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Dux tractus Armoricani et Nervicani

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Datei:Comes und Dux in West- und Ostrom.png
Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr.
Datei:Notitia Dignitatum - Dux tractus Armoricani et Nervicani.jpg
Notitia dignitatum: Die Kastelle und Festungsstädte Blabia, Benetis, Corumosismis, Mannatias, Aleto, Constantia, Rotomago, Abrincatis und Grannono am gallischen litus Saxonicum, die unter dem Kommando des Dux tractus Armoricani et Nervicani standen.

Der Dux tractus Armoricani et Nervicani (wörtlich: „Heerführer des armorikanischen und nervischen Landstrichs“) war ein hoher Offizier in der spätrömischen Armee des Westens und Oberkommandierender der Limitanei (möglicherweise auch von Flotteneinheiten) eines Abschnitts (in etwa die Küste zwischen Boulogne und der Gironde) der sog. Sachsenküste in Gallien.

Im frühen 5. Jahrhundert könnte Germanus von Auxerre dieses Amtes bekleidet haben.

Definition, Funktion und Kommandobereich

Das Amt wird nur in der Notitia dignitatum<ref>Occ. I 45 und XXXVII.</ref> erwähnt und wurde vermutlich im späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert n. Chr. unter der Herrschaft Diokletians (284–305) oder Konstantin I. (306–337) eingerichtet. Am kaiserlichen Hof zählte der Dux zur höchsten Rangklasse der viri spectabiles. Sein Überwachungsgebiet erstreckte sich über die Nordküste Galliens, von der Mündung der Loire bis zur Mündung der Seine in den Ärmelkanal.

In der Notitia dignitatum werden für den gallischen Teil des litus Saxonicum zwei hohe Kommandostellen (Dukate) und die dazugehörigen Einheiten für die Sicherung der

aufgezählt, der oben aufgeführte Befehlshaber und der benachbarte Dux Belgicae secundae.<ref>Occ. XXXVIII.</ref> Wie der Comes litoris Saxonici per Britanniam kommandierte der Dux aber nur einzelne Abschnitte bzw. die Kastelle in diesen Regionen, aber wohl nicht alle Truppenaufgebote der oben angeführten Provinzen.<ref>Ralf Scharf 2005, S. 71.</ref>

Entwicklung

Im Zuge der Reichsreform unter Kaiser Diokletian (284–305) wurden in Britannien und Gallien neue Militärämter eingeführt. An beiden Seiten des Ärmelkanals entstand damals der Limes der sogenannten Sachsenküste. An stark exponierten Abschnitten und Flussmündungen wurden Kastelle teilweise neu errichtet oder schon vorhandene umgebaut. Deren Besatzungen hatten die Aufgabe, Plünderer und illegale Siedler abzuwehren oder ihnen wenigstens den Zugang ins Landesinnere zu erschweren. Die Zuständigkeit für die Sicherung beider Küsten lag in der Mitte des 4. Jahrhunderts bei einem Comes Maritimi Tractus. 367 kam es zu einem Einfall mehrerer Barbarenvölker in Britannien, in dessen Verlauf die dortigen Provinzstreitkräfte zersprengt und fast zur Gänze aufgerieben wurden. Auch ihre Oberbefehlshaber fanden dabei den Tod, darunter der „Graf der Küstenregionen“, Nectaridus. Sein Zuständigkeitsbereich muss dann – spätestens um 395 – in drei Militärbezirke geteilt worden sein. Man wollte damit auch verhindern, dass ein Heerführer zu viele Einheiten unter sein Kommando bekam, und Aufständen (wie zum Beispiel die Usurpation des britischen Flottenbefehlshabers Carausius) vorbeugen. Für den gallischen Teil der Sachsenküste wurden deshalb zwei neue Dukate geschaffen. Das Kastell Grannona diente dem Dux wahrscheinlich als Hauptquartier.<ref>Sein Standort ist bis heute umstritten, entweder an der Mündung der Seine oder beim heutigen Port-en-Bessin-Huppain.</ref> Er konnte die Küstenverteidigung bis Anfang des 5. Jahrhunderts aufrechterhalten.<ref>barbarica conspiratio, Ammianus 27, 8, 1–6; Peter Salway 2001, S. 281.</ref>

