Daniel Jositsch
Daniel Jositsch (* 25. März 1965 in Zürich; heimatberechtigt in Geroldswil und Stäfa) ist ein Schweizer Rechtswissenschaftler und Politiker (SP). Seit dem 8. Dezember 2015 vertritt er den Kanton Zürich im Ständerat, zuvor war er Nationalrat.
Beruf
Jositsch wuchs in Zürich und im Limmattal auf. An der Kantonsschule Stadelhofen absolvierte er 1984 die Matur Typus B. Von 1985 bis 1990 studierte er Rechtswissenschaft an der Universität St. Gallen (HSG) und schloss mit dem Lizenziat ab. Er ist Mitglied der Studentenverbindung AV BODANIA.<ref>Stefan Häne: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Daniel Jositschs Vergangenheit im erzkonservativen Männerbund ( vom 13. März 2014 im Internet Archive). In: Tages-Anzeiger. 28. Oktober 2009, abgerufen am 21. März 2022.</ref>
Von 1991 bis 1995 war er Geschäftsführer der Schweizer Handelskammer in Kolumbien. Nach Erwerb des kolumbianischen Anwaltspatents 1992 war er ausserdem als selbständiger Rechtsanwalt in Bogotá tätig. Parallel dazu promovierte er 1993 an der Universität St. Gallen.
Wieder zurück in Zürich war er zunächst (1995/96) als juristischer Mitarbeiter beim Versicherungsbroker Kessler & Co., danach (1996–1998) als Praktikant beim Anwaltsbüro Naegeli & Streichenberg tätig. 1998 erwarb er das zürcherische Anwaltspatent und war beim selben Anwaltsbüro bis 2000 als Rechtsanwalt tätig. Von 2000 bis 2004 war er selbständiger Rechtsanwalt, er prozessierte und war vorwiegend im Bereich Strafrecht aktiv. Gleichzeitig arbeitete er an seiner Habilitationsschrift.
2004 habilitierte er sich an der Universität Zürich. Noch im selben Jahr wurde er von der Universität Zürich zum ausserordentlichen Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und strafrechtliche Hilfswissenschaften berufen. 2012 wurde er vom Universitätsrat der Universität Zürich zum ordentlichen Professor befördert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aus den Verhandlungen des Universitätsrats. Beförderungen ( vom 12. März 2014 im Internet Archive). Website des Kantons Zürich, 24. Januar 2012, abgerufen am 21. März 2022 (Medienmitteilung).</ref><ref>Jositsch zum ordentlichen Professor ernannt. In: NZZ Online. 24. Januar 2012, abgerufen am 12. März 2014.</ref>
Politik
Jositsch gehörte in jungen Jahren der Grünen Partei an und wechselte dann zur SP.<ref>Matthias Scharrer: Martin Bäumle: «Ich habe mit Noser grosse Gemeinsamkeiten». In: Limmattaler Zeitung. 2. Februar 2015, abgerufen am 2. Januar 2016.</ref> Von 2005 bis 2009 war er Präsident der Sozialdemokratischen Partei im Bezirk Meilen. 2006 wurde er zum Präsidenten der Zürcher Sektion der Neuen Europäischen Bewegung Schweiz (NEBS) gewählt, der er bis 2008 vorstand. Im Frühling 2007 wurde er in den Zürcher Kantonsrat gewählt, aus dem er aber bereits im folgenden Herbst zurücktrat, da er in den nationalen Parlamentswahlen ein Mandat als Nationalrat gewonnen hatte. Im selben Jahr erregte ein von ihm gemeinsam mit Chantal Galladé veröffentlichter 12-Punkte-Plan zur Lösung von Jugendgewalt und Schulproblemen mediale Aufmerksamkeit.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />12-Punkte-Plan zur Lösung von Jugendgewalt und Schulproblemen ( vom 18. Oktober 2010 im Internet Archive). Website von Daniel Jositsch, abgerufen am 12. März 2014 (PDF; 84 kB).</ref> 2017 präsentierte er mit anderen Vertretern des rechten Flügels der SP<ref>Simon Hehli: Die SP-Reformer demonstrieren Breite. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Februar 2017, abgerufen am 25. September 2019.</ref> eine sozialliberale Plattform innerhalb der SP.<ref>Unterstützen. Website der Reformplattform, abgerufen am 25. September 2019.</ref> Bei der Ersatzwahl zum Zürcher Regierungsrat am 29. November 2009 unterlag er Ernst Stocker, der die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erreichte.<ref>Ersatzwahl eines Mitgliedes des Regierungsrates. Amtliches Endergebnis. Website des Kantons Zürich, 29. November 2009, abgerufen am 12. März 2014 (PDF; 16 kB).</ref> Bei den Parlamentswahlen vom 23. Oktober 2011 wurde er als Nationalrat bestätigt.
