Tea-Party-Bewegung
Die Tea-Party-Bewegung war eine US-amerikanische, anfangs libertäre, später zunehmend rechtspopulistische Protestbewegung. Sie entstand 2009, war bis etwa 2016 aktiv und richtete sich zunächst gegen die als kommunistisch betrachtete Wirtschaftspolitik Barack Obamas. Der Name der Bewegung bezieht sich auf die Boston Tea Party von 1773. Politisch stand sie für einen Limited-Government-Konservatismus, also eine Verringerung der Macht der Bundesregierung, und definierte ihr Leitbild im April 2009 im Contract from America. Die Tea-Party-Bewegung wurde von der religiösen Rechten und den Neokonservativen unterstützt, ohne sich deren gesellschaftspolitische Aussagen grundsätzlich zu eigen zu machen.
Geschichte
Als Anstoß für die Entstehung der Tea-Party-Bewegung gilt ein sehr emotionaler Kommentar des Reporters Rick Santelli („Santelli's rant“) am 19. Februar 2009 im US-Fernsehsender CNBC, in dem er als Reaktion auf eine Ankündigung des neuen US-Präsidenten Barack Obama, ein Notprogramm für überschuldete Hausbesitzer aufzulegen, scheinbar spontan zu einer „Chicago Tea Party“ aufrief: Die durch die Weltfinanzkrise in Schwierigkeiten geratenen Hausbesitzer seien an ihrer Situation selbst schuld, und es sei falsch, sie zu unterstützen.<ref>Jane Mayer: Dark Money: The Hidden History of the Billionaires Behind the Rise of the Radical Right. Doubleday, New York 2016, ISBN 978-0-385-53559-5. S. 165f.</ref> Verschuldung sei Privatsache, die die Gesellschaft nichts angehe.
Die Idee, unter Bezug auf die Boston Tea Party gegen die Regierung mobil zu machen, war auf rechtskonservativer Seite nicht neu. Seit den frühen 1990er Jahren hatte es wiederholt Versuche gegeben, initiiert von Großkonzernen wie Koch Industries oder Tabakkonzernen, unter diesem Motto scheinbare Graswurzelbewegungen gegen Steuern oder staatliche Regulierungsmaßnahmen ins Leben zu rufen, die aber auf sehr wenig Resonanz stießen. Neu war 2009, dass Menschen auf die Straßen gingen, was auch mit einem grundsätzlichen Misstrauen vieler Konservativer gegenüber dem erst seit Januar 2009 amtierenden Präsidenten Obama zusammenhing. Charles und David Koch, die Inhaber von Koch Industries, unterstützt von einigen weiteren Milliardären, begannen umgehend, die Bewegung systematisch zu fördern und für ihre Ziele einzuspannen.<ref>Jane Mayer: Dark Money: The Hidden History of the Billionaires Behind the Rise of the Radical Right. Doubleday, New York 2016. S. 167–169.</ref>
Was wie eine spontane Graswurzelbewegung erschien, war daher sorgfältig vorbereitet (Astroturfing). Kurz nach Santellis Aufruf wurden Websites zum Thema eingerichtet und etwa 10.000 Personen kontaktiert, deren Daten zwei Aktivisten, Eric Odom und Rob Bluey, gesammelt hatten, als sie im Jahr zuvor mit Erfolg einen Flashmob radikaler Rechter im Repräsentantenhaus organisiert hatten. Daran beteiligt war auch die Organisation FreedomWorks des republikanischen Politikers Dick Armey und Americans for Prosperity, eine Organisation der Kochs. Erste bundesweite Proteste wurden für den 27. Februar 2009 geplant. Diese fanden an über einem Dutzend Orten statt, und nach Angaben der Veranstalter waren 30.000 Menschen beteiligt. Am zweiten Tag des Protests, dem 15. April, waren es bereits 300.000. Die libertären Organisationen Heritage Foundation, Cato Institute und Americans for Prosperity stellten Redner zur Verfügung, verfassten Presseerklärungen und beteiligten sich an der Organisation.<ref>Jane Mayer: Dark Money: The Hidden History of the Billionaires Behind the Rise of the Radical Right. Doubleday, New York 2016. S. 176–180.</ref>
