Zum Inhalt springen

Bezirksamt Teuschnitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 17. Januar 2026 um 17:40 Uhr durch imported>Gomera-b (Literatur-EN strukturiert).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Basisdaten<ref name="OV1925">Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 1159–1160 (Digitalisat).

</ref>

Regierungsbezirk Oberfranken
Verwaltungssitz Teuschnitz
Fläche 310,7 km²
Einwohner 22.077 (1925)
Bevölkerungsdichte 72 Einw./km² (1925)

Das Bezirksamt Teuschnitz war bis 1931 ein Verwaltungsbezirk im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken. Die bayerischen Bezirksämter waren hinsichtlich ihrer Funktion und Größe vergleichbar mit einem Landkreis.

Geschichte

Datei:Teuschnitz - Hauptstraße 30.jpg
Ehemaliges Bezirksamtsgebäude, Hauptstraße 30 in Teuschnitz

Das Bezirksamt Teuschnitz wurde erstmals zur Zeit des Königreichs Bayern im Rahmen der Verwaltungsreform von 1862 zum 1. Juli 1862 gebildet. Es entstand aus den Gemeinden der Landgerichte älterer Ordnung Ludwigsstadt und Nordhalben und hatte seinen Sitz in Teuschnitz. Bei seiner Gründung umfasste es 37 Gemeinden; der im heutigen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen gelegene Ort Kaulsdorf, der seit 1810 als Exklave zu Bayern gehörte, fiel mit Ende des Deutschen Krieges von 1866 jedoch zurück an Preußen.<ref name="jahrbuch" details="S. 24">Pfadenhauer, Lang: Bezirksamt Teuschnitz im Jahr 1931 aufgehoben (= Landkreis Kronach, Bernd Graf [Hrsg.]: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach. Band 23-2001/02). Kronach-Neuses 2002, S. 24–35.</ref>

Zum 1. Januar 1880 wurde das Bezirksamt aufgelöst und in das Bezirksamt Kronach eingegliedert.<ref name="jahrbuch" details="S. 24f" /> Dies geschah gegen den Widerstand der Stadt Teuschnitz, die auf ihre zentrale Lage innerhalb des Amtsbezirkes und die gute verkehrstechnische Anbindung der umliegenden Ortschaften verwies und wirtschaftliche Einbußen befürchtete. Die Regierung in München argumentierte hingegen, dass sämtliche wirtschaftlichen Bedürfnisse im Bezirksamt Teuschnitz ohnehin auf Kronach ausgerichtet seien und durch die im Bau befindliche Frankenwaldbahn die erforderliche Infrastruktur zur Verfügung stehen werde. Da sich dies in der Praxis nicht bestätigte und die ungünstigen Verkehrsverhältnisse im vergrößerten Bezirksamt Kronach die Verwaltung sehr erschwerten, wurde das Bezirksamt Teuschnitz im Jahr 1888 erneut eingerichtet.<ref name="jahrbuch" details="S. 25" />

Bereits in den 1920er Jahren gab es wiederum Bestrebungen zur Reform der Bezirksämter Teuschnitz und Kronach. So wurde diskutiert, das Amt Teuschnitz zu stärken, indem ihm die zum Bezirksamt Kronach gehörenden Gemeinden Eila, Gifting, Grössau und Posseck zugewiesen würden; die betroffenen Kommunen sprachen sich jedoch dagegen aus.<ref name="jahrbuch" details="S. 26" />

Von Seiten des Innenministeriums wurde Ende November 1928 ein Vorschlag unterbreitet, der möglicherweise auf eine Initiative des Bezirkstags Teuschnitz zurückgeht, der dem bayerischen Innenminister eine entsprechende Denkschrift überreicht hatte. So sollte der Sitz des Bezirksamtes Teuschnitz nach Rothenkirchen verlegt werden, da das dortige Finanzamtsgebäude durch die Zusammenlegung der Finanzämter Rothenkirchen und Kronach zur Verfügung stünde. Wegen der besseren verkehrstechnischen Erreichbarkeit sollten gleichzeitig die Gemeinden Heinersberg, Langenbach und Steinbach bei Geroldsgrün dem Bezirksamt Naila zugeteilt werden und die Gemeinden Dürrenwaid, Lahm, Nordhalben und Nurn dem Bezirksamt Kronach. Im Gegenzug sollten die Gemeinden Burggrub, Eila, Gifting, Glosberg, Grössau, Haig, Neukenroth, Posseck, Reitsch, Stockheim und Wolfersdorf dem neu zu schaffenden Bezirksamt Rothenkirchen zugewiesen werden. Die Bezirksamtsmänner der Ämter Kronach und Teuschnitz wurden gebeten, zu diesen Plänen Stellung zu nehmen.<ref name="jahrbuch" details="S. 27" />

Der Kronacher Bezirksamtsmann begrüßte den Vorschlag weitgehend, sprach sich jedoch mit Ausnahme von Eila, Grössau und Posseck dagegen aus, die dem Bezirksamt Kronach zugehörigen Gemeinden einem neuen Bezirksamt Rothenkirchen zuzuweisen, da diese ausschließlich auf Kronach hin orientiert seien.<ref name="jahrbuch" details="S. 28" />

Der Teuschnitzer Bezirksamtsmann, Lorenz Teufel, sprach sich hingegen eher für die Zusammenlegung der Bezirke Teuschnitz und Kronach aus. Er argumentierte, dass die Bevölkerung des Amtes Teuschnitz ohnehin aus wirtschaftlichen Gründen oder zur Erledigung anderer Amtsangelegenheiten nach Kronach reisen würde, sodass eine Verlegung des Amtssitzes nach Rothenkirchen keine grundlegende Verbesserung darstelle. In weiteren Schreiben an die Staatsregierung erklärte er, dass der Bezirkstag einer Vereinigung der beiden Bezirksämter vor allem deshalb skeptisch gegenüber stünde, weil die Mitglieder eine Vernachlässigung der Interessen der ehemaligen Teuschnitzer Gemeinden im neuen Bezirksamt fürchteten.<ref name="jahrbuch" details="S. 29" /> Die Gemeinden selbst stünden einer Zusammenlegung der beiden Ämter eher gleichgültig bis positiv gegenüber.<ref name="jahrbuch" details="S. 30" /> Die vor allem aus Arbeitern und Landwirten bestehende Bevölkerung im wirtschaftlich schwachen Bezirksamt Teuschnitz fühle sich jedoch ganz allgemein von Seiten der Staatsregierung und der bayerischen Behörden im Vergleich zu anderen Bezirken stiefmütterlich behandelt.<ref name="jahrbuch" details="S. 31" />

Am 25. April 1931 teilte das Innenministerium der Regierung von Oberfranken mit, dass das Bezirksamt Teuschnitz aufgehoben werden und dessen Gemeinden den Bezirksämtern Naila und Kronach zugeteilt werden sollten. Der Bezirkstag Kronach stimmte diesen Plänen am 7. Mai 1931 zu, wies dabei jedoch auf die hohe Arbeitslosigkeit in den Bezirken Teuschnitz und Kronach hin und forderte von der Staatsregierung entsprechende Fördermaßnahmen, vor allem hinsichtlich des Straßenbaus.<ref name="jahrbuch" details="S. 33" />

Der Bezirkstag Teuschnitz erklärte sich am 8. Mai 1931 nicht mit der Zusammenlegung einverstanden und forderte erneut den Erhalt des Amtes Teuschnitz unter Verlegung des Amtssitzes nach Rothenkirchen.<ref name="jahrbuch" details="S. 33" /> Gleichzeitig beschlossen die Mitglieder, Oberregierungsrat Teufel solle bei einer Zusammenlegung der beiden Bezirke Teuschnitz und Kronach neuer Bezirksamtsvorstand werden.<ref name="jahrbuch" details="S. 34" />

Am 19. Mai 1931 wurde das Bezirksamt Teuschnitz vom bayerischen Innenminister Karl Stützel per Telegramm über die endgültige Auflösung des Amtes am 1. Juni 1931 informiert. Die beiden Gemeinden Langenbach und Steinbach bei Geroldsgrün wurden dem Bezirksamt Naila zugewiesen, der Rest dem Bezirksamt Kronach. Pläne für die Einrichtung einer Bezirksamtsaußenstelle in Ludwigsstadt wurden im Hinblick auf die gute Verkehrsanbindung des Ortes abgelehnt.<ref name="jahrbuch" details="S. 34" /> Neuer Bezirksamtsmann des vergrößerten Bezirksamts Kronach, das zu diesem Zeitpunkt lediglich von einem Verweser geführt wurde, wurde der bisherige Teuschnitzer Bezirksamtsmann Lorenz Teufel.<ref name="jahrbuch" details="S. 35" />

Einwohnerentwicklung

Jahr 1840 1861 1875 1900 1910 1925
Einwohner<ref name="HistGV52">Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 132–133, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).</ref> 15.134 16.355 16.917 18.063 20.120 22.077

Einwohnerzahl der Gemeinden mit mehr als 1.000 Einwohnern (Stand 1925):<ref>Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 1159–1166 (Digitalisat). </ref>

Gemeinde Einwohner
Ludwigsstadt 1636
Nordhalben 2063
Pressig 1320
Tettau 1245
Teuschnitz 1289

Gemeinden

Dem Bezirksamt gehörten 36 Gemeinden an:

Literatur

  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3769696980 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Rudolf Pfadenhauer, Dietmar Lang: Bezirksamt Teuschnitz im Jahr 1931 aufgehoben (= Landkreis Kronach, Bernd Graf [Hrsg.]: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach. Band 23-2001/02). Anton Hauguth-Verlag, Kronach-Neuses 2002, ISBN 3-9803467-6-5, S. 23–37.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein