Zum Inhalt springen

Decarboxylasehemmer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. März 2026 um 06:45 Uhr durch imported>Coronium (Ersetze CA- durch deutschsprachiges EP-Patent ud nutze Vorlage Patent).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Als Decarboxylasehemmer (auch Decarboxylase-Hemmstoffe, DDCI bzw. DDI (DOPA-Decarboxylase-Inhibitor)) werden in der Medizin pharmakologische Wirkstoffe bezeichnet, die das Enzym DOPA-Decarboxylase inhibieren. Sie werden bei der Behandlung des Morbus Parkinson zusammen mit Levodopa eingesetzt. Dieses Kombinationsprinzip ist grundsätzlich seit 1960 bekannt,<ref>Patent EP0324947B1: Synergistische Kombination von Decarboxylasehemmern und L-Dopa-Pellets. Angemeldet am 14. Dezember 1988, veröffentlicht am 4. November 1992, Anmelder: Asta Medica Aktiengesellschaft, Erfinder: AManfred Albring, Helmut Hettche.</ref> heute gilt die alleinige Gabe von Levodopa als obsolet, d. h. nicht mehr zeitgemäß.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Parkinson-Syndrome, Diagnostik und Therapie. (Memento vom 24. Mai 2012 im Internet Archive; PDF) S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie</ref>

Es sind heute fünf Hemmstoffe der DOPA-Decarboxylase bekannt:

  • BenserazidDL-Serin-2-(2,3,4-trihydroxybenzyl)-hydrazid
  • Carbidopa – (−)-L-α-Hydrazino-3,4-dihydroxy-α-methylhydrozimtsäure
  • L-Serin-2-(2,3,4-trihydroxybenzyl)-hydrazid
  • Glycin-2-(2,3,4-trihydroxybenzyl)-hydrazid
  • L-Tyrosin-2-(2,3,4-trihydroxybenzyl)hydrazid

Trotzdem finden im Wesentlichen nur Benserazid und Carbidopa in verschiedenen Kombipräparaten medizinische Verwendung.

Wirkmechanismus

Datei:Levodopa Wege.svg
Decarboxylasehemmer blockieren einen von zwei Wegen, durch die Levodopa inaktiviert werden kann, bevor es das zentrale Nervensystem erreicht, nämlich den Abbau durch das Enzym AADC. Der zweite Weg wird von COMT-Hemmern blockiert.

Decarboxylasehemmer verhindern die Abspaltung der Carboxygruppe (–COOH) des Levodopa durch Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylasen, die im menschlichen Körper vornehmlich in Darm und Blutkreislauf vorhanden sind.

Der Wirkung der Decarboxylasehemmer beruht auf zwei Tatsachen: Zum einen ist Levodopa nach der Decarboxylierung zu Dopamin nicht mehr in der Lage die Blut-Hirn-Schranke zu passieren und an seinen Wirkort zu gelangen. Durch die Verhinderung der Decarboxylierung vor der Passage der Blut-Hirn-Schranke gelangt mehr Levodopa ins Zentralnervensystem (ZNS) und kann dort wirksam werden. Auf der anderen Seite können die Hemmstoffe nicht in das ZNS gelangen. Somit verringern sie ausschließlich die vorzeitige Metabolisierung von Levodopa in der Körperperipherie, die gewünschte Decarboxylierung im ZNS wird nicht beeinflusst.

Nutzen

Wird Levodopa als Einzelpräparat gegeben, verringert sich sein therapeutische Effekt im Laufe einer jahrelangen Behandlung so weit, dass auch eine Dosiserhöhung bis an die Grenze der Verträglichkeit keinen Nutzen mehr bringt. Durch den Einsatz der Decarboxylasehemmer kann dieser Effekt deutlich abgemildert werden. Deshalb wird eine Einzeltherapie mit Levodopa heute nicht mehr durchgeführt, in Deutschland sind ausschließlich Kombinationspräparate erhältlich.<ref>Arzneiverordnungen. 22. Auflage. Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. MMI-Verlag, 2009.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein