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Sewerodwinsk

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Vorlage:Hinweisbaustein Vorlage:Infobox Ort in Russland

Datei:Severodvinsk 39.85180E 64.57654N.jpg
Satellitenbild von Sewerodwinsk
Datei:Korelski.jpg
Das Korelski-Kloster Anfang des 20. Jahrhunderts
Datei:Kud-14.JPG
Kudemskaja-Schmalspurbahn
Datei:Sevmash 2007.JPG
Sewmasch-Werft
Datei:Lomonosova st..jpg
Lomonossow-Straße
Datei:Ship building place.jpg
Korabelow-Platz

Sewerodwinsk (Vorlage:RuS; bis 1938 Sudostroi / Vorlage:Lang; 1938–1957 Molotowsk / Vorlage:Lang) ist eine russische Stadt mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD)<ref name="einwohner_aktuell" /> am Weißen Meer. Sie ist vor allem für ihre Schiffswerften bekannt.

Geografie

Geografische Lage

Sewerodwinsk ist die zweitgrößte Stadt in der Oblast Archangelsk. Sie liegt am Mündungsdelta der Nördlichen Dwina am Weißen Meer, etwa 35 km westlich von Archangelsk und 1000 km nördlich von Moskau.

Klima

Sewerodwinsk besitzt ein subarktisches maritimes Klima. Dieses ist durch lange kalte Winter und kurze kühle Sommer charakterisiert. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 1 °C. Im Winter betragen die Temperaturen meist zwischen −18 und +1 °C, können aber auch bis auf −40 °C fallen. Im Sommer liegen die Temperaturen meist zwischen 8 und 21 °C. Durchschnittlich fallen im Jahr etwa 580 mm Niederschlag. Der meiste Niederschlag fällt im August (68 mm), der wenigste Niederschlag im Februar und März (28 mm).<ref>http://pogoda.ru.net/climate/22550.htm Klimadiagramm des nahegelegenen Archangelsk</ref>

Bevölkerungsentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen von Sewerodwinsk.

Jahr Einwohner
1939 * 21.304
1959 * 78.657
1962 97.000
1967 121.000
1970 * 144.672
1973 160.000
1976 177.000
1979 * 197.232
Jahr Einwohner
1982 161.000
1986 234.000
1989 * 248.670
1992 249.800
1996 238.700
1998 233.800
2002 * 201.551
2010 * 192.353
2024 155 647

(* = Volkszählungsdaten)

Geschichte

Ursprünge

Die erste Erwähnung einer Siedlung im Gebiet des heutigen Sewerodwinsk geht auf das Jahr 1419 zurück. In diesem Jahr wurde das dortige Nikolo-Korelski-Kloster (Vorlage:Lang) von norwegischen Seefahrern niedergebrannt.<ref name="Kloster">Russische Website über das Kloster</ref>

Im Mai 1553 entsandte die englische Company of Merchant Adventurers drei Schiffe unter der Leitung von Admiral Sir Hugh Willoughby und seinem Navigator Richard Chancellor, um eine Nordostpassage durch das Nordpolarmeer zu finden. Auf diese Weise sollte eine neue Handelsroute nach China erschlossen werden. Durch einen Sturm wurden die Schiffe getrennt und Chancellor ging mit seinem Schiff am 24. August 1553 in der Nikolski-Mündung der Nördlichen Dwina unweit des Klosters vor Anker. Chancellor wurde von Iwan dem Schrecklichen empfangen. In der Folge wurden Handelsbeziehungen zwischen England und Russland geknüpft.

