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Kava

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Kava
Datei:Starr 070515-7054 Piper methysticum.jpg

Kava (Piper methysticum)

Systematik
Magnoliiden
Ordnung: Pfefferartige (Piperales)
Familie: Pfeffergewächse (Piperaceae)
Unterfamilie: Piperoideae
Gattung: Pfeffer (Piper)
Art: Kava
Wissenschaftlicher Name
Piper methysticum
G.Forst.
Datei:Starr 021122-0035 Piper methysticum.jpg
Kava (Piper methysticum) mit Blütenstand
Datei:Youngkava.jpg
Junge Kavapflanze (Piper methysticum)

Kava (Piper methysticum), auch Kava-Kava (Kawa-Kawa) oder Rauschpfeffer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Pfeffer in der Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae). Aus Pflanzenbestandteilen (meist getrocknet und pulverisiert) wird ein traditionelles Getränk des westpazifischen Raumes hergestellt, das vor allem als Zeremonialgetränk bei religiösen und kulturellen Anlässen konsumiert wird.

Pflanzenbeschreibung

Die Kava ist mit dem Schwarzen Pfeffer verwandt und ähnelt diesem sowohl im Habitus als auch im pfefferartigen Geschmack.

Die Kava erreicht als immergrüner Strauch Wuchshöhen von etwa zwei bis vier Metern. Sie bildet Rhizome. Die Pflanze ist zweihäusig diözisch.

Kava hat wechselständige, herzförmige, bis 20–30 Zentimeter große, ganzrandige und gestielte, spitze Laubblätter. Die Blätter sind kahl bis leicht behaart. Die Nervatur ist handförmig mit bis zu 13 Hauptadern. Es sind Nebenblätter vorhanden.

Es werden kurze, achsel- oder blattgegenständige und vielblütige, dichte, ährige Blütenstände gebildet. Die sehr kleinen, eingeschlechtlichen und grünlich-weißen bis gelblichen Blüten sind ohne Blütenhülle. Die männlichen Blüten besitzen zwei Staubblätter, die weiblichen einen einkammerigen, oberständigen Fruchtknoten mit sitzenden Narben. Die Pflanze bildet nur selten weibliche Blüten; diese bleiben auch bei Handbestäubung durch den Menschen steril. Die Pflanze wird ungeschlechtlich vermehrt. Selten werden jedoch auch einsamige Beeren gebildet.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = etwa 130.<ref name="IPCN">Piper methysticum bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref>

Verbreitung und Geschichte

Da die Pflanze seit langem in Kultur ist, ist die ursprüngliche Heimat der Kava nicht gesichert. Überwiegend wird vermutet, dass sie auf den Fidschi-Inseln und weiteren Inseln des südlichen Pazifik heimisch ist, aber möglicherweise stammt die Pflanze auch ursprünglich aus Neuguinea. Die ersten Europäer, die von der Pflanze und auch ihrer Nutzung als Zeremonialgetränk berichteten, waren die niederländischen Entdecker Jacob Le Maire und Willem Cornelisz Schouten. Sie sichteten diese auf den Horn-Inseln, die heute politisch zum französischen Überseeterritorium Wallis und Futuna gehören.

Der Name „Kava(-kava)“ stammt aus dem Tongaischen und Marquesanischen;<ref>kava. Wörterbucheintrag. In: Merriam–Webster Online Dictionary. Abgerufen am 11. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> andere Namen sind ʻawa (Hawaiisch), ʻava (Samoanisch), yaqona (Fidschi), und sakau (Pohnpeanisch).

Zubereitung und Anwendung

Kava wird traditionell auf verschiedene Arten in vielen Kulturen des westpazifischen Raumes konsumiert, so zum Beispiel in Polynesien, Vanuatu, Melanesien und Teilen von Mikronesien und Australien, wird jedoch auch in vielen westlichen Kulturen als Medizin oder als Genussmittel konsumiert.

Traditionelle Anwendung und Zubereitung

Traditionell werden frische oder getrocknete Bestandteile der Kava-Wurzel mit Wasser aufgegossen. Meist wird zur Gewinnung der Wurzelstock des Rauschpfeffers („Piperis methystici rhizoma“) zu einem feinen Pulver zerrieben oder in einem Mörser zerstoßen; manchmal werden auch Pflanzenteile gekaut und in ein Gefäß gespuckt. Wird die ganze Pflanze bei der Herstellung verwendet und geknetet, enthält das Kava-Getränk später auch ein speichelflussförderndes Enzym. In manchen Kulturen wird es hingegen auch frisch gekaut, was einen stärkeren Effekt hervorruft. Frisches Kava gilt gegenüber getrocknetem, industrieverarbeitetem Kava als potenter. Die Potenz hängt von Sorte und Kultivierung ab. Es wird sowohl mit heißem als auch kaltem Wasser konsumiert. Oft wird Kava aus halbierten Kokosnussschalen getrunken. Der Geschmack ist leicht scharf; das eigentliche Aroma hängt stark davon ab, ob zur Herstellung frische oder getrocknete Pflanzen verwendet wurden. Die Farbe ist grau bis grünlich.

In den traditionellen Gesellschaften Polynesiens, Mikronesiens und auch Melanesiens war und ist der Konsum von Kava in der Regel reine Männersache, auch wenn es in touristisch gut erschlossenen Gebieten auf Tahiti, Fidschi oder Guam auch bei rein folkloristischen Anlässen männlichen wie weiblichen Gästen angeboten wird.

Auf Hawaii wurden rund 30 verschiedene Kavasorten für medizinische, religiöse, politische, kulturelle und soziale Zwecke von allen sozialen Klassen genutzt – sowohl von Männern als auch von Frauen. Kava hatte dort eine ähnliche Rolle wie Bier als Feierabendgetränk zum Entspannen und Lockern von Muskeln. Auch unruhigen Kleinkindern wurde Kava verabreicht, um sie zu beruhigen und besser schlafen zu lassen.

Auf vielen austronesischen Inseln war das gemeinschaftliche Kavatrinken eine ursprünglich sehr intime und religiöse Zeremonie.

Auf Nauru wurde sie als Initiationsritual für junge Männer genutzt. Auch heute noch spielt das Kava-Ritual auf Nauru eine wichtige, meist festliche Rolle.

Auf Vanuatu wird Kava nachts an einem Ort namens „Nakamal“ („Ort des Friedens“) getrunken. Männer trinken Kava dort aus Muscheln oder leeren Kokosschalen; Frauen war der Genuss von Kava ursprünglich verboten. In der traditionellen Medizin wird eine andere Kavasorte gegen Fieber, Asthma und Schmerzen aller Art verabreicht.

In Neukaledonien wird Kava von der indigenen Bevölkerung zunehmend in ebenfalls als Nakamal bezeichneten Trinkhallen konsumiert, die lange gesetzlich völlig unreguliert waren.<ref>Quelle réglementation proposée pour les nakamals ? la1ere.franceinfo.fr, 19. Dezember 2025, abgerufen am 19. Dezember 2025 (französisch)</ref> Nach den 2025 eingeführten gesetzlichen Bestimmungen darf Kava nicht in Verbindung mit Alkohol getrunken werden, um die gesundheitlichen Schäden zu minimieren.<ref>Encadrer l’ouverture et l’exploitation des établissements dédiés à la vente de kava (PDF; 0,3 MB) gouv.nc, 27. August 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025 (französisch)</ref>

