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Swetloje (Kaliningrad)

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Vorlage:Infobox Ort in Russland Swetloje (Vorlage:RuS, deutsch Kobbelbude, Vorlage:LtS) ist eine Ortschaft in der Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk im Rajon Gurjewsk.

Geographische Lage

Der Ort liegt im ehemaligen Ostpreußen, südsüdwestlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) etwa acht Kilometer vom Frischen Haff entfernt an der Mündung des Flüsschens Stradick (russisch: Kornewka) in den Frisching (Prochladnaja).<ref name="mgaz" />

Geschichte

Datei:Elbing-Königsberg1910.jpg
Kobbelbude, südsüdwestlich von Königsberg i. Pr. und nordwestlich von Kreuzburg, auf einer Landkarte von 1910

Der Ort wird erstmals 1326 als Kobulbude im Urkundenbuch des Bistums Ermland erwähnt: „curiam nostram equorum, que Kobulbude dicitur“. Die Staatsdomäne war 782 ha groß. Der deutsche Name<ref>Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Kobbelbude</ref> leitet sich ab von prußisch kobis, kobniks: Züchter, kobele: Stute.<ref>Max Toeppen: Ueber die Pferdezucht in Preussen zur Zeit des deutschen Ordens, nebst einigen Bemerkungen über die Sweiken. In: Antiquarische Aufsätze zur Geschichte Preußens (Separat-Abdrucke von Aufsätzen Toeppens aus der Altpreußischen Monatsschrift), bei Th. Bertling, Danzig 1868 (Google Books).</ref> Schon zur Zeit des Deutschen Ordens wurde hier Pferdezucht betrieben. In Kobbelbude hatte die Komturei Brandenburg eine Stuterei mit edlen Pferden, aus der wie aus den übrigen zu Balga, Bäslack, Georgenburg, Grünhof, Ragnit, Lochstädt, Insterburg, Tapiau usw. bestehenden Gestüten die Hochmeister schöne und edle Pferde verschenkten. Anfang des 18. Jahrhunderts befand sich zu Kobbelbude ein Staatsgestüt, das mit weiteren in der Provinz vorhandenen Staatsstutereien aufgehoben und im Jahr 1732 in das neu errichtete Stutamt Trakehnen überführt wurde. Seither wurde in Kobbelbude keine namhaftere Pferdezucht mehr betrieben.<ref>Alois Koch: Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht mit Inbegriff aller einschlägigen Disciplinen und der speciellen Etymologie, Band 5, bei Moritz Perles, Wien und Leipzig 1888, S. 457, linke Spalte (Google Books).</ref><ref>August Meitzen: Der Boden und die landwirthschaftlichen Verhältnisse des Peussischen Staates, Band 2, bei Paul Parey, Berlin 1869, S. 446 (Google Books).</ref>

Am 1. Juli 1885 wurde die Eisenbahnstrecke Kobbelbude – Wormditt, Teilstrecke der Allenstein-Kobbelbuder bzw. Braunsberger Eisenbahn, dem öffentlichen Verkehr übergeben.<ref>Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Königsberg, Stück 27, ausgegeben zu Königsberg in Pr., am 2. Juli 1885, S. 174, Bekanntmachung 471 (Google Books).</ref>

Oberamtmann Caspari begründete 1903 die Rinderzucht. Sein Sohn Gerhard Caspari machte sie mit 300 Hochleistungsmilchkühen über Ostpreußen hinaus bekannt.<ref>Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002. ISBN 3-88189-441-1</ref> Um 1910 gab es in Kobbelbude eine Bahnmeisterei und eine Schäferei.<ref name="mgaz" >Kobbelbude, Domäne, rechts des Frischings, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kobbelbude (meyersgaz.org).</ref>

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Kobbelbude ein wichtiger Abzweigbahnhof, an dem die Hauptbahnlinie nach Allenstein von der Preußischen Ostbahn abzweigte.

