Balthasar Glättli
Balthasar Glättli (* 12. Februar 1972 in Zürich; heimatberechtigt ebenda) ist ein Schweizer Politiker (Grüne). Von 2011 bis 2026 war er Mitglied des Nationalrats. Von 2020 bis 2024 war er Präsident der Schweizer Grünen. 2026 wurde er in die Zürcher Stadtregierung, den Stadtrat, gewählt.
Ausbildung und Beruf
Nach der altsprachlichen Matura an der Kantonsschule Zürcher Oberland Wetzikon studierte Glättli von 1991 bis 1996 Philosophie, Linguistik und Germanistik an der Universität Zürich, führte das Studium aber nicht zu Ende. Er gründete ein eigenes Internet-Consulting-Unternehmen, war anschliessend als Lead Research and Development bei der eProduction AG, bis 2002, tätig. Von Mai 2003 bis August 2010 amtete er als politischer Sekretär von Solidarité sans frontières, danach bis Ende Juni 2012 als Leiter Kampagnen und Werbung beim VPOD. Von 2009 bis 2014 setzte er sein Studium berufsbegleitend fort, brach es dann aber 2015 endgültig ab.<ref>Balthasar Glättli im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar); Martin Sturzenegger: Allerletzte Chance für die ewigen Studenten. In: Tages-Anzeiger. 24. April 2015, abgerufen am 26. März 2016.</ref>
Politisches Engagement
Glättli kandidierte 1991 erstmals für die Grünen Bezirk Hinwil für den Kantonsrat. Er gründete 1993 die Jungen Grünen Zürich<ref>Junge Grüne im Kanton Zürich gegründet. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. Januar 1993 (e-newspaperarchives.ch).</ref> und danach 1994 die VJGAGS (Vereinigung der Jungen Grün-Alternativen Gruppierungen Schweiz)<ref>Junge Grün-Alternative gründen Dachverband. In: Neue Zürcher Zeitung NZZ. 6. Juni 1994, S. 14.</ref>, die Vorläuferin der Jungen Grünen. Von 1998 bis 2011 war Glättli Gemeinderat der Stadt Zürich, von 1998 bis August 2004 Fraktionspräsident der Grünen/AL im Gemeinderat der Stadt Zürich (Stadtparlament). Von 2003 bis 2004 amtete er als Co-Präsident des GBZ (Gewerkschaftsbund Stadt Zürich). Vom 12. Juni 2004 bis Anfang 2008 war er Co-Präsident der Grünen Kanton Zürich zusammen mit Marlies Bänziger; seine Wahl war Auslöser der Gründung der Grünliberalen Partei der Schweiz. Zuvor zeigte er politisches Engagement bei den Grünen, bei Zaf! Züri autofrei und in diversen anderen Organisationen. Für die Schweizer Parlamentswahlen 2011 war er offizieller Ständerats- und Nationalratskandidat der Grünen Partei Zürich und wurde in den Nationalrat gewählt. Er war dort von 2011 bis 2022 und ab Dezember 2023 wieder Mitglied der Staatspolitischen Kommission (SPK-N).<ref>Glättli Balthasar – Nationalrat – Kanton Zürich. In: parlament.ch. Abgerufen am 2. Februar 2020.</ref><ref>Detailseite "Balthasar Glättli" / Abschnitt "frühere Parlamentsmandate". In: parlament.ch. Parlamentsdienste, 9. Juli 2022, abgerufen am 9. Juli 2022.</ref><ref>Parlamentsdienste: Eintrag "Balthasar Glättli" auf parlament.ch, Abschnitte "Aktuelle Parlamentsmandate" und "Frühere Parlamentsmandate". In: parlament.ch. 2024, abgerufen am 12. Juni 2024.</ref> Entsprechend ist Asyl- und Ausländerpolitik einer seiner Schwerpunkte.<ref>Artikel zum Themenbereich Asyl. In: Website von Balthasar Glättli. Abgerufen am 2. Februar 2020.</ref> Ab Dezember 2024 war er auch wieder Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK), der er bereits 2013 und 2015–2019 angehört hatte.<ref>Glättli Balthasar | Nationalrat | Ratsmitglied | Das Schweizer Parlament. 8. Januar 2025, abgerufen am 29. April 2025.</ref> Von 2022 bis Ende 2023 war Glättli Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-N).<ref>Detailansicht „Balthasar Glättli“ / Abschnitt Aktuelle Parlamentsmandate. In: parlament.ch. Parlamentsdienste, 9. Juli 2022, abgerufen am 9. Juli 2022.</ref> Daneben profiliert sich Glättli in der Netzpolitik, so forderte er als erster schweizerischer Politiker die gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität.<ref>Fernmeldegesetz. Gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität. In: parlament.ch. Abgerufen am 26. März 2016.</ref>