Von 1553 bis 1584 entstand in dem Gebiet mit dem Sankt-Nikolas-Hafen der erste russische Handelshafen. Dieser war lange Zeit einer der wichtigsten Handelspunkte Russlands, verlor aber mit dem Ausbau des Archangelsker Hafens später an Bedeutung.<ref name="Kloster" /><ref>Geschichte der Stadt (englisch).</ref>

Heutige Stadt

Der Bau der heutigen Stadt begann im Jahr 1936 auf ein Dekret von Josef Stalin hin. Dessen Ziel war die Errichtung einer Schiffswerft für die Nordflotte der Sowjetischen Marine, die diese unabhängig von den Werften der baltischen Flotte machen sollte. Im Juni 1936 erreichte das Schiff Iwan Kaljajew mit den ersten Bauleuten das Gebiet nahe dem Nikolo-Korelski-Kloster, welches den Namen Sudostroi erhielt. Nach Fertigstellung der Eisenbahnlinie im November 1936 begann der Bau der Schiffswerft.

Wie in vielen anderen Regionen Nordrusslands und Sibiriens wurde auch hier der Bau vorwiegend mit Hilfe Tausender Häftlinge des Gulags bewerkstelligt. Für den Bau der Stadt und der Schiffswerft wurden vor allem die etwa 30.000 Insassen des nahegelegenen Zwangsarbeitslagers Jagrinski-ITL herangezogen.<ref>Vorlage:Memorial</ref> Es wird angenommen, dass beim Bau der Stadt zwischen 1936 und 1953 etwa 25.000 Häftlinge starben.

Am 11. August 1938 wurde Sudostroi zu Ehren eines der engsten Vertrauten Stalins, Wjatscheslaw Molotow, in Molotowsk umbenannt und bekam den Stadtstatus. Am 21. Dezember 1939 wurde die Schiffswerft № 402 (heutige Sewmasch-Werft) in Betrieb genommen.<ref>http://www.sevmash.ru/?id=2435&lg=ru (russisch)</ref>

Während des Zweiten Weltkrieges war Molotowsk Nachschubhafen für die alliierten Flotten, welche gemäß Leih- und Pachtgesetz auf diesem Wege die Rote Armee versorgten. Ein Großteil der Transporte, deren Ziel eigentlich der Hafen von Archangelsk war, wurde in Wirklichkeit in Molotowsk entladen. Auf diesem Wege gelangten mehr als die Hälfte der Güter, die für die Archangelsker Region bestimmt waren, über Molotowsk in die Sowjetunion.<ref>http://www.globalsecurity.org/military/world/russia/severodvinsk.htm</ref>

Am 12. September 1957 erfolgte die Umbenennung der Stadt in Sewerodwinsk. Der Name leitet sich von der Lage der Stadt an der Nördlichen Dwina ab.<ref>http://www.severodvinsk.info/ Offizielle Seite der Stadt</ref><ref>http://www.mojgorod.ru/arhangel_obl/severdvinsk/index.html</ref>

Von 1954 bis 1957 wurde in der Sewmasch-Werft das erste sowjetische Atom-U-Boot, die Leninski Komsomol (К-3), gebaut. Es war das erste U-Boot des Projekt 627. In den darauf folgenden Jahren wurden hier viele weitere U-Boot-Typen bis hin zum Projekt 941 gebaut, unter anderem auch die später gesunkene K-219. Bis heute ist Sewerodwinsk mit 128 fertiggestellten Atom-U-Booten Zentrum des russischen Atom-U-Boot-Baus.

Im Jahr 2007 begann in Sewerodwinsk der Bau des weltweit ersten schwimmenden Kernkraftwerkes, des Kernkraftwerks Akademik Lomonossow. Ursprünglich sollte die Fertigstellung durch die Werft Sewmasch im Jahr 2010 erfolgen. Im Jahr 2008 wurde allerdings entschieden, dass der Bau des Kernkraftwerkes durch die Werft Baltiski sawod in Sankt Petersburg fortgesetzt wird.<ref>Vorlage:Toter Link (englisch)</ref>

Auf einem Gelände 40 Kilometer westlich der Stadt, in der Nähe des Dorfes Njonoksa, auf dem Raketen für Atom-U-Boote getestet werden, kam es am 8. August 2019 zu einer Explosion (siehe Nuklearunfall von Njonoksa). Bei dem Unfall wurden mehrere Personen getötet beziehungsweise schwer verletzt. Die Stadtverwaltung von Sewerodwinsk stellte nach dem Unfall kurzzeitig eine erhöhte Dosisleistung fest.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Am 6. Juni 2020 wurde die Stadt aufgrund der COVID-19-Pandemie vollständig abgeriegelt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Wirtschaft

