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Karl Schranz

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Karl Schranz Vorlage:SportPicto
Karl Schranz
Nation OsterreichDatei:Flag of Austria.svg Österreich
Geburtstag 18. November 1938 (87 Jahre)
Geburtsort St. Anton am Arlberg
Größe 175 cm
Gewicht 73 kg
Karriere
Disziplin Slalom, Riesenslalom,
Abfahrt, Kombination
Verein Ski-Club Arlberg
Nationalkader seit 1960
Status zurückgetreten
Karriereende 1972
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 0 × Goldmedaille 1 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
Weltmeisterschaften 3 × Goldmedaille 2 × Silbermedaille 1 × Bronzemedaille
 Olympische Winterspiele
Silber Innsbruck 1964 Riesenslalom
 Alpine Skiweltmeisterschaften
Gold Chamonix 1962 Abfahrt
Gold Chamonix 1962 Kombination
Silber Chamonix 1962 Riesenslalom
Silber Innsbruck 1964 Riesenslalom
Bronze Portillo 1966 Riesenslalom
Gold Gröden 1970 Riesenslalom
Platzierungen im Alpinen Skiweltcup
 Einzel-Weltcupdebüt 5. Jänner 1967
 Einzel-Weltcupsiege 12
 Gesamtweltcup 1. (1969, 1970)
 Abfahrtsweltcup 1. (1969, 1970)
 Riesenslalomweltcup 1. (1969)
 Slalomweltcup 7. (1967)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Abfahrt 8 1 3
 Riesenslalom 4 1 4
 Slalom 0 1 1
 

Karl Schranz (* 18. November 1938 in St. Anton am Arlberg, Tirol) ist ein ehemaliger österreichischer Skirennläufer. Er zählt zu den erfolgreichsten und bekanntesten Rennläufern und wurde dreimal Weltmeister, gewann zweimal den Gesamtweltcup sowie den Disziplinenweltcup zweimal in der Abfahrt und einmal im Riesenslalom.

Biografie

Aufgewachsen in St. Anton am Arlberg, einer der bekanntesten Skiregionen Österreichs, begann Karl Schranz sehr zeitig mit dem Skilauf. Nach dem Wunsch seines Vaters, eines Eisenbahners, sollte er zwar einen „bürgerlichen“ Beruf erlernen, setzte sich aber schließlich durch und fuhr bereits in seiner Jugend zahlreiche Meisterschaftsrennen. Sein jüngerer Bruder Helmut wurde ebenfalls Skirennläufer.

Datei:Karl Schranz, Lauberhorn 1966.jpg
Lauberhorn 1966

Die ersten großen Siege feierte Schranz im Winter 1957 mit dem Gewinn der Abfahrt und der Kombination bei den Arlberg-Kandahar-Rennen in Chamonix. Bis zur Einführung des Weltcups im Winter 1967 konnte er, neben zahlreichen anderen Wettkämpfen, bei den Arlberg-Kandahar-Rennen weitere vier Abfahrten, drei Kombinationen und einen Slalom gewinnen. Am Lauberhorn in Wengen gewann er dreimal die Abfahrt und zweimal die Kombination, und zweimal war er auch am Hahnenkamm in Kitzbühel siegreich. Im Weltcup feierte Schranz insgesamt zwölf Siege, darunter jeweils zwei weitere Siege in Wengen und Kitzbühel. Er wurde 1969 und 1970 Gesamtweltcupsieger, gewann in denselben Jahren auch den Abfahrtsweltcup und 1969 zusätzlich den Riesenslalomweltcup.

Trotz der bereits 1957 erzielten Erfolge (speziell der Siege beim Kandahar-Rennen) wurde er nicht für die Weltmeisterschaften 1958 nominiert, was teilweise aber auch daran lag, dass pro Nation nur sechs Läufer genannt werden durften.<ref>«Putzi Frandl und Karl Schranz (beide Österreich) Sieger im 23. Arlberg-Kandahar von St. Anton»; «Sport Zürich», Nr. 29 vom 10. März 1958, S. 4.</ref> Schranz wurde bei den Weltmeisterschaften 1962 im französischen Chamonix Weltmeister in der Abfahrt und in der Kombination, acht Jahre später gewann er bei den Weltmeisterschaften 1970 in Gröden im Riesenslalom seinen dritten Titel. Auch bei den Weltmeisterschaften 1966 gewann er eine Medaille im Riesenslalom, und zwar die bronzene. Eine mögliche weitere Medaille in der Kombination (er lag in der Zwischenwertung hinter Jean-Claude Killy auf Rang 2), vergab er im abschließenden Slalom am 14. August, als er bereits im ersten Lauf disqualifiziert wurde.<ref>«Kombination: Killy vor Schranz und Lacroix». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 11. August 1966, S. 10.</ref> Einen guten Monat vorher hatte er sich beim Riesenslalom-Training am Stilfser Joch bei einem Sturz eine Bänderverletzung im rechten Schultergelenk zugezogen und musste rund eine Woche lang einen leichten Gips tragen.<ref>«Karl Schranz erstes Portillo-Opfer». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 5. Juli 1966, S. 10.</ref>

Von 1958 bis 1968 gewann Schranz elf österreichische Meistertitel, wobei es bei seinen ersten 1958 in Bad Hofgastein, wo er am 28. Februar in der Abfahrt ex aequo mit Josef Rieder, dann am 1. März im Riesenslalom gewann – und am 2. März als Slalomzweiter (auch hier eine ex-aequo-Platzierung mit Toni Mark) – die Kombinationswertung holte – und dies eigentlich als „Junior“ (womit er diesbezüglich sogar vierfacher Meister wurde).<ref>«Josl Rieder und Karl Schranz im toten Rennen». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 1. März 1958, S. 10.</ref><ref>«Der zweite Titel für Karl Schranz». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 2. März 1958, S. 28.</ref><ref>«Das Come-back des Exweltmeisters». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 4. März 1958, S. 10.</ref> In den Jahren 1966, 1969 und 1970 wurde er von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten (AIJS) mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet.

Wenig Glück bei Olympischen Spielen

Trotz der Erfolge bei den Skiweltmeisterschaften blieb ihm ein Sieg bei den Olympischen Spielen versagt. Bei seiner ersten Teilnahme 1960 in Squaw Valley ging er verletzt an den Start. 1964 in Innsbruck erreichte er trotz Grippe eine Silbermedaille. 1968 in Grenoble lag er im abschließenden Slalom als Erster vor dem Franzosen Jean-Claude Killy, wurde aber nachträglich disqualifiziert. Im zweiten Durchgang des Slaloms, der bei dichtem Nebel stattfand, brach Schranz den Lauf ab, weil sich ein Pistenbetreuer in der Strecke befand. Er durfte den Lauf wiederholen und erzielte die Bestzeit. Danach hieß es, „der Stopp von Schranz und der Pistenarbeiter seien ohne Belang, da Schranz schon vorher einen Torfehler begangen habe“. Die Laufwiederholung sei daher nicht zu gewähren gewesen. Schranz rechtfertigte den Torfehler jedoch ebenfalls mit der Ablenkung durch den Pistenarbeiter. Nach langen Beratungen der Jury wurde Schranz mit 3:2 Stimmen aus der Wertung gestrichen. Dass dadurch Killy sein drittes Olympiagold holte, ließ in Österreich alle möglichen Vermutungen aufkommen, und es gab verbale Entgleisungen sowohl in österreichischen als auch französischen Medien. Die Freude in Österreich über die Silbermedaille von Herbert Huber und die Bronzemedaille von Alfred Matt im betreffenden Slalom ging komplett im Hickhack ob der Schranz-Disqualifikation unter. Anzumerken ist zu den Jury-Beratungen, dass das britische Jury-Mitglied den Vorschlag unterbreitete, sowohl Schranz als auch Killy eine Goldmedaille zuzusprechen, was jedoch auf Grund des Reglements nicht möglich war.

