesetzt und ursprünglich in Nordafrika (Mauretania Caesariensis) rekrutiert. Sie waren bekannt für ihre Schnelligkeit und kämpften anfangs oft ohne Sattel und schwere Rüstung, nur bewaffnet mit Wurfspeeren und leichten Schilden. In der Spätantike wurden die maurischen Spezialeinheiten bevorzugt an Brennpunkten des Limes eingesetzt. Die Mauri waren besonders unter den Infanteristen gefürchtet, da sie durch ihre enorme Beweglichkeit Hit and Run Angriffe aus dem Hinterhalt ausführen konnten. | |
| Equites promoti, Arrabonae | Eine Einheit ehemaliger Legionsreiter im Kastell Győr, HU. Möglicherweise waren sie ursprünglich aus einer der oberpannonischen Hauslegionen, der Legio X Gemina (Vindobona) oder der Legio XIIII Gemina (Carnuntum), herausgelöst worden. Das Kastell sicherte die Mündung der Raab in die Donau, zusätzlich gewährleistete die Besatzung die Überwachung der Grenzabschnitte zwischen den Lagern Quadrata und Ad Statuas. Neben dieser Einheit waren auch ein Cuneus equitum Stablesianorum („eine Schar Gardereiter“) und Marinesoldaten der zehnten und vierzehnten Legion dort untergebracht. | |
| Equites Dalmatae, Ad Herculem | Eine Einheit dalmatinischer Reiter im Kastell Kishegy/Pilismarót (HU), die dort zusammen mit den auxilia Herculensia, eine Infanterieeinheit der Hilfstruppen stationiert waren. Einen weiteren inschriftlichen Nachweis vor Ort lieferte ein von den equites Dalmatae gestifteter Altar,<ref>Endre Tóth: Die spätrömische Militärarchitektur in Transdanubien. In Archaeologiai Értesitő 134, 2009, S. 42. (Fußnote)</ref> der heute im Depot des Balassa Bálint Múzeums in Esztergom verwahrt wird.<ref>AE 1990, 00822</ref> | |
| Equites sagittarii, Quadriburgio | Eine Einheit berittener Bogenschützen, wahrscheinlich in einer Kleinfestung, einem Quadriburgi, stationiert. Dessen geographische Lage ist bis dato unbekannt. | |
| Cuneus equitum Dalmatarum, Flexo | Eine Einheit dalmatinischer Reiter im Kastell Mosonmagyaróvár, HU. Cuneus (lateinisch für „Keil“) bezeichnete eine eigenständige Kavallerieeinheit von etwa 200 bis 300 Reitern. Ursprünglich der taktische Begriff für eine keilförmige Schlachtordnung, wurde er später zur offiziellen Bezeichnung für kleinere Reitereinheiten. Wie bereits erwähnt, handelte es sich ursprünglich um Reiter, die aus den Legionen ausgegliedert worden waren, um ab da im Feld als eigenständige Verbände operierten. Dieser Cuneus stand an einem der exponiertesten Abschnitte des oberpannonischen Limes. | |
| Cuneus equitum stablesianorum, Arrabonae | Eine Reitereinheit der Provinzgarde im Kastell Győr, HU.<ref>Notitia Dignitatum Occidentis XXXIV</ref> Der Beiname leitet sich von Stabulum (lat. Stall) ab. Ursprünglich dienten diese Reiter in der Leibwache von Provinzstatthaltern oder hohen Offizieren. Arrabona kontrollierte den Zugang zum pannonischen Hinterland über das Tal der Raab. In der Spätantike wurden sie als eigenständige Einheiten neu organisiert. Das in Arrabona gleich zwei Reiterformationen kaserniert waren, lässt annehmen, dass Rom diesen Donauabschnitt besonders stark gegen germanische Vorstöße sichern musste. Weitere solcher Abteilungen finden sich in der Armee
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Infanterie und Flotte
Provinciae Noricum ripense
Legionen
| Offiziere/Einheit/Kastelle | Bemerkung | Abbildung | |
|---|---|---|---|
| Limitanei - Legiones | Farbgebung nach der Überlieferung im Oxford-Manuskript der Notitia dignitatum | ||
| Praefectus legionis secundae Italicae, Lauriaco | Die Legio II Italica war die norische Stammlegion und seit den Markomannenkriegen des Marc Aurel, 171 n. Chr. am oberösterreichischen Donauabschnitt im Legionslager von Enns, A, stationiert. Vermutlich dienten zwei ihrer Vexillationen,
Die Secundani Italiciani waren möglicherweise die Stammeinheit der Divitenses Gallicani unter dem Magister militum per Thracias (Ostreich). Es ist möglich, dass die Secundani, eine der legiones comitatenses unter dem Magister militum per Illyricum, ein weiterer Abkömmling der norischen Legion war. Eine andere derartige Vexillation könnten auch die Divitenses seniores in der Italienarmee des Magister peditum gewesen sein. Vexillationen am norischen Limes:
|
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| Praefectus legionis secundae Italicae, partis inferioris, Lentiae |
Eine Vexillation der Legio II Italica im Kastell Linz, A, die dort den „unteren Abschnitt“ der norischen Donau sicherte. |
Kohorten
| Offiziere/Einheit/Kastelle | Bemerkung | Abbildung |
|---|---|---|
| Limitanei - Cohortis | ||
| Tribunus cohortis, Boiodoro | Laut der Notitia dignitatum war in diesem Kleinkastell eine nicht näher bezeichnete Cohors, vermutlich Angehörige der Ripenses, und einem Tribunen als Lagerkommandant stationiert. Anhand der vor Ort gemachten Funde (Münzen) nimmt man in Fachkreisen an, dass es zwischen 378 und 400 von seiner Besatzung geräumt und aufgegeben wurde, vermutlich weil sie aus Ravenna keinen Sold mehr erhielt. Boiodoro lag an der Grenze zwischen den Provinzen Raetia II und Noricum ripense. | |
| Tribunus cohortis, Asturis | In der ND nicht näher bezeichnete Kohorte im Kastell Zwentendorf an der Donau, A. Zusammen mit den benachbarten Kastellen von Comagena (Tulln) und Augustianis (Traismauer) hatte die Besatzung von Zwentendorf – neben der Grenzüberwachung und Nachrichtenweitergabe – wohl vor allem die Sicherung der Verkehrswege im Tullner Becken zu gewährleisten. | |
| Tribunus cohortis, Cannabiaca | In der ND nicht näher bezeichnete Kohorte im Kastell Zeiselmauer, A. Das Kastell stand an der Ostgrenze von Noricum ripense, es war der westliche Flankenschutz für das Kastell Arrianis/Klosterneuburg in Oberpannonien und östlicher Flankenschutz für das benachbarte Kastell Comagena. | |
| Tribunus cohortis, Caratensis | Der dort stationierte Tribun befehligte eine Kohorte<ref>Notitia Dignitatum Occ. XXXIV</ref>, die möglicherweise mit den Catarienses ident sind, pseudocomitatenses in der Feldarmee des Comes Illyrici. Wo sich ihr Kastell befand ist bislang unbekannt geblieben. Entweder befand es sich östlich zwischen Klosterneuburg und Wien oder aber wesentlich wahrscheinlicher - an der Ostgrenze der Panonnia I zur Provinz Valeria.<ref>Karl Holubar (Hrsg.): Römerlager Arrtianis. Der Limes in Klosterneuburg. Stift Klosterneuburg 2018, S. 29.</ref> |
Marineeinheiten
| Offiziere/Einheit/Kastelle | Bemerkung | Abbildung | |
|---|---|---|---|
| Classis | Farbgebung nach der Überlieferung im Oxford-Manuskript der Notitia dignitatum | ||
| Praefectus legionis primae Noricorum militum liburnariorum et cohortis Quintae, partis superioris, Adiuvense |
Eine Abteilung Marinesoldaten und die fünfte Kohorte der Legio I Noricorum im Kastell Wallsee oder Ybbs an der Donau, A. Sie sicherten den „oberen Abschnitt“ der Donau. Liburnarier wurden als Aufklärungs‑, Pionier oder Marineinfanterie eingesetzt. Die Lage ihres Kastells konnte bislang nicht eindeutig bestimmt werden. Adiuvense wurde u. a. mit Ybbs an der Donau gleichgesetzt, neuere Forschungen bezeugen hier bislang aber nur einen Burgus, für den auch eine Bauinschrift aus dem Jahr 370 dokumentiert ist. Die Präsenz eines Legionspräfekten und einer Liburnarier‑Einheit in Adiuvense, setzt jedoch mehr als nur die Existenz eines Wachturms voraus. Insbesondere in Hinblick auf die Befunde der Festungsanlage von Mauer wurde auch angedacht, das dortige spätantike Castrum (Locus Felicis) mit Adiuvense gleichzusetzen. Letzterer leitet sich wohl von der antiken Ybbs (Ivisa/Ivesa/Ibese) und lässt annehmen, dass das Militärlager nahe ihres Ufers stand. Am diesen Fluss liegt auch die spätantike Festung von Mauer. Sie war in erhöhter Position auf einer Halbinsel 4 km vor dem Zusammenfluss von Url und Ybbs situiert. Die Distanz von Mauer auf dem Flussweg der Ybbs bis zur Einmündung in die Donau beträgt 26 km, ab dem Zusammenfluss mit der Url war die Ybbs zudem sehr gut schiffbar.<ref>Stefan Groh: Castrum Ad Iuvense (?) Neue Forschungen zur norischen Binnenfestung von Mauer bei Amstetten. Die geophysikalischen Prospektionen 2014–2015, in EPHEMERIS NAPOCENSIS XXVII 2017, S. 90–91.</ref> | ||
| Praefectus classis, Arlapensis et (Co)Maginensis | Patrouillenbootflottille der Legio I Noricorum im Kastell von Pöchlarn, A. Ob die beiden, vielleicht selbstständig operierenden, Flottillen in Pöchlarn und Tulln später vereinigt oder nur unter ein gemeinsames Kommando gestellt wurden, ist bis dato unbekannt. | ||
| Praefectus classis Lauriacensis (Lauriacum) | Eine Patrouillenbootflottille der Legio II Italica im Legionslager von Enns, A. Ihr Hafen dürfte im Bereich des heutigen Enghagen, wo die Enns in die Donau mündet, zu suchen sein. Es war einer der wichtigsten Militärstandorte an der oberen Donau und beherbergte neben der Marineabteilung auch das Hauptquartier der Legio II Italica. Die Flottille führte wohl Patrouillenfahrten zur Sicherung der Flussgrenze und organisierte Nachschubtransporte für die Kastelle im Bereich der Provinz Noricum ripense. Für die Patrouillen und zur Nachrichtenübermittlung kamen leichte und wendige Ruder/Segelschiffe, wie Navis lusoria und Liburne zum Einsatz. Für den Gütertransport wurden Lastkähne mit Plattboden eingesetzt, um z. B. Getreide, Ausrüstung und Baumaterial zu verschiffen. | ||
| Praefectus legionis secundae Italicae militum liburnariorum, Ioviaco | Eine Abteilung Marinesoldaten der Legio II Italica im Kleinkastell Schlögen, A.<ref>Notitia Dignitatum Occidentis XXXIV</ref> Das Kastell befand sich in günstiger Lage an der Schlögener Schlinge um den Schiffsverkehr auf der Donau zu kontrollieren. Vermutlich befand sich hier auch eine Werft. Sie versahen mit ihren Schiffen wohl auch den Patrouillendienst auf der Donau. | ||
| Praefectus legionis liburnariorum primorum Noricorum, Fafianae | Eine Abteilung Marinesoldaten der Legio primae Noricorum im Kastell Mautern an der Donau, A. Sie wurde mit ziemlicher Sicherheit zur Verstärkung des norischen Grenzheeres unter Kaiser Diokletian, in der Zeit der ersten Tetrarchie, aufgestellt, da sie erst in den letzten Dekaden des 3. Jahrhunderts in den Quellen auftaucht. Zusammen mit
eine im Kastell Comagenis (Tulln) stationierte, mutmaßliche Vexillation der Legio I Noricorum im Krisenfall als Pseudocomitatenses in die Feldarmee des Comes Illyrici eingezogen.<ref>Notitia dignitatum Occ. 5, 109; 5, 110; 5, 259; 7, 58–59.</ref> Sie scheint jedoch nie Vexillationen für die in der Notitia aufgeführten Feldarmeen abgestellt zu haben, denn keine der diesbezüglichen Einheiten weist eine offensichtliche namentliche Verbindung zu ihr auf. |
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| Praefectus classis, (Co)Maginensis | Eine Patrouillenbootflottille der Legio I Noricorum im Kastell Tulln an der Donau, A. |
Provinciae Pannonia primae
Legionen und Marineeinheiten
| Offiziere/Einheit/Kastelle | Bemerkung | Abbildung | |
|---|---|---|---|
| Limitanei - Legiones | Farbgebung nach der Überlieferung im Oxford-Manuskript der Notitia dignitatum | ||
| Praefectus legionis decimae geminae, Vindomarae | Die Soldaten unter den praefecti legionis decimae geminae waren Angehörige der Wiener Stammlegion, der legio X Gemina Pia Fidelis. Ihre Resttruppe stand im frühen 4. Jahrhundert auch noch in Vindomarae (Vindobona/Wien), A, wo diese Legion schon seit dem frühen 2. Jahrhundert nachweisbar ist. Eine ihrer Vexillationen, die decimae geminae, wird in der Notitia dignitatum unter den Comitatenses des Magister militum per Orientem (Ostreich) angeführt. Eine andere Abteilung der Legion könnte die decimanique fortenses gewesen sein, die bei Ammianus Marcellinus (res gestae 18.9.3) erwähnt wird und bei der Belagerung von Amida im Jahr 359 aufgerieben wurde. | ||
| Limitanei - Legiones/Classis | |||
| Praefectus classis Histricae, Vindomarae | Ab der Mittleren Kaiserzeit war Vindobona auch Flottenstützpunkt eines Geschwaders der Donauflotte. In der Notitia dignitatum ist ein praefectus classis Histricae, [C]Arr[n]unto siue Vindomanae verzeichnet. Die Verlegung der Classis Histricae von Carnuntum nach Vindobona im 4. Jahrhundert brachte wohl auch eine Aufwertung des Standortes mit sich.<ref>Notitia Dign. Occ. 34,28</ref> | ||
| Praefectus legionis quartae decimae geminae militum liburnariorum et cohortis quintae (der Legio XIIII), partis superior, Carnunto |
Die Marinesoldaten der milites liburnarii, befehligt von einem 'Präfekten, sind eine Abteilung von einer der ältesten Legionen in Oberpannonien und wurden offenbar als Marinesoldaten auf Patrouillenschiffen eingesetzt. Nur ihre fünfte Kohorte befand sich in der Spätantike noch in deren einstigen Hauptquartier Bad Deutsch-Altenburg, A, wo die Legion seit dem 2. Jahrhundert stationiert war. Eine andere Abteilung lag im Kastell Arrabona, siehe unten. Eine weitere Vexillation, die Quartodecimani, stand in der Armee des Magister militum per Thracias (Ostreich). Ob die Marineeinheit dieser Legion zu den übrigen Flotteneinheiten zählte, die ebenfalls unter diesem Dux aufgeführt sind, ist unklar. | ||
| Praefectus classis Histricae, (C)Arr(n)unto (= Carnuntum) | Eine Flottille Patrouillenschiffe, die vermutlich aus der Classis Pannonica hervorgegangen ist und zuerst im Legionslager Bad Deutsch-Altenburg, A, stationiert war. Sie wurde im 4. Jahrhundert nach Vindobona (Wien, A) verlegt. (Praefectus classis Histricae, Arrunto siue Vindomanae a Carnunto translata.) | ||
| Praefectus legionis decimae et quartae decimae geminae geminarum militum liburnariorum, Arrabonae |
Diese im Kastell Győr, HU, liegenden Verbände bestanden aus Liburnarii, die diesen beiden Legionen zugeteilt waren. Die Liburna war ein Schiffstyp, der im Laufe der Zeit zum Synonym für römische Kriegsschiffe wurde. Als Liburnarii bezeichnete man in der Spätantike auch die Besatzungsmitglieder bzw. Marinesoldaten solcher Flusskampfschiffe. Laut der Notitia verfügten vier Donau-Legionen über solche Liburnariieinheiten: die
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Kohorten und Föderaten
| Offiziere/Einheit/Kastelle | Bemerkung | Abbildung |
|---|---|---|
| Limitanei - Cohortes | ||
| Tribunus cohortis, Arrianis | In der ND nicht näher bezeichnete Kohorte im Kastell Klosterneuburg, A. | |
| Gentes | ||
| Tribunus gentis Marcomannorum | Der Offizier befehligte ein Aufgebot markomannischer Foederaten (Volk nach der Verfassung = „populus“; Volk nach Abstammung = „gens“). Der Stationierungsort des Tribunen wird in der Notitia nicht angegeben. Seine Residenz wird im Nahebereich des Legionslagers Vindobona bzw. auf dem Oberleiser Berg, nördlich der Donau im Barbaricum vermutet. Die Vita Sancta Ambrosii Mediolanensis Episcopi erwähnt einen Briefwechsel zwischen der Markomannenherrscherin Fritigil und Bischof Ambrosius von Mailand. Ambrosius gab ihr darin den Rat, das ihr Mann sich in den Dienst der Römer stellen sollte. Diese Episode bringt man in der Forschung gern mit diesem Markomannentribunen in Verbindung. Er ist ein Hinweis auf den Übertritt ganzer markomannischer Stammesverbände ins Römische Reich (receptio), die dann wohl in Ufernoricum, bei Wien, im Burgenland und Westungarn angesiedelt wurden. Ihre Kämpfer sollten als Foederaten wahrscheinlich den Grenzschutz zwischen Vindobona und Carnuntum verstärken. Vielleicht stammt auch die in der Severinsvita (vor 467) erwähnte Foederatengarnison in Comagena (Tulln) von diesen Kriegern ab.<ref>ND occ. XXXIV, 24, Paulinus, vit. Ambros. 36, Gassner/Pülz 2015, S. 123–124, Lafer 2003, S. 266–267.</ref> |
Siehe auch
Literatur
- Herwig Friesinger, Fritz Krinzinger: Der römische Limes in Österreich. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2618-2.
- Hannsjörg Ubl: Österreich in römischer Zeit. In: Severin: Zwischen Römerzeit und Völkerwanderung. Ausstellungskatalog Linz 1982, S. 99–107.
- Die Römer an der Donau, Noricum und Pannonien. Ausstellungskatalog Landesausstellung Schloß Traun, Petronell/NÖ 1973. Darin: Herma Stiglitz: Militär und Befestigungen am österreichischen Limes. S. 45ff, Sándor Soproni: Militär und Befestigungen am pannonischen Limes. S. 59ff.
- Zsolt Visy: Historischer Überblick. In: Von Augustus bis Attila. Leben am ungarischen Donaulimes. Theiss, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1541-3, S. 11.
- Alexander Demandt: Geschichte der Spätantike. Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44107-6, S. 241.
- Herwig Wolfram: Salzburg, Bayern, Österreich: Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum und die Quellen ihrer Zeit. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1995, ISBN 3-486-64833-0, S. 108.
- Michael S. DuBois: Auxillae: A Compendium of Non-Legionary Units of the Roman Empire. Lulu Press 2015, ISBN 978-1-329-63758-0.
- Rajko Bratoz: Severinus von Noricum und seine Zeit. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1983, Philosophisch-Historische Klasse: Denkschriften, ISBN 3-7001-0584-3.
- Peter Stadler: Die Bevölkerungsstrukturen im 5. Jahrhundert in Österreich nach Eugippius und den archäologischen Quellen. In: Germanen, Hunnen und Awaren. Ausstellungskatalog Nürnberg und Frankfurt, 1988 (homepage.univie.ac.at PDF).
- Karlheinz Dietz: Cohortes, ripae, pedaturae. Zur Entwicklung der Grenzlegionen in der Spätantike. Selbstverlag des Seminars für Alte Geschichte, Würzburg 1993.
- Renate Lafer: Barbaren in der Grenzverteidigung des mittleren Donauabschnittes: Das Beispiel von Noricum und Pannonien. In: Visy Zsolt (Hrsg.): Limes XIX. Proceedings of the XIXth International Congress of Roman Frontier Studies. Universität Pécs, Pécs 2003.
- Michael Zerjadtke: Das Amt ›Dux‹ in Spätantike und frühem Mittelalter: Der ›ducatus‹ im Spannungsfeld zwischen römischem Einfluss und eigener Entwicklung. Walter de Gruyter, 2018 (Google Buch).
- Orsolya Heinrich-Tamáska (Hrsg.): Keszthely-Fenekpuszta im Kontext Spätantiker Kontunitärsforschung Zwischen Noricum Und Moesia. Castellum Pannonicum Pelsonense. Vol. 2, Archäologisches Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Geisteswissenschaftliches Zentrum, Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. Balatoni Múzeum (Balatoni-Museum) Verlag Marie Leidorf GmbH, Budapest • Leipzig • Keszthely • Rahden/Westf. 2011. Darin: Peter Scherrer: Noricum in der Spätantike – Zu den Forschungen des vergangenen Jahrzehnts (mit einem Beitrag von Bernhard Schrettle).
- Karl Holubar (Hrsg.): Römerlager Arrianis. Der Limes in Klosterneuburg. Stift Klosterneuburg 2018, ISBN 978 3-902177-50-0.
Weblinks
- Der Römische Limes in Österreich
- Der römische Limes in der Slowakei. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Februar 2011; abgerufen am 7. März 2018.
- Der Dux in der Notitia dignitatum (englisch)
- Notitia dignitatum
- Das Lusoria-Projekt der Universität Regensburg
Einzelnachweise und Anmerkungen
<references />
Comes Britanniarum | Comes litoris Saxonici per Britanniam | Dux Britanniarum | Dux Belgicae secundae | Dux tractus Armoricani et Nervicani | Comes tractus Argentoratensis | Dux Mogontiacensis | Dux Germaniae primae | Dux provinciae Sequanicae | Comes Italiae | Comes Illyrici | Dux Raetiae primae et secundae | Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis | Dux Valeriae ripensis | Dux Pannoniae secundae ripariensis et Saviae | Dux provinciae Tripolitanae | Comes Africae | Dux et praeses provinciae Mauritaniae et Caesariensis | Comes Tingitaniae | Comes Hispaniarum