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Skwierzyna

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Vorlage:Infobox Ort in Polen

Skwierzyna [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Schwerin an der Warthe) ist eine Stadt im Powiat Międzyrzecki der Woiwodschaft Lebus in Polen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit Vorlage:FormatZahl Einwohnern (Stand Vorlage:EWD).

Vorlage:Panorama

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Rathaus, erbaut 1841 (2001)

Geographische Lage

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Karte Schwerins um 1780

Die Stadt liegt in der historischen Region Großpolen, an der Mündung der Obra in die Warthe, etwa 57 Kilometer östlich von Küstrin und 23 Kilometer südöstlich der Stadt Landsberg an der Warthe.

Westlich von der Stadt erhebt sich der 107 m hohe Galgenberg.

Datei:Schwerinwarthe.jpg
Rathausplatz um 1900

Geschichte

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Schwerin an der Warthe, westnordwestlich der Stadt Posen und nördlich der Stadt Meseritz, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Überlieferte Ortbezeichnungen sind: Squeryn, Skwerin, Skwierzim, Zwerin (1312), Nowa Squerin (1313), Zweryn (1315), Swyryn (1390), Skwirzyna (1458), Skwyrzyna (1493)<ref name="dir.icm.edu.pl">Filip Sulimierski, Władysław Walewski (Hrsg.): Słownik geograficzny Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich. T. 10, S. 748 ff., Warschau 1889. dir.icm.edu.pl </ref> und Schweren (1645)<ref>Blaeu’s Atlas, Germania, östl. v. Frankfurt/Oder Landsperg, Schweren, Crossen, Schwibußen, Grünberg</ref> sowie Skwirzyna, Skwierzyna und Skwierzna (1889).<ref name="dir.icm.edu.pl" />

Die Stadt wurde 1295 gegründet. Obwohl Schwerin a. d. Warthe über fünf Jahrhunderte zum Königreich Polen gehörte, war die Bevölkerung mehrheitlich stets deutschsprachig, insbesondere wenn man die zahlreich im Ort vertretenen Juden mitrechnet. Die Besiedlung des Ortes an der Obramündung wurde von den Zisterziensermönchen des Klosters Paradies, 30 Kilometer südlich gelegen, betrieben. Der polnische König Przemysław II. verlieh ihm im Jahre 1306 deutsches Stadtrecht, das 1406 von König Władysław II. Jagiełło mit dem Magdeburger Stadtrecht präzisiert wurde. Ihren wirtschaftlichen Aufstieg verdankt die Stadt ebenfalls Jagiełło, der 1390 die Handelsstraße von Krakau nach Stettin errichten ließ. Da die Straße durch Schwerin führte, das unmittelbar an der Grenze zu Brandenburg lag, entstand hier eine Zollstation, die der Stadt eine rege Handelstätigkeit einbrachte. Nach der Zweiten Teilung Polens von 1793 kam Schwerin unter preußische Herrschaft und lag nun in der neuen Verwaltungseinheit Südpreußen. Als Napoleon zum Beginn des 19. Jahrhunderts Europa eroberte, schuf er 1807 das Herzogtum Warschau, wodurch Schwerin wieder in einem polnischen Staatsgebiet lag. Dieser Zustand dauerte jedoch nur bis zum Jahre 1815. Durch den Wiener Kongress erhielt Preußen unter anderem die Provinz Posen zugesprochen, dazu gehörte auch Schwerin. Es wurde mit der preußischen Verwaltungsreform von 1818 in den Kreis Birnbaum eingegliedert. 1887 wurde der Westteil des Kreises Birnbaum abgetrennt und zu einem eigenen neuen nach der Stadt benannten Landkreis Schwerin (Warthe) in der Provinz Posen umgewandelt. 1879 wurde das Amtsgericht Schwerin an der Warthe gebildet.

Im Jahr 1910 wurde Schwerin an die Bahnlinie Landsberg–Birnbaum angeschlossen, und damit wurde die Voraussetzung geschaffen, dass sich Industrie entwickeln konnte. So wurde die Stadt zu einem regionalen Zentrum für Holzverarbeitung und Textilherstellung. Um 1910 hatte Schwerin unter anderem einen Umschlaghafen, zwei Bahnmeistereien, eine Oberförsterei, eine evangelische Pfarrkirche, eine katholische Pfarrkirche, eine Synagoge, ein Lehrerseminar, eine Präparandenanstalt, eine Realschule, eine Höhere Mädchenschaule sowie eine gewerbliche und kaufmännische Fortbildungsschule.<ref name="mgaz" />

Als mit dem Versailler Vertrag von 1919 weite Teile der Provinz Posen wieder zu Polen kamen, wurde Schwerin der neu gebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen zugeschlagen und wurde Kreisstadt des Landkreises Schwerin (Warthe).

1935 gab es in Schwerin unter anderem zwei Hotels, acht Gasthöfe, drei Cafes, vier Bankhäuser und Sparkassen, zwei Buchdruckerein, drei Destillationen und Likörfabriken, vier Fischhhandlungen, vier Getreidegroßhandlungen, drei Holzsägewerke, eine Kartoffelgroßhandlung, sechs Maschinenfabriken, eine Metallgießerei, zwei Mineralwasserfabriken, eine Möbelfabrik, zwei Molkereien, zwei Mühlen, eine Stärke- und Kartoffelmehlfabrik, fünf Viehhandlungen, zwei Weinhandlungen, zwei Zeitungsverlage, eine Ziegelei und zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.<ref>Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, Abschnitt Provinz Grenzmark, S. 953–954 (Google Books).</ref> Als 1939 die letzte Volkszählung im Dritten Reich durchgeführt wurde, hatte der Ort 7072 Einwohner.

Seit 1937 war Schwerin Garnisonsstadt. Nach der Auflösung der Grenzmark 1938 ging der Kreis in die Provinz Brandenburg über.

Im Jahr 1945 war Schwerin Keisstadt des Kreises Schwerin (Warthe) im Regierungsbezirk Frankfurt der preußischen Provinz Brandenburg des Deutschen Reichs.

Vom Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt zunächst weitgehend verschont. Allerdings richtete die Nazidiktatur im Oktober 1939 hier das Einsatzgruppen-Straflager Schwerin an der Warthe ein, das u. a. als Haftort für Zwangsarbeiter diente.<ref>Einsatzgruppen-Straflager Schwerin an der Warthe. Bundesarchiv, Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, Haftstätten im NS-Staat; abgerufen am 17. Januar 2020.</ref> Erst beim Einmarsch der Roten Armee wurde die Stadt im Januar 1945 zu mehr als 60 % zerstört. Nach dem Kriegsende wurde Schwerin unter polnische Verwaltung gestellt und in Skwierzyna rückbenannt, wie er auch im 15. und 16. Jahrhundert mehrmals phonetisch urkundlich genannt wurde. Es wurden Polen angesiedelt. Soweit die deutsche Bevölkerung nicht geflohen war, wurde sie in der Folgezeit vertrieben.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1800 2658 darunter 738 Juden, der Rest vorwiegend Evangelische<ref name="HW">Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 449–451.</ref>
1816 5429 Stadt (Skwierzyna), davon drei in der 1. Stadtförsterei, vier in der 2. Stadtförsterei und fünf bei der Stadtziegelei<ref name="Krug" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 294, Ziffer 3643–3646 (Google Books).</ref>
1827 5123 darunter 1543 Juden<ref name="HW" />
1861 6265 <ref name="HW" />
1867 6567 am 3. Dezember<ref name="StatBüro" />
1871 6368 deutsche Einwohner, darunter 3850 Evangelische, 1800 Katholiken, 700 Juden;<ref name="Neumann">Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 143, Ziffer 1.</ref> nach anderen Angaben 6368 Einwohner (am 1. Dezember), davon 3903 Evangelische, 1824 Katholiken, ein sonstiger Christ, 640 Juden<ref name="StatBüro">Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen. Königliches Statistisches Büro, Berlin 1874, S. 84–85, Ziffer 4 (Digitalisat, S. 91–92).</ref>
1875 6580 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 6838 <ref name="MR" />
1885 6814 am 1. Dezember, davon 4139 Evangelische, 2332 Katholiken und 343 Juden<ref>Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band V: Provinz Posen, Berlin 1888, S. 76–77, Ziffer 2 (Google Books).</ref>
1890 6560 am 1. Dezember<ref>Königliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat – III. Stadtkreis Berlin und Provinz Brandenburg – Auf Grund der Materialien der Viehzählung vom 1. Dezember 1892 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1894, S. 30, Ziffer 2 (Google Books).</ref>
1905 6768 am 1. Dezember, davon 3790 Evangelische (darunter 3783 mit deutscher Muttersprache, zwei mit polnischer Muttersprache), 2817 Katholiken (darunter 2660 mit deutscher, 136 mit polnischer Muttersprache) und 161 Juden;<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Band V: Provinz Posen, Berlin 1908, S. 178–179, Ziffrer 2 (Google Books).</ref> Stadt mit einer evangelischen Kirche, einer katholischen Kirche, einer Synagoge, einer Realschule, einem Schullehrerseminar, einer Präparandenanstalt, einem Amtsgericht und einer Oberförsterei;<ref name="Meyers">Vorlage:Meyers-1905</ref> nach anderen Angaben 7265 Einwohner<ref>Vorlage:Brockhaus-1911</ref>
1910 6713 am 1. Dezember, davon 6611 mit deutscher Muttersprache (3760 Evangelische, 2736 Katholiken und 115 Juden), 98 mit polnischer Muttersprache (sämtlich Katholiken) und vier mit einer anderen Sprache<ref> Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft IV: Regierungsbezirk Posen, 27. Kreis Schwerin a./Warthe, S. 118–119 (Google Books)</ref><ref name="mgaz" >Schwerin, Kreisstadt, an der Mündung der Obra in die Warthe, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schwerin (meyersgaz.org).</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
1933 7075 <ref name="MR" />
1939 8943 <ref name="MR" />

