Florian Homm
Florian Wilhelm Jürgen Homm (* 7. Oktober 1959 in Oberursel) ist ein ehemaliger deutscher Hedgefondsmanager, Investor und Autor.
Der von Homm verwaltete Hedgefonds Absolute Capital Management (ACM) kam zeitweise auf ein Volumen von bis zu drei Milliarden US-Dollar, brach aber 2007 zusammen. Investoren sollen 200 Millionen US-Dollar verloren haben. Homm tauchte unter, sodass ihn FBI, SEC und DEA zur Fahndung ausschrieben. 2013 wurde Homm nach Hinweisen von Zielfahndern des FBI von der Polizei in Florenz verhaftet. Nachdem die Höchstdauer der Untersuchungshaft abgelaufen war, wurde er 2014 freigelassen.<ref>Florian Homm: Italien lässt mutmaßlichen Anlagebetrüger frei. In: Der Spiegel. Abgerufen am 2. Juli 2020.</ref> 2021 wurde er vom Bundesstrafgericht in Bellinzona zu drei Jahren Freiheitsentzug, davon 18 Monate zur Bewährung, wegen „qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und mehrfacher Urkundenfälschung“ verurteilt. Der Vorwurf, sich zwischen September 2005 und April 2008 um „mindestens 170.938.806 US-Dollar“ bereichert zu haben, wurde vom Gericht nicht weiterverfolgt. Die betreffenden Delikte wurden in den USA begangen, weswegen nach Auffassung des Bundesstrafgerichts keine schweizerische Gerichtsbarkeit besteht.
Durch die Sanierung des Bundesligisten Borussia Dortmund wurde Homm als Großaktionär in den frühen 2000ern einem breiten Publikum bekannt.<ref>BVB-Großaktionär Homm im Interview: „Ohne mich wäre die Borussia in der Oberliga“. In: Der Spiegel. Abgerufen am 11. Juni 2021.</ref>
Leben
Florian Homm wuchs als Sohn des mittelständischen Handwerksunternehmers Joachim Homm und seiner Frau Maria-Barbara Homm<ref>Thomas Veszelits: Die Neckermanns: Licht und Schatten einer deutschen Unternehmerfamilie. Campus, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-593-37406-4 (Vgl. Stammbaum).</ref> im hessischen Bad Homburg vor der Höhe auf. Sein Großonkel mütterlicherseits war der Unternehmer Josef Neckermann. Nach einem Studium an der Harvard University, das er mit einem Master of Business Administration an der Harvard Business School abschloss, begann Homm seine Tätigkeit in der US-amerikanischen Finanzwirtschaft bei der Investmentbank Merrill Lynch, danach war er bei dem US-Fondsanbieter Fidelity Investments, der Schweizer Privatbank Julius Bär und dem US-Vermögensverwalter Tweedy Browne tätig.
1993 machte er sich selbständig und gründete mit dem US-Amerikaner Kevin Devine die auf kleine Unternehmen spezialisierte Investmentgesellschaft Value Management & Research AG (VMR), mit der er später eine Reihe von erfolglosen Unternehmen – wie Toysinternational.com oder Comtelco – an Internetbörsen wie den Frankfurter Neuen Markt brachte. Erste Vorwürfe machten die Runde, Homm beeinflusse durch öffentliche Aussagen und Analysen über Unternehmen die Kurse, um davon dann mit seiner Gesellschaft als Investor zu profitieren. Aus aktueller Sicht verglich Homm sein Wirken nachträglich mit „aktiver Sterbehilfe“, die beinhaltete, vom Untergang von Konzernen zu profitieren.<ref>Tahir Chaudhry: Florian Homm: „Ich war zu einem Geldvermehrungsroboter mutiert.“ In: Galore Interviews. Abgerufen am 23. Februar 2019.</ref>
Der folgende Börsenboom machte ihn reich. Nachdem das geplante Zusammengehen mit der wenig später insolventen Gesellschaft Knorr Capital gescheitert war, verließ Homm VMR. VMR hatte im Jahr 2000 einen Börsenwert von 500 Millionen Euro, der zwei Jahre später mit der Dotcom-Blase kollabierte. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der Blase, attestierten die Ärzte dem damals 40-Jährigen Multiple Sklerose, eine Krankheit, an der seine Schwester 2005 verstarb.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends gründete er mit anderen in Los Angeles den Hedgefonds Absolute Capital Management Holdings Ltd. (ACM) mit Sitz auf der britischen offshore-Steueroase Kaimaninseln, den er 2006 in das unreglementierte Alternative Investment Market-Segment der London Stock Exchange führte. In seiner erfolgreichsten Phase verwaltete er mit ACM drei Milliarden Euro Kundenvermögen und schaffte damit den Sprung unter die 300 reichsten Deutschen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Florian Homm – Ein Phantom kehrt zurück. ( vom 7. Juni 2013 im Internet Archive) In: ftd.de, 7. November 2012.</ref> Sein Privatvermögen wurde auf 400 Millionen Euro geschätzt.<ref>„Wenn jemand viel Geld für mich verdient, berührt das den Kern meiner Seele“. In: Focus Money. 20. November 2012, abgerufen am 14. Oktober 2016.</ref> Er wurde von der Investmentzeitung Alternative Investment News als Hedge Fund Leader of The Year bezeichnet.<ref name="FTD1"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Welt jagt Florian Homm. ( vom 19. Mai 2012 im Internet Archive) In: FTD, abgerufen am 18. Juni 2012.</ref>
Homm sorgte dann mit seiner Forderung zur Aufspaltung von Freenet für Aufsehen. Er beteiligte sich mit ACM am Reisekonzern TUI und dem Fußballklub Borussia Dortmund. Insbesondere bei Borussia Dortmund sorgte er mit einem Engagement von 20 Millionen Euro für die Rettung des Vereins, leitete mit einer Zahlung verbunden mit einer Erklärung aber auch die Entmachtung der Führung des BVB ein.<ref>BVB-Präsident Niebaum - Entmachtung in drei Schritten - Sport - SZ.de. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 18. Juni 2012.</ref> In seiner Biographie berichtet Homm, er habe eigentlich mit dem BVB Geld machen und ihn an zwei russische Oligarchen verkaufen wollen. Als er, entgegen seiner Gewohnheit, erst nach seinem Einstieg eine Überprüfung des Unternehmens vorgenommen habe, habe er bemerkt, wie schlecht es dem Club gehe, und habe beschlossen, ihn zu retten, da man sich die Verluste nicht habe erlauben können.<ref>Florian Homm: Kopf Geld Jagd, Wie ich in Venezuela niedergeschossen wurde, während ich versuchte, Borussia Dortmund zu retten. FinanzBuch Verlag, 2012, ISBN 978-3-86248-414-0, S. 236.</ref>
Flucht
Im Verlaufe der Finanzkrise 2007 kam der oftmals in illiquide Werte investierende ACM unter Druck. In der Nacht zum 18. September 2007 tauchte Homm unter. Seine Nachfolger beim ACM-Fonds warfen ihm vor, dass viele „Investments“ einen weit geringeren Wert hätten als ausgewiesen.<ref>Leo Müller: Bank-Räuber: wie kriminelle Manager und unfähige Politiker uns in den Ruin treiben. Econ, Berlin 2010, ISBN 978-3-430-20092-9, S. 179 f.</ref> Die Aktien des ACM verloren bis Juni 2008 rund 93 Prozent ihres Wertes.<ref>A Money Manager’s Ultimate Fight Game. Barron’s, 2. Juni 2008, abgerufen am 17. Mai 2012.</ref> Es wurde vermutet, er sei mit über 150 Millionen Euro auf der Flucht.<ref name="FTD1" /> Als ACM im April 2009 von der Börse genommen wurde, war das Vermögen von rund 3 Mrd. Dollar auf 2,3 Mio. geschrumpft.
Am 25. Februar 2011 erhob die US-Börsenaufsicht SEC Zivilklage gegen Florian Homm und Todd M. Ficeto.<ref>SEC CHARGES SECURITIES PROFESSIONALS AND TRADERS IN INTERNATIONAL HEDGE FUND PORTFOLIO PUMPING SCHEME. In: SEC. 25. Februar 2011, abgerufen am 17. Mai 2012.</ref> Ebenso war die US-Drogenpolizei (DEA) auf der Suche nach Homm, weil sie vermutete, er könne in Geldwäsche-Geschäfte mit den Drogenkartellen in Südamerika verwickelt sein.<ref name="FTD1" />
Nach Angaben eines Privatermittlers haben betrogene Anleger ein Kopfgeld von 1,5 Millionen Euro auf Homm ausgesetzt.<ref>Spekulant Florian Homm – Kopf, Geld, Jäger. In: Stern Online. 17. Mai 2012.</ref> Ermittler gingen diversen Hinweisen nach, unter anderem wurde vermutet, Homm lebe in Venezuela in der Nähe von Caracas,<ref name="FTD2"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ermittlungen eingestellt: Florian Homm bedroht seine Jäger. ( vom 8. August 2012 im Internet Archive) In: FTD, 7. August 2012.</ref> denn wenige Monate vor seiner Flucht wurde er in Caracas angeschossen. Offiziell hieß es, Straßenräuber hätten versucht, seine Uhr zu stehlen. Vermutlich habe Homm damals schon seine Flucht vorbereitet.<ref name="FTD1" /> Ein nachfolgender Aufenthalt in der Karibik wurde vermutet.<ref name="FTD2" /> Andere vermuteten Homm in Liberia, da er „Kulturattachée Liberias“ an der Botschaft in Paris mit akkreditiertem Diplomatenpass bei der UNESCO war.<ref name="FTD1" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Florian Homm – Ein Phantom kehrt zurück. ( vom 7. Juni 2013 im Internet Archive) In: ftd.de, 7. November 2012.</ref>
Im August 2012 wurde bekannt, dass die Ermittler, die den Aufenthaltsort Homms feststellen sollten, diese Tätigkeit zunächst eingestellt hatten. Einer der Privatermittler wurde aufgefordert, seine Ermittlungstätigkeit unverzüglich einzustellen, da seine Auftraggeber von unbekannten Personen massiv bedroht worden sein sollen. Es sei ihnen klargemacht worden, dass diese Bedrohungen im Zusammenhang mit ihren Ermittlungstätigkeiten in Sachen Homm stehe.<ref name="FTD2" />
Im Zusammenhang mit der geplanten Veröffentlichung eines Buches (Titel: Kopf Geld Jagd), dessen Verkaufserlöse Homm der Liberia Renaissance Foundation, einer Schweizer Stiftung für liberianische Kinder, spenden wollte,<ref>Comeback von Florian Homm: „Selbst ein reformierter Pitbull ist immer noch einer“ gesehen 17-08-27. In: Handelsblatt. 8. November 2012.</ref> beschrieb Florian Homm in mehreren Interviews mit der Süddeutschen Zeitung,<ref>„Ich war ein Schwachmat“. In: sueddeutsche.de, 7. November 2012.</ref> dem Stern<ref>Ex-Hedgefondsmanager Florian Homm: „Gier ist nicht geil“. In: stern.de, 7. November 2012.</ref> und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung<ref>Florian Homm – Der Leerverkäufer seines Lebens. In: faz.de, 7. November 2012.</ref> vom 7. November 2012 seinen Aufstieg, Fall und den erhofften Neuanfang. Am selben Tag veröffentlichten die Financial Times Deutschland<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Florian Homm – Ein Phantom kehrt zurück. ( vom 7. Juni 2013 im Internet Archive) In: ftd.de, 7. November 2012.