Auf Pohnpei, einer mikronesischen Insel, wird Kava unter dem Namen Sakau aus Kokosnussschalen konsumiert. Vor allem im zeremoniellen und rituellen Bereich ist die Pflanze bedeutend. Neben der Konsumption stellt auch die Produktion des Extraktes eine wichtige soziale Handlung dar. Davon abgesehen findet man auf Pohnpei zahlreiche öffentliche Sakau-Bars.<ref>Augustine Kohler: Sakau – Pohnpei’s communal narcotic. In: abc.net.au. Abgerufen am 6. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Moderne Anwendung und Kommerzialisierung

Heutzutage wird es auch über das Ursprungsgebiet von Kava hinaus konsumiert – als Medizin oder als Genussmittel. So finden sich zum Beispiel Kava-Bars in vielen US-Staaten. Hierbei werden üblicherweise weiterhin nur Produkte konsumiert, die aus der Wurzel gewonnen werden – so zum Beispiel Wurzelpulver oder Extrakte. Es wird sowohl mit Wasser aufgegossen oder mit Milch o. Ä. konsumiert. Oft wird Lecithin hinzugefügt, um eine bessere Auflösung der Kavapyrone in Wasser zu erreichen. Einige Hersteller haben auch Softdrinks auf Kava-Basis entwickelt.<ref> </ref>

Die rechtliche Einordnung von Kava-Zubereitungen variiert je nach Verwendungsform; insbesondere zwischen Arzneimittel- und Lebensmittelrecht wird in Europa unterschieden.<ref name="BfArM2019" /><ref name="EKNovelFood" /> Kava ist in vielen Ländern in pharmazeutischen Erzeugnissen erhältlich und wird als Medikament genutzt. In Deutschland wurde Kava-Wurzelstockextrakt bis 2002 zur Behandlung von leichten allgemeinen Angstzuständen eingesetzt. Handelsnamen waren Antares, Neuronika, Kava-ratiopharm, Kavosporal forte oder Kavatino. Neben der arzneilichen Verwendung wurden Kava-Erzeugnisse in Europa teilweise auch als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel vermarktet; die lebensmittelrechtliche Einordnung ist innerhalb der EU jedoch nicht einheitlich.<ref name="EKNovelFood" /><ref name="FFN2025" />

Laut University of New South Wales waren bis Anfang 2021 bereits 200 Patente und Patentanträge zu Kava bekannt. Einige Anwendungen ähnelten der traditionellen Konsumform, sodass der Verdacht der Biopiraterie aufkam.<ref>Schöne Idee (die wir uns gleich mal patentieren lassen). (pdf) fluter.de, abgerufen am 29. Mai 2025.</ref>

Inhaltsstoffe

Datei:Kava pyridine alkaloids.svg
Piperidin-Alkaloide in der Kavapflanze

Die 2 bis 10 kg schweren, sehr saftigen Wurzelstöcke der Kava-Pflanze enthalten zwischen 3 und 20 % Kavapyrone. Der Gesamtgehalt schwankt in Abhängigkeit vom Standort und der Unterart. Weitere Bestandteile sind Stärke (43 %), Rohfaser (20 %), Wasser (12 %), Zucker (3,2 %), Proteine (3,6 %) und Mineralstoffe (3,2 %). Außerdem enthalten die Wurzeln Flavokavin A und B sowie geringe Mengen an Sitosterol, Stigmastendion und Cepharadion A nebst geringen Mengen ätherischer Öle, sowie einige organische Säuren (zum Beispiel: Oxo-n-nonansäure, Phenylessigsäure, Zimtsäure, p-Methoxyphenylessigsäure).<ref>Rudolf Hänsel: Kava-Kava in der modernen Arzneimittelforschung. In: Zeitschrift für Phytotherapie, 17, 1996, S. 180–194.</ref><ref>A. Lopez-Avila, J. Benedicto: Supercritical Fluid Extraction of Kava Lactones from Piper methysticium (Kava) Herb. In: J.High. Resol. Chromatogr., 20, 1997, S. 555–559.</ref>

Die sichtbaren Pflanzenteile (Blätter, Rinde) dagegen enthalten zusätzlich zu den Kavapyronen die Piperidin-Alkaloide Pipermethystin (0,2 bis 0,8 % in der Rinde, 1 bis 2,4 % in den Blättern), 3a,4a-Epoxy-5b-Pipermethystin (nur in cv. 'Isa') und Awain (nur in geschlossenen Blättern, 0,1 bis 2,6 %), welche vermutlich zu Leberschäden beitragen. In kommerziell erhältlichen Zubereitungen der Wurzeln sind diese Alkaloide nicht enthalten.