Am 26. November 2013 wählte ihn die Grüne Fraktion der Bundesversammlung zu ihrem Präsidenten.<ref>Dominik Meier: Der steile Aufstieg des Grünen Balthasar Glättli. In: SRF. 26. November 2013, abgerufen am 26. März 2016.</ref> Als Fraktionspräsident war er auch Mitglied im Büro des Nationalrats (Büro NR).<ref>Glättli Balthasar – Nationalrat – Kanton Zürich. In: parlament.ch. Abgerufen am 13. November 2015.</ref> Am 29. Mai 2020 trat Glättli vom Amt des Fraktionspräsidenten zurück, weil dies mit der angestrebten Wahl zum Parteipräsidenten nicht vereinbar war.<ref>Neues Fraktionspräsidium und Wege aus der Corona-Krise. Medienmitteilung. In: gruene.ch. GRÜNE Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2020.</ref>
Im April 2014 stellte Glättli für eine Visualisierung der Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz seine Metadaten aus sechs Monaten Überwachung zur Verfügung.<ref>Vorratsdatenspeicherung – Das überwachte Leben von Nationalrat Balthasar Glättli: Interaktive Visualisierung zur Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz. In: Digitale Gesellschaft. 27. April 2014, abgerufen am 2. Februar 2020.</ref><ref>Sylke Gruhnwald: Was die Vorratsdaten preisgeben. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. April 2014, abgerufen am 26. März 2016.</ref> Die Visualisierung wurde durch die Digitale Gesellschaft unter anderem in Zusammenarbeit mit Arte, der Schweiz am Sonntag<ref>Michael Heim: Der gläserne Nationalrat. In: Schweiz am Sonntag. 26. April 2014, abgerufen am 26. März 2016.</ref> und watson.ch<ref>Manuel Bühlmann & Oliver Wietlisbach: Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate? In: watson.ch. 26. April 2014, abgerufen am 26. März 2016.</ref> veröffentlicht.
Am 20. Juni 2020 wurde er von den Delegierten der Grünen Partei an einer Online-Delegiertenversammlung als Nachfolger von Regula Rytz zum Präsidenten der Grünen Schweiz gewählt.<ref>https://twitter.com/gruenech/status/1274266562376196096. Abgerufen am 20. Juni 2020.</ref><ref>Balthasar Glättli neuer Präsident der GRÜNEN. In: gruene.ch. GRÜNE Schweiz, 20. Juni 2020, abgerufen am 24. Juli 2020.</ref> Zudem war er bis Herbst 2020 Präsident der parlamentarischen Gruppe Ernährungssouveränität.<ref>Gruppen der Bundesversammlung. (PDF) In: parlament.ch. Parlamentsdienste, 16. Dezember 2021, abgerufen am 18. Januar 2022.</ref>
Am 24. September 2020 reichte die Grüne Fraktion seine parlamentarische Initiative ein: «Als Antwort auf die Klimakrise die Demokratie erweitern. Einen durchs Los bestimmten Klimarat schaffen.» Balthasar Glättli liess sich dabei von Emmanuel Macrons «Klimarat» Convention citoyenne pour le climat (sogenannter «losbasierter Bürgerrat») inspirieren.<ref>Als Antwort auf die Klimakrise die Demokratie erweitern. Einen durchs Los bestimmten Klimarat schaffen, 20.467 Parlamentarische Initiative, Grüne Fraktion, Balthasar Glättli, 24. September 2020, auf parlament.ch.</ref><ref>Dossier Klimarat auf Web von Balthasar Glättli, balthasar-glaettli.ch.</ref>
Nach den Verlusten der Grünen bei den Parlamentswahlen 2023 erklärte er, dass er für eine parteiinterne Wiederwahl als Präsident im April 2024 nicht mehr zur Verfügung stehe.<ref>Balthasar Glättli tritt als Grünen-Präsident zurück, SRF, 14. November 2023.</ref> Am 6. April 2024 wurde Lisa Mazzone zu seiner Nachfolgerin gewählt.<ref>Einstimmig: Genferin Lisa Mazzone zur neuen Präsidentin der Grünen gewählt. In: tagesanzeiger.ch. 6. April 2024, abgerufen am 6. April 2024.</ref>
Bei den Wahlen vom 8. März 2026 wurde er in den Zürcher Stadtrat gewählt.<ref>Wahlen Stadt Zürich: Avdili scheitert, Golta auf Stapi-Kurs. In: tagesanzeiger.ch. 8. März 2026, abgerufen am 8. März 2026.</ref> Am 20. März 2026 wurde er im Nationalrat verabschiedet, der Rücktritt erfolgte per 26. April 2026.<ref>Balthasar Glättli's letzte Session als Nationalrat. In: srf.ch. 20. März 2026, abgerufen am 21. März 2026.</ref><ref>Balthasar Glättli wird im Nationalrat verabschiedet. In: srf.ch. 20. März 2026, abgerufen am 21. März 2026.</ref> Anna-Béatrice Schmaltz rückte für ihn in den Nationalrat nach.<ref>Michèle Dünki-Bättig und Anna-Béatrice Schmaltz rücken in den Nationalrat nach. Kanton Zürich, 17. April 2026, abgerufen am 20. April 2026.</ref> Im Juli 2026 übernimmt Glättli sein neues Amt als Stadtrat.
Weiteres Engagement
Glättli ist Stiftungsratspräsident der Stiftung ECAP<ref>Wie ECAP organisiert ist | ECAP. Abgerufen am 29. April 2025.</ref> und im Vorstand der progressiven Schweizer Kampagnenorganisation Campax<ref>Über Campax - Campax. Abgerufen am 29. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Glättli war von 2013 bis Ende 2020 Vizepräsident und bis 2023 Vorstandsmitglied des Mieterinnen- und Mieterverbands.<ref>Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz: Generalversammlung appelliert bei den Geschäftsmieten ans Parlament. 28. November 2020, abgerufen am 25. Februar 2022.</ref> Von 2014 bis 2023 war er zudem Präsident des Mieterinnen- und Mieterverbands Deutschschweiz (MVD).<ref>Website B. Glättli: Lebenslauf Balthasar Glättli. In: Balthasar Glättli (GRÜNE). 9. Mai 2009 (balthasar-glaettli.ch [abgerufen am 5. Juni 2017]).</ref><ref>Präsidiumswechsel beim MVD auf die ordentliche Verbandskonferenz. 13. März 2023, abgerufen am 16. März 2024.</ref> Bis im Herbst 2021 war er Co-Präsident von promembro (Interessenvertretung von Prothesenträgern).<ref>Verein promembro – Team. Abgerufen am 25. Februar 2022.</ref>
Persönliches
Glättli ist der Bruder des Cellisten Kaspar Singer und mit der SP-Politikerin und Journalistin Min Li Marti verheiratet.<ref>Thomas Wyss: Ein farbiges Zweiparteiensystem. In: Tages-Anzeiger. 1. April 2011, abgerufen am 26. März 2016.</ref> Die beiden haben eine Tochter.<ref name="tagi-2018-01-27">Nationalräte Marti und Glättli sind jetzt Eltern. In: Tages-Anzeiger. 27. Januar 2018, abgerufen am 27. Januar 2018.</ref>
Geprägt hat Glättli eine schwere Erkrankung in seiner Kindheit: Mit sieben Jahren lag er mit Blutkrebs im Spital, wobei die Überlebenschance 50 % betragen habe. Seine Genesung sei ihm seither Verpflichtung, sich für andere einzusetzen.<ref>Jan Vontobel: Doppelpunkt Radiointerview Balthasar Glättli. Radio1, 29. März 2020, abgerufen am 9. April 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Publikationen
- Mit Pierre-Alain Niklaus: Die unheimlichen Ökologen. Sind zu viele Menschen das Problem? Rotpunkt, Zürich 2014, ISBN 978-3-85869-617-5 (Vorabdruck)
- Es kommen die Richtigen. Klarstellungen zur aktuellen Schweizer Asyldebatte BoD, Norderstedt 2024, ISBN 978-3-7693-1085-6 (Website)
Literatur
- Ümit Yoker: Der mitteilsame Denker. In: Neue Zürcher Zeitung vom 16. August 2011.