</ref> und die Wirtschaftswoche<ref>Spektakuläre Rückkehr: Börsenaufsicht will mit Homm kurzen Prozess machen. In: wiwo.de, 19. November</ref> ein Interview, in dem er die meisten Vorwürfe ihm gegenüber zurückwies. Als Reaktion auf das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld hatte Spiegel Online ein von Florian Homm aufgezeichnetes Video veröffentlicht, in dem sich Homm zu dem auf ihn ausgesetzten Kopfgeld äußert.<ref>Stellungnahme: Florian Homm zu dem auf ihn ausgesetzten Kopfgeld. In: spiegel.de, 7. November</ref> Bild am Sonntag berichtete am 10. Dezember unter Berufung auf „Homms Umfeld“, dass Homm sich an den Prozessen in den Vereinigten Staaten beteiligen will.<ref>Investor Homm will sich vor Gericht verteidigen. In: Bild.de, 10. Dezember 2012.</ref>
Parallel zur Berichterstattung der New York Times<ref>After 5 Years of Hiding, a Banker Reappears. In: nytimes.com, 12. Dezember 2012.</ref> und der Financial Times, in der Homm über seine Rückkehr sprach, veröffentlichte er sein Buch auch auf Englisch (Titel: Rogue Financier). Seine Autobiografie erreichte in Deutschland unterdessen in der Kalenderwoche 47 Platz 27 auf der Bestsellerliste des Spiegel,<ref>Buchreport express, 38. Jahrgang, ISSN 1615-0732, S. 30.</ref> Platz 11 der Bestsellerliste des Manager Magazins 01/2013<ref>Buchreport express, 43. Jahrgang, ISSN 1615-0732, S. 37.</ref> und kam unter die Top 40 der Jahresbestseller der Wirtschaftsbuch-Bestsellerliste 2012 des Manager Magazins.<ref>Buchreport magazin, 44. Jahrgang, ISSN 1615-0724, S. 70.</ref>
Am 3. März 2013 hatte Homm gemeinsam mit Sahra Wagenknecht einen Auftritt in der ZDF-Talkshow Peter Hahne (Titel: Eurokrise – Finanzhai trifft Sozialistin) in Berlin und konnte das Studio unbehelligt verlassen.<ref>Als der Moderator fragte, ob Homm nicht Angst habe, in der Livesendung aufzutreten, sagte Homm verschwörerisch, sein Abgang sei sorgfältig geplant.</ref>
Verhaftung und Auslieferungshaft in Italien
Am Mittag des 8. März 2013 verhaftete die italienische Polizei, nach einem Hinweis von Zielfahndern des FBI, den Flüchtigen in der Gemäldegalerie Uffizien in Florenz, Italien. Er war dort in Gesellschaft seiner von ihm geschiedenen Ehefrau, seines Sohns Conrad und dessen Freundin. Zwei Tage vor seiner Verhaftung, am 6. März 2013, hatte die US-Bundespolizei bei dem zuständigen US-Bundesgericht in Los Angeles einen Haftbefehl gegen Homm erwirkt, um in Italien nach seiner geplanten Festnahme seine Auslieferung bei den dortigen Justizbehörden beantragen zu können. Homm war am 6. März von München mit der Bahn nach Italien gereist. Der Vorwurf der Justizbehörden in Los Angeles lautet auf Verschwörung und Betrug mit Wertpapieren. Florian Homm saß in Pisa in Auslieferungshaft. Er wurde später, um eine angemessene gesundheitliche Betreuung zu ermöglichen, von Florenz in ein Gefängnis nach Pisa verlegt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde gegen Homm nicht ermittelt.<ref>FBI — Fugitive Hedge Fund Manager Arrested in Italy in U.S. Case Alleging Market Manipulation Scam That Led to at Least $200 Million in Losses. In: FBI. 8. März 2013, abgerufen am 2. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Andreas Wassermann: Spekulanten – Eine Reise zu viel. In: Spiegel Online. 30. März 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.</ref><ref>Thomas Schmidtutz: Hedgefondsmanager – Inhaftierter Florian Homm auf Krankenstation verlegt. In: finanzen.net. 2. Juli 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.</ref>