Wirkung

Die Kavapyrone (Kavain, Methysticin) aus Wurzeln und Rinde der Kava-Pflanze wirken anxiolytisch, mindern also Angst- und Spannungszustände. Bei Sozialphobie zeigte es sich laut einer Metaanalyse dem Placebo überlegen.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Auch hat Kava leichte analgetische (schmerzstillende) und antioxidante Wirkung. Der Genuss von Kava entspannt und mindert Unruhe; er führt zu leichter Euphorie und Gesprächigkeit.<ref>Kava: Keine Angst vor guter Laune. In: Wechselwirkung</ref> Kava löst Muskelverkrampfungen; Konsumenten fühlen sich in der Regel entspannt, wohl und klar denkend. Auf den Konsum schläft man in der Regel erholsam, und es gibt keine Nachwirkungen am Folgetag, solange die Zubereitung keinen Alkohol enthält.

Nebenwirkungen können leichte vorübergehende Taubheitsgefühle in Lippen und Zunge sein, vermindertes Sehvermögen, eingeschränkte Reaktionsfähigkeit, eine Gelbfärbung der Haut und allgemein allergische Hautreaktionen. Kava sollte in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewandt werden. Bei hohem Konsum und langer Einnahmedauer sowie vorbestehenden Leberschäden kann Kava zu Gewichtsverlust, Unterernährung, Leberschäden, Nierenschäden, Ausschlag, Pulmonale Hypertonie, Makrozytose, Lymphopenie und verminderten Thrombozyten-Volumen führen.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Kontroverse um Leberschäden

In Deutschland wurden kavahaltige Medikamente 2001 vom Markt genommen, nachdem das Auftreten von Leberschäden beobachtet worden war. Es wurde vermutet, dass in der Arzneimittelherstellung eine eventuelle Mitverwendung von „peelings“ (Rinde), welche im Gegensatz zu den in der traditionellen Verwendung benutzten Kava-Wurzel das Alkaloid Pipermethystin enthalten soll, die Ursache für das Auftreten von Leberschäden sei.<ref name="dragulla yoshidab tang">Klaus Dragulla, Wesley Y. Yoshidab, Chung-Shih Tang: Piperidine alkaloids from Piper methysticum. In: Phytochemistry, 2003, 63/2, S. 193–198, doi:10.1016/S0031-9422(03)00111-0, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF (Memento vom 15. Dezember 2006 im Internet Archive)</ref><ref name="Sorrentino">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Pratibha V. Nerurkar u. a.: In Vitro Toxicity of Kava Alkaloid, Pipermethystine, in HepG2 Cells Compared to Kavalactones. In: Toxicological Sciences, 79/-, 2004, S. 106–111, oxfordjournals.org</ref><ref></ref> Mittlerweile gilt diese Hypothese als überholt. Zwar hat sich gezeigt, dass Pipermethystin Leberschäden hervorrufen kann.<ref name="Sorrentino" /> Jedoch ergab eine Analyse von Rückstellmustern der deutschen Kava-Medikamente, dass Pipermethystin nicht in relevanten Mengen enthalten war.<ref>M Lechtenberg, B Quandt, M Schmidt, A Nahrstedt: Is the alkaloid pipermethystine connected with the claimed liver toxicity of Kava products? In: Pharmazie, 63 (1), 2008, S. 71–74, PMID 18271308.</ref> In einer Tierstudie an Ratten mit einem ethanolischen Kava-Extrakt konnte keine lebertoxische Wirkung festgestellt werden.<ref name="Sorrentino" /> Eine andere Vermutung ist daher, dass die Leberschäden durch vorher bestehende Erkrankungen oder durch mögliche Verunreinigungen der Arzneimittel mit Aflatoxinen oder andere leberschädigenden Mykotoxinen, verursacht durch Schimmel und Bakterien, ausgelöst sein könnten. Studien hierzu stehen jedoch bisher aus.<ref name="Teschke">R. Teschke, S.X. Qiu, V. Lebot: Herbal hepatotoxicity by kava: Update on pipermethystine, flavokavain B, and mould hepatotoxins as primarily assumed culprits. In: Digestive and Liver Disease, 2011 [Article in Press]</ref>

