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Russische Phonologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Russische Aussprache)

Die russische Sprache hat fünf Vokalphoneme und je nach Zählweise 32 bis knapp über 40 Konsonantenphoneme. Zwei Phänomene sind sehr charakteristisch für die russische Aussprache: Betonung und Palatalisierung.

Als Lautschrift wird in diesem Artikel das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) verwendet, als Transliteration der kyrillischen Schrift die Norm ISO 9. Phonetische Transkriptionen stehen in eckigen Klammern […], phonologische Transkriptionen zwischen Schrägstrichen /…/, Transliterationen der kyrillischen Schreibweise zwischen einfachen Guillemets ‹…›. In der sowjetischen und russischen Fachliteratur ist eine eigene Lautschrift auf Grundlage des kyrillischen Alphabets üblich.

Standard

Eine ältere Standardaussprache war vor allem an die in Moskau übliche Aussprache<ref>Г.Е. Кедрова, В.В. Потапов, А.М. Егоров, Е.Б. Омельянова: Московское произношение.</ref> angelehnt; die heutige Standardaussprache ist im Vergleich dazu stärker am Schriftbild orientiert.<ref>Михаил Викторович Панов: История русского литературного произношения ХVIII-ХХ вв. Едиториал УРСС, Moskau 2007;
Г.Е. Кедрова, В.В. Потапов, Е.Б. Омельянова, А.М. Егоров: История русского литературного произношения (МГУ).</ref>

Betonung

Das Russische hat einen dynamischen Akzent. Betonte Vokale werden halblang gesprochen. Der Wortrhythmus unterscheidet sich deutlich vom Deutschen: Für das Deutsche ist ein Wellenrhythmus mit einer Hauptbetonung und bei längeren Wörtern einer oder mehreren Nebenbetonungen charakteristisch; im Russischen steigt die Schallfülle der Vokale bis zur betonten Silbe kontinuierlich an, nachtonige Silben sind stark geschwächt.<ref>Nach Nina Noll, Reinhard Wenk: Russische Betonung. Buske, Hamburg 2003, S. 12.</ref>

Im Gegensatz zum Deutschen liegt im Russischen die Betonung häufig auf grammatischen Endungen und nicht auf der Stammsilbe, es gibt im Zusammenhang mit der Flexion häufig Betonungswechsel, und Komposita werden auf der letzten Komponente betont.<ref>Ruben I. Avanesov: Die Betonung in der modernen russischen Literatursprache [Ударение в современном русском литературном языке]. Max Niemeyer, Halle/Saale 1958. Übersetzung: Günter Rassler.</ref> Beispiele:<ref>Nach Nina Noll, Reinhard Wenk: Russische Betonung. Buske, Hamburg 2003, S. 11.</ref>

Russisch Deutsch Anmerkung
стол –столяр
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />stol – stoˈlʲar/
[<templatestyles src="IPA/styles.css" />stɔˑɫ – stɐˈlʲaˑr]
Tisch – ˈTischler Im Russischen ist bei der Ableitung die Endung betont, im Deutschen der Stamm.
стол – стола
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />stol – stoˈla/
[<templatestyles src="IPA/styles.css" />stɔˑɫ – stɐˈlaˑ]
der Tisch – des ˈTisches Im Russischen springt die Betonung im Genitiv auf die Endung, im Deutschen bleibt der Stamm betont.
язык – языкознание
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />jaˈzik – jazikoˈznanʲije/
[<templatestyles src="IPA/styles.css" />jɪˈzɨˑk – jɪzɨkɐˈznaˑnʲijə]
ˈSprache – ˈSprachwissenschaft Im Russischen ist der zweite Teil des Kompositums betont, im Deutschen der erste.

Siehe auch: Wortbetonung in der russischen Sprache

Vokale

Datei:Russian vowel chart.svg
Die russischen Vokalphoneme (schwarz) und ihre Allophone (rot). [ɨ] wird hier als Phonem /ɨ/ gewertet und /e/ wird als /ɛ/ geschrieben.

Das Russische hat fünf Vokalphoneme: /<templatestyles src="IPA/styles.css" />a, e, o, i, u/.<ref>Vergleich mit anderen Sprachen in John Ellery Clark, Colin Yallop, Janet Fletcher: An Introduction to Phonetics and Phonology. Blackwell, Malden/Oxford/Carlton 2007, S. 102.</ref> In unbetonten Silben werden die Vokale „reduziert“ (s. u.) und nach manchen Autoren gibt es in unbetonten Silben nur drei Vokalphoneme: /<templatestyles src="IPA/styles.css" />a, i, u/.<ref>Zum Beispiel Anatole Lyovin: An Introduction to the Languages of the World. Oxford University Press 1997, S. 65.</ref>

Die phonetische Realisierung der Vokalphoneme hängt vor allem davon ab, ob sie betont oder unbetont sind sowie ob der folgende Konsonant palatalisiert oder nicht palatalisiert ist.

