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Zimtaldehyd

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Zimtaldehyd (3-Phenyl-2-propenal) ist eine organische chemische Verbindung und ein α,β-ungesättigter aromatischer Aldehyd. Er ist der Aldehyd der Zimtsäure und gehört zu den Phenylpropanoiden. Zimtaldehyd bildet eine gelbliche, ölige, intensiv nach Zimt riechende, brennend schmeckende Flüssigkeit. Er ist der Hauptaromastoff der Zimtrinde und wurde erstmals im Jahre 1834 aus Zimtöl isoliert. Verwendung findet Zimtaldehyd als Riechstoff in der Parfümherstellung, als Duftstoff in Kosmetika und als Gewürz.

Geschichte

Zimtaldehyd wurde 1834 von Jean-Baptiste Dumas und Eugène-Melchior Péligot aus Zimtrindenöl isoliert.<ref name="Dumas">J.-B. Dumas, E. Peligot: Sur l’Huile de Cannelle, l’Acide Hippurique, et l’Acide Sébacique in Ann. Chim. Physique 57 (1834) 305–334.</ref> Die erste Synthese gelang 1856 Luigi Chiozza<ref name="Chiozza">L. Chiozza: Sur la production artificielle de l´essence de cannelle in Comptes rendus 1856/1, 222f.</ref>, wobei die richtige Strukturformel erst 1861 durch Josef Loschmidt formuliert wurde.<ref name="Loschmidt">J. Loschmidt, Chemische Studien I, Wien 1861, S. 33.</ref><ref name="Soukup_org">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten organischer Substanzen, Version 2020, S. 170 pdf.</ref>

Vorkommen

Zimtaldehyd kommt natürlich im Zimtrindenöl (42–68 %) und Cassiaöl (bis 90 %) vor, in geringerem Maße aber auch in den Blättern des Zimtbaums und in vielen anderen ätherischen Ölen.<ref name="baua">Ausschuss für Gefahrstoffe: Begründung zu Zimtaldehyd in TRGS 907 - Ausgabe: Dezember 2011 – Stand: Mai 2011.</ref><ref name="Dieter Martinetz, Roland Hartwig">Vorlage:Literatur</ref> So kann Zimtaldehyd auch in Sellerie, Benediktenkraut, Commiphora myrrha, Feigen, Gartenhyazinthen, Lavendel (Lavandula sp), Tomaten, Äpfeln, Myrtenheiden, Balsambäumen (Myroxylon balsamum), Piment, Anis, Indischem Patschuli, Rosa damascena, Heidelbeeren, Gewürzvanille, Weinreben, dem Gewürznelkenbaum und dem Tamarindenbaum nachgewiesen werden.<ref name="Dr.Dukes 51545" />

Isomerie

Die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung in der Seitenkette des Zimtaldehyds ist typischerweise trans-konfiguriert. Der isomere cis-Zimtaldehyd [Synonym: (Z)-Zimtaldehyd] hat nur eine geringe Bedeutung. Die Angaben in diesem Artikel beziehen sich nur auf den trans-Zimtaldehyd [Synonym: (E)-Zimtaldehyd].

Isomere von Zimtaldehyd
Name trans-Zimtaldehyd cis-Zimtaldehyd
Andere Namen (E)-Zimtaldehyd (Z)-Zimtaldehyd
Strukturformel Datei:Zimtaldehyd - cinnamaldehyde.svg Datei:Cis-Cinnamaldehyde.svg
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN
Vorlage:CASRN (unspez.)
EG-Nummer 604-377-8
203-213-9 (unspez.)
ECHA-Infocard Vorlage:ECHA
Vorlage:ECHA (unspez.)
PubChem Vorlage:PubChem Vorlage:PubChem
Vorlage:PubChem (unspez.)
Wikidata Q204036 Q27161918
Q60041699 (unspez.)

Darstellung

Natürliche Quellen

Zimtaldehyd wird durch Wasserdampfdestillation aus der Rinde (in geringerer Qualität auch den Blättern) des Zimtbaums gewonnen.<ref name="baua" /> Aus der Rinde des Zimtbaums (Cinnamomum verum) wird Zimtöl gewonnen, das zu 65–75 % aus Zimtaldehyd besteht.<ref name="Gossauer">Albert Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomoleküle, Verlag Helvetica Chimica Acta, Zürich 2006, ISBN 978-3-906390-29-1, S. 313.</ref>

Technische Synthesen

trans-Zimtaldehyd kann analog zur Zimtsäure mittels Aldol-Kondensation aus Benzaldehyd und Acetaldehyd in 60%iger Ausbeute dargestellt werden.<ref>Autorengemeinschaft: Organikum, 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 470.</ref>

Aldolkondensation von Benzaldehyd und Acetaldehyd zu Zimtaldehyd
Aldolkondensation von Benzaldehyd und Acetaldehyd zu Zimtaldehyd

Die Darstellung gelingt auch durch Vilsmeier-Formylierung von Styrol in 30%iger Ausbeute.<ref>Autorengemeinschaft: Organikum, 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 345.</ref>

Vilsmeier-Formylierung von Styrol zu Zimtaldehyd
Vilsmeier-Formylierung von Styrol zu Zimtaldehyd

Der cis-Zimtaldehyd kann durch eine photochemische Isomerisierung aus der trans-Verbindung erhalten werden:<ref name="roempp" />

Photochemische Zimtaldehyd-Isomerisierung
Photochemische Zimtaldehyd-Isomerisierung

Eigenschaften

Datei:Cinnamaldehyde-3D-elpot.png
COSMO-Oberfläche des Zimtaldehyds
(blau =negative, rot = positive Ausgleichsladung)

Physikalische Eigenschaften

Zimtaldehyd ist eine gelbliche, ölige, intensiv nach Zimt riechende, brennend schmeckende Flüssigkeit, die an der Luft allmählich zu Zimtsäure oxidiert.<ref name="GESTIS" /><ref name="TMI" /><ref name="EFCA" /> Er schmilzt bei −8 °C und siedet bei 251 °C bei Normaldruck.<ref name="GESTIS" /> Er löst sich sehr schlecht in Wasser (1,1 g/l bei 20 °C),<ref name="GESTIS" /> hingegen ist er mischbar mit Ethanol, Diethylether und Chloroform.<ref name="roempp" /><ref name="TMI" /> Der Flammpunkt liegt bei 120 °C.<ref name="EFCA" />

Chemische Eigenschaften

Zimtaldehyd ist gegen Licht, Wärme, Alkalien und einige Metalle empfindlich und zeigt die üblichen Aldehyd- und Olefinreaktionen.<ref name="Dieter Martinetz, Roland Hartwig" />

Durch Meerwein-Ponndorf-Verley-Reduktion kann er zu Zimtalkohol in 75%iger Ausbeute reduziert werden.<ref>Autorengemeinschaft: Organikum, 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 505.</ref>

Meerwein-Ponndorf-Verley-Reduktion von Zimtaldehyd zu Zimtalkohol
Meerwein-Ponndorf-Verley-Reduktion von Zimtaldehyd zu Zimtalkohol

Durch Autoxidation an der Luft entsteht Zimtsäure.

Autoxidation von Zimtaldehyd zur Zimtsäure
Autoxidation von Zimtaldehyd zur Zimtsäure

Durch stärkere Oxidationsmittel wie Kaliumpermanganat oder Ozon wird Zimtaldehyd zu Benzoesäure oxidiert.

Oxidation von Zimtaldehyd zur Benzoesäure
Oxidation von Zimtaldehyd zur Benzoesäure

Durch Hydrierung der Doppelbindung entsteht der Hydrozimtaldehyd.<ref>Vorlage:Patent</ref>

Struktur von Hydrozimtaldehyd
Struktur von Hydrozimtaldehyd

Strukturelle Verwandte

Datei:Coniferyl aldehyde.svg
Struktur von Coniferylaldehyd

Ein Derivat ist der Coniferylaldehyd [3-(4-Hydroxy-3-methoxyphenyl)-2-propenal], der am Benzolring zusätzlich an der 4-Position eine Hydroxy- und an der 3-Position eine Methoxygruppe trägt, und damit das Substitutionsmuster wie beim Vanillin aufweist.

Struktur von Zimtalkohol Struktur von Zimtaldehyd Struktur von Zimtsäure
Zimtalkohol Zimtaldehyd Zimtsäure

Verwendung

Zimtaldehyd wird als Riechstoff in der Parfümherstellung bei der Komposition orientalischer Parfüms benutzt.<ref name="Weber">Juliane Daphi-Weber, Heike Raddatz, Rainer Müller: Untersuchung von Riechstoffen – Kontrollierte Düfte, S. 94–95, in Band V der Reihe HighChem hautnah – Aktuelles aus der Lebensmittelchemie (Herausgegeben von der Gesellschaft Deutscher Chemiker) 2010, ISBN 978-3-936028-64-5.</ref> Es dient auch als Duftstoff in Kosmetika, z. B. in Lippenstiften, Wasch-, Reinigungsmittel, Zahnpasta und Mundwasser. Ebenso findet es als Gewürz in Nahrungsmitteln Verwendung.<ref name="baua" />

In reiner Form hat er sensibilisierende Eigenschaften und kann zu allergischen Hautreaktionen führen.<ref name="Merck" /> Patienten mit einer Zimtaldehydallergie reagieren häufig auch auf Perubalsam, was auf Kreuzallergien hindeutet. Die Verbindung reagiert mit nukleophilen Strukturbestandteilen von Proteinen, vor allem den Thiolgruppen des Cysteins, und kann dadurch eine Immunreaktion vom Spättyp auslösen.<ref name="baua" /> Aufgrund seines hohen allergenen Potentials ist er ein Bestandteil des sogenannten „Duftstoff-Mix“ (engl. fragrance mix) für Epikutantests.<ref name="LachapelleMaibach2012">Jean-Marie Lachapelle: Patch Testing and Prick Testing. Springer Science & Business Media, 2012, ISBN 978-3-642-25492-5, S. 108 (Vorlage:Google Buch).</ref><ref name="Trautmann2006">Axel Trautmann: Allergiediagnose Allergietherapie. Thieme, 2006, ISBN 978-3-13-169061-6 (Vorlage:Google Buch).</ref>

Sicherheitshinweise

Zimtaldehyd wirkt sensibilisierend und verursacht Reizungen der Haut und Augen. Auch allergische Hautreaktionen sind möglich. Für Wasserorganismen ist er schädlich.<ref name="GESTIS" />

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references> <ref name="Dr.Dukes 51545">Vorlage:DrDukesDB</ref> </references>