Am 9. November 2011 wurde Jositsch an der Delegiertenversammlung zum Präsidenten des Kaufmännischen Verbandes Schweiz gewählt.<ref>Daniel Jositsch ist neuer Präsident des KV Schweiz. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. November 2011.</ref>
Am 18. Oktober 2015 wurde Jositsch als Vertreter des Kantons Zürich im ersten Wahlgang in den Ständerat gewählt.<ref>Wahlen15 Zürich. Daniel Jositsch schafft den Sprung in den Ständerat. In: SRF. 18. Oktober 2015, abgerufen am 25. Oktober 2015.</ref> In diesem Amt wurde er bei den Wahlen am 20. Oktober 2019 bestätigt, ebenfalls im ersten Wahlgang.<ref>Zürcher Ständeratssitze. Daniel Jositsch (SP) schafft ein Glanzresultat. In: SRF. 19. Oktober 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.</ref> Ebenso im ersten Wahlgang bei den Wahlen am 22. Oktober 2023.<ref>Ständerat Kanton Zürich. Jositsch verteidigt Sitz im Stöckli – zweiter Sitz bleibt offen. In: SRF. 22. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023.</ref>
Jositsch kandidierte für die Bundesratswahl 2022 als Nachfolger der zurücktretenden Simonetta Sommaruga.<ref>Nachfolge von Sommaruga - Daniel Jositsch will Bundesrat werden. In: SRF. 8. November 2022, abgerufen am 9. November 2022.</ref> Die SP-Fraktion beschloss aber an ihrer Sitzung vom 18. November 2022, dass sie der Bundesversammlung zwei Frauen für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga vorschlagen werde. Sie folgte damit einem entsprechenden Antrag des Partei- und Fraktionspräsidiums. Nach der Fraktionssitzung erklärte Jositsch, dass er den Entscheid der Fraktion akzeptiere und für eine wilde Kandidatur nicht zur Verfügung stehe.<ref>SP-Fraktion setzt keinen Mann aufs Bundesratsticket. In: srf.ch. 18. November 2022, abgerufen am 6. Dezember 2022.</ref> Allerdings war er bis zur Wahl auch nie bereit öffentlich zu sagen, dass er nicht zur Wahl stehe oder eine allfällige Wahl nicht annehme. Auch zwischen den Wahlgängen erfolgte keine derartige Erklärung durch ihn.<ref>Ab sofort ein No-Go für den Bundesrat. In: blick.ch. 6. Dezember 2022, abgerufen am 8. Dezember 2022.</ref> Am 5. September 2023 kündigte Jositsch seine Kandidatur für die Bundesratswahl 2023 an, als Nachfolger für Alain Berset.<ref>SP-Ständerat erklärt Kandidatur – «Lust und Wille»: Daniel Jositsch will Bundesrat werden. In: Tages-Anzeiger. 5. September 2023, abgerufen am 5. September 2023.</ref> Die SP-Bundeshausfraktion entschied sich für das Zweierticket Beat Jans und Jon Pult.<ref>SP steigt mit Jon Pult und Beat Jans ins Bundesratsrennen. In: SRF.ch, 25. November 2023.</ref> Bei der Wahl am 13. Dezember 2023 unterlag er im dritten Wahlgang Jans, auch während dieser Wahl erklärte er nicht, nicht zur Wahl zu stehen oder die Wahl nicht anzunehmen<ref>Protokoll der vereinigten Bundesversammlung</ref>.