Die hervorstechende Ausnahme ist <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠i⁠/​, das zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɨ⁠]​ wird, wenn der vorhergehende Konsonant nicht palatalisiert ist. Das gilt auch über Wortgrenzen hinweg:

(Es handelt sich also um nur ein Phonem, obwohl dies der Intuition vieler Sprecher widerspricht.)<ref>Paul V. Cubberley: Russian. A Linguistic Introduction. Cambridge University Press, 2002, S. 69;
Roman Jakobson: Selected Writings: Phonological Studies. Mouton de Gruyter, Berlin / New York ³2002, S. 469f.;
vgl. Rolf-Rainer Lamprecht: Russische Phonetik – Bestimmung des Phoneminventars (Institut für Slavistik der Universität Potsdam).
Vertreter der so genannten Leningrader Phonologischen Schule – u. a. Lew W. Stscherba (1880–1944) – hatten eine stärker psychologische Auffassung des Phonembegriffs und betrachteten <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɨ⁠]​ als eigenes Phonem. Press bemerkt sarkastisch, dass <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɨ⁠]​ erst im Schulunterricht zu einem eigenen Phonem gemacht wurde, als der alte Name des Buchstabens – еры /<templatestyles src="IPA/styles.css" />jeˈri/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />jɪˈrɨˑ] – aufgegeben wurde und stattdessen die Bezeichnung „ы [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɨˑ]“ eingeführt wurde. (J. Ian Press: Aspects of the phonology of the Slavonic languages: The vowel y and the consonantal correlation of palatalization. A.A. Barentsen, B.M. Groen, R. Sprenger (Hrsg.): Studies in Slavic and General Linguistics 7; Rodopi, 1986, S. 1 und S. 158f.) Roman Jakobson nennt diesen Phonembegriff, der auf Jan Baudouin de Courtenay (1845–1929) zurückgeht, einen „antiquierten Psychologismus“. (Roman Jakobson: Selected Writings. Phonological Studies. Mouton de Gruyter, Berlin / New York ³2002, S. 419.). Eine Diskussion des Phonems /i/ und seiner Allophone [i] und [ɨ] findet man außerdem bei Wolfgang Steinitz: Russische Lautlehre. Berlin: Akademie-Verlag, ²1957, S. 41–46.</ref>

Vokale in betonten Silben

Die Allophone der betonten Vokale werden von der phonetischen Palatalisierung der Konsonanten in der Umgebung bestimmt.

/<templatestyles src="IPA/styles.css" />a, o, u/ werden neben palatalisierten Konsonanten mit stärker vorderen (palatalen) Übergängen oder im Extremfall durchgängig weiter vorne gesprochen:

  • пять /<templatestyles src="IPA/styles.css" />pʲatʲ/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />pʲæˑtʲ] „fünf“
  • тётя /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈtʲotʲa/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈtʲɵˑtʲə] oder [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈtʲøˑtʲə] „Tante“
  • люлька /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈlʲulʲka/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈlʲʉˑlʲkə] oder [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈlʲyˑlʲkə] „Wiege“

/<templatestyles src="IPA/styles.css" />i, e/ werden nach nicht-palatalisierten Konsonanten stärker hinten gesprochen: <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠i⁠/​ wird zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɨ⁠]​ (s. o.), <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠e⁠/​ zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɛ⁠]​.<ref name="Cubberley 70">Paul V. Cubberley: Russian. A Linguistic Introduction. Cambridge University Press, 2002, S. 70ff.</ref>

Alle Vokale haben einen leichten Übergang zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ə⁠]​ vor nicht-palatalisierten Konsonanten (z. B. нет /<templatestyles src="IPA/styles.css" />nʲet/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />nʲɛˑət] „nein“). <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠o⁠/​ hat einen leichten Übergang von <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ʊ⁠]​ nach nicht-palatalisierten Konsonanten (z. B. вот /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vot/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />vʊɔˑət] „hier; jetzt“) und einen leichten Übergang von <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠y⁠]​ nach palatalisierten Konsonanten (z. B. нёс /<templatestyles src="IPA/styles.css" />nʲos/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />yɔˑəs] „(er) trug“).<ref name="Cubberley 70" />