Das italienische oberste Berufungsgericht Corte Suprema di Cassazione in Rom entschied am 9. Januar 2014 über die Auslieferung des an Multipler Sklerose erkrankten Finanzinvestors. Homm selbst gibt an, dass ihm während der Haft wichtige Medikamente verwehrt worden seien.<ref>Claudia Wiggenbröker: Ehemaliger Hedgefonds-Manager. Florian Homm: Finanzhai, Missionar, Nichtraucher. In: boerse.ard.de. 23. Oktober 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Dezember 2017; abgerufen am 23. November 2017.</ref> Der in Italien inhaftierte Florian Homm sollte in die USA ausgeliefert werden.<ref>Ex-Hedgefonds-Manager: Florian Homm kann ausgeliefert werden. In: Handelsblatt. 1. April 2014, abgerufen am 18. Oktober 2016.</ref> Die Entscheidung des Berufungsgerichts bedurfte der Zustimmung des italienischen Justizministeriums. Die Verteidigung Homms prüfte die Möglichkeit, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wegen Verletzung der Menschenrechte anzurufen. Dadurch würde keine Aufschiebung der Auslieferung erreicht.<ref>Nina Poelchau und Andrea Rungg: Milliardenjongleur Homm wird an USA ausgeliefert Trotz MS-Erkrankung. In: Stern. 10. Januar 2014, abgerufen am 7. Februar 2014.</ref>
Als Hedgefondsmanager soll Homm Anlegern in dem ACM-Hedgefonds Verluste von rund 200 Millionen Dollar beschert haben und die US-Börsenaufsicht SEC verlangt von ihm rund 56 Millionen Dollar. Der Strafrahmen bei einer Verurteilung in den USA könnte bis zu 225 Jahre Gefängnis betragen.<ref>Florian Homm trifft Kopfgeldjäger: Ominöses Treffen kurz vor Verhaftung des gesuchten Hedge-Fonds-Managers. In: news aktuell. 20. März 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.</ref><ref>MS-kranker Finanzjongleur Homm: Italienische Richter erlauben Auslieferung an USA. In: Spiegel online. Abgerufen am 8. Februar 2014.</ref><ref>Florian Homm drohen 225 Jahre Haft. In: Süddeutsche Zeitung. 1. April 2014, abgerufen am 22. April 2014.</ref>
Urteil
2021 wurde er vom Schweizer Bundesstrafgericht in Bellinzona zu drei Jahren Freiheitsentzug, davon 18 Monate zur Bewährung, wegen „qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und mehrfacher Urkundenfälschung“ verurteilt. Der Vorwurf, sich zwischen September 2005 und April 2008 um „mindestens 170.938.806 US-Dollar“ bereichert zu haben, wurde vom Gericht nicht weiter verfolgt. Die betreffenden Delikte wurden in den USA begangen, weswegen nach Auffassung des Bundesstrafgerichts keine schweizerische Gerichtsbarkeit besteht.<ref>Bundesstrafgericht fällt wichtiges Urteil in bedeutendem Fall von Wirtschaftskriminalität. In: Bundesstrafgericht. 23. April 2021, abgerufen am 12. Mai 2022.</ref>
Weiterer Werdegang