Eine Vergiftung durch synthetische Enantiomere könnte ebenfalls eine mögliche Ursache sein, wie eine 2011 veröffentlichte Dissertation zeigt. Die in Deutschland hergestellten Medikamente (wie z. B. das Arzneimittel Laitan) enthielten nicht nur natürliche Stoffe, sondern aus Kostengründen auch synthetisiertes Kavain.<ref>Stufenplanverfahren Stufe II zur Abwehr von Arzneimittelrisiken im Zusammenhang mit Kava-Kava- und Kavain-haltigen Arzneimitteln. Bescheid des BfArM vom 14. Juni 2002 (PDF)</ref> Künstlich produziertes Kavain ist eine racemische Mischung aus (+)-Kavain und (−)-Kavain (auch als DL-Kavain bezeichnet). Die Kava-Pflanze enthält nur (+)-Kavain. In der Arbeit wurde gezeigt, dass (−)-Kavain zu gesundheitsschädlichen para-Hydroxy-Verbindungen abgebaut wird. Dies würde erklären, warum hepatotoxische Fälle hauptsächlich im deutschsprachigen Raum aufgetreten sind, während die Hepatotoxizität im pazifischen Raum so gut wie unbekannt ist. Auch die bisherigen Unterschiede zur Hepatotoxizität in der wissenschaftlichen Literatur könnten verständlich werden, da die Autoren nicht explizit angeben, ob das untersuchte Kavain synthetisch ist oder aus der Kava-Pflanze stammt.<ref>Yann Barguil: Etude de trois plantes psychotropes consommées en Nouvelle-Calédonie: kava, cannabis et datura : Aspects médicaux et médico-légaux, S. 16, 19, 36f., 45f., 51ff. (PDF; 2,9 MB) Nouméa : Université de la Nouvelle-Calédonie, 2011. – Dissertation</ref>

Rechtliche Lage

Die rechtliche Einordnung von Kava ist zwischen Arzneimittelrecht und Lebensmittelrecht zu unterscheiden. In Deutschland betrifft die gut dokumentierte Behörden- und Gerichtsgeschichte vor allem kavahaltige Arzneimittel. Für Kava als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist die Einordnung innerhalb der Europäischen Union weniger einheitlich und hängt unter anderem von Produktform, Verwendungszweck und der Bewertung durch nationalen Behörden ab.<ref name="EKNovelFood">Novel Food status Catalogue (New). In: European Commission. Abgerufen am 26. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Am 14. Juni 2002 widerrief das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Zulassung für Kava-Kava- und Kavain-haltige Arzneimittel. Es reagierte damit auf 40 dokumentierte Fälle von schwerwiegenden Leberschädigungen, darunter sechs Fälle mit beträchtlichem Leberversagen mit Erfordernis einer Transplantation und drei Fälle mit tödlichem Verlauf, bei denen die Einnahme von Kava-Präparaten vorlag.

