Wanra
Die Wanra (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) für „Volkswiderstand“) sind Gruppen von Zivilisten, die von den indonesischen Streitkräften (TNI) bewaffnet und ausgebildet werden, um im offiziellen Auftrag in ihrer Region für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die indonesische Verfassung von 1945 und das Verteidigungsgesetz von 1988 legen fest, dass Zivilisten das Recht und die Pflicht haben, den Staat zu verteidigen, indem sie eine militärische Grundausbildung erhalten.<ref name="Anggoro"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jakarta Post, 27. Oktober 2007, TNI 'should not deploy Wanra' for internal rows ( vom 7. Januar 2016 im Internet Archive)</ref>
Diskussion über den Einsatz der Wanra
Der indonesische Militärexperte Kusnanto Anggoro vom Center for Strategic and International Studies betonte, die Wanra sollten nicht für innere Konflikte, sondern nur als Unterstützung der TNI im Kampf gegen äußeren Gefahren eingesetzt werden. Hier müsse das Verteidigungsgesetz klar den Einsatz der Wanra in internen Konflikten ausschließen.
Yusron Ihza Mahendra, der stellvertretende Sprecher der Kommission I für Verteidigung des Repräsentantenhauses, widerspricht dieser Meinung und befürwortet den Einsatz der Wanra auch im Inneren.
Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Brigadegeneral Edi Butar Butar erklärte, das aktuelle Gesetz führe die Begriffe „Wanra“ und „Sishankamrata“ (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) für „Verteidigung der Bevölkerung und Sicherheitssystem“) gar nicht auf. Das Verteidigungsgesetz von 2002 sehe nur die TNI als Hauptkomponente des Verteidigungssystems vor. Zivile Gruppen würden nur als Reservekomponente aufgeführt. Das Weiterbestehen von bereits existierenden zivilen Einheiten liege nun in der Verantwortung der Provinzverwaltung. Das TNI sei nur noch für deren militärische Ausbildung zuständig.<ref name="Anggoro" />
Die Wanra in Osttimor
Bereits seit Juli 1998 stellte Generalmajor Zacky Anwar Makarim mit der Armee die Milizen auf.<ref name="MoT" details="S. 19.">Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191.</ref> Sie gehörten zum Plan zum Vorgehen im nach Unabhängigkeit strebenden Osttimor, den er mit Generalmajor Sjafrie Sjamsoeddin erarbeitet hatte.<ref name="MoT" details="S. 69." /> Am 23. Februar 1999 hatte Zacky, zusammen mit Generalmajor Adam Damiri und Oberst Tono Suratman, den Chef der Unabhängigkeitsbewegung Xanana Gusmão im Gefängnis in Jakarta besucht. Es war der erste von mehreren Besuchen. Gusmão erzählte später, Zacky hätte ihm erklärt, er könne „den Verlust von Osttimor nicht akzeptieren.“ Gusmão habe die Strategien Zackys dazu vorhersehen können.<ref name="MoT" details="S. 173ff." />
Domingos Maria das Dores Soares, Administrator (Bupati) von Dili, schuf am 17. Mai 1999 die Pam Swakarsa („Selbstinitiierte Sicherheitsgruppe“). Der Beschluss benannte José Abílio Osório Soares, Gouverneur von Timor Timur, Oberst Tono Suratman, Militärkommandeur der Provinz (Danrem) und Oberst Timbul Silaen, den Polizeichef der Provinz als die Hauptberater der Pam Swakarsa. Eurico Guterres wurde zum Operational Commander ernannt. Zu den 2650 registrierten Mitgliedern gehörten auch die 1521 Mitglieder der Aitarak-Miliz.<ref>„Part 3: The History of the Conflict“, S. 138 (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)</ref>
Die Existenz der Wanra bestätigte Generalleutnant a. D. Kiki Syahnakri bei seiner Aussage vor der Wahrheits- und Freundschaftskommission (CTF) im Oktober 2007.<ref name="Syahnakri"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jakarta Post, 25. Oktober 2007, TNI 'armed' East Timor civilians ( vom 30. April 2015 im Internet Archive)</ref> Für die Finanzierung gilt Transmigrationsminister Abdullah Mahmud Hendropriyono als verantwortlich.<ref name="UCA">UCA News: Timorese slam award for ‘rights abuser’ ex-general, 22. August 2022, abgerufen am 3. September 2022.</ref> Die CTF klärte die Zusammenhänge bei den gewaltsamen Ausschreitungen um das Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 auf. Damals hatten pro-indonesische Milizen zusammen mit den TNI versucht, die Bevölkerung einzuschüchtern. In der Operation Donner wurden bis zu 1500 Menschen getötet, hunderte Frauen und Mädchen vergewaltigt, drei Viertel der Bevölkerung Osttimors vertrieben und 75 % der Infrastruktur des Landes zerstört. Erst das Eingreifen einer internationalen Friedenstruppe konnte dem Einhalt gebieten. Osttimor kam unter die Verwaltung der Vereinten Nationen. Gemäß dem Ergebnis des Referendums (78,5 % für die Unabhängigkeit), wurde Osttimor 2002 ein selbständiger Staat.
