Renzendorf
Renzendorf Gemeinde Schwalmtal
| ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(183)&title=Renzendorf 50° 42′ N, 9° 19′ O
{{#coordinates:50,702844444444|9,3098361111111|primary
|
dim=10000 | globe= | name=Renzendorf | region=DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code | type=city
}} |
| Höhe: | 313 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 1,15 km²<ref name="lagis" /> | |||||
| Einwohner: | 183 (30. Juni 2017)<ref name="DF">„Zahlen, Daten, Fakten“. In: Internetauftritt. Gemeinde Schwalmtal, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im Juni 2018.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 159 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 31. Dezember 1971 | |||||
| Postleitzahl: | 36318 | |||||
| Vorwahl: | 06638 | |||||
Renzendorf ist ein Ortsteil und Sitz der Gemeindeverwaltung der Gemeinde Schwalmtal im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Ortsgeschichte
Mittelalter
Der Ort wird 1336 erstmals erwähnt. Erhalten ist diese Erwähnung in einem Kopiar aus dem 16. Jahrhundert. Dabei geht es um eine Abgabe in „Rentzendorff“. In dem Eintrag wird auch eine Mühle erwähnt: „super moelndino in Rentzendorff“. (unter der Mühle in Renzendorf).<ref>Archiv Lauterbach Abt. 63.</ref> 1375 lautet in einem Kopiareintrag von 1448 der Ortsname „Renczendorff“. Dabei geht es um Besitzungen der Riedesel,<ref>Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 192, S. 51.</ref> ebenso wie 1467 „Rentzedorff“.<ref>Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 1014, S. 218.</ref> Auch hier handelt es sich um einen Kopiareintrag, jetzt aus dem 16. Jahrhundert. Die Brüder Hermann und Georg von Riedesel verkauften dem Alsfelder Bürger Gramhans u. a. ein Gut zu Renzendorf, das Mole (Müller) Wigand von Renzendorf innehatte sowie die Molenwiese halb. Gramhan stiftete die Güter vor seinem Tod dem Augustinerkloster in Alsfeld. 1707 wird erstmals die Siedlungsform Dorf für „Renzendorff“ genannt: „des Dorffs Renzendorff“.<ref>StAD, Urkunden Oberhessen, Renzendorf.</ref> Der Ortsname wird in der Namensforschung als „Siedlung des Renzo“ gedeutet. Dabei kann der Rufname, welcher den Ortsnamen bestimmt, nicht eindeutig geklärt werden. Entweder dürfte dies „Randizo“ oder „Reginzo“ sein.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 301.</ref>
Renzendorf ist seit Jahrhunderten durch gemeinsame Nutzung von Kirche und Schule eng mit dem Nachbarort Brauerschwend verbunden.
Neuzeit
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Ort dem Gericht Schwarz (heute Stadtteil von Grebenau) zugeordnet.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Renzendorf:
„Renzendorf (L. Bez. Alsfeld) evangel. Filialdorf; liegt an der Schwalm, 1 1⁄4 St. von Alsfeld, hat 17 Häuser und 112 Einwohner, die außer 1 Katholiken evangelisch sind, so wie 2 Mahlmühlen. Unter den Einwohnern sind 6 Bauern, 6 Bauern und Handwerker und 2 Taglöhner.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>
Gebietsreform
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen bildet Renzendorf zusammen mit weiteren acht zuvor selbständigen Ortschaften seit dem 31. Dezember 1971 die Gemeinde Schwalmtal.<ref></ref>
Territorialgeschichte und Verwaltung
Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Renzendorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
- vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen
- ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg<ref name="Amt">
Die Zugehörigkeit des Amtes Alsfeld anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866. </ref>
- 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg)
- ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberamt Alsfeld, Gericht Schwarz<ref name="NEB" />
- 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Alsfeld, Amt Alsfeld<ref name="Adr-LG-HD"/>
- ab 1806: Rheinbund, Großherzogtum Hessen, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Alsfeld, Amt Alsfeld<ref name="PR" /><ref name="Adr-LG-HD-1806" />
- ab 1812: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Amt Alsfeld<ref name="G15" />
- ab 1815: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Alsfeld<ref name="NLVK" />
- ab 1821: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Romrod (Trennung zwischen Justiz (Landgericht Alsfeld) und Verwaltung)<ref name="STH-Oberhessen" />
- ab 1829: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Alsfeld (Amtssitzverlegung)
- ab 1832: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1848: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld
- ab 1852: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1866: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Alsfeld
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen (seit 1946), Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Alsfeld
- am 31. Dezember 1971 wurde Renzendorf mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Schwalmtal zusammengeschlossen.
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis
- ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis
Gerichtszugehörigkeit seit 1803
In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Renzendorf das Amt Alsfeld zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Renzendorf zuständig war.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Einwohnerentwicklung
| • 1791: | 95 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD" /> |
| • 1800: | 96 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800" /> |
| • 1806: | 80 Einwohner, 14 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" /> |
| • 1829: | 112 Einwohner, 17 Häuser<ref name="GW" /> |
| • 1867: | 86 Einwohner, 12 Häuser<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref> |
| Renzendorf: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1791 | 95 | |||
| 1800 | 96 | |||
| 1806 | 80 | |||
| 1829 | 112 | |||
| 1834 | 97 | |||
| 1840 | 107 | |||
| 1846 | 99 | |||
| 1852 | 92 | |||
| 1858 | 82 | |||
| 1864 | 79 | |||
| 1871 | 87 | |||
| 1875 | 102 | |||
| 1885 | 88 | |||
| 1895 | 69 | |||
| 1905 | 79 | |||
| 1910 | 108 | |||
| 1925 | 108 | |||
| 1939 | 112 | |||
| 1946 | 217 | |||
| 1950 | 189 | |||
| 1956 | 179 | |||
| 1961 | 178 | |||
| 1967 | 175 | |||
| 1970 | 170 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2005 | 206 | |||
| 2010 | 200 | |||
| 2011 | 195 | |||
| 2015 | 183 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; Gemeinde Schwalmtal (aus Webarchiv):<ref name="DF" />; Zensus 2011<ref name="Z2011">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> | ||||
Religionszugehörigkeit
| • 1829: | 111 evangelische, ein römisch-katholischer Einwohner<ref name="GW" /> |
| • 1961: | 143 evangelische (= 80,34 %), 33 katholische (= 18,54 %) Einwohner<ref name="lagis" /> |
Politik
Ortsvorsteher ist Andreas Loll.<ref>Ortsbeirat Renzendorf. Abgerufen am 14. Dezember 2017.</ref>
Verkehr
Der Ortsteil besaß einen Haltepunkt am Streckenkilometer 66,9 der Bahnstrecke Gießen–Fulda. Renzendorf erhielt den Haltepunkt, nachdem der Nachbarort Brauerschwend es abgelehnt hatte, Gelände für einen Bahnhof zur Verfügung zu stellen, als im Jahre 1870 mit dem Bau der Bahnstrecke begonnen wurde.
Der Haltepunkt Renzendorf wurde zusammen mit dem Bahnhof Wallenrod im Rahmen des neuen Fahrplankonzeptes der Vogelsbergbahn zum Fahrplanwechsel 2011/2012 am 10. Dezember 2011 aufgelassen. Während Wallenrod noch als Betriebsbahnhof dient, wurde der Renzendorfer Haltepunkt komplett stillgelegt.<ref>Lauterbacher Anzeiger vom 29. Januar 2010: Geschlossene Bahnhöfe bekommen Busse und Taxen (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref><ref>Osthessen News vom 31. August 2011: Aus nach 142 Jahren? Pro Bahn & Bus gegen Bahnhofsschließung Wallenrod</ref> Jedoch erinnern noch heute (2014) das Stationsschild und der ehemalige Bahnsteig an den einstigen Haltepunkt.
Weblinks
- Ortsteil Renzendorf im Internetauftritt der Gemeinde Schwalmtal.
- Renzendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Suche nach Renzendorf. In: Archivportal-D der Deutschen Digitalen Bibliothek
Einzelnachweise
<references> <ref name="lagis">Renzendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="NEB"> Neue Erdbeschreibung. Dritter Theil, welcher das deutsche Reich nach seiner gegenwärtigen Staatsverfassung enthält. Joh. Carl Bohn, 1758, S. 1050 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 177 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 187 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 228 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 414 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 6 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="G15"> Eva Haberkorn, Friedrich Boss: Kreis Alsfeld 1821 - 1945 (= Repertorien Hessisches Staatsarchiv Darmstadt) Abt. G15 Alsfeld. S. 4 (PDF; 172 kB). In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 1985Vorlage:Abrufdatum. </ref> </references>
Brauerschwend | Hergersdorf | Hopfgarten | Ober-Sorg | Rainrod | Renzendorf | Storndorf | Unter-Sorg | Vadenrod
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Zitat
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2023-01
- Wikipedia:Weblink offline IABot
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Botmarkierungen 2019-05
- Ort im Vogelsbergkreis
- Geographie (Schwalmtal, Hessen)
- Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis)
- Gemeindeauflösung 1971
- Ersterwähnung 1336