Das Amt wurde wohl im zweiten Jahrzehnt des fünften Jahrhunderts wieder aufgelöst. Die in der Normandie und der Bretagne stationierten Limitanei dürften entweder schon nach dem Zusammenbruch des Rheinlimes, 406, oder bei Ausbruch der Bagaudenaufstände, 408/409, vollständig abgezogen worden sein. Wahrscheinlich schlossen sie sich aber dem Usurpator Konstantin III. (407–411) an, als dieser im Jahr 407 mit der britischen Provinzarmee auf dem Kontinent landete. Flavius Constantius (414–421) gelang es erst im Jahr 418 das Reich erneut zu stabilisieren, danach hatte das westliche Feldheer aber fast die Hälfte seiner Einheiten verloren, was durch die Versetzung von Grenzsoldaten zum mobilen Feldheer kompensiert werden sollte. Die Truppen des Dux wurden dort mehrheitlich als Pseudocomitatenses eingegliedert. Ihr Abzug erleichterte die Aufstände der Bagauden und die Landnahme von Veteranen aus Britannien in Armorica.

Der Dux wird zwar in der Notitia zwar noch als einer der zwölf Dux limites des Westreichs angegeben, in der Liste des Oberbefehlshabers der westlichen Fußtruppen, dem magister peditum (auch der Dux provinciae Sequanicae scheint hier nicht mehr auf), fehlt er jedoch. Anscheinend existierte das Amt zur Zeit der letzten Aktualisierung der westlichen Notitia (ca. 395–425) nicht mehr. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum die Bretagne so rasch der römischen Kontrolle entglitt. Laut dem Historiker Zosimos (6.5.3) vertrieben die Provinzialen 409 die römischen Verwaltungsbeamten und erklärten sich für unabhängig. Die Althistoriker Arnold Hugh Martin Jones und John Robert Martindale vertraten hingegen die Ansicht, dass vielleicht der spätere Bischof von Auxerre, Germanus, noch mit diesem Amt betraut wurde, da auch die Lugdunensis IV in den Zuständigkeitsbereich des Dux fiel. Nach dem Studium der Rechte in Rom wurde Germanus zum advocatus des Präfekten von Auxerre und später möglicherweise auch zum Truppenbefehlshaber ernannt. In der Vita Germani des Constantius von Lyon wird erwähnt, dass ihm unter anderem der Status eines ducatus zuerkannt wurde. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass er vor seinem Eintritt in den Klerus, 418, das Amt des Dux bekleidete. Spätestens zwischen 450 und 460, als der Nordwesten Galliens vom Weströmischen Reich durch den Machtzuwachs der Franken abgeschnitten wurde, dürften sich die Verwaltungsstrukturen des Dukats aufgelöst haben. Eventuell lebte das Amt noch eine Zeitlang in der romanischen Enklave des Magister militum per Gallias Aegidius fort.<ref>John Robert Martindale: Germanus 1. In: The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE). Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20159-4, S. 504–505. Friedrich Wilhelm Bautz: Germanus von Auxerre. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 225–226. Jürgen Oldenstein 2009, S. 295, Michael Zerjadtke 2018, Abschnitt 7.2.2.</ref>

Verwaltungsstab

Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter:<ref>Officium autem habet idem vir spectabilis dux hoc modo</ref>

  • Principem ex officiis magistrorum militum praesentalium alternis annis (Kanzleivorsteher, wurde alle zwei Jahre vom Heermeister neu bestellt)
  • Numerarios duos, ex utrisque officiis praesentalibus singulos (zwei Buchführer)
  • Commentariensem ex utrisque officiis alternis annis (Rechtsgelehrte, für zwei Jahre bestellt)
  • Adiutorem (Assistent)
  • Subadiuuam (Hilfskraft)
  • Regrendarium (Verwalter)
  • Exceptores (Juristen)
  • Singulares et reliquos officiales (Leibwächter und sonstige Beamte)

Truppen

Zehn Tribunen und Präfekten und ihre Einheiten standen dem Dux zur Verfügung.<ref>sub dispositione</ref> Seine Truppenliste entsprach aber wohl längst nicht mehr der Realität als der Abschnitt der gallischen Feldarmee in der Notitia Occ. zum letzten Mal aktualisiert wurde. Diese Einheiten waren ausnahmslos Limitanei. Viele von ihnen sind identisch mit den Pseudocomitatensis der gallischen Feldarmee unter dem Kommando des Magister Equitum in Praesenti und des Magister Peditum in Praesenti. Der Magister Equitum<ref>ND Occ. VI.</ref> befehligte Pseudocomitatenses, die auch in der Liste des Magister Peditum angegeben sind. Es scheint, dass diese Truppen von den Limitanei des Dux Mogontiacensis und auch des Dux der Armorica stammen.