FreedomWorks traf eine Vereinbarung mit dem populären TV-Moderator Glenn Beck, die sehr zur Verbreitung der libertären Ideen beitrug. Beck erhielt insgesamt über eine Million Dollar dafür, dass er von FreedomWorks verfasste Texte in seine Kommentare einflocht. Mit seiner Sendung bei Fox News erreichte er täglich etwa zwei Millionen Zuschauer.<ref>Jane Mayer: Dark Money: The Hidden History of the Billionaires Behind the Rise of the Radical Right. Doubleday, New York 2016. S. 182f.</ref> Seit der von FreedomWorks organisierten Demonstration in Washington am 12. September 2009 kann die Tea-Party-Bewegung als überörtliche Bewegung angesehen werden. Dennoch blieb sie bis zur Unterzeichnung von Obamacare am 30. März 2010 eine Randerscheinung.<ref name="Power" /> Zugleich animierten Americans for Prosperity und FreedomWorks die Tea-Party-Bewegung dazu, ihr Interesse auf die Abstreitung der Globalen Erwärmung zu lenken.<ref>Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press, 2011, S. 144–160, insb. S. 154.</ref>
Erst ab 2010 wurde die Tea-Party-Bewegung amerikaweit zu einer schlagkräftigen Organisation, die seither überall in den USA präsent ist. Sie positionierte sich als Gegenbewegung zu Präsident Barack Obama mit dem Slogan „I want my country back“ („Ich will mein Land zurück“). Die Gesundheitsreform Obamas wurde als „sozialistische Übernahme“ verunglimpft. Auch kritisierte die Tea-Party-Bewegung nun immer offener den angeblich wachsenden Einfluss von Afroamerikanern, Hispanics und Homosexuellen auf die US-Politik.<ref name="Power">Matt A. Barreto, Betsy L. Cooper, Benjamin Gonzalez, Christopher S. Parker, Christopher Towler: The Tea Party in the Age of Obama: Mainstream Conservatism or Out-Group Anxiety? In: Political Power and Social Theory. Volume 22, 2011, ISBN 978-0-85724-911-1, S. 4.</ref> Damit wurde eine wachsende Verquickung mit rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Kreisen offensichtlich.
Im Jahr 2016 veröffentlichte Politico einen Artikel, in dem ausgeführt wurde, dass die Tea-Party-Bewegung eigentlich vollständig tot sei. Dies sei insbesondere darauf zurückzuführen, dass Political Action Committees mit dauernden Spendenaufrufen die Bewegung ausgesaugt hätten. Viele der Vorstellungen der Tea-Party-Bewegung waren mittlerweile von den Mainstream-Republikanern übernommen worden. Die Reste der Tea Party würden im Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump oder Ted Cruz unterstützen.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Paul H. Josse|Paul H. Josse: }}{{#if:|{{#if:How We Killed the Tea Party|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=How We Killed the Tea Party}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.politico.com/magazine/story/2016/08/tea-party-pacs-ideas-death-214164/%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=How We Killed the Tea Party}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.politico.com/magazine/story/2016/08/tea-party-pacs-ideas-death-214164/}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=How We Killed the Tea Party}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:Politico2016-08-14{{#if: 2023-10-15 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}
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Struktur
Zusammensetzung
Bei einer landesweiten Umfrage<ref>Polling the Tea Party. In: The New York Times. 14. April 2010.</ref> im April 2010 von New York Times und CBS News gaben 18 Prozent der Befragten an, Unterstützer der Tea-Party-Bewegung zu sein. Hinsichtlich Wohlstand und Bildungsniveau gaben sie an, über dem US-Durchschnitt zu liegen. Sie haben laut der Umfrage nicht mehr Angst vor dem sozialen Abstieg als der Durchschnitt, sind konservativer eingestellt als die Republikaner in ihrem Gesamtdurchschnitt und beschreiben sich selbst als „sehr konservativ“, Präsident Barack Obama hingegen als „sehr links“ („very liberal“, „liberal“ wird im US-Englischen nicht wie im Deutschen verstanden). Den ehemaligen Präsidenten George W. Bush beurteilen sie mehrheitlich positiv und Obamas Politik deutlich negativ. Während Republikaner im Allgemeinen sagen, sie seien mit der Politik in Washington unzufrieden, so erklären die Anhänger der Bewegung, sie seien wütend auf Washington. Gemäß einer Umfrage sind sie mehrheitlich der Ansicht, dass Obamas Politik unverhältnismäßig auf die Unterstützung der Armen ausgerichtet sei, und 25 Prozent (mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt) geben an, die Politik würde Schwarze gegenüber Weißen bevorzugen.<ref>Kate Zernike, Megan Thee-Brenan: Poll Finds Tea Party Backers Wealthier and More Educated. In: The New York Times. 14. April 2010.</ref> Die Anhänger der Bewegung sind zu etwa 90 % Weiße.<ref name="Amüsiert und alarmiert">Matthias Rüb: „Tea Party“-Bewegung: Amüsiert und alarmiert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung-Online vom 20. April 2010.</ref> (Zum Vergleich: Die Weißen stellen etwa 60 %<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> der Bevölkerung.) Sie sind zu etwa drei Viertel über 45 und zu 29 % über 64 Jahre alt.<ref>Ansgar Graw: Tea-Party-Bewegung kämpft gegen Obamas Reformen. In: Welt Online. 24. Juli 2010.</ref>
Finanzierung
Zu den Hauptfinanzierern der Tea-Party-Bewegung werden die beiden Milliardäre David H. Koch († 2019) und sein vier Jahre älterer Bruder Charles gerechnet.<ref>Libertäre als Tea-Party-Großsponsoren. In: TELEPOLIS. 1. September 2010.</ref><ref name="NewYorker">Jane Mayer: Covert Operations. In: The New Yorker. Online, 30. August 2010.</ref> Ihnen gehören 84 Prozent von Koch Industries, dem zweitgrößten Privatunternehmen der USA. Es betreibt Öl-Raffinerien, Kohleversorger, Chemieanlagen und Holzunternehmen, und hat im Jahr einen Umsatz von etwa 100 Milliarden Dollar. Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2010: „Die Kochs wollen den totalen Kapitalismus, und sie sind bereit zu kämpfen – gegen ein staatliches Gesundheitssystem, gegen den Klimaschutz und alles andere, das sie für Auswüchse des Sozialismus halten.“<ref name="kochs">Moritz Koch: Die großen Erbfälle: Geld – Macht – Hass. Zwei Brüder auf Kreuzzug. In: Süddeutsche Zeitung. 25. September 2010, abgerufen am 25. September 2010.</ref>
Positionen
Die Bewegung wird mit dem Einflussverlust der Neokonservativen und der religiösen Rechten in der Republikanischen Partei in Zusammenhang gebracht. Hierdurch würde die libertäre Richtung, für die etwa Ron Paul steht, wieder in den Vordergrund treten, nachdem seit Eisenhowers Präsidentschaft diese Richtung in den Hintergrund getreten war.<ref name="Amerikas Rechte gehts bis ans Limit">Martin Kilian: Amerikas Rechte geht bis ans Limit. In: Basler Zeitung Online. 15. April 2010.</ref> Die Bewegung rekrutiert sich neben Libertären auch aus dem Lager von Anhängern der Politik Ronald Reagans und der Tradition Barry Goldwaters.<ref name="Amerikas Rechte gehts bis ans Limit" /> Historisch sieht Walter Russell Mead die Wurzeln der aktuellen Tea-Party-Bewegung in der populistischen Anti-Establishment-Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts, deren Impuls Andrew Jackson für seine erfolgreichen Präsidentschaftswahlen 1828 und 1832 nutzte, weshalb auch von Jacksonianism gesprochen wird.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Abby Scher und Chip Berlet beschreiben die Tea-Party-Bewegung als „right-wing populism“ (Rechtspopulismus) in der Tradition des „producerism“, einer Ideologie, die eine sogenannte „produzierende Klasse“ gegenüber „unproduktiven“ Eliten und „faulen“ Unterschichten abgrenzt.