Vokale in unbetonten Silben

In unbetonten Silben werden Vokale deutlich „reduziert“, d. h. zentralisiert, und es werden nur vier Vokale unterschieden: [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɪ, ə, ɐ, ʊ]. Diese Erscheinung – besonders in Bezug auf den Wechsel von unbetontem <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠o⁠/​ zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɐ⁠]​ – heißt auf Russisch ‹akan’e› (аканье).<ref>Artikel Аканье in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)http://vorlage_gse.test/1%3D5631~2a%3D%D0%90%D0%BA%D0%B0%D0%BD%D1%8C%D0%B5~2b%3D%D0%90%D0%BA%D0%B0%D0%BD%D1%8C%D0%B5</ref> In manchen Dialekten werden nicht alle Vokale so stark reduziert; dieses Fehlen der Reduktion wird als ‹okan’e› (оканье) bezeichnet.<ref>Artikel Оканье in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)http://vorlage_gse.test/1%3D83890~2a%3D%D0%9E%D0%BA%D0%B0%D0%BD%D1%8C%D0%B5~2b%3D%D0%9E%D0%BA%D0%B0%D0%BD%D1%8C%D0%B5</ref>

/<templatestyles src="IPA/styles.css" />a, o/ nach nicht-palatalisierten Konsonanten werden

  • unmittelbar vor betonten Silben zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɐ⁠]​. Beispiele:
    • сады /<templatestyles src="IPA/styles.css" />saˈdi/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />sɐˈdɨˑ] „Gärten“
    • моря /<templatestyles src="IPA/styles.css" />moˈrʲa/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />mɐˈrʲaˑ] „Meere“
  • am Wortanfang ebenfalls zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɐ⁠]​. Beispiele:
    • абрикос /<templatestyles src="IPA/styles.css" />abrʲiˈkos/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɐbrʲɪˈkɔˑs] „Aprikose, Aprikosenbaum“
    • огород /<templatestyles src="IPA/styles.css" />oɡoˈrod/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɐɡɐˈrɔˑt] „Gemüsegarten“
  • sonst zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ə⁠]​. Beispiele:
    • карандаш /<templatestyles src="IPA/styles.css" />karanˈdaʃ/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />kərɐnˈdaˑʃ] „Bleistift“
    • голова /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɡoloˈva/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɡəɫɐˈvaˑ] „Kopf“
    • комната /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈkomnata/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈkɔˑmnətə] „Zimmer“
    • слово /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈslovo/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsɫɔˑvə] „Wort“.

/<templatestyles src="IPA/styles.css" />a, e, o/ nach palatalisierten Konsonanten werden zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɪ⁠]​. Beispiele:

  • синяя /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsʲinʲaja/ (f.) und синее /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsʲinʲeje/ (n.) unterschiedslos [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsʲiˑnʲɪjə] „blau“
  • село /<templatestyles src="IPA/styles.css" />sʲoˈlo/ (sic!) [<templatestyles src="IPA/styles.css" />sʲɪˈɫɔˑ] „Dorf“.

<templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠e⁠/​ nach nicht-palatalisierten Konsonanten wird unmittelbar vor betonten Silben zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɪ⁠]​, sonst zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ə⁠]​. Beispiele:

Konsonanten

Konsonantenphoneme und -allophone (Allophone bzw. Laute mit unklarem phonemischem Status in eckigen Klammern):

  bilabiale labiodentale dentale und
alveolare
postalveolare palatale velare
Nasale nicht palatalisiert <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠m⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠n⁠/​      
palatalisiert /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/   /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/      
Plosive nicht palatalisiert <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠p⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠b⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠t⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠d⁠/​     <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠k⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ɡ⁠/​
palatalisiert /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/   /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/   /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/   /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/     [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]   [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɡʲ]
Affrikaten nicht palatalisiert     <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ʦ⁠/​  <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ʣ⁠]​        
palatalisiert         /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʧʲ/   [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʤʲ]    
Frikative nicht palatalisiert   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠f⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠v⁠/​ <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠s⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠z⁠/​ <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ʃ⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ʒ⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠x⁠/​   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɣ⁠]​
palatalisiert   /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/   /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/ /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/   /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃʲʃʲ]   [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʒʲʒʲ]   [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]     
Vibranten nicht palatalisiert     <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠r⁠/​      
palatalisiert     /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/      
Approximanten nicht palatalisiert     <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠l⁠/​      
palatalisiert     /<templatestyles src="IPA/styles.css" />/   <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠j⁠/​  

Die Konsonanten /<templatestyles src="IPA/styles.css" />kʲ ɡʲ xʲ/ kommen nicht am Silbenende und – außer in Fremd- und Dialektwörtern – nicht vor /<templatestyles src="IPA/styles.css" />a o u/ vor.

Manche Sprecher unterscheiden zwischen щ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃʲʃʲ] und с-ч /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃʲtʃʲ/, wenn с <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠s⁠/​ Präposition ist (z. B. in с честью /<templatestyles src="IPA/styles.css" />s ˈtʃʲestʲju/ „mit Ehre“), andere sprechen beide Kombinationen als /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃʲtʃʲ/ aus.

Manche Sprecher (vor allem ältere) unterscheiden zwischen /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʒʲʒʲ/ und /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʒʒ/ und sprechen z. B. позже „später“ wie /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈpoʒʲʒʲe/ (statt /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈpoʒʒe/) aus.

In der Umgangssprache werden Konsonantenfolgen beim schnelleren Sprechen oft vereinfacht.

Palatalisierung

Bei dentalen und labialen Konsonanten gibt es vor allen Vokalen außer <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠e⁠/​ einen phonologischen Kontrast zwischen einer palatalisierten und einer nicht-palatalisierten Variante. Die velaren Konsonanten sind vor <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠i⁠/​ und <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠e⁠/​ palatalisiert, sonst nicht. /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʦ, ʃ, ʒ/ sind nie palatalisiert, /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʧʲ, ʃʲʃʲ, ʒʲʒʲ, j/ sind immer palatalisiert bzw. palatal.

Ein Konsonant wird in der Regel palatalisiert, wenn ihm ein palatalisierter Konsonant folgt.

Stimmhaftigkeit

Stimmhaftigkeit und Stimmlosigkeit sind phonologisch distinktiv. Stimmlose Plosive und Affrikaten sind im Gegensatz zum Deutschen nicht aspiriert.

Auslautentstimmlichung / Auslautentsonorisierung

Am Wortende werden stimmhafte Konsonantenphoneme stimmlos gesprochen.<ref>Vergleich mit anderen Sprachen in John Ellery Clark, Colin Yallop, Janet Fletcher: An Introduction to Phonetics and Phonology. Blackwell, Malden/Oxford/Carlton 2007, S. 110.</ref> Beispiele:

  • хлеб /<templatestyles src="IPA/styles.css" />xlʲeb/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />xlʲɛˑp] „Brot“
  • рукав /<templatestyles src="IPA/styles.css" />rukav/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />rʊˈkaˑf] „Ärmel“
  • друг /<templatestyles src="IPA/styles.css" />druɡ/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />druˑk] „Freund“
  • пруд /<templatestyles src="IPA/styles.css" />prud/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />pruˑt] „Teich“
  • нож /<templatestyles src="IPA/styles.css" />noʒ/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />nɔˑʃ] „Messer“
  • дробь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />dro/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />drɔˑ] „Schrot; Bruchzahl“
  • медведь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />mʲedˈvʲe/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />mʲɪdˈvʲeˑ] „Bär“

Regressive Assimilation

Die Stimmhaftigkeit eines Konsonanten assimiliert sich an die Stimmhaftigkeit des folgenden Konsonanten.<ref>vgl. John Ellery Clark, Colin Yallop, Janet Fletcher: An Introduction to Phonetics and Phonology. Blackwell, Malden/Oxford/Carlton 2007, S. 128.</ref> Bei Nasalen, Liquiden und <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠j⁠/​ trifft dies jedoch nur teilweise zu: Sie lösen in der Regel keine Assimilation der Stimmhaftigkeit aus.<ref>Alan Timberlake: Russian. In: Bernard Comrie, Greville G. Corbett (Hrsg.): The Slavonic languages. Routledge, London 1993, S. 827ff., hier S. 830.</ref> Beispiele:

  • абсолютно /<templatestyles src="IPA/styles.css" />absolʲutno/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɐpsɐˈlʲuˑtnə] „absolut“
  • автор /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈavtor/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈaˑftər] „Autor“
  • вкус /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vkus/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />fkuˑs] „Geschmack“
  • впредь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vprʲedʲ/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />fprʲeˑtʲ] „künftig“
  • все /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vsʲe/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />fsʲɛˑ] „alle“
  • подтема /<templatestyles src="IPA/styles.css" />podˈtʲema/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />tˈtʲɛˑmə] „Unterthema“
  • мужской /<templatestyles src="IPA/styles.css" />muʒˈskoj/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃˈskɔˑj] „männlich“
  • отдых /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈotdix/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈɔˑddɨx]„Erholung“
  • сбоку /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsboku/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈzbɔˑkʊ] „seitlich“
  • сдоба /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsdoba/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈzdɔˑbə] „Feinbrot“
  • сжечь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />sʒeʧʲ/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />zʒɛˑʧʲ] „verbrennen“

