Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen
| Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (SRzG) | |
|---|---|
| Logo | |
| Rechtsform | Stiftung des bürgerlichen Rechts |
| Bestehen | seit 1997 |
| Stifter | Jörg Tremmel<ref>Michael Zils (Hrsg.): World Guide to Foundations. Volume I Europe (= Handbuch der Internationalen Dokumentation und Information. Band 19/I). K. G. Saur, Berlin, Boston 2001, Albania–Italy, S. 120, doi:10.1515/9783110966992-006.</ref> |
| Sitz | Mannspergerstr. 29 70619 Stuttgart |
| Zweck | 1. Durchführung von Forschungen zu den Themen Generationsgerechtigkeit und Nachhaltigkeit 2. Förderung der Erziehung und Volksbildung<ref name="HMDI">Hessisches Stiftungsverzeichnis: Informationen gemäß §17a Hessisches Stiftungsgesetz. Suche: „Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen“. In: Verwaltungsportal Hessen. Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref><ref>Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Bundesverband Deutscher Stiftungen, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref> |
| Vorsitz | Luise Roither<ref>Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Abgerufen am 19. Februar 2024.</ref> |
| Kuratorium | Rolf Kreibich, Ortwin Renn |
| Geschäftsführung | Jörg Tremmel |
| Website | generationengerechtigkeit.info |
Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (kurz SRzG, auch Stiftung Generationengerechtigkeit) ist eine Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart, die sich mit dem Thema Generationengerechtigkeit befasst.
Stiftungszweck
Die Stiftung setzt sich seit 1999 für die Verankerung der Generationengerechtigkeit im Grundgesetz ein.<ref>„Generationsgerechte Verfassung“ gefordert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. Mai 1999, Politik, S. 7.</ref>
So veröffentlichte sie beispielsweise 2003 das Handbuch Generationengerechtigkeit und initiierte anschließend ein von jungen Abgeordneten parteiübergreifend getragenes Projekt<ref>Wulf Schmiese: Kräftig Geld ausgeben auf fremde Rechnung. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 27. Juli 2003, S. 4.</ref> unter Federführung von Jens Spahn (CDU), Daniel Bahr (FDP), Sabine Bätzing (SPD) und Alexander Bonde (Bündnis 90/Die Grünen),<ref>Mehr Gerechtigkeit: Gruppe junger Bundestagsabgeordneter will die „Generationengerechtigkeit“ als Staatsziel festschreiben. In: Der Spiegel. Nr. 34, 2004, Panorama, S. 20.</ref> das 2006 in einem interfraktionellen Gesetzesentwurf resultierte.<ref>Jörg Tremmel: Generationen-Gerechtigkeit in der Verfassung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 16. Februar 2005 (bpb.de).</ref> Dieser sah unter anderem die Aufnahme eines Artikels 20b in das Grundgesetz vor: „Der Staat hat in seinem Handeln das Prinzip der Nachhaltigkeit zu beachten und die Interessen künftiger Generationen zu schützen.“<ref>Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes zur Verankerung der Generationengerechtigkeit. Siehe Katja Rath, Martin Benner: Ein Grundrecht auf Generationengerechtigkeit? In: Verfassungsblog. 7. Mai 2021, abgerufen am 28. Oktober 2023.</ref><ref>BT-Drs. 16/3399</ref> Der Gesetzesentwurf wurde dadurch, dass er vor Ablauf der 16. Legislaturperiode nicht verabschiedet wurde, hinfällig.<ref>Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes zur Verankerung der Generationengerechtigkeit (Generationengerechtigkeitsgesetz) (G-SIG: 16019347). Deutscher Bundestag, abgerufen am 28. Oktober 2023.</ref>
Die Stiftung befürwortet ein altersunabhängiges Wahlrecht: Jeder soll wählen dürfen, sobald er dies selbst möchte und dazu fähig ist.<ref>Thorsten Winkelmann, Julia Zimmermann: Mehr Demokratie wagen? Wählen mit 16 Jahren. In: GWP – Gesellschaft. Wirtschaft. Politik. Band 69, Nr. 4, 2020, S. 501–510.</ref>
Im Juni 2023 startete die Stiftung auf der Onlineplattform Change.org eine Petition zur Abschaffung der Abgeordnetenpension.<ref>Statt Rente: Abgeordnete gönnen sich eigene Altersversorgung. In: Focus Online. 4. Oktober 2023, abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref> Die Stiftung setzt sich für eine Reform der Rente nach Österreichischem Vorbild ein, nach dem alle – auch Beamte und Politiker – in ein System einzahlen.<ref>Die Rente ist nicht generationengerecht, nicht sozialgerecht und nicht transparent. In: Versicherungsbote.de. 13. April 2023, abgerufen am 19. Februar 2024.</ref> Erst wenn Regierende und Regierte in einem Boot säßen, würde eine Reform des Rentensystems angepackt.<ref>Statt Rente: Abgeordnete gönnen sich eigene Altersversorgung. In: focus.de. 4. Oktober 2023, abgerufen am 19. Februar 2024.</ref>
Die Stiftung spricht sich für den Erhalt der Schuldenbremse in Deutschland aus.<ref>Warum die Schuldenbremse bleiben muss. WDR, 6. Dezember 2023, abgerufen am 19. Februar 2024.</ref><ref>Zukunft auf Pump: Der Haushalt wird zur Generationenfrage. ARD, 23. Juni 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 20. Februar 2024.</ref><ref>Die Schuldenbremse muss bleiben! Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, 27. November 2023, abgerufen am 20. Februar 2024.</ref>
Organisation
Die Stiftung wurde 1997 gegründet.<ref>Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. In: Lobbypedia. Lobbycontrol, abgerufen am 11. Februar 2024.</ref>
Der Vorstand leitet die Stiftungsgeschäfte. Ihm gehören Luise Roither (Vorsitzende), Grace Clover, Christopher Isensee, und Jörg Tremmel an. Er wird von einem Kuratorium kontrolliert (Mitglieder: Ortwin Renn, Rolf Kreibich).<ref>Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen: Organisation und Personen. Abgerufen am 11. Februar 2024.</ref>
Ein Beirat berät die Stiftung. Mitglieder dieses Gremiums sind unter anderem Dieter Birnbacher, Jürgen Borchert, Claus Dierksmeier, Bernward Gesang, Edeltraud Günther, Uwe Jean Heuser, Vittorio Hösle, Klaus Hurrelmann, Rüdiger Maas, Gisela Meister-Scheufelen, Mihajlo D. Mesarovic, Julian Nida-Rümelin, Claus Offe, Franz Josef Radermacher, Bernd Raffelhüschen, Wolfgang Seiler (Klimaforscher), Hans Joachim Schellnhuber, Udo E. Simonis, Uwe Schneidewind, Werner Weidenfeld, Stephanie Weis-Gerhardt und Ernst Ulrich von Weizsäcker.<ref>Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen: Beirat. Abgerufen am 11. Februar 2024.</ref>
Die staatliche Stiftungsaufsicht liegt beim Regierungspräsidium Darmstadt.<ref>Informationen über die Stiftung im Stiftungsverzeichnis des Landes Hessen. Abgerufen am 20. Februar 2024.</ref>
Rezeption
Cornelia Schmergal bezeichnete die Stiftung 2012 für die Wirtschaftswoche als den „bekannteste[n] außerparlamentarischen Thinktank in Sachen Generationengerechtigkeit“; Livia Gerster urteilte 2014 im Tagesspiegel ähnlich und nannte sie den „wichtigsten außerparlamentarischen Think-Tank zu diesem Thema“.<ref>Cornelia Schmergal: Die Jungen halten still. In: wiwo.de. 2. November 2012, abgerufen am 19. Februar 2024.</ref><ref>Livia Gerster: Generationengerechtigkeit: Ein Preis für den Atomausstieg. In: tagesspiegel.de. 10. April 2014, abgerufen am 19. Februar 2024.</ref>
Lobbycontrol weist darauf hin, dass „[n]eben engagierten Umweltschützern und lobbyfernen Zukunftsforschern“ dem Beirat der Organisation auch Personen angehören, „die eng mit der Wirtschaft vernetzt sind bzw. waren“. Als Beispiele werden Meinhard Miegel und Bernd Raffelhüschen genannt.<ref>Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. In: Lobbycontrol. Abgerufen am 6. Dezember 2023.</ref> Der Volkswirt Heinz Rothgang vertritt die Auffassung, dass die Stiftung einem Narrativ anhänge, nach welchem die „Alten“ die „Jungen“ ausbeuten. Die Jungen dürften sich dies nicht gefallen lassen, ein neuer „Generationenvertrag“ müsse daher geschlossen werden. Diese Formulierungen seien jedoch euphemistisch und verschleierten im Kern die Forderung „nach einer Kürzung von Leistungen für Ältere (insbesondere bei der Rente) oder einer höheren Beteiligung der Älteren an der Finanzierung sozialstaatlicher Leistungen (Gesundheits- und Pflegeleistungen)“.<ref>Heinz Rothgang: Generationengerechte Finanzierung der GKV? (PDF) Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen, S. 5-6, abgerufen am 6. Dezember 2023.</ref>
Im Jahr 2023 forderte Jörg Tremmel, Vorstandssprecher der Stiftung, in einem Interview mit Focus Online Generationengerechtigkeit und sagte: „Die Jüngeren müssen etwas mehr zahlen, aber die Älteren müssen auch bereit sein, etwas weniger zu bekommen“. Der SPD-Politiker Lothar Binding sagte dazu, dass wir „kein Problem zwischen alt und jung, sondern ein Problem zwischen arm und reich“ haben. Von dieser Tatsache lenke die Namensgebung der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen ab. Sie definiere sich als „Lobby für junge Bürger und erzeugt einen Konflikt in der Altersversorgung, den es nicht gibt“. Binding begrüße hingegen zugleich „den Vorschlag von Herrn Tremmel, eine Erwerbstätigenversicherung einzuführen, in die ausnahmslos alle Erwerbstätigen einbezogen werden“.<ref>Jonas Forster: Rente: Im Alter auf Geld verzichten? Sozialverbände sind empört. In: DerWesten.de. 24. August 2023, abgerufen am 6. Dezember 2023.</ref>
Essay-Preis
Die Stiftung vergibt einen Preis für wissenschaftliche Essays, die sich mit ausgewählten Anliegen der Stiftung befassen. Das Preisgeld wurde von 15.000 DM (2001)<ref>Tipps und Termine. In: Die Zeit, Nr. 44-2001, 25. Oktober 2001.</ref> auf mittlerweile insgesamt 10.000 Euro erhöht. Es kommt nicht von der Stiftung selbst, sondern von der Stiftung Apfelbaum.<ref>Demographie-Preis vergeben. In: Behörden Spiegel, Heft 02/2012.</ref>
Auszeichnungen
2000 erhielt die Stiftung die Theodor-Heuss-Medaille,<ref>Theodor-Heuss-Preis 2020</ref><ref>Ringe unter den Augen. Ein leicht melancholischer Dank für den Theodor-Heuss-Preis. In: Süddeutsche Zeitung. 8. Mai 2000, Feuilleton, S. 16.</ref> später die Bürgermedaille der Stadt Oberursel (2001),<ref>Stadt würdigt Engagement für Europa. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. November 2001, Rhein-Main-Zeitung/Hochtaunus – Main-Taunus, S. 84.</ref> den Integrationspreis der Stiftung Apfelbaum (2008),<ref>Integrationspreis. Stiftung Apfelbaum, abgerufen am 28. Oktober 2023.</ref> sowie den „Energy Globe Award“ (2018).<ref>Energy Globe Awards national. Abgerufen am 22. September 2023.</ref>
Veröffentlichungen (Auswahl)
Die Stiftung Generationengerechtigkeit gibt seit 2002 die unter igjr.org verfügbare englischsprachige elektronische Fachzeitschrift Intergenerational justice review (ISSN 2510-8824) heraus, die von 2009 bis 2016 auch unter dem Namen Intergenerational justice review: IGJR (ISSN 2190-6335) in Druckform sowie bis 2015 als Journal für Generationengerechtigkeit (ISSN 1617-1799) in deutscher Sprache erschien. Zudem veröffentlicht die Stiftung seit 2006 die unregelmäßig erscheinende Schriftenreihe SRzG-Studie(n) (ZDB-ID 2502672-0).
Weitere Herausgeberschaften:
- Die 68er – warum wir Jungen sie nicht mehr brauchen. Kore, Freiburg i. Br. 1998, ISBN 978-3-933056-65-8.
- Was bleibt von der Vergangenheit? Die junge Generation im Dialog über den Holocaust. Ch. Links, Berlin 2001, ISBN 978-3-86153-192-0 (Mit einem Beitrag von Roman Herzog).
- Handbuch Generationengerechtigkeit. Oekom, München 2003, ISBN 978-3-936581-09-6.
- Wahlrecht ohne Altersgrenze? Verfassungsrechtliche, demokratietheoretische und entwicklungspsychologische Aspekte. Oekom, München 2008, ISBN 978-3-86581-098-4.
Weblinks
Einzelnachweise
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