Zwischen 1874 und 1945 war der Gutsbezirk Kobbelbude in den Amtsbezirk Mahnsfeld<ref>Rolf Jehke, Amtsbezirk Mahnsfeld</ref> (heute russisch: Polewoje) eingegliedert und gehörte zum Landkreis Königsberg, ab 1939 Landkreis Samland, im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Kobbelbude mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahr 1947 erhielt der Ort die russische Bezeichnung Swetloje und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Zwetkowski selski Sowet im Rajon Kaliningrad zugeordnet.<ref>Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR „Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad“ vom 17. November 1947)</ref> Später gelangte der Ort in den Nowomoskowski selski Sowet im Rajon Gurjewsk. Von 2008 bis 2013 gehörte Swetloje zur Landgemeinde Nowomoskowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Gurjewsk.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 königliches Domänenamt, Vorwerk und Dorf, mit 13 Feuerstellen (Haushaltungen), eingepfarrt zu Mansfeld<ref>Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen – Erster Theil welcher die Topographie von Ost-Preussen enthält, Königsberg und Leipzig 1785; Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 82 (Google Books).</ref>
1818 203 königliches Dorf und Amtssitz, zum Kirchspiel Mahnsfeld gehörig<ref name="Krug1">Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 360, Ziffer 3226 (Google Books).</ref>
1831 262 Domäne und Sitz eines Domänenamts, mit dem verpachteten Domänenvorwerk Johannsberg<ref name="Krug2" >Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 74, Ziffer 1 (Google Books).</ref>
1852 339 Domäne<ref>Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 299 (Google Books).</ref>
1858 302 königliche Domäne, 14 Wohngebäude, Sitz der kgl. Polizei-Verwaltung, davon 298 Evangelische und vier Katholiken<ref name="AS1861">Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 133, Ziffer 184 (Google Books).</ref>
1864 290 am 3. Dezember, Gemeindebezirk (?), mit einem Gesamtflächeninhalt von 3061,54 Morgen<ref name="PrFinanz" > Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Königliche Staatsdruckerei, Berlin 1866, 11. Kreis Königsberg, S. 18–25, Ziffer 118 (Google Books).</ref>
1867 321 am 3. Dezember, Gutsbezirk<ref name="Gemeindelexikon1871" />
1871 284 am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 274 Evangelische und zehn Katholiken<ref name="Gemeindelexikon1871">Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 36–37, Ziffer 201 (Google Books).</ref>
1885 357 am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 338 Evangelische, elf Katholiken und acht sonstige Christen<ref name =GemLexP >Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 42–43, Ziffer 199 (Google Books).</ref>
1890 349 am 1. Dezember, Gutsbezirk<ref name="KsB1890" >Königliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat – I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1894, S. 16, Ziffer 187 (Google Books)</ref>
1895 277 am 2. Dezember, Gutsbezirk, davon 256 Evangelische und 21 Katholiken<ref name="KsB1895" >Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1898, S. 38–39, Ziffer 184 (Google Books).</ref>
1910 299 am 1. Dezember, Domäne<ref name="mgaz" >Kobbelbude, Domäne, rechts des Frischings, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kobbelbude (meyersgaz.org).</ref><ref name="Schubert">Vorlage:Internetquelle</ref>
1933 293 <ref name="Vwg" >Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1939 429 <ref name="Vwg" />
Bevölkerungsentwicklung seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2002 339 davon 179 in der Siedlung Bahnhof Swetloje
2010 298

Kirche

Die überwiegende Mehrheit der Einwohner Kobbelbudes waren vor 1945 evangelischer Konfession. Der Ort war in das Kirchspiel Mahnsfeld (heute russisch: Polewoje) eingepfarrt und gehörte zum Kirchenkreis Königsberg-Land I in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Swetloje im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelischen Gemeinde in Nowo-Moskowskoje (Poplitten). Sie ist Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Verkehr

Unweit der Ortschaft verläuft die ehemalige Reichsautobahn Berlin–Königsberg. Innerorts begegnen sich die Kommunalstraße 27K-176 von Uschakowo (Brandenburg (Frisches Haff)), die Kommunalstraße 27K-089 von Doroschnoje (Altenberg) und Polewoje (Mahnsfeld) (frühere deutsche Reichsstraße 126) sowie die Regionalstraße 27A-023 von der Berlinka zur Bahnstation Swetloje an der Bahnstrecke Kaliningrad–Mamonowo, einem Abschnitt der ehemaligen Preußischen Ostbahn. Swetloje ist Haltepunkt der mit Kaliningrad verbindenden Elektritschka.

Literatur

  • Kobbelbude, Domäne, rechts des Frischings, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kobbelbude (meyersgaz.org).
  • Grasilda Blažiene: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen. Wolfgang Schmid (Hrsg.), Steiner Verlag, Stuttgart 2000.
  • G. Gerullis: Die altpreußischen Ortsnamen. Berlin, Leipzig 1922.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Stadtkreis Gurjewsk