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Rainer Koch (Sportfunktionär)

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Datei:Porträtfoto Rainer Koch 2019.jpg
Rainer Koch (2019)

Rainer Koch (* 18. Dezember 1958 in Kiel) ist ein deutscher Jurist und Fußballfunktionär. Von Oktober 2013 bis März 2022 war er 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes für Amateurfußball und Angelegenheiten der Regional- und Landesverbände.<ref>Dr. Rainer Koch 1. DFB-Vizepräsident für Amateurfußball. In: www.bfv.de. Abgerufen am 18. Dezember 2017.</ref> Vom 9. November 2015 bis zum 15. April 2016, vom 2. April 2019 bis zum 17. September 2019 und vom 17. Mai 2021 bis zum 11. März 2022 war er kommissarischer Präsident des DFB; die ersten beiden Male gemeinsam mit Reinhard Rauball, das letzte Mal gemeinsam mit Peter Peters. Von November 2004 bis Juni 2022 war er Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes.<ref>Dr. Rainer Koch zum neuen Präsidenten des BFV gewählt. In: DFB – Deutscher Fußball-Bund e. V. (dfb.de [abgerufen am 18. Dezember 2017]).</ref> Von Oktober 2011 bis Oktober 2022 war er Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes.<ref>Dr. Rainer Koch neuer Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes. Abgerufen am 18. Dezember 2017.</ref> Von März 2020 bis April 2023 gehörte er dem UEFA-Exekutivkomitee an.<ref>KOCH INS UEFA-EXEKUTIVKOMITEE GEWÄHLT. In: ww.dfb.de. Abgerufen am 13. April 2022.</ref><ref>Hans-Joachim Watzke neu im Exekutivkomitee der UEFA. In: www.dfl.de. Abgerufen am 22. Januar 2024.</ref>

Berufliche Laufbahn

Koch studierte nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München und dem Wehrdienst in den Jahren 1979 bis 1984 Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität München und trat nach seiner Promotion in den bayerischen Justizdienst ein. Nach Stationen an verschiedenen Amtsgerichten, drei Jahren als Gründungsfachbereichsleiter für den Fachbereich Rechtspflege an der Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung in Meißen und Jahren als stellvertretender Leiter der Gemeinsamen IT-Stelle der bayerischen Justiz war Koch ab 2008 Richter am Oberlandesgericht München<ref name="Focus2">Sandra Tjong: Bundespräsidentenwahl – Rainer Koch, DFB-Vizepräsident. Interview. In: www.focus.de. Focus, 20. Mai 2009, abgerufen am 11. Februar 2010.</ref> und ab dem 1. Dezember 2017 Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht München. Aufgrund seiner vielfältigen sportpolitischen Verpflichtungen wechselte Koch 2008 beruflich auf eine Halbtagsstelle.<ref name="mainpost">Der reisefreudige Reformator aus Poing. In: www.mainpost.de. Main-Post, 15. Oktober 2010, abgerufen am 19. Dezember 2013.</ref> Zwischenzeitlich übte er den Beruf als Richter nicht mehr aus.<ref>bfv.de: Die BFV-Struktur und Gremien, abgerufen am 13. Juli 2020</ref> Nach seiner Bekanntgabe im Frühjahr 2022, nicht noch einmal als Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes zu kandidieren<ref>Verbandstag: Rainer Koch verzichtet auf Kandidatur als BFV-Präsident | BFV. In: www.bfv.de. Abgerufen am 14. Dezember 2022.</ref>, ist Koch seit dem 1. Januar 2023 wieder in seinem Beruf als Richter am Oberlandesgericht tätig.

Sportliche Laufbahn

Bayerischer Fußball-Verband (BFV)

Seine Leidenschaft für Fußball entdeckte Koch als Spieler für die Münchner Vorortvereine Kirchheimer SC und TSV Poing. In den Jahren 1977 bis 1980 war Koch D- und C-Juniorentrainer beim Kirchheimer SC. Ebenfalls in Kirchheim übernahm Koch von 1989 bis 1990 die Jugendleitung. Kochs Karriere beim Bayerischen Fußball-Verband begann als aktiver Schiedsrichter. Von 1975 bis 1986 leitete er knapp 1000 Verbandsspiele bis zur Bayernliga, damals die dritthöchste Liga, und war darüber hinaus von 1987 bis 1989 als Schiedsrichterbeobachter im Einsatz. Zeitgleich trainierte er die A-Jugend des FC Falke Markt Schwaben, die Trainerlizenz B hatte Koch bereits im Jahr 1982 erworben.

Seine Funktionärslaufbahn startete er 1982 im Alter von 24 Jahren als Beisitzer im Kreis-Schiedsrichterausschuss München. Dieses Amt übte er bis 1986 aus. Nach einer berufsbedingten Auszeit nahm Koch 1990 die Verbandsarbeit im BFV wieder auf und wurde Jugend-Sportgerichtsvorsitzender des Bezirks Oberbayern.<ref name="Main">Runter mit den Spieler-Gehältern. In: Main-Echo, 28. Februar 2009.</ref> Nach sechs Jahren wurde er Beisitzer im Verbands-Sportgericht, dem obersten Sportgericht im BFV, dessen Vorsitz er von 1998 bis 2004 übernahm. Im November 2004 wählte der erste außerordentliche Verbandstag des BFV den damals 45-Jährigen als Nachfolger des zum DFB-Schatzmeister gewählten Heinrich Schmidhuber in Nürnberg einstimmig zum Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes. In dieser Funktion zeigte er Präsenz bei den Kreis- und Bezirkstagen, forcierte die Anstrengungen gegen Wettmanipulationen und stärkte die weniger prestigeträchtigen Ligen im Landesverband.<ref name="mainpost" /> Bei den darauffolgenden BFV-Verbandstagen 2006, 2010 und 2014 wurde Koch jeweils einstimmig wiedergewählt. Zuletzt wurde er am 5. Mai 2018 auf dem 25. BFV-Verbandstag in Bad Gögging für die Legislaturperiode 2018–2022 erneut einstimmig wiedergewählt.<ref>Rainer Koch bleibt BFV-Präsident. Abgerufen am 5. Juni 2018.</ref> Bei der Präsidentschaftswahl am 25. Juni 2022 trat er nicht erneut an. Ihm folgte Christoph Kern nach.<ref>Dr. Christoph Kern ist neuer BFV-Präsident. Abgerufen am 28. Juni 2022.</ref> Rainer Koch wurde von den Delegierten einstimmig zum Ehrenpräsidenten des BFV<ref>Rainer Koch zum BFV-Ehrenpräsidenten ernannt | BFV. Abgerufen am 14. Dezember 2022.</ref> ernannt.

Süddeutscher Fußball-Verband (SFV)

Rainer Koch zog 2005 als Vizepräsident in den Vorstand des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) ein. Dem Regionalverband, der sich aus den Landesverbänden in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg zusammensetzt, steht Koch seit der Wahl auf dem 7. Ordentlichen SFV-Verbandstag in Kassel am 22. Oktober 2011 als Nachfolger von Rolf Hocke als Präsident vor.<ref name="sfv-1"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> Am 12. Oktober 2014 wurde Koch beim 8. Ordentlichen SFV-Verbandstag in Freiburg im Breisgau für weitere vier Jahre als Präsident des SFV bestätigt.<ref name="sfv-2">Dr. Rainer Koch bleibt SFV-Präsident. Südbadischer Fußballverband, 12. Oktober 2014, abgerufen am 6. November 2014.</ref> Vier Jahre später (20. Oktober 2018) wurde er auch beim 9. Ordentlichen SFV-Verbandstag in Stuttgart erneut als SFV-Präsident wiedergewählt.<ref>Corinna Baron: SFV-Verbandstag: Rainer Koch wiedergewählt |. Abgerufen am 26. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2022 trat er nicht mehr zur Wahl an, sein Nachfolger wurde Ronny Zimmermann. Koch wurde zum Ehrenpräsidenten des Verbandes gewählt.<ref>Ronny Zimmermann ist neuer SFV-Präsident abgerufen am 30. Oktober 2022.</ref>

Deutscher Fußball-Bund (DFB)

1996 wurde Koch Beisitzer beim Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), zu dessen Vorsitzendem er 1998 gewählt wurde.<ref name="MM">Rainer Koch aus Poing will DFB-Vizepräsident werden. In: Münchner Merkur, 4. Oktober 2007.</ref>

Zum DFB-Vizepräsidenten für Rechts- und Satzungsfragen wurde Koch im Oktober 2007 auf dem DFB-Verbandstag gewählt und gab in der Folge den Vorsitz im Sportgericht ab. Auch in der neuen Funktion propagierte er eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber Rassismus und Gewalt in den Fußballstadien.<ref name="Focus1"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />3. Liga – DFB verhängt harte Strafe gegen Erfurt. (Memento vom 14. April 2016 im Internet Archive) In: Focus, 21. August 2008.</ref> Sein Verhältnis zu den Ultras gilt als angespannt.<ref>Treffen mit Ultras: Koch wehrt sich. In: www.sport1.de.</ref> Nachdem ihm in der Affäre um den Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell relevante Informationen vorenthalten worden waren, gab Koch im Februar 2010 die ihm ebenfalls übertragene Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen im DFB ab.<ref name="Spiegel">DFB-Vizepräsident Koch gibt Zuständigkeit für Schiedsrichterbereich ab. In: Spiegel Online, 10. Februar 2010.</ref> Das Ressort für Rechts- und Satzungsfragen tauschte Koch im November 2011 aufgrund von Spannungen mit dem damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger kurzfristig mit dem vom hessischen Vizepräsidenten Rolf Hocke verantworteten Ressort „Prävention, Integration sowie Freizeit- und Breitensport“. Im März 2012 kam es nach der Wahl Wolfgang Niersbachs zum DFB-Präsidenten zum Rücktausch der Ressorts zwischen Koch und Hocke. Die Delegierten des 41. Ordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes wählten Koch einstimmig am 25. Oktober 2013 in Nürnberg zum „1. Vizepräsident Amateure“.<ref name="dfb-amateure"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr. Rainer Koch 1. DFB-Vizepräsident für Amateurfußball. (Memento vom 17. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref> In dieser Funktion vertrat Koch die Interessen des deutschen Amateurfußballs und setzte sich im Sinne der Regional- und Landesverbände des DFB für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Profi- und Amateurfußball ein. Mit dieser Position verknüpft war der Vorsitz der Konferenz der 21 Landes- und fünf Regionalverbandspräsidenten. Diese Konferenz berät das DFB-Präsidium, den DFB-Vorstand und die DFB-Zentralverwaltung zu allen Themen, die den Amateurfußball betreffen.

Nach dem Rücktritt Niersbachs als DFB-Präsident im November 2015 wurde Koch zusammen mit dem weiteren 1. DFB-Vizepräsidenten Reinhard Rauball satzungsgemäß kommissarischer DFB-Präsident.<ref>Nach Niersbach-Rücktritt: DFB verzichtet auf Klage gegen den SPIEGEL. Spiegel Online vom 9. November 2015.</ref> Niersbach war wegen möglicher Schmiergeldzahlungen vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zurückgetreten. Koch appellierte am 9. November 2015 öffentlich an Franz Beckenbauer, es sei „höchste Zeit, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge.“<ref>Der Mann von der Basis. In: sueddeutsche.de vom 10. November 2015.</ref> Am 15. April 2016 wurde Reinhard Grindel auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag in Frankfurt zum neuen DFB-Präsidenten gewählt.<ref>KAS-Altstipendiat Reinhard Grindel wird neuer DFB-Präsident. Konrad-Adenauer-Stiftung.</ref> Im Zuge der Regionalliga-Reform, die auf dem außerordentlichen Bundestag am 7. Dezember 2017<ref>Präsident Grindel eröffnet außerordentlichen DFB-Bundestag. Deutscher Fußball-Bund e. V., abgerufen am 3. Januar 2018.</ref> beschlossen wurde, legten die bayerischen Regionalliga- und Drittliga-Vereine zusammen mit dem Bayerischen Fußball-Verband die sogenannte „Wendelsteiner Vorlage“<ref>Bayern für festen West- und Südwest-Aufsteiger. In: kicker online. Abgerufen am 3. Januar 2018.</ref> vor, in der sie sich für den Erhalt der fünf­gleisigen Regionalliga und ein geändertes Aufstiegsmodell aussprachen. Als Alternative wurde in der „Wendelsteiner Vorlage“ thematisiert, eine viergleisige Regionalliga einzuführen und die Regionalliga Bayern mit Sachsen und Thüringen zusammenzulegen. Für diesen Vorschlag wurde Koch vor allem von ostdeutschen Traditionsklubs stark in den Medien kritisiert,<ref>Wollitz erwartet Widerstand gegen 4-Staffel-Vorschlag. In: rbb24.de. Abgerufen am 3. Januar 2018.</ref> obwohl er sich stets für den Erhalt der fünf Regionalligen ausgesprochen hatte.<ref>Fußball: Koch für den Erhalt der Regionalligen. In: MDR.de. Abgerufen am 3. Januar 2018.</ref>

Am 2. April 2019 übernahm Koch nach dem Rücktritt des bisherigen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel erneut zusammen mit dem DFL-Präsidenten und 1. DFB-Vizepräsidenten Reinhard Rauball kommissarisch das Amt des DFB-Präsidenten.<ref>Grindel tritt als Präsident zurück, Koch und Rauball Interimsspitze. Deutscher Fußball-Bund e. V., abgerufen am 2. April 2019.</ref> Die Interims-Amtszeit endete mit dem Ordentlichen DFB-Bundestag und der Wahl von Fritz Keller zum neuen DFB-Präsidenten am 27. September 2019.

Bei einer Razzia im Oktober 2020 im Haus des früheren DFB-Präsidenten Reinhard Grindel stießen die Beamten auf Kuverts mit einer vorformulierten, aber nicht abgeschickten Strafanzeige gegen Koch wegen des Verdachts auf Untreue, Bestechlichkeit und Betrug. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ging den Vorwürfen nach, ermittelte wegen Verdachts der Untreue<ref>Verdacht der Untreue – Ermittlungen gegen DFB-Vize Koch. In: Deutschlandfunk.de vom 7. Februar 2021.</ref> gegen Koch und stellte das Verfahren nach Klärung der Umstände mangels Tatverdachts schließlich Mitte Februar 2021 gemäß § 170 Abs. 2 StPO ein.<ref>Nach Zufallsfund bei DFB-Razzia: Ermittlungen gegen Koch eingestellt. In: Kicker. 5. April 2021, abgerufen am 6. April 2021.</ref>

Bei einer Präsidiumssitzung des DFB am 23. April 2021 wurde Koch vom DFB-Präsidenten Keller bei einem Wutausbruch als „Freisler“ bezeichnet, also mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes in der Zeit des Nationalsozialismus, verglichen. Dies führte zu einer weiteren Führungskrise im Verband, als die Amateurvertreter im DFB Keller zehn Tage später trotz mehrfacher Entschuldigung das Vertrauen entzogen.<ref>DFB-Präsident Keller lehnt einen Rücktritt ab. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2021, abgerufen am 7. Mai 2021.</ref>

Koch und Peter Peters wurden nach Kellers Rücktritt am 17. Mai 2021 gleichberechtigte Interimspräsidenten. Nach massiver Kritik auch an Koch wegen des internen Machtkampfes beim DFB erklärte dieser, beim nächsten ordentlichen Bundestag des DFB nicht mehr für das Amt des ersten Vizepräsidenten zu kandidieren.<ref>DFB-Präsident Fritz Keller stellt sein Amt zur Verfügung. In: Der Spiegel, 11. Mai 2021, abgerufen am 19. Juni 2021.</ref> Im Zuge des Machtkampfes beim DFB tauchten Fragen zum Verhältnis von Koch zum Medienberater Kurt Diekmann und zu dessen mysteriöser, hochdotierter Tätigkeit beim DFB auf. Am 2. Juni 2021 publizierte Der Spiegel ein Gespräch mit Koch, in dem dieser eine mediale Kampagne gegen ihn beklagte und die Deutsche Fußball Liga attackierte. Peters bezeichnete das Gespräch insbesondere in Bezug auf die „Verschwörungstheorie“, dass die DFL den DFB finanziell schwächen wolle, als „nicht fair“ oder schlicht „unwahr“. Die Ethikkommission des DFB wurde im Juni eingeschaltet, um Vorgänge um Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb im Zusammenhang mit der Reform-Initiative „Fußball kann mehr“, darunter ein Steinhaus irritierender Anruf von Koch bei ihr, zu untersuchen.<ref>Der nächste Präsident vor den Ethikern. In: Süddeutsche, 3. Juni 2021, abgerufen am 19. Juni 2021.</ref> Im Dezember 2021 stellte die Ethikkammer des DFB-Sportgerichts das Verfahren „mit der Maßgabe, dass Dr. Rainer Koch ein Hinweis erteilt wird, dass das festgestellte Verhalten unethisch gewesen ist und im Wiederholungsfall eine Anklageerhebung erfolgen kann“ ein.<ref>Der Fall Koch/Steinhaus-Webb: Ethiker kontra Ethiker. In: Kicker, 10. Dezember 2021, abgerufen am 8. März 2022.</ref>

Am 7. März 2022 forderten die früheren DFB-Präsidenten Fritz Keller, Reinhard Grindel und Theo Zwanziger in einem Brief an die Delegierten für den DFB-Bundestag am 11. März „Beenden Sie das System Koch und sorgen Sie für einen echten Neuanfang im DFB“. Kritiker sehen Koch als mitverantwortlich für etliche Krisen im DFB. Zuletzt wurde Koch als Mitverantwortlicher für einen angeblichen „Scheinvertrag“ mit einem Kommunikationsberater gesehen, was zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main führte.<ref>„Er lebt von der Intrige“ – Brandbrief der Ex-Präsidenten. In: Kicker, 7. März 2022, abgerufen am 8. März 2022.</ref>

Beim DFB-Bundestag am 11. März 2022, bei dem auch ein neuer DFB-Präsident gewählt wurde, kandidierte Koch nicht mehr für das Amt des 1. Vizepräsidenten. Bereits im Mai 2021 hatte er diesen Schritt öffentlich angekündigt und betont, dass seine Mitwirkung als haftender Vorstand des DFB gemäß Paragraph 26 BGB mit dem Bundestag 2022 ende.<ref>DFB-Präsident Keller vor Rücktritt – auch Vize Koch hört auf. In: BR.de, 11. Mai 2021.</ref> Er kandidierte stattdessen für das Amt des DFB-Vizepräsidenten, für welches er vom Süddeutschen Fußballverband ohne Gegenstimme nominiert wurde.<ref>DFB-Bundestag: SFV nominiert Neuendorf, Koch und Zimmermann. Württembergischer Fußballverband e. V. vom 13. Dezember 2021.</ref> Er forderte in seiner Bewerbungsrede, ihn im Amt des DFB-Vizepräsidenten zu bestätigen oder sich nicht an der Wahl zu beteiligen. Er sah dabei seine Wahl als Probe des zuvor beschworenen Zusammenhalts zwischen Profis und Amateuren. Seine Bewerbungsrede wurde mit einigen Pfiffen bedacht. Er verlor mit 68:163 Stimmen gegen Silke Sinning und schied aus dem Präsidium des DFB aus. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentierte: „Das Ergebnis war die größte Überraschung der vergangenen Jahre im DFB – und ein deutliches Zeichen des Bundestags, neue Wege einzuschlagen und die Ära Koch zu beenden.“<ref>Neuendorf, Koch und die Revolution im DFB. In: FAZ, 11. März 2022, abgerufen am 11. März 2022.</ref>

Internationaler Fußball

Seit 2002 war Koch in verschiedenen Funktionen für die UEFA und FIFA aktiv. Zunächst war er neun Jahre lang Mitglied der Kontroll- und Disziplinarkammer der UEFA, in dieser Funktion war er u. a. bei den Europameisterschaften 2004 und 2008 tätig.<ref>REVEALED: The nine men who will decide Chelsea's fate for Euro ref rage. Abgerufen am 3. September 2019.</ref> Von 2015 bis zu seiner Wahl ins UEFA-Exekutivkomitee war Koch Mitglied des UEFA-Berufungsgerichts. Bereits seit 2005 war er zudem regelmäßig als UEFA- und FIFA-Match-Delegierter im Einsatz und konnte auf mehr als 100 Berufungen seitens UEFA und FIFA zu Delegierteneinsätzen bei internationalen Spielen in Champions League, Europa League, sowie EM- und WM-Qualifikationsspielen zurückblicken. Ab März 2020 war Rainer Koch als einziger deutscher Vertreter Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees. 2017 wurde er von der UEFA als einer von zwei europäischen Vertretern in die FIFA Governance-Kommission<ref>FIFA-Kommissionen Governance-Kommission und Prüfungskommission – FIFA.com. FIFA.com, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. Juni 2017; abgerufen am 24. Mai 2017.</ref> entsandt, in welcher er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2021 vor allem für die Verbindung der Kommission zum Human Rights Advisory Board der FIFA zuständig war. Im April 2023 übernahm Hans-Joachim Watzke seinen Posten im UEFA-Exekutivkomitee.

Sportpolitisches Programm

Kochs sportpolitische Agenda in Bayern zielte auf den Erhalt der für den Fußball unverzichtbaren Vereinslandschaft durch Modernisierung, Kampagnen und Imagearbeit für den Amateurfußball sowie die Wahrung der Einheit von Profi- und Amateurfußball. So initiierte er auf dem BFV-Verbandstag 2010 die Kampagne „Pro Amateurfußball“ mit Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Vereinsbasis.<ref name="kicker">Rainer Franzke: Koch beweist: Der Verband subventioniert jeden Klub. In: typo3server.info. kicker, 21. Januar 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Dezember 2013; abgerufen am 16. Dezember 2013.</ref> Als Leiter eines Projektteams entwickelte Koch „BFV.TV“, die bekannteste Online-Sportschau für den Amateurfußball. Im Jahr 2013 wurde das Format mit dem Bayerischen Sportpreis in der Kategorie „Innovation im Sport“ ausgezeichnet. Seit seiner Zeit als Sportrichter steht Koch für den entschlossenen Kampf gegen Gewalt, Rassismus, Pyrotechnik und jede Form von Diskriminierung in den Fußballstadien. 2013 entwickelte er gemeinsam mit den Vorsitzenden der Rechtsorgane des DFB ein 10-Punkte-Programm für die Sportgerichtsbarkeit, mit dem die Täterermittlung gegenüber der verschuldensunabhängigen Zurechnungshaftung der Vereine in den Vordergrund rücken soll.<ref name="heimatsport">Rassismus, Gewalt, Hallenfußball-Ärger: BFV-Präsident Koch spricht Klartext. Interview. heimatsport.de, 29. Oktober 2013, abgerufen am 15. Mai 2014.</ref> Im Frühjahr 2018 setzte sich Koch dafür ein, dass sich der DFB gegenüber dem Thema E-Sport öffnet. Er schloss dabei aber gewaltverherrlichende Spiele wie Counter-Strike o. Ä. aus. Aus diesem Grund wurde eine einheitliche Linie zum Thema „eSoccer“ definiert. Die 21 Landesverbände des DFB wollen lediglich fußballbezogene Spiele und Formate unterstützen.<ref>SPONSORs (Hrsg.): DFB-Vize Koch: „Der Fußball muss sich öffnen“. (sponsors.de [abgerufen am 5. Juni 2018]).</ref> Der Bayerische Fußball-Verband verankerte auf Kochs Initiative den „eSoccer“ auf seinem Verbandstag am 5. Mai 2018 als Facette des Fußballs in seiner Satzung.<ref>Wichtige Weichenstellungen. Abgerufen am 5. Juni 2018.</ref>

Politik

Koch saß von 1990 bis 2020 für die SPD im Gemeinderat von Poing und wurde 2009 von seiner Partei zur Bundesversammlung entsandt.<ref name="Focus2"/> Im Mai 2024 zeichnete ihn Poing für seine 30-jährige Arbeit im Gemeinderat mit dem Bürgerring der Gemeinde aus.<ref>„Wir sind stolz auf dich!“: Rainer Koch erhält Bürgerring der Gemeinde Poing. Abgerufen am 12. Juli 2024.</ref>

Familie

Koch ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt seit 1964 in Poing.<ref name="Main" />

Kritik

Im September 2019 beschrieb Der Spiegel Koch als Funktionär, der zwar hehre und leere Worte von Transparenz und Sachaufklärung von sich gibt, aber niemals danach handelte. Er trug in der DFB-Führung seit 2007 luxuriöse Reisen von Funktionären zu Turnieren, First-Class-Catering und Trinkgelage auf Feiern und Tagungen mit. Koch erhielt 2019 eine monatliche Aufwandsentschädigung inklusive Sachleistungen und einen Verdienstausfall, wegen einer halben Richterstelle, von zusammen knapp 7.000 Euro. Auch über seinen Dienstwagen der Mercedes-Benz E-Klasse inklusive Tankkarte und Steuerübernahme für diesen Geldwerten Vorteil und seine Flüge, grundsätzlich Businessclass, wurde berichtet. Dem Spiegel gegenüber stellte Koch klar, dass er nebenamtlich und nicht ehrenamtlich für den DFB tätig ist, obwohl er gegenüber der Öffentlichkeit von ehrenamtlichem Engagement sprach.<ref>Fast 7000 Euro im Nebenjob, spiegel.de vom 20. September 2019</ref>

Auszeichnungen

2014: Bundesverdienstkreuz am Bande<ref>Bundesverdienstkreuz für Dr. Rainer Koch, auf stmi.bayern.de</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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