Bereits ein halbes Jahr nach seiner Entlassung aus der Auslieferungshaft in Italien im Juni 2014 erhielt Homm die Einladung zu einem Vortrag zum Thema Ethik und Management an der privaten Hochschule für angewandtes Management in Erding.<ref>Hochschule für angewandtes Management: Florian Homm an der HAM in Erding – Über Ethik im Management auf YouTube, 12. Februar 2015.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Finanzhai“ Homm und die Ethik ( vom 8. November 2014 im Internet Archive) In: br.de. 5. November 2014.</ref><ref>How a former IRA man ‘saved’ Germany’s ‘anti-Christ financier. In: The Irish Times. 8. Dezember 2014, abgerufen am 2. November 2025.</ref> Am 5. November 2014 sprach er dort über seine behauptete Wandlung vom mutmaßlichen Anlagebetrüger zum gläubigen Christen und stellte seine Autobiografie Kopf Geld Jagd vor.<ref>Vom Erzkapitalisten zum Erzchristen. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Dezember 2014 (sueddeutsche.de).</ref><ref>Vom Saulus zum Paulus – Wie ein rücksichtsloser Finanzhai sein Leben umkrempelte. In: The Huffington Post. 10. Februar 2015 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />huffingtonpost.de ( vom 23. März 2015 im Internet Archive)).</ref>
Seit Oktober 2016 führt Homm einen Video-Blog über wirtschaftliche Zusammenhänge auf YouTube.<ref>Für das neue Investieren. In: Youtube. Abgerufen am 14. Januar 2024.</ref> Homm taucht als Protagonist in dem von den Amazon Studios produzierten Dokumentarfilm Generation Wealth von Lauren Greenfield auf. Der Film ist das Porträt einer globalen Kultur der unbändigen Sucht nach Schönheit, Konsum, Geld und Ruhm.<ref>Tahir Chaudhry: Florian Homm: „Ich war zu einem Geldvermehrungsroboter mutiert.“ In: Galore Interviews. 17. Dezember 2018, abgerufen am 23. Februar 2019.</ref> Seit 2016 gestaltet Homm die Meinungs-Sparte Florian Homm spricht Klartext bei RT Deutsch, dem deutschsprachigen Internetangebot des russischen Auslandsfernsehsenders RT.<ref>Sabine Sasse: Unabhängigkeit sieht anders aus – Putins Posaunen. Tagesspiegel, 15. April 2013.</ref><ref name="ReporterOhneGrenzen">Der Kreml auf allen Kanalen: Wie der russische Staat das Fernsehen lenkt. (PDF), Reporter ohne Grenzen, Oktober 2013, S. 32 ff.</ref><ref name="RT">Homm Long & Short Börsenbrief. K2 Success Media AG, abgerufen am 30. April 2021.</ref> Auf YouTube verbreitet er seine Sichtweise, die insbesondere durch die österreichische Schule geprägt ist. Unter anderem behauptete er zusammen mit Markus Krall, die Hilfspakete gegen die Folgen der COVID-19-Pandemie seien ein Versuch, den Rechtsstaat außer Kraft zu setzen und „Leistungsträger auszuplündern“. Das Magazin Watson bezeichnete seine Thesen als „gefährlicher als die plumpen Verschwörungstheorien der Rechtsextremen“, da sie „Versatzstücke seriöser ökonomischer Theorie“ enthielten, aber dennoch wichtige Dinge außen vor ließen.<ref>Corona-Ökonomie pervers: Von Schmarotzern und Heuschrecken. In: watson.ch. 6. April 2020, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> Nach seinem 2019 erschienenen Buch Der Crash ist da ordnete ihn Werner Grundlehner in der NZZ in die Reihe von Crash-Propheten ein, die mit simplen Argumenten und Lösungen aufwarteten, aber in Fachkreisen keinerlei Ansehen genössen.<ref>Werner Grundlehner: Das Geschäft mit der Angst vor dem Kurssturz. In: NZZ. 6. Dezember 2019, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref>
Florian Homm ist an einem Börsenbrief mit dem Namen Homm Long & Short Börsenbrief beteiligt.<ref name="RT" /><ref>Stefan Beutelsbacher: Florian Homm: Warum der Börsenstar gegen Unternehmen wetten will. In: Die Welt. 21. Oktober 2017, abgerufen am 24. Oktober 2017.</ref>