Sehenswürdigkeiten

  • Die St.-Nikolai-Kirche aus dem 15. Jahrhundert ist ein spätgotischer Backsteinbau in Gestalt einer dreischiffige Hallenkirche.
  • Erlöserkirche, errichtet von 1847 bis 1854 als evangelische Kirche im neuromanischen Stil. Der schlanke achteckigen Glockenturm ist mit dem rechteckigen Kirchenbau durch eine offene Vorhalle verbunden. Seit 1948 katholisch.
  • Rathaus von 1841 mit neogotischen und klassizistischen Elementen
  • Kornspeicher vom Anfang des 19. Jahrhunderts
  • Statue von König Jagiełło

Verkehr

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Bahnhof

Über die Nord-Süd-Magistrale, die Fernverkehrsstraße 3, ist die Stadt unmittelbar mit Stettin und dem schlesischen Industriegebiet verbunden.

Zu den beiden großen Nachbarstädte Landsberg und Grünberg besteht eine Eisenbahnverbindung. Der nächste Grenzübergang nach Deutschland bei Küstrin ist 63 Kilometer entfernt.

Persönlichkeiten

Bürgermeister der Stadt

  • 1814–1835, Jan Chrzanowski
  • 1835–1844, Brase
  • 1844–1855, Clausius
  • 1855–1867, Waetzmann
  • 1868–1898, Hugo Müller<ref>Angehöriger des Corps Marchia Breslau. Kösener Korpslisten 1910, 31/86</ref>
  • 1899–1911, Hugo Scholz
  • 1911–1922, Erich Rogge
  • 1923–1931, Ernat Wolff
  • 1931–1932, Julius Malig
  • 1932–1935, Arnold Reinsberg
  • 1935–1945, Heinrich Bornmann
  • Februar – Mai 1945, Stanisław Runge
  • Mai – September 1945, Józef Skrzypczak
  • September – November 1945, Władysław Śliwa
  • Dezember 1945 – November 1946, Michał Kulpa
  • Februar – Juni 1947, Henryk Fujdak
  • September 1947 – Februar 1951, Wincenty Okupny
  • Juni 1990 – Juni 1994, Ryszard Szczepaniak
  • seit Juni 1994, Arkadiusz Piotrowski

Geboren in Schwerin an der Warthe

Geboren in Skwierzyna

Nach Geburtsjahr geordnet

Gemeinde

Vorlage:Hauptartikel Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Skwierzyna gehören die Stadt selbst und sieben Dörfer mit Schulzenämtern.

Partnerstädte

Seit 1985 ist der Kreis Paderborn Patenkreis von Skwierzyna.

Siehe auch

Literatur

  • Schwerin, Kreisstadt, an der Mündung der Obra in die Warthe, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schwerin (meyersgaz.org).
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 449–451 (Google Books).

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Normdaten