Die Wirtschaft stützt sich vor allem auf die Schiffbauindustrie. Die Sewmasch (Vorlage:Lang) ist mit rund 25.000 Beschäftigten Hauptarbeitgeber und die größte russische Werft. Sie dient dem Bau und der Instandhaltung von Schiffen, U-Booten und Atom-U-Booten, sowie dem Bau von Meeresbohrplattformen.<ref>http://www.sevmash.ru/</ref>

Daneben gibt es noch eine zweite Werft, die Swjosdotschka (Vorlage:Lang, zu deutsch „Sternchen“). In dieser werden neben dem Schiffbau auch ausgediente Atom-U-Boote verwertet.

Weitere wichtige Industriezweige sind der Maschinenbau (z. B. Sewdormasch bis 2009), die Metallverarbeitung, die Holzverarbeitung sowie die Nahrungsmittelindustrie.

Verkehr

Die Kudemskaja-Schmalspurbahn südlich von Sewerodwinsk ist eine Waldbahn, auf der der Holztransport vollständig eingestellt wurde, sie dient heute nur noch dem Personenverkehr.

Sewerodwinsk ist mit der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße M8 Cholmogory verbunden.

Städtepartnerschaften

Sewerodwinsk listet folgende 18 Partnerstädte auf:<ref name="Twins">Vorlage:Internetquelle</ref>

Stadt Land seit
Brjansk Datei:Coat of arms of Bryansk (Bryansk Oblast).svg Vorlage:RUS 2003
Feodossija Datei:Feodosia city COA2016.gif Vorlage:UKR 2008
Jaroslawl Datei:Wappen Jaroslawl.svg Vorlage:RUS 2002
Kaliningrad Datei:Coat of arms of Kaliningrad.svg Vorlage:RUS 2010
Kotlas Datei:Coat of Arms of Kotlas (Arkhangelsk oblast) 2007.png Vorlage:RUS 2001
Kursk Datei:Coat of Arms of Kursk.png Vorlage:RUS 2001
Masyr Datei:Coat of Arms of Mazyr, Belarus.svg Vorlage:BLR
Mirny Datei:Coat of Arms of Mirny (Arkhangelsk oblast).png Vorlage:RUS 2010
Neustadt Datei:DEU Neustadt in Holstein COA.svg Vorlage:DEU 2008
Njandoma Datei:Coat of Arms of Nyandoma city (Arkhangelsk oblast).png Vorlage:RUS 2001
Partyzanski Rajon, Minsk Vorlage:BLR 2004
Portsmouth Vorlage:USA 1995
Pskow Datei:Pskovgfull.svg Vorlage:RUS 2014
Selenodolsk Datei:Coat of Arms of Zelenodolsk (Tatarstan).png Vorlage:RUS 2011
Sewastopol Datei:COA of Sevastopol.svg Vorlage:UKR 2015
Sumy Datei:Sumy Koehne.gif Vorlage:UKR 2001
Tiraspol Datei:Coat of arms of Tiraspol 1847.svg Vorlage:MLD 2003
Wladikawkas Datei:Coat of arms of Vladikavkaz.png Vorlage:RUS 2009
Wologda Datei:Coat of Arms of Vologda (Vologda oblast) (1780).png Vorlage:RUS 2008

Die Partnerschaft mit Sumy wurde von ukrainischer Seite 2016 abgebrochen.<ref name=krimresult>Vorlage:Cite web</ref>

Söhne und Töchter der Stadt

Sonstiges

Das U-Boot K560 der Klasse Projekt 885 sowie alternativ auch die gesamte Klasse wurde nach der Stadt Sewerodwinsk benannt.

Quellen

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Vorlage:NaviBlock

Vorlage:Normdaten