Distributio Numerorum

Laut der ND Occ. standen dem Dux zehn Infanterieeinheiten zur Verfügung:<ref>sub dispositione</ref>

Offiziere/Einheiten/Kastelle Bemerkung Abbildung
Normandie Farbgebung nach der Überlieferung im Oxford-Manuskript der Notitia Dignitatum
Tribunus cohortis primae novae Armoricanae, Granonna in litore saxonico Eine aus Aremoricanern rekrutierte erste Kohorte, stationiert im Kastell Granonna, an der gallischen Sachsenküste. Der Zusatz nova deutet darauf hin, dass die Einheit erst im Zuge der spätantiken Heeresreformen aufgestellt oder aus den Resten älterer Verbände neu formiert werden musste. Ihr Kastell wird ihm heutigen Granville oder Port-en-Bessin vermutet. Einiges spricht für Port-en-Bessin, da der Ort direkt an der Mündung der Aure liegt und über einen natürlichen Hafen verfügt. Archäologische Ausgrabungen auf dem nahen Mont Castel deuten dort zudem auf eine größere militärische Präsenz der Römer hin. Die neuere Forschung betrachtet Grannona hingegen als eine Art Überwachungsgebiet oder Verteidigungsabschnitt mit mehreren Stützpunkten. Da die einzige historische Quelle über diese Einheit, die Notitia Dignitatum Occ., keine Liste von Offiziersnamen enthielt, ist auch die Identität des Offiziers, der diesen Posten innehatte, nicht zu bestimmen.
Datei:Schildzeichen unbekannt.png
Schildzeichen unbekannt
Praefectus militum Dalmatarum, Abrincatis Wahrscheinlich sind die – auch beim Magister Peditum aufscheinenden – Infanteristen der Abrincateni dieselben wie die von Praefect in Abrincatis (heute Avranches) befehligte Einheit. Mit einer Ausnahme waren alle anderen „dalmatinischen“, in der Notitia angegebenen Einheiten Kavalleristen. Die andere, vom Tribunus cohortis secundae Dalmatarum unter dem Dux Britanniarum kommandierte Infanterietruppe, lag im Kastell Magnis am Hadrianswall. Da der kommandierende Offizier der Abrincateni ein Präfekt war, könnten sie ursprünglich aus einer Legion herausgezogen worden sein. Von welcher ist jedoch unbekannt. Das Schildmuster ist relativ einfach und weist einen roten Buckel auf, der von einem indigoblauen Band umgeben ist, sowie ein weißes Hauptfeld und ein roter Schildrand. Auf der 12-Uhr-Position befindet sich eine rote Scheibe, die vermutlich – stark vereinfacht – ein Kaiserporträt darstellen soll, wie es auch auf vielen anderen Schildmustern der Notitia zu finden ist.
Datei:Abrincateni.png
Truppenliste des Magister Peditum: Schildbemalung der Abrincateni im frühen 5. Jahrhundert
Praefectus militum primae Flaviae Die Soldaten der ersten flavischen waren im Kastell Constantia (heute Coutances) stationiert.<ref name=ndocc37>Notitia dignitatum Occ. XXXVII; vgl. Ralf Scharf: Der Dux Mogontiacensis und die Notitia Dignitatum. Eine Studie zur spätantiken Grenzverteidigung. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018835-X, S. 247.</ref> Prima Flavia wurde im 4. Jahrhundert häufig für die Benennungen von Einheiten verwendet. Die Einheit wurde später in die mobile Feldarmee eingereiht und zu Pseudocomitatenses erhoben, sie diente bis zum frühen 5. Jahrhundert im weströmischen Heer. Der Präfekt der Legio I Flavia Pacis war zeitweise dem Dux Mogontiacensis unterstellt. Die Prima Flavia Constantia, stand laut ND unter dem Kommando des Magister militum per Orientem (Ostreich) und wurde vermutlich während der Regierungszeit des Constantius I. (293–306) rekrutiert, sie steht aber wohl in keinem Zusammenhang mit der Garnison von Coutances.
Datei:Prima Flavia Gallicana Constantia ND Bodleian Manuscript.png
Truppenliste des Magister Peditum: Schildbemalung der Prima Flavia Gallicana Constantia im frühen 5. Jahrhundert
Praefectus militum Ursariensium, Rotomago Ihr Name bedeutet „Bärenfänger“, sie lagen im Kastell von Rouen und waren vermutlich einst ein Teil der rätischen Stammlegion Legio III Italica. Die Ursarienses werden in der gallischen Feldarmee schon als Comitatenses gelistet, nicht als Pseudocomitatenses, wie man sich erwarten würde. Dies zeigt, dass sie wohl nach dem Zusammenbruch des Limes im Jahre 406 als eine der ersten Einheiten in die oben angeführte Feldarmee eingegliedert und deswegen aufgewertet wurden. Arnold H. M. Jones meint, dass dieser Präfekt identisch mit dem Praefectus militum Ursariensium in der Armee des Dux Raetiae ist, aber die Limitanei Aremoricas scheinen für den ursprünglichen Truppenverband dieser Einheit doch die besseren Kandidaten zu sein.<ref>ND Occ. V., Jones 1964, S. 365–366 (Vol. 3).</ref>
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Truppenliste des Magister Peditum: Schildbemalung der Ursarienses im frühen 5. Jahrhundert