<ref>Abby Scher u. Chip Berlet: The Tea Party Moment. In: Nella van Dyke, David S. Meyer (Hrsg.): Understanding the Tea Party Movement. Ashgate, Franham 2014, S. 115f.; Chip Berlet: Reframing Populist Resentments in the Tea Party Movement. In: Lawrence Rosenthal, Christine Trost (Hrsg.): Steep. The Precipitous Rise of the Tea Party. Univ. of California Press, Berkeley 2012, S. 47–66. Siehe zum Rechtspopulismus der Tea-Party-Bewegung auch Karin Priester: Rechter und linker Populismus. Annäherung an ein Chamäleon. Campus, Frankfurt/M. 2012, S. 189–206.</ref> Ein häufig anzutreffendes Ideologem der Tea-Party-Bewegung ist der Verdacht, die USA würden nicht von ihrer offiziellen Regierung, sondern von einer verborgenen Gruppe geheimer Machthaber kontrolliert, dem so genannten deep state.<ref>Eirikur Bergmann: Conspiracy & Populism. The Politics of Misinformation. Palgrave MacMillan, Basingstoke 2018, ISBN 978-3-319-90358-3, S. 34.</ref>
In der US-amerikanischen Öffentlichkeit dominieren die wirtschaftspolitischen Forderungen der Tea Party. Sie vertritt hier einen so genannten Limited-Government-Konservativismus.<ref>Bundeszentrale für politische Bildung: Zwischen Marktradikalität und sozialer Missgunst: Die Tea-Party und ihre Anhänger. S. 4.</ref> Die Bewegung setzt sich für Steuersenkungen und die Reduzierung des Staatsdefizits ein. Zusätzlich wurde ein zehn Punkte umfassender Katalog an politischen Positionen erarbeitet, von denen Politiker acht erfüllen sollen, um von der Bewegung unterstützt zu werden. Dieser Contract from America umfasst das Einstehen für die Prüfung der Verfassungsmäßigkeit eines jeden neuen Gesetzes, Steuersenkungen und Steuervereinfachungen, die Reduzierung des Defizites, die Aufhebung der Gesundheitsreform und eine Verringerung der Macht der Bundesregierung.<ref name="Contract"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20101118100330
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}} abgerufen am 19. November 2010.</ref>
Obwohl die Tea Party auch von Anhängern der religiösen Rechten und der Neokonservativen unterstützt wird, thematisiert sie gesellschaftspolitische Themen („social issues“) wie Abtreibung, Religion oder gleichgeschlechtliche Ehe in der Regel nicht, da über diese Themen unter ihren Anhängern keine Einigkeit besteht.<ref name="Politico">Tea Parties stir evangelicals’ fear. bei: Politico. Abgerufen am 19. November 2010.</ref> Dasselbe gilt für die Außenpolitik, da in der Tea Party sowohl isolationistische als auch neokonservative Strömungen vertreten sind.<ref>Michael Shear: Tea Party Foreign Policy a Bit Cloudy. In: New York Times Blog. Abgerufen am 29. April 2011.</ref> Einer Umfrage vom Oktober 2010 zufolge glauben 53 % der Tea-Party-Anhänger, dass der Klimawandel in der Zukunft keine ernsthaften Auswirkungen haben werde. In der Gesamtbevölkerung vertreten 22 % dieselbe Ansicht.<ref>New York Times/CBS Poll (PDF; 25 kB), abgerufen am 8. März 2011.</ref> Tea-Party-Aktivisten beteiligten sich an Aktionen, die sich gegen Klimaschutzgesetze richteten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20131012033743
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}} Auf: Consumerwatchdog.org, 4. Oktober 2010.</ref><ref>Climate Change Doubt Is Tea Party Article of Faith. In: The New York Times. 20. Oktober 2010.</ref>
Die Tea Party richtet sich zwar wesentlich gegen die demokratische Regierung unter Barack Obama, lehnt aber auch die Politik seines republikanischen Vorgängers George W. Bush ab.<ref name="Jungbrunnen für Konservative">Andreas Mink: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20100526194446