Jositsch ist Mitglied der Gesellschaft Schweiz-Israel, welche ihn zur Wahl 2023 empfahl und die sich für Israel engagiert.<ref>Wahlempfehlung GSI-Zürich. In: Schweiz-israel.ch. 28. August 2023, abgerufen am 22. November 2023.</ref> Er wurde 2024 von den Delegierten des Schweizerischen Fischerei-Verbandes zu deren Zentralpräsidenten gewählt.<ref>Daniel Jositsch höchster Fischer der Schweiz. In: march24.ch. 3. Juli 2024, abgerufen am 28. September 2024.</ref> Zudem ist er seit November 2024 Präsident der sozialliberalen Reformplattform der SP Schweiz.<ref>Sozialliberaler Flügel der SP: Daniel Jositsch geht in die Offensive gegen eigene Parteispitze: «Man will die SP auf Linkskurs trimmen». 1. November 2024, abgerufen am 27. November 2024.</ref>
Privates
Daniel Jositsch war in erster Ehe mit einer Kolumbianerin verheiratet. 2025 heiratete er eine französische Buchhändlerin.<ref>Simone Steiner: SP-Ständerat Daniel Jositsch hat geheiratet. In: Tages-Anzeiger, 19. August 2025.</ref> Er ist Vater eines erwachsenen Sohnes.<ref>«Mein Sohn war nicht begeistert». In: Schweizer Illustrierte, 10. November 2022.</ref> Er gehört dem Judentum an.<ref>Reza Rafi: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. In: SonntagsZeitung. 25. Oktober 2015, abgerufen am 21. März 2022.</ref>
Einer seiner vier Urgrossväter stammte aus der Ukraine.<ref>Daniel Binswanger: Ein Mann in der Offensive. In: Das Magazin. 5. September 2008, abgerufen am 19. Juni 2021 (archiviert auf der Website von Andreas Flückiger).</ref> Der ursprüngliche Name der Familie war Josselowitsch respektive Joselowitz; Jositschs Urgrossvater, ein Kaufmann, liess sich 1913 in Geroldswil unter dem Namen Benjamin Josselowitsch-Lack einbürgern.<ref>Neue Zürcher Nachrichten. In: e-newspaperarchives.ch. 28. April 1958, abgerufen am 5. November 2022 (Urgrossmutter väterlicherseits).</ref><ref>Neue Zürcher Nachrichten. In: e-newspaperarchive.ch. 19. September 1962, abgerufen am 5. November 2022 (Grossmutter väterlicherseits).</ref><ref>Neue Zürcher Nachrichten. 30. Mai 1984, abgerufen am 5. November 2022 (Grossvater väterlicherseits).</ref><ref>Neue Zürcher Nachrichten. In: e-newspaperarchive.ch. 2. August 1926, abgerufen am 5. November 2022 ('Joselowitz' von Geroldswil ZH (Abschluss ETH Zürich)).</ref><ref>Familiennamenbuch der Schweiz. Abgerufen am 5. November 2022 (Nachweis betreffend «Josselowitsch», eingebürgert in Geroldswil, aus dem damaligen Russland stammend, für das im Familiennamenbuch jeweils SU = Sowjetunion steht).</ref>
Jositsch war sechs Jahre (bis 2014) mit der SP-Nationalrätin Chantal Galladé liiert.<ref>Kuno Gurtner: Daniel Jositsch – ein cleverer Blender. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Oktober 2009, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 13. Dezember 2023]).</ref> Er ist schweizerisch-kolumbianischer Doppelbürger.<ref>Daniel Jositsch ist jetzt auch Kolumbianer. In: Tages-Anzeiger. 12. Januar 2017.</ref>
In der Schweizer Armee trägt er den Dienstgrad Oberstleutnant.
Schriften
- Die Revision des Strafgesetzbuches im Hinblick auf einen Beitritt zum Internationalen Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung. 1990 (Diplomarbeit, Hochschule St. Gallen, 1990).
- Strafrecht gegen Rassendiskriminierung: Rechtsvergleich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Kolumbien mit Blick auf die Revision des schweizerischen Strafrechts. 1993 (Dissertation, Hochschule St. Gallen, 1993).
- Das Schweizerische Korruptionsstrafrecht: Art. 322ter bis Art. 322octies StGB. Schulthess, Zürich 2004, ISBN 3-7255-4840-4 (Habilitationsschrift, Universität Zürich, 2003).
- Grundriss des schweizerischen Strafprozessrechts. Dike, Zürich 2009, ISBN 978-3-03751-187-9.
- (Gesamtleitung) Schweizerische Jugendstrafprozessordnung (JStPO): Kommentar. Dike, Zürich 2010, ISBN 978-3-03751-287-6.
- mit Christian Schwarzenegger, Wolfgang Wohlers (Hrsg.): Festschrift für Andreas Donatsch. Schulthess, Zürich 2017.