Praefectus militum Grannonensium Die sonst nirgends in antiken Quellen erwähnten Soldaten der Garronenses waren in Grannono – nicht identisch mit der Festung Grannona, wie manche Wissenschaftler annehmen oder ein Abschreibfehler der mittelalterlichen Kopisten – stationiert. Das Kastell wird entweder in Granville, Port-en-Bessin oder Landoec vermutet. Für Granville spricht, seine günstige Lage auf einem Felsvorsprung an der Westküste der Halbinsel Cotentin, ideal zur Überwachung des Schiffsverkehrs im Ärmelkanal. Es fehlen jedoch bisher eindeutige archäologische Belege für ein spätantikes Kastell im heutigen Stadtgebiet. Debattiert wir auch darüber, ob es sich dabei einfach um einen zweiten Stützpunkt im Überwachungsgebiet von Grannona gehandelt haben könnte. Der antike Name des Kastells könnte sich von einem Heiligtum der keltischen Gottheit Grannos (oft mit Apollo gleichgesetzt) ableiten.
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Schildzeichen unbekannt
Bretagne
Praefectus militum Martensium, Aleto Vermutlich identisch mit den Martenses. Eine Einheit der Pseudocomitatenses in der Armee des Magister peditum. Eine ihrer Vexillationen scheint als Marienses in der Armee des Magister Equitum per Gallias auf. Das Kastell Aleto wird im heutigen Saint-Servan (bei Saint-Malo) vermutet. Es handelte sich hier um eine Infanterieeinheit, deren Name sich wohl vom Kriegsgott Mars ableitet (lat. martia = kriegerisch).<ref>Notitia Dignitatum Occidentis XXXVII</ref> Die Besatzung von Aleto sicherte den Küstenabschnitt an der Mündung der Rance. Eine Einheit gleichen Namens stand in der Armee des Dux Mogontiacensis und war im Kastell Alta Ripa (Altrip) stationiert.
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Truppenliste des Magister Peditum: Schildbemalung der Martenses im frühen 5. Jahrhundert
Praefectus militum Maurorum Osismiacorum Der Name bedeutet, die Soldaten der Mauren im Kastell Osismis (entweder das heutige Carhaix-Plouguer oder Brest), im damaligen Siedlungsgebiet der Osismier. Die Einheit bestand aus Soldaten (Milites Mauri), die wohl ursprünglich aus Nordafrika stammten. In den Listen des Magister Peditum und des Magister equitum ist diese Truppe noch als geschlossene Einheit eingetragen. Trotz der großen Ähnlichkeit des Schildmusters mit dem chinesisch-taoistischen Yin und Yang ist zu beachten, dass es in chinesischen Quellen erstmals etwa 700 Jahre nach Zusammenstellung der Notitia dignitatum auftaucht. Vermutlich geht das römische Schildmuster auf ein keltisches Symbol zurück, bekannt unter anderem vom sogenannten Desborough-Mirror, ein Bronzespiegel aus den Jahren zwischen 50 vor und 50 nach Chr., gefunden 1908 in Northamptonshire, England. Solche Symbole sind ein häufig vorkommender Bestandteil der frühkeltischen Kunst, besonders auf den britischen Inseln.
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Truppenliste des Magister Peditum: Schildbemalung der Mauri Osimiaci im frühen 5. Jahrhundert
Praefectus militum Maurorum Benetorum Dieser Offizier hatte im Kastell Benetis (heute Vannes), wohl eine Vexillation der Mauri Osismiaci unter seinem Kommando.
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Schildzeichen unbekannt
Aquitanien
Praefectus militum superventorum, Mannatias Die Truppe lag in einem Kastell beim heutigen Nantes, an der Mündung der Loire. Die genaue Bedeutung von „Superventores“ ist unklar, möglicherweise waren diese Soldaten speziell für Überraschungsangriffe aus dem Hinterhalt ausgebildet worden. In der Notitia werden verschiedene Einheiten mit diesem Beinamen aufgeführt, was darauf hindeutet, dass es sich eher um eine Funktionsbezeichnung als um einen Eigen- oder Ehrennamen handelte. Da diese Einheit von einem Präfekten befehligt wurde, bedeutet dies wohl, dass ihre Angehörigen von einer Legion abkommandiert wurde. Ammianus Marcellinus erwähnt eine Legio Superventores die bei der Belagerung der Stadt Amida gemeinsam mit den Praeventores nächtliche Ausfälle gegen die Perser unternahmen. (Res gestae 18.9.3). Es ist jedoch nicht sicher, ob sie dieselbe ist wie die in der westlichen Notitia aufgelisteten Truppe. Milites superventures standen ansonsten noch in der Armee des Dux Scythiae (Ostreich), vermutlich waren sie Angehörige der Hilfstruppen. Sie standen in keinem Zusammenhang mit den Superventures iuniores, in der Notitia scheinen auch keine Superventores seniores auf.
Datei:Superventores iunores.png
Truppenliste des Magister Peditum: Schildbemalung der Superventores iuniores im frühen 5. Jahrhundert
Praefectus militum Carronensium Diese Einheit, stationiert in Blabia (das heutige Blaye), könnte ebenfalls ursprünglich aus Grannona stammen (vielleicht wieder ein Abschreibfehler der Kopisten). Der Präfekt kommandierte in diesem Fall nur eine vexillation der Garronenses. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Einheit nach ihrem Stationierungsort an der Mündung des Carronus (Gironde) benannt wurde.<ref>David Breeze: of the Roman Empire: The Saxon Shore and the Maritime Coast: Frontières de l’Empire Romain : Le Litus Saxonicum et la Côte Maritime [Bilingual ed.], Archaeopress Archaeology 2022, S. 80.</ref>
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Schildzeichen unbekannt

Literatur

  • Arnold Hugh Martin Jones: The Later Roman Empire, 284–602. A Social, Economic and Administrative Survey. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 1986, ISBN 0-8018-3285-3 (Paperback edition).
  • Thomas S. Burns: Barbarians within the Gates of Rome. A Study of Roman Military Policy and the Barbarians, ca. 375–425 A.D. Indiana University Press, Bloomington IN 1994, ISBN 0-253-31288-4.
  • Robert Grosse: Römische Militärgeschichte von Gallienus bis zum Beginn der byzantinischen Themenverfassung. Weidmann, Berlin 1920 (Reprint Arno Press, New York NY 1975, ISBN 0-405-07083-7).
  • Ralf Scharf: Der Dux Mogontiacensis und die Notitia Dignitatum. Eine Studie zur spätantiken Grenzverteidigung. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-11-018835-X (Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsbände, Band 48. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • Jürgen Oldenstein: Kastell Alzey. Archäologische Untersuchungen im spätrömischen Lager und Studien zur Grenzverteidigung im Mainzer Dukat. Habilitationsschrift, Universität Mainz 1992 (online).
  • Peter Salway: History of Roman Britain. Oxford Paperbacks 2001.
  • Michael S. DuBois: Auxillae: A Compendium of Non-Legionary Units of the Roman Empire. Lulu Press 2015, ISBN 978-1-329-63758-0.
  • Michael Zerjadtke: Das Amt Dux in Spätantike und frühem Mittelalter: Der ducatus im Spannungsfeld zwischen römischem Einfluss und eigener Entwicklung. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2018.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

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