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}} In: Neue Zürcher Zeitung. Online, 19. April 2010.</ref> Die Bewegung wird nicht als Ausdruck der gesamten amerikanischen Gesellschaft, sondern vor allem als Ausdruck von Bewegungen innerhalb der Republikanischen Partei gesehen; hierbei wendet sich der konservativere Teil der Republikaner gegen gemäßigtere Vertreter des Establishments der Partei.<ref name="Der wahre Gegner der Tea Party">Shaun Halper: Der wahre Gegner der Tea Party. (aus dem Englischen übersetzt von Konstantin L. Kasakov) In: Die Zeit. Online, 24. September 2010.</ref>
Verbindungen zwischen der Tea Party und Vertretern der States Rights-Bewegung führen zu Vergleichen mit den Positionen der Konföderierten Staaten von Amerika während der Sezession in den 1860er Jahren.<ref>Erben des Amerikanischen Bürgerkriegs – Unter dem Kreuz des Südens. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. Oktober 2013.</ref> Direkte Zusammenhänge bestünden im vehementen Kampf gegen die Bundesregierung und in der Verteidigung realer oder vermeintlicher Rechte. Die Vertreter seien jedoch nicht auf die geografischen Südstaaten des Dixielands beschränkt.<ref>The rise of the New Confederacy. In: Washington Post. 11. Oktober 2013.</ref>
Repräsentanten der Bewegung weisen eine rassistische Positionierung zurück,<ref>Charles M. Blow: Trying to Outrun Race. In: The New York Times. 7. Mai 2010.</ref> dagegen kommt eine empirische Untersuchung zu dem Ergebnis, die Anhänger der Bewegung seien diesbezüglich keineswegs neutral.<ref>2010 Multi-state Survey on Race & Politics. University of Washington, Institute for the Study of Ethnicity, Race and Sexuality, abgelesen am 8. Mai 2010.</ref>
Als eine Symbolfigur der Bewegung wurde zeitweilig Sarah Palin angesehen.<ref name="Jungbrunnen für Konservative" /> Der für Fox News arbeitende Fernsehmoderator Glenn Beck galt als Gesicht und Stimme der Tea-Party-Bewegung.<ref>Sebastian Moll: Ein Hetz-Sender gegen Obama. In: Die Zeit.</ref><ref name="NPR">The New Republic: Value Voters And The Tea Party. bei: National Public Radio. Abgerufen am 19. November 2010.</ref>
Aus der Tea-Party-Bewegung und ihrer Anhängerschaft heraus wurde Obama häufig rassistisch konnotiert angegriffen. So wurde er auf einem Parteikonvent im März 2011 von der Radiomoderatorin und Aktivistin Laurie Roth als ein heimlicher Muslim und Kommunist bezeichnet, der sich nur als Amerikaner ausgebe. Die Verschwörungstheorie, Obama sei kein Natural born citizen, wurde auf diesem Parteitag ausführlich thematisiert und zu persönlichen Attacken auf den Präsidenten genutzt.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Eine Stichprobenuntersuchung von Christopher S. Parker und Matt A. Barreto unter Anhängern der Tea-Party-Bewegung ergab, dass viele von ihnen Obama für einen Sozialisten halten und über 90 % ihn negativ beurteilen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Wirkung
Als erster politischer Erfolg der Bewegung gilt die Wahl des Republikaners Scott Brown zum US-Senator als Nachfolger des verstorbenen Edward Kennedy im sonst eher liberalen Massachusetts am 19. Januar 2010.<ref name="Amüsiert und alarmiert" /><ref>Gregor Peter Schmitz: Tea-Party-Bewegung in den USA: Die Anti-Obama-Partei. In: Spiegel Online. 5. Februar 2010.</ref> Allerdings hat sich Brown nach seinem Amtsantritt als moderater und zur Zusammenarbeit mit den Demokraten bereiter Republikaner profiliert, weshalb die Tea-Party-Aktivisten erwogen hatten, im Vorfeld der Senatswahlen 2012 einen eigenen innerparteilichen Gegenkandidaten aufzustellen.<ref>Judson Phillips: Scott Brown Threw Tea Party ‘Under The Bus’. In: Huffington Post.</ref> Im Rahmen dieser Wahl wurde Brown zwar Kandidat seiner Partei, konnte sich jedoch nicht gegen die Demokratin Elizabeth Warren behaupten, die Brown Anfang 2013 ablöste.