Syahnakri sagte aus, die Wanra seien legale, zivile Verteidigungsgruppen, die damals Teil des allgemeinen indonesischen Verteidigungssystems waren und es überall in Indonesien, und daher auch in Osttimor, gab. Diese Gruppen seien aber auf eigenen Wunsch nur zum Schutz ihrer Nachbarschaft bewaffnet worden.<ref name="Syahnakri" />
Den politischen Arm für die Pro-Autonomie-Bewegung bildete eine Reihe Anfang 1999 gegründeter Organisationen. Am 27. Januar 1999 gründeten sie das Forum für Einheit, Demokratie und Gerechtigkeit ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) FPDK). Die Führung übernahm Domingos Maria das Dores Soares. Im April wurde außerdem die Volksfront Osttimor ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), BRTT) gegründet, mit Francisco Lopes da Cruz als Chef. Die am 23. Juni als Dachorganisation gegründete Vereinigte Front für Osttimor (UNIF) versammelte unter sich FPDK, BRTT und andere pro-indonesische Gruppen. Die neue Organisation stand unter der gemeinsamen Führung von Soares, Lopez da Cruz und Armindo Soares Mariano, dem Vorsitzenden des Rates der Volksrepräsentanten der Provinz (DPRD), dem Provinzparlament. João da Costa Tavares kommandierte die Milizen der UNIF, die in den „Streitkräften des Integrationskampfes“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) PPI) alte Milizen und die Neugründungen von 1998/1999 vereinigte.<ref name="CAVR3-140">„Chega!“-Report: Part 3, The campaign – Active pro-autonomy groups, S. 140–141.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Masters of Terror: Domingos Maria das Dores Soares ( vom 9. Oktober 2010 im Internet Archive).</ref> Stabschef der PPI und damit Nummer 3 der Milizen nach Tavares und Eurico Guterres wurde im März 1999 Herminio da Costa.<ref name="MoT" details="S. 160–163." /> Die Organisationen waren eng mit der Zivilverwaltung verbunden und wurden von ihr finanziert. Routinemäßig wohnten die Milizionäre Treffen von Militär, Polizei und Regierung (Muspida) bei, obwohl sie keinen offiziellen Status hatten. In einer FPDK-Kampagne verunglimpfte man die UNAMET, was in der indonesischen Öffentlichkeit und über diplomatische Kanäle weit verbreitet wurde.<ref name="CAVR3-140" />
Nach dem Unabhängigkeitsreferendum wurde die Organisationen ersetzt, durch die am 5. Februar 2000 im indonesischen Westtimor gegründete Uni Timor Aswain (UNTAS, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)).<ref>Michaela Müller und Monika Schlicher: Politische Parteien und Gruppierungen in Ost-Timor, Indonesien-Information Nr. 1 2002 (Ost-Timor), Watch Indonesia!</ref>
Liste der Wanra in Osttimor
| Wanra in Osttimor<ref name="CAVR4" details="S. 377–380.">„Part 4: Regime of Occupation“ (PDF; 563 kB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)</ref> | ||||
|---|---|---|---|---|
| Sektor A (Ost)
Kommandant: Joanico Césario Belo | ||||
| Distrikt | Wanra | Führer | gegründet | Informationen |
| Baucau | Team Saka | Joanico Césario Belo | 1983 | Von Kopassus aufgestellt aus ehemaligen FALINTIL-Kämpfern und Mitgliedern der Milizen Railakan und 1959–75, sowie Paramilitär aus Baucau. |
| Sera Team | Agustinho Boavide Ximenes (Sera Malik) | 1986 | Wie Team Saka von Kopassus aufgestellt. | |
| Forum Komunikasi
Partisan (Partisanen-Kommunikationsforum) |
Antonio Monis | 1999 | Aus ehemaligen Partisanen von 1975 wieder aufgestellt. | |