Weblinks
- Literatur von und über Daniel Jositsch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Daniel Jositsch auf der Website der Bundesversammlung
- Website von Daniel Jositsch
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die ersten hundert Tage von Daniel Jositsch als neugewählter Nationalrat ( vom 1. Dezember 2008 im Internet Archive). In: NZZ Folio. März 2008
- Gast: Daniel Jositsch. In: SRF, Schawinski. 25. März 2013 (Video; 27 min)
- Daniel Jositsch. In: Radio 1, Doppelpunkt. 11. November 2018 (Talksendung; Audio; 54 min)
Einzelnachweise
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Nationalräte: Jacqueline Badran | Martin Bäumle | Max Binder | Toni Bortoluzzi | Hans Egloff | Hans Fehr | Jacqueline Fehr | Doris Fiala | Balthasar Glättli | Chantal Galladé | Bastien Girod | Andreas Gross | Thomas Hardegger | Alfred Heer | Markus Hutter | Maja Ingold | Daniel Jositsch | Hans Kaufmann | Filippo Leutenegger | Thomas Maier | Thomas Matter | Christoph Mörgeli | Tiana Angelina Moser | Martin Naef | Ruedi Noser | Hans-Peter Portmann | Rosmarie Quadranti | Natalie Rickli | Kathy Riklin | Gregor Rutz | Ernst Schibli | Barbara Schmid-Federer | Jürg Stahl | Daniel Vischer | Beat Walti | Thomas Weibel | Rudolf Winkler
Ständeräte: Verena Diener | Felix Gutzwiller
Liste der Mitglieder des Schweizer Nationalrats in der 49. Legislaturperiode | Liste der Mitglieder des Schweizer Ständerats in der 49. Legislaturperiode
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Nationalräte: Jacqueline Badran | Angelo Barrile | Martin Bäumle | Hans-Ulrich Bigler | Hans Egloff | Doris Fiala | Daniel Frei (ab Dez. 2018) | Chantal Galladé (bis Dez. 2018) | Bastien Girod | Balthasar Glättli | Nik Gugger (ab Nov. 2017) | Tim Guldimann (bis März 2018) | Martin Haab (ab Juni 2019) | Thomas Hardegger | Alfred Heer | Maja Ingold (bis Nov. 2017) | Roger Köppel | Philipp Kutter (ab Juni 2018) | Min Li Marti | Thomas Matter | Mattea Meyer | Fabian Molina (ab März 2018) | Tiana Angelina Moser | Martin Naef | Hans-Peter Portmann | Rosmarie Quadranti | Natalie Rickli (bis Juni 2019) | Kathy Riklin | Gregor Rutz | Regine Sauter | Therese Schläpfer (ab Juni 2019) | Barbara Schmid-Federer (bis Juni 2018) | Priska Seiler Graf | Jürg Stahl (bis Juni 2019) | Barbara Steinemann | Mauro Tuena | Hans-Ueli Vogt | Bruno Walliser | Beat Walti | Thomas Weibel | Claudio Zanetti
Ständeräte: Daniel Jositsch | Ruedi Noser
Liste der Mitglieder des Schweizer Nationalrats in der 50. Legislaturperiode | Liste der Mitglieder des Schweizer Ständerats in der 50. Legislaturperiode
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Zürcher Parlamentarier 51. LegislaturperiodeVorlage:Navigationsleiste Zürcher Parlamentarier 52. LegislaturperiodeVorlage:Klappleiste/Anfang
Grundlagenfächer: Alonso | Babusiaux | Ernst | Graber | Mahlmann | Thier
Zivilrecht und Zivilverfahrensrecht: Arnet | Baumgartner | Boente | Büchler | Domej | Haas | Heiss | Jakob | Loacker | Portmann | Schnyder
Strafrecht: Bommer | Godenzi | Jositsch | Meyer | Schwarzenegger | Tag | Thommen
Handels- und Wirtschaftsrecht: Alexander | Heinemann | Hilty | Picht | Sethe | Thouvenin | Vogt | von der Crone
Öffentliches Recht: Biaggini | Diggelmann | Gächter | Glaser | Griffel | Kaufmann | Keller | Kiener | Kley | Matteotti | Moeckli | Oesch | Reich | Simonek | Uhlmann
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jositsch, Daniel |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Rechtswissenschaftler und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 25. März 1965 |
| GEBURTSORT | Zürich |
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