Über diese Entscheidung des BfArMs äußerten die Mitglieder der das BfArM beratenden Kommission E ihr Befremden. Sie bewerteten die therapeutische Wirksamkeit und das Nutzen-Risiko-Verhältnis der aus dem Rhizom gewonnenen Kava-Arzneimittel für den Patienten im Gegensatz zum BfArM positiv und sahen keine Gefahr im Verzug, die eine solche Maßnahme rechtfertigen könne.<ref>Statement der Kommission E: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zitatauszug (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive)</ref> Die Ursache für die eingetretenen Leberschädigungen in früheren Studien basiere auf Überdosierungen und einer zu langen Einnahmedauer, durch vorher bestehende Erkrankungen oder mögliche Verunreinigungen durch Aflatoxine oder andere leberschädigende Mykotoxine; nur in sehr wenigen Einzelfällen sei bei ordnungsgemäßer Behandlung mit Kava ein kausaler Zusammenhang zu Leberschädigungen als wahrscheinlich einzustufen.<ref name="Teschke" /><ref name="PMID12834011">R. Teschke, W. Gaus, D. Loew: Kava extracts: safety and risks including rare hepatotoxicity. In: Phytomedicine : international journal of phytotherapy and phytopharmacology. Band 10, Nummer 5, 2003, S. 440–446, doi:10.1078/0944-7113-00314, PMID 12834011 (Review).</ref>

Nach einem Widerspruch der Hersteller wurde vom BfArM am 12. Mai 2005 als minderschwere Maßnahme das befristete Ruhen der Zulassung angeordnet, wodurch den Unternehmen die Möglichkeit gegeben werden sollte, durch geeignete Studien die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Kava-Präparate nachzuweisen. Es gelang den Unternehmen jedoch nicht, die Unbedenklichkeit in geeigneten Tierversuchen hinreichend nachzuweisen, was eine Voraussetzung für die Genehmigung und Durchführung klinischer Studien gewesen wäre. Somit konnte keine neue Nutzen-Risiken-Bewertung vorgenommen werden. Das BfArM kam zum Ergebnis, dass dem Risiko keine ausreichend belegte, angemessene therapeutische Wirksamkeit in den beanspruchten Indikationen gegenüberstehe, und ferner therapeutische Alternativen bestünden, deren Wirksamkeit in den in Frage stehenden Anwendungsgebieten erwiesen sei.

Es widerrief am 21. Dezember 2007 die Zulassung erneut. Davon sind nicht nur Fertigarzneimittel, sondern auch Einzelzubereitungen und der Verkauf der Arzneidroge betroffen. Ausgenommen sind lediglich homöopathische Zubereitungen mit einer Endkonzentration geringer als D4.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Dokumente des BfArM zu Kava-haltigen Arzneimitteln.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. November 2014.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Auf Klagen der pharmazeutischen Hersteller hob das Verwaltungsgericht Köln im Mai 2014 den Widerrufsbescheid auf. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen bestätigte dies 2015 und entschied, dass die Voraussetzungen für einen Widerruf nicht erfüllt seien, sofern das Risiko durch entsprechende Auflagen verringert werde.<ref name="OVG2015">Widerruf der Zulassung von Kava-Kava-Arzneimitteln rechtswidrig. Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 25. Februar 2015, abgerufen am 26. März 2026.</ref>

Das BfArM ordnete daraufhin 2015 zunächst risikomindernde Änderungen der betroffenen Zulassungen an. Im Dezember 2019 widerrief es die Zulassungen Kava-Kava-haltiger Arzneimittel erneut und berief sich dabei auf die Bewertung des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur, wonach das Nutzen-Risiko-Verhältnis ungünstig sei.<ref name="BfArM2019">Kava-Kava-haltige Arzneimittel: Risiko für das Auftreten schwerer Leberreaktionen, Widerruf der betroffenen Zulassungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 23. Dezember 2019, abgerufen am 26. März 2026.</ref>

Die Arzneimittelbehörden der Schweiz (Swissmedic),<ref></ref> Frankreichs (AFSSAPS), der Niederlande (CBG)<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Besluit van 23 april 2003, houdende wijziging van het Warenwetbesluit Kruidenpreparaten (verbod op Kava kava in kruidenpreparaten).] (PDF) In: Sdu Uitgevers. Staatsblad van het Koninkrijk der Nederlanden, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 7. Februar 2007 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> und die britische MHRA<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig MHRA Expert Working Group on the safety of Kava.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. November 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> kamen zur gleichen Bewertung aufgrund des damaligen Verdachts. Diese Einschätzungen decken sich jedoch nicht mit denen anderer Arzneimittelbehörden: In den USA ist Kava frei erhältlich, wie auch in den meisten Teilen Australiens. Die australische Therapeutic Goods Administration hat jedoch eine Empfehlung ausgesprochen, nach der Konsumenten nicht mehr als das Kava-Äquivalent von 250 mg Kavapyronen pro Tag konsumieren sollten.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Kava fact sheet.] Therapeutic Goods Administration, Government of Australia, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 26. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Für Kava als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist die Lage in der Europäischen Union nicht abschließend harmonisiert. Die Europäische Kommission weist zum Novel-Food-Status-Katalog ausdrücklich darauf hin, dass dieser ein nicht bindendes Orientierungsinstrument ist, dass Unternehmen eine nennenswerte Verwendung vor dem 15. Mai 1997 selbst nachweisen müssen und dass Mitgliedstaaten die Vermarktung durch spezielle nationale Vorschriften einschränken können.<ref name="EKNovelFood" />

Ein 2024 veröffentlichter Bericht einer unter Leitung des deutschen Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordinierten Arbeitsgruppe der europäischen Lebensmittelaufsicht führte Piper methysticum G.Forst. (Wurzelstock) als „assumed not novel“ bzw. „not NFS“, ausdrücklich noch vorbehaltlich der Bestätigung durch die zuständige Novel-Food-Arbeitsgruppe.<ref name="HoA2024">First report of the HoA working group “Food Supplements”. Heads of European Food Safety Agencies / BVL, 6. Juni 2024, abgerufen am 26. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Berichte des EU Agri-Food Fraud Network dokumentieren zugleich, dass einzelne Mitgliedstaaten Kava in Nahrungsergänzungsmitteln weiterhin als in der EU nicht zugelassene Zutat beanstanden.<ref name="FFN2025">March 2025 - Monthly report on EU Agri-Food Fraud suspicions. European Commission, März 2025, abgerufen am 26. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Literatur

  • Hermann Mückler: Kava in Ozeanien: Neue Betrachtungen zu einer Kulturpflanze und deren Bedeutung im kulturellen Kontext. In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft Wien. Band CXXV, Wien 1996, S. 207–224.
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Buch der Heilpflanzen. Botanik, Arzneidrogen, Wirkstoffe, Anwendungen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.
  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 6. Auflage. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6.
  • Angelika Prentner: Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A-Z. Springer, Wien / New York, NY 2004, ISBN 3-211-23524-8.

Studien

  • F. Pantano, R. Tittarelli u. a.: Hepatotoxicity Induced by "the 3Ks": Kava, Kratom and Khat. In: International journal of molecular sciences. Band 17, Nummer 4, 2016, doi:10.3390/ijms17040580, PMID 27092496, PMC 4849036 (freier Volltext) (Review).
  • L. R. Olsen, M. P. Grillo, C. Skonberg: Constituents in kava extracts potentially involved in hepatotoxicity: a review. In: Chemical research in toxicology. Band 24, Nummer 7, Juli 2011, S. 992–1002, doi:10.1021/tx100412m, PMID 21506562 (Review).
  • R. Teschke: Kava hepatotoxicity–a clinical review. In: Annals of hepatology. Band 9, Nummer 3, 2010 Jul–Sep, S. 251–265, PMID 20720265 (Review).

Weblinks

Commons: Kava (Piper methysticum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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