| Lautém | Tim/Team Alfa<ref name="ASAP"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ASAP – Crimes Against Humanity in East Timor – January to October 1999 ( vom 8. Mai 2005 im Internet Archive)</ref> bzw. Jati Merah Putih (Teak Rot-Weiß) JMP | José da Conceição,<ref name="CAVR4" details="S. 4." /> Joni Marques,<ref name="ASAP" /> Edmundo de Conceição Silva (JMP)<ref name="ASAP" /> | 1985 | Als Team Alfa von Kopassus 1985 gegründet; 1999 in JMP umbenannt. |
| Manatuto | Mahadomi
(Leben und Sterben mit der Integration) |
Aleixo de Carvalho | 1999 | Distriktsadministrator (Bupati) und Kopassus-Mitglied Vidal Doutel Sarmento war Gründer und Berater |
| Morok (wild) | Filomeno Lopes da Cruz,
ab April 1999: Thomas de Aquino Kalla |
ca. 1995 | ||
| Viqueque | Makikit (Adler) | Lafaek Saburai & Martinho Fernandes | 1983 | Finanziert von Kopassus |
| Pedjuang 59–75/ Nagah Merah (Roter Drache) |
Alvaro de Jesus | 1999 | Wurzeln in der Viqueque-Rebellion 1959 | |
| Sektor B (Zentrum)
Kommandant: Eurico Guterres | ||||
| Distrikt | Wanra | Führer | gegründet | Informationen |
| Dili | Aitarak (Dorn) | Eurico Guterres | 1999 | |
| Ermera | Darah Merah Integrasi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) / Partisanen / Darah Merah Putih ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) | Miguel Babo Soares, António da Sousa | April 1999 | |
| Naga Merah (Roter Drache)/
Darah Merah (Rotes Blut)/ Milisi Sayap Kanan (deutsch Rechter-Flügel-Miliz)/ Front Pembersihan Timor Timur (deutsch Osttimor-Säuberungsfront) |
Lucas Martins, José Pereira | |||
| Pancasila (Fünf Grundprinzipien) Team | João da Costa,
Paulo Berlelo | |||
| Liquiçá | Besi Merah Putih BMP
(Rotes und Weißes Eisen) |
Manuel de Sousa | 27. Dezember 1998 | |
| Pana<ref name="MoT" details="S. 125." /> | Graciano Filipe<ref name="MoT" details="S. 125." /> | früh mit der BMP vereinigt.<ref name="CAVRAI" details="S. 2889.">„Annexe 1: Timor-Leste 1999: Crimes against Humanity“ aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)</ref> | ||
| Sektor C: Südwest
Kommandant: Câncio de Carvalho | ||||
| Distrikt | Wanra | Führer | gegründet | Informationen |
| Ainaro | Mahidi (Mati Hidup Untuk Indonesia,
Leben oder Sterben für Indonesien) |
Câncio de Carvalho | 17. Dezember 1998 | |
| Aileu | Ahi
(Aku Hidup untuk Integrasi, Ich lebe für die Integration) |
Horacio Araújo / Thomas Mendonça | 27. März 1999 | Aufgestellt und unterstützt durch die Distriktsadministration |
| Cova Lima | Laksaur | Olivio Mendonça Moruk | April 1999<ref name="indict">Anklageschrift bei den Special Panels for Serious Crimes gegen 14 Mitglieder der Milizen.</ref> | Distriktsadministrator (Bupati) und Militärkommandant |
| Manufahi | ABLAI | Nazario Corte-Real | 27. März 1999 | Verbindungen zu Kopassus |
| Sektor D: West
Kommandant: João Tavares | ||||
| Distrikt | Wanra | Führer | gegründet | Informationen |
| Bobonaro | Halilintar (Donner) | Maliana: | 1975,
wieder aufgestellt 1994 |
|
| Dadarus Merah Putih (Rot-Weiß Tornado);
Guntur (Thunder); ARMUI (Aku Rela Mati Untuk Integrasi, Ich sterbe freiwillig für die Integration); Kaer Metin Merah Putih KMP (Pegang Kuat Merah Putih, Halte schnell zu Rot-Weiß); Harimau Merah Putih (Rot-Weiß Tiger); Saka Loromonu (Western Saka); Firmi Merah Putih (Wahrer Gläubiger in Rot-Weiß) |
Natalino Monteiro<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Master of Terror, Natalino Monteiro ( vom 15. Juni 2013 im Internet Archive)</ref> | |||
| Oe-Cusse Ambeno | Sakunar (Skorpion) | Simão Lopes | April 1999 | Verbindung zu Kopassus |
Siehe auch
Literatur
- Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191.
Weblinks
- Geoffrey Robinson: People’s war: militias in East Timor and Indonesia (englisch; PDF; 408 kB)
Einzelnachweise
<references responsive=""> </references>