Diese Assimilation tritt selbst über Wortgrenzen hinweg auf. Beispiele:

  • из Томска /<templatestyles src="IPA/styles.css" />jiz tomska/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />s‿ˈtɔˑmskə] „aus Tomsk“
  • к дому /<templatestyles src="IPA/styles.css" />k ˈdomu/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɡ‿ˈdɔˑmʊ] „zu dem Haus“
  • в Томске /<templatestyles src="IPA/styles.css" />v ˈtomskʲe/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈf‿tɔˑmskʲə] „in Tomsk“
  • в шкафу /<templatestyles src="IPA/styles.css" />v ʃkaˈfu/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />f‿ʃkɐˈfuˑ] „im Schrank“
  • наш же /<templatestyles src="IPA/styles.css" />naʃ ʒe/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈnaˑʒ‿ʒə] „der Unsere aber“
  • рос бы /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ros bi/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈrɔˑz‿bɨ] „wüchse“
  • их дом /<templatestyles src="IPA/styles.css" />jix dom/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɣ‿ˈdɔˑm] „ihr Haus“
  • отец был дома /<templatestyles src="IPA/styles.css" />oˈtʲeʦ bil ˈdoma/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />oˈtʲeˑʣ‿bɨɫ ˈdɔˑmə] „Vater war zu Hause“
  • с деньгами /<templatestyles src="IPA/styles.css" />s dʲenʲˈɡamʲi/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />z‿dʲɪnʲˈɡaˑmʲɪ] „mit (dem) Geld“
  • с запада /<templatestyles src="IPA/styles.css" />s ˈzapada/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈz‿zaˑpədə] „aus dem Westen“

Vor dem Konsonanten <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠v⁠/​ bleiben stimmlose Plosive und Frikative meist stimmlos, zum Beispiel:

  • к воде /<templatestyles src="IPA/styles.css" />k voˈdʲe/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />k‿vɐˈdʲɛˑ] „zum Wasser (hin)“
  • ответ /<templatestyles src="IPA/styles.css" />tvʲet/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɐˈtvʲɛˑt] „Antwort“
  • отшвырнуть /<templatestyles src="IPA/styles.css" />otʃvirˈnutʲ/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɐtʃvɨrˈnuˑtʲ] „wegschleudern“
  • усвоение /<templatestyles src="IPA/styles.css" />usvoˈjenʲije/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʊsvɐˈjeˑnʲɪjə] „Aneignung“

Intonation

E.A. Bryzgunova entwickelte ein Modell von zunächst fünf und später sieben „Intonationskonturen“ (интонационные конструкции, wörtlich „Intonationskonstruktionen“; auch: „Intoneme“<ref>Gabka 1974, S. 179ff.</ref>), abgekürzt als IK-1 bis IK-7, für den Unterricht von Russisch als Fremdsprache.<ref>И.Л. Муханов: Интонация в русской диалогической речи. Русский язык, Moskau ²1987;
Paul V. Cubberley: Russian. A Linguistic Introduction. Cambridge University Press, 2002, S. 89ff.;
Tamara Rathcke: Komparative Phonetik und Phonologie der Intonationssysteme des Deutschen und Russischen. Herbert Utz, München 2009, S. 32.</ref>

Bei IK-1 ist die Silbe vor dem Intonationszentrum höher, die Stimme fällt auf das Intonationszentrum ab. IK-1 wird für den einfachen Aussagesatz verwendet. Beispiel:<ref name="Cubberley 90">Paul V. Cubberley: Russian. A Linguistic Introduction. Cambridge University Press, 2002, S. 90.</ref><ref>Keunecke 1995, S. 44;
Rolf-Rainer Lamprecht: Russische Phonetik IK 1 (Institut für Slavistik der Universität Potsdam).</ref>

  • Это газета. /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈeto ɡaˈzʲeta/ „Das ist eine Zeitung.“

Bei IK-2 liegt die Betonung auf dem Fragepronomen und die Stimme sinkt am Satzende. Das Intonationszentrum ist die höchste Silbe. IK-2 wird in Aussagesätzen mit Kontrastbetonung, in Fragen mit Interrogativpronomen und in eher groben Aufforderungssätzen verwendet: Beispiele:<ref name="Cubberley 90" /><ref>Keunecke 1995, S. 23;
vgl. Rolf-Rainer Lamprecht: Russische Phonetik – IK 2 (Institut für Slavistik der Universität Potsdam).</ref>

  • Это газета. /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈeto ɡaˈzʲeta/. „Das ist eine Zeitung (und nichts anderes).“
  • Как вас зовут? /<templatestyles src="IPA/styles.css" />kak vas zoˈvut/ „Wie heißen Sie?“
  • Закройте окно! /<templatestyles src="IPA/styles.css" />zakˈrojtʲe okˈno/ „Schließen Sie das Fenster!“

Bei IK-3 liegt das Intonationszentrum höher als die mittlere Tonlage, aber die Stimme setzt auf der betonten Silbe bereits höher ein, steigt wesentlich schneller innerhalb dieser Silbe und sinkt am Satzende, außer das letzte Wort im Satz wird auf der letzten Silbe betont. IK-3 wird auch in höflichen Aufforderungen verwendet. Beispiele:<ref name="Cubberley 90" /><ref>Keunecke 1995, S. 15f. ;
Rolf-Rainer Lamprecht: Russische Phonetik – IK 3 (Institut für Slavistik der Universität Potsdam).</ref>

  • Это мама? /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈeto ˈmama/ „Ist das Mama?“
  • Закройте окно! /<templatestyles src="IPA/styles.css" />zakˈrojtʲe okˈno/ „Schließen Sie das Fenster!“

Bei IK-4 ist das Intonationszentrum die tiefste Silbe, danach steigt die Stimmlage. IK-4 wird in elliptischen Fragesätzen im Zusammenhang mit etwas Vorhergehendem verwendet. Beispiel:<ref name="Cubberley 91">Paul V. Cubberley: Russian. A Linguistic Introduction. Cambridge University Press, 2002, S. 91.</ref><ref>Keunecke 1995, S. 44;
vgl. Rolf-Rainer Lamprecht: Russische Phonetik IK 4 (Institut für Slavistik der Universität Potsdam).</ref>

  • А Наташа? /<templatestyles src="IPA/styles.css" />a naˈtaʃa/ „Und [was ist mit] Natascha?“

IK-5 hat zwei Zentren: einen Anstieg auf dem ersten Wort und einen Fall auf dem letzten Wort. IK-5 wird in Ausrufesätzen verwendet, die angenehme Gefühle ausdrücken (Freude, Aufregung etc.). Beispiel:<ref name="Cubberley 91" /><ref>Keunecke 1995, S. 59</ref>

IK-6 ist eine Variante von IK-4, doch der Anstieg der Intonation beginnt bereits auf dem Intonationszentrum, nicht erst danach. IK-6 wird vor allem für positive Emotionen (wie IK-5), jedoch auch für negative Emotionen verwendet, sowie für Verwunderung oder Geheimnistuerei. Beispiele:<ref name="Cubberley 91" />

  • Книг у него сколько! /<templatestyles src="IPA/styles.css" />knʲig u nʲeˈvo ˈskolʲko/ „Wie viele Bücher er hat!“
  • А что у меня есть? /<templatestyles src="IPA/styles.css" />a ʃto u mʲeˈnʲa jestʲ/ „Rate mal, was ich hier habe!“

IK-7 ist eine Variante von IK-3 mit demselben starken Anstieg auf dem Intonationszentrum, doch mit einer kurzen Pause vor dem Fall auf der folgenden Silbe. Der positive lexikalische Gehalt eines Satzes wird mit IK-7 ins Ironische oder Sarkastische verkehrt. Beispiele:<ref name="Cubberley 91" />

  • Какой он эксперт! /<templatestyles src="IPA/styles.css" />kaˈkoj on eksˈpert/ „Der ist mir ein Experte!“
  • Хороший доклад! /<templatestyles src="IPA/styles.css" />xoˈroʃij dokˈlad/ „Was ist das für ein Vortrag!“

Vom Schriftbild zur Aussprache

Die russische Rechtschreibung ist im Wesentlichen phonologisch, doch einige Lautfolgen werden nach dem grafischen Prinzip und einige Morpheme nach dem historisch-etymologischen Prinzip geschrieben.<ref>Anatole Lyovin: An Introduction to the Languages of the World. Oxford University Press 1997, S. 63f.</ref> Das Inventar von mindestens 37 Phonemen wird durch 33 Buchstaben des kyrillischen Alphabets wiedergegeben.

Ein wichtiges Prinzip ist, dass die Palatalisierung eines Konsonanten meist durch den nachfolgenden Vokalbuchstaben angegeben wird.

Obwohl es im Russischen nur sechs Vokallaute gibt, zählt das russische Alphabet zehn eigenständige Vokalbuchstaben; es gibt einen eigenen Buchstaben für <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɨ⁠]​, ein Allophon von <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠i⁠/​, der jedoch nicht konsequent verwendet wird.

Vokalbuchstaben

Buchstabe Phoneme Vorkommen Beispiele
а <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠a⁠/​
е /<templatestyles src="IPA/styles.css" />je/ im Anlaut ехать /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈjexatʲ/ „fahren“
nach anderen Vokalbuchstaben клиент /<templatestyles src="IPA/styles.css" />klʲiˈjent/ „Kunde“
nach ъ und ь карьера /<templatestyles src="IPA/styles.css" />karʲˈjera/ „Karriere“
разъезд /<templatestyles src="IPA/styles.css" />razˈjesd/ „Abreise“
<templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠e⁠/​ nach ж, ш, щ und ч женщина /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʒenʃʲʃʲina/ „Frau“
шесть /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃestʲ/ „sechs“
щепка /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʃʲʃʲepka/ „Kleinholz“
цепь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʦepʲ/ „Kette“
чек /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʧʲek/ „Scheck“
zwischen zwei Konsonanten in zahlreichen Lehnwörtern отель /<templatestyles src="IPA/styles.css" />oˈtelʲ/ „Hotel“
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʲe/* in anderen Fällen петь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />pʲetʲ/ „singen“
ё** /<templatestyles src="IPA/styles.css" />jo/ im Anlaut ёлка /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈjolka/ „Tanne“
nach anderen Vokalbuchstaben паёк /<templatestyles src="IPA/styles.css" />paˈjok/ „Ration“
nach ъ und ь пьёт /<templatestyles src="IPA/styles.css" />pʲjot/ „trinkt“
объём /<templatestyles src="IPA/styles.css" />obˈjom/ „Umfang“
<templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠o⁠/​ nach ж, ш, (щ) und ч жёлтый /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʒoltij/ „gelb“
шёлк /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃolk/ „Seide“
щёлкать /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʃʲʃʲolkatʲ/ „knacken“
чёлка /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʧʲolka/ „Pony“
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʲo/* in anderen Fällen тётя /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈtʲotʲa/ „Tante“
орёл /<templatestyles src="IPA/styles.css" />oˈrʲol/ „Adler“
и <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠i⁠/​ im Anlaut имя /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈimʲa/ „Name, Vorname“
nach anderen Vokalbuchstaben свои /<templatestyles src="IPA/styles.css" />svoˈi/ „seine“
nach ж, ш, щ und ч жизнь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʒiznʲ/ „Leben“
шило /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʃilo/ „Ahle“
щи /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃʲʃʲi/ „Stschi
чисто /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʧʲisto/ „sauber“
цифра /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʦifra/ „Ziffer“
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ji/ nach ь воробьи /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vorobʲˈji/ „Spatzen“
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʲi/* in anderen Fällen пить /<templatestyles src="IPA/styles.css" />pʲitʲ/ „trinken“
о <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠o⁠/​
у <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠u⁠/​
ы /ɨ/
э <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠e⁠/​
ю /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ju/ im Anlaut юг /<templatestyles src="IPA/styles.css" />juɡ/ „Süden“
nach anderen Vokalbuchstaben убаюкивать /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ubaˈjukʲivatʲ/ „in den Schlaf wiegen“
nach ъ und ь подъюбник /<templatestyles src="IPA/styles.css" />podˈjubnʲik/ „Unterrock“
вьюга /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈvʲjuɡa/ „Schneesturm“
<templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠u⁠/​ nach ш in den Wörtern парашют /<templatestyles src="IPA/styles.css" />paraˈʃut/ „Fallschirm“ und брошюра /<templatestyles src="IPA/styles.css" />broˈʃura/ „Informationsschrift“
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʲu/* in anderen Fällen верблюд /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vʲerˈblʲud/ „Kamel“
я /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ja/ im Anlaut яблоко /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈjabloko/ „Apfel“
nach anderen Vokalbuchstaben заявка /<templatestyles src="IPA/styles.css" />zaˈjavka/ „Anforderung“
nach ъ und ь бурьян /<templatestyles src="IPA/styles.css" />burʲˈjan/ „Unkraut“
объять /<templatestyles src="IPA/styles.css" />obˈjatʲ/ „umarmen“
/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʲa/* in anderen Fällen земля /<templatestyles src="IPA/styles.css" />zʲemˈlʲa/ „Erde“

* Das heißt, der vorhergehende Konsonant wird palatalisiert.

** Der Buchstabe ё wird meist durch е ersetzt.

Konsonantenbuchstaben

б <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠b⁠/​, в <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠v⁠/​, г <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ɡ⁠/​, д <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠d⁠/​, ж <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ʒ⁠/​, з <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠z⁠/​, й <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠j⁠/​, к <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠k⁠/​, л <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠l⁠/​, м <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠m⁠/​, н <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠n⁠/​, п<templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠p⁠/​, р <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠r⁠/​, с <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠s⁠/​, т <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠t⁠/​, ф <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠f⁠/​, х <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠x⁠/​, ц <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ʦ⁠/​, ч /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʧʲ/, ш <templatestyles src="IPA/styles.css" />​/⁠ʃ⁠/​, щ /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃʲʃʲ/

Hartes und weiches Zeichen

Das „harte Zeichen“ (твёрдый знак, früher: ер bzw. еръ) ъ kommt nur im Wortinneren vor und bedeutet, dass der vorhergehende Konsonant „hart“, d. h. nicht palatalisiert, ausgesprochen wird und dem folgenden Vokal ein /j/ vorangeht:

  • въезд /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vjezd/ „Einfahrt“
  • съесть /<templatestyles src="IPA/styles.css" />sjestʲ/ „aufessen“
  • объём /<templatestyles src="IPA/styles.css" />obˈjom/ „Umfang“
  • съёмка /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsjomka/ „Aufnahme“
  • подъюбник /<templatestyles src="IPA/styles.css" />podˈjubnʲik/ „Unterrock“
  • разъяснить /<templatestyles src="IPA/styles.css" />razjasˈnʲitʲ/ „aufklären“

Das „weiche Zeichen“ (мягкий знак, früher: ерь) ь bedeutet, dass der vorhergehende Konsonant „weich“, d. h. palatalisiert, ausgesprochen wird:

  • уголь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈugolʲ/ „Kohle“
  • сколько /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈskolʲko/ „wie viel“
  • пьяница /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈpʲjanʲiʦa/ „Säufer“

Außerdem wird das weiche Zeichen am Wortende in femininen Substantiven nach den Konsonanten ж, ш, щ und ч geschrieben. In diesem Fall hat es nur grammatische Funktion:

  • рожь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />roʒ/ „Roggen“
  • речь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />rʲeʧʲ/ „Rede“
  • мышь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />miʃ/ „Maus“
  • вещь /<templatestyles src="IPA/styles.css" />vʲeʃʲʃʲ/ „Sache“

„Unregelmäßige Aussprache“

Bei einigen Wörtern und Morphemen weicht die Rechtschreibung von der Aussprache ab, z. B. die Genitivendung -/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ovo/ bzw. -/<templatestyles src="IPA/styles.css" />ʲevo/, die -ого ‹-ogo› bzw. -его ‹-ego› geschrieben wird, auch erstarrt in сегoдня /<templatestyles src="IPA/styles.css" />seˈvodnʲa/ „heute“ (< „dieses Tages“). Weitere Beispiele:

  • солнце ‹solnce› /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsonʦe/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈsɔˑnʦə] „Sonne“
  • пожалуйста ‹požalujsta› /<templatestyles src="IPA/styles.css" />poˈʒalsta/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />pɐˈʒaˑɫsta] „bitte“
  • легко ‹legko› /<templatestyles src="IPA/styles.css" />lʲexˈko/ <templatestyles src="IPA/styles.css" />[lʲɪxˈkɔˑ] „leicht“
  • мягкий ‹mâgkij› /<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈmʲaxkʲij/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈmʲæˑxʲkʲɪj] „weich“
  • бог ‹bog› /<templatestyles src="IPA/styles.css" />box/ [<templatestyles src="IPA/styles.css" />bɔˑx] „Gott“

Literatur

  • Wolfgang Steinitz: Russische Lautlehre, Akademie-Verlag, Berlin 1953
  • Рубен Иванович Аванесов: Русское литературное произношение. Просвещение, Moskau 41968.
  • Л.Л. Буланин: Фонетика современного русского языка, Moskau 1970
  • Kurt Gabka etc.: Die russische Sprache der Gegenwart. Band 1: Einführung in das Studium der russischen Sprache – Phonetik und Phonologie. Enzyklopädie, Leipzig 1974.
  • Morris Halle: The sound pattern of Russian. Mouton, Den Haag 1959.
  • Edith Keunecke, Edeltraut Kölling, Gudrun Streit, Ingeborg Wolf: Russische Phonetik. Ein Intensivkurs für Anfänger. Helmut Buske, Hamburg 31995.
  • Bernd Bendixen, Kersten Krüger, Horst Rothe: Russisch aktuell – Die Phonetik Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05754-7, auch auf DVD

Weblinks

  • Г.Е. Кедрова, В.В. Потапов, А.М. Егоров, Е.Б. Омельянова: Русская фонетика Moskauer Staatliche Universität (auf Russisch)
  • Фонетика Akademie der Wissenschaften der UdSSR (auf Russisch)

Fußnoten

<references />