Während der Gouverneurs- und Senatswahlen 2010 konnten Kandidaten, die von der Tea Party unterstützt wurden, sich in den Vorwahlen der Republikanischen Partei vielfach durchsetzen. Im Laufe des Wahlkampfes für den US-Senat 2010 trat der Gouverneur von Florida, Charlie Crist, aus der Republikanischen Partei aus, da Umfragen ergaben, dass er dem Kandidaten der Tea-Party-Bewegung, Marco Rubio, in den parteiinternen Vorwahlen unterlegen wäre. Er entschloss sich, als unabhängiger Kandidat anzutreten,<ref>R. Klüver: Bitterer Tee. In: Süddeutsche Zeitung Online. 30. April 2010.</ref> unterlag Rubio aber. In Kentucky setzte sich in den republikanischen Vorwahlen mit Rand Paul, dem Sohn Ron Pauls, ein Vertreter der Tea-Party-Bewegung deutlich durch.<ref>Gregor Peter Schmit: Parteirebellen räumen bei US-Vorwahlen ab. In: Spiegel Online. 19. Mai 2010.</ref> Sein Vorsprung gegen den von der Parteiführung bevorzugten Trey Grayson betrug 24 Prozentpunkte.<ref name="Tea Party gewinnt an Einfluss">Bernd Pickert: Die „Tea Party“ gewinnt an Einfluss. In: taz online. 19. Mai 2010.</ref> Danach konnte er auch die eigentliche Wahl gewinnen. In Utah unterlag der Vertreter des republikanischen Establishments, Senator Bob Bennett, in einer parteiinternen Abstimmung den Gegenkandidaten der Tea Party.<ref>Wählerwut auf die Etablierten. Auf: Stern.de 19. Mai 2010.</ref> Neuer Senator wurde Mike Lee.
Die Erfolge in den Vorwahlen werden als Zeichen gesehen, dass die Tea-Party-Bewegung entgegen der Annahmen von republikanischen Strategen nicht einfach als Wahlkampftruppe eingesetzt werden könne, sondern dass die Tea-Party erheblichen Einfluss auf die Personalentscheidungen der Republikaner nimmt.<ref name="Tea Party gewinnt an Einfluss" /> Im Bundesstaat Maine gelang es der Tea-Party-Bewegung, das Parteiprogramm der Republikaner zu ändern. Dieses sieht nun ein Bekenntnis zur vollkommen freien Marktwirtschaft vor, fordert die Abschaffung der amerikanischen Notenbank und des US-Bildungsministeriums und lehnt Auflagen bei Ölbohrungen, die Gesundheitsreformen von Präsident Obama und die UNO-Konvention über die Rechte von Kindern ab.<ref>Martin Killian: In den USA schlägt die Stunde der radikalen Aussenseiter. In: Basler Zeitung Online. 18. Mai 2010.</ref> Die Erfolge innerhalb der Republikanischen Partei werden zum Teil aber auch als Gefahr für die Partei gesehen, da radikalere Vertreter bei den Wahlen schließlich unterliegen könnten.<ref name="Der wahre Gegner der Tea Party" />
Die Wahlen des Jahres 2010 führten zu einem deutlichen Sieg der Republikaner. Insbesondere die Wahlen zum Repräsentantenhaus waren erfolgreich, so dass im Repräsentantenhaus des 112. Kongresses eine republikanische Mehrheit bestand, während im Senat die Demokraten eine knappe Mehrheit halten konnten.<ref name="Spon_MidtermElections">Marc Pitzke: Supermacht im Superstillstand auf: Spiegel Online. 3. November 2010.</ref>
Zwar wird der Erfolg der Republikaner auf die Mobilisierung durch die Tea Party zurückgeführt, zugleich aber auch das Verfehlen der Senatsmehrheit durch die Aufstellung extremer Kandidaten wie zum Beispiel Christine O’Donnell, Ken Buck oder Sharron Angle.<ref>The House/Senate split and the Tea Party paradox. In: Washington Post. 3. November 2010.</ref> Ron Paul schloss sich nach den Wahlen nicht der Tea-Party-Gruppe im Repräsentantenhaus an, da er der Ansicht ist, dass die Tea Party eine Graswurzelbewegung bleiben sollte und nicht als politische Partei betrachtet werden dürfe. Sein Sohn Rand beteiligte sich im Gegensatz zu seinem Vater an der Bildung eines Tea Party Caucus im Senat.<ref>Ron Paul will not join the Tea Party caucus. In: The_Daily_Caller. 16. November 2010.</ref>
Haushaltskrise in den Vereinigten Staaten 2011