- David Schaffner: Wie aus «Jesus» ein Grüner wurde. In: Tages-Anzeiger vom 10. August 2012.
- «Durch meine Krankheit war ich nie ein kräftiger Bub. Das prägt»: Balthasar Glättli im Gespräch über alles – ausser Politik (Interview mit Esthy Baumann-Rüdiger). In: Neue Zürcher Zeitung, 31. Juli 2023, S. 7 (online auf nzz.ch, abgerufen am 31. Juli 2023).
Weblinks
- Balthasar Glättli auf der Website der Bundesversammlung
- Eigener Webauftritt von Balthasar Glättli
- Sendung «Doppelpunkt». (MP3; 54,1 MB, Archiv). Roger Schawinski im Gespräch mit Balthasar Glättli. In: Radio 1 vom 24. Juni 2012 (55 Minuten)
- Sendung «Schawinski». Gespräch mit Balthasar Glättli. Video in: SRF 1 vom 20. Oktober 2014 (Online, 27 Min.) und vom 2. Dezember 2019 (Online, 27 Min.)
- Sendung «Sternstunde Philosophie». Flüchtlinge: Zwischen Mitgefühl und Abschottung. Video in: SRF 1 vom 8. März 2015 (Online, 57 Min.)
Einzelnachweise
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Nationalräte: Jacqueline Badran | Martin Bäumle | Max Binder | Toni Bortoluzzi | Hans Egloff | Hans Fehr | Jacqueline Fehr | Doris Fiala | Balthasar Glättli | Chantal Galladé | Bastien Girod | Andreas Gross | Thomas Hardegger | Alfred Heer | Markus Hutter | Maja Ingold | Daniel Jositsch | Hans Kaufmann | Filippo Leutenegger | Thomas Maier | Thomas Matter | Christoph Mörgeli | Tiana Angelina Moser | Martin Naef | Ruedi Noser | Hans-Peter Portmann | Rosmarie Quadranti | Natalie Rickli | Kathy Riklin | Gregor Rutz | Ernst Schibli | Barbara Schmid-Federer | Jürg Stahl | Daniel Vischer | Beat Walti | Thomas Weibel | Rudolf Winkler
Ständeräte: Verena Diener | Felix Gutzwiller
Liste der Mitglieder des Schweizer Nationalrats in der 49. Legislaturperiode | Liste der Mitglieder des Schweizer Ständerats in der 49. Legislaturperiode
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Nationalräte: Jacqueline Badran | Angelo Barrile | Martin Bäumle | Hans-Ulrich Bigler | Hans Egloff | Doris Fiala | Daniel Frei (ab Dez. 2018) | Chantal Galladé (bis Dez. 2018) | Bastien Girod | Balthasar Glättli | Nik Gugger (ab Nov. 2017) | Tim Guldimann (bis März 2018) | Martin Haab (ab Juni 2019) | Thomas Hardegger | Alfred Heer | Maja Ingold (bis Nov. 2017) | Roger Köppel | Philipp Kutter (ab Juni 2018) | Min Li Marti | Thomas Matter | Mattea Meyer | Fabian Molina (ab März 2018) | Tiana Angelina Moser | Martin Naef | Hans-Peter Portmann | Rosmarie Quadranti | Natalie Rickli (bis Juni 2019) | Kathy Riklin | Gregor Rutz | Regine Sauter | Therese Schläpfer (ab Juni 2019) | Barbara Schmid-Federer (bis Juni 2018) | Priska Seiler Graf | Jürg Stahl (bis Juni 2019) | Barbara Steinemann | Mauro Tuena | Hans-Ueli Vogt | Bruno Walliser | Beat Walti | Thomas Weibel | Claudio Zanetti
Ständeräte: Daniel Jositsch | Ruedi Noser
Liste der Mitglieder des Schweizer Nationalrats in der 50. Legislaturperiode | Liste der Mitglieder des Schweizer Ständerats in der 50. Legislaturperiode
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Zürcher Parlamentarier 51. LegislaturperiodeVorlage:Navigationsleiste Zürcher Parlamentarier 52. Legislaturperiode
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Glättli, Balthasar |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politiker (GPS) |
| GEBURTSDATUM | 12. Februar 1972 |
| GEBURTSORT | Zürich |