Nachträglich gab es zwar diverse Eingeständnisse, die in der österreichischen Presse breiten Raum fanden, jedoch nichts änderten.<ref>«Schweizer Molitor sagt: „Verrückt“». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 21. Februar 1968, S. 12.</ref><ref>«Vor neuer Abstimmung der Slalomjury?» In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 23. Februar 1968, S. 16.</ref>

Schranz wurde knapp vor Beginn der Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo von IOC-Präsident Avery Brundage ausgeschlossen – nach einem Verstoß gegen das damalige Amateurgesetz. Ein dem IOC zugespieltes Foto, das Schranz in einem Jersey mit Kaffeewerbung zeigte, war offiziell für Brundage Indiz, dass Schranz „kein Amateur“ sei; Schranz hatte dieses „corpus delicti“ irgendwann einmal (wahrscheinlich im Sommer 1971) anlässlich eines Benefiz-Fußballspiels getragen. Die Entscheidung traf den Nationalstolz, und eine Welle der Empörung brauste auf. Der damalige Unterrichtsminister Fred Sinowatz empfahl einen Boykott und bat auch andere Nationen darum, was Schranz selbst nicht wollte. In Wien kursierten Anti-Brundage- und Pro-Schranz-Sticker, die selbst am konservativen Jägerball getragen wurden. Georg Danzer und André Heller veröffentlichten als Die Österreicher i. V. den hymnischen Landler Der Karli soll leb’n<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Karli soll leb’n (Memento des Vorlage:IconExternal vom 25. September 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.georgdanzer.at bei georgdanzer.at</ref> („… der Brundage steht daneb’n. [steht neben sich] Wir pfeifen auf’s Olympiagold. Wir haum’s ned gern, waun uns wer rollt. [foppt, narrt, ärgert] […] Er glänzt auch so, der Karli Schranz, für jung und alt ist er ein Held.“) Es wurden gleich 5000 Stück verkauft, und sie erreichte Platz 9 der Austro-Charts.<ref name="Friesenbichler">Georg Friesenbichler: Unsere wilden Jahre: die Siebziger in Österreich, Böhlau Verlag Wien, 2008, ISBN 978-3-205-78151-6, S. 92 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden., für 1972 gibt es bei austrocharts.ar noch keine Wertung, zu Heller siehe austrocharts.at)</ref> Als Schranz am 8. Februar aus Tokio in Wien-Schwechat ankam, warteten schon 7500 Fans, darunter die ÖVP-Führung. Insgesamt sollen 87.000 Menschen die Fahrt zum Ballhausplatz verfolgt haben, wobei sich Schranz aus dem Schiebedach von Sinowatzs (SPÖ) Dienstauto lehnte und Hände schüttelte. Dann folgte er der Einladung des damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) in das Kanzleramt, wo er drei Mal vom Balkon aus die Menge begrüßte.<ref name="Friesenbichler" /><ref>Zeitgeschichte: Rotweißroter Volksheld wider Willen, Die Presse, 19. Februar 2007, diepresse.com, 9. März 2007. Die Band Zottelshop ist definitiv falsch.</ref>

Datei:Karl Schranz Nacht des Sports 2008.jpg
Galanacht des Sports 2008

Schranz beendete nach dem Ausschluss seine aktive Skikarriere; er war auch etwas verbittert, weil eine anscheinend gegebene Zusage durch den damaligen Präsidenten des Internationalen Skiverbandes, Marc Hodler, als Kompensation eine eigene Weltmeisterschaft zu veranstalten, nicht eingehalten wurde. Seither lebt er mit seiner Familie in St. Anton am Arlberg und ist Inhaber des Hotels Karl Schranz, ist aber nach wie vor dem Skisport verbunden.

Filmdouble

1969 doubelte er Robert Redford im Film «Downhill Racer» (deutscher Titel: «Schussfahrt»), wobei der Filmheld Rennen um Rennen gewann.<ref>«Als Schranz für Redford raste». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 23. November 1979, S. 23, rechts oben.</ref>

Nach der Karriere

Um 1988 wurde ihm in einer feierlichen Zeremonie in Wien von IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch eine Olympia-Ehrenmedaille überreicht, was einer gewissen nachträglichen Entschuldigung des IOC gleichkam. Bereits bei den Olympischen Spielen in Calgary hatte es erstmals ein Gespräch zwischen ihm und Samaranch gegeben, das Schranz schon lang mit dem IOC-Präsidenten gesucht hatte.<ref>«OLYMPIA-ALLERLEI», Untertitel «Karl Schranz und das IOK», Sport Zürich, Nr. 24 vom 26. Februar 1988, Seite 13.</ref> Schranz wird in gewissem Sinne auch als Vorkämpfer für die Änderung diverser Amateurregeln betrachtet.

Als Mitglied des Ski-Club Arlberg trug er maßgeblich dazu bei, dass die Alpinen Skiweltmeisterschaften 2001 in St. Anton am Arlberg stattfanden.

Datei:Vladimir Putin in Austria 8-11 February 2001-18.jpg
Karl Schranz und Wladimir Putin, 2001

Seit er 2001 am Arlberg den russischen Präsidenten Wladimir Putin kennengelernt hatte, entwickelte er sich zu einem der engsten und einflussreichsten Berater Putins für die Austragung der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014.<ref>Pulver, Schnee und eine Traumaussicht. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 14. März 2018.</ref>

Erfolge

Olympische Winterspiele

Weltmeisterschaften

Weltcupwertungen

Karl Schranz gewann in den Saisonen 1968/69 und 1969/70 den Gesamtweltcup. Hinzu kommen drei Siege in Disziplinenwertungen (zweimal Abfahrt, einmal Riesenslalom).

Saison Gesamt Abfahrt Riesenslalom Slalom
Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte
1967 7. 62 13. 9 8. 21 7. 32
1968 8. 69 3. 39 11. 22 20. 8
1968/69 1. 182 1. 75 1. 70 9. 37
1969/70 1. 148 1. 65 4. 65 13. 18
1970/71 11. 57 8. 38 12. 19
1971/72 8. 83 2. 83

Einzelweltcupsiege

Insgesamt: 12 Weltcupsiege (8 × Abfahrt, 3 × Riesenslalom + WM-Riesenslalom von Gröden)

Datum Ort Land Disziplin
12. Dezember 1968 Val-d’Isère Frankreich Riesenslalom
11. Jänner 1969 Wengen Schweiz Abfahrt
18. Jänner 1969 Kitzbühel Österreich Abfahrt
1. Februar 1969 St. Anton Österreich Abfahrt
15. März 1969 Mont Sainte-Anne Kanada Riesenslalom
5. Jänner 1970 Adelboden Schweiz Riesenslalom
23. Jänner 1970 Megève Frankreich Abfahrt
1. Februar 1970 Garmisch-Partenkirchen Deutschland Abfahrt
10. Februar 1970 Gröden * Italien Riesenslalom
12. Dezember 1971 Val-d’Isère Frankreich Abfahrt
14. Jänner 1972 Kitzbühel Österreich Abfahrt
15. Jänner 1972 Kitzbühel Österreich Abfahrt

* 1970 zählten die Ergebnisse der Weltmeisterschaftsrennen auch für den Weltcup

Österreichische Meisterschaften

Schranz wurde elffacher Österreichischer Staatsmeister:

Bei den ab 20. Jänner 1960 in Saalfelden stattgefundenen Meisterschaften konnte er wegen einer Unterleibsverletzung, die er sich beim Slalom in Kitzbühel beim Aufprallen an eine Torstange zugezogen hatte (eine Wunde musste genäht werden), nicht teilnehmen.<ref>«Schranz startet nicht». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 19. Jänner 1960, S. 10.</ref>

Arlberg-Kandahar-Rennen

Hahnenkammrennen

Lauberhornrennen

Weitere Erfolge

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

  • Karl Schranz: Zweimal Weltmeister. Copress Verlag, München 1963
  • Karl Schranz: Die Karl Schranz Skischule. Ueberreuter Verlag, Wien 1973, ISBN 3-8000-3122-1
  • Karl Schranz: Mein „Olympiasieg“. Aufgezeichnet von Stefan König und Gerhard Zimmer. Herbig Verlag, München 2002, ISBN 3-7766-2308-X

Literatur

  • Anton Tantner: Der „Schranz-Rummel“ von 1972. Geschichte, Sport, Krieg und Konstruktion von Nation. In: ZeitRaum. Zeitschrift für historische Vielfalt, Neue Folge, Heft 2/1995, S. 8–33; Volltext (PDF; 217 kB); Volltext bei anno.onb.ac.at (PDF)
  • Florian Madl: Karl Schranz. Vom Sportidol zum Netzwerker: eine Biografie. Styria regional, Wien 2011, ISBN 978-3-7012-0055-9.

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

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