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In der Haushaltskrise 2011 vertraten Repräsentanten der Tea Party die Position, dass das Problem des Haushaltsdefizits und der Staatsverschuldung nur durch Sparen gelöst werden könne. Steuererhöhungen und eine Erhöhung der Verschuldungsobergrenze wurden abgelehnt.<ref>Judson Phillips: Why the Tea Party is unyielding on the debt ceiling. In: Washington Post. 27. Juli 2011. (englisch)</ref> Die Vertreter der Tea Party opponierten dabei gegen die Kompromissvorschläge gemäßigterer Republikaner wie etwa John Boehner.<ref>Peter Gruber: US-Finanzkrise: Republikaner rebellieren gegen Republikaner In: Focus Online. 27. Juli 2011.</ref><ref>Time is Tickin’ Away … In: die tageszeitung. 29. Juli 2011.</ref><ref>Patrick Welter: Tea-Party-Republikaner – Die Gegner eines Schuldenkompromisses. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Juli 2011.</ref> Die Volksrepublik China als Hauptgläubiger warf den USA vor, sich von verantwortungslosen Politikern als Geisel nehmen zu lassen. Washington solle besser ein globales Verantwortungsbewusstsein zeigen.<ref>Haushaltskrise in den USA – Tea Party blockiert – Schuldenstreit spaltet Republikaner. auf: sueddeutsche.de, 29. Juli 2011.</ref> Viele Kommentatoren sind der Ansicht, dass die Ursache für das Verhalten der Mitglieder der Tea-Party-Opposition deren Angst vor dem Verlieren der nächsten Wahl gewesen sei. Sie befürchteten, im Falle einer Einigung auf einen Kompromiss als Umfaller zu gelten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20120212095036
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Überprüfung durch die IRS (2013)
Aufgrund der Citizens United v. Federal Election Commission Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten und anlässlich der im Jahr 2012 bevorstehenden US-Wahlen kam es zu einer Verdopplung der Anträge auf Steuerfreiheit gemäß Sektion 501(c)(4) des Internal Revenue Code. Demokraten im Repräsentantenhaus und Senat vermuteten Steuerumgehungen und forderten die IRS auf, im Rahmen ihrer Befugnisse möglichen Steuermissbrauch zu verhindern.<ref>washingtonpost.com</ref> Den diversen Organisationen der Tea-Party-Bewegung wurden im Ergebnis keine Steuervorteile aberkannt. Der Steuerfreiheitsantrag wurde in dem Zeitraum zwischen 2010 und 2012 aber nur vier Organisationen bewilligt, der Rest bekam keine Antwort und wurde hingehalten.<ref>Micah Cohen: I.R.S. Approved Dozens of Tea Party Groups Following Congressional Scrutiny. In: The New York Times Online. 16. Mai 2013.</ref> Nach Angaben der Associated Press und The New York Times im Mai 2013 wurden konservative Organisationen, darunter Tea-Party Organisationen, durch unzulässige allgemeine Auswahlkriterien zur Steuerprüfung diskriminiert und dadurch relativ häufiger geprüft als andere Organisationen die Steuerfreiheit gemäß Sektion 501(c)(4) des Internal Revenue Code beantragt hatten.<ref>Alex Altman: The Real IRS Scandal: Auditing so-called social-welfare groups isn’t a mistake. The problem was the IRS chose its targets poorly. In: Time Magazine Online. 16. Mai 2013.</ref> Die IRS entschuldigte sich daraufhin.<ref>Stephen Ohlemacher: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20130607181759
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}} In: Associated Press Online. 10. Mai 2013.</ref>
Einfluss auf den Haushaltsstreit 2013
Bei der Debatte um den Government Shutdown 2013 stellen die vierzig der Tea-Party zugerechneten Abgeordneten im Repräsentantenhaus nur einen Teil der in sich zerstrittenen Fraktion der Republikaner. Die Abgeordneten der Tea-Party stehen unter Druck, keinen Kompromissen zuzustimmen, da sie befürchten müssen, in ihren Wahlkreisen durch linientreuere Kandidaten abgelöst zu werden.<ref>Ansgar Graw: Streiten, bis der US-Dollar zu brennen beginnt. In: Die Welt Online. 10. Oktober 2013.</ref> Obwohl es sich nur um einen Teil der republikanischen Abgeordneten handelt, waren diese in der Lage, auf den Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus John Boehner erheblichen Druck auszuüben.<ref>Wie stark ist die Tea-Party-Bewegung in den USA? Auf: Deutsche Welle Online. 5. Oktober 2013.</ref><ref>Die Geisel der Tea Party. In: Handelsblatt. 30. September 2013.</ref>
Vorwahlkampf für die US-Präsidentschaftswahlen 2016
Im Verlauf für die US-Präsidentschaftswahlen 2016 führte die Tea Party Patriots Citizens Fund eine über drei Runden dauernde Befragung ihrer Aktivisten durch. Am 31. Januar 2016 verkündete die Sprecherin Jenny Beth Martin, dass ihre Organisation den texanischen Senator Ted Cruz als Präsidenten der USA empfiehlt (“We seek a candidate who shares our values: personal freedom, economic freedom, and a debt-free future. … On behalf of Tea Party Patriots Citizens Fund and our supporters, I am proud to announce our endorsement for President of the United States: Senator Ted Cruz!”)
Tea Party und MAGA
Während der Zeit, in der Donald Trump die republikanische Partei führte, wurde die Tea Party durch die MAGA-Bewegung ersetzt. Hierbei traten ehemalige Tea-Party-Republikaner wie Sean Duffy, Kristi Noem oder Marco Rubio in die Regierungen von Trump ein, wesentliche Grundsätze wurden aber aufgegeben- etwa Forderungen nach Haushaltsdisziplin, Rechtsstaatlichkeit oder Ablehnung eines Machtmissbrauchs durch den Präsidenten und Skepsis gegenüber weltweites Militärrngagement. Eine Bewegung um Verfassungsgrundsätze und Werte wurde durch eine Bewegung um die Person Trump ersetzt.<ref> Naftali Bendavid: In Trump’s GOP, the once-mighty tea party is hard to find, The Washington Post vom 31. Oktober 2025</ref>
Wissenschaftliche Einordnung
Thomas Greven<ref>www.jfki.fu-berlin.de</ref> schrieb 2011, die Tea-Party-Bewegung (TPB) sei eine „authentische“ Grassroots-Bewegung, die von Mobilisierungsversuchen konservativer Interessengruppen und Medien profitiere. Es gebe zwar keine konsistente Ideologie, aber ein starkes paranoides Element, etwa den Ruf „Wir wollen unser Land zurück“, der auf eine Unterscheidung zwischen „richtigen und falschen“ Amerikanern schließen lasse. Befeuert durch den demographischen Trend, dass die Weißen bald zu einer Minderheit werden, instrumentalisiere die TPB die „weiße Angst“. Die von der TPB unterstützte Republikanische Partei drohe dabei vollständig zu einer Partei der Weißen zu werden.<ref>Thomas Greven: Die Krise der amerikanischen Demokratie und die Tea-Party-Bewegung. Imprint: FES Washington, Oktober 2011.</ref>
Literatur
- {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}
- Shaun Halper: Der wahre Gegner der Tea Party. In: Die Zeit. 24. September 2010
- Arlie Russell Hochschild: Fremd in ihrem Land. Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten. Campus-Verlag, Frankfurt 2017, ISBN 978-3-593-50766-8.
- Torben Lütjen: Partei der Extreme: Die Republikaner. Über die Implosion des amerikanischen Konservativismus. transcript, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3609-3.
- Philipp Schläger: Amerikas Neue Rechte. Tea Party, Republikaner und die Politik der Angst. Rotbuch Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86789-149-3.
- Eva Schweitzer: Tea Party: Die weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht. dtv, München 2012, ISBN 978-3-423-24904-1.
- Theda Skocpol, Vanessa Williamson: The Tea Party and the Remaking of Republican Conservatism. Oxford University Press, 2016.
Weblinks
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| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}Vorlage:Wikidata-Registrierung
- Voices of the Tea Party. In: The New York Times. 14. April 2010.
- Ingar Solty: Die Tea-Party-Quittung: Das Scheitern des Obama-Projekts und die US-Zwischenwahlen 2010. In: Sozialismus, 37. Jg., H. 12 (Dezember 2010), S. 42–47.
- Ingar Solty: Jenseits von Verblendung und Verrat: Zu Thomas Franks Kritik des Tea-Party-Rechtspopulismus. In: Das Argument: Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften 300, 54. Jg., H. 6 (Dezember 2012), S. 883–896.
- Lennart Laberenz: Die Politik der Angst. In: WOZ-Die Wochenzeitung. 15. April 2010.
- Thomas Moser: Grasstopsters: Die Geldgeber im Hintergrund der Tea-Party. diagoge.com, vom 28. August 2010.
- Ian Buruma: Die große amerikanische Tea Party. Project Syndicate, 1. September 2010.
- FAZ.net vom 31. März 2017: Trump überwirft sich mit der Tea Party – und geht hohes Risiko ein
Einzelnachweise
<references responsive />
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- Organisation (Rechtspopulismus)
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