Privates
Homm war mit Susan Devine verheiratet, die in Rio de Janeiro geboren und in den USA aufgewachsen war.<ref>Floriam Homm bewegt Milliarden: Der Krieger der Liga. In: Handelsblatt. 6. Juni 2005, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 23. Juli 2024. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref><ref>Ex-wife of alleged $200M fraudster Florian Homm seeks evidence from NY law firm for Liechtenstein money laundering investigation. In: OffshoreAlert.com. 12. Mai 2022, abgerufen am 23. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Gemeinsam haben sie zwei Kinder und sind seit 2006 geschieden. Ihre Scheidung wird in Zweifel gezogen, da der Verdacht naheliegt, dass sie zur Verschleierung von Vermögenswerten inszeniert wurde.<ref>Ex-wife of fugitive: I need $307,000 a month to live. In: Naples Daily News. 31. Juli 2015, abgerufen am 23. Juli 2024.</ref><ref>Sogar seine Scheidung soll ein Fake sein. In: Tagesanzeiger. 25. Januar 2021, abgerufen am 23. Juli 2024.</ref> Homm ist ein ehemaliger deutscher Basketball-Juniorennationalspieler. Mitte der 1980er Jahre war er in der 1. Basketball-Bundesliga für den Osnabrücker Club BC Giants Osnabrück aktiv. 2005 erhielt er die Ehrendoktorwürde durch die University of Liberia, die er finanziell unterstützt hat.<ref name=":0">Beat Balzli: Händel im Tarnanzug. In: Der Spiegel. Nr. 46, 2005, S. 82 (online).</ref>
Monografien
- Florian Homm: Kopf Geld Jagd, Wie ich in Venezuela niedergeschossen wurde, während ich versuchte, Borussia Dortmund zu retten. FinanzBuch Verlag, München 2012, ISBN 978-3-89879-788-7.
- Die einzige Lektion über Aktieninvestitionen, die Sie jemals brauchen werden. Finanzbuch Verlag, München 2013, ISBN 978-3-86248-418-8.
- Die Botschaften der Barmherzigkeit der Jesusmutter Maria für die Welt. Pearl, München 2016, ISBN 978-3-95760-008-0.
- 225 Jahre Knast. Die Bekehrung eines berüchtigten Finanziers, Finanzbuch Verlag, München 2016, ISBN 978-3-89879-951-5.
- Endspiel. Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher überstehen, 5. Aufl., Finanzbuch Verlag, München 2016, ISBN 978-3-89879-962-1.
- mit Jannis Ganschow: Erfolg im Crash. Wie Sie mit konkreten Anlageideen von der Krise profitieren, 2. Aufl., Finanzbuch Verlag, München 2017, ISBN 978-3-95972-116-5.
- mit Markus Krall, Moritz Hessel: Der Crash ist da. Was Sie jetzt tun müssen! Anlagen, Immobilien, Ersparnisse, Arbeit, Finanzbuch Verlag, München 2019, ISBN 978-3-95972-231-5.
- mit Moritz Hessel: Die Prinzipien des Wohlstands. Denke und investiere wie ein Milliardär, Finanzbuch Verlag, München 2022, ISBN 978-3-95972-567-5.
Literatur
- Catherine Hoffmann: Florian Homm – Ein Enfant terrible wird zahm. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 16. Juli 2006. (online)
- Florian Homm In: Internationales Biographisches Archiv. 14/2013, 2. April 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Thomas Gröbner: Die Verwandlung. In: Süddeutsche Zeitung. 18. Juli 2020, S. 10.
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Homm, Florian |
| ALTERNATIVNAMEN | Homm, Florian Wilhelm Jürgen (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Börsenspekulant und Hedgefondsmanager |
| GEBURTSDATUM | 7. Oktober 1959 |
